Seife 4
Donnerstag, den 14. Juli 1932
Ar. 163
Deutsche VolSsvavier
In einer am Dienstag abend im Hotel Riesen abgehaltenen Mitgliederversammlung der hiesigen Ortsgruppe der Deutschen Volkspartei sprach Herr Oberstleutnant a. D. Apel über „D ie Stellung der Deutschen Volkspartei im Wahl k am p f". Redner warf einleitend einen Blick auf unsere Zeit, indem er die heutige Zerrissenheit in unserem Volke schilderte, die durch systematische Verhetzung und durch Versprechungen, die niemals erfüllt werden könnten, heroorgerufen worden sei. Diesem Zevsetzungsprozeß sei ein großer Teil des Bürgertums zum Opfer gefallen, der den Glauben an die Ideale der alten Parteien verloren habe. Die alten bürgerlichen Parteien hätten deshalb vor der Frage gestanden, was gegen diese Abwanderung zu unternehmen sei. Zunächst sei der Zusammenschluß der Mittelparteien angeregt worden, doch dieser Gedanke habe sich bald als praktisch undurchführbar erwiesen, abgesehen davon, daß ein solcher Zusammenschluß der Abwanderung keinen Riegel vorgeschoben hätte. Alsdann habe die Partei vor der Entscheidung gestanden: Im kommenden Wahlkampf entweder passiv beiseite zu stehen, oder selbständig vorzugehen wie seither. Der Zentraloor- stand 'der Volkspartei habe sich erfreulicherweise für das selbständige Vorgehen entschieden. Darüber hinaus sei mit den Deutschnationalen ein Abkommen über die Reststimmen getroffen worden, durch das ermöglicht werde, daß keine für die Deutsche Volkspartei abgegebene Stimme verloren gehe. Der Deutschen Volkspartei seien auf der Reichsliste der Deutschnationalen acht Sitze und soviele volksparteiliche Mandate eingeräumt worden, als sie nach Ler Schlüsselzahl von 60 000 auf Grund ihrer abgeliefer- ten Stimmen beanspruchen kann. Dieses Abkommen werde neuerdings von gegnerischer Seite vielfach als eine Bindung hingestellt. Das sei falsch, von einer politischen Gemeinschaft sei keine Rede, sondern es handle sich nur um eine rein wahltechnische Maßnahme, die die volle Auswertung der volksparteilichen Stimmen sicherstelle. Und das sei sehr wesentlich. Die Selbständigkeit der Deutschen Volkspartei im Wahlkampf und nach der Wahl bleibe unverändert aufrechterhalten. Dieses Zusammengehen der Volkspartei mit den Deutschnationalen mit einer Restliste sei nur möglich gewesen durch die Politik, die Dingeldey seit Oktober v. I. in der Partei getrieben habe, durch die Loslösung von Brüning. der allmählich in das Fahrwasser der Linken geschlittert sei, was die Volkspartei ablehnen mußte.
Zu den volksparteilichen Zielen im Wahlkampf übergehend, führte Redner aus, daß es diesmal weniger um einzelne wirtschaftliche Fragen gehe, sondern vielmehr um das große Ziel, für das deutsche Volk den Staat bismarckscher Ideen zurllck- zuerobern. Um dieses Ziel zu erreichen, sei es notwendig, den Sozialismus von links und rechts in seinen furchtbaren Auswirkungen zu bekämpfen. Redner beschäftigte sich dann des näheren mit den Nationalsozialisten, die den Liberalismus systematisch bekämpften und wieder bekämpft werden müßten, da ihre Tendenz zu einer wirtschaftlichen Katastrophe führen könnte. Ihre ganze bisherige Tätigkeit sei allein auf Agitation eingestellt gewesen, und nur dadurch sei es ihnen gelungen, so stark anzuwachsen. Wenn sie einmal zur Herrschaft kämen, dann höre die Agitation auf und dann werde sich zeigen, daß alle Versprechungen unerfüllbar seien. Redner behandelte noch die Strasser-Rede, die rein staatssozialistisch eingestellt gewesen sei, und schloß dann: Für uns dreht es sich darum, den in einem Staate notwendigen nationalen Liberalismus zu erhalten, das Volk in staatlicher und sittlicher Beziehung wieder stark zu machen. Dazu gehört zunächst der Glaube an eine gute Sache, und diesen Glauben müssen wir uns wieder zulegen: den alten nationalliberalen Glauben.
