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Nr. 164

Freitag, den 15. Juli 1932

Selke 3

Stadt Aanau «ae Gachlichke» und MStztsuns im »dlitikms« ^amvk

Ein Aufruf des Oberpräsidenten von Jeffen-Kaffau M^\ ^berpräsident der Provinz Hessen-Nassau erlaßt folgenden Aufruf:

Mit größtem Bedauern habe ich feststellen müssen, daß sich in letzter Zeit ein Teil der in der Provinz Hessen-Nassau erschienenen politischen Tagesblätter einer Schreibweise befleißigt, die ge- eignct ist, die bereits infolge der bevorstehenden Reichstagswahl vorhandene politische Hochspan­nung in der Bevölkerung ins Unerträgliche zu stei­gern. Mit größter Besorgnis muß es jeden sachlich denkenden Leser erfüllen, wenn er je nach der Ein­stellung der Zeitung Tag für Tag Schimpfworte und Schmähungen gröbster Art gegen Anders­denkende lesen muß.

Es kann für mich keinem Zweifel unterliegen, daß die große Mehrzahl der Leser mit mir der Ueberzeugung sein wird, daß eine Fortsetzung sol- [ cher Kampfesweise auf die Dauer unerträglich ist und über kurz oder lang zu noch schwereren blu­tigen Auseinandersetzungen führen muß, als sie bisher schon vorgekommen sind.

Zeitungsarbeit soll nicht nur Nachrichtenvermitt­lung, sondern auch Erziehungsarbeit in gutem :. Sinne am Menschen sein. Insbesondere bei den fortwährenden Klagen über die politische Ver­rohung der Jugend sollte jeder Schriftleiter daran denken, daß heute schon Kinder in den ersten Schul­jahren in der Lage sind, Zeitungen zu lesen und J deshalb die politische Aufklärungs- und Erziehungs­arbeit jedem Zeitungsmann eine große moralische Verantwortung auferlegt.

Solange ich an der Spitze der Provinz stehe, ist es mein ernstes Bemühen gewesen, die P a r t - teien und die politische Presse zu einer maßvollen und sachlichen Kampfesweise zu bewegen, und aus diesem Bestreben heraus habe ich mich nur in be­sonders schwerwiegenden Fällen dazu entschossen, das Zwangsmittel des Zeitungsoerbots oder der Verwarnung in Anwendung zu bringen.

Die Pressefreiheit schätzend und achtend, und in dem Bestreben alles zu tun, um Ruhe und Ordnung aufrecht zu erhalten, wende ich mich unmittelbar f vor der kommenden Reichstagswahl nochmals an die verantwortlichen Stellen her. politischen Par­teien und ihrer Presse und ersuche sie nachdrücklich, Mäßigung und Sachlichkeit an die Stelle aufreizender Leidenschaftlichkeit treten zu lassen und mitzuhelfen, daß der politische Streiter in seinem Gegner in erster Linie den Landsmann, den Deut­schen, den Menschen schlechthin achtet und in ihm nicht seinen Todfeind sieht.

Ganz besonders bitte ich bei Kritik an politischen

Maßnahmen stets zu bedenken, welch schweren verantwortungsvollen Dienst die Polizei heute

WSHl-Ern eins eben 1

und hat.

Die Wählerlisten -für die Reichstagswahl liegen in dieser Woche aus, und zwar noch bis einschließ­lich Sonntag, 17. Juli. In Hanau sönnen die Listen eing eschen werden im städtischen Wählamt Platz der Republik (ehem. Jnfanteriekaserne), Zimmer 98, von 712.30 Uhr und von 14.3017.30 Uhr, Sonntags von 913 Uhr. Wer die Wählerliste (Wahl-kartei) für unrichtig oder unvollständig hält, kann bis zum Ablauf der Auslegungsfrist gegen dieselbe schriftlich oder während der obengenannten Dienststunden im städtischen Wahlamt zu Protokoll Einspruch beim Magistrat erheben. Wer sicher sein will, daß er in den Wählerlisten steht, versäume nicht den Weg zum Wählamt.

