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Anzeiger für^s

WM Stadt and Land

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Bezugspreis: Für den halben Monat 95 R«pfg., für den ganzen Monat NM. 1.90 ohne Trägerlohn / Einzelnummer 10 N-Pfg., Samstag 12 R-Pfg. / Anzeigenpreise- Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Breite 8 N-Pfg., im Netlameteil von 68 mm Breite 25 N-Pfg. / Ossertengebühr 50 R-Psg.

Kv. 162

Mittwoch, de«

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Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. Bei unverschuldetem Ausfall der' Lieferung infolge höherer Gewalt, Streit usw. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung oder Nachlieferung oder aus Rückzahlung des Bezugspreises. / Für Platzvorschrift u. Erscheinungskage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet./Geschäftsstelle: Hammerstr. 9 / Feruspr. 3956,3951,3958

13. Su«

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Der Vertrag von Lausanne, der in allen seinen Teilen bereits bekannt ist, ist nunmehr auch im Wortlaut der Oeffentlichkeit übergeben worden.

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* Die für Donnerstag vorgesehene Wahl des hessischen Staatspräsidenten ist auf unbestimmte Zeit verschoben worden.

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Die Berufung im Prozeß gegen die Leiter der Evangelischen Zentralbank wurde hinsichtlich des angeklagten Direktors Friedrich Paul Kunck ver­worfen und das Urteil erster Instanz, das auf zwei Jahre drei Monate Gefängnis lautete, aufrechter­halten Bei Adolf Kunck wurde die Strafe auf zwei Jahre drei Monate erhöht.

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Der derzeitige Seniorchef der über hundert Jahre lasten Kölner' Kunst-, Akzidenz und Buchdruckerei I. P. Bachem und älteste Sohn des Gründers der Kölnischen Volkszeitigung", Franz Xaver Bachem, beging gestern feinen 75. Geburtstag.

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Im Rahmen der Aktuellen Stunde der Deut­schen Welle spricht am Donnerstag, 14. Juli, abends 7 Uhr, der Chefredakteur desVorwärts", Fried­rich Stampfer (Berlin), über das Thema«staat und Sozialismus".

Eine Vereinbarung über den deutschen Sommer- reiseverkehr während'der Monate Juli, August und September nach Belgien ist zwischen der deutschen und belgischen Regierung geschlossen worden. Da­nach wird deutschen Erholungsreisenden ähnlich wie es unlängst mit dlr Schweiz und der Tschecho­slowakei geschehen ist, auch für Reisen nach bel­gischen Seebädern und Kurorten auf Antrag die Genehmigung erteilt, über die Freigrenze hinaus bis zu 500 Mark oder Devisen im Laufe eines Kalendermonats mitzunehmen.

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* Die norwegische Regierung hat von gewissen Gebietsteilen in Nordostgrönland, wo im ver­gangenen Jahre norwegische Expeditionen gearbeitet haben, Besitz ergriffen.

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Der britische Botschafter Lord Tyrrell war gestern am Quai d'Orsay. Dieser Besuch galt einer Besprechung des Calliaux-Churchill-Abkommens das die Reglung der Schulden Frankreichs an England zum Gegenstand hat. Es bestehen zwischen der eng­lischen und der französischen Regierung in dieser Beziehung bedeutsame Auslegungsverschiedenheiten.

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Die Arbeitslosigkeit hat in England im Laufe des Juni trotz der günstigen Jahreszeit zugenom­men, und zwar um rund 6000 Personen. Sie be­trägt nunmehr Ende Juni 2 747 343.

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Nach einerTimes"-Meldung aus Newyork wird die Zahl der Arbeitslosen in der Stadt New­york allein jetzt auf eine Million geschätzt.

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Die lettische Regierung hat gestern beschlossen, die bisherigen Zollsätze auf eine Reihe von Waren, darunter Getreide, Früchte, Steinkohlen, Maschinen ' und Gewebe, um 50 bis 300 Prozent zu erhöhen. Gleichzeitig sind die Einsuhrkontingente für eine ganze Anzahl von Waren aufgehoben worden.

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Die außerordentliche Völkerbundsversammlung, in der die Türkei ihren Beitritt zum Völkerbund vollziehen wird, findet am nächsten Montag, 18. Juli, statt. Die ordentliche Völkerbundsversamm­lung beginnt am 19. September. Voraussichtlich wird am nächsten Freitag der Völkerbundsrat zu­sammentreten, um zu der Frage der Einberufung der Weltwirtschaftskonferenz Stellung zu nehmen.

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Der Generalrat der belgischen Sozialistischen Partei und das Nationalkomitee der Sozialistischen Gewerkschaftskommission, die gestern in Brüssel zu­sammentraten, um die Möglichkeit eines sofortigen Generalstreiks zu prüfen, haben den Generalstreik abgelehnt.

