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Sette 6

Donnerstag, den 14. Juli 1932

Nr. 163

Schon am Hochzeitstag ist es zu Streitigkeiten zwi­schen Len Eheleuten gekommen. Auch in der kurzen Zeit -der Ehe gab die Frau ihren bisherigen Le­benswandel nicht auf. Am Abend des 24. Juni wa­ren die beiden Eheleute zusammen in einer Wirt­schaft in Neustadt. Während einer kurzen Abwesen­heit Weygands war seine Frau verschwunden. Er suchte die Frau und fand sie in Ler Sauerbrunner Gasse mit einem anderen Mann wieder. Der An­geklagte machte seiner Frau, Lie mit dem Manne intimen Verkehr gehabt hatte, Vorhaltungen. Im Verlauf der Streitereien kam man in einen Wein­berg, wo der Angeklagte in seiner Wut die Frau mit einem Stein -erschlagen hat. Eine Tötungs- a-bsicht will der Angeklagte nicht gehabt haben. Das Gericht billigte dem Angeklagten mildernde Um­stände zu.

Atts aWes WM

Sietie DevUenMiedtMSStt in VevU«

Prinz Isenburg verhaftet

Berlin, 13. Juli. Wie wir erfahren, ist gegen den in Charlottenburg wohnenden Prinzen Victor Salvator von Isenburg und gegen den früheren Rechtsanwalt Dr. Kienitz ein Haftbefehl erlassen worden wegen Devisenschie­bungen in Höhe von über 300 000 RM.

Hierzu verlautet weiter, daß der Prinz vor einiger Zeit bei einem Berliner Bankhaus nach und nach größere Mengen von Wertpapieren, und zwar in einem Gesamtwert von über 200 000 RM verkauft hat. Der Gegenwert wurde ihm bar aus­gezahlt, und zwar in Tausendmarkscheinen, deren Nummern der Reichsbank mitgeteilt wurden, die nun ihrerseits darauf achtete, wo diese Banknoten wieder auftauchten. Als man nun feststellte, daß ein Teil dieser Tausendmarkschcine in Saarbrücken im Verkehr erschien, benachrichtigte man die Zoll­fahndungsstelle. Die Ermittlungen führten zu dem Ergebnis, daß bei diesen Effektenverkäufen des Prinzen auch ein gewisser Dr. Hans Kienitz tätig gewesen ist. Kienitz soll den eigentlichen Besitzern der Wertpapiere den Erlös ausgehändigt haben. Auf Grund dieses Tatbestandes wurden Prinz Psenburg und Dr. Kienitz gestern nachmittag fest­genommen und dem Vernehmungsrichter beim Amtsgericht Charlottenburg vorgeführt. Gegen beide wurde Haftbefehl erlassen. Beide bestreiten sehr entschieden, sich irgendwie strafbar gemacht zu haben. Weder Prinz Menburg noch Dr. Kienitz will gewußt haben, daß die Besitzer der Effekten das Geld über die Grenze bringen wollten, sie wollen auch beide keinerlei Vorteile von diesen Verkäufen gehabt haben, bei denen es sich, wie Prinz Menburg erklärt, lediglich um eine Gefällig­keit gegenüber den eigentlichen Besitzern gehandelt habe. Wem diese Wertpapiere eigentlich gehören, ist bisher nicht bekannt geworden, doch wird von den Beteiligten der Verdacht, daß es sich um Effek­ten aus ausländischem Besitze handele, energisch in Abrede gestellt. Inwieweit sich die Vorwürfe gegen den Prinzen und Dr. Kienitz bestätigen, muß dem weiteren Verlauf der Untersuchung überlassen werden. Rechtsanwalt Gollnick, der die Verteidi­gung der beiden Verhafteten übernommen hat, be­antragte bereits Haftentlassung gegen Sicherheits­leistung von 10 000 RM für den Prinzen und gegen eine weitere Kaution für Dr. Kienitz.

Sie fSefn^Mne des Nvomëthve evM«kt

Paris 13. Juli. Die Taucher haben jetzt festge­stellt, daß die Luken des gesunkenen U-Bootes Promsthèe" geschlossen waren, so daß die 63 Mann der Besatzung einen qualvollen Tod durch Ersticken gefunden haben müssen. Die französische Regierung hat nun den englischen Spezialisten für Schiffshebungen Cox, der die bei Scapa Flow ver­senkte deutsche Flotte gehoben hat, an den Ort der U-Boot-Katastrophe gerufen, um die Möglichkeit einer Hebung des gesunkenen U-Bootes zu prüfen.

