Heint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Bezugspreis: Für den halben wt 95 R-Pfg., für den ganzen Monat RM. 1.90 ohne Trägerlohn / Einzelnummer 10 R-Pfg., aStag 12 R-Pfg. / Anzeigenpreise: Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Breite >Pf9- im Reklameteil von 68 mm Breite 25 R-Pfg. ✓ Offertengebühr 50 R-Pfg.
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Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. ' Lei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung oder Rachliefemng oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. / Für Platzvorschrift u. Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet.^Geschäftsstelle: Hammerstr. 9 / Fervspr. 3956,3952,3958
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Mittwoch, de«
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1932
Was Segelschulschiff „MW gesunken
« drei Mè«u<en untergegaMen — Mit 69 L-desopkern zu rechne«
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>er Reichspräsident hat den Gesandten in Reval Schroetter zum Vortragenden Legationsrat im Dortigen Amt (Vereinigte Presseabteilüng der isregierung) und den Gesandtschaftsrat Erster e Dr. Roediger zum Vortragenden Legations- m Auswärtigen Amt ernannt.
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Vie wir erfahren, wird die ursprünglich gestern lussicht genommene Sitzung des Reichskabinetts, er die Beratung der wirtschaftliches Programmen wieder ausgenommen werden sollte, erst am igen Mittwoch stattfinden; außerdem ist für s eine Staatsministerialsitzung in Preußen an- zt. In dieser Sitzung soll über die Umbesetzung r Reihe von Landratsstellen Beschluß gefaßt 't'dsn.
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Vis von zuständiger Seite ausdrücklich betont ), wird mit der Aufhebung des Ausnahmszu- des selbstverständlich auch die über einzelne Per- n verhängte Schutzhaft aufgehoben, sofern nicht I Untersuchung aus den Händen des Militärbe- shabers bereits auf die Zivilgerichtsbarkeit über- rugen ist, die dann über die Weiterführung der astierung in den einzelnen Fällen zu entschei- > hat. . .
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Der vor einigen Tagen mit dem Berliner Kom- ^eur Heimannsberg zusammen festgenommene Wnafor Encke ist aus der Schutzhast entlassen den.
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* Der Reichsarbeitsminister gibt die Bedingun- für Zinszuschüsse zur Instandsetzung von Alt- mungen bekannt.
Das Reichskommissarßft für die vorstädtische msiedlung wird mit dem 31. Juli aufgelöst wer- . Der Reichskommissar Dr. Saasen übernimmt diesem Zeitpunkt wiederum sein früheres Amt, Regierungspräsidium in Trier. Die Arbeiten Fortführung der vobstädtischm Kleinsiedlung :den von der Abteilung 4 des Reichsarbeits- listeriums übernommen. Der Stellvertreter des ichskommisfars LaNdrat a. D. Rönneburg, der sich Ostpreußen erfolgreich für den Siedlungsgedan- eingesetzt hat und der der Deutschen Staats- lei an gehört, scheidet aus seinem Dienstverhält- ■ aus.
Auf Anordnung des Bevollmächtigten des ichskommisfars für Preußen, Dr. Bracht, wird • Amtl. Preuß. Pressedienst von heute ab wieder jelmäßig erscheinen, allerdings mit der Maßgabe, ß die Verbreitung politischer Mitteilungen bis f weiteres durch die Presseabteilung der Reichs- sterung erfolgen soll.
Die beiden bisher getrennt wirkenden Kriegs- ferorganiswtionen, der Reichsverband Deutscher iegsboschädigter und Kriegshinteribliebener und r Zentralverband Deutscher Kriegsbeschädigter .d Kriegshinterbliebener haben sich zusammenge- lossen. Der neue gegründete Verband führt die '.Zeichnung „Reichsverband Deutscher Kriegs- fer E. V., Sitz Berlin".
Als Reichstagsabgeordneter Becker-Arnsberg (3) Hamm den D-Zug besteigen wollte, mm sich auf ne Wahlreise zu begeben, stürzte er so unglücklich, iß er mehrere Rippenbrüche erlitt. Er mußte fort dem Krankenhaus zugeführt werden.