Die beifällig aufgenommenen Ausführungen wurden ergänzt' durch den Vorsitzenden, Herrn Dr. Help, der vor allem einige wahltechnische Angelegenheiten behandelte und schließlich unterstrich, daß das Abkommen mit den Deutschnationalen ein rein wahltechnisches Bündnis ohne jede parteipolitische Bindung sei.
AsbettsteUims im Weneu-
Von Hans Ernst Gehrke
o An schönen Sommertagen schwärmt das fleißige Volk der Bienen eifrig durch die Gärten und Felder, um aus Blüten und von Blättern den begehrten Nektar in die Scheuern zu tragen. Wenigen Menschen, die Gelegenheit haben, die Insekten bei ihrer Arbeit zu beobachten, kommt es wohl zum Bewußtsein, daß er in ihnen äußerst interessante Tiere vor sich hat.
Die Honigbiene unterscheidet sich als einzige von anderen Insekten verwandter Art in sehr auffallender Weise. Setzt man z. B. eine gefangene Wespe oder Hummel unter eine Glaskuppel mit etwas Honig, so wird sie wohl zunächst unruhig umherfliegen, schließlich aber sich doch über die süße Leckerei hermachen. Eine Fliege macht sich aus ihrer unfreiwilligen Haft überhaupt nichts. Eine Biene in gleicher Lage wird dagegen unaufhörlich bestrebt sein, wieder ins Freie zu gelangen, um in ihren Stock zurückkehren zu können. Sie beachtet den Honig nicht im geringsten und stirbt verhältnismäßig bald an Erschöpfung. Der Beobachter gewinnt geradezu den Eindruck, als ob eine geheimnisvolle Stimme ihres Volkes sie riefe.
Diese geheimnisvolle Gemeinschaft der Bienen eines Stockes, ja eines ganzen Bienenstandes macht sich bei zahlreichen Gelegenheiten bemerkbar. Stößt solch Insekt im Freien auf etwas Neues oder Unerwartetes, so fliegt es in den meisten Fällen alsbald zum Stock zurück, als ob es dort mit Seinesgleichen erst beratschlagen müsse, wie das plötzlich aufgetauchte Problem am zweckmäßigsten für die Allgemeinheit zu lösen sei. Schwärmen die Angehörigen eines Volkes zur Honigsuche aus, so wird die Arbeit nach festbestimmten Grundsätzen geregelt, derart, daß die Honigausbeute in der kleinsten Zeit einen möglichst großen Ertrag liefert. Man sollte annehmen, daß die Tierchen in ihrer Gier nach dem süßen Stoff sich nach Verlassen des Stocks schleunigst auf die nächstgelegenen Blüten stürzen. Dem ist jedoch keineswegs so. Auch ein ungeübter Beobachter wird feststellen können, daß die Bienen sich bei der Honigsuche nicht im geringsten gegenseitig stören oder behindern.
LVettevbevècht
Die über Mitteleuropa befindliche Tiefdruck- zone hat sich bei anhaltendem Luftdruckfall weiter verstärkt. Feuchtwarme Luftmassen strömen auf einem großen Umwege von Südosten in unser Gebiet, während von Westen kühlere Luft auf dem Kontinent eindringt. Durch das Zusammentreffen dieser verschiedenen Lustmassen kommt es vielfach zu Gewittern, die wahrscheinlich noch im Laufe der Nacht zum Donnerstag sich auch bei uns auswirken werden. — Vorhersage bis Donnerstag abend: Zunächst wolkiges und schwüles Wetter mit gewittrigen Niederschlägen, später bei westlichen Winden Abkühlung und beginnende Aufheiterung. — Witterungsaussichten für Freitag: Langsam fortschreitende Besserung des Wetters wahrscheinlich.
