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1932
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Srscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Bezugspreis: Für den halben Monat 95 R-Pfg., für den ganzen Monat RM. 1.90 ohne Trägerlohn / Einzelnummer 10 R-Pfg., Samstag 12 R-Pfg. / Anzeigenpreise-. Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Breite i R-Pfg.» im Reklameteil von 63 mm Breite 23 R-Pfg. ^ Ossertengebühr so R-Pfg.
Anzeiger M^
temum Giadi
Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. ' Bei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung oder Nachlieferung oder aus Rückzahlung des Bezugspreises. / Für Platzvorschrift u. Erscheinungstage ., Geschäftsstelle: Hammerstr.9 / Feruspr. 3956,3951,3958
Die Anleihe für Defteeveich genehmigt
-inanzhilße seseu vsliti-Äe Vindunse« - Das Sl«iOl«Hvevb-t erneuert - OeCierreiA wieder unter SinamtontreWe
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Der Reichsminister des Innern ist gestern aus eudeck kommend, wo er dem Reichspräsidenten ortrag über die innerpolitische Lage gehalten hat, Lieber in Berlin eingetroffen. Ueber die Aus- irad)e in Neudeck, die er mit dem Reichspräsiden» n über die innerpolitische Lage hatte, wird im nzelnen strengste Vertraulichkeit gewahrt,
* Von deutscher Seite werden die Vorgänge irgelegt, die zu dem Zustandekommen des Gent- man-Abkommens geführt habe.
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Amtlich wird mitgeteilt: Um ausdrücklich sicher- sitellen, daß die Unterbringung der Schuldver- Reibungen des Lausanner Abkommens nicht durch larantien fremder Länder oder auf ähnliche Weise cmöglicht oder erleichtert wird, ist am 8. Juli in ausanne von den Sachverständigen der sechs ein- ibenben Mächte protokollarisch festgestellt worden, aß jede Ausgabe deutscher Regierungsschuldver- Hreibungen ausschließlich auf der Grundlage des eutschen Kredits erfolgen muß.
* Der Thüringer Landtag beschloß seine Auf- jsung und Neuwahlen am 31. Juli.
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* Die Außenhandelsbilanz für den Monat imi zeigt einen Ausfuhrüberschuß von 79 Mill.
Die amtliche „Darmstädter Zeitung" teilt mit: )ie von dem hessischen Landtagsabgeordneten techtsanwalt Jung namens der nationalfozialisti- hen Frakion des Hessischen Landtags geführte klage beim Statsgerichtshof für das Deutsche Reich üf Durchführung eines Landtagsbeschlusses, der ie Abberufung des Innenministers Leuschner for- .erte, ist in der Sitzung des Staatsgerichtshofes (Om 24. Juni unter dem Vorsitz des Präsidenten )r. Bumke abgewiesen worden. Damit ist grund- ätzlich entschieden, daß aus dem geschäftsführenden Kabinett in Hessen ein einnzelner Minister vom Landtag nicht abberufen werden kann. Der Staats- zerichtshof hat sich im wesentlichen der Beweis- ührung der hessischen Regierung angeschlossen.
Der als Berliner Theaterdirektor in langjähriger Tätigkeit bekannt gewordene Dr. Martin Zickel, zuletzt Produktionsleiter des Lichtspielsyndikates, ist gestern nachmittag im Urban-Krankenhaus einem schweren Nierenleiden erlegen. Dr. Zickel stand im 56. Lebensjahr.
Der Völkerbundsrat hat einen Organisationsausschuß mit der Vorarbeit für die Einberufung der Weltwirtschafts- und Währungskonferenz beauftragt. *
Die ergebnislos gebliebenen Besprechungen zwischen Macdonald und de Valera haben gestern nach dreistündiger Dauer um 23 Uhr ihr Ende gefunden, de Valera hat heute London verlassen, um nach Dublin zurückzukehren.
