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Ar. 163

Seife 3

Stadt Kanau

Bluttse volssssche Auskthvessunsen itt dev ^ammevssvatze

Sünf Nationalsozialisten verletzt

Sisfjer war Hanau glücklicherweise von grö- zeren Unruhen verschont geblieben, nun ist es lber gestern auch hier zu bedauerlichen schweren Ausschreitungen und Blutvergießen gekommen, über >ie uns polizeilicherseits folgendes gemeldet wird: Oie Unruhen begannen schon gestern früh auf dem Wohlfahrtsamt, als nationalsozialistische Arbeits- ose ihre Unterstützung abholen wollten und dabei hre politischen Abzeichen trugen. Von Kommunisten, üe das Tragen der Abzeichen als Provokation auffaßten, wurden die Nationalsozialisten ange- aöbelt, doch gelang es den Polizeibeamten die Kühe bis 10.30 Uhr aufrecht zu erhalten. Dann kam es zu einer Schlägerei, bei der ein National- sozialist unwesentlich verletzt wurde. Von den Na­tionalsozialisten wurde nun Verstärkung geholt und der Verletzte fortgebracht. In der Hammerstraße kam es dann plötzlich zu einem regelrechten Ueber« fall der Kommunisten auf die Nationalsozialisten. Mit Messern und Holzstücken wurde eingeschlagen. Im ganzen wurden fünf Nationalsozialisten ver­letzt, drei davon so schwer, daß sie ins Krankenhaus gebracht werden mußten. Die Schutzpolizei war bald darauf zur Stelle und zerstreute die Menge.

Auch im Verlauf des Nachmittags kam es noch ht der Stadt zu Ansammlungen, die jedoch von der Polizei schnell zerstreut wurden.

Vorbeugungsmatznahmen gegen Sitzschlas und GonnenftZch

Die Gefahren von hitzschlag und Sonnenstich. wie man diese Hitzekrankheiten verhüten kann. »- Die Behandlung der Leidenden.

Die große Hitze, die in ganz Deutschland herrscht, hat die Gefahren, die Hitzschlag und Sonnenstich dem Menschen bringen, sehr erheblich gesteigert. Es werden darum einige Hinweise darauf nutz­bringend wirken, auf welche Weise man dieser schweren Sonnengefahr, die kein Geschlecht und kein Alter verschont, entrinnen kann. Die unmittelbarste Wirkung, die von der Hitze auf den lebenden Orga­nismus ausgeübt wird, tritt in den Krankheits- erfcheinungen zu Tage, die wir unter den Namen A Hitzschlag und Sonnenstich zusammenfassen. Bei­des sind verschiedene Begriffe, wenn auch ihre Ent- ftehungsurfache dieselbe, nämlich eine übermäßige Erwärmung des Organismus, ist. Während der Sonnenstich jedoch eine direkte Bestrahlung der Gehirnpartien des Kopfes zur Voraussetzung hat, genügt eine allgemeine Erhitzung des Körpers, um einen Hitzschlag herbeizuführen. Der eigentliche Sonnenstich kommt deshalb in unseren Breiten­graden nur sehr selten vor, während er beispiels- weiise in den Tropen zu den häufigeren Erschei­nungen gehört. Symptome und Wirkungen des Sonnenstiches und des Hitzfchlages unterscheiden sich denn auch wesentlich von einander. Beim Sonnenstich tritt stets eine Hirn- und Hirnhaut­entzündung auf, die sich in allerlei Erregungs­zuständen, Delirium und Selbstmordideen äußert und fast immer mit dem Tode endet Beim Hitz­schlag dagegen handelt es sich um eine allgemeine Störung der Wärmeregulierung des Körpers, die eine Lähmung der organischen Funktionen zur Folge hat. Der Vorgang ist dabei der, daß sich der Körper infolge irgend welcher durch die Hitze be­dingten Einwirkungen nicht hinreichend nbkühlen kann und durch die beständige Steigerung der Jnnentemperatur ein Zustand geichaifen wird, der an hohes Fieber erinnert Solcher Einwirkungen gibt es mehrere. Zunächst die rein mechanische Unmöglichkeit des Körpers, Wärme an die Außen­luft abzugeben. Dieser Fall tritt bei zu dichter

Donnerstag, den 14. Juli 1832____________

Ammer noch Gew für die Mission?

