Sette 6
Donnerstag, den 30. Juni 1833
Nr. 15t
Wahlzett in der Genie
Von sieben Uhr morgens an
Der Reichsminister des Innern, Freiherr von Gayl, hat eine Verordnung zur Reichstagswahl erlassen. in der bestimmt wird, daß in den ländlichen Stimmbezirken, bei denen mit Erntearbeiten am 31. Juli zu rechnen ist, der Beginn der Abstimmungszeit, abweichend von der Reichsstimmordnung, auf sieben Uhr vormittags vorverlegt werden kann. Ist die Abstimmungszeit vorverlegt, so kann sie in den ländlichen Stimmbezirken mit weniger als 1000 Einwohnern um drei Uhr nachmittags endigen, wenn mit dein Erscheinen von Stimmscheininhabern in größerer Zahl nicht zu rechnen ist; andernfalls muß sie bis fünf Uhr nachmittags dauern.
ÄuvakAus der au$lättt>i;d>eti vvlvate« Sovderunsen a« die Warenpreise
Berlin, 28. Juni. In der ausländischen Presse tritt immer wieder die Behauptung auf, daß in den deutschen Vorschlägen für die Lausanner Reparationskonferenz auch die Anpassung der ausländischen privaten Forderungen an die gesunkenen Warenpreise enthalten sei, mit anderen Worten, daß Deutschland Abstriche vom Kapital fordere. Wie wir von gut unterrichteter Seite erfahren, ist diese Behauptung unzutreffend, womit alle Folgerungen entfallen, die an diese Nachricht geknüpft wurden. Dagegen trifft es zu, daß in Besprechungen zwischen den deutschen Schuldnern und den ausländischen Gläubigern das Verlangen nach Herabsetzung der Zinsen erhoben werden, eine Forderung, die übrigens schon in der Zeit der Basler . Sachveständigenverhandlungen laut wurde.
Werkiokomotive auf dem DaM dee Kantine
Saarbrücken, 29. Juni. Am Dienstag vormittag »ereignete sich bei der zu der Rombacher Hütte gehörigen Grube „Orne" in Lothringen ein schwerer Unglücksfall. Wahrscheinlich infolge Versagens der Bremse brachte man einen aus Maschine und sechs mit Erz beladenen Wagen bestehenden Zug nicht zum Halten, so daß er aus das Notgleis geriet und schließlich auf dem Doch der Kantine landete, das mit großem Getöse zusammenbrach. Die gesamten Stallungen wurden durch den Anprall zertrümmert. Ein Arbeiter, der ahnungslos im Bette gelegen hatte, kam wie durch ein Wunder mit nur leichteren Verletzungen davon. Die Maschine kam kaum einen Meter vor seinem Bett zum Stehen. Einige Arbeiter, die sich in der Kantine aushielten, (sonnten unter den Trümmern hervorgezogen r den. Drei von ihnen wurden sofort ins Krankenhaus gebracht. Ein Bremser, der die Gefahr erkannt hatte, hielt sich mit aller Kraft in seinem Bremsenhäuschen fest und kam mit heiler Haut davon. Ein zweiter Bremser sprang vorher ab und verletzte sich schwer.
DaHenschmuggel on der holländischen Grenze
Amsterdam, 29. Juni. Die holländische Polizei sst einem Wasfenschmuggel nach Deutschland aus die Spur gekommen, der bereits seit Wochen betrieben wurde. Im Zusammenhang damit sind heute sechs holländische Staatsangehörige von der Vaal- ser Polizei verhaftet worden. Nach eingehendem Verhör hat man sie vorläufig wieder auf freien Fuß gesetzt. Inzwischen haben sich Anhaltspunkte dafür ergeben, daß die geschmuggelten Waffen nicht aus Holland, sondern aus Belgien stammen. Sie sollen dort für Rechnung einer deutschen politischen Organisation erworben worden sein. Es steht aber noch nicht fest, um welche Organisation es sich handelt. Wie verlautet, soll ursprünglich der Plan bestanden haben, größere Mengen von Schußwaffen und Munition über die belgisch-deutsche und luxemburgisch-deutsche Grenze nach Deutschland zu schmuggeln. — Der Weg über Holland wurde dann wegen der scharfen Ueberwachung der deutsch-belgischen und deutsch-luxemburgischen Greize gewählt. — Die Polizei hüllt sich vorläufig in Stillschweigen und verweigert jede Auskunft.
Die Mime Sivdeutevschskt iteeieM sese« DeefeiUei
Blies auf die eindrucksvolle Kundgebung im Berliner Lustgarten
Rechts: Die Fahnen der Korporationen, Studentenbünde und -Gruppen
Am 13. Jahrestag der Unterzeichnung des Vertrages von Versailles fand im Berliner Lustgarten eine Protestkundgebung fast aller Berliner Studenten-Dereinigungen statt, der auch Zehntausende der Bevölkerung beiwohnten.
