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Nr. 140

Freitag, den 17. Juni 1932

Seite 5

Die Lase des Avbettsmavktes

im Bezirk des Arbeitsamtes Hanau a. Bt

für die Zeit vom 1.15. Juni 1932

Die Zahl der Arbeitsuchenden ist in der Be- chtszeit nur wenig gesunken. Die Abgänge in rbeit sind vornehmlich in den Saisonberufen er- lgt.

Der größte Teil der Berufsgruppen hat durch ntlassungen eine Belastung erfahren. Die Ab- ihme der vom Arbeitsamt unterstützten Arbeits- sen ist in erster Linie auf die Aussteuerungen lrückzuführen.

Am Schluß der Zählung waren 14 512 Arbeit- lchende vorhanden, gegen 14 764 am 31. Mai. nterstützt wurden:

am 31. 5. 32 am 15. 6. 32 m. w. tnsges. m. w. tnsg. nd.Arbettsl.Der». 1807 522 2329 1722 537 2259 n d. Krisenfürsorge 3M 538 3831 3255 541 3796

zusammen 5100 1060 6160 4977 1078 6055 In den einzelnen Amtsbezirken wurden an Arbeitsuchenden gezählt:

Hanau-Stadt r 5337

Hanau-Land , 4825 / Gelnhausen » 3187

Schlüchtern ; 1163

14512

Die Lage in den einzelnen Berufsgruppen:

Land- und Forstwirtschaft: Die Auf- ahmen von Arbeitskräften in der Landwirtschaft rar in der Berichtszeit gegenüber dem Vorjahre chr gering. Für die im Gange befindliche Heu- rn'te wurden kaum Arbeitskräfte angefordert. Ge­sagt wurde nach Hütejungen. Die geringe Nachfrage ach Knechten konnte sofort befriedigt werden.

Industrie der Steine und Erden: in Ziegeleien des Kreises Gelnhausen wurden sieglet und Hilfsarbeiter in geringem Umfange ingsstellt. In den Diamantschleifereien ist die Lage meinheitlich und schwankend geblieben, ein Teil <er Betriebe ist verhältnismäßig gut beschäftigt, aährend andererseits Entlassungen vorgenommen aurden.

Metallgewerbe: Die Drahtwerke waren um Teil noch aufnahmefähig, es konnten ca. 20 Irbeiter wiedereingestellt werden. Entlassungen ion Formern und Hilfsarbeitern aus Eifengieße- eien des Hanauer Bezirks.

Lederindustrie und Industrie leder- l r t i g e r Stoffe: Die Bereifungs- und tech- nsche Ei'miwarenindustrie stellte Arbeiterinnen reu ein. Im Kreis Gelnhausen konnten 18 Mäd- hen vermittelt werden.

Baugewerbe: In der Berichtszeit ist die Bewegung etwas lebhafter geworden. Facharbeiter iller Art konnten, wenn auch nur in geringem Naße, unterkommen. Auch für Bauhilfsarbeiter >est""d etwas bessere Arbeitsmönlickkeit wie bisher.

Verkehrsgewerbe: Die Reichsbahn ent- ieß eine Anzahl Streckenarbeiter. Als Aushilfen anden Kraftfahrer vereinzelt Arbeit.

olkSbvSuche um die Hettevnte

Ganz so viele Volksbräuche wie mit der ®e= Weideernte find mit der Heuernte im deutschen Volksleben nicht verbunden Doch gibt es auch eine Anzahl Bräuche bei der Heuernte. So darf man die Zinken der Rechen nicht nach oben auf die Wiese legen, weil dies nach altem Volksglauben Unwetter herbeiführt. Das gleiche Unheil soll ent­stehen, wenn man die Rechen während der Heu­ernte in fließendes Wasser taucht. Roch mehr wei­sen alte ländliche Sprichwörter auf die Heuernte hin. So sagt man:Jeder macht Heu. solange die Sonne scheint",Auch mit dem größten Fuder Hsu kann man einem Verleumder nicht das Maul stopfen",Was man am Heu spart, muß man an i rber Peitsche zulegen",Unter einem Fuder Heu jH-erstickt keine Maus".Die gut heuen und die gut streuen, die können sich über ihre Kühe freuen", Man darf das alte Hsu nicht eher verkaufen, bis man neues hat",Wenn kein Heu mehr in der Raufe ist, schlagen sich die Esel", oder auch:Alt'

