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Schon im Mai stand der Bezirk des Lan- desarbeitsamtes Reffen im ganzen Reiche an der Spitze hinsichtlich der genehmigten Maßnahmen des freiwilligen Arbeitsdienstes. In­zwischen ist ein weiteres Anwachsen erfolgt, das auch heute noch anhält. Die Zahl der im Bezirk Hessen bewilligten Maßnahmen betrug bis 30. Juni 785, wovon 100 beendet sind. Zahlenmäßig standen an der Spitze 250 Maßnahmen der Der- kehrsverbesserung, es folgten 220 Maßnahmen zur Hebung der Volksgesundheit, 185 Bodenverbesse­rungen, 91 Forstarbeiten usw. Bei diesen sämt­lichen Maßnahmen des freiwilligen Arbeitsdienstes konnten insgesamt 18 063 Arbeiter beschäftigt wer­den, abzüglich der beendeten sind noch 15 755 in Arbeit. Die Hälfte davon waren Jugendliche. In Zukunft soll der Prozentsatz an Jugendlichen aller­dings auf etwa 30 Prozent beschränkt werden. Die Mindestarbeitszeit betrug 67 Stunden, in ländlichen Bezirken durchweg 7 Stunden.

Bei weitem an der Spitze im Bezirk Hessen marschiert das Arbeitsamt Gießen mit 273 Arbei­ten, das sind etwa 30 Prozent des gesamten Be­zirks überhaupt. Sehr verdienstvoll arbeitet hier als Dachorganisation das Hessische Heimatwerk, das den etwa 4000 Beschäftigten in der Provinz Oberhessen in den einzelnen Ortschaften auch gei­stige Schulung zukommen läßt. Es folgen der Ar­beitsamtsbezirk Kassel mit 92 Arbeiten, Limburg i76, Dillenburg 70, Frankfurt 56, Marburg 43, Mainz 28, Hersfeld 27, Hanau 26, Darmstadt 24, Niederlahnstein 22, Offenbach 20, Wetzlar und Wiesbaden 19, Treysa 14, Fulda 6 und Worms 2 Maßnahmen des freiwilligen Arbeitsdienstes.

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Der Peiniger an heißen Tagen

Glühend lastet die Hochsommerhitze auf uns und dörrt die Kehlen aus; auf Wanderungen an wol­kenlosen Sommertagen, auf Fahrten im menschen- gefüllten Eisenbahnabteil stellt sich als unange­nehmer Begleiter der Durst ein. Er bringt Unlust iund allgemeine Erschöpfung mit sich, und nur durch lenergische Ablenkung der Gedanken läßt er sich, wenigstens auf gewisse Zeit, bekänrps-en, Beweis ge­nug, daß das Durchgefuhl auch durch die jeweilige seelische Verfassung beeinflußt werden kann. An hei­ßen Tagen muß sich jeder fragen, wieviel er trin- iken darf, und wie es denn kommt, daß der Durst Nicht jeden im gleichen Maß quält. Der Zeitpunkt, an dem es zum wirklichen Durst kommt, ist bei den einzelnen Menschen sehr verschieden. Ueber den Wassergehalt des Körpers lassen sich überhaupt keine Normen aufstellen, denn der Wasserbedarf des ein- tzelnen Organismus hängt von verschiedenen Vor­aussetzungen ab, von Temperatur und Luftfeuchtig­keit, von Bewegung und Ruhe, von Alter und Kör- Perbeschaffenheit. Ein junger schlanker Mann mit triftige Muskeln wird nicht soviel unter Durst zu leiden haben wie eine belebte, muskelschwache Per­son, deren Organismus mehr Flüssigkeit braucht als der fettarme Körper. Dann hängt der Grad des Durstgefühls aber auch von der jeweiligen Wasser­abgabe des Körpers ab. Ein Mensch, der stark transpiriert, kann binnen kurzer Zeit allein durch die Hautverdunstung ein Liter Wasser absondern, wozu dann noch die durch die Lunge, d. h. durch die aus geatmete Lust abgegebene Körperfeuchtigkert Kommt Das Durstgefühl ist überdies durchaus nicht limmer ein Zeichen, daß es dem Körper an Flüssig- ifeit fehlt. Es gibt ja einen krankhaften und einen gefunden Durst, und besonders schwer leiden unter Durst gerade die Menschen, die, wie die Wassersüch- Ütgen, über besonders große Mengen Wassers im Körper verfügen.

