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Freitag, den 1. Süll 1932
Ar. 152
Oer SuN
Mit Len; Monat Juli beginnt die Weite Hälfte des Jahres. Das Jahr hat seinen Höhepunkt erreicht. Langsam beginnt man sich aus das Jahresende voözubereiten. Auch die Natur zeigt sich jetzt in voller Entfaltung. Alles reift und die Menschen beginnen für den Winter in die Scheuern zu sammeln. Der Bauer fährt sein Heu heim. Er erntet feine ersten Kartoffeln. Für die Hausfrau bringt die Queren ernte und die Kirschenernte eine Zeit erhöhter Tätigkeit, die Zeit des Einkochens, der Vorratssammlung für den Winter. In den Straßen der Stadt sieht man tagaus tag ein vollbeladene Kohlen- fuhrwerke fahren, sie bringen Heizungsmaterial in die Häuser und so zeigt gerade der Monat Juli, daß die Menschen auf allen Gebieten des Lebens Vorsorge treffen für den Gegenpol des Sommers, für den Winter. Der Monat Juli pflegt im allgemeinen auch der heißeste Monat des Jahres zu sein, und so sieht man gerade in diesen Tagen die Menschen vor der Hitze Zuflucht suchend im kühlen Wasser und im Schatten des Waldes. Wer nicht gezwungen ist in den dumpfen Räumen und in den heißen Straßen der Stadt zu weilen, der flieht hinaus in den kühlen Wald, den zieht's hinauf in die Berge oder hin an den Strand des Rheins. Der Juli ist auch die Hauptreisezeit, in der man Erholung sucht von den Anstrengungen des täglichen Lebens, um jene Atempause einzulegen in den Schaffenskreis, die man einmal als die schöpferische Pause bezeichnet hat. Jene Pause, in der man neue Kräfte sammelt, um im Lebenskampf seinen Mann zu stellen. Man braucht kein Großer im Reiche des Geistes zu sein, um den Wert jener körperlichen und geistigen Entspannung zu schätzen, den uns die Ferienreise bedeutet. Gerade im Juli geigt sich unter dem Einfluß der sengenden Hitze ■eine Erschöpfung, deshalb sollten die, denen es nicht möglich ist, im Juli zu pausieren, jede nur freie Zeit ausnützen, um den Segen des Wassers und des Waldes zu genießen.
Abgabe tue AvbettslosenhNke
Mit Wirkung vom 1. Juli ab wird anstelle der Krisenlohnsteuer eine Abgabe zur Arbeitslosenhilfe erhoben, die sämtliche Lohn- und Gehaltsempfänger trifft, an den Bruttoarbeitslohn anknüpft und gestaffelt ist. Die Abgabe, die durch die Arbeitgeber von dem Bruttoarbeitslohn einbehalten wird, vermalten, soweit es sich um sozialversicherte Personen handelt, die Krankenkassen, soweit es sich um Personen handelt, die nicht der Sozialversicherung unterliegen (z. B. Beamte, private Arbeitnehmer mit mehr als 700 Mark Monatslohn) die Finanzämter. Am 17. und 18. Juni 1932 sind die Durchführungsbestimmungen von den beteiligten Reichsministerien erlassen und in sämtlichen Amtsblättern veröffentlicht worden. Etwa noch erforderliche Auskünfte können bei den Krankenkassen und den Finanzämtern eingeholt werden.
Aus dem Gevichissaal
„können Sie es nicht billiger machen"
Ein Mädchen vom Land, 23 Lenze zählend, sieht vor dem Richter. Unbeholfen, doch nicht schüchtern gibt sie ihre Antworten. Die „Unschuld vom Lande" wie sie im Buche steht, aber doch nicht ganz so unschuldig wie es den Anschein hat, denn das Mädchen aus'Heldenbergen hat in Hanau zwei Gastspiele in den hiesigen Warenhäusern ge- geben, dabei hat sie 2 Handtaschen, 1 Paar Strümpfe und sonstige Kleinigkeiten mitgehen heißen. Als man sie schnappte, gab sie auf der Polizei auch noch einen falschen Namen an. Das Ge- richr sah die Sache milde an und verurteilte die Perle aus Heldenbergen zu 28 RM Geldstrafe. Die Angeklagte nahm das Urteil an, meinte aber vorher zu dem Richter gewandt: Er könne es doch eigentlich ein bißchen billiger machen. Den Gefallen tat ihr aber der Richter Nicht, stellte ihr aber Ratenzahlungen in Aussicht.