âkpâ^^E^ von E. Fraser-Simson

Copyright by Georg Müller, München.

3. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Was du auch unternimmst", hieß es da, ,/ver­giß nicht, die Blumenzwiebel zu bestellen, die Hun­demarke für den neuen Hund zu besorgen und Dich um meine Wahllisten zu kümmern. Das alles kann nicht warten, bis ich zurückkomme, aber ich uber= lasse es Deinem Ermessen, Du mein treuer und zu­verlässiger Mitarbeiter und Kamerad!"

Seltsam und gar nicht wie Peter, diese senti­mentalen Ausdrücke. Wollte er vielleicht auf diese unbeholfene Weise andeuten, daß sie in Zutun st an (seiner Arbeit teilhaben sollte? Aber nein, so wurde er sich niemals ausgedrückt haben.

Und dann diese drei Aufträge das war das allerunverständlichste. Die Blumenzwiebeln waren schon vor mehreren Wochen in Holland bestellt worden, die Hundemarke hatte er am ersten Tag ihres Aufenthaltes hier besorgt und was die Wahl­listen anbelangte, so hatte er ihr doch selber nach­drücklich erklärt, daß es damit bis zu seiner Rück­kunft Zeit hätte. , . .

Als sie den Brief nochmals aufmerksam durch­las, fiel ihr auf, daß Peter ein noch unerklärlicher Irrtum unterlaufen war. Der Briefbogen war einer von jenen, wie sie Peter immer in feiner Reise- schreibmappe bei sich hatte, und ihre Londoner Adresse war auch richtig angegeben, aber was wollte das heißen, daß er statt der Hausnummer 11 eine deutliche 13 hingeschrieben hatte?! Und diese Anrede:Meine liebe Evelyn!" So hatte er sie noch nie genannt, seit sie sich kannten. Sie beide konnten diesen Namen nicht ausstehen, der ihr auch gar naht zukam, denn klar und einfach war sie auf den menEva" getauft worden.Klar schon, aber ein­fach nicht", hatte Peter manchmal darüber ge­spöttelt, wenn andere Leute sie Evelyn nannten und sie sich dagegen zur Wehr setzte.

Sie faltete den Brief zusammen und steckte ihn wieder in den Umschlag. Die unbehaglichen, Empfin­dungen des vergangenen Tages kehrten jetzt v^- stärkt zurück. War Peter vielleicht krank? Im näch­sten Augenblick lachte sie über ihre Befürchtungen uni) beschloß, der Sache mit den Blumenzwiebeln

Vtttzgeßavren

Gewillerangst, eine Kernens rage. jn den Städten ist man sicher. Telephon und Radioapparat. Richt am offenen Fenster stehen! Warum sind Blitzableiter nicht gesetzlich vorgeschrieben? Irr­tümer, die berichtigt werden müssen.

Aus der Erbmasse der Vergangenheit bewahren viele Zeitgenossen noch immer ein Gefühl des Un­behagens, ja der Angst vor dem Gewitter. Vor Franklins genialer Erfindung standen die Menschen tatsächlich wehrlos diesem elementaren Ereignis gegenüber; sie sahen ihre Häuser in Flammen auf­gehen, wenn der Blitz eingeschlagen hatte, wie es einmal im Mai 1730, während eines Pfingstgewit- ters, in Berlin geschah, wo die Petrikirche und mit ihr 44 Wohnhäuser ein Raub der Flammen wur­den. Heute ist die Gewitterfurcht nur noch eine Ner- venfrage sofern gewisse Vorsichtsmaßregeln ge­troffen werden, und der Mensch sich nicht leicht­sinnig in Gefahr begibt.