Das Durstgefühl wird eigentlich durch eine Der- önderung der Blutzusammensetzung veranlaßt. Je mehr kristalloide Stoffe, beispielsweise Salz, sich im Blut befinden, umso stärker wird das Bedürfnis nach entsprechenden Flüssigkeitsmengen. Das erste Anzeichen des Durstes ist das bekannte trockene Ge-

Dlenskag. den

Ifühl in der Mundschleimhaut, dietrockene Kehle". Dem Laien erscheint merkwürdig, daß sich das Wasserbedürfnis des Blutes gerade in dieser Form äußern soll. Die neuere Forschung hat diese Zu­sammenhänge geklärt. Da das Blut selbst keine Empfindungen äußern kann, muß irgendeine Stelle im Zentralnervensystem den Flüssigkeitsmangel des Blutes fühlbar machen. Das geschieht dadurch, daß sich, solange das Durstgefühl andauert, die Speise­röhre schneller und öfter zusammenzieht als ge­wöhnlich; auch der Hunger wird ja durch Kon- tration der Magenmuskeln spürbar. Die trockene Kehle ist also nichts weiter als eine Zusammen­ziehungsempfindung. Diese Empfindung wird wahr­scheinlich an einer Stelle im Zwischenhirn ausgelöst, die auf jede unnatürliche Vermehrung der erwähn­ten kristallochen Stoffe im Blut reagiert. Daß ein Zusammenhang zwischen Nerventätigkeit und Durst besteht, zeigt auch die Tatsache, daß man angesichts trinkender Menschen oder lockender Flüssigkeiten den Durst im verstärkten Maß spürt. So erweist sich der Nervenapparat des Menschen als Mah­ner, der den Körper aus die Notwendigkeit der Aus­nahme von Flüssigkeit aufmerksam macht. Vollstän­digen Mangel an Flüssigkeit kann der Mensch nicht lange aushalten. Das in den Muskeln und teilweise auch im Unterhaudbindegewebe als Reserve aufge­speicherte Wasser etwa fünf Liter wird in drei bis dreieinhalb Tagen ausgebraucht; wer län­ger Durst leiden muß, muß zugrundegehen.

In zivilisierten Gegenden ist diese Gefahr frei­lich nicht akut. Es wird immer eine Möglichkeit be­stehen, seinen Durst zu löschen. Aber auch hier ist weises Maßhalten am Platze. Das Wasser wird vom Körper so rasch aufgesaugt, daß die Mund­schleimhäute bald wieder ebenso trocken sind als vorher. Rasches Trinken macht dem quälenden Ge­fühl daher nur für kurze Zeit ein Ende. Viel zweck­mäßiger ist Befeuchten des Mundes, langsames Verzehren von Bonbons und Obst. Denn wer zu­viel trinkt, zwingt Herz und Nieren zu stärkerer Leistung, was sich aus die Dauer unweigerlich rächt. Hält aber das Durstgesühl trotz allen Versuchen, es zu beseitigen, ohne eine erkennbare Ursache an, und nimmt es quälende, abnorme Ausmaße an, so ist es ratsam, einen Arzt zu Rate zu ziehen, denn es wird sich in solchen Fällen um Symptome einer wirklichen Erkrankung handeln, die rechtzeitig be­kämpft werden muß.

Leitte Anssi vor Kischvessisinns

Ist diese Angst berechtigt? Keineswegs! Zu­nächst heißt manchesFischvergiftung", was durch­aus keine Fischvergiftung ist. Auch der Arzt weiß, daß wirkliche Fischvergiftungen verhältnismäßig nur selten sind. Vergiftungen durch Fische sind auf drei Weisen möglich: Einmal kann es sich um Fische handeln, die an sich vergiftet sind. Solche Fische kommen in Deutschland und auf den von deutschen Fahrzeugen befischten Gründen über-

dov dev Sommevvelse mässen Ske die SevreuAdvesse bet GeschSkisftâ des Hanaus« Amelsevs bekauntsebe«.