Paris. 14. Juli. In dem offiziellen Bericht über den Untergang des UnterseebootesPromethLe", den das Marineministeriium herausgibt, wird als Ur = s a ch e des Unglücks übereinstimmend ein rasches allgemeines Oeffnen der Luftkl-appen angenommen, die durch irgend ein zufälliges Funk­tionieren der Hebelvorrichtungen hervorgerufen sein dürfte. Diese zufällige Betätigung der Hebel dürfte sich lin dem Augenblick ereignet haben, als das Boot -gerade den Elektromotor abstellte und den Diesel­motor in Betrieb nehmen wollte.

Die Favoviien fäe den Grotzeu Nveis von Deutschland

Nuvolari, Die beiden deutschen Spitzenfahrer Caracciola (links) und

der erfolgreiche italienische Fahrer Hans von Stuck, die auf Romeo und Mercedes-Benz um den Sieg kämpfen werden

Am Sonntag wird auf dem Nürburgring derGroße Preis von Deutschland" ausgetragen. 44 der besten Autorennfahrer Europas haben ihre Meldung abgegeben.

GiSvie And Länder ohne Stenern

Finanzamtskuriosa. Deutsche Städte, die keine Steuern erheben. Auch Amerika hat solche Städte. Das Land, das keine Steuern kennt.

Deutschland ist, wie wir bereits vor längerer Zeit seststellt-en, das Land der Rekordsteuern. Kein Volk der Erde hat s-o ungeheure finanzielle Lasten zu tragen, wie das deutsche. Trotzdem gibt es aber auch bei uns einige Finanzamtskuriofa. So hat der -kleine Ort Freirachdorf im Westerwald für Finanz­beamte keine Verwendung, denn in diesem Dorado der Steuerzahler braucht kein Einwohner die dro­hende Gestalt des V-ollziehungsbeamten der Finanz­ämter zu fürchten, well er nämlich keine Steuern zu zahlen braucht. Jedenfalls war dies bis vor kur­zer Zeit der Fall. Es kann sein, daß die wachsende Krise auch diese glückliche ,^nsel" der Steuers luten nicht verschont hat. Freirachdorf besitzt nämlich zahl­reiche Wälder, an deren Erträgnissen alle Einwoh­ner zu gleichem Teil beteiligt sind. Das Holz hat auch in der Inflationszeit feinen Goldwert behal­ten, so daß der Ort durch die Geldentwertung nicht so litt wie andere deutsche Gemeinden. So waren die Finanzen von Freirachdorf stets verhältnismäßig gut, ja sogar so gut, daß jeder Einwohner eine be­stimmte Menge Holz im Jahr erhielt, oder, wenn er es wünschte, den Gegenwert in bar, der unge­fähr 50 RM jährlich betrug. Hoffen wir, daß sich die glücklichen Leute von Freirachdorf auch heute noch dieser Annehmlichkeit erfreuen. In Amerika gibt es mehrere Städte, die keine Steuern brau­chen. Es sind die Ortschaften, die in den Petroleum­gebieten liegen. Das Land, das bis vor kurzer Zeit von allen verschmäht war und darum den Städten gehörte, entpuppte sich in den letzten Jahren als eine Quelle großen Reichtums, denn es enthielt Petroleum. Die Einkünfte biefer Städte wurden durch den Verkauf der Ländereien so groß, daß die Einwohner für längere Zeit vom Steue-rza-hlen ent­bunden wurden. Hier hat allerdings die Krise der beiden letzten Jahre einen großen Umschwung her­beige führt, und heut sind wieder viele Petrol-eum-

