Mnauemnreiger
Stadt und Land
Anzeiger für^
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»t. 156
Mittwoch, de«
Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. ' Lei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streit usw. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung oder Nachlieferung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. / Fürplahvorschrift u. Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet./Geschäfisstelle: Hammerstr.9 / Fernspr. 3956,3957,3958
H. Lutt
1932
Gin 2,6 MiMarden-Vergleich 7
Deutsch-englische Einigung über eine 2,6 NNMaeden-Kesievunssanleche? - Slendevuns des Sevsaillev Diktats nach wie vor Bedingung - Kevviot gegen die volitischen Sovdevungen Nene Nevsteisung des Lase
AmtI» Äw^gHUotÄ-
Reichspräsident v. Hindenburg ist gestern abend in Begleitung seines Sohnes Oberst o. Hindenburg nach Schloß Neudeck abgereist.
Unter Bezugnahme auf einen Antrag der Zen- trumsfraktion des preußischen Landtages, die preußische Verwaltung durch Auflösung des Handelsministeriums gu vereinfachen, der in der gestrigen Sitzung des Hauptausschusses verhandelt werden sollte, hat der stellvertretende Ministerpräsident Dr. Hirtsiefer gebeten, diesen Punkt von der Tagesordnung abzusetzen. Es erscheine nicht angebracht, wenn das jetzige geschäftssührende Kabinett eine" so ] bedeutungsvolle Ausgabe wie die Reform der Zentralverwaltung in Angriff nehme.
Der Anhaltische Landtag nahm in seiner gestrigen Sitzung einen sozialdemokratischen Antrag an, durch den die Staatsregierung ersucht wird, bei der Reichsregierung wegen sofortiger Aushebung der letzten Notverordnung vorstellig zu werden.
Vom Anhaltischen Landtag wurde ein von den Nationalsozialisten geforderter Gesetzentwurf angenommen, der in Anhalt eine Filialsteuer ein- füh'rt. Danach erhöht sich die Gewerbesteuer für die Bank-, Kredit- und Warenhandelsunternehmen, die in einer Gemeinde eine Betriebsstätte unterhalten, ohne in dieser Gemeinde ihre Betriebsleitung zu haben, um 20 v. H. Durch das Gesetz tritt ferner bei der Gewerbesteuer insofern eine Aenderung ein, als in Zukunft bei den Konsumvereinen auch der soge- , nannte Kundengewinn von 5 v. H, der bisher steuerfrei war, von der Steuer erfaßt wird,
Der deutsche Generalkonsul in Sidney ist beauftragt i «worden, der australischen Bundesregierung den Dank der deutschen Regierung auszusprechen für die Unterstützung, die Australien bei den Nachforschungen und der Rettung der vermißten deutschen Flieger Bertram und Clausmann geleistet hat.
Wie wir erfahren, hat der bisherige volksparteiliche Reichstagsabgeordnete Rechtsanwalt Dr. Carl Cremer in einem Briefe an den Generalsekretär der Deutschen Volkspartei seinen Austritt aus der Deutschen Volkspartei erklärt. Er begründet diesen Schritt mit dem am 2. Juli 1932 mit Dr. Hugenberg geschlossenen Wahlbündnis.
In Landshut sollte am vergangenen Sonntag gleichzeitig mit der Kundgebung des Bayerischen Christlichen Bauernvereins eine nationalsozialistische Bauernkundgebung stattsinden, bei der über das Thema „Dr. Heim oder Adolf Hitler?" gesprochen werden sollte. Diese Kundgebung wurde verboten. Die Reichsleitung der NSDAP, hat beim Reichsinnenminister Protest erhoben.
Im Alter von 72 Jahren ist in Heidelberg der Geheime Kommerzienrat Dr. Paul Richard Brosien i gestorben. Der Verstorbene, ein bekannter Wirt- ichaftsführer, gehörte u. a. dem Direktorium der Rheinischen Kreditbank, Mannheim, und der Pfäl- -zischen Bank, Ludwigshafen, an und war nieder- I ländischer Konsul in Mannheim.
Die vom Plenum des Saar-Landesrates einstimmig abgelehnte Verordnung der Regierungskommission über eine Erhöhung der indirekten Steuern im Saargebiet ist noch am gleichen Tage von der Regierungskommission mit Wirkung vom 6. Juli ab in Kraft gesetzt worden. Die Steuersätze erhöhen sich um 20 und 25 Prozent, bei Bier um 50 Prozent, bei Kolonialwaren, Wein, Tabakerzeugnissen um 100 Prozent.