Landsveis Gar»««
1 Großkrotzenburg, 13. Juli. Seinen 70. Geburtstag in voller körperlicher und geistiger Frische feierte gestern der ehemalige Pulverarbeiter Otto Kremer, Wilhelmstraße 178.
Niederrodenbach, 14. Juli. Das Fest der silbernen Hochzeit feiert heute der Landwirt Wilh. Viel und Frau Elisabeth geb. Göbel, dahier.
Oberrodenbach, 13. Juli. Hier fand am vergangenen Sonntag das Bezwkstreff,en der katholischen Jugendvereine des Bezirks AÄiin-Freigericht statt, das sich eines außerordentlich starken Zuspruchs erfreute. Emgelertet wurde die in den Abendstunden ihren Anfang genommene Veranstaltung durch eine Andacht im Gotteshaus, in welchem dann im Anschluß hieran das neue Banner des Oberrodenbach er Vereins geweiht wurde. Der Begirkspräses, H. H. Kaplan Schröder-Somborn, hielt eine nach- haltigen Eindruck hinterlassende Ansprache, in welcher er besonders Aufgabe, Zweck und Ziele der katholischen Jugendbewegung herausstellte. Hierauf wurde unter fröhlichen Klängen in den nahegelegenen Wald gezogen. Dort erfreute der Hanauer Iung- männerverein mit der Freilicht-Aufführung des Volksspiels „Wilhelm Tell". Sämtliche Darsteller erfüllten die an sie gestellten Aufgaben und ernteten starken Beifall. Der Veranstaltung wohnte fast die gesamte Geistlichkeit des Bezirkes bei
x Osiheim, 13. Juli. Befördert und versetzt. Herr Landjägermeister Kreitz, derseit 1924 den hiesigen Landjägerposten innehatte, wurde zum Oberlandjägermeister befördert und als Kreisleiter nach Hoya in Hannover versetzt. Mit Bedauern sehen die Bewohner seines bisherigen Bezirks, den er im ganzen 13 Jahre betreute, Herrn Kreitz scheiden, dâ er es verstanden hatte, sich als korrekter Beamter und pflichtbewußter Mensch die allgemeine Wertschätzung der Bürger zu erwerben.
Langendiebach, 14. Juli. Die Jubiläumsoeran- staltungen, die der Gesangverein Sängerlust anläßlich seines 50jährigen Bestehens in den vergangenen Wochen abhielt, erreichen kommenden Sonntag ihren Höhepunkt. Bereits am Samstag abend 8 Uhr werden sich die Mitglieder Les Jubelvereins unter Beteiligung der anwesenden auswärtigen Brudervereine und Ortsvereine vom Gasthaus „Stadt Hanau" geschlossen nach dem Festplatz zu den „Vier Linden" begeben. Hierselbst finden Begrüßung, Kommers, Gesangsvorträge und Volksfest mit Tang statt. Mit dem Weckruf Sonntag morgen 6 Uhr wird sich in dem festlich geschmückten Ort reges Leben entfalten. Die noch ankommenden wettstreitenden Vereine werden empfangen und zum Festplatz geleitet, woselbst in dem Festzelt um 8 Uhr der vom Festverein arrangierte Gesangswettstreit beginnt. An diesem neh- men außer bekannten Vereinen der näheren und weiteren Umgebung 2 Hervoragende Vertreter aus dem Rheinland, und zwar Eoncordia Hilden a. RH. und M.-Ges. Frohsinn Mühlheim b. Koblenz teil. Um %2 Uhr nimmt der Festzug, an dem sich etwa 30 Gast- und Ortsvereine beteiligen, Aufstellung und setzt sich um 2 Uhr durch die Ortsstraßen nach dem Festplatz in Bewegung. Hier folgen Begrüßungsansprache, Festrede, Massenchor sämtlicher Dam-
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Man fragt sich natürlich, auf welche Weise die klugen Insekten die Frage der zweckmäßigsten Arbeitsteilung mit solchem Erfolge gelöst haben. Von besonderem Interesse sind dabei die Versuche des als ausgezeichneten Bienenkenners bekannten Forschers Bonnier, die, wenn sie auch die Frage nicht zu lösen vermögen, doch sehr wichtiges Material für eine solche Lösung beschafft haben.