Man blSiisvt im Smuilleu- album und dev Sohn esMès« den Vater

Leipzig, 14. Juli. Es gibt an sich schon -kein fürchterliches Verbrechen, als den Mord an den Eltern; die Tat des Besitzerf-ohnes Walter Buchholz muß besonders -entsetzlich erscheinen. Gewiß, er mag es auf dem Anwesen seines Vaters bei Allen- ftelin nicht gut gehabt haben. Der Vater verschloß sich seinen Wünschen. Der Bursche wollte Soldat werden, -aber der Vater brauchte ihn in der Wirt­schaft. Der junge Mensch hatte eine Freundin. Der Vater war gegen diesen Umgang. Bisweilen bekam

städte zu dem alten schönen Brauch zurückgekchrt, von den Einwohnern Steuern zu erheben. Es gibt sogar ein glückliches Land, das die Einrichtung der Finanzämter nicht kennt, weil nämlich hier kein Einwohner Steuern zu zahlen braucht. Es ist das Land der Spielbank von Monte Carlo, Monaco, das

glückliche Ländchen, das sich nicht nur durch seine Naturschönheiten auszeichnet, sondern auch wenig­stens bis zu diesem Jahr durch seinen stets aus­geglichenen Etat. Dieser ist nicht besonders groß, denn Monaco verfügt nicht über eine so umfang­reiche Regierung, die allerdings für die Größe der Einwohnerzahl, die ungefähr 25 000 beträgt und für die Ausdehnung des Landes von 1,5 Quadrat- kilometer noch viel zu groß ist. Der fürstliche Hof hat einen Chef des Hofstaates, geheime Räte, ein Zivilkabinett mit Privatsekretär, Bibliothekar, Archivar, einen Staatsrat und einen Präsidenten, einen Sekretär und 11 Mitgliedern, eine Regie­rung, die aus 5 Mitgliedern besteht und zahlreichen anderen Behörden. Schließlich hat Monaco sogar eine bewaffnete Macht, die drei Offiziere und 82 Karabiniers umfaßt. Der Etat dieses Landes wird aber nicht von den Bürgern aufgebracht, sondern von der Spielbank. Dadurch bleibt den Bewohnern von Monaco das Zahlen der Steuern erspart. Nun hat die Krise aber auch die Spielbank erfaßt. Die U-eberfchüsse sind zusammengeschrumpft, und wie lange wird es dauern, dann wird vielleicht ein Defizit festzustellen sein. Es ist -fraglich, ob unter diesen Umständen sich die Spielbank auch weiter­hin bei Abschluß eines neuen Vertrages bereit er= klären wird, den ganzen Etat zu bezahlen. So schleicht die Krise auch in die glücklichsten steuer­losen Gefilde allmählich ein, und es wird bald kein Paradies geben, wo die Bürger das Sleue-r- zahlen nicht kennen.

der Sohn Schläge vom Vater. Da reifte langsam in Walter Buchholz der Entschluß, seinen Vater zu töten. Er entwendete seinem Vater einen Karabiner und versteckte ihn für die Tat. Ende Februar fuhr der junge Mensch zu seiner Freundin. Drei Tage blieb -er bei chr, dann fürchtete er sich ins Eltern­haus gurückzukehren. Es würde wieder Schelte und Schläge geben. Nun reifte der Wille zur Tat. Er kehrte unbemerkt heim, holte den Karabiner und stellte sich auf die Veranda. In der Stube saß um die Lampe versammelt die Familie, sie sang war es eine Vorahnung grausigem Geschehens?Bis hierher hat uns Gott -gebracht". Dann holte man das Familienalbum, sah sich alte Bilder -an. Drau­ßen aber stand im Schatten der Nacht der Sohn,

den Karabiner im Anschlag. Er stand eine Vierte i stunde lang, wartete bis er den Kopf seines Bate-i freibekommen würde, Lann krachte der SWU unter Lem Auge traf die Kugel Len Vater in dc Kopf. Er sank tot um. In der Aufregung dach ' zunächst niemand daran, sich -nach dem Täter un zusehen. Eine Viertelstunde später kam der So-H ü heim, ruhig, als sei nichts geschehen.Was Hal i ihr denn gemacht?" fragte er seine Angehörigen un meinte, als man ihm berichtet hatte: Komisch, da das passieren muß, wenn ich nicht da bin." Abc'I bald hatte man den Sohn durchschaut. Es fonnh r niemand anderes als Mörder in Betracht komme und unter der Last Ler Beweise brach er auch zu­sammen. Vom Schwurgericht 21 bleust ein wurde del Vatermörder zum Tode verurteilt. Gegen diese-; Urteil hatte er Revision eingelegt. Er behauptete nicht im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte gewese- - zu -sein, wollte § 51 St. G. B. für sich in Änspruä nehmen. Einige Tage war er auf seinen Geistes Zustand untersucht und beobachtet worden. Di l Aerzte hatten ihn für gesund erklärt. In seiner Re vision vor dem zweiten Strafsenat des Reichs fl gsrichts machte er geltend, die Zeit seiner Beobach tung sei viel zu kurz gewesen. Der Reichsanwal beantragte, die Revision als unbegründet zu ver­werfen und so entschied auch der Senat und bestä­tigte -damit das Todesurteil für den Vatermörder