damit Shv Heimatblatt unisv âembattd nachsesandt werden kann. Sie evwaven sich in den Serien ein Gefühl der Unruhe und chlniicherheit, wenn -Ahnen die ge­wohnte Isitnng täglich mit der Svühhoft überreicht wird. Denken Sie ia daran t

12. IuN 1932

Haupt nicht vor. Die zweite Möglichkeit besteht darin, daß Fische während des Lebens krank­machende Bakterien in sich ausgenommen haben. Dies kann gelegentlich einmal bei Süßwasserfischen zutreffen, macht sich aber dann meist durch ein allgemeines Fischsterben in den betreffenden Ge­wässern bemerkbar. Für Seefische scheidet diese Gefahrenquelle aus. Zum dritten können krank­machende Bakterien nachträglich, d. h. in der Zeit vom Fischfang bis zum Kochtopf, in die Fische hin­eingelangen, genau wie dies bei anderen Nah­rungsmitteln möglich ist. Das ist aber keine Fischvergiftung, sondern dabei han­delt es sich meist um Bazillen, die, wie bei vielen anderen Nahrungsmitteln, auch im Fischfleisch einen passenden Nährboden finden. Häufig sind an der Einbringung dieser Bazillen Personen schuld, die an sich gesund sind, aber eine, durch die betreffenden Bazillen hervorgerufene Krankheit überstanden haben und nun noch dauernd aus ihrem Körper solche Krankheitsstoffe ausschci- den. Sauberkeit im Betriebe und gesetzlicher Schutz, der eine Kontrolluntersuchung nach dieser Richtung für alle Personen fordert, die im Lebensmittelge­werbe tätig sind, werden diese Uebertragungs- möglichkeiten leicht und weitgehend eindämmen. Auch die Fäulnisstoffe sind bei Fischen vielfach als Erreger einer sogenannten Fischvergiftung an­gesehen worden. Das dürfte nur bis zu einem ge­wissen Grade zutreffen. Jedes Fischgeschäft wird darauf achten, nur gute Fische zu verkaufen. Beim Fischkonservenverzehr ist darauf zu achten, daß sich in der Büchse keine gasbildenden Batterien entwickelt haben, die, wie bei jeder Art von Kon­servenvergiftung, den Deckel der Büchse an irgend einer Stelle stark buckelig auftreiben. Beim Oeffnen der Dose entweicht das Gas unter pfeifendem Ge­räusch und üblem Geruch. Fischkonserven soll man, besonders an heißen Tagen, nicht in angebrochenen Dosen aufbewahren. Wer Seefische, Süßwasser­fische und Fischkonserven nur aus hygienisch ein­wandfreier Quelle kauft, für sofortige Zubereitung in sauberen Gefäßen, sowie für möglichst restlosen Verzehr am gleichen Tage sorgt, der kann jederzeit und soll auch im Sommer unbesorgt Fische essen.

* Die Beschäftigung von Ausländern ist geneh­migungspflichtig. Um zu verhindern, daß bei der Stellenbesetzung Ausländer den erwerbslosen deut­schen Arbeitern in ungehörigem Maß bevorzugt werden, üben die Landesarbeitsämter eine Kon­trolle darüber aus, inwieweit eine solche Stellen­besetzung stattfindet. Will jemand einen Arbeiter, der Ausländer ist, engagieren, so hat er den Meldebestimmungen nachzukommen, wenn er sich nicht strafbar machen will. Erst wenn die Ge­nehmigung erteilt ist, was scheinbar meist statt­findet, darf der Arbeitgeber den Stellenlosen ein­stellen. Wie aus einer Gerichtsverhandlung gegen einen Bäckermeister hervorging, sind gegenwärtig in Hessen-Nassau 361 ausländische Arbeiter und

Nr. 161

Angestellte mit Wissen des Landesarbeitsamtes be« schäftigt. Jener Bäcker hatte eine aus dem Aus­lande stammende Hausangestellte in seinem Be­trieb ausgenommen, aber er unterließ es, die Ge­nehmigung des Amtes einzuholen. Diese Zuwider­handlung gegen die Bestimmungen hat er mit 50 RM Geldstrafe zu büßen, die ihm der Einzel­richter zudiktierte.