Denn noch immer gibt es in Deutschland jährlich 7000 Blitzschläge, die nicht weniger als 10 Prozent aller ländlichen Brände verursachen. Dabei gehen unersetzliche Werte verloren, was leicht zu vermei­den wäre, wenn es eine gesetzliche Verpflichtung gäbe, an den Häusern Blitzableiter anzubringen. Un= begreiflicherweise kann aber kein Besitzer gezwungen werden, aulf Gebäuden, Stallungen, Scheunen usw. Blitzschutzvorrichtungen anzubringen; nur Bayern hat mit einem Verbot des Strohdachs eine Haupt- gefahrenquelle verstopft. So bleibt es der privaten Initiative der Versicherungsgesellschaften und der Einsicht des Eigentümers überlassen, die nötigen Schutzvorrichtungen zu treffen und durch regel­mäßige Ueberpvüfung der Anlagen die Blitzgefahr auszuschalten.

Am sichersten kann sich der Mensch im Bereich der Städte fühlen. Es gehört zu den allergrößten Seltenheiten und geschieht nur im Falle leichtsin­niger Selbstgefährdung, daß eine Person innerhalb der Wohnung vom Blitz getroffen wird. Wer bei Gewitter telephoniert, wird schon durch das Fräu­lein vom Amt auf die Gefährlichkeit seines Tuns hlngewiesen, und auch dem Radiohörer braucht man nicht erst zu sagen, wie er sich in solchen Fällen zu verhalten hat. Das bedauerliche Unglück, das kürz­lich einem österreichischen Professor beim Radio­hören das Leben kostete, gehört glücklicherweise zu den größten Seltenheiten. Im übrigen bieten schon die Steinhäuser Sicherheit genug. So unangebracht aber übertriebene Furcht ist, (vor allem bei nächt­lichen Gewittern, wo ängstliche Gemüter ruhelos durch die Wohnung wandern, obwohl sie im Bett am sichersten aufgehoben wären), so sehr ist auch vor Sorglosigkeit zu warnen! Man vermeide es, dem prächtigen Naturschauspiel eines Gewitters vom offenen Fenster aus zuzusehen. Blitzphotographien haben erwiesen, daß der Blitz vom Luftzug seitlich abgelenkt werden kann und die am offenen Fenster oder im Durchzug stehende Person zu treffen ver­mag. Es gibt auch falsch angelegte Blitzableiter, wenn auch diese zur Seltenheit gehören; Blitzablei­ter, die nicht, wie es das einzig richtige ist, an der Außenwand des Haufes verlaufen, sondern ihren Weg zur Erde durch das Haus selbst, möglicherweise durch einen mit allerlei brennbaren Stoffen gefüll­ten Bodenraum, nchmen. Daß kein Blitzableiter besser ist als solche geradezu ungeheuerlichen Vor­

Das tvettev dev nächsten 16 rase

Witterungsvoraussage für Norddeutschland westlich der Oder, West-, Mittel- und Süddeutsch­land (ohne Alpenvorland) für die Zeit vom 5. bis 24. Juli 1932. Herausgegeben von der Staatlichen Forschungsstelle für langfristige Witterungsvor­hersagen, Frankfurt a. M.

Etwa in der 1. Hälfte des Zeitraumes, für den die Vorhersage gilt, also ungefähr bis in den An­fang der nächsten Woche hinein, wird bewölktes, wenn auch zeitweilig ausklarendes, mäßig warmes bis kühles, zu Niederschlägen geneigtes Wetter vorherrschen. In der 2. Hälfte ist mit wärmerer,

sofort auf den Grund zu gehen. Sie begab sich in den Garten und suchte den Gärtner MacPhail auf. Seine Aussage war aber nicht geeignet, sie zu be­ruhigen, denn er bestätigte, daß die Zwiebeln schon vor längerer Zeit bestellt worden waren.

Sie unterhielt sich noch eine Weile mit ihm über Anlage eines Hyazinthenbeetes und kehrt dann ins Haus zurück. Dort fetzte sie sich hin, schrieb an Peter und fragte, was er eigentlich mit seinem Briefe gemeint habe.