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* Der deutsche Flieger v. Gronau ist gestern wnd in Montreal gelandet.
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Der Vollzugsausschuß der den österreichischen undfunk besorgenden Oesterreichischen Radtover- e-rkehrs A.-G. (Rawag) lehnte es ab, die Wohlde Hitlers, die Freitag durch die reichsdeutschen l -ender übertragen wird, für Oesterreich weiterzueben. Die Ablehnung wird damit begründet, daß ie Rawag jede Parteipolitik von ihrem Programm Inhalten will.
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Der Pariser rumänische Gesandte hat gestern em 2lußenministerium den Beitritt seiner Regie- ’ ung zum französisch-englischen Dertrauensabkom- nen vom 13. Juli zur Kenntnis gebracht. Auch die ) wiechische Regierung wird dem Abkommen bei- reten. *
C _ Der vom Völkerbund eingesetzte Ausschuß von Sachverständigen zur Prüfung der Ausnutzung des " Danziger Hafens durch Polen hat seine Arbeiten in
Danzig abgeschlossen. Seine auswärtigen Mitglieder verlassen nunmehr Danzig und sollen am 28. ttuguft in Genf wieder zusammentreten, um den Bericht an den Völkerbundsrat fertigzustellen.
•) Näheres siehe politischen Teil.
Der Lintergang der „Niobe"
K i e l, 26. Juli. Die Nachrichtenstelle der Reichsmarine teilt mit: heute 14.30 Uhr ist das Segelfchulschiff „N i o b e“ der Reichs marine in einer Gewitter böe bei Fey- marn-Bell-Feuerfchiff gekentert. Die Boote des Feuerschiffs haben sich sofort an die Unfallstelle begeben. An Bord der „Niobe" befanden sich etwa 100 Mann, von denen 40 bis jetzt von einem Dampfer gerettet sind. Weitere Rettungsboote sind an der Arbeit. Eine Anzahl Schnellboote und die Kreuzer „Königsberg" und „Köln" sind an die Unglücksstelle beordert. Der Untergang vollzog sich sehr rasch in etwa drei bis vier Minuten.
Das deutsche Segelschulschiff „Riobe'
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Die „Niobe" war eine Dreimastschoner-Bark von 600 Tonnen Wasserverdrängung. Sie hatte einen Motor von 240 PS. Die Besatzung bestand aus 6 Offizieren, 50 Offiziersanwärtern, 18 Unteroffiziersanwärtern und 25 Stammunteroffizieren und Mannschaften, zusammen also rund 100 Mann. Die „Niobe" befand sich auf einer Ausbildungsreise und war gestern in See gegangen mit dem Ziel Warnemünde. Sie sollte Mitte September in ihren Heimathafen Kiel zurllckkehren. Kommandant war Kapitänleutnant Ruhfuß. Die „Niobe", die erst nach dem Kriege in Dienst gestellt worden war, hatte als ersten Kommandanten den bekannten Grafen Luckner.
69 Tote?
Kiel, 26. Juli. Der Kreuzer „Köln" Hal jetzt die von dem Dampfer „Therese Rust" geretteten 40 lleberlebenden des untergegangenen Schulschiffes „Riobe" an Bord genommen. Außer dem Kommandanten ist ein weiterer Offizier Oberleutnant zur See Lott gerettet. 69 Schiffsangehörige werden vermißt, mit ihrem Tode muß gerechnet werden.
Die von der Seeflugskation Holtenau an die Un- fallstelle entsandten Flugzeuge, die von den Fliegern Osterkamp und Hubrich geführt wurden, haben die Unfallstelle und ihre Umgebung bis zur dänischen Küste mehrere Stunden lang abgesuchl, ohne eine Spur der Vermißten zu finden. Von der „Riobe" selbst ist nichts mehr zu sehen. Es besteht keine Hoffnung mehr auf Rettung der 69 Vermißten. Bisher find auch keine Leichen geborgen worden.