Zu den Besprechungen Macdonalds und de Valera wird ein Communiquee veröffentlicht, in dem es heißt, man habe die durch die vorangegangenen Ereignisse zwischen beiden Staaten geschaffene Lage 'untersucht. Keiner der Verhandlungsteilnehmer fei aber von dem Standpunkt abgewichen, den sie bisher eingenommen hatten.*
Die Streikbewegung in Belgien hat sich dem „Soir" zufolge von der Borinage auf das Kohlengebiet der Campine in Nordbelgien ausgedehnt, wo ungefähr 10 000 Bergarbeiter in den Streik getreten sind. *
Aus Charbin wird gemeldet: Auf der west- mandschurischen Bahn wurde ein Eisenbahnzug von Banditen überfallen. Mehrere Personen wurden getötet. Ein Regiment hat sich den Banditen angeschlossen. *
Das amerikanische Repräsentantenhaus hat gestern den Gesetzentwurf zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit angenommen. Die Klausel, nach der die Rekonstruktion Finance Corporation zur Ver- öffenlichung der von ihr gewährten Darlehen verpflichtet wird, ist nun doch in das Gesetz ausgenommen worden. Wie Reuter erfährt, hat Präsident Hoover zu verstehen gegeben, daß er trotz seiner Bedenken gegen diese Klausel das Gesetz unterzeichnen werde. Das Gesetz wird dem Senat zugeleitet.
Aus Chicago wird gemeldet: Gegenwärtig herrscht in den mittleren Staaten eine Hitzewelle. Es wurden 38 Grad Celsius gemessen. 20 Personen fanden infolge der Hitze den Tod.
*1 Näheres siehe politischen Teil.
Die Nedinsunse« fite die Anleihe
MUM eniftiH M »-- Stimme
Genf, 15. Juli. Der Völkerbundsral hat heute nachmittag das Protokoll über die neue 300-Millionen-Schilling-Auteihe für Oesterreich angenommen. Der deutsche Vertreter,
Gesandter Göppert, enthielt sich der Stimme
Das Anleiheprokokoll gründet sich auf das alte Protokoll von 1922, mit dem bei Gelegenheit der ersten Völkerbundanleihe Oesterreich der wirtschaftliche Anschluß verboten und das politische An- fchlußverbol aus dem Vertrag von Saint- Germain erneuert wurde.
Das Protokoll sieht die Gewährung einer neuen Anleihe von 300 Millionen Schilling an Oesterreich vor, die auf 20 Jahre gegeben werden sollen. Der Ertrag soll zum größten Teil der Rückzahlung der kurzfristigen Schulden gelten, die etwa 240 bis 250 Millionen Schilling erfordert, so daß für Oesterreich selbst nur einige 40 bis 50 Millionen übrigbleiben. Für diese Anleihe muß Oesterreich die Verpflichtung auf sich nehmen, ein strenges Sparprogramm in seiner Verwaltung durchzuführen und eine Währungspolitik zu treiben, die auf die fortschreitende Aufhebung der bisherigen Devisenkontrolle hinausläufk. Das Sanierungsprogramm wird mit Hilfe von zwei internationalen Kontrolleuren durchgeführt, von denen der Holländer Rost die Rolle des früheren Völkerbundskommissar Zimmermann übernimmt, während der Franzose F r ö r e s als Beirat zur Oesterreichischen Ralionalbank ab- geordnet wird.
Der Vertreter Deutschlands, Gesandter Göppert, enthielt sich bei der Abstimmung der Stimme und begründete diese Haltung wie folgt:
Die zur Erörterung stehende Anleihe basiert auf dem Protokoll, das anläßlich der damaligen Völkerbundsanleihe für Oesterreich (b. h. im Jahre 1922) vereinbart worden ist. Deutschland war zu jener Zeit nicht Mitglied des Völkerbundes und ist an den diesbezüglichen Verhandlungen in keiner Weise mitbeteiligt gewesen. Die deutsche Regierung sieht sich nicht in der Lage, sich dem Protokoll ihrerseits anzuschließen. Der Internationale Gerichtshof im Haag hat bekanntlich im vergangenen Jahre keineswegs zu einer einheitlichen Auffassung über die
Deutschland und das Gentleman-Abkomme«
Berlin, 15. Juli. Angesichts dec widerspruchsvollen Auslegung, die das gentleman agreement der Gläubigermächte und seine Tragweite für Deutschland noch immer in einem Teil der Presse findet, wird von zuständiger Stelle erneut mit allem Nachdruck daraus hin- gewiesen, daß für Deutschland lediglich die Abmachungen bindend sind, an denen es beteiligt ist.
Die deutsche Delegation in Lausanne hat von Anfang an sich den Bemühungen, die insbesondere von den Franzosen ausgehen, widersetzt, eine Verquickung zwischen der Reparationsfrage und der Frage der interalliierten Schulden an Amerika sicherzusiellen, und alle Versuche, den Lausanner Pakt von der Regelung der Schuldenzahlungen an Amerika abhängig zu machen, kategorisch abgelehnt. Maßgebend für diese Haltung war, wie nur immer wieder betont werden kann, daß Deutschland die Schuldenfrage nichts angehk, und daß sich Deutschland nicht in eine Einheitsfront der Gläu- bigermächle gegen Amerika einspannen lassen wird.