Nach dem Mittagessen wurde sie von neuer Un­ruhe gepackt. Wie war das nur mit der Hunde­marke? Das mußte sie auch noch feststellen. So machte sie sich auf den Weg, um Andrew einen Besuch abzustatten.

Trotzdem ein klarer Tag war, sah es aus, als ob bald Schnee kommen würde. Sie hatte die Hunde mitgenommen, und bei der Bewegung in der fri­schen Luft wurde zusehends ihre Stimmung besser und ihre Furcht verließ sie.

Vor feiner Hütte war Andrew mit Holzhacken beschäftigt. Als er Eva kommen sah, stürzte er gleich erfreut auf sie los und überschüttete sie mit Redeergüssen über den Stand der Wildnis und die Jagdaussichten. Dann zeigte er ihr eine Familie von Wieseln, die er ein gefangen hatte und über­reichte ihr eine künstliche Fliege, die er nach einem Muster selbst verfertigt hatte, das beim Forellen­fischen im letzten Jahr als besonders wirksam er­probt worden war.

Andrews Fröhlichkeit und Eifer hatten etwas Ansteckendes, das auf Eva übersprang und ihre schon durch den Spaziergang erfrischten Nerven völlig zur Ruhe brachte. Als sie aber nun die beabsichtigte Frage stellte, kehrten mit seiner Antwort alle ihre eben verschwundenen Befürchtungen aufs neue zu­rück. Andrew erklärte, daß Peter ihm schon vor einer Woche die Hundemarke selbst ausgeyundigt habe, suchte sie aus einer dicken Ledertasche heraus und wies sie Eva vor.

So bald sie konnte, machte sie sich von ihm los und schlug den Heimweg ein.

Eine dumpfe Vorahnung legte sich über ihren Geist, und dann stieg in ihr jenes allen Menschen aus ein oder der anderen Erfahrung bekannte Ge­fühl auf einer grundlosen Angst und das plötzliche, fast schmerzhafte Bewußtsein des Alleinseins.

Der Fahrweg zog sich durch waldiges Gelände hin. Die Dämmerung hatte schon eingesetzt, und hier zwischen den dichtstehenden Fichten war es noch finsterer als draußen im Freien. Es war Eva, als

richtungen, liegt auf der Hand. Ebenso sicher wie in den Steinhäusern ist der Mensch auch im fahren­den Eifenbahnzug. Elektrische Straßenbahnen mit Oberleitung dagegen sind gefährdeter, obwohl auch da geringerer Schaden durch den Blitz selbst als vielmehr durch Unruhe und Panik der Fahrgäste verursacht wird.

Man kann oft die Ansicht hören, die zunehmende Elektrifizierung mit ihrem immer dichter werden­den Leitungsnetz habe das häufige Auftreten von Gewittern und das Steigen der Blitzgefahr verur­sacht. In diese Zusammenhänge ist in letzter Zeit durch die Beobachtungen der französischen Mete­orologie und der elektrotechnischen Fachleute Klar­heit gebracht worden. Die landläufige Annähme, daß die größere Wolkennähe des über der Erde ge­spannten Leitungsdrahtes bei Gewittern eine Rolle spiele, ist wissenschaftlich nicht ernst zu nehmen. Das Eiuschlagen des Blitzes wird vielmehr von anderen Faktoren bestimmt, vom Regenfall, vom Staub, von den elektrischen Spannungsverhältnissen der Lust, von der Windstärke, der Beschaffenheit des Bodens und vor allem seines Untergrundes. Das Vorhan- densein elektrischer Stromleitungen hat, wie nach­gewiesen ist, keinen Einfluß auf Gewitter- und Blitzgefahr. Man hat für einen längeren Zeitraum die Häufigkeit der auftretenden Gewitter gemessen und herausgefunden, daß das Maximum der Ge­witter nicht mit den Jahren stärkster Elektrifizierung zusammenfiel, sondern dem Zeitraum zwischen 1909 und 1913 angehört, in dem die Elektrifizierung noch lange nicht so vorgeschritten war wie heute.