Glettvtlche Ströme im Gehirn «achgewieke«

hervorragender Erfolg desKaiser-Wilhelm-Jnsti- tuts für hirnsorfchung

o DasKaiser-Wilhelm-Jnstitut für Hirnfor­schung" in Buch bei Berlin hat einen bedeutsamen Erfolg zu verzeichnen. Es gelang dem deutschen Forscher Dr. A. E Kornmüller, in Zusammen­arbeit mit J. F. Tönnies zum ersten Male am lebenden Tiergehirn elektrische Ströme der Hirn­rinde festzusteüen und nachzuweisen, daß sie in ganz bestimmtem Zusammenhang mit Sinnesreizen auftreten Darüber hmaus konnte noch eine Lo­kalisation der Aktionsströme vorgenommen werden, denn es ergab sich, daß die elektrischen Erscheinun­gen in den Grenzen der sogenannten architekto­nischen Hirnrindenfelder auf treten. Es handelt sich . hier nicht um phantastische Annahmen, sondern um praktisch und wissenschaftlich nachgewiesene Tat­sachen. Tönnies hat nämlich einen Apparat erbaut, der diese elektrischen Vorgänge im Gehirn getreulich ausgezeichnet. Dieser Apparat, der den NamenNeu­rograph" hat, ist mit einem Gleichstromverstärker verbunden und arbeitet, wie jeder andere elektri­sche Apparat Bei einer Erkrankung des Gehirns insbesondere Hirnkrämpfen wurden bereits von dem Neurographen die Kurven ausgezeichnet. Die An­nahme', daß der Mensch ein Elektrizitätswerk sei, und daß die Gedankenarbeit und biologischen Vor­gänge im Gehirn elektrischer Natur seien, ist schon vorher von hervorragenden Forschern geäußert worden Insbesondere war es Professor Sauerbruch, der auf Grund seiner Forschungen zu, der An­schauung kam, daß der Mensch ein Elektrizitätswerk darstelle. Die Beziehungen zwischen Organismus und elektrischer Energie sind erst vor kurzer Zeit durch Prof. Gurewitsch in Moskau genauer nachgewiesen worden. Er hat bekanntlich entdeckt, daß z. B. Zwie­beln Organismenstrahlen aussenden, dieauf die Vakterienwelt einen gewissen Einfluß,ausüben Der Einfluß der elektrischen Strahlen einer Zwiebel­wurzel erstreckt sich auf eine Entfernung von 38 Millimeter. Die Zwiebelzellen strahlen, wie einwand­frei nochaemiesen wurde ultraviolettes Licht aus, wäh­rend sie sich teilen. Diese Wachstumsstrobluna der lebenden Substanz wurde von GurewitschMito- gene-Strahlung" aenannt. Auch bei Kauloiiavven tonnte Gurewitsch die gleiche Strahlung fesüstellen.

Die Jaubervude des weißen Mannes

Besuch in einem afrikanischen Kino

Die neue Uniform dev SSl

Am Ende einer jener wunderlichen afrikanischen Straßen, die halb wie ein Dorf und halb wie ein Lager aussehen, steht eine große Wellblechbude, von kleinen Läden eingeschlossen, in denen man billige Lebensmittel zu kaufen bekommt und es nach fau­ligem Fisch riegt. Die Eingeborenen nennen dieses Gebäude, das mit grellbunten Bildern an allen Wänden verziert ist, die Zauberbude des weißen

Mannes. Es ist das Kino des Ortes, das von zwei unternehmenden Europäern, einem Deutschen und einem Schotten, geleitet wird. Rings um die Tür staut sich schon lange vor Beginn der Vorstellung eine Masse von Eingeborenen, die die Weißen sehen wollen, die sich hier belustigen.Wir werden zu unsern Sitzen, hochlehnigen harten Stühlen geführt", so schildert ein Besucher dieses Kino in einer Lon­doner Wochenschrift.Die Füße stehen auf dem har­ten Lehmboden. Ein beredter, überhöflicher ameri­kanischer Gentleman, tadellos gekleidet, macht uns feine Verbeugung. Die eine Seite des Gebäudes ist den Europäern vorbehalten. Die Wände find mit den Fahnen aller Nationen geschmückt, und Wind- lampen leuchten unter buntfarbigen Schirmen her­vor. Auf der andern Seite befindet sich eine An­zahl von Sitzen, die den unseren ähnlich sind. Hier darf die Elite der afrikanischen Gesellschaft Platz nehmen. Manche der Männer kommen in Frack und weißer Weste, andere in kurzen Hosen. Die Damen tragen ebenfalls europäische Toiletten. Hin­ter diesen bevorzugten Plätzen sind die Bänke, auf denen sich die Masse drängt. Negermütter mit schrei­end bunten Handtüchern um den Kopf geschlungen, die dicken Leiber in die lustigsten Farben eingehüllt, plappern hier miteinander. Während die kleinen Negerlein auf ihrem Rücken hocken, die Arme um den Hals geschlungen. Dazwischen indische Frauen, deren schöne Augen aus dem halb verborgenen Ge­sicht hervorleuchten. Junge Leute, die eine Art Sportkleidung tragen, pfeifen andern schwarzen Ge­fährten zu, die nur mit einem Lendenschurz bekleidet