Der Evangelische Pressedienst schreibt uns: Unser Volk geht durch eine schwere Krisis und befindet sich in einer Arbeitslosigkeit ohnegleichen. Da sucht man nach den Schuldigen und nach den Wegen zur Abhilfe. Mancher Kritiker stellt die Frage:War­um treiben wir jetzt nach Mission und schicken dafür so vieles gutes deutsches Geld ins Ausland, das daheim besser verwendet werden könnte?" Wissen diese Kritiker, daß für sämtliche evangelischen deut­schen Missionsgesellschaften im Jahre 1930 nicht mehr als 7 409 000 RM eingegangen sind, und daß davon 4 Millionen in Deutschland bleiben, während wir im gleichen Jahre 11 Millionen allein für Lip­penstifte an Frankreich bezahlten?

Die Ausbildungsstätten des gesamten MWons- perfanals liegen in unserem Vatèrlande. Den deut­schen Tropen-^Ausrüstungsgeschäften und deutschen Schiffahrtsgesellschaften fließen jährlich erhebliche Summen der ausreisenden und wieder heimkehren­den Missionsangehörigen zu. Schulbücher, Lehr­mittel, Arzneien, Instruments und Verbandsstoffe für die Missionsgebiete werden bei deutschen Fir­men bestellt. Die Kinder der Missionare werden in der deutschen Heimat erzogen. Was bedeuten denn 3^ Millionen Missionsausgaben, die ins Ausland fließen, gegen die Milliarden, die wir jährlich für ausländischen Tabak, französischen Sekt und Par­füm, Südfrüchte und andere Genußmittel ins Aus­land schicken!

Deutsche Kaufleute gehen ins Ausland, um Gut und Geld zu erwerben. Deutsche Missionare ziehen hinaus, um dasBeste in der Welt" fremden Völ­

Kleidung ein. Die kühlere Luft kann nicht an die Haut herantreten, was sich noch ungünstiger be­merkbar macht, wenn angespannte Muskeltätigkeit die Abkühlung des Körpers behindert. Im besonde­ren gilt das von Soldaten beim Marsche, Heitzern in schlecht ventilierten Schiffsräumen, Feldarbeiten zur Sommerszeit. Aber selbst bei genügender Zu­fuhr von Luft an die Poren der Haut kann es ge­schehen, daß die Wärmeabgabe behindert ist, näm« lich dann, wenn die Luft selbst mit Wasserdampf ge­sättigt ist, daß sie keine Feuchtigkeit mehr aufzu­nehmen vermag. Allgemeine Ermüdung und Schwä­chung durch Alkoholmißbrauch oder andere Ex­zesse fördern die Disposition zum Hitzschlag. Erste Voraussetzung einer vorbeugenden Hygiene ist des­halb vernunftsgemäße Körperpflege, Vermeidung von Ausschweifungen aller Art, genügende Zufuhr von frischem Wasser, leichte Kleidung und Vermei­dung von Ueberanstrengung. Ein sehr zweischnei­diges und deshalb nicht zu empfehlendes Mittel ist Nachtarbeit, ein Brauch, der bisweilen beim Mili­tär geübt wird, wo man die Mannschaften während der Nacht marschieren und am Tage ruhen läßt. Die Behandlung des Hitzfchlages muß von anderen Grundbedingungen ausgehen. Die Hauptsache ist gutes, regelmäßiges Leben ohne Ueberanstrengung, tüchtige Ruhe bei Nacht, lockere Kleidung und Ver­meidung von Alkohol. Das Eintreten des Hitz- schlages kündigt sich meist durch Erschlaffung und Teilnahmslosigkeit an, die bei fortgesetzter Anstren­gung einer völligen Ohnmacht bei krampfartiger Pressung der Kinnladen weicht. Aus diesem Grunde ist auch meist die Zuführung von Wasser erschwert, so daß nicht selten Wasserklistiere gemacht werden oder Wasser unter die Haut gespritzt wird. Dazu kommen kalte Waschungen des Körpers und künst­liche Atmungsversuche.

