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Selfe

Mittwoch, den 20. Juli 1932

Ar. 168

. Die Abendblätter des 17. April 1906 berichteten immer noch über den verheerenden Ausbruch des Vesuv, der ungeheure Opfer gekostet hatte. Zwar war es den Bürgern von San Franzisko recht gleichgültig, was im fernen Europa vor sich ging, ein Ereignis erweckte jedoch ein gewisses Interesse «für das Schicksal der «tadt Neapel, die tagelang vom Untergang bedroht gewesen war; im Grand Opera House stang allabendlich der Inhaber der schönsten Stimme der Welt Enrico Caruso. Die Eintrittspreise waren unsinnig hoch, doch die Män- ver aus demgoldenen Westen" verdienten geung, um sich einige Wochen Aufenthalt in San Fran­cisko leisten zu können. Sie räkelten sich in den Lo­gen herum, sie sprachen in den Pausen von Carusos Heimatstadt, vom Erdbeben in Italien, von den Lavaströmen des Vesuv, sie prieisen voll satter Be­haglichkeit den felsigen Untergrund ihrer Stadt, wo so etwas Programmwidriges niemals passieren könnte.

In der Frühe des 18. April, unmittelbar nach 5 Uhr mögens, begannen die Zimmerwände in den Luxushotels zu zittern. Aus dem Zittern wurde ein Stoßen und Stampfen, die Wände zerbarsten, von draußen her dröhnte das Krachen einstürzènder Häuser und niederkrachender Schornsteine. Noch standen die großen Wohn- und Hotelpaläste, und dieses langsame Sichentwickeln des Erdbebens hat Zehntanfenden das Leben gerettet. Alles warf sich in blinder, besinnungsloser Hast auf die Straße, versammelte sich auf den Plätzen und lauschte auf das Grollen der Erde und das unaufhörliche Zittern des Bodens. Ein paar Minuten vergingen so, immer neue Massen verließen die wankenden Häu­ser und suchten Schutz auf den öffentlichen Plätzen. Nur ganz Unentwegte und viele völlig Unbemittelte zogen es vor, zuversichtlich in ihren Häusern zu bleiben, in der Annahme, es sei jegliche Gefahr vor­über.

Da riß plötzlich mit einem peitschenden Knall, mit dem gellenden Pfeifen herauszischender Erdgase das Pflaster auf. Eine Faust stieß von tief aus dem Er'dinnern nach oben und schüttelte die Menschen durcheinander. Mit ungeheurem Getöse stürzten die Wolkenkratzer ein, Hunderte und aber Hunderte von Menschen wurden unter den Trümmern begraben. Mit Entsetzen in den Augen gewährten die Ge­retteten aus den Straßen und Plätzen, wie ihre Stadt langsam in Trümmer sank. Denn immer noch hielten die Erdstöße an, kurz nach 8 Uhr des Mor­gens ließ ein neuer, sehr heftiger Stoß alle die­jenigen Gebäude zusammenbrechen, die schon ein­sturzreif geworden waren. Der Schrecken schien kein Ende zu nehmen. Ungeheure Menschenmassen wälzten sich zu der Stadt hinaus, um auf offenem Felde zu lagern. Alles hatte den Kopf verloren, niemand kümmerte sich um die Toten und Ver­wundeten, die unter den Trümmern lagen.

Es war hell geworden, ängstlich spähten die Blicke der Flüchtlinge nach der Silhouette der

stodt. Da erhob sich plötzlich an drei, fünf, zehn, hundert Stellen ein Feuerschein über dem bizarren Gerippe eingestürzter Häuser und stehen geblie­bener Wolkenkratzer. Flammen loderten plötzlich empor, der Wind schleuderte ganze Feuerbüschel über die Straßenreihen hin, San Franzisko stand

San Franzisko wurde vom Feuer verschlungen,

in Flammen. Vor dem Erdbeben waren die Men­schen geflüchtet. Aber das Feuer, das nun sich vor­wärts fraß, war ein grausamerer Feind als die dunklen Gewalten der Erde. Um 9 Uhr war die City ein einziger Herd von Glut und Qualm. Wahrscheinlich waren bei dem Erdbeben die Gas­rohre geplatzt, waren die leicht entzündlichen Trüm­mer auf offene Herdstellen niedergefallen, hatte sich das Gas mit der Luft gemischt und war als Knall­gas explodiert. Und dies an vielen Stellen der

Stadt zugleich. San Franzisko wurde vom Feuer verschlungen.