Des wMMw§tM* korvevt ein neues Sp-ee
Die verfluchten Millionen des Mörders
Der sagenumwobene und berüchtigte „Hicking- Schatz" in Chicago »hat ein neues und letztes Opfer gefordert, denn der letzte Erbe der Hicking-Millionen ist soeben im Automobil verunglückt. Samuel Hicking, ein junger Mann von 28 Jahren, war erst seit 4 Jahren im Besitze der Millionen, die allen Menschen den Tod ormgen sollten, d e sie besessen haben. Seltsamerweise ist tatsächlich seit dem Tage, wo ein Samuel Hicking, ein entfernter Verwandter des soeben verstorbenen Millionärs, dieses Vermögen zusammenraffte, keiner seiner Erben und Nachfolger eines natürlichen Todes gestorben. Man sprach darum in Chicago schon seit mehreren Jahrzehnten nur noch von dem „Hicking-Fluch', der sich an das Vermögen knüpfte. Die Vorgeschichte dieser selljsamen Vorgänge ist folgende: Der alte Samuel Hicking, der Begründer des Vermögens soll angeblich einen ungeheuren Schatz einem Freund? abge- nommen haben, den er auf seiner Farm freundlich aufnahm und dann ermorderte, als er von dem vertrauensseligen Mann erfahren hatte, welch großes Vermögen er bei sich führte. Im Rausch gestand er seiner Frau das Verbrechen. Er wurde von ihr verflucht. Sie selbst trennte sich von ihrem Mann, da sie an dem Sündengold keinen Anteil haben wollte, verriet ihn aber nicht, sondern hinterließ nur in ihrem Testament die Mitteilung, warum sie an dem Gelde keinen Anteil haben wollte. Der alte Samuel Hicking war 10 Jahre früher gestorben, so daß ihn die Justiz nicht mehr treffen konnte.
Schon an dem allen Hicking hatte sich der Fluch seiner Frau erfüllt. Er konnte sich seines Reichtums nicht lange erfreuen, denn er wurde 4 Jahre später von einem seiner Knechte ermordet. Nach dem Tode der Frau erbte das Riesenvermögen ein Neffe, da das Ehepaar keine Kinder hinterlassen hatte. Auch dieser Neffe starb auf gewaltsame Weise und zwar durch den Biß einer Schlange. Seine Frau überlebte ihn nur ein Jahr. Sie war schwindsüchtig und starb an den Folgen ihrer Krankheit. Sein Sohn
war noch unmündig, als er in den Genuß des großen Vermögens trat. Er beging Selbstmord, da er 10 Jahre nach Antritt 'feâner Erbschaft von dem Mädchen, das er liebte, betrogen wurde. Nun fiel der gewaltige Besitz an einen Großvetter des alten Hicking namens Charles Hicking. Ihm war von einer Zigeunerin geweissagt worden, daß er einen kostbaren Rubin erhalten werde, der allen Besitzern Unglück bringt. Tatsächlich fand Charles Hicking in der' Juwelensammlung einen wunderbaren Edelstein, der unter dem Namen „Hicking-Rubin" in der Welt berühmt geworden ist, der sich eben so sehr durch seine Größe, wie durch seine Schönheit auszeichnete. Da man schon damals — es war im Jahre 1902 — von dem „Hicking-Fluch" sprach, beschloß der neue Besitzer des Edelsteins sich dieses zu entledigen, denn èr war überzeugt, daß der Fluch mit diesem Stein zusammenhing. Er nahm ihn auf einer Europareise mit Und warf ihn in den Ozean. Der Stein hatte einen Wert von 40 000 Dollar. Dieses Opfer unterbrach aber die Unglücksserie nicht. Charles Hicking selbst starb am 15. April 1912 beim Untergang der „Titanic". Nun entstand zwischen mehreren Verwandten ein gewaltiger Erbschaftsstreit, der in unglaublicher Weise mit Gift und Re- volver geführt wurde. Endlich erbte ein 12jä»hriger Knabe das Vermögen, der 10 Jahre später starb und feine Braut als Universalerbin einsetzte. Auch jetzt wurde wieder ein großer Prozeß entfesselt, in dem der soeben verunglückte Samuel Hicking obsiegte. Die Braut wurde mit einem Zehntel des Geldes abgefunden und gab sich damit zufrieden. Die Zeitungen berichten, daß auch sie von dem Fluche der Millionen erreicht worden sei, denn sie soll im vorigen Jahre bei einer Flugzeugkatastrophe in Amerika das Leben verloren haben. Erben sind nicht mehr vorhanden, denn Samuel Hicking war der letzte Sproß dieser vom Fluch verfolgten Familie.
Wo M der SMesee Vövtvam?