Heu, alt' Geld, ast' Brot schützt vor vieler Not". Rach uraltem deutschem Volksglauben hausen im Sommer in den Getreidefeldern allerlei Korn- dämonen, wie Kornbück, Kornfrau, Kornkater ulw. Von den Wiesen und Weiden weiß der Volks­glaube nur einen einzigen Dämon anzugeben. Dies ist die Heugeiß, die auf den Wiesen und Weiden allerlei Schaden anrichtet. Vor allem soll sie die süßen, nahrhaften Gräser wegfressen und die sau­ren und harten Gräser stehen lassen.

Das Getreide wird geerntet, wenn die Körner reif sind, also lange nach dem Blühen. Bei der Heuernte dagegen ist es anders; denn das Gras muß bereits gemäht werden, wenn es in der ersten Blüte steht. Nach dieser Zeit wird wohl die Menge noch größer, das Gras büßt jedoch an Wert ein. Beginnt der Grassamen erst zu reifen, io braucht das Gras dafür so viele Aufbaukräfte, daß die anderen Teile 6er Pflanzen darunter leiden müssen. Die Stengel verholzen sich, der Rohfaser- gehalt nimmt zu, die Nährkraft nimmt ab. Zu lange stehen gebliebenes Gras ist schließlich nicht viel mehr wert als Stroh. Die Heuernte ist die erste Ernte des Jahres. Zwar ist sie nicht so wich­tig wie die Getreideernte und wie die Kartoffel­ernte, immerhin aber ist auch ihr Ausfall von Be­deutung, besonders für die Viehzucht. Heuernte und Getreideernte werden von den meisten Land­leuten wie als gleichartig angesehen. Die Land­wirte behaupten, gute Heujahre seien meist schlechte oder doch weniastèns nicht sehr gute Getreidejahre, wogegen ein schlechtes Heujahr meistens ein gutes Getreidefahr bedeuten soll. Das wird damit er­klärt, daß das Gras besonders in nassen Jahren sehr gut wächst, wogegen viele Nässe dem Getreide schlechte Entwicklungsmöglichkeiten gibt. Daher sagt man auch:Viel Heu und wenig Korn",Ein Heu­

3m Fovschungslaboratorium von Siemens und Halske wurde von den beiden Physikern Reiter und Gabor der Beweis erbracht, daß nicht nur pflanz­liches und tierisches Gewebe, sondern auch bös­artige Geschwülste Strahlung aussenden. Diese Strahlen wurden photographisch nachgewiesen und ihre Wellenlänge zu 3400 Spektraleinheiten be­stimmt. Wir haben also hier bereits mehrere Vor­arbeiten zu diesen bedeutsamen Funden von Korn­müller und Tönnies, die auch für die Heilkunde er­hebliche Bedeutung haben. Nachdem nun einmal der Nachweis für das Vorhandensein der elektri­schen Energie im Gehirn erbracht ist, wird es mög­lich fein, auf Grund der Aufzeichnungen des Neuro­graphen auch Krankheiten des Gehirns soweit zu diagnostizieren, daß dis gleiche Linie eine bestimmte Krankheit bedeutet, die mit einer bereits vor­handenen Aufzeichnuna derselben Krankheit iden­tisch ist. Das Kaiser-WilhelmJnstitut für Gehirn- forschung, das erst vor kurzer Zeit eine neue große Heimstätte gefunden hat, ist aus derNeurolo­gischen Zentralstation" entstanden, die von D. Vogt gegründet wurde. Heute ist es die Zentrale der Hirnforschung und man kann sagen, daß sich hier wirklichGedanken unter Glas" befinden. Prof. Vogt ist einer der ausgezeichnetsten Hirnforscher. In dem Institut wird die Funktion jedes einzelnen Gehirnteils erforscht, insbesondere ihre Bedeutung für den Ablauf des Lebens. Das Gehirn wird in 10 Schichten mit mehr als 200 Feldern eingekeilt. Es ist also eine mühselige Arbeit, um die Zusam­menhänge zu finden, die zwischen Gehirn, Be­gabung, Charakter, Verbrechen, Schwachsinn usw. bestehen. Die Querschnitte durch die Hirnrinde zei­gen die geistige Veranlagung der Betreffenden. Ein Gehirn, das untersucht werden soll, wird durch eine feine Maschine in ungefähr 30 000 bis 35 000 Teile zerlegt, und diese Gehirnschnitte werden in einem feuersicheren Turm in Millionen von Exem- nlaren aufbewahrt. um der Forschung zu dienen. Eins der hervorragendsten Ergebnisse, die an le­benden Hirnen gemacht worden sind, ist die eben beschriebene bedeutsame Feststellung der Aktions­ströme im Gehirn.