Die Zahl der VevußsunßSüe seht
ZUMO
Ottieveffattie Gknrelhettstt aus der GL^LMik der Unfall -^vsaOen
Die Zahl der Berufsunfälle, die Jahr für Jahr große Opfer fordert, ist erfreulicherweise in einem stetigen Rückgang begriffen. Die Berufsgenossenschaften legen soeben die Unfallursachen-Statistik für das Jahr 1930 vor, die alle in diesem Jahr bei den gewerblichen und landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften vorgekommenen und entschädigten Unfälle umfaßt, soweit sie bis zum 30. September 1931 gemeldet worden sind. Die Unfallursachen- Statistik der
gewerblichen Berufsgenossenschaften
erstreckt sich auf 1 109 517 Betriebe mit 10 627 871 versicherten Personen, die der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften auf 4 605 300 landwirtschaftliche Betriebe mit 14 054 000 versicherten Personen. Naturgemäß ist bei den gewerblichen Betrieben die Zahl der Unfälle erheblich größer als in der Landwirtschaft.
Insgesamt sind in den gewerblichen Betrieben 707 808 Unfälle im Jahre 1930 vorgekommen, von denen 44 956 entschädigungspflichtig wurden und 3623 tödlich verlaufen sind. Die Zahl der Unfälle ist um mehr als 220 000 geringer als im Jahre 1929, also um 23,73 Prozent. Auf 1000 versicherte Personen entfielen 66,60 Unfälle. In den Jahren 1929 und 1928 lag diese Zahl über 80, im Jahre 1927 betrug sie rund 77.
In der
Landwirtschaft sind insgesamt 241 392 Unfälle vorgekommen, von denen 74 282 erstmalig entschädigt worden und
Einen bösen Reinfall
erlebte ein 30jähriger Angeklagter, der zusammen mit seinem 20jahre alten Freund die Anklagebank drückte, weil sie ein Rad in der Nordstraße gestohlen hatten. Ursprünglich lautete die Anklage gegen den Weiteren auf Anstiftung. Er wehrte sich aber dagegen und wollte Mittäter gewesen sein, dabei hatte er nicht bedacht, daß er dain't als Dieb im Rückfall bestraft werden mußte, weil sein Strafregister schon recht ansehnlich war. Er erhielt deshalb 9 Monate Gefängnis, sein jüngerer Kuinpan kam mit 10 Wochen davon.
Wegen Beleidigung
des Gemeinderechners in Bruchköbel hatte sich ein Invalide zu verantworten. Der Mann der in sehr schlechten wirtschaftlichen Verhälnissen lebt — er hat 13 Kinder — hatte nach einem Disput wegen einer Pfändung den Gemeinderechner „Lump" und „Verkommene Mensch" geheißen. Sein Vergehen hat er jetzt durch eine Strafe von 10 RM wieder gutzumachen.
Zechpreller
Zwei junge Leute aus Essen wurden gestern in Abwesenheit verurteilt. Sie hatten sich in Köln bei einem Gastwirt eingemietet, gut gegessen und getrunken und waren dann ohne ans Bezahlen zu denken verschwunden. In Bruchköbel machten sie dann das gleiche Manöver; auch hier logierten sie und verzierten in der Wirtschaft ohne zu bezahlen. Sie erhielten, der eine wegen Rückfallbetrug 3 Monate 2 Wochen Gefängnis, der andere 1 Monat Gefängnis.