Der internationale Gerichtshof wird die Verhandlungen um Memelstreit am kommenden Montag wieder aufnehmcn.
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Auf der Rückkehr von einer längeren Fahrt nach verschiedenen Häfen der Ostsee traf ein größerer Verband englischer Kriegsschiffe, fünf U-Boote, ein U-Bootmutterschiff, ein Kreuzer und neun Zerstörer, vor Holtenau ein. Nachdem die Schiffe in die Holtenauer Schleuse eingelaufen waren, begab sich ein deutscher Marineoffizier an Bord zur Be- ?Süßung. Anschließend traten die Schiffe die Kanal- ahrt an. Sie werden in ihre Heimat zurückkehren.
Der schweizerische Ständerat hat gestern einen Betrag von 18^ Millionen Schweizer Franken für die Anschafung von Kriegsmaterial bewilligt. Von dieser Summe sollen Gasmasken für 1,3 Millionen Schweizer Franken angeschafft werden.
Der englische Deemitttnngs- vsvschlag
Lausanne, 5. Juli. Gegenstand der heutigen, Verhandlungen. von denen die letzte Zwi- schen Macdonald und Herriot etwa zweieinviertel Stunden dauerte, war ein englischer Vermittlungsvorschlag, der aus eine Anregung Sir Walter Laytons zurückgeht. In diesem Vorschlag hat man auf den ursprünglichen insoweit zurückgegriffen, als es sich nicht mehr um Annuitäten, sondern um eine Bondsausgabe handelt.
Der „Laylon"-Plan setzt angeblich eine Summe in Höhe von 2,6 Williarden Goldmark fest, die als Regierungsanleihe aufgelegt werden sollen. Die Summe selbst in zwei „Blöcke" zerlegt, einen von 1,6 Milliarden, der andere von einer Milliarde Goldmark. Der erste Block soll zu 90 v. H. aufgelegt werden, der zweite zu 95 v. H. Die Verzinsung soll 5 v. h., die Tilgung 1 v. H. betragen. wenn — das ist die einzige Sicherung für Deutschland — es nicht innerhalb zehn Jahren gelingt, die beiden Blöcke zu dem angegebenen Kurs aufzuerlegen, soll der nicht aufgebrachte Teil als verfallen gelten. Die Anleihe würde eine Regierungsschuld darstellen: eine Inanspruchnahme der Reichsbahn kommt nicht mehr in Frage. Die Frist von zehn Jahren wird vermutlich zu laufen beginnen mit dem Tag der etwaigen Unterzeichnung eines neuen Abkommens. Eine Schonfrist gebe es also nicht, sondern nur eine Schlußfrist.
Wie verlautet, hat sich Macdonald diesen Plan zu eigen gemacht. Der Teil der Reichs re- gierung in Berlin soll ihm heule nachmittag z u g e st i m m l haben, und die deutsche Abordnung ging also von dieser Grundlage aus.
In Kreisen der deutschen Abordnung wird lediglich zugegeben, daß seit heute mittag über diesen Laytonschen Plan gesprochen worden sei. Es sei auch über eine Summe gesprochen worden, aber angeblich nicht über sonstige Bedingungen; jedoch wird gesagt, daß von deutscher Seite Anregungen und Wünsche geäußert worden seien. Von dem Ertrag der Anleihe von 2,6 Milliarden gilt wohl weiter, daß er auf Sonderkonto bei der BIZ. überndmmen wird, in den fonds commun fließt und als deutscher Beitrag zum Wiederaufbau der Wirtschaft betrachtet wird. Ob auch Deutschland an der Verfügung über diesen Fonds wird teilnehmen können, ist zweifelhaft, und die andere Seite hätte damit die Möglichkeit, sich selbst aus diesem Fonds bezahlt zu machen, so daß es sich dann eben nicht, oder nur zu einem geringen Teil, den die Gegenseite übrigläßt, um einen deutschen Beitrag zum Wiederaufbau handelte, sondern eben um Reparationszahlung, welche die deutsche Abordnung bisher doch ablehnte.