DieWakerloo-Brücke" vom Kasseler Spielplan abgesetzl

o Kassel. 16. Juni. Die Direktion des Kleinen Theaters erläßt sollende Erklärung:Die hiesige Gauleitung der NSDAP, hat der Direktion des

sind. Alle harren gespannt auf das Programm, das einen uralten Film von Chaplin und ein aufregen­des romantisches Drama von Valentino verspricht.

Plötzlich verglimmen die Lichter, es wird dunkel. Das Orchester beginnt mit einem ohrenbetäubenden Lärm. An dem Klavier ist höchstens die Hälfte der Noten in Ordnung, die anderen geben nur rauhe Schwirrtöne von sich; der Geiger ist mehr Akrobat als Musiker. Seine Körperverrenkungen erregen die allgemeine Bewunderung, und manchmal kann er aus körperlicher Erschöpfung nicht weiterspielen, was den europäischen Ohren ein wahres Labsal be­deutet. Das schwarze Publikum begleitet den Lärm der Musik mit Lachen, Schreien und Johlen, das immer stärker anwächst, je aufregender die Szenen auf der Leinwand werden. Manchmal stürzt ein wild gestikulierender Schwarzer nach der Leinwand vor, um seinen Helden oder seine Heldin aus drohender Gefahr zu retten, oder er ruft ihnen eine gut gemeinte Warnung zu. Er wird rasch wieder auf seinen Platz befördert von einem schwarzen Rie­sen, dessen Khakibeinkleider und mit Messingknöpfen verzierte Jacke eine Uniform Äarstellen, u. den andern Respekt einflößen. Es ist der Schutzmann, der auf Ordnung zu halten hat. Er versieht sein Amt vor­trefflich, bis er, ebenfalls von dem Zauber der Lein­wand hingerissen, seine Würde und Verantwortung verliert und in die gellenden Rufe, die Schreckens­schreie und die tiefen Seufzer der anderen ein­stimmt. Je weiter die Vorstellung fortgeht, je wil­der der Lärm der hingerissenen Zuschauer zu dem niedrigen Dach aufsteigt, desto furchtbarer wird die Hitze. Die Luft ist zum Ersticken heiß. Aber nie­mand denkt daran, vor dem Ende aufzubrechen. Wir sind alle völlig gebannt von den Filmen. Schließlich ist alles vorüber, und wir treten unsern Heimweg zu unsern Bungalos auf dem Hügel an. Nur noch ein schwacher Lichtschimmer steigt unten von der Stadt herauf, und das dumpfe Dröhnen der . Trommeln wird schwächer . . ."

jahr ist ein Spreujahr" undHeujahr Scheu- jahr".