Den ersten Versuch legte Bonnier in den Sommer, in eine Zeit als die Honigausbeute noch gering war. Der Forscher schnitt zehn blühende Zweige einer'bestimmten Jasminart ab und stellte jeden für sich in einem Gefäß mit Wasser nahe einem Bienenstände auf. Sonstige blühende Pflanzen befanden sich nicht in der Nähe. Die Jasmin- blüten schieden, da man das Wasser regelmäßig erneuerte und die Enden der Zweige abschnitt, mehrere Tage hindurch den begehrten Nektar ab.
Am zweiten Tage entdeckte eine Biene die Blüten, kroch in eine hinein, besuchte noch zwei weitere und flog dann fort. Zuvor aber war sie gefangen und gezeichnet; man wollte sie gegebenen, falls wiedererkennen. Nach 20 Minuten befanden sich schon fünf Bienen bei dem Jasmin, die gleich- faUs verschieden gezeichnet wurden. Weitere Bienen stellten sich nicht ein. Eine genaue Ueberwachung der fünf ergab, daß vier von ihnen Nektar sogen, die letzte hingegen Blütenstaub holte. Auch am nächsten Tage kamen diese fünf Tiere, aber auch nur diese, regelmäßig zu dem Jasmin. Die Arbeits- teilung blieb die gleiche.
Auffallend war das Benehmen anderer Bienen, welche die Blüten bemerkten. Sie flogen kurze Zeit um die Zweige herum, entfernten sich wieder, kehrten vielleicht noch flüchtig kurz zurück und verschwanden dann endgültig, als wüßten sie, daß be- reits genügend Arbeiter mit der Einholung des Nektars beschäftigt seien und sie ihre Kräfte anderen Ausgaben zuwendtn könnten.
Nun wurden am Abend 20 frische blühende Jasminzweige ausgestellt. Bereits am anderen Morgen um zehn Uhr war die Arbeit der fleißigen Insekten neu geregelt. Denn jetzt erschienen elf Bienen, und zwar immer dieselben. Neun holten Nektar, zwei Staubmehl. Mit der Verdoppelung der Blütenzahl hatte man auch annähernd die doppelte Zahl Arbeiter eingesetzt!
Daß Bienen gemeinsam überlegen und nach gemeinsamen Plane handeln, beweist auch folgender
bruschschen Vereine und Gesangsvorträge. Ein Volksfest mit Tanz wird den Tag abschließen, nachdem um 6% Uhr die Preisoerteilung erfolgt ist. Den Kinderspielen am Montag nachmittag 3 Uhr folgt als Abschluß der zweite Teil des Volksfestes. Von Hanau nach Langendiebach und zurück wird ein Omnibusverkehr eingerichtet und zwar ab Heumarkt Hanau: Samstag: 16.40, Sonntag: 8.30, 13.10, 18.20, 22.30; nach Hanau ab Festplatz: Sonntag: 14.10, 19.05, 19.20, 23.50.
ö Roßdorf, 12. Juli. Brand. Am Dienstag nachmittag um %4 Uhr wurde unser Dorf durch einen Feueralarm in Aufregung versetzt. Bei dem niedergegangenen Gewitter hatte ein Blitz in die Hochspannung eingeschlagen. Eine in dem Transformatorenhäuschen befindliche Kiste mit Material und Holzwolle war in Brand geraten. Auf dem schnellsten Wege war die hiesige Freiwillige Feuerwehr am Brandherd angelangt und waltete ihres Amtes. Beamte der EAM. waren ebenfalls baldigst zur Stelle und sorgten für die Instandsetzung der schadhaften Leitung.