Kakoffelmehl in der Wurst
Bei einem Metzger wurde in der Wurst ein Zusatz von Kartoffelmehl festgestellt. Der Metzger erhielt einen Strafbefehl über 80 RM, wogegen er Einspruch erhob, mit der Behauptung, die
2664 tödlich verlaufen sind. Der Rückgang gegenüber dem Vorjahr beträgt bei den vorgekommenen Unfällen 3,75 Prozent, bei den tödlichen sogar 8,52 Prozent. Auf 1000 versicherte Personen entfielen in der Landwirtschaft 17,18 Unfälle. Bei den Unfällen in gewerblichen Betrieben steht an der Spitze der Ursachen der Transport. 24,8 Prozent der Un= fälle oder mehr als 175 000 sind bei Transporten erfolgt. An zweiter Stelle mit etwa 122 000 Unfällen stehen die Unfälle aus verschiedenen Ursachen, an dritter Stelle mit rund 100 000 die Unfälle, die durch Fall von Personen von Leitern, Treppen usw. aus Luken und dergl. in Vertiefungen entstanden sind. Bei den tödlichen Unfällen stehen ebenfalls die Transporte an der Spitze, bei denen 34,06 Prozent aller Unfälle tödlich verliefen.
Die größte Zahl
von Unfällen entfällt auf die Berufsgenossenschaften für Eisen- und Metallgewinnung, Herstellung von Eisen-, Stahl- und Metallwaren, Maschinen, Apparate und Fahrzeugbau (rund 170 000) und auf das Baugewerbe (rund 130 000).
Bei den Unfällen in landwirtschaftlichen Betrieben entfällt die größte Zahl (65 000) auf den Fall von Personen von Leitern, Treppen usw., während hier die Transporte erst an zweiter Stelle stehen, und zwar mit rund 47 000 Unfällen. Dagegen sind die meisten tödlichen Unfälle auch bei Transporten vorgekommen (29,88 Prozent), während von den Unfällen, die durch Fallen von Leitern und Treppen usw entstanden, nur 24,47 Prozent tödlich verlaufen sind.
Probe in der der Zusatz war, sei nicht von ihm. Das Gericht glaubte ihm aber nicht, setzte aber die Strafe auf 40 RM fest, da der Zusatz 0,25 Prozent ganz gering war.
* Lladlbibliolhek. Ausleihe- und Lesezimmer bleiben vom 1.—31. Juli geschlossen. Entliehene Bücher werden täglich in der Zeit von 8.30 Uhr bis 12 Uhr zurückgenommen.
* Wilhelmsbader Woche. Der Frühgottesdienst in Wilhelmsbad am Sonntag ist von 9.15 a u f 8.15 vorverlegt worden. Das Kampfschießen der Vereinigten Zimmerschützenvereine beginnt am Samstag, 2. Juli, nachmittags 3 Uhr, auf den Schießständen in Wilhelmsbad.
* Platzkonzert. Anläßlich des Roten Kreuz- Tages findet am Samstag zwischen 6 und 7 Uhr auf dem Markt ein Platzkonzert mit wechselndem Programm statt: 1. „Germania-Marsch" von Köll, 2. „Dichter u. Bauer" v. Suppe, 3. „Ein Sommerabend", Walzer von Waldteufel, 4. „Rokoko-Ständ- chM" voA Metter, 5. „Das Herz am Rhein", Lied für Trompa von Hill, 6a „Armeemarsch II 118" aus den Hugenotten v. Meyerbeer, 6b „Unter dem Doppeladler", Marsch von Wagner.
* Aahrraddiebstahl. Am 29. Juni gegen 13.30 Uhr wurde zier aus dem Hausflur Marktplatz 13 ein Herrenfahrrad Marke „Gritzner", Fabriknummer unbekannt, entwendet. Das Fahrrad hat schwarzen Rahmenbau mit Goldstreifen, ebensolche Schutzbleche und Felgen, rote Bereisung, engl. Lenkstange. Außerdem befindet sich an dem Fahrrad eine elektrische Lampe mit Batterie, sowie ein roter Kindersattel. Personen, die hierzu irgendwelche Angaben (auch vertraulicher Art) machen können, werden gebeten, diese bei dem Kriminalkommissariat, Zimme 248c, anzugeben.