* Statt 1- jetzt 4-Pfennig-Stücke. Die deutschen Münzstätten haben im Juni nach einer Uebersicht aus dem Reichsfinanzministerium wieder 5= und 3- Mark-Stücke sowie 10- und 4-Pfennig-Stücke ge­prägt. Der Vorrat der kleinsten Münze des Pfennigs, hat diesmal keine Zunahme erfahren. 1 351 755 neue Fünfmarkstllcke brachten den gesam­ten Bestand auf 150,79 Millionen. Berlin prägte 239 996 Stücke zu 3 Mark, von denen so 88,11 Mil­lionen vorhanden sind. 648,23 Millionen Zehn- pfennigstücke wurden am Ende des Monats gezählt, nachdem Stuttgart 125 000 neue hergestellt hatte. Mit Ausnahme von Hamburg haben die übrigen 5 Münzwerke den Vierling geprägt. Es gab 3 521 694 neue Stücke. 146 dieser Münzen mußten schon ein­gezogen werden. Der Vorrat belauft sich jetzt auf 43,16 Millionen 4-Pfennig-Stücke.

* Telegramme an Reisende in den Eisenbahn- Zügen werden zur Ermittlung des Empfängers im Zuge durch den Zusteller ausgerufen. Für solche Mitteilungen sind neben den Wortgebühren noch 30 Pfennig besonders zu entrichten. Früher waren sie meist unbestellbar, weil die Haltezeit des Zuges nicht ausreicht und der Lärm auf den Bahnhöfen zu groß ist. Seit Mitte April werden deshalb solche Telegramme in den Durchgangswagen der Schnell- und Eilzüge von den begleitenden Schaffnern aus­gerufen. Gelingt es dabei auch nicht, den Empfänger zu ermitteln, so werden die Sendungen wieder der Reichspost zurückgegeben. Das Verfahren hat sich bewährt. Telegramme sind nur noch ausnahms­weise unbestellbar. Für das Ausrufen im Zug mußte der ermittelte Empfänger bisher noch zwan­zig Pfennig besonders bezahlen. Die Deutsche Rèichspvst hat sich bereit erklärt, vom 1. Juli an auf diesen Zuschlag zu verzichten.

WeètevbeviOL

Infolge starker Erhitzung des Kontinents ist das Hochdruckgebiet weitgehend abgebaut worden. Ueber Frankreich und Süddeutschland sind einige flache Tiefdruckgebiete zur Ausbildung gekommen, die sich durch stärkere Bewölkung und Gewitterneigung be­merkbar machen. Diese Störungen werden aber keinen nachhaltigen Einfluß ausüben. Vorhersage bis Dienstag abend: Wolkig bis aufheiternd, warm und recht schwül, bei schwachen Winden Auftreten von Gewittern. Witterungsaussichten für Mitt­woch: Nach gewittrigen Niederschlägen und etwas Abkühlung Hochdruckeinfluß wieder zunehmend.

La«-s««rs Ka«a«

Dörnigheim, 10. Juli. Mainfähre Mühl« heimDörnigheim. Im Anschluß an die Bekannt­machung über die Schiffahrts- und Flößereisperrs auf dem Main gibt das Bürgermeisteramt bekannt, daß in der Zeit vom 20. August bis 2. September 1932 der Fuhrwerksverkehr über die Mainfähre MühlheimDörnigheim unterbleiben muß, weil in dieser Zeit die Mainfähre nicht in Betrieb ist. Der Personenverkehr wird durch Nachen aufrecht er­halten.

Osthelm, 12. Juli. 80. Geburtstag. Sei­nen 80. Geburtstag feiert morgen in körperlicher und geistiger Frische der Landwirt Jakob Mehr­ling I.

Aus StekuheSm «ud Ämsevuns

Klein-Sleinheim, 12. Juli. Gestern in der Mittagsstunde wurde ein Führer der SA.-Truppe, als er feine Wohnung aufsuchen wollte, von

SaMviel bet 4 UaKvkhiev

im Neuen Theater Frankfurt.