Heuernte bedeutet gewöhnlich beim Landmann die erste große Anstrengung bei großer Hitze im Freien. Sie gibt daher bereits einen Vorgeschmack der Mühen, die die Getreideernte in wenigen Wochen bringen wird. In manchen Gegenden heißt Heuernte auch kleine Ernte oder die Vorernte. Auch auf den großen Gütern hat man den Ernte­schmaus nach der Getreideernte noch nicht ver­gessen, dagegen ist der Ernteschmaus nach der Heu­ernte fast nur noch in rein bäuerlichen Gegenden anzutreffen, wo auf den Höfen so gut wie aus­schließlich Familienangehörige arbeiten. Oft heißt dieser Ernteschmaus der Heuschmaus, er hat aber auch noch andere Namen wie Sichelhänke, Henki und Sensenaufhängen. Dabei geht es gewöhnlich nicht so geräuschvoll zu wie bei manchen Ernte­schmäusen, sondern man richtet nur ein gutes Essen her und sorgt auch für die notwendigen Getränke. In einigen Gegenden Süddeutschlands und der Schweiz gehören zum Heuschmaus vor allem Knö­del, Speckkraut, weißes Rosinenbrot und Milch. Auch werden vorher dafür bestimmte Würste zum Heuschmaus aufgehoben.

Ist die Heuernte vorüber, so beginnt für den Landmann meist wieder eine etwas weniger an­strengende Zeit, bis dann die Getreideernte von neuem alle Kräfte zum Anspannen bringt. Die Zeit, die zwischen der Heuernte und der Getreide­ernte lieat, hat von der Landbevölkerung eine be­sondere Bezeichnung erhalten; sie heißt die Atem- holpaüse, die Zeit des Ausrubens. Allerdings lassen sich Natur und Wetter nickt kommandieren, und so kann es bei einer langen Regenperiode vor­kommen, daß das Heu noch nicht hereingebrackt worden ist, wenn es schon gilt, sich unmittelbar für die Getreideernte vorzubereiten.

Kleinen Theaters mitgeteilt, daß sie es als eine offensichtliche Provokation ansieht, wenn die für Heut abend angesetzte und weitere öffentliche Vor­stellung des SchauspielsDie Waterloo-Brücke" stattfinden. Der Direktion des Kleinen Theaters lag es von jeher völlig fern, irgendeine politische Partei zu provozieren; außerdem möchte sie es unter allen Umständen vermeiden, daß das Kleine Theater zum 'Schauplatz politischer Kämpfe wird, wie das bereits am Dienstag der Fall war. Aus diesen Gründen hat sich die Direktion entschlossen, die heutige Aufführung nicht stattfinden zu lassen. Die bereits angekündigten geschlossenen Vorstellungen für die Volksbühne finden statt."

o Der neue Mainzer Intendant. In der letzten Sitzung des Mainzer Stadtrats wurde der seitherige Intendant in Zürich, Trede, mit großer Mehrheit zum Nachfolger des nach Kassel berufenen Inten­danten Klitsch gewählt.

o Die Gerhart-Hanptmann-Ausstellung in Bres­lau. Die schlesische Hauptstadt wird dem größten lebenden Sohn der Provinz, Gerhart Hauptmann, anläßlich seines 70. Geburtstages eine Reihe un= wöhnlicher Ehrungen zuteil werden lassen. Zum Mittelpunkt aller Veranstaltungen soll die Gerhart- Hauptmann-Ausstellung werden, deren Eröffnung auf den 4. September festgesetzt wurde. Im Schlesischen Museum für Kunstgewerbe und Alter­tümer sind schon jetzt die Räumungsarboiten im Gange, die Platz für die kommende große Kultur­schau schaffen sollen. Einen breiten Raum in der ausstellung werden die Darstellungen der Industrie­zweige einnehmen, die in Hauptmanns sozialen Dramen eine Rolle spielen.Hauptmanns Schaffen, Literatur und Kunst um ihn" ist der Titel einer anderen Abteilung, in der Hauptmanns Bedeutung für feine eigene und die heutige Generation auf- gezeigt wirdGerhart Hauptmann auf der Bühne" wird die Besucher natürlich ganz besonders inter­essieren. eines der wichtigsten Kapitel aus der deut­schen Kulturgeschichte wird in dieser Schau durch Kritiken, Jnszenierungsentwürfe, Programme, Rollenbilder, Statistiken u. a. m. dargestellt. Wei­tere Zweige der Ausstellung sollen sich mit der Familiengeschichte des Dichters und mit der Ge­schichte seines Geburtsortes, Bad Salzbrunn, be- schästigen; im ganzen werden acht selbständige' Ab­teilungen von Gerhart Hauptmann, seinem Werk und seiner Heimat künden.

Graf Helkdorf,

der Führer der Bevliner S. 21.Abteilungen, in bei neuen Kleidung der nationalsozialistischen Sturm­abteilungen, die durch die neue Notverordnung wie­der zum Tragen ihrer Uniformen berechtigt sind.