‘ c eibank-Berkauf am Samstag, 2. Juli 1932, von £ bis 10.30 Uhr vormittags. Zum Verkauf kommt Rindfleisch. Preis pro Pfund 30 Pfg. Höchst
gewicht 6 Pfund. Der Verkauf erfolgt nur in der genauen Reihenfolge der, ausgegebenen Karten. Kartenausgabe im Schlachthof am Samstag, 2. Juli, von 7.50 Uhr vormittags ab bis zum Ende des Verkaufs.
* Die Heilanstalten nach dem Kriege. Mit dem Jahre 1930 ist vorläufig ein Abschluß beim Ausbau des deutschen Krankenkassenwesens eingetreten, eine Folge der Wirtschaftsnot. Regierungsrat Dr. Dornedden im Re ichsgesundheitsrint hat darum einen Rückblick auf die, Ergebnisse der Bewegung nach dem Kriege gegeben. Alle öffentlichen und privaten Heilanstalten mit mehr als 10 Betten wurden erfaßt. Im Deutschen Reich gab es 1913: 4109 Krankenhäuser, 546 Anstalten für Geisteskranke, 162 zur Augenheilung und 113 Entbindungsheime. Diese Zahl ging von 1920 bis 1926 zurück, stieg dann wieder, erreichte aber bis 1930 nicht die alte Höhe. Gezählt wurden 3907 Krankenhäuser, 418 für Geisteskranke, 134 für Augenleidende. Einen anhaltenden Aufstieg verzeichnen die Entbindungsheime mit 315. Die Zahl der Betten ist in den Krankenhäusern und Entbindungsheimen gestiegen. Während es 1913 in allen vier Gruppen zusammen 462 203 Betten gab, wurden 1930 591 920 ermittelt. Bis 1929 nahm die Zahl der verpflegten Kranken zu. 1930 ging sie zurück, eine Folge der verminderten Krankheitshäufigkeit und der Sparmaßnahmen. Auf ein Bett kamen 1913 in den Krankenhäusern 8,5 Insassen, 1930 9,4. Die Vermehrung beruht auf der stärkeren Ginlieferung von Nervenkranken.
* Ueber unrichtige Anmelduno zur Krankenkasse wird jetzt ein bemerkenswertes Urteil des Reichs- arbeitsgerichts veröffentlicht. Meldet der Unternehmer den Arbeiter unrichtig zur Kasse an, so daß der Beschäftigte später eine niedrigere Erwerbs- lofenUnterstützung erhält, so ist der Arbeitgeber dafür regelmäßig nicht haftbar. Denn die Vorschriften des Invaliden- und Angestelltenversicherungsgesetzes über die Beitragspflicht des Unternehmers sind ebenso wenig Schutzgesetze wie die Bestimmungen zur Krankenversicherung' Gewährt der Brotherr Nettolohn, so verzichtet er damit auf das ihm sonst zustehende Recht, die sozjialen Beiträge vom Entgelt abzuziehen. Die Uebernahme einer vertraglich weitergehenden Verpflichtung gegenüber dem Angestellten in Bezug auf die .Krankenversicherung kann darin nicht erblickt werden. In dem Falle war ein Arbeiter auf einer Geflügelfarm bei der Landkrankenkasse angemeldet. Nach Meinungsverschiedenheiten wurde er als Facharbeiter verzeichnet und eine Stufe niedriger
Aus unserer Konditorei:
WRONKER
Keuev im tNsov
Skizze von Milhelm Hochgreve
o In keinem Jahre sonnten sich so viele Kreuzottern zu gleicher Zeit auf den dürren Halmen am Moorgraben, wie an jenem Sommertage.
