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Seile 3 Dienstsg. den 12. IuN 1932 Itr. 161

Die schwersten Katastrophen der Neuzeit Ein Volk erfriert! Das Ende der Koltschakarmee

Die furchtbarste Katastrophe in geschichtlicher Zeit liegt kaum zehn Jahre hinter uns. Und doch 'ist sie beinahe vergessen. Kaum einer kennt sie, und diejenigen, die ihr entkommen sind, schweigen, weil die Erinnerung zu grauenvoll ist. Dieses Unvorstellbare an Leid und menschlichem Unter­gang hat sich ereignet in den Monaten November. Dezember und Januar 1919/20. Ehe die Tatsachen Fu sprechen beginnen, sollen die nackten Zahlen reden;

Das größte historische Erdbeben, das japanische vom Jahre 1923, hat eine halbe Million Menschen verschlungen. Der Inbegriff einer Naturkata­strophe, der ein Heer erlag, der napoleonische Rück­zug aus Moskau im Oktober 1812, der Tod an der Beresina, der Untergang dergroßen Armee": es gingen 70 000 Mann dabei verloren, und Napo­leon hatte schon ein halbes Jahr nach dem Brande von Moskau ein neues Heer aufgestellt. Der Marsch der Koltschakarmee jedoch, der im November 1919 im Uralgebirge begann und auf dem Eise des Bai­kalsees endete, dieser Rückmarsch einer großen Armee und eines ganzen Volkes, begann mit einer Gesamtstärke von 1680 000, in Buchstaben: einer Million, sechshundertundachtzigtausend! Nicht ganz zehntausend davon erreichten das Marschziel Mis- sowsk. Eine Million fünfhundertachtzigtausend Menschen, darunter etwa achthunderttausend Frauen und Kinder, blieben auf dem Wege liegen und fanden ein Grab im sibirischen Schnee. Die ameri­kanische Armee verlor im Weltkrieg 590 000 Mann. Zwischen dem 18. und dem 19. Dezember 1919 blieben auf dem Totenzug der Koltschakarmee hun­derttansend Männer, Frauen und Kinder liegen. Die Nacht der Taiga, der russischen Steppe, füllte achtzigtausend in den Schleier des ewigen Schlafes. Etwas über hunderttausend Menschen kostete der Krieg 1870/71 für beide Seiten. Als die Koltschak- armee samt ihrem Troß aus Bürgern, Offiziers­frauen, Kindern aus Nowonikolasewsk aufbrach, erhoben sich Fweihunderttansend Menschen nicht mehr, die sich am Abend bei einer Kälte von 66 Grad auf offenem Felde zur Ruhe niedergelegt hatten. Eine Million sechshunderttausend Russen und deutsche Kriegsgefangene hatten den 5000 Kilometer langen Marsch angetreten, zehntausend Halberfrorene, Flecktyphusk ranke erreichten wan­kend das von den Japanern besetzte Südende des Bai kaffe es.

Um eine Katastrophe von solchem Ausmaße herbeizuführen, mußten schon alle erdenklichen ver­hängnisvollen Umstände und Kräfte Zusammenwir­ken: Hunger und Seuchen, völliges Versagen der Führung, unerbittlicher Vernichtungswille eines grausamen Gegners, Verrat durch die Verbünde-

ten, Setbstaufgabe und Lebensunfähigkeit der I General wollte etwas anderes. Keine große Idee Untergehenden, ein ungewöhnlich harter Winter. einte die Riesenarmee. Ihr gegenüber lagen irregu- Das Zarentum war gestürzt. Im Kreml herrschte I läre Rotgardisten, die besessen waren vom Glauben

Lenin. Aus fanatisierten Arbeitern und Bauern, an die Weltrevolution und in eiserner Manneszucht denen man Land versprochen hatte, war von die Befehle ihrer Führer befolgten. Während Trotzki die rote Armee aufgestellt worden. Noch | hunderttausend Mann Koltschaktruppen an der

Hunderttausende fanden ihr Grab in den Eiswüsten Sibiriens.