Sta-tbatâkvektave« und i Max GAavek

Schwill und Hoffmann war Untreue nicht nachzuweisen

Berlin, 13. Juli. Zu den Erörterungen darüber, ob unter Umständen eine neue Anklage gegen die Stadtbankdirektoren Schmitt und Hoffmann erho­ben und ob das Verfahren gegen Max Sklarek durchgeführt werden wird, erfahren wir von zu­ständiger Seite: Die Frage, ob sich die beiden Stadtbankdirektoren der Untreue schuldig gemacht haben, ist bereits Gegenstand eines Ermittlungs­verfahrens der Staatsanwaltschaft I und einer ge­richtlichen Voruntersuchung gewesen. Die Staatsan­waltschaft hatte in dem Antrag auf Eröffnung der Voruntersuchung gegen Schmitt und Hoffmann die­sen neben passiver Bestechung auch Untreue zur Last gelegt. Auf Grund des Ergebnisses der Vorunter­suchung hatte jedoch die Staatsanwaltschaft die Ueberzeugung gewonnen, daß den Stadtbankdirek­toren Untreue nicht nachzuweisen sei, und aus die­sem Grund beantragt, Schmitt und Hoffmann we­gen der Anschuldigung der Untreue außer Verfol­gung zu setzen. Diesem Antrag trat die Fünfte Strafkammer des Landgerichts I bei.

Bezüglich des Antrags des Verteidigers von Max Sklarek, das Verfahren gegen diesen gemäß | Paragraph 205 der Strafprozeßordnung einzu­stellen, hat die Staatsanwaltschaft das Gericht ge­beten, diesen Antrag abzulehnen, weil es nach dem Gutachten medizinischer Sachverständiger nicht aus­geschlossen sei, daß gegen Max Sklarek in beschränk- j tem Umfang verhandelt werden könne

100 000 Mark-Los gezogen'

Berlin, 13. Juli. In der heutigen Ziehung der Preußisch-Süddeutschen Klassenlotterie fiel ' der Hauptgewinn in Höhe von 100 000 RM auf die Nummer 224 514. Das Los wrd in der ersten Ab­teilung in Viertellosen in Westfalen, in der zwei­ten Abteilung in Achtellosen in Bayern gespielt.

Balas Flugzeug In Hochspannungsleitung geraten

Prag, 13. Juli. Die inzwischen noch einge­laufenen Meldungen über den Absturz des Bala. Flugzeuges ergeben folgendes: Der vordere Teil de Flugzeuges bohrte sich in die Erde und wurde in mehrere Stücke zerrissen. Der Motor war auf voll- gas eingestellt. Bemerkenswert ist, daß die Kabine des sonst gänzlich zerstörten Flugzeuges unversehrt blieb. Für Bala war es also schicksalhaft, daß er nicht im Fiuggaslraum. fondern neben dem Piloten Platz genommen hatte. Es wird angenommen, daß der Pilot in dem dichten Nebel dië Orientierung verlor und dann zum Flugplatz zurückkehren wollte. Er geriet dabei aber zu niedrig, und das Flugzeug verfing sich an der Hochspannungsleitung einer Bata gehörenden Fabrik.

Schwerer Raubüberfall

Dresden, 13. Juli. Der Portier eines Lichtspiel­hauses, der mit dem Transport der Tageskasse be­auftragt war, wurde gestern abend von zwei Unbe­kannten überfallen, niedergeschossen und seiner Kassette mit etwa 300 RM Inhalt beraubt. Nach der Tat sprangen die Räuber in ein fahrbereit ge­haltenes Aut und rasten davon. Der schwerverletzte Portier wurde sofort in ein Krankenhaus gebracht.

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