Die erste amtliche Mitieilung: ein Telegramm des deutschen Generalkonsuls in Sydney
Berlin, 28. Juni. Bei hiesigen amtlichen Stellen ging gestern telegraphisch die erste Mitteilung des oeuischen Generalkonsuls in Sydney über Die bis herigen Nachforschungen nach den vermißten deutschen Fliegern Bertram und Klausmann ein. Ander Nachprüfung des Logbuches geht hervor, daß Bertram und Klausmann bei ihrem Flug über dir Timorfee, nachdem sie 300 Meilen mit Kurs ou Port Darwin geflogen waren, eine Kursoerande rung vorgenommen Haban, die sie in Richtung Drysdale führte. Die Flieger haben angenommen daß sie eine stark nordwestliche Windversetzum hatten. Wie weiter mitgeteilt wird, haben sie aud nach der Landung, die am 15. Mai um 7.30 Uhi nach siebenstündigem Flug wegen Benzinmangelerfolgte, noch angenommen, daß ihr Landungsort ai der Küste nordöstlich von Dirwin liege, weshalb fit auch mit ihrem Schwimmer, den sie als Boot ver wandten, nach Westen gefahren sind. Das Flug zeug liegt aber nicht nordöstlich von Darwin, sondern sehr viel weiter südwestlich zwischen hoher Klippen in einer unbekannten Bucht auf Strand Die australischen Behörden betonen ausdrücklich daß Hoffnung bestehe, die Flieger wiederzufinden wenn diese nicht bei ihrer Bootfahrt ertrinken sind Eine gut ausgerüstete Polizeistreife, die einer Aktionsradius von sechs bis acht Wochen hat, ff bereits unterwegs, um nach den Vermißten 31 suchen. Erst nach deren Rückkehr nach Wyndhan müsse man die Hoffnung aufgeben. Die beiden Flieger haben aus ihrem Flugzeug auch den Kompaß mitgenommen, so daß man annehmen kann, daß sie sich in der Richtung nicht irren. Das Flugzeug ist wie ausdrücklich bestätigt wird, bis auf den fehlenden Kompaß und den Schwimmer anscheinend ir Ordnung, und die Bergung ist sowohl durch Eigen- »flug als auch durch Abschleppen möglich.
Nach diesen Tatsachen zu urteilen, befindet fid Bertram nicht, wie man bisher annehmen mußte, tief im Innern Australiens, sondern an der Küste und hat deshalb weit bessere Lebensmöglichkeiten und wesentlich besseres Klima. Außerdem hält in der Nähe der Küste der Süßwassevvorrat der Flüsse länger an, was für die Flieger von großer Bedeutung ist, da in der dortigen Gegend die Flußläufe »während der Kochsomme'rmonatè austrocknen. Der Küstenabschnitt Australiens, um »den es sich hier handelt, ist eine sehr rauhe, zerklüftete, steile Küste, der zahllose Felsenriffinseln vorgelagert sind. Die Besiedlung ist äußerst dünn, womit auch erklärt ist, 6a6 die Flieger, die nun schon seit dem 24. Mai unterwegs sind, noch nicht gesichtet wurden. Wie es möglich war, daß Bertram bei seinem Flug über die Timorsee zu dieser Kursänderung gekommen ist, wird wohl erst aufgeklärt werden können, wenn der Flieger gefunden ist.
Die Brüder Sklarek und Bürgermeister Kohl haben Revision eingelegt.
Berlin, 29. Juni. Die Verteidiger der verurteilten Gebrüder Willi und Leo Sklarök haben heute nach Rücksprache mit den Anwälten im Untersuchungsgefängnis die Revision gegen »das Urteil in vollem Umfange wegen Verletzung formeller und mir - - -r Rechtsnormen angemeldet. Auch der Verteidiger des verurteilten Bürgermeisters Kohl hat Revision angömeldet. Die Staatsanwaltschaft soll bisher nicht beabsichtigen, von dem Rechtsmittel der Revision Gebrauch zu machen. Die schriftlichen Urteilsgründe des Gerichtes dürften angesichts der um» »fangreichen Prozehmaterie kaum vor einem halben Jahre vorliegen.
Auffindung der Leiche des Berliner RechksanwallS Pinner.
Wien, 29. Juni. In der Nähe von Bad Gastein »wurden die Ueberreste des vor zwei Jahren bei einer Bergtour verunglückten bekannten Rechtsan- walts Dr. Pinner aufgefunden. Pinner dürfte über eine 150 Meter hohe Felswand abgestürzt sein, an deren Fuß sein Skelett und seine Ausrüstung nun» mehr durch einen Zufall entdeckt wurden. — Das Verschwinden des Anwalts hatte seinerzeit großes Aufsehen erregt, und es wurde damals die ganze Gegend tagelang, auch mit Hilfe von Flugzeugen, vergeblich abgesucht.
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