Die Goethefeiern sind in Deutschland zur Flut gewachsen, bisher fehlte nur das heitere Satyrspiel zu all der schweren Gedankenfracht. 4 Literatur- studenten aus München schufen sich dies Spiel. Zuerst wohl nur als Ulk, doch sie sahen den Er­folg und nun wird die PosseHier irrt Goethe" zur reizendsten, leichtesten und unterhaltendsten Parodie. Die 4 Nachrichter, so nennen sich die Studenten, sitzen zu Gericht über den Goethe­rummel, über Operettenkitsch, Biographenzauber a la Emil Ludwig, falscher Filmromantik und manchen anderen Unfug unserer Zeit. Es ist das Erfreuliche, daß die Nachrichter ohne alle Zoten auskommen und doch köstlich unterhalten. So herz­lich hat man lange nicht lachen hören. Ein wun­dervoller Abend..

Vom 11. Neutschs« GLttsev- feft

Der offizielle Festmarsch.

o Für die großen Bundesfeste des Deutschen Sängerbundes werden jeweils besondere Marsch- lieder gedichtet und vertont, die bei den offiziellen Veranstaltungen insbesondere bei den großen Fest- gügen gesungen und gespielt werden. Für das vom 16." bis 25. Juli in Frankfurt stattfindende ill. Deutsche Sängerbundesfest haben sich zwei Frankfurter, der Schriftsteller Franz F. Geis und der Komponist Max Villinger, zulsammengeschlossen, um als offiziellen Festmarsch einDeutsches Sän­germarschlied" zu schaffen. Das Lied hat folgen­den Wortlaut:

Deutsche Sänge tönen

Durch die Stadt am Main;

Laßt dem Wahren, Schönen

Stolz das Herz uns weih'y.

Hell dem Klang der Lieder,

Heil dem großen Bund!

Feierlich schall's wieder

In der weiten Rund:

Refr.: Reicht Ihr Sangesbrüder

Treulich Euch die Hand;

Mit uns zieh'n die deutschen Lieder!

Mit uns fingt das deutsche Land!

Deutsche Weifen klingen

Schon beim Frührotschein,

Und ein ernstes Singen

Braust vom Main zum Rhein.

Heil bewährter Treue,

Heil dem mächt'gen Chor,

Der allzeit aufs neue

Führt zum Glanz empor:

Refr.: Reicht Ihr Sangesbrüder

Treulich Euch die Hand; Mit uns zieh'n die deutschen Lieder!

Mit uns fingt das deutsche Land!

Dies Lied wird im Festzuge von sämtlichen Ka­pellen gespielt werden.

Schochs» und Weisheit, ein

Dichtevideal

Zum 70. Geburtstag von Ludwig Fulda am 15. Juli

Das Lebenswerk des Siebzigjährigen steht zwi­schen den Schlachten der letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts, die der Wirklichkeitsdichtung freie Bahn schufen. So wurde Fulda der gegebene Ver­mittler zwischen der alten schwingenden Zeit und der neuen, die heraufkam. Und so ehrlich, wie er als schöpferischer Dichter eine Brücke zwischen den verschiedenen Kunstströmungen zu schlagen bemüht war, hat der Meister der Sprach- und Verskunst auch als nachschäffender Künstler an der Vermitt­lung zwischen deutschem und fremdem Geisteswesen gearbeitet. Er hat damit den deutschen Literatur­schatz zum Meisterwerk der Uebersetzungskunst be­reichert, so um RostandsCyrano", Beaumarchais Figaro", um ShakespearesSonette", vor allem aber um feine klassische Schöpfung des deutschen Moliöre, mit dessen Namen er so fest verbunden bleibt wie Schlegel mit Shakespeare.