Außerordentlich wichtig ist nach Beobachtungen, die im Laufe von 30 Jahren auf dem Observa­torium des Pic du Midi bei Bigorre in den Pyre­näen angestellt und immer wieder überprüft wur­den, die Bodenbeschaffenheit. Es ist nur bedingt richtig, daß der Blitz von Hochragenden Bäumen, Bauten und Erdechebungen angezogen wird, näm­lich nur dann, wenn die Bodenbeschaffenheit einer Gegend ziemlich gleichmäßig ist. In Gebieten mit verschiedenartigen geologischen Schichten schlagen die Blitze am liebsten dort ein, wo sich verschiedene Formationen schneiden und benachbart gegenüber­liegen, also besonders in Täler, Quellen und Ge­birgspässe. Unter den Gesteinen sind Schiefer und Granit am meisten von Blitzgefahr bedroht, Kalk am wenigsten. Schließlich ist auch die populäre Gewitterregel:Vor den Eichen sollst du weichen, die Buchen sollst du suchen!" nicht haltbar. Die Statistik der Blitzschäden ist, worauf der Hamburger Physiker Walter Ringern lesen hat, nicht als Grund­lage für eine derartige Theorie zu betrachten, denn sie erfaßt die Zahl der wirklichen Einschläge über­haupt nicht. Die Buchen werden wegen ihrer glat­ten Rinde beim Blitzschlag weniger beschädigt als die rauhe und rissige Eiche. Die Blitzstatistik be= zieht sich also lediglich auf die Zahl der beschädigten Bäume, nicht aber auf die Blitzschläge selbst. Dar­aus folgt, daß die Buche keinesfalls als Sicherung gegen Blitzgeifahr betrachtet werden kann.

sonniger und trockenerer, wenn auch nicht ganz beständiger Witterung zu rechnen.

* Daten für 16. Juli. 622: Flucht Mohammeds von Mekka nach Medina; Beginn der mohamme­danischen Zeitrechnung. 1216: Papst Innozenz III. gest., Einführung der Inquisition, Ketzerverfolgung, Ohrenbeichte. 1834: Der Großkaufmann und Koloni­sator Franz Adolf Eduard Äideritz in Bremen geb. 1872: Der norwegische Polarforscher Roald Amund­sen in Börse geb. 1890: Der Dichter Gottfried Keller in Zürich gest.

kröche von den rotbraunen Baumstämmen her die Dunkelheit auf sie zu. Keine Luft rührte sich, aber es war nun sehr kalt geworden, und ihre Fußtritte waren das Einzige, was zu hören war.

Sie fühlte, wie ihre Nerven nachgaben. Von Zeit zu Zeit blickte sie über ihre Schulter, wie um zu sehen, ob ihr jemand folge. Sie trat möglichst leise auf, um das Geräusch der eigenen Schritte nicht vernehmen zu müssen.

Als ihr das zum Bewußtsein kam, riß sie sich energisch zusammen.

Richtig lächerlich benehme ich mich", sagte sie halblaut vor sich hinAls ob ich nicht schon öfter in der Dämmerung hier gegangen wäre! Peter hat ganz recht: vor was sollte ich denn Angst haben?!"

Dämmerung, ein unheimliches Wort, wenn man allein war. Viel unheimlicher noch als Dunkelheit. In der Dämmerung verzerrten sich alle Gestalten, nahmen seltsame'Formen an . . .

Ich bin ein Narr, dachte sie. Rede mich ja selbst in die Angst hinein. Jetzt heißt es sich zusammen­nehmen!

Während sie weitereilte, versuchte sie ihre Ge­danken auf das Unerklärliche in Peters Brief zu lenken.

Wort für Wort ließ sie an ihrem Gedächtnis vor­übergleiten.

Entweder hatte Peter alles vergessen oder er verfolgte mit seinem Brief eine besondere Absicht. Vielleicht hatte die Lösung der Rätsel mit den Wahl­listen zu tun. In dieser Sache hatte sie noch nicht nachgeforscht. Aber was konnte, um Himmelswillen, auch dabei herauskommen? Sie war jetzt schon sicher, daß das ebenso ergebnislos ablaufen würde wie ihre anderen Nachfragen.