Die von dem Kreuzer „Köln" übermittelte Liste der Geretteen des Segelschulschiffes „Niobe" verzeichnet folgende Namen:
Kapitänleutnant R u h f u ß, Oberleutnant Lott, Oberbootsmaat Kühn, Bernadell i, Behn, Birr, Obermatrosengefreiter Hildebrand, Twardowski, Jakob, Oberherzer Gefreiter Fischer, Obermatrose Roß, Signalgefreiter Klein, Oberschelp, Frenzel, Obersignalgast Guillaume, Matrose Reyher, Jürst, Tantzen, Möller, Klimme r, Franzke, Busch I, Busch II, Steinbrück, Matz, Vo - gel, Eichel, Ravenack, Wieting, Pannenborg, Korth, Jürgens, Girladone, Hoffmann (Dietrich), Frahm, Loße, v. M i t- telstedt und Steward Reich.
«rre das ««sw«k sekwad
Siel, 27. Juli. Die Ostseestation Kiel teilt mit: das Schulschiff „Riobe" passierte um 14 Uhr am 26. Juli das Fehmarn-Belt-Feuerschiff mit füd-
östlichem Kurs in einem Abstand von einer halben Seemeile; Windstärke 2 bis 3. Da im Süden über Fehmarn Gewitterwolken hochzogen, ließ der Kommandant die oberen Segel mit einer Wache bergen, während die anderen wachen ober Deck Unterricht halten. Nach dem Bergen der oberen Segel setzte plötzlich um 14.25 Uhr eine sehr starke, mehr und mehr zunehmende Bö ein, in der sich das Schiff — hart über — in der kürzesten Zeit ganz auf die Seite legte und in wenigen Minuten sank. Bei dem plötzlich so stark überliegenden Schiff war es für die unter Decke befindlichen Teile der Besatzung nicht mehr möglich, an Deck zu kommen. Sie müssen mit dem Schiff in die Tiefe gegangen sein. Die Unfallskelle liegt eine Seemeile östlich vom Feuerschiff Fehmarn-Belt. Der Unfall wurde zum Glück vom Feuerschiff und von dem gerade passie-
Schleiche« über die Aufgaben der deutsche« Wehemacht
Deuischtauds Recht ans Sicherheit - Umbau der Wehrmacht im Salle Ablehmms der deutsche« Gleichberech- tisunsS- und SèchevhettSfovdevungen rum Schutze der deutschen Grenze — Ablehnung der LNilktSvdiktatuv
Berlin, 26. 3uli. Der Reichswehrminister General v. Schleicher hielt heule im Rund- funk eine Rede, die über alle deutschen Sender verbreitet wurde. Der Minister führte aus:
3d) bin kein Freund des militärischen Ausnahmezustandes, und ich bin erst recht kern Freund von Militärdiktatur, und das nicht etwa trotzdem, sondern weil ich Minister für die Wehrmacht bin. Zwei Dinge sind dem Soldaten besonders unsympatisch: Als Polizist verwendet und in die Politik hineingezogen zu werden. Beides aber läßt sich beim militärischen Ausnahmezustand nicht vermeiden. Deshalb habe ich mich auch dafür eingesetzt, daß der zu einem bestimmten Zweck über Berlin und Brandenburg verhängte Ausnahmezustand sobald als möglich wieder aufgehoben würde. Das ist mit dem heutigen Tage geschehen.
In meiner kurzen Erklärung an die Armee beim Antritt meines Amtes als Reichswehrminister habe ich zum Ausdruck gebracht, daß ich meine Kraft daran setzen werde, daß die Reichswehr in Zukunft ihre Berufsaufgabe, Deutschlands Grenzen zu schützen, und seine nationale Sicherheit zu gewährleisten, erfüllen kann. Von einem Teil der Linken ist mir Dieses Hinweis auf die Zukunst übel genommen
renden deutschen Dampfer „Theresia Ruß" aus Hamburg beobachtet. Von beiden Stellen wurde in vorbildlicherweise das Rellungswerk durch- geführt.