^ÄUsfvauen-LlachmMas itt Moslevs Strandbad

In Moslers Strandbad gab es gestern einen Hausfrauennachmittag mit Moden­schau. Die Veranstaltung nahm bei prächtigstem Sommerwetter einen ausgezeichneten Verlauf, es schien, als ob Mosler mit dem Wettermacher ein gentlemen agrement" abgeschlossen hätte, erst nach Mitternacht mit dem Regen zu beginnen. In dem

kern zu bringen: die Erweisung christlicher Liebe in Wort und Tat.

Die 38 deutschen Missionsärzte bilden zur Zeit die einzige deutsche organisierte Aerztegruppe, die im Ausland tätig ist. Wo sich ein deutsches Mis- sionshospital befindet, da entsteht ein Kulturzen­trum, das bei der ausländischen Bevölkerung auf weite Entfernung hin für das Deutschtum wirbt, und eine Wirkungsstätte für die Wissenschaft, die dem deutschen Namen Ehre macht. Es braucht nicht besonders darauf hingewiesen zu werden, daß dies nicht das Hauptmotiv und der Endzweck der Arbeit ist, aber es ist in jedem Falle eine ungesuchte Be­gleiterscheinung, die mit 3^ Millionen RM über­haupt nicht zu bezahlen ist. Wenn man weiß, daß insgesamt 1435 deutsche Missionskräfte mit 563 Hauptstationen, 3698 Schulen, 34 Seminaren und 33 Krankenhäusern von der deutschen evangelischen ärztlichen Mission betreut werden, wird einem deut­lich, welches große Werk mit ganz kleiner finan­zieller Kraft hier getragen wird. Wenn man die Mifsionsgaben auf unsere Arbeitslosen verteilt, so würde erst an jedem dritten Tag ein Pfennig auf jeden kommen.

Die Mission vertritt auch vor der Heimat mutig und unverkürzt in der ihr gegebenen Vollmacht das Zentrale ihres Botschafterdienstes.Mission" ist ein unentbehrlicher Wssenszug am Christentum und teilt die ihr innewohnenden Kräfte rückwirkend auch der Heimatchristenheit in vollem Maße aus. Der Fortbestand dieses von Gott befohlenen Werkes darf nicht von dem augenblicklichen Dermägensstand der Christenheit abhängig gemacht werden.

schön gelegenen Moslerbad war ein richtiger Lauf­steg gebaut, auf dem sich die Mannequins beweg­ten. Zuerst wurden Badetrikots, Strandanzüge und Bademäntel gezeigt, später kamen die Sommer­kleider daran, bei denen es preiswerte und reizende Schöpfungen zu sehen gab. Alle vorgeführten Sachen stammten von der Firma Berlizhei- m er. Als zweite Attraktion sah man Kleider, die mit den Stickereiblumen der Zigarettenfabrik Berg­mann geschmackvoll verziert waren. Die Hüte, die ja nun einmal zu den Kleidern passen müssen, wurden von der Firma Hut-Eckhard gezeigt. Weiter waren bei der Schau noch die Firmen Jodry mit Hand- und Badetaschen, die Firma Raabe mit Photo-Apparaten und die Firma Lossow mit Wein und Zigarren vertreten. Für die nötige Stimmung sorgte der launige Ansager Rudi Dpificius und die rassige Tänzerin Normy Cohnley, die besonders mit einem Grotesktanz viel Erfolg hatte. So wurde für das Auge genug geboten und da die Sonne so prächtig schien, war alles in bester Stimmung.

* Daten für 15. 3u(L 1831: Der Bildhauer Reinhold Begas in Berlin geb. 1862: Der Schrift­steller Ludwig Fulda in Frankfurt a. M. geb. 1929: Hugo v. Hoffmannsthal in Wien gest.

* Ein wolkenbruchartigex Regen ging heute früh auch über unserer Stadt nieder, der über eine Stunde anhielt.

