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Nr. 113

WM Stadt und Land

1932

12* Mai

Dienstag, de«

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Sezugspreis: Für den halben Monat 95 R-Psg., für den ganzen Monat NM. 1.90 ohne Trägerlohn / Einzelnummer 19 N-Pfg., Samstag 12 N-Pfg. / Anzeigenpreise: Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Breite 8 N-Pfg., im Nellameteil von 63 mm greife 25 N-Pfg. -- Ossertengebühr so N-pfg.

ErMungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. ' Sei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Sezieher keinen Anspruch auf Lieferung oder Nachlieferung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. / Fürplatzvorschrift u. Erscheinungstage! der Anzeige wird keine Gewähr geleistet./'Geschäftsstelle: Hammerstr.9 / Fernspr. 3956, Z957,3958

Anzeiger fr/

Attentate ist Tokio und Gofia

Nev savattische MinkstevvvWdent evmovdet - Vombenatteniaie in Tokio aus eine Bank, Oolzei- VvSsidium und LNinisteewohnungen - Auch in Sofia ein volktischev Movd

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Unter den zahlreichen Glückwunschadressen, die »er neugewählte Präsident der französischen Repu- >lik Lebrun anläßlich seiner Wahl erhalten hat, be- indet sich folgendes Telegramm des Herrn Reichs- näsidenten:Ich bringe Ew. Exzellenz zu Ihrem Amtsantritt meine aufrichtigsten Glückwünsche dar."

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* Geheimrat Prof. Dr. Kahl ist am Tag vor Pfingsten in Berlin gestorben.

Der Reichstagsausschuß für auswärtige Ange- egenheiten soll nunmehr am 24. Mai zusammen- weten, um den Bericht des Reichskanzlers Dr. Brüning über die aktuellen außenpolitischen Fragen mtgegenzunchmen.

Die nationalsozialistische und die kommunistische sieichstagsfraktion haben je einen Antrag gestellt, Ms Plenum des Reichstags auf Donnerstag, 19. Mai, 15 Uhr, einzuberufen. Präsident Löbe hat sich, wie man sich erinnert, nachdem er die Sitzung nach den Borfällen am letzten Donnerstag für ge­schlossen erklärte, den Tag der Wiedereinberufung vorbehalten. *

Die fünf Toten der bei dem Seilfahrtunglück auf der Zeche Dorstfeld ums Leben gekommenen Berg­leute sind in der Nacht vom Samstag auf Sonntag geborqen worden. Man rechnet damit, daß die Fördernng morgen wieder ausgenommen werden kann.

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Wie der Deutsche Buchdruckerverein mitieilt, ist der seit dem 30. April bestehende tariflose Zustand im Buchdruckerg ew erb e durch Schaffung neuer Tarifbedingungen im Wege der Vereinbarung mit den Gehilfenoerbänden beigelegt worden.

* Der D-Zug KölnBremen ist gestern mittag kurz vor dem Bremer Hauptbahnhof entgleist. Nach den bisherigen Feststellungen sind 10 bis 12 Schwer- und Leichtverletzte zu verzeichnen.

* In den Nachtstunden brach in einem Därr- werk bei der Friedrich Krupp A.-G. in Essen Groß- feuer aus. Das Dörrwerk wurde ein Raub der Flammen. Der Schaden ist groß.

Die Generalintendantin des Düsseldorfer Schau­spielhauses, Frau Luise Dumont, ist gestern abend in einer Privatklmik an doppelter Lungenentzün­dung gestorben«

0m einem Brief an den Steirischen Heimat­schutzverband erklärt Dr. Pfriemer, daß er seine Führerstelle und seine sonstigen Ehrenstellen im Heimatschutz niