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Sette 2

Mittwoch, den 1. Juni 1932

Nr. 126

GS dessen Nachfolger zum Botschafter in London er» vannt. Freiherr v. Neurath ist parteilos.

Dr. S»«,ei

Dr. Schätzel, her im 58. Lebensjahr steht mar nach Beendigung seiner juristischen Studien kurze Zeit als Rechtsanwalt tätig, trat aber dann in die bayrische Postverwaltung ein. Im Jahre 1923 wurde er als Leiter des Referats Bayern mit dem Titel Staatssekretär in die Reichspostoerwal- tung berufen. Im Januar 1927 wurde er Reichs- postminister, so daß er in diesem Jahr auf eine fünfjährige Amtszeit zurückblicken konnte. Georg Schätzel gehört der Bayrischen Volkspartei an.

Lveiberw von LiminE

Hermann Freiherr von Lüninck, der für das Reichsernährungsministerium auserfchen ist, üst 39 Jahre alt, studierte Rechtswissenschast und nahm nach Beendigung des Studiums im Jahre 1914 aktiv am Weltkrieg teil. Nach Kriegsschluß trat er zur preußischen Staatsverwaltung über, wo er als Regierungsassessor und Hilfsarbeiter im Innenministerium tätig war. Nach vorhergehender informatorischer Tätigkeit bei den christlichen Ge­werkschaften schied Freiherr von Lüninck im Jahre 1923 aus dem Staatsdienst aus und wurde stell­vertretender Generalsekretär des Rheinischen Bauernvereins. Er ist Vorsitzender der Landwirt­schaftskammer für die Rheinprovinz, Präsidialmit­glied der Vereinigung des Rheinischen Bauern­vereins und Landbundes sowie Mitglied des Deut­schen Landwirtschaftsrats und dèr Preußischen Hauptlandwirtschaftskammer. Freiherr v. Lüninck gehört keiner Partei an, er ist ein weit rechtsstehender Katholik.

Dr. Goevdelev

Dr. Karl G o e r d e l e r, der 47 Jahre zählt, trat nach dem Studium der Rechtswissenschaft in den Gerichtsdienst ein, war später informatorisch bei der Bank der Preußischen Landschaft und der Preußischen Seehandlung zum Studium der bank- mäßigen Behandlung des kommunalen Anleihe­wesens tätig. Er wirkte dann als Assessor und 1912 bis 1920 als Beigeordneter der Stadt Solingen. Nach Beendigung des Krieges, an dem er teilge- - nommen hatte, wurde er 1920 Zweiter Bürger- weister der Stadt Königsberg i. Pr. und 1930 Oberbürgermeister in Leipzig. Im Dezember 1931 wurde er zum Reichskommissar für Preissenkung ernannt. Er gehörte der D e u t s ch n a t i o n a l e n Volkspartei an, aus der er bei Uebernahme des Amtes als Preiskommissar austrat.

Dv. LVavmbold

Dr. Hermann W a r m b o l d, geboren am 21. April 1876, betätigte sich mehrere Jahre als Landwirt und studierte Land- und Volkswirtfckiaft. Er arbeitete als Assistent an verschiedenen Uni­versitätsanstalten und war von 1907 bis 1917 bei wirtschaftlichen Instituten der Landwirtschaft m leitender Stellung tätig. 1917 bis 1919 wirkte er als Professor für Wirtschaftslehre des Landbaues und gleichzeitig als Direktor der Württembergischen Landwirtschaftlichen Hochschule in Hohenheim, um bann als Direktor der Domänenabteilung in das preußische Landwirtfchastsmmisterium einzutreten, besten Leitung er 1921 als Minister übernahm. ; Im selben Jahr schied er aus dem Staatsdienst aus und wurde Anfang 1922 Vorstandsmitglied der Badischen Anilin- und Sodafabrik, die später in die I. G. Farbenindustrie aufging. Seitdem gehörte er dem Vorstand dieser Gesellschaft an. Im Oktober 1931 wurde er in das zweite Kabinett Brüning als Reichswirtschaftsminister berufen, legte aber dieses Amt Anfang Mai dieses Jahres infolge Meinungs­verschiedenheiten über die Arbeitszeitfrage und die beabsichtigte Sparprämienanleihe nieder. Dr. Warmbold ist parteilos.

Das erste Echo der Neautteasuns

In der houtgen Ausgabe derGermania" wird die Betrauung des Herrn v. Papen mit der Regierungsbilvung eine .Zwischenlösung" genannt. Die Haltung des Zentrums gegenüber der jetzt versuchten oder einer anders ge­arteten Regierungsbildung ergeben sich klar aus der besonderen Zweckbestimmung des neuen Kabinetts und auch aus der Vorgeschichte der Krise. Die Zentrumspartei werde in der kommenden Regie­rung, wie immer sie auch aussehen werde, nicht vertreten sein. Sie werde zu der sachlichen Arbeit des neuen Kabinetts sachlich Stellung nehmen und unter diesem Gesichtspunkt jeweils ihre Entschei­dungen treffen. Zum Schluß sagt das Blatt, daß die Mitteilung, Papen werde, falls er das Reichs­kanzleramt endgültig übernehmen sollte, aus der . Zentrumspartei ausscheiden, bis,zur Stunde noch nicht bestätigt sei. DieV o s s. Z t g." meint, die Betrauung Papens werde als ein Schlag gegen das Zentrum empfunden, die neue Regierung habe auf keinerlei Entgegenkommen des Zentrums zu rechnen, nicht einmal auf ein passives Ver­halten. DieD. A. 3 " glaubt, daß die Aus­sichten für das neue Kabinett an sich ganz günstig seien, da die Tolerierung durch die Nationalsozialisten als gesichert betrachtet werden könne, und das Zentrum kaum in der Lage sei, zur ofenen Opposition überzugehen. Das Blatt berichtet in diesem Zusammenhang, daß von nationalsozialistischer Seite die Anregung ge­geben worden ist, den Etat noch durch das Parlament zu verabschieden, was im Eiltempo geschehen könnte, sobald sich eine Mehr­heit für die Unterstützung dieser sachlichen Regie- rungsarbeiten zusammenfinde. Sei das nicht der Fall, dann werde der Reichstag sofort aufgelöst. L o k al a n z e i g e r" undT ag" betonen, daß die Parteien der bisherigen Opposition, also in erster Linie die Deutschnationalen und die Na­tionalsozialisten, offiziell mit der Bildung dieses Kabinetts nichts zu tun haben. Von ihren Stim­men hänge die Mehrheit des Kabinetts ab. Die Entscheidung sei noch nicht getroffen, Zusagen seien von beiden Seiten noch nicht gegeben. Der Vorwärts" bezeichnet Papen als einenRe- & eilen im Zentrum", der sich seit zehn Jahren bemüht habe, das Zentrum zu konservativen Diktatzurgedanken hinzudrängen. Was hier kon­zentriert werde, sei nicht die Nation, es seien viel­mehr konservativ-reaktionäre Kräfte, kleine, aber mächtige Gruppeninteressen, deren Ueberwiegen eine Gefahr für die Interessen des Volkes und feiner Wirtschaft bedeute. Hier werde konzentriert der Wille zum Abbau der Sozialpolitik. Der .Bayrische Kurier" schreibt zur Betrauung

«chwievissette« bei der Re- gievuugsbilduns in Frankreich Die Bedingungen der französischen «oriaMe« Eine Erklärung Herriots

Paris, 31. Mai. Jin Resolutionsausschuß des S o z ia li st if che n Parteitages brachte Leon Blum einen Entschließungstext ein, der 24 gegen 14 Stimmen auf sich vereinigte und fol­gendermaßen lautet: Die Partei ist der Ansicht, daß der Ernst der außen- und innenpolitischen Lage es ihr nicht gestattet, ein Angebot der radikalen Partei zur Zusammenarbeit in der Regierung mit einem glatten Nein zu beantworten. Eine Zusam­menarbeit zwischen den verschiedenen Parteien setzt aber notwendigerweise ein gemeinsames Pro­gramm voraus. Die Sozialistische Partei definiert als sofort durchzusührendes Aktionsprogramm fol­gendes:

1. Organisierung des Friedens durch die Ver­ständigung der Nationen und das obligatorische Schiedsgerichtsverfahren. Starke Herabsetzung der Militär ausgaben und zwar auf den Stand von 1928. Diese Maßnahme soll spätestens in zwei Budgetjahren, und wenn die von Frank­reich in Genf hinsichtlich des durch die Abrüstung zu schaffenden Friedens zu ergreifenden Initiativen es gestatten, schneller durchgeführt werden. 2. Ver­bot des Handels mit Kriegswaffen. Sofortige Kon­trolle und Nationalisierung der Kriegsmaterial- fabriken.

3. B uÜge ta u sglei ch. 4. Schutz der Sparer und Bankenkontrolle. 5. Schaffung öffentlicher Ge­treide- und Düngerämter. 6. Sanierng der E i j e n b a h n g e s e l l s ch a f t e n. Organisierung eines einheitlichen nationalen Eisenbahnnetzes und Errichtung eines allgemeinen Verkehrsamtes.

7. Schaffung eines allgemeinen Verfiche- r u n g s f y ft e m s, durch das die Arbeiter gegen Arbeitslosigkeit und die Landwirte gegen Mißernten geschützt werden, und zwar durch Ver­staatlichung der privaten Versicherungsgesellschaf­ten. 8. Einführung der 40-Stundenwoche ohne Lohnkürzung. 9. Allgemeine politische Amnestie.

Kevviot »uv Eoklâvung dev «oriaufte«

Paris, 31. Mai. Bei der heute abend abgehal­tenen Sitzung des Exekutivausschusses der Radika­len Partei hat Herriot Stellung zu der Ent­schließung der Sozialisten über die Regierungs- beteiligung genommen. Gewisse Forderun­gen der Sozialisten stimmten, so führte Herriot aus, mit den Ideen der Radikalen überein. Es falle den Radikalen recht leicht, sich zu verpflichten, das Militärbudget wie alle an­deren Budgets soweit einzuschräniken, wie es die nationale Sicherheit gestattet. Eine Verstaatlichung der Versicherungsgesellschaften sei angesichts des Umstandes, daß das Schatzamt kein Geld habe, die

v. Papen mit der Kabinettbildung: Nach Lage der Dinge blieb dem Reichspräsidenten nichts mehr anders übrig, als ein unvollkommenes Kabinett mit noch unvollkommeneren Ministern zu bilden. Man sei durch das Treiben verantwortungsloser Per- önlichkeiten in die Krise hineingekommen und habe )en Sprung ins Dunkle gem^gt, ohne zu wissen, was folgt.

Fvaktionsiitzungen

Die Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei hielt am Dienstag abend eine Fraktionssitzung ab. Der Parteiführer Dingeldey erstattete ausführlich Bericht über die politische Lage und über seine Rücksprache mit dem Reichs­präsidenten von Hindenburg. In ausführlicher Aussprache billigte die Fraktion die Ausführungen )es Parteiführers. Sie sahen von Beschlüssen ab, da sie die weitere Entwicklung der Dinge abwarten will. In den Kreisen der Deutschen Volkspartei nimmt man wie das Vdz-Büro hört, nunmehr an, daß der Reichspräsident die Bildung eines über­parteilichen Kabinetts anstrebt, das auch die Auf­lösungsorder für den Reichstag mitbekäme. Obwohl eine solche Lösung nicht die Wünsche der DDP. voll befriedigt, würde doch voraussichtlich damit zu rechnen sein, daß ein solches Kabinett bei dieser Partei auf keine Schwierigkeiten stößt. Grund­sätzlich wünscht allerdings die DDP. die Ueber­nahme der vollen Verantwortung durch die bis­herige nationale Opposition.

In der Sitzung der Reichstagsfraktion der Deut­schen Staats pari ei erstattete der Parteifüh­rer Dr. Weber einen Bericht über die gesamte po­litische Lage. In der Aussprache kam, wie das VdZ.-Büro hört, zum Ausdruck, daß die Bildung eines überparteilichen Kabinetts, wie sie der Reichspräsident erstrebt, bei der Staatspartei auf ernsteste Bedenken stoße. Man würde einer sol­chen Uebergangslösung eine endgültige Klärung etwa durch Uebernahme der Verantwortung durch die Nationale Opposition vorziehen.

Wann tritt dev SteèGstas »«kamme«?

Präsident Löbe erhält EinberufuugsermSchtigung

Berlin, 31. Mai. Im Aeltestenrat des Reichstages verlangten heute die Kommunisten und Nationalsozialisten und Deutschnationalen, daß an dem 6. Juni als dem Tag des Wiederzusam­mentritts des Reichstages festgehalten werde. Die übrigen Fraktionen stellten sich jedoch mit dem Reichstagspräsidenten Löbe auf den Standpunkt, man solle, wie in früheren Regierungskrisen, a b - warten, bis eine neue Regierung ge­bt I d e t sei. Infolgedessen wurde der Reichstags­präsident ermächtigt, den Reichstag sofort einzu­berufen, so bald der neue Reichskanzler bereit sei, eine Regierungserklärung abzugeben, Sollte sich dieser Zeitpunkt zu lange hinzögern, so beabsichtigt Löbe, den Aeltestenrat noch einmal zu befragen.