Als bann am 8. Juli der deutschen Delegation die Erklärung der fünf Gläubigermächte mitgeteilt wurde, daß der zahlungslose Zeitraum, der zu Beginn der Konferenz erklärt worden ist, so lange bestehen bleiben soll, bis die Frage der Ratifizierung geregelt sein würde, und daß für den Fall der Nichtratifizierung der alte Z u s t a n d wieder hergestellt sein solle, hat Deutschland sofort
gegen die Idee, dann wieder den Mechanismus des Zoungplanes in Kraft zu setzen, Einspruch erhoben.
Zur Klärung dieser Frage erfolgte die d e u t s ch e Anfrage an den Präsidenten der Konferenz, Macdonald, der darauf die bekannte Erklärung abgab, daß im Falle der Nichtratifizierung eine neue Lage geschaffen sei und eine neue Konferenz stattfinden müsse.
Das bedeutet, wie in hiesigen unterrichteten Kreisen betont wird, keinesfalls eine Wiederherstel
wegen den politischen Bindungen für Wien.
Tragweite des Protokolls gelangen können. Davon abgesehen ist bie deutsche Regierung der Ansicht, daß eine finanzielle Hilfsaktion nicht mit politischen Bindungen irgend- welcher Art verquickt werden sollte. Aus diesen Gründen kann die deutsche Regierung dem vorliegenden Anträge nicht beilrelen. Um indes die hier in Rede stehende Anleiheaktion nicht zu stören, werde ich mich der Stimme enthalten. Die deutsche Regierung hofft übrigens, an der Sanierung Oesterreichs auch ihrerseits durch eine finan- zielle Transaktion beitragen zu können.
Der englische Außenminister Sir John Simon bezeichnete das Ergebnis der Anleiheverhandlungen als ein gutes Vorzeichen für die Zusammenarbeit der Regierungen, während der Vertreter Frankreichs M a s s i g l i feinem Bedauern Ausdruck gab, baß ßab Protokoll nicht einstimmig unterzeichnet werde. Im Namen der österreichischen Regierung dankte Gesandter Flügl dem Völkerbundsrat für die Oesterreich zuteil gewordene Hilfeleistung.
Bundesrat Musy erklärte zum Schluß, daß man für die Präambel einen Text gewählt habe, der es erlaube, das Protokoll von 1932 zu unterzeichnen, ohne daß man damit dem Protokoll von 1922 zustimme. Der Vorsitzende des Völkerbundsrates stellte darauf hin fest, daß der Rat mit Aus» nähme des deutschen Vertreters einmütig dem Protokoll zugestimmt habe.
e
Die Vertreter Englands und Frankreichs haben bei der Unterzeichnung mitgeteilt, daß der Anteil ihrer Staaten an der Finanzhilfe sich auf je 100 Millionen Schilling beläuft. Der Anteil Italiens beträgt 30 Millionen, der Begliens 5 Millionen. Die Schweiz beabsichtigt, sich mit 12 Millionen zu beteiligen, die Tschechoslowakei, Dänemark, Schweden und Holland mit kleineren Beträgen. Die angekündigte deutsche Sonderhilfe für Oesterreich wird 35 Millionen Schilling betragen.
lung des Poungmechanismus. Durch diese Erklärung Macdonalds ist lediglich fesigestellt, daß im Falle der Richlratifizierung die Situation vor Beginn des Hooverjahres den Ausgangspunkt für neue Verhandlungen bilden wird, die der Beseitigung des entstandenen Vakuums zu dienen hätten.
Kevviot ist zusvisden
Paris, 15. Juli. Am Schluß der heutigen Kammersitzung sprach Ministerpräsident Herriot über die Lausanner Konferenz. Herriot erklärte, daß am 6. Juni die Lage ernst gewesen sei. Frankreich habe zunächst nicht geplant, das Moratoriumsproblem herauszuschälen. Deutschland habe durch feine qualifizierten Vertreter erklärt, daß es niemals mehr bezahlen wolle. Frankreich habe dafür gesorgt, daß der Begriff des Moratoriums auf die Dauer der Konferenz beschränkt bleibe, und habe den Grundsatz der Verbindung zwischen dem Reparationsproblem und dem Problem der französischen Schulden bei Amerika durchsetzen wollen. Dies sei in Lausanne gleich zu Beginn der Konferenz geglückt. Außerdem sei die französische These von der feierlichen Aufrechterhaltung der Vertragsgrundsätze, die zur Organisierung der neuen Welt führen müßten, anerkannt worden.