Sie erinnerte sich ganz gut: den langen Wahl­umschlag hatte sie zusammen mit einigen unwich­tigen Briefen, Rechnungen und Geschäftsofferten, die mittlerweile gekommen waren, auf Peters Schreibtisch gelegt.

Aber das mar nun gleich. Sowie sie zu Hause war, wollte sie in dem Umschlag nachsüchen, ob darin nicht doch vielleicht etwas enthalten war, was sie auf die richtige Spur brächte. Mit dieser Absicht eilte sie nach Hause, doch als sie ankam, ereignete sich etwas, das sie gänzlich darauf vergessen ließ.

Sie hatte die Hunde in den Zwinger gebracht, ging auf das Haus zu und wollte gerade die Tür öffnen, als das leise Geräusch eines herankommen­den Autos ihr Ohr traf. Sie sah sich um, aber die Wegbiegung verdeckte es noch. Schnell sprang sie

* Die diesjährige Jahreslagung des Danbesoett eins für Innere Mission wird am 11. und 12. Sep» tember in Kirchhain stattfinden. Damit verbunden ist wieder die Hauptversammlung der Kurhesfischen Frauenhilfe und die Jahrestagung des Kurhessischen Dorfkirchentages. Anschließend wird am 13. und 14. September der Landeskirchliche Wohlfahrts­dienst eine Fachkonferenz in Loshausen abhalten, auf der die dringenden Fragen der Wohlfahrts­arbeit: die Winterhilfe, Dienst am Arbeitslosen, Freiwilliger Arbeitsdienst und besonders kirchliche Fragen, wie die Gewinnung der Männer in den Kirchengemeinden zur Abwehr kirchenfeindlicher Angriffe und zum Neuaufbau der Gemeinden, ver­handelt werden sollen.

* Gemeinsame Wochenendandachl der Marien-, Johannes- und Chrislusgemeinde findet morgen abend 8.30 Uhr in der Johanneskirche durch Pfarrer Kurz statt.

* Beurlaubt. Kreisschulrat Junker, Hanau, ist vom 16. 7. bis 1. 8. d. J. beurlaubt. Vertreter: Schulrat Groß, Schlüchtern.

* Feuchtes Heu Feuersgefahr! In Scheunen und Mieten entsteht oftmals durch feucht gelagertes Getreide oder Heu Feuer. Es ist zwar aus ver­ständlichen Gründen nicht möglich, Heu oder Ge­treide trocken einzulagern. Zum Glück gerät natür­lich nicht jede Scheune oder Miete in Brand, bei der das eingelagerte Erntegut noch feucht war. Dennoch ist es für den Landwirt von Wuchtigkeit, zu wissen, ob eine Brandgefahr besteht, damit er gegebenenfalls rechtzeitig Gegenmaßnahmen er­greifen kann. Es kommt darauf an, festzustetten, ob sich im Innern eines Heuhaufens Hitze entwickelt. Die Feuersozietäten haben zu diesem Zweck soge­nannte Heustocksonden beschafft. Es handelt sich dabei im wesentlichen darum, daß ein Thermometer in den verdächtigen Heuhaufen eingeführt wird, auf dem man nachher die im Innern herrschende Tem­peratur ablesen kann. Außerdem bewirken dre durch den Stapel getriebenen Luftschächte eine Ab­kühlung, wodurch in manchen Fällen schon die Ge­fahr beseitigt ist. Falls im Innern schon eine große Hitze herrscht, muß der Heuhaufen vorsichtig und unter Bereitstellung von Löschmitteln abgetragen werden. Durch Messung der Temperaturen der in großen Scheunen untergebrachten Erntevorräte mit Hilfe von Heustocksonden können Selbstentzündun­gen verhütet werden.