Kein Lufthauch regt sich, die Sonne wirft ihren warmen Schein auf das Moor und saugt die letzte Feuchte aus dem Boden. Ein grüner Raubkäser, der wie ein Opal schimmert, läuft hurtig über den Wegsand. Dem Brachvogel aber ist es heute zu schwül, sein „Alo-ii" ist matter als sonst. Schläfrig hockt auf dem First der Viehhütte der Bussard. Kein Wölkchen trübt das klare Blau des Himmels. Nur ganz hinten, am äußersten Rande des Moors, ist eine leichte, graue Wolke sichtbar. Aber sie hängt nicht am Himmel, sie steht auf der Erde, senkrecht, und wird mählich höher. Ein Köhler wird seinen Meiler angezündet haben, oder der Schäfer macht den Buchweizenbrei warm. Indessen — die Rauchsäule wird höher und höher und nimmt auch an Umfang zu.
Ich stehe auf einem Sandhügel, in den der Fuchs seinen Bau gegraben hat. Ich sehe mir alle Röhren an und finde vor ihnen viel Losung, Federn, Knochen, eine zerknautschte Blindschleiche. Wie ich wieder aufsehe — heiliger Himmel —, aus dem grauen Wolkentürmchen ist eine turmhohe, schwarze Rauchsäule geworden, die immer höher, immer schwärzer wird und sich nun auch langsam vorwärts schiebt. Brennt dort der Wald? Ich renne nach dem nächsten höheren Hügel, der mir bessere Umschau gestattet. In der großen Kiefernschonung ist der Feuerherd. Ein Glück nenn ichs, daß kaum ein Windhauch geht. Die ganze, rund 500 Morgen umfassende Schonung würde in kürzester Zeit von den Flammen verschluckt werden. Riesen- ftrecken des Moores mühten unter dem Gluthauch des sich über sie hinwälzenden Feuers sterben. So aber frißt es sich nur langsam fort.
Die Ausdehnung des Herdes nimmt trotzdem erschreckend zu; die Rauchsäule klettert in den Himmel.
Fast dreitausend Meter mögen mich von dem Brande trennen; zudem liegen breite Moorgräben zwischen meinem Hügel und der brennenden Schonung. Was bedeuten auch ein paar Menschenhände gegen den Riesenbrand, der sich dort ent,
wickelt! Soll ich Leute holen? Ueber eine Stunde Fußwegs bin ich vom nächsten Gehöft, über zwei Stunden vom nächsten Dorfe entfernt. Soll ich dort hineilen, um Feuerlärm zu schlagen? Der Moorbrand kündet sich selbst weithin an. Wenn der Müller aus der Tür seiner Mühle dort auf der Höhe jenseits des Moores schaut, sieht er die Rauchwände, und er wird die Dorfleute in Bewegung bringen.
So sinnend, sitze ich auf meinem Sandhügel. Da, die hohe Rauchsäule knickt mitten ein, dann nach unten, legt sich ganz um und zieht sich lang ins Moor hinein. Wind! Er sitzt dem Qualm im Nacken, drückt ihn auf den Boden und jagt ihn vor sich her. Er peitscht die Flammen auf, daß sie wie närrisch tanzen. Der Qualm erreicht meinen Hügel und treibt mich fort. Ich versuche, der Brandstelle näher zu kommen. Um tausend Meter gelingt es mir, dann gebietet ein breiter Graben meinen Schritten Halt. Ich gehe auf einen Hügel, der weiten Fernblick ermöglicht. Den vor dem Winde liegenden Teil der Schonung hat der Brand verschlungen; heißhungrig wälzt er sich tief ins freie Moor hinein, dessen dürres Kraut ihm schnell zum Fraße wird.
Dunkle Punkte sehe ich hin und her eilen; Rehe, Birkwild und Brachvögel fliehen entsetzt vor dem Verderben, Kiebitzpärchen schaukeln angstkreischend durch die stickenden Rauchwolken; Vogelklagen, die ich noch nie hörte, hallen aus der stiemigen Luft. Der Moorbrand kennt keine Gnade.