* Hospitalkirche. Heute abend 8 Uhr Bibelftunde, Pfarrer Göckel.

* Anfall. In der Barbarossastraße kam es gestern nachmittag gegen 3.30 Uhr zu einem Zusammen­stoß (den 14. an dieser Stelle) zwischen einem Mo­torradfahrer von auswärts, der von Hanau kom­mend die Stadt verlassen wollte und einem Frank­furter Lieferwagen, der von der Dunlop kam. Der Motorradfahrer wurde von dem Auto erfaßt und erlitt Verletzungen am Ohr und im Gesicht. Die Kreuzung ist zwar durch Warnungszeichen gesichert, doch dürfte zu prüfen sein, ob nicht weitere Sicher­heitsmaßnahmen getroffen werden können, um die häufigen Unfälle zu vermeiden.

* Bevölkerungsvorgang im Juni 1932. Es wur­den 29 Kinder (4 uneheliche) lebend und 2 eheliche tot geboren. Es starben 34 Personen, und zwar an

Diphtheritis 1, Tuberkulose 3, Krebs 1, Gehirn- fchlag 4, Altersschwäche 3, durch Unfall 2. Unter 1 Jahr starben 2 eheliche Kinder.

* Preuß. Klassenlotterie. In der 4. Klasse wur­den am 1. Ziehungstage unter anderen folgende Nummern gezogen (ohne Gewähr): 7270, 7272, 63 551, 89 129, 90 383, 105 885, 188 220, 207 007, 244 326, 244 350, 307 217.

* Kynologie. Auf internationalen Hundeaus­stellungen, auf Jagdhundep vüfu ngen, sowie auf Poli­zei- und Veranlagungsprüfungen haben verschiedene Mitglieder vom Verein der Hundeifreunde für Hanau und Umgebung e. V. sehr gute Erfolge erzielt. Im Spätsommer und Herbst dieses Jahres werden von den Unterabteilungen im Verein, der Ortsgruppe Hanau des Verein für deutsche Schäferhunde e. B. der Abteilung Hanau des Reichsvsrbandss für Poli­zei- und Schutzhunds e. V., sowie der Gruppen der Jagdhundebesitzer diverse Prüfungen abgehalten werden. Nähere Auskunft wird von der Leitung ge­geben. Auf der Mannheimer Schau erhielt Herr Hußlein für seinen St. Bernhardshund Jörg-Gütch, S. H. S. B. 41527, aus dem bekannten Zwinger von Mannus, Luzern, in der Offenen Klasse, vor­züglich an zweiter Stelle und in der Jugendklasse, vorzüglich an erster Stelle mit einem Ehrenpreis.