aber lag der Bolschewismus in hoffnungsloser Abwehr. Im Baltikum stand der General Awaloff mit deutschen Fronttruppen 80 Kilometer östlich Riga. Vor Petersburg ließ General Judenitsch seine Patrouillen schon in Kronstadt eindringen. In der Ukraine hatten die Generäle.Denikin, Wran­gel und Kappel gegenrevolutionäre Armeen auf­gestellt, die gegen Moskau marschierten. Im gan­zen Osten aber herrschte derGeneralresident des Zaren", Admiral Koltschak. Eine Persönlichkeit von dämonischer Größe, unbestechlich und kühn, von heroischer Seele, dazu politisch klarblickend, hatte Koltschak mindestens 800 000 Mann alter zaristischer Truppen zusammengebracht. Nach wechselvollen Kämpfen hatte seine Armee im Herbst 1919 den Marsch nach dem Westen angetreten. Das Schicksal des Bolschewismus schien besiegelt, wer konnte dieser, tadellos disziplinierten und reichlich ausgerüsteten Truppe widerstehen?

Der Vormarsch gegen Moskau war ins Stocken geraten, als bereits 300 Kilometer westlich des Ural sich Führerzwistigkeiten einstellten. Jeder

' Front sich herumschlugen, lagen eine halbe Million müßig in der Etappe herum. In den großen Städten längs der sibirischen Bahn häufte sich das Kriegsmaterial, vorne fehlte es am Nötigsten. So ging es in den Ural zurück, so räumten in ihrem Ehrgeiz gekränkte Generäle die wichtigsten Pässe, so wurde die Koltschakarmee umgangen, so begann im Spätherbst der Todesweg nach dem Baikaffee.

Nimmt man die Entfernung von Berlin bis zu den Quellen des Nils, so hat man die Länge dieses Rückzuges. Stellt man sich eine Kälte von über 50 Grad vor, einen unaufhörlichen Schnee- sturm und pfeifenden Ostwind, so ahnt man die Qualen dieses Weges. Vereint und kampfent­schlossen hätte die Koltschakarmee mühelos die Macht des Bolschewismus brechen können. Uneins u. ohne Glauben, mußte sie untergehen. Alle Frauen, Kinder, Beamte, Bürger und geräumten Städte

längs der sibirischen Bahn schlossen sich an. Sie zogen den Marsch ins Ungewisse der bolschewistischen Herrschaft vor. Fast der ganze russische Adel stand

bei Koltschak. Die Nacht vor der Räumung von Ich will nicht länger leben!

Omsk bezeugte die ganze Müdigkeit und Dekaden i der russischen Oberschicht. Während ein paar Dioisio i nen prachtvoller Soldaten die Stadt mühsam ver teidigten und die großen Sprengungen do ober et teten, erfaßte ein Todestaumel tue vielen Hundert tausende, die in Omsk kampierten.

Der Flecktyphus, von Läusen übertragen, er würgte Hunderttausende. Die bolschewistischen Streif scharen fingen Hunderttausende ab und marterte! sie, ob Männer, Frauen oder Kmder, auf eine nich wiederzugebende Art zu Tode. Der Hunger lief Hunderttausende niederbrechen und zum Fraß bei Wölfe werden. Der Frost zerbiß Hunderttausenden i die Adern und streckte sie nieder zum Toüesschlaf. So ging es Tag für Tag auf wegeloser Schnee­wüste längs der Bahnstrecke dem Osten zu, 500 i Kilometer lang. Zuerst erfroren die Kinder, und an manchen Tagen war die Rückzugstraße mit Säug- i lingen und Kleinkindern umsäumt, die hier zu Zehn­tausenden erfroren und in den Schnee geworfen waren. Dann starben die Frauen, teils am Fleck­typhus, teils vor Hunger. Schließlich stürzten auch die Zivilisten und Soldaten nieder. Es kamen die Nächte, je näher es dem Baikalsee zu ging, die zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang! ; mehr verschlangen, als die Sommeschlacht oder das große Ringen um Verdun.