Ferner behandelte der Aeltestenrat die Frage, ob nach Artikel 24 der Reichsoerfassung eine Min­derheit die Einberufung des Reichstages verlangen könne, auch wenn das Parlament selbst sich auf einen bestimmten späteren Zeitpunkt vertagt habe. Die Nationalsozialisten, Deutschnationaleu und

Aktien aufzukaufen, unmöglich. Auch ein Ankauf der Eisenbahnen zwecks Verstaatlichung wäre bei dem Defizit der Bähngefestschaften in Höhe von 4 Milliarden unzweckmäßig. Die Konferenzen von Lausanne und Genf ständen bevor. Niemand könne sagen, unter welchen Bedingungen die Reparations- konferenz beginnen werde. Die Radikalen seien für gleichzeitige kontrollierte Abrüstung, allerdings un­ter dem absoluten Vorbehalt, daß diese Abrüftungs- maßnhmen nicht die Sicherheit Frankreichs bloß­st eilen. Die beherrschende Frage sei gegenwärtig der Ausgleich des Budgets, die politische Entspan­nung und die wirtschaftliche Verständigung mit dem Auslande. Die Radikalen seien bereit, mit der sozialistischen Partei an der Regierung zusammen­zuarbeiten. Die sozilistische Partei möge in dieser Antwort den Beweis erblicken, daß es die Rad.- kalen ernst meinen und daß sie eine loyale Aus­sprache wünschen.

Diese Rede fand starken Beifall und wurde von der radikalen Versammlung mit allen gegen vier Stimmen gebilligt. Darauf verlas Senator R e- noult eine vom Vorstand ausgearbeitete T a - gesorünung, in der es heißt, der Exeku­tiv a u s s ch u ß der Radikalen Partei wünsche die Einigung der Sozia­listen mit den Männern, die während der vori­gen Legislaturperiode gegen das Kartell der Rech­ten opponiert hätten. Er billige die ®rt!ö-"n Herriots und schenke ihm und den befugten Partei­organismen das Vertrauen, die notm> Handlungen mit den anderen Linksparteien zum Zwecke der Bildung des neuen Kabinetts fortzu­setzen. Diese Tagesordnung wurde einstimmig angenommen.

Ei« letzter Bevfuch

Paris, 1. Juni. Der sozialistische Parteitag wird heute zu den Erklärungen Herriots und den Entschließungen des Vollzugsausschusses der Radi­kalen Partei Stellung nehmen und sich erklären, ob durch die Antwort der Radikalen jede weitere Verhandlung unmöglich geworden ist, oder ob die sozialistische Partei noch einen letzten Versuch machen will, durch Verhandlung über ein Mindest­programm eine Regierungsbeteiligung zu ermög­lichen.E r e N o u o e l l e", das Organ Herriots, erklärt die Antwort des Führers der Radikalen Partei auf die Bedingungen, die die sozialistische Partei für ihre Mitarbeit in der Regierung stelle, entspreche der Vernunft, und an einer anderen Stelle, wieder einmal habe sich die Stimme der Klugheit Gehör verschafft.

83B3

Kommunisten forderten wiederum dieses Recht der Minderheit unter Berufung auf das Urteil des Staatsgerichtshofes gegen den Präsidenten des Preußischen Landtages. Reichstagspräsident Löbe und die übrigen Fraktionen blieben jedoch bei der Auffassung, daß dieses Urteil nur für den Landtag gelte, und daß die bisherige Auslegung des Arti­kels 24 richtig fei, wonach das Recht eines Drittels der Abgeordneten, die Reichstagseinberufung zu verlangen, nur für die Zeit während eines Ta­gungsschlusses gelte. Die Deutschnationalen und Nationalsozialisten hatten, wie erinnerlich, die Ab­sicht, ein ähnliches Urteil auch für den Reichstag herbeizuführen. Ein solcher Antrag ist jedoch beim Staatsgerichtshof noch nicht gestellt worden, weil sich inzwischen herausgestellt hat, daß der Staats­gerichtshof nicht für Streitigkeiten zwischen dem Reichstagspräsidenten und den Abgeordneten zu­ständig ist. Die Streitfrage könnte also nur vom Reichstag selbst entschieden werden, der durch Mehrheitsbeschluß eine rechtsgültige Auslegung des Artikels 24 geben müßte. Reichstagspräsident Löbe wird voraussichtlich von neuem Gutachten angesehener Staatsrechtslehrer über diese Frage einholen.