In Dortmund auf der Großen Internationalen Ausstellung war eine sehr starke Konkurrenz. 31 Bernhardiner waren ausgestellt. Mit dem gleichen Hund erhielt Herr Hußlein in der Offenen Klasse vorzüglich an dritter Stelle und in der Jugendklasse, vorzüglich an erster Stelle mit einem Ehrenpreis. An der Zucht- und Schutzhundeprüfung von der Ortsgruppe Niederrodenbach des Vereins für deutsche Schäferhunde e. V. veranstaltet, beteiligte sich Herr Schlegel mit seiner Schäferhündin Afra von der Kinzigbrücke. Die Hündin ist ein erstklassig veranlagtes Tier. Durch den Umstand, daß sie ge­sundheitlich nicht ganz auf der Höhe war, erhielt sie dennoch die Prüfungsnote gut. Das auswärtige Mitglied Herr K. Jäger, Hochstadt, erhielt auf der gleichen Prüfung für seine Schäferhündin Ada von Perk die Note vorzüglich. Vor der Ortsgruppe Offenbach a. Main des Deutschen Teckelklubs e. V. fand am letzten Sonntag eine Bauprüfung statt. Als Richter war der Mitgründer des Vereins der Hundefreunde Herr Hermann Schaller tätig. Herr August Landmann führte feinen auf den verschie­densten Prüfungen hoch prämiierten rauhharigen, pfefferundsalzsarbenen Dachshundrüden, Lump vom Römerwald. In der Offenen Klasse erhielt er die Note vorzüglich und einen Ehrenpreis. Herr A. Schmidt zeigte in der Jugendklasse seinen sehr gut veranlagten rauhhaarigen Dachshund rüden Tipp vom Gründautal. Der verhältnismäßig junge Hund leistete eine hervorragende Bauarbeit und erhielt die Note vorzüglich. Am letzten Samstag abend hatten die Dressurwarte des Vereins, die Herren Polizeihauptwachtmeister Buchholz und Polizsi- hauptwachtmeister Lindner die Mitglieder zu einer Nachtübung eingeladen. Begünstigt durch das herr­liche Wetter nahmen 16 Mitglieder mit 13 Hunden teil. Am meisten war die Rasse der Schäferhunde vertreten. Die Herren Direktor Bauer, Buchholz, Direktor Fuchs, Freudental, Glückmann, Kegelmann, Lindner, Schlegel, Stocker und Wunderlich betei­ligten sich mit ihren Schäferhunden. Herr Stern- heimer führte seinen Schnauzerrüden und Frl. Hoff­mann ihren erstklassig abgeführten Dobermann­pinscherrüden Bruno von der Ehrensäule. Ebenfalls mit einem D ob erm a nnp in sch errüden war Herr Schä­fer anwesend. Im Allgemeinen kann gesagt werden, daß die Hebung den Erfolg der Arbeit der Führer mit ihren Hunden gezeigt hat. Bis auf einzelne Neulinge wurden sehr gute Arbeiten gezeigt. Im nächsten Monat wird eine derartige Uebung wieder­holt. Näheres wird durch die Zeitung im Vereins- k al ender besanntge geb en.

IavlunsSbe-ebtt in dreifacher Ausfertigung nach neuester amtlicher Vorschrift sind ab heute erhältlich in der wassenhaus - OvuMever, Hanau.

â^ ^^^^^U von L. Fraser-Simson

Copyright by Georg Müller, München.

2. Fortsetzung (Nachdruck verboten.)

Ich will mich auch fertigmachen und dich zum Bahnhof fahren. Bis zum letzten Augenblick möchte ich doch noch etwas von dir haben."

Schön, Eva!" rief er schon von der Treppe zu­rück,Aber mach schnell, sonst reicht's nicht mehr."

Der Schneesturm hatte nachgelassen, und der Wind sauste nur noch in schweren, unregelmäßigen Stößen über die Heide. Neun Meilen, die sie bis zum Bahnhof in Ballinlarig zurückzulegen hatten. Eva saß selbst am Steuer. Sie haßte es, von Peter getrennt zu sein, aber heute war es ihr noch außer­dem, als laste das Gefühl irgendeiner Gefahr auf ihr. Sie suchte es abzuschütteln und in dem, was sie sprach, nichts davon aufkommen zu lassen. Doch als sie sich der kleinen Stadt näherten, wurde es stärker als ihr Wille.

Ich wollte, du müßtest nicht fort", sagte sie.

Zu dumm, Evakind! Aber lang werde ich ja nicht ausbleiben. Freilich, vor der Sitzung zurück­zukommen, hätte nun keinen Sinn, auch wenn ich Zeit hätte, woran ich sehr zweifle. Aber sowie es geht, komme ich, wahrscheinlich schon am Tag nach der Sitzung. Es ist ja furchtbar einsam für dich, so allein hier drobèn. Wenn ich nur irgend jemand wüßte, den ich dir zur Gesellschaft schicken könnte."

Das Alleinsein macht mir nicht die geringste Sorge, aber ich kann's nicht leiden, daß du heut wegmußt. Du wirst mich für kindisch halten, aber ich habe Angst."

Angst?! Ja, um Himmelswillen, wovor denn?"

Ich weiß nicht ich kann's dir nicht erklären. Wahrscheinlich nur, weil ich kindisch bin. Nun, da sind wir ja."

Die Schlafwagen waren nicht voll, und Peter erhielt ohne Schwierigkeiten einen Platz. Eva be­gleitete ihn in den Zug, und als sie in seinem Ab­teil waren, schloß er sie in die Arme und küßte sie.