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Wie Havas aus Rio de Janeiro berichtet, hat Brasilien alle Zahlungsverpflichtungen bis 31. August um 14 Tage suspendiert.

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Die Kammer des irischen Freistaates hat mit 71 gegen 61 Stimmen die Abänderung verworfen, die der Senat zu dem Gesetzentwurf über die Hebung des Treueides vorgenommen hatte. Der Gesetzentwurf bleibt infolgedessen 18 Monate lang suspendiert, falls nicht in der Zwischenzelt Neu­wahlen stattfinden.

* > Näheres siehe politischen Teil.

Macdonald 6

£ o n b o n, 12. Juli. Premierminister Mac seine mit größter Spannung erwartete Erklärt serenz ab.

Haus und Tribünen waren dicht besetzt. In der Diplomatenloge war unter den zahlreichen auslän­dischen Missionschefs der deutsche Geschäftsträger Graf Bernstorff anwesend. Schon als Macdonald um 3.15 Uhr das Unterhaus betrat, wurden ihm von feinen Anhängern stürmische minutenlange Ova­tionen dargebracht. Um 3.45 Uhr erhob sich Mac­donald und gab, von lautem Beifall der Regierungs­anhänger begrüßt, seine Erklärung ab, in der es heißt:

Er erhebe den Anspruch, daß die Lausanner Kon­ferenz und ihre Ergebnisse zu einer Regelung jener Reparationsfragen führen können, deren Spuren in allen wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu finden sind, die die Welt seit dem Kriege heimgesucht haben, die die nationalen Budgets verfälscht haben, die in den Mittelpunkt Europas ein Land gestellt haben, des­sen Finanzlage eine Bedrohung für die ganze Welt ist, und die viel dazu beitra­getragen haben, jede nationale Wirtschaft aus den Fugen zu bringen.

Solange Reparationen fortdauerten, könne keine völlige wirtschaftliche Erholung eintreten. Be­vor keine Erholung in Deutschland als einem Wellfaktor slaltfinde, kann es keine Erholung für uns geben.

Er hoffe, daß die Konferenz den bisherigen Unge­wißheiten eine Ende bereitet habe. Auf das Argu­ment Bezug nehmend, die Regierungen hätten auf gewiße Wahlen warten müssen, erklärte der Pre­mierminister, er sei des Wartens auf Wahlen müde geworden, und machte sich über den Gedanken luftig, daß die Welt bis Ende März auf eine Vereinbarung hätte warten können.

Der Premierminister nahm dann auf das soge­nannte Gentlemen -Abkommen Bezug und erklärte, am Freitagvormittag habe er öffentlich in Lausanne auf die Frage des Reichskanzlers, ob, wenn dieser Plan fehlschlage, Macdonald für eine Konferenz der Mächte garantieren würde, erklärt: Gewiß, dies wird geschehen". Aber, fuhr der Pre­mierminister fort, das Abkommen werde nicht fehl­schlagen. Wenn es aber in Gefahr sei, werde die britische Regierung für es eintreten. Um zu verhindern, daß im Falle der Nichtratifizierung des Lausanner Vertrages das Werk gefährdet würde, setzten wir darüber eine andere Vereinbarung:

Statt Deutschland dann wieder aus den suspen­dierten Zoungplan zurückkommen zu lassen, würden wir den gesamten Fragenkomplex wie­der aufnehmen und sehen, ob sich nicht eine an­dere Methode finden läßt. Was auch immer ge­schehen möge, keine Bezahlung kann jetzt von Deutschland erwartet oder verlangt werden.

Angenommen, es müßte ein Interregnum bestehen zwischen dem ZustandReparationen" und dem Zu­stand ,/keine Reparalionen", so muß dieses Inter­regnum eher von der Artkeine Repa r a - Honen" als von derReparationen" fein.

Amerika sei der Ansicht, fuhr Macdonald fort, daß es in Uebereinstimmung mit dem standpunkt handeln müsse, den es während der ganzen^Zeit eingenommen habe. Obwohl die Vereinigten staa- ten niemals eine Zusage gegeben, noch in irgend­einer Weise angedeutet hätten, daß sie zu einem Entgegenkommen bereit seien, glaube er doch, daß keine Ration bereitwilliger die Hand bei der Regelung der Verwicklungen und Schwier,g- keiten Europas bieten würde als Amerika und das amerikanische Volk.