EvklSvtt«» dev ««DAN übev die Entwicklung r« Sidenduvs

Oldenburg. 31. Mai. Die Pressestelle des Gau Weser-Ems der NSDAP, verbreitet heute eine parteioffiziöse Stellungnahme zu dem Ergebnis der Oldenburger Landtagswahlen, in dem es u. a. heißt: Durch den Wahlausfall am 19. Mai hat die NSDAP, im Freistaat Oldenburg die absolute Mehrheit erreicht. Die Gauleitung Weser-Ems ist sich darüber klar, daß sie in Oldenburg ein schweres Erbe übernimmt. Die Lage des Freistaats ist in der letzten Zeit oft genug erörtert worden, ein näheres Eingehen erübrigt sich. Jetzt schon umlau­fende Gerüchte über die Regierungsbildung und Ministerpersönlichkeiten sind nicht zutreffend, eben­so Kombinationen über das Arbeitsprogramm der kommenden Regierung. Die Landtagsfraktion der NSDAP, wird zu gegebener Zeit der Oeffentlichkeit abschließende Mitteilungen über diese Frage geben.

NevstSvkte âoutvolle in dev Avberts;»ke«siivkovse

Berlin, 31. Mai. Um den unberechtigten Be­zug von Arbeitslosenunterstützung einzuschränken, hat die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung seit August 1930 im Be­nehmen mit dem Reichsarbeitsministerium ihren Außendienst zur Kontrolle der Unterstützungsemp­fänger neu organisiert und verstärkt. Einmal sind die Arbeitsämter angewiesen, eine ausreichende Zahl geeigneter Arbeitskräfte für den Außendienst freizustellen, darüber hinaus ist den Landesarbeits­ämtern zur Pflicht gemacht worden, auch ihrer­seits einen besonderen Außendienst einzurichten, der den des Arbeitsamtes in allen Fällen, wo er einer Verstärkung bedarf, ergänzen und unter­stützen soll. Diese Verschärfung der Kontrolle hat sich nach den jetzt vorliegenden Ergebnissen für die

Zeit vom 1. Oktober 1930 bis 30. September 1 gut bewährt. In dieser Zeit hat der Außendsic insgesamt 460 000 Unterstützungsfälle nachgep - und bei 110 000 oder 24 Prozent eine nochma s Entscheidung über die Unterstützung hevbeigefst Dies hatte in 65 000 Fällen (gleich 14 Prozent. geprüften Fälle) eine Aenderung der früheren ( scheidung zur Folge. Als finanzielle Auswirk ergab sich eine Ersparnis an Unterstützungsmit in Höhe von etwa 314 Millionen Reichsmark, denen die Kosten des verstärkten Außendienstes keinem Verhältnis stehen. Neben diesen zäh mäßig nachweisbaren Ergebnissen ist natürlich r die abschreckende Wirkung einer schärferen K trolle mit in Rechnung zu stellen. Dieser mit bare Erfolg ist zwar im einzelnen nicht sestgest aber nach den Beobachtungen dDr Reichsanf ebenfalls sehr erheblich.

Auskchvett««ssu Evwevb« lokev

Stettin, 31. Mai. Etwa 50 Erwerbslose dr gen heute abend unter dem Rufe:Hunger! G uns zu essen!" in Stettin-Züllchow in ein Lebe mittelgeschäft ein, zertrümmerten die Schaufenst scheiben vnb warfen die Lebensmittel unter sich schnell ansammelnde Menge. Das Uebersi kommando stellte unter Anwendung des Gunn knüppels die Ruhe wieder her.