* Unser Ausschluß der Oeffentlichkeik mußte sich gestern ein in der väterlichen Metzgerei beschäftig­ter junger Mann aus Klein-Auheim vor dem hiesi­gen Einzelrichter wegen Erregung öffentlichen Aergernisses und Beleidigung verantworten. Der zwangsvorgeführte Angeklagte hatte sich am 8. Januar nach Einbruch der Dunkelheit auf der Land­straße Marköbel Rüdigheim einem 15jährigen Mädchen im Scheinwerferlicht seines Autos in schamerregender Weise gezeigt und gleichzeitig eine schwerbeleidigende Aufforderung an das Mädchen ergehen lassen. Knapp 4 Wochen vorher war der Angeklagte vom Schöffengericht in Offenbach wegen einer ähnlichen Sache zu 120 Mark Geldstrafe ver­urteilt worden, so daß der Richter jetzt auf 1 Monat Gefängnis erkannte.

* Diebe in der Rudererbleibe. In der Ruderer- bleibe bei Großauheim wurde am Dienstag von einem noch unbekannten Täter ein sogenanntes Stadtköfferchen entwendet, in dem sich u. a. je etne Herren- und Damengeldbörse, eine goldene Arm­banduhr, ein blauer Mont-Blanc- Füllfederhalter, ein wissenschaftliches Werk über Chemie, mehrere Schlüsselbunde und sonstige Kleinigkeiten befanden. Zweckdienliche Mittellungen erbittet das zuständige Landjägeramt.

hinter denKulissen" der Römerbergspiele.

0 Die Römerbergspiele stellen nicht nur in dra­maturgischer und regielicher Hinsicht vor neue Auf­gaben. Die Raumverhältnisse auf dem Römerberg sind für eine Freilichtaufführung so ganz unge­wöhnliche, daß man sie selbst mit den Salzburger Festspielen nicht vergleichen kann. So kann man wohl sagen, daß die Römevbergspiele schon allein durch die ungeheuren Dimensionen einzigartig in ganz Deutschland sind. So galt es auch vor allem, einen technischen Apparat zu schaffen, der das rei­bungslose Jnei nandergreifen von Solisten, Musik, der 500 Statisten und Reiter garantierte. Im ge­schlossenen Raum des Schauspielhauses genügt für die Aufführung des Urgötz ein Inspizient, der mit Hilfe seines Signalapparates den technischen Ablauf einer Vorstellung regelt. Die räumlich völlig an­ders gearteten Verhältnisse der Freilichtbühne auf dem Römerberg, etwa die Tatsache, daß die Musik sich in einem anderen Haus befindet als der Schau­spieler, den sie zu begleiten hat, die große Viel­fältigkeit der Auftrittsmöglichkeiten, sie alle ver­langten eine neue, einwandfreie Lösung. Aus dem einen Inspizienten des Schauspielhauses wurden deren zehn, die an alle Austrittsorte verteilt wur­den. Eingebaute Mikrophone ermöglichen es dem im Haus Limpurg befindlichen Kapellmeister, durch Kopfhörer den Handlungsablauf zu verfolgen und rechtzeitig mit feinem Orchester einzusetzen Auf die gleiche Weise ist es den Inspizienten im- merhofchen möglich gemacht, die Hunderte von Statuten und die vielen Reiter, die im Rathaus- iurchgang untergebracht sind, im rechten Moment an den Auftrittsort zu schicken. Außerdem befin- det sich an der Mainseite der Tribüne eine Schalt­tafel, durch die zu jedem Auftrittsort Lichtsignale gegeben werden können. So sind 3. B. bis zur Pause allein 120 Lichtsignale notwendig, um jeden Austritt aufs Stichwort genau zu gewährleisten. Eine Telephonleitung, die die Tribüne mit dem Nadiotechmker verbindet, ermöglicht die genaue Regulierung der Tonstärke des Lautsprechers, durch den die zur Handlung gehörige Musik übertragen wird. Zum Schluß war noch die wichtige Person der Souffleuse unteyzubringen. Es hatte sich ge= 3Wt, daß deren drei erforderlich waren, um die Schauspieler auf diesem Riesenraum im Notfall mit Text zuversorgen". Für diese drei Souffleusen wurden Kästen in die Erde eingelassen. Der 18 Juni wird diesen Riesenapparat' zum ersten Mal m Tätigkeit sehen-