Ueberall in den großen Städten lagerten, satt, gut gekleidet, mit vollen Proviantdepots, die eng­lischen, amerikanischen und französischen Hilfstruppen unter Führung des Generals Janin. Admiral Kolt­schak galt plötzlich als politisch unzuverlässig im Ententesinne. Also sahen die Engländer und Fran­zosen und Amerikaner zu, wie ein Volk im Schnee unterging. In Krasnojarsk hatte die Koltschakarmee. ungeheure Lebensmittellager liegen. Die interalli­ierte Besatzung verbot den Durchmarsch durch di«- Stadt, die ganze Koltschakarmee, die mühelos mit den Engländern und Franzosen fertiggeworden wäre, ' schwenkte in die Eiswüste zurück, 180 000 Mann l blieben verhungert hinter Krasnojarsk liegen.

General Janin ließ den Admiral Koltschak von: den Tschechen gefangen nehmen. Die tschechischen Legionen unter Führung des Drogistenlehrlings und Abenteurers Gayda lieferten Koltschak den Bolsche­wisten aus. Er wurde erschossen, seine letzten Worte waren:Unsere Verbündeten haben Rußland ins Elend gestürzt. Sie haben den Zaren Kerenski und - mich verraten! Die Vergeltung des Schicksals wird nicht ausbleiben. Lumpiger Oel- und Bleikonzestio-

nen wegen, die die Bolschewisten hoffentlich zer­reißen werden, haben sie die heilig? Mutter Ruß­land in den Kot geworfen und im Blut erstickt.

Arm WWW Ordentliche MliedemAlWlung Freitag, den 15. Juli 1932, um 18 Uhr im Bürgerverein.

Tagesordnung: Jahresbericht, Verschiedenes.

Zwangsversteigerung

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Hanau, den 12. Juli 1932.

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Danksagung.

Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und für die zahlreichen Kranz- und Blumenspenden anläß­lich dem Heimgänge meiner lieben Gattin, Mutter und Großmutter

^MimM^

sagen wir allen herzlichen Dank. Besonderen Dank auch den lieben Schwestern der Abt. II des Landes- krankenhauses zu Hanau für die liebevolle Pflege, Herrn Pfarrer Kaiser für die tröstenden Worte am Grabe, dem Eo. Frauenverein, der Jnnerkirchlichen Gemeinschaft und den Fahrbeamten der Rb.-Direktion Mainz in Hanau für die Kranzniederlegung, sowie allen denen, die ihr das letzte Geleit gaben.

Großauheim, den 11. Juli 1932.

Georg GftnelMer i. Angehörige

Dr. Grünebaum

verreist

Vertreter sind die Herren;

Dr. Kolb Dr. Ptältzer Dr. Schwabe

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Dr. Grißhammer

verreist

Montag vormittag 11 Uhr entschlief sanft unsere liebe Mutter und Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante

Frau Dorothea Christine Clorer

geb. Hoff

im 80. Lebensjahre.

HANAU (Hochstädter Landstraße 35).

In tiefer Trauer:

Frau Else Brandt geb. Clorer Ziv.-Ing. Otto Brandt Dr. Fritz Brandt, Dipl.-Ing. Dorothea Brand.

Beerdigung findet von der Friedhofskapelle des Hauptfriedhofes am Mittwoch, den 13. Juli, 2 Uhr, statt. 6557

Von Beileidsbesuchen bitten gütigst absehen zu wollen.

Am 9. Juli verschied unerwartet unser Kollege

Seewaltunssrnwektov

Karl Setz.

In dem Verstorbenen verlieren wir einen lieben Kollegen, der sich durch seinen lauteren Charakter viele Freunde erworben hat und der uns jederzeit mit Rat und Tat zur Seite stand.

Ein bleibendes Andenken ist ihm in unseren

Reihen gesichert.

Hanau, den 11. Juli 1932.

5486

Ortsgruppe Sanou Pes Verbautes der Som* munalPeamleu und Angelleinen Preußens

Vertreter die Herren

Dr. Paulus Dr. Pfältzer

v^. Snogor- Camamam vH iVyCl

Äo Min

Am 10. ds. Mts. verstarb unser lang­jähriges Mitglied

Herr Karl Hetz

Wir verlieren in dem Entschlafenen einen lieben Kameraden, dem wir stets ein treues Gedenken bewahren werden.

Zu der heute nachm. 3% Uhr stattfin- denden Beerdigung bitten wir um zahl­reiche Beteiligung. 5493

Der Vorstand.