Der Premierminister bestritt, daß Lausanne für Amerika ein Ultimatum bedeute, und betonte, daß alles, was in Lausanne geschah, dazu diente, die inneren Schwierigkeiten Europas einzurenken

Der Premierminister wies darauf hin, daß Art. 1 der Vereinbarung, der den Reparationen ein Ende setzte, eine große Tat sei. Die internationale Wirtschaftskonferenz sollte seiner Ansicht nach nicht in Genf ab geh alten werden. Deutschland müsse zurückgebracht werden in die gewöhnlichen inter­nationalen Beziehungen. Er freue sich mitzuteilen, daß Lausanne England näher an Frankreich ge­bracht habe, Frankreich näher an Deutschland und Frankreich und Deutschland näher an England. Die britische Regierung wird sicher fortfahren, mitzu­wirken, um ihre guten Dienste für den Frieden -zu verwenden. Das Werk, das in Lausanne nur be­gonnen hat, habe neue Wege eröffnet, vielleicht sehr breite Wege, und er bitte für das Werk um die herzliche Zustimmung des Hauses.

Der Führer der Opposition Lansbury drückte lit völlige -Unterstützung der Opposition für die

Vev Lausanne donald gab heute nachmittag im Unterhaus ng über das Ergebnis der Lausanner âon- glänzends Arbeit der Regierung im Interesse der Nation und der gesamten Welt aus Er betonte die Befriedigung der Arbeiterpartei,

daß jetzt endlich jedermann zu dem Schluß ge­kommen ist, daß die unheilvollen Reparationen niemals in den Friedensvertrag hätten einge­setzt werden dürfen Lansdurry drückte die Er­wartung aus, daß Amerika ebenfalls in der edelmütigsten Weife handeln wird, um den »riesigen Fehler" der Reparationen aus dem Weg zu schaffen.

Lloyd George gab der Ueberzeugung Aus­druck, daß die Politik völliger Streichung in Lau­sanne hätte erzielt werden können, wenn die bri= tische Regierung darauf bestanden hätte. Italien, Belgien und Deutschland hätten diese Politik unter­stützt, Frankreich hätte es sich nicht leisten können, völlig isoliert dazustehen.

Neville Chamberlain legte die Schulden­frage wie folgt dar: Wenn allgemeine Streichung erzielt werden kann, so streichen wir. Wenn anderer­seits allgemeine Streichung nicht möglich ist, so müssen mir warten, was Amerika uns verschlägt, bevor wir beschließen, was wir unseren Alliierten vorschlagen können. (Lauter Beifall der Regierungs­anhänger.) Die Konferenzmächte waren der An­sicht, daß, nachdem sie sich dem amerikanischen Rat entsprechend untereinander geeinigt hatten, Amerika es niemals ablehnen werde, eine Rolle bei einer Wöltregelung zu spielen, die ihm zum Nutzen ge­raten werde. Die Lausanner Konferenz fei an die Wurzel des Uebels sehr nahe herangekommen und habe allerdings vorbehaltlich der Mitarbeit der Vereinigten Staaten in einem späteren Stadium einen großen Schritt vorwärts zur Wiederher­stellung jenes Vertrauens getan, das das eine ist, was die Welt braucht.

Chamberlain, offensichtlich über die Rede Lloyd Georges sehr verärgert, wandte sich gegen die Be­hauptung Lloyd Georges, daß eine allgemeine Streichung durchführbar gewesen wäre, wenn die britische Regierung daran festgehalten hätte, und fragte:Sollten wir bei dem, was wir in Lau­sanne taten, nicht an Amerika denken? Meinte Lloyd George, daß wir Amerika nicht mit reinen Händen gegenübertreten, und hörte er nicht, daß mir in Lausanne erklärten, wir würden keinen Penny von den Reparationen zurück erhalten, den wir von Deutschland erhielten.

Das G»o des «Svkiâvung Macdovaids

Aus der Erklärung Macdonalds geht klipp und klar hervor, daß bei einer Nichtratifizierung des Lausanner Abkommens durch eine beteiligte Macht eine neue Beratung der ganzen Repa­rationsfrage notwendig wird. Von einem Wiederaufleben des Poung- plans, wie es in den letzten Tagen die franzö­sische Presse hinzustellen versuchte, kann keine Rede sein. Im Gegenteil, der Ausgangspunkt einer etwa notwendigen Konferenz wird das Lau­sanner Abkommen sein.

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In der Berliner Morgenpresse wird die Erklärung Macdonalds wie folgt kommentiert:

DieVoss. Ztg." spricht vongedämpften Tönen" und meint, die Rede werde trotz ihrer un­zweifelhaften Ehrlichkeit nicht alle in den letzten Tagen aufgetauchten Zweifel beheben können. Was Macdonald bezüglich des sogenannten Gentle- men-Agrement gesagt habe, sei zwar geeignet, die Bedenken zu zerstreuen, die teilweise in Deutsch­land auftauchten, aber man werde kaum erwarten dürfen, daß die Erklärungen Macdonalds in Amerika die aufgeregten Gemüter wieder beruhi­gen werden. Noch weit verschwommener aber sei das, was der englische Ministerpräsident zu der Behandlung der in der nächsten Zukunft zur De­batte stehenden politischen Probleme gesagt habe. Mit so allgemein gehaltenen Erklärungen kämen die Probleme nicht vorwärts. DieGer­mania" ist der Auffassung daß die Berichte über ein englisch-französisches Gentlemen-Agremenk hinsichtlich der Amerikaschulden durch die Erklä­rungen des englischen Premierministers keine klare Bestätigung oder Widerlegung gefunden hätten. Alle Wahrscheinlichkeit spreche dafür, daß bestimmte Verabredungen vorlagen, und daß somit die Ratifizierung durch das englische und franzö-, (Fortsetzung auf Seite 2)

Wied Lausanne vaWrieet?