Die Feuerwehren rückten aus. Aber die Trüm­mer versperrten ihnen den Weg zu den Brand­herden. Man drang zu einem flammenden Häuser­komplex vor und begann zu löschen. Ehe sie Erfolg hatten, waren ringsum zehn neue Häuser in feuer­speiende Vulkane verwandelt worden. Mit einem Male versagte auch die Wasserleitung. Die Rohre

waren ebenfalls durch die mehrfachen Erdstöße zer­brochen worden, irgendwo bildeten sich große Wasserstauungen und überschwemmten die Keller. Wo aber das Wasser gebraucht wurde, da fehlte es. Die Feuerwehr stand machtlos vor leeren Pumpen. Das Schicksal von San Franzisko war besiegelt.

Truppen rückten an und sprengten ganze Stra­ßenzüge in die Luft, um dem Feuer Einhalt zu tun. Umsonst, es sprang über und ergriff langsam die ganze Stadt. Um 12 Uhr mittags war mehr als die Hälfte von San Franzisko ein einziger Meer prasselnder und lodernder Flammen. Oelvorräte ergossen sich in die Straßen und nährten das Feuer. Beißender Oelqualm lagerte sich auf die mehr als zweihunderttausend Flüchtlinge, die auf offenem Felde vor der Stadt lagerten und mit­ansehen mußten, wie ihr Besitztum zu Asche ver­schwelte.

Die Todesopfer zählten bereits nach Tausenden. Schon beim ersten Stoß war das Waisenhaus ein­gestürzt, 200 Kinder fanden im Schlaf ihren Tod. Eine zehnstöckige Mietskaserne sackte in sich zusam­men, kein Mensch wurde gerettet. Die großen Zei- tungshäuser hatten fast das gesamte, zum Früh­

dienst versammelte Personal unter sich begraben.

Caruso und der deutsche Sänger Heinrich Kn konnten sich eben noch in Sicherheit bringen, . stürzte hinter ihnen das Hotel ein.

Die heroischen Taten der Feuerwehr waren o gebens. Der erste Branddirektor von San Frc zisko fand unter den Trümmern des Union Tr Building feinen Tod. Drei Regimenter Soldat arbeiteten, fast nackt, infolg der Hitze, um t Brand einzudämmen. Am Nachmittag hatte er m das Chinesenviertel ergriffen. Wie hungrige und gierige Hyänen kroch die Unterwelt San Frc ziskos aus ihren Schlupfwinkeln hervor unlb bega zu plündern. Aus einer Irrenanstalt waren fed hundert gemeingefährliche Wahnsinnige ausgebi chen, die nun unter Begehung der entsetzlichst Verbrechen tobend durch die verlassenen Straß eilten.

Die Nacht wurde schauerlich. Im Umfn von 40 Kilometern war der Brand zu sehen. U aufhörlich krachten die Explosionen des Dynami mit dem der Brand eingedämmt werden sollte. ( fehlte an Wasser, um den Durst der Hundei tausende zu stillen. Die Lebensmittelrationen war nur gering. 150 Kinder wurden in dies Schreckensnacht geboren, die Aerzte waren seit ! Stunden unterwegs, um zu verbinden und , operieren. Der Kriegsminister Taft verhängte bi verschärften Belagerungszustand und setzte 20 0( Mann Militär nach San Franzisko in Marsch. D Morgen, der heraufdämmerte, sah auf der ganz« Linie einen großzügigen Kampf gegen die War men, die Wasser- und Hungersnot und gegen d Marodeurbanden entbrennen. Am 20. April oben! hatten Feuerwehr und Militär gesiegt.

Der Schaden betrug etwa zwei Milliardc Mark. Nur knapp die Hälfte war durch Versich rungen gedeckt. Aber kaum waren die letzten Flan men erloschen, so setzte auch schon der Wiederau bau ein. Eine Sammelaktion wurde eingeleitet, d schon in den ersten Tagen rund 30 Millione Dollar ergab. Ganz Amerika wetteiferte in di Hilfsbereitschaft und im Willen, San Franzisi möglichst schnell wieder aufzubauen. Fremde Hilf wurde zurückgewiesen. Der amerikanische Nationa stolz duldete nicht, daß ausländisches Geld de Wiederaufbau von San Franzisko unterstützt! Eine Welle des unsinnigsten Chauvinismus ergo sich über das Land. Es gab ernsthafte amerikanisch Zeitungen, die ... Italien die Schuld am Erd beben und dem nachfolgenden Brand gaben. Den nur durch den Ausbruch des Vesuv sei die Kato strophe erst eingetreten, eine Behauptung, bi wissenschaftlich ebenso unsinnig ist, wie sie leide geglaubt wurde. In Europa machte diese omeri konische Ueberheblichkeit einen eigentümlichen Ein druck. Immerhin war es bewundernswert, mit wel cher Energie und Großzügigkeit der Wiederaufbat betrieben wurde. Nach fünf Jahren stand Sm Franzisko schöner und imponierender als vorher

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