Wohin der Wind will, stürzt der Brand sich vor. Er packt den Riesenwacholder und verwandelt ihn in wenigen Sekunden in ein schwarzstarrendes Gerippe. Ueberall lecken Flammen hoch, um wieder zu verschwinden, unter dem Rauche vorzukriechen und neue Opfer zu suchen. Wo ein breiter Wassergraben dem Brande ein Hindernis entgegenstellt gibts ein Hin und Her; da quirlt der Qualm durcheinander, bis der Wind mit schneller Hand Glutstaub aufs andere Ufer wirft, und weiter geht dann die Vernichtung. Hochauf flackern jetzt die Flammen aus dem Rauche; Dierks Torfhaufen, den er im nassen Spätherbst nicht mehr abfahren konnte, ist gefaßt. Heute brennt er gut. Auch der Bienenzaun wird verschluckt. Das ganze Moor vor dem Winde ist in Rauch gehüllt, bald dick, bald dünn; das geht danach, was das Feuer gerade vorhat.
Stunden verbringe ich auf meinem Hügel, einsam, und schaue mit geteilten Empfindungen in das Qualm- und Feuermeer, sehe das geängstigte Wild und die Vögel rasen. Ich kann nicht helfen, so wenix wie die paar Männer, deren weiße Hemdsärme! mein Auge dort hinten aufblitzen sieht. Es scheint aber, als wenn der Rauch schwächer wird, — ja, die breite Beeke hat dem Feuer wohl Halt geboten. Immer dünner wird der Rauchmantel überm Moor.
Braun und gelb und grün war es, als ich herkam. Jetzt starrt es mich an. Kohlige, schwach glimmende oder nur leicht rauchende Heidestengel ragen auf, Flammen züngeln noch hier und dort empor. Wo aber Torf liegt, kohlt es stärker, und das sind weite Strecken.
Wenn das ausgedörrte Moor brennt, brennen nicht allein Halme und Holz, dann brennt auch der Boden, und wenn Stengel und Aeste längst verzehrt oder tot und erkaltet sind, dann glimmt und raucht die torfige Erde noch tagelang, wochenlang, bis sie unter dem ersten starken Regen zischend erlischt.
Traurig zieht der Jäger über den toten Grund. Weite Strecken sind für die Jagd vorerst nutzlos.
Aus dem Schäferkarren aber grinst am Morgen nach dem Brande ein verwittertes, hageres Gesicht. Im nächsten Frühjahr gibts gute Weide.-
o Eine kostbare Wagner-Reliquie unter dem Hammer. Unter den Ankündigungen des Londoner Auktionshauses Sotheby befindet sich eine erlesene Sammlung seltener Autographen und Urkunden. Musiker werden sich vor allem für die Originalpartitur des anläßlich der Geburt seines Sohnes geschriebenen „Siegfried-Idylls" von Wagner interessieren, dessen Manuskript Wagner seinerzeit Hans Richter zum Geschenk gemacht hat. Unter den zur Versteigerung angebotenen historischen Dokumenten befindet sich ferner ein ergreifender Brief Marie Antoniettes, in dem die unglückliche Königin ihre Freundin, die Prinzessin Lamballe, mit Rücksicht auf die ihr drohende Lebensgefahr dringend vor der Rückkehr nach Paris warnte, ein Rat, dessen Mißachtung die Prinzessin mit dem Tode büßte.
Allerlei Wissenswertes
In Teilen von Indien ist heute noch die Sklaverei nicht nur nicht verboten sondern gesetzlich statthaft.
Vor einiger Zeit sind in Japan sämtliche Dramen Shakespeares in japanischer Sprache erschienen.
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Wie statistisch festgestellt wurde, hat sich der Gebrauch der Zahnbürste feit 1913 außerordentlich verbreitet.
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