Aus der Temperatur des Jubels, welcher die aus Lausanne heimgekehrten Staats­männer in ihren Hauptstädten empfing, läßt sich ziemlich genau die Beute schätzen, welche sie vom Genfer See mit nach Hause gebracht haben. In Deutschland ging es recht still her, in Paris ist man sichtlich bemüht, das Erreichte keiner Ueberschätzung verfallen zu lassen, nur in London herrscht ungeteilte Freudenstim­mung. Das paßt durchaus zu dem, was man den britischen Premier in Lausanne voll­bringen sah: keiner hat so für das Gelingen der Konferenz gearbeitet wie er, keiner so viel Sorge an den Tag gelegt, ohne Ergebnis nach Hause fahren zu müssen. England hat erreicht, was es wollte, hat alles bekommen, was es verlangte. Der deutsche Konkurrent auf dem Weltmarkt, den man, wie sich bei der Debatte um die Streichung der Tribute zeigte, bereits wieder zu fürchten begann, besonders wenn er den größten Teil seiner Schulden los wäre, hat wieder eine Zahlung aufgebrummt be­kommen. Darüber hinaus ist aber bis zum höchsten erreichbaren Grade die Beunruhigung ausgetilgt, die England bedrohte, solange dir Möglichkeit bestand, daß Deutschland im Falle eines ernsthaften Konfliktes mit Frankreich Zinsen und Tilgungsdienst für feine Ausländs­anleihen eingestellt hätte. Der Londoner Kapitalmarkt kann jetzt unbeschwert an seine Reorganisation gehen. Die Konferenz des britischen Weltreiches, die in vierzehn Tagen in Ottawa beginnt, bewegt sich nicht mehr auf unsicherem Boden. Ihre Arbeiten sind von Macdonald in Lausanne ermöglicht worden. Dabei ergibt sich allerdings eine offene Frage an den deutschen Reichskanzler: Hat er über die Lausanner Abmachungen hinaus den Bri­ten zugesagt, daß Deutschland, solange es nur eben ginge, kein Auslandsmoratorium erklären werde? Bestehen in diesem Punkte, wenn auch nur lose Abmachungen? Anders wäre die eng­lische Begeisterung schwer zu erklären . . .

Um die Ratifizierung des Lausanner Pak­tes scheint sich Macdonald wenig Sorgen zu machen. Und doch umkleidet gerade diese Frage die Abmachungen von Lausanne in ein merk­würdiges Halbdunkel, das indem es sich zu lichten beginnt, die seltsamsten Tatbestände enthüllt. Das Spiel um die Ratifizierung scheint sozusagen mit zum Lausanner Vertrag zu gehören. Die Franzosen gehen ganz deut­lich darauf aus, sie als Druckmittel bei den jetzt einsetzenden Verhandlungen über ihre Schul­den an Amerika zu benutzen. Herriot sagte wörtlich:Wenn die amerikanische Regierung das Lausanner Abkommen für gut befindet und wenn über die Schuldenfrage ein befrie­digendes Abkommen getroffen wird, so wird die in Lausanne vereinbarte Vertragsregelung ratifiziert werden und ihre Früchte tragen. Im andern Falle erlangt jeder seine Handlungs­freiheit wieder". Gleichzeitig - wird bekannt, daß zwischen Macdonald und Herriot eine freie Vereinbarung über die beiderseitige Haltung Frankreichs und Englands in der Schulden­frage getroffen worden ist. Es soll ein Brief­wechsel existieren, der auch der deutschen Dele­gation bekannt gegeben worden ist, der aber den Parlamenten erst vorgelegt wird, wenn das Lausanner Abkommen ratifiziert wird. Man muß darin eine Sicherung der beiden Länder erblicken, die sie ins Werk gesetzt haben, nachdem es ihnen nicht gelungen ist, die künf­tigen Zahlungen Deutschlands, wie sie es bis­her beabsichtigten, von dem abhängig zu machen, was Amerika ihnen an Schulden nach­lassen würde. Es ist bekannt, daß in diesem Punkte die Amerikaner außerordentlich emp­findlich sind. Die Mißstimmung des Washing­toner Parlamentes bei der Behandlung des Hoover-Feierjahres, die Gegnerschaft der Par-

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