Ueber die politischen Forderungen wird weiter gesprochen. Die von Deutschland geforderten politischen Voraussetzungen find nach wie vor die völlige Ersetzung des Teiles 8 des Versailler Distales einschließlich des berüchtigten Artikels 231 mit der kriegsschuldlüge durch das Abkommen. Eine natürliche Folge der neuen Abmachungen sind weiter die völlige Freistellung der Reichsbahn und Reichsbank von ihren internationalen Bindungen. Es besteht ferner noch die deutsche Forderung nach Beseitigung der einseitigen Entwaffnungsbestimmungen des Versailler Diktates, obwohl über diesen Punkt seit Tagen nicht mehr verhandelt worden ist.
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Keine Ssvhandiuns âbe« die voUtiMen Vedlnsnnse«!
Lausanne, 5. Juli. Rach Informationen aus zuverlässiger französischer Quelle hat Herriot
VoUtiiKe SukammeMSSe
Düsseldorf, 5. Juli. Ein Angehöriger der KPD. wurde in der Nacht zum Dienstag überfallen und durch einen Stich in die Lunge schwer verletzt. Vier der Tat dringend verdächtige Personen wurden festgenommen.
Duisburg, 6. Juli. Am Dienstag abend kam es in verschiedenen Stadtteilen zu Schlägereien zwischen Nationalsozialisten und politisch Andersdenkenden. Fünf Personen wurden durch Steinwürfe und Schüsse verletzt, davon drei schwer, so daß sie dem
Krankenhaus zugeführt werden mußten. Von den Rote Kreuz.zur weiteren Verwendung vorsieht.
nach seiner Rückkehr von dem letzten Besuch bei Macdonald erklärt, die Summe, um die es sich bei dem gegenwärtig behandelten Vorschlag handele, sei minder entscheidend. Dagegen müsse er es unbedingt ablehnen, über die politischen Bedingungen zu verhandeln, die von deutscher Seite gestellt würden.
Es dürfte sich dabei im wesentlichen um Wünsche in bezug auf die Abrüstungsfrage handeln, da die Frage des Teiles 8 des Versailler Vertrags ein- schließlich des Artikels 231 in einem direkten logischen Zusammenhang mit der Endregelung der Reparationen steht.
Der Reichskanzler hat inzwischen Gelegenheit gehabt, aus dem Munde Macdonalds die Auffassung Herriots kennenzulernen, da er mit Macdonald zu Abend speist. Gegen eine bewußt scharf gehaltene Auffassung im französischen Lager scheint allerdings die Tatsache zu sprechen, daß Herriot Paul-Boncour gebeten hat, sofort nach Lausanne zu kommen. Das wird von französischer Seite mit dem Gang der Abrüstungsverhandlungen in Gens begründet.
Der Presse erklärt der französische Ministerpräsident Herriot nach seiner Unterredung mit Macdonald, er könne nicht mehr weiter nachgeben und Halle an dem bisherigen Gläubigervorschlag fest. Ein weiteres Rachgben würd für ihn die Kabi- nettsfrage bedeuten.
Sevsteifung in Lausanne
Lausanne, 5. Juli. Dag Bild in Lausanne Hal sich heule abend wieder nicht u n e r- heblich verschoben, nachdem die Erklärungen, die Herriot zunächst Macdonald und dann fran- zösischen Pressevertretern gegenüber abgegeben hat, eine beträchtliche Intransigenz auf französischer Seite zeigte. Darauf ist eine erhebliche Versteifung eingelrelen, deren Herbeiführung durch Herriot sich vielleicht dadurch erklärt, daß er zu der Ueberzeugung gekommen ist, aus dem Gebiete der Zahlen mit den französischen Forderungen nicht weiterzukommen. Es werden deshalb noch fadenscheinigere Gründe als bisher herbeigeholt, um das zwischen Macdonald und den deutschen Delegierten besprochene Kompromiß als unannehmbar bzw .in ein- zelnen Teilen indiskutabel zu bezeichnen.
Sitte »»Mische Vesviediguus evfvvdevlichr
Conbon, 6. Juli. Sir Walter Sayton sagt in „News Chronicle", das deutsche Verlangen nach gewissen politischen Vereinbarungen im Zu- samirnenhang mit dem geplanten Reparationsabkommen erscheine im ersten Augenblick unlogisch, aber der Basler Sachverständigenausschuß habe darauf hingewiesen, daß es nicht nur einer wirtschaftlichen und finanziellen Regelung bedürfe, sondern auch einer politischen Befriedigung, ohne die das Vertrauen nicht geschaffen werden könne. Eine aus- richtige Verständigung sei vielleicht ebenso wichtig für Frankreich wie für Deutschland.
(Siehe auch Letzte Telegramme)
insgesamt 26 Festgenommonen wurden fünf in Hast behalten.