Aus SteSuheim und
Amgsduus
Groß-Sieinheim. 13. Juli. Nach langwierigen Verhandlungen ist es der Turnerschaft gelungen, den sogenannten Hamanns Weinberg zu erwerben. Derselbe ist 8881 Quadratmeter groß und dürfte nach seinem Ausbau zu einem der schönsten Turn- und Spielplätze des Gaues Main-Offenbach-Hanau werden. Auf demselben findet am 3. und 4. September das Gau-Jugendtreffen statt. — Schöne Er- solge beim Gau- und Jubiläumsturnfest in Klein- Krotzenburg. Daselbst errangen beim Wettkampf: Zehnkampf Oberstufe: Pet. Frllhwacht den 16. Sieg: Zehnkampf Unterstufe: Franz Klug den 16. Sieg. Jm Frauenturnen: Siebenkampf Unterstufe: Anna Weimar den 7. Sieg; Frieda Brückner den 11. Sieg; Elsa Horn den 15. Sieg; Franziska Krämer den 22. Sieg; Fünfkampf Unterstufe: Ria Holz- derber den 7. Sieg.
âsels Gelubauke«
)( Gelnhausen, 13. Juli. In den altehrwürdigen Ruinen der einstigen Kaiserpfalz zu Gelnhausen wird am 18. Juli anläßlich der Tagung des D. H. V. eine Freilichtaufführung des alten deutschen Schauspiels „Der Antichrist und das Kaiserreich" veranstaltet. Das Spiel stammt aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts, aus der gleichen Zeit also, in der die Gelnhausener Barbarossaburg entstand, deren Ruinen nun dem Spiel als echte Kulisse dienen.
Omis Nüd!«se«
Bekanntmachung
Der Voranschlag der Gemeinde Hainchen für das Jahr 1932 liegt vom 14. Juli d. J. während einer Woche auf der Bürgermeisterei offen. Es wird eine Umlage erhoben, zu der die Ausmärker beizutragen haben.
Hainchen, den 12. Juli 1932
Hess. Bürgermeisterei Hainchen: Emrich.
l Hainchen, 13. Juli. Gemeinderats- sitzung. Der Voranschlag der Gemeinde Hainchen für das Rechnungsjahr 1932 wurde in der am Montag abend stattgofundenen Sitzung des Gemeinderats endgültig verabschiedet, nachdem er in mehreren vorausgegangenen Sitzungen, Gegenstand von Verhandlungen war. Um die Gemeinde- steuerzahler vor einer Erhöhung der Steuersätze, die an und für sich die Einwohner schon stark belasten, zu schützen, hat man bei verschiedenen Kapiteln die entsprechenden Abstriche gemacht, so daß die Erhöhung des Steuersolls nur noch mit 1100 Mark notwendig wird. Somit schließt der Gemeindevoranschlag mit rund 20 000 RM in Einnahme und Ausgabe ab.
Versuch Bonniers. Er klebte kleine Stückchen Draht in einem Bienenkorb fest, Die Tiere wurden bei dem Ausbau ihrer Behausung durch die Fremdkörper behindert, mithin mußten diese beseitigt werden. Um die Drahtstückchen aus dem Wachs herauszuziehen, fehlte den Tierchen die Kraft. Also nagten sie das Wachs ab, bis die Drähte sich lösten und auf den Boden des Korbes fielen. Aber auch dort störten diese Fremdkörper noch. Man schleppte sie daher vor das Flugloch, dann stellten sich fünf bis sechs Bienen längst des Drahtes in gleichen Abständen auf, packten ihn und — ohne daß der Beobachter festzustellen vermochte, wer den Befehl gab — erhoben sich alle gleichzeitig in die Luft, um das störende Stück Metall draußen fallen zu lassen!
Die geschilderten Beobachtungen eines ernsten Forschers liefern den unwiderleglichen Beweis, daß die Bienen nach gemeinsamem Plane zu handeln wissen. Kann man ihr Verhalten noch mit bloßem Instinkt erklären? Oder gehören sie in der Tat zu den überlegenden, also denkenden Geschöpfen? Beinahe sollte man es annehmem
o Die Frankfurter Ehrenplakette für Ludwig Fulda. Der Magistrat der Stadt Frankfurt a. M. hat dem aus Frankfurt stammenden Dichter und Schriftsteller Dr. Ludwig Fulda, Mitglied der Sektion für Dichtkunst der Preußischen Akademie der Künste, anläßlich seines 70. Geburtstages die Ehrenplakette der Stadt Frankfurt a. M. verliehen.