Nev Davits« dov „Thsvefta Rutz'" berichtet
Kiel, 27. Juli. Kapitän Müller von dem Hamburger Dampfer „Theresia Ruß", der, wie gemeldet, die 40 Ueb erleb enden der „Niob e" ge-1 rettet hat, machte dem Vertreter des WTB. über den Untergang des Schulschiffes folgende Mitteilung: , .
Ich befand mich auf der Reise von Trangsund in Finnland nach Holtenau. In der Rähe des Fehmarn-Velt-Feuerschiffes sichteten wir die „Riobe", die uns nach unserem Reiseziel befragte. Ich gab Auskunft und beschäftigte mich sodann, da ich eine Gewitterbö herannahen sah, mit meinem Schiff. Als ich mich noch etwa eine Meile von der „Riobe" entfernt befand, traf die Bö die „Riobe" mit voller Wucht. Das Schiff kenterte nach Backbord um und war innerhalb von zwei Minuten gesunken. Die Stärke der Bö schätze ich auf etwa 8 bis 9 Sekundenmeter. Zur Zeit des Unfalls regnete es nicht. Die Sicht war aber getrübt. Wir machten sofort beide Rettungsboote klar, wurden jedoch in unserem Rellungswerk durch die aufkommende Dünnung behindert. Mit Hilfe des Motorboots des Feuerschiffs Fehmarn-Belt, von wo aus der Unfall ebenfalls sofort bemerkt worden war, gelang es uns, 40 der im Wasser Treibenden, darunter den Kommandanten, zu retten. Alle waren schwer erschöpft, und es ist wohl möglich, daß noch einige der im Wasser Treibenden, ehe ihnen Hilfe gebracht werden konnte, aus Erschöpfung ertranken. Einer der Geretteten, der sich im Augenblick der Katastrophe in der Kombüse befand, halte schwere Brandwunden davon getragen, einem anderen war ein Arm aus- gekugelt. Die Geretteten, die zum Til nur wenig bekleidet waren, wurden von uns zunächst mit den nötigen Kleidungsstücken versehen, und wir reichten ihnen dann Erfrischuygen. Die verletzten wurden von uns ärztlich behandelt.
Wir haben dann mehrere Stunden an der Unfallstelle gekreuzt, ohne daß es uns gelungen wäre, weitere Schiffbrüchige zu bergen. Später trafen dann Kreuzer „Königsberg" und mehrere Schnellboote ein, ebenso zwei Flugzeuge, die die Suche fortsehken. Wir selbst machten uns auf den Weg nach Holtenau, gaben jedoch unterwegs die Geretteten an den Kreuzer „Köln" ab.
3m Augenblick der Katastrophe müssen nach Ansicht des Kapitäns auf der Riobe sämtliche Luken geöffnet gewesen sein, so daß das Schiff im Augenblick voll Wasser lief und dem großen Teil der unter Deck befindlichen Besatzungsmilglieder der Weg in die Freiheit a b g e s ch n i t - t e n wurde.
(Siehe auch Letzte Telegramme)
worden. Es wäre doch schon in den vergangenen Jahren alles geschehen, um dieses Ziel zu erreichen. Das hat mich ehrlich erstaunt. Denn daß es in Deutschland nach all den traurigen und bitteren Erfahrungen der Nachkriegszeit noch Menschen gibt, die unsere kleine Wehrmacht allen Ernstes zum Schutz der Grenzen für ausreichend halten, hatte ich nicht für möglich gehalten. Es hat mir wieder gezeigt, wie gern und leicht der Deutsche sich Illusionen hingibt, zumal wenn es ihm in seine Parteirichtung paßt.
Die Tatsache ist doch die, daß kein anderes europäisches Land in so geringem Maße die, Sicherheit besitzt, nach der, so paradox es klingt, gerade die stärkste Militärmacht der Welt unaufhörlich ruft. Diese Haltung unseres westlichen Rachbarn hat der Mi-
Die heutige Knmössev umfaßt
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