Berlin, 6. Juli. Im Südosten Berlins wurde gestern abend bei politischen Auseinandersetzungen ein unbeteiligter Schneider durch Schüsse in den Unterschenkel verletzt. In einem anderen Fall wurde eine Putzmacherin von einem Unbekannten an geschossen.
Präsident Hoover unterzeichnete ein Gesetz, das die Lieferung von 45 Millionen Bushels Weizen und einer halben Million Ballen Baumwolle an das
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Seitdem Deutschland die Schreckenszeit der Inflation durchgemacht hat, bestand bei der Bevölkerung, teils offen teils weniger deutlich in Erscheinung tretend, die Furcht vor einer neuen Geldentwertung. Dies zeigte sich besonders deutlich in jenen Augenblicken, wo internationale Verwicklungen schwerer Art entstanden, zumal Frankreich angeblich oder tatsächlich Vorstöße gegen die deutsche Währung unternahm. Nachdem das Vertrauen auf die M-.rk mühsam aufgebaut worden war, wich die Angst vor einer Inflation nur für wenige Jahre, als die Milliardenausleihung des Auslands an Deutschland erfolgte.
Nachdem diese ihr Ende gefunden hatten, zeigte sich sehr bald, daß ein echter Transfer der politischen Schulden, das heißt eine Bezahlung der Reparationsschulden aus der deutschen Wirtschaft nicht möglich war, und bald trat eine Beunruhigung unter den privaten Auslandsgläubigern ein, die die Aussicht schwinden sahen, ihr Geld wieder zurückzubekommen.
Mehrere heftige Kapitalfluchtbewegungen sind über Deutschland hinweggegangen. Die Schätzungen, wieviel deutsches Kapital als Fluchtkapital einzusetzen ist, gehen weit auseinander. Zweifellos ist nur das eine, daß es sich um viele Milliarden handelt, wobei noch von untergeordneter Bedeutung sein mag, ob es vier oder sechs Milliarden sind. Höhepunkte der Kapitalfluchtbewegungen waren 1929, als Gefahr bestand, daß der Youngplan nicht zu- standekäme. 1930 nach den Septemberwahlen zum Reichstag und 1931 nach dem Zusammenbruch der Oesterreichischen Kreditanstalt. Wie schwer die deutsche Volkswirtschaft getroffen war, geht aus der im Juli erfolgten Bankenschließung hervor. Es war das letzte SOS- Signal einer zusammenbrechenden Wirtschaft, in deren Sturz alle Staaten mithineingezogen werden mußten.
Erst nach diesem Zeitpunkt brach sich die Erkenntnis in der Welt Bahn, daß eine der wesentlichsten Ursachen der Weltwirtschaftskrise neben der Ueberproduktion die politischen Zahlungen seien. Sie stellen einen Verstoß gegen eine der Grundlagen der kapitalistischen Ordnung dar, daß keine Leistung ohne Gegenleistung erfolgen kann. In dem fein verästelten internationalen Kapitalsystem konnten sich die Auswirkungen so grundsätzlicher Verstöße erst nach einiger Zeit zeigen. Dann aber war der Zusammenbruch unaufhaltbar, da die Gesamtwirtschaft schon viel zu sehr in Unordnung geraten war.
In dem Augenblick, da die politischen Zahlungen ihr Ende gefunden haben, und damit zugleich einer der Hauptursachen des Funktionierens des kapitalistischen Systems beseitigt wird, muß psychologisch ein völliger Umschwung eintreten. Dies gilt in erster Linie für Deutschland. Die Inflation ist eine Folgeerscheinung der Verpflichtungen aus dem Friedensvertrag. Solange dieses Damoklesschwert über der deutschen Währung hing, konnte nie ein volles Vertrauen zu der Mark aufkommen, denn es lag ja nahe, daß über kurz oder lang die Transferierung von Milliardenbeträgen mit den Jahren auf unüberbrückbare Schwierigkeiten stoßen müßte. Jetzt ist die deutsche Währung solchen Gefahren nicht mehr ausgesetzt. Wohl ist die deutsche Wirtschaft belastet mit einer ungeheuren privaten Schuld. Aber man darf nicht vergessen, daß unter normalen Verhältnissen die langfristige Ausleihung von Milliardenbeträgen nicht allein ohne jede volkswirtschaftliche Störung erfolgen kann und auch immer er-
Ms heutise Stammet? umfaßt 8 Sette»