Der Heyseschüler Fulda, der in der Tradition des Münchener Dichterkreises gewachsen war, begann- mit Singgedichten und Lustspielen voll Geist und Witz, in denen noch ein Akkord aus den Haupt­themen der Dichtungen der romantischen Periode von 185060 nachklingt. Auch diese ersten Bühnen­stücke sind im Grunde noch Dramatisierungen le­benskluger Erkenntnis, wie sie in den Sinngedichten und Epigrammen lebt. Mit der Uebersiedlung von München nach Berlin, die in die Kampfzeit der

jüngstdeutschen Literatur fällt, verstärkte sich das rühmliche Streben des Dichters, über die bequeme Talentübung hinaus feine angeborene Naturanlage

Ludwig Fulda

der eleganten, schmiegsamen Form- und Verskunst nicht in einem Brillantfeuerwerk von Witz und Laune verpuffen zu lassen. Nur leise und vorsichtig nähert sich Fulda, der von seinen Altersgenossen am festesten mit der Tradition der Romantiker ver­wachsen ist, von dem Boden des Münchener Epigo­nentums den neuen Tendenzen, wie sie die natura­listische Bewegung in Fluß gebracht hatte. Ein Rufer im Streit war Fulda freilich auch in diesen Kampfjahren nicht, aber er gehörte doch zu den Begründern der BerlinerFreien Bühne". Wie ernst es ihm mit der neuen Kunst war, bezeugen seine Ibsens Spuren folgenden DramenDie Skla­vin" undDas verlorene Paradies", in denen er sich mit den sozialen Problemen der Zeit auseinan­dersetzte. Aber Fuldas Bedeutung liegt nicht in der Tragödie, wohl und sicher fühlt er sich nur auf dem Felde der Gesellschaftskomödie, in der er die Schwä­chen und Irrtümer der Umwelt mit scharfer Be­obachtung und geschliffenem Witz geißelte. Aber die Satire wird niemals bitter, davor bewahrte den Gesellschaftskritiker Fulda ein unerschütterlicher Optimismus, der sich den Glauben an das Gute in der Menschennatur nicht rauben läßt. Am eindrucks­vollsten wird der blühende phantastische Stil dieses

Neuromantikers in den zeitlosen Märchendramen, besonders imTalisman", der mit der Komödie Die Zwillingsschwester" auch den nachhaltigsten Bühnenerfolg hatte. Hier ist Fulda auch dem Ideal seines ganzen Strebens, Schönheit mit Weisheit zu verbinden, am nächsten gekommen.

MevSei Missenswevtes

Gegen jedes Gist kennt die Wissenschaft ein Gegengift, ein Serum, das unfehlbar die tötende Wirkung des Schlangenbisses bei rechtzeitiger Ein­impfung des Körpers aufhöbt. Das Zentrum dieses organisierten Kampfes gegen die Schlangen ist Butantan in Brasilien (im Staate Sao Paulo). Merkwürdigerweise wird dieses Serum direkt aus dem Schlangengift gewonnen. Zu diesem Zwecke unterhält das chemische Institut Butantan eine große, hochinteressante Schlangenfarm. Auf einem etwa 500 Quadratmeter großen Rasen beet, nach außen durch einen V» Meter breiten und ebenso tiefen Wassergraben mit steilen glatten Rändern abgeschlossen sind etwa 30 kraalartige halbkugel- förmige Lehmhütten errichtet, etwa 30 Zentimeter im Durchmesser, in denen je nach der Jahreszeit 4001000 Schlangen träge und behaglich leben. In regelmäßigen Abständen durchschnittlich alle 14 Tage werden sie zur Giftabnahme aus ihren-Erd- Hügeln hervorgeholt. Das entnommene Gift wird in bestimmter, vorher genau berechneter Dosierung sodann Pferden und Eseln, die zu diesem Zweck im Institut gehalten werden, eingeimpft und aus dem Blut der so infizierten Tiere das Serum ge­wonnen, ähnlich wie ja auch die Lymphe gegen Menschenpocken von Kälbern gewonnen wird. Dieses Serum, für dessen Wirkung sich das Institut, sofern es in der vorgeschriebenen Zeit (in der Regel spätestens in ein bis zwei Stunden möglichst aber sofort) benutzt wird, wird ununterbrochen in alle schlangengefährdeten Gegenden versandt. Ein Ziel, das sich das Institut gesetzt hat, das Serum pro­phylaktisch, d. h. für Monate oder gar Jahre vor­aus, wie bei uns die Pockenimpfung wirken zu lassen, ist bisher trotz restlosen Bemühens noch nicht gelungen. Aber es ist kaum daran zu zweifeln, daß uns auch dieser Erfolg noch beschieden sein wird.