* Oesterreich erleichtert deutschen Sommergästen die Ausübung des Wahlrechts. Das österreichische Generalkonsulat in Frankfurt a. M. teilt mit: Um den in Oesterreich zur Erholung weilenden reichs­deutschen Sommergästen die Ausübung des Wahl­rechts am 31. Juli in einer auf deutschem Gebiete liegenden Grenzübergangsstation oder in einem näher der Grenze gelegenen Wahlort mittels Stimmschein (Wahlkarte) zu erleichtern, haben sich die österreichischen Bundesbahnen bereit erklärt, solchen Reisenden eine 50prozentige Fahrpreis­ermäßigung für die Fahrt zum deutschen Grenzorte und zurück zu gewähren. Die Abfertigung erfolgt in der Weise, daß der Reisende am 29., 30. oder 31. Juli eine Fahrkarte zum vollen Preis zur deutschen Grenzstation zu lösen hat. Diese Fahrkarte zusam­men mit der von der deutschen Wahlbehörde auszu­stellenden Bescheinigung über die erfüllte Wahl­pflicht gilt dann als Ausweis für die freie Rück­fahrt am 31. Juli oder am 1. August zum öster­reichischen Ausgangsort. Möglicherweise werden sich auch andere Verkehrsunternehmungen, z. B. Post­autolinien u. dergl., diesen Vergünstigungen an­schließen.

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ins Haus und spähte durch das kleine vergitterte Glasfenster, das in die massive Eichentür eingelassen war.

Langsam näherte sich der Wagen. Am Steuer saß ein Mann, sonst war es leer.

Eva wartete nicht, bis das Auto vor der Tür hielt. Sie lief die Treppe hinauf in das große Wohnzimmer, um dort die weiteren Ereignisse ab­zuwarten. Die Neugierde verzehrte sie, wer der Be­sucher wohl sein könnte?

Vielleicht war es einer der vielen Pelzagenten, die in dieser Gegend umherfuhren, um ihre Ware loszuwerden. Aber sie wußte fast sicher, daß die niemals in dieser Jahreszeit ihre Runde machten. Wo sollten außerdem in solch einem kleinen Wagen die Pelze verstaut sein?

Lang hatte sie nicht zu warten.

Die Hausglocke ertönte, und sie hörte Nobsons Fußtritte auf dem langen Korridor im unteren Stockwerk, wie sie sich der Tür näherten. Dann folgte ein Gemurmel von Stimmen, und gleich darauf trat Nobson ein, einen Brief in der Hand.

Zu ihrem äußersten Erstaunen sah Eva, daß er in Peters Handschrift adressiert war. Sie riß den Umschlag auf und las. Dann wandte sie sich an Nobson.

Wo ist der Herr?" fragte sie.

»Er steht an seinem Wagen, gnädige Frau."

Bitten Sie ihn sofort herein, Nobson. Er ist ein Freund vom gnädigen Herrn und wird sich hier ein par Tage aushâlten. Und sagen Sie Sara, sie soll das rote Zimmer Herrichten."

Jawohl, gnädige Frau."

Während Eva ihren Gast erwartete, las sie aufs neue Peters Brief. In der ersten Uieberrafchung hatte sie nur den Sinn in sich ausgenommen. Nun beim Wiederlesen, bemächtigte sich ihrer eine un­erklärliche Unsicherheit. So ' unähnlich Peters son- tiger Schreibweise! Und dann wieder die falsche Hausnummer. Was hatte das zu bedeuten?

Meine liebe Evelyn", lautete der Inhalt.Der Ueberbringer dieses Briefes ist einer meiner Freunde. Er war krank, und ich habe ihm ange­boten, sich bei uns ein paar Tage zu erholen. Ich bin überzeugt, Du wirst alles tun, um es ihm ge­mütlich zu machen.

Ich hoffe, daß es Dir gut geht und daß Du nicht vergessen hast, die Sachen mit den Blumen­zwiebeln usw. in Ordnung zu bringen.

Dein Kamerad Peter." (Fortsetzung folgt).

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