o Hochschulpersonalien. Der als Hegelforscher über Deutschlands Grenzen hinaus bekannte emeritierte ord. Professor in der philosophischen Fakultät der Universität Berlin D. theol. Dr. phil. et jur. Gg. Lasson feiert heute feinen 70. Geburtstag.
o Die Erstausgaben des „Don Quichote". In ganz Spanien gibt es nur eine einzige Erstausgabe des „Don Quichote", sie wird in einem unterirdischen Tresor der Nationalbank in Madrid aufbewahrt, und nur der Präsident der Republik, die Mitglieder der Regierung und der Direktor der Staatsbibliothek haben zu ihr Zutritt. In England gibt es dagegen mehere Erstausgaben des berühmten Werkes; sie sind im Britischen Museum jedermann zugänglich. Begreiflicherweise empfindet man in Spanien diese Bevorzugung Englands recht bitter, und so hat der
Aus SeaErrrt a. M
„Soll und haben" einer ideenreichen" Firma
: Vor der Großen Strafkammer wird sich demnächst ein umfangreicher Betrugsprozeh abwickeln, der sich gegen drei Kaufleute richtet, gegen die soeben nach langwährender Voruntersuchung die Anklage erhoben worden ist. Als Beschuldigte kommen in Betracht der 35jährige Kurt H. aus Grötzingen in Baden, der 56jährige aus Köln stammende Emil Ra. und der 41jährige Franz Re. aus Karlsruhe. Die Angeklagten H. und Re. waren Inhaber des Deutschen Propagandaoerlags Kurt H. in Frankfurt bzw. der Deutschen Verlagsorganisation Fritz Wandpflug in Frankfurt. Diese Unternehmen bemühten sich in recht eigenartiger Weise existenzlosen Personen zu einem sicheren Einkommen zu verhelfen. Durch Inserate fiel es nicht schwer, an Personen zu gelangen, die stellenlos waren und noch einige kleine Ersparnisse besaßen, die sie gerne bereit waren, für eine einträgliche Sache hinzugeben, um wieder festen Boden unter den Füßen in der Zeit der Wirtschaftsnot fassen zu können. Die in leider trügerischen Hoffnungen lebenden Leute bekamen den Mund wässerig gemacht mit dem Aus- beuterecht einer Reklameidee, die ihnen für einen bestirnten Bezirk verkauft werden sollte, die konkurrenzlos sei und deren Verwertung ein sicheres Einkommen abwerfe. Dreierlei Ideen beherrschten das geistige Feld der Beschuldigten: es handelte sich um den Vertrieb eines Wirtschaftsbuchs in der Art eines Haushaltkassenbuchs, eines Buchs „Soll und Haben im Haushalt", das fast den gleichen Zweck erfüllte und um eine Familienchronik in Form eines Familienstammbuchs. Diese Bücher sollten kostenlos dem Publikum überreicht werden, die Kosten der Herstellung sollten von den Lizenzkäufern durch Inserate aufgebracht werden, die in überreicher Zahl die Bücher enthalten sollten. Von der Zahl der aquirierten Inserate hing es ab, ob die Lizenzkäufer nach Abzug aller Unkosten noch einen Gewinn übrig behielten. Dieser sollte mühelos zu erzielen sein. Das Familienstammbuch, das Blätter zur Eintragung der wichtigsten Daten der Familiengeschichte enthielt, sollte vornehmlich Neuvermählten zugesandt werden. Die Herren, die sich bemühten, diese aussichtsreichen Ideen, die längst nichts Neues mehr darstellen, zu fruktifiz'sren, waren so stolz auf ihr Anerbieten, daß sie die Lizenzen für bestimmte Bezirke nicht unter 2000 RM abgaben, und daß sie dabei ans Barzahlung von 750 RM drangen. Ihre Spekulation war keineswegs schlecht berechnet, denn es fanden sich in den verschiedensten Städten Leute, die ihre letzten Ersparnisse zusammenkratzten, um sich in die angebotene Materie einzuarbeiten. Sie fanden u. 3. in Koblenz, Darmstadt, Haiger, Gießen, Heidelberg, Kaiserslautern, Kassel, Mainz. Mannheim, Saarbrücken, Wiesbaden Worms, Würzburg und Frankfurt, aber auch am Niederrhein und im fernen Sachsen — die Anklage zählt 36 Städte auf — Interessenten. Durchschnittlich zahlten sie 750 RM und mußten erfahren, daß sie nicht nur nichts verdienten, sondern daß sie auch noch Geld außer der Lizenzgebühr verloren. Zu dem Prozeß werden eine aroße Zahl Zeugen erscheinen müssen, damit das Gericht Klarheit über den Gang der Verhandlungen erlangt.