Beunruhige dich nicht, Liebling", sagte er.Du weißt nicht, wie du mir ab gehen wirst. Aber ich weitz, was ich an dir habe."

Seine Worte rührten sie und sie merkte sie sich, um sie später hervorzuholen, wenn sie allein war. Für den Augenblick gaben sie ihr Wärme und Trost.

Wenn die Männer wüßten, welche Freude sie ihren Frauen mit solchen unerwarteten, aber auf­richtigen Zärtlichkeitsausbrüchen machen, würden sie damit kaum so sparsam fein. Aber dann würden sie vielleicht Wert oder Aufrichtigkeit oder beides einbüßen. Und so ist ihre Seltenheit möglicherweise doch einer der wenigen unbewußten männlichen Schachzüge; eine Waffe gegen die vielen bewußten der Frau.

Eva gab den Kuß zurück und drückte Peter eine Sekunde an sich, als fürchtete sie sich vor dem, was zwischen dem Jetzt und ihrem nächsten Wiedersehen liegen könnte.

Leb wohl, Liebster", sagte sie.Und gib acht auf dich, meinetwegen."

Nun stand sie wieder auf dem Bahnsteig und Peter streckte den Kopf aus dem Fenster.

Den ganzen Zug entlang ging es ähnlich zu. Es kam Eva vor, als gäbe es nur Abschiede auf der Welt. Nur der Herr am nächsten Fenster schien niemand zu haben, der sich um ihn kümmerte. Der arme Kerl, dachte Eva.

Dann setzte sich der Zug in Bewegung. Peter hielt ihre Hand noch einen Augenblick fest in der seinen.Schick mir gleich morgen Nachricht", rief sie, während er allmählich ihre Hand losließ.

Selbstverständlich!" schrie er zurück.

Sie winkte mit dem Taschentuch, bis der Zug an der nächsten Biegung außer Sicht kam. Dann wandte sie sich um und wanderte mit einem Ge­fühl der Verlassenheit über den langen Bahnsteig auf den Platz hinaus. Schnell war sie wieder im Wagen und auf dem Weg nach Hause.

Er kam ihr länger vor als der Herweg, als Pe­ter an ihrer Seite saß. Aber endlich lenkte sie doch in den Park ein und hielt vor der Tür. Langsam stieg sie die Stein treppe hinauf und ging in das Wohnzimmer. Im Kamin flackerte ein helles Holz­feuer, und daneben war der Tee hergerichtet. Aber der große Raum schien merkwürdig leer. Die Eigen­art einer starken Persönlichkeit, die eben noch darin geweilt hatte, fehlte. Das Gefühl davon erzeugte in Eva eine eigene Stimmung der Rastlosigkeit. Da stand Peters Stuhl und schien auf ihn zu warten, und auf dem Nebentisch lag ein Buch, in dem er noch vor ein par Stunden gelesen hatte.

Die Rastlosigkeit trieb Eva aus dem Hause, ob­wohl es nun ganz dunkel war. Zwecklos ging sie im Park umher und dann noch ein wenig auf die Straße hinaus. Aber es war zu kalt, um lange draußen zu bleiben. So kehrte sie bald um und sprach noch im Pförtnerhaus vor, um sich nach der Frau des Gärtners zu erkundigen, die krank ge­wesen war.

Zu unangenehm", sagte Frau MacPhail,daß der gnädige Herr so plötzlich weg mußte."

Ja, es ist langweilig, Frau MacPhail."

Andrew wird sehr enttäuscht sein, wenn er's hört. Er meint, daß es dieses Jahr eine recht gute Jagd geben wird."

Andrew war der Sohn von Frau MacPhail und Peters Jagdaufscher. Er besaß ein kleines Stück Ackerland ein paar Meilen vom Schloß ent­fernt und war darauf erpicht, seinem Herrn bei seinen spärlichen Besuchen zu einem guten Schuß­ergebnis zu verhelfen.

Der arme Andrew", sagte Eva.Ich weiß, wie viel Mühe er sich gibt. Aber mein Mann wird ja in einigen Tagen schon wieder zurück sein."