Herriot schloß, nach längeren Bemühungen sei es der französischen Delegation gelungen, in Lausanne eine Vereinbarung über die Notwendigke-t
(Fortsetzung auf Sette 2) /
Die Woche
Je näher eine Parlamentswahl heranrückt, umso schärfer wird der Wahlkampf, umsomehr steigert sich die politische Hochspannung in der Bevölkerung. Ganz natürlich. Deswegen braucht dieser Kampf aber nicht Formen anzunehmen, wie wir sie in diesen Tagen vor der Reichstagswahl erleben müssen. Denn was sich jetzt in Deutschland abspielt ist kein Wahlkampf mehr, sondern . . . Gewiß hat es auch schon in früheren Wahlkämpfen an heftigen Zusammenstößen nicht gefehlt, aber wenn es zu Schlägereien kam, so erwuchsen diese aus der leidenschafltichen Erregung des Augenblicks. Heute dagegen erleben wir kalt berechnete planmäßige Ueberfälle auf den politischen Gegner, die zu Straßenkämpfen führen, und feige Mordtaten aus dem Hinterhalt. Tagtäglich müssen junge hoffnungsvolle Menschen ihr Leben lassen, tagtäglich schießen und schlagen Deutsche andersgesinnte Deutsche zu Krüppeln, tagtäglich hat die Polizei einen zermürbenden, opfervollen Kleinkampf gegen die streitenden Parteien zu führen, so daß man sich die Fragen vorlegen muß, ob wir uns noch im Wahlkampf oder schon im Bürgerkrieg befinden. Die „Köln. Ztg." meint zwar, daß es vorläufig noch nicht so weit sei, gibt aber zu, daß die zahllosen blutigen Zusammenstöße geeignet seien, in das Vorfeld zum Bürgerkrieg hineinzuführen. Nun über den Begriff des Krieges von Bürger gegen Bürger läßt sich streiten. Der eine wird diesen Krieg bereits als gegeben erachten, wenn der Parteihaß „alle Hemmungen sprengt und das Leben des Andersdenkenden nicht höher wertet als einen gut gezielten Pistolenschuß", wenn , wie es z. B. in Ohlau der Fall war, vielstündige Strahenschlachten stattfinden und die Reichswehr eingreifen muß, der andere wieder wird von Bürgerkrieg erst dann sprechen, wenn er offen zutage tritt, die blutigen Ausschreitungen noch schwerer und allgemeiner werden. Gleichviel jedoch wie man den Begriff auslegt, Tatsache ist, daß das blutige Handwerk, das in den letzten Wochen auf der Straße getrieben worden ist, und weiter getrieben wird, mit einem Wahlkampf nichts mehr zu tun hat, und daß es allerhöchste Zeit ist, diesem Treiben ein Ende zu bereiten. So wie bisher geht es einfach nicht weiter. Allein in den letzten sechs Wochen haben, wie durch Statistiker festgestellt worden ist, die Zusammenstöße mehr Todesopfer gefordert als sie die Straßenkämpfe der Revolution 1918 zu verzeichnen hatten. Geschieht nichts, dann wird in den beiden letzten Wochen vor der Wahl die bereits gefährdete Zucht und Ordnung ganz aus den Angeln gehoben werden und der offene Bürgerkrieg wäre die Folge.
Doch dazu darf es nicht kommen. Aufgabe aller vernünftig denkenden Menschen ist es zunächst, Besonnenheit zu wahren und auf die Jugend belehrend einzuwirken, daß unter zivilisierten Menschen Wahlkämpfe nicht mit Revolvern, Dolchen oder Fäusten geführt werden, sondern mit geistigen Waffen, und daß auch der politische Gegner Volksgenosse und gleichberechtigter Staatsbürger ist. Los von dem heute in vielen Köpfen wieder Platz gegriffenem Grundsatz: „Willst du nicht mein Bruder sein, schlag ich dir den Schädel ein!" Es können nicht alle Menschen einer politischen Meinung sein. Deswegen ist aber der Andersdenkende nun nicht als Verbrecher an- zusehen, wie es leider vielfach geschieht. Weiter muß die Parteipresse aufreizende Ueber- schriften — aus unserer Sammlung greifen wir heraus: „Braune Mordpest", „Blutgieriges rotes Menschenvieh" — und Artikel, die zur weiteren Verhetzung der Volksmassen beitragen, vermeiden, und, wie der Oberpräsi-
Me heutige Stammt?» umfaßt LA Seiten