Wiedsv Ansschvektuuse« in KamSsv«

Hamborn, 31. Mai. Anhänger der KPD. h ten für heute durch Flugblätter zu Demonstration aufgerufen, bei denen es am Nachmittag zu v schiedenen Stellen der Stadt zu Zusammenstöf mit der Polizei kam. Gegen 18 Uhr kam es sogenannten Goethe-Viertel in Hamborn zu ein planmäßigen Ueberfall auf eine Konsumanstalt 1 Vereinigten Stahlwerke. Unter Vorschiebung v Kindern drang eine größere Menge in das Lo ein und forderte die unentgeltliche Herausgabe v Lebensmitteln. Da in den letzten Tagen häufic Lebensmittelgeschäfte von Plünderer Heimgesu worden waren, hatte die Polizei eine Anzahl C schäfte durch Polizeibeamte in Zivil besetzt. Als i Beamten gegen die Plünderer einschritten, würd sie von der Menge angegriffen und bedroht. 1 Beamtei machten von der Schußwaffe Gebrau Hierbei wurde der 31 Jahre alte Arbeiter Fr Perlich durch einen Brustschuß so schwer verle. daß er kurze Zeit später starb. Der Rädelsführ und zwei weitere Beteiligten wurden festgenoi men.

Letzte Telegramme

Irrer -LttLfEerr ârtSkrsstts- Wuns

Vamßev Stimmen

Paris, 1. Juni. Die heutigen Morgenblätk bringen sämtlich die Ernennung von Papen zu Reichskanzler und auch schon Kombinationen üb die Bildung des neuen deutschen ReichskabinetI Die überwiegende Mehrzahl der Blätter nimt noch nicht Stellung zu dem Kabinett.P e t Parijien" ist der Ansicht, das Kabinett o. P pen werde weniger eine Rechtsregierung als eil stark nach rechts orientierte Regierung sein. C sei dazu bestimmt, den Uebergang der politisch« Formel Brünings und der künftigen Formel h' lers zu bilden. Man habe mit größter Schnelli keit gehandelt, um die Beunruhigungen, die Paris, London und Washington zum Ausdruck g kommen waren, zum Schweigen zu bringen m auf diese Weise eine mögliche Vertagung dec La: sanner Konferenz zu vermeiden. Es handele ft also um ein Uebergangskabinett.Echo d Paris" behauptet, durch das neue Kabinett weri eine Militär- und bürokratische Diktatur organisier Letzten Endes, schreibt das Blatt, fei es aber gu daß die Maske falle. Die Ruhe Europas tönt durch den Sturz Brünings nur gewinnen, wen Frankreich etwas Klacblick und Entfchlußkro wiederfinde.P o p u l a i r e" spricht von ein« militärischen und aristokratischen Regierung dc alten Regimes, die die alten Angelegenheiten fr zur Machtübernahme durch Hitler zu erledige haben werde.

Die Londoner Vvesie

London, 1. Juni. Die englische Presse i zum größten Teil noch nicht in der Lage, zu dl Beauftragung des Herrn v. Papens mit der bineltbildung Stellung zu nehmen. Es liegen bl jetzt lediglich die Aeußerungen der Berliner Korr« fpondenten vor. Von ihnen wird übereinffimmen das neue Kabinett in der bisher bekannt gewoi denen Zusammensetzung als ein reines Uebergang; kabinett bezeichnet, dessen Hauptaufgabe die hei beiführung von Neuwahlen zum Reichstag sei. Dc BerlinerTimes"-Korrespondent hebt als besonder bemerkenswert hervor, daß Herr v. Papen bun seine Bemühungen hervorgetreten sei, auf Grun seiner Beziehungen zu den katholischen Kreise Frankreichs eine Besserung des deutsch-französische Verhältnisses hecbeizusühren. Weiter bezeichnet e der Korrespondent als ein besonderes Merkmal de in Bildung begriffenen Reichskabinetls, daß es i ungewöhnlichem Maße von Parteibindungen fn sei. In einem Aufsatze inNews Ehroniclc heißt es, daß die Reparationsverhandlungen wich tig sind und daß Deutschland in einigen Jahre: ausgerüstet haben werde, wenn die anderen Staate: nicht abrüsten. Die einzige Frage ist, ob die Poli fiter der verschiedenen Länder diese Dinge ol Tatsache anerkennen und eine kluge und versöhn liche Politik auf ihnen aufbauen werden, oder o sie das jetzige Elend und die Unruhen der Dell unbegrenzte Zeit verlängern wollen, hierüber wer den Genf und Lausanne entscheiden. Verschieden^ Blätter heben die Ruhe hervor, mit der in Frank reich die letzten Ereignisse in Deutschland aufge nommen worden seien. Der Pariser Korre spondent derTimes" sagt, eine Verständigun; zwischen Frankreich und Deutschland bleib e bei leitende Gedanke der französischen Politik.