Hoffen wir's", meinte die Gärtnersfrau mit einem so sonderbaren Gesichtsausdruck, daß Eva fragte:Warum hoffen? Er kommt so bald wie er kann. Mir scheint, Sie haben wieder einmal mit der alten Jeanne zu tun gehabt. Hat sie ein Unglück prophezeit? Nein, ich will nichts davon hören. Ich glaube ja doch nicht daran, aber ganz aus dem Kopf bringen kann ich's auch wieder nicht, was sie daherredet."

Gerade so geht's mir, gnädige Frau. Man muß daran denken, ob man will oder nicht. Immer kommt sie wieder und hinauswerfen kann ich sie doch auch nicht."

Natürlich nicht, das arme Geschöpf", sagte Eva und stand auf.Ich muß jetzt gehen, Frau Mac­Phail. Hoffentlich macht Ihre Erholung Fortschritte. Also gute Nacht."

Gute Nacht, gnädige Frau, und vielen Dank für Ihre Güte, daß Sie nach mir gefragt haben."

Der lange Abend ging langsam genug für Eva vorüber. Obwohl sie versuchte sich abzulenken, wurde sie doch ihrer Neugierde nicht Herr zu wissen, was die alte Jeanne über Peter prophezeit haben mochte. Jetzt wünschte sie fast, sie hätte die Gärt­nersfrau danach gefragt. Selbstverständlich würde sie niemals an das törichte Geschwätz der Alten ge­

glaubt haben. Sie lebte allein in einer Hütte, etwa eine Meile vom Schloß. Niemand kannte ihre Ver­gangenheit, noch woher sie gekommen war. Allmäh­lich hatten sich die Leute daran gewöhnt, daß sie da war, und nun gehörte sie schon seit Jahren zu den anerkannten Insassen der Umgegend. Sie war unwahyscheinlich arm, peinlich sauber, und wovon sie lebte, blieb ein Rätsel. Aber irgend etwas Un= beimliches hing ihr an, und die meisten Leute hatten Angst vor ihr, wenn sie's auch nicht Wort haben wollten. Dem Gerücht nach hatte sie Anfälle, in denen ihr die Zukunft offenbar wurde, und dasselbe Gerücht behauptete, daß nicht wenige chrer Prophe­zeiungen eingetroffen waren.

Ein Abend voll gestaltloser Befürchtungen, die um das alte Weib freisten und Eva bald mit einem Buch ins Bett trieben. Sie wünschte jetzt, sie hätte bie Jungfer angewiesen, während der Abwesenheit Peters auf dem Gang vor ihrem Zimmer zu schla­fen. Es war so ungemütlich; allein in dem Stock­werk und kein Mensch in Rufweite.

Aber energisch schüttelte sie solche Gedanken von sich und war bald eingeschlafen.

3. Kapitel

Langsam schlichen die Stunden des nächsten Ta­ges für Eva vorüber. Sie stellte sich vor, wie Pe- ter am frühen Morgen in London angekommen war und konnte den Wunsch nicht unterdrücken, sie wäre mit ihm gefahren. Ihre unvernünftige Furcht machte sie ruhelos. Wenn sie nur erst wußte, daß er glücklich sein Ziel erreicht hatte!

Aber endlich war auch dieser Tag oorbei, und am nächsten Morgen hielt sie den versprochenen Brief Peters in Händen.

Ehe sie ihn öffnete, warf sie einen Blick auf die Adresse. Sie war in Peters eigentümlicher Hand- schrift, aber offenbar hatte er eine weiche Feder benutzt statt der spitzigen, die er sonst gewohnt war. äonberbar! Eva erinnerte sich ganz deutlich, daß sie vor der Abreise seinen Füllfederhalter aufgefüllt hatte, mit dem er immer zu fchreiben pflegte. Auch der Inhalt des Briefes erregte ihr Kopfschütteln. Er war so gänzlich unähnlich seiner sonstigen Schreib­weise. Zuerst schrieb er von seiner Reise und glück­lichen Ankunft. Aber dann, der letzte Satz, der war doch wirklich zu merkwürdig.

(Fortsetzung folgt). )