Beim Turnen tödlich verunglückt
k Ein junger Mann aus Bochum verunglückte im Freibad Rödelheim dadurch, daß er beim Turnen an einem Turngerät stürzte und sich' derart schwere Verletzungen zuzog, daß er wenige Minuten später starb.
Wieder politische Ruhestörungen in Frankfurt
: Am Dienstag abend veranstalteten die Nationalsozialisten verschiedene Kundgebungen und Werbeumzüge, die, abgesehen von kleinen Anrempelungen, durchaus ruhig verlaufen sind. Nach Auslösung des Zuges auf dem Börsenplatz wurde bekannt, daß Kommunisten im sogenannten Samerun» viertel die Rückkehr dort wohnender Nationalsozialisten erwarteten, um sie zu überfallen. Die Polizei wollte deshalb die dortigen Straßen säubern. Hierbei kam es zu Zusammenstößen zwischen der Poli' zei und den Kommunisten, wobei die Polizei mit
Bürgermeister des Städtchens Esguivias, wo Cervantes geboren ist, die Bitte ausgesprochen, England möchte doch sämtliche in seinem Besitz befindlichen Erstausgaben an das Land des Dichters zurückgeben. Das Britische Museum hat sich zu dieser Anregung bisher nicht geäußert, und es erscheint auch fraglich, ob es ihr nachkommen wird .
o Chaplin, der reichste Sfar. ( Von allen Filmkünstlern der Welt dürfte Charlie Chaplin der auch materiell erfolgreichste fein; er hat im Laufe feiner Karriere das größte Vermögen unter allen feinen Kollegen erworben. Wenn man die von ihm bezahlte Einkommensteuer zu Grunde legt, so besitzt Chaplin zurzeit ein Vermögen von 7 687 570 Dollars. Erst in weitem Abstande kommt Douglas Fairbanks, der nur 550 000 Dollars Vermögen erworben hat.
Allerlei ivilkenswexies
Wenn man 70 Jahre alt geworden ist, hat man rund 1160 Zentner Nahrungsmittel aller Art zu sich genommen.
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Das Wort Zeitung ist viel älter als die Einrichtung, die man heute damit bezeichnet. Es bedeutet ursprünglich einfach Nachricht. Die Anfänge eines regelmäßigen Nachrichtendienstes gehen bis in das Altertum zurück. Schon im alten Rom gab es regelmäßige, natürlich mit der Hand geschriebene Nachrichtenblätter. Im Mittelalter dann, nach Erfindung der Buchdruckerkunst wurden bei wichtigen Ereignissen — Krieg, Seuchen, Hungersnot — Flugblätter über das Land verbreitet; ferner richteten Fürsten und Städte, Handelshäuser (z. B. die Fugger) und die Hansa einen Nachrichtendienst ein, der durch Postreiter unterhalten wurde, und den auch Private gegen Bezahlung benutzen durften. Dieser Nachrichtendienst wuchs sich später zu wöchentlichen Korrespondenzen und schließlich zu Tageszeitungen aus.
Das älteste Werk über Gase und Dämpfe stammt von Heron, der damit die Begründung der Mechanik der Gase und Dämpfe gegeben hat. Er setzt sich eingehend mit Versuchen über die Eigenschaften der Luft und Dämpfe auseinander. Dieser Gelehrte lebte um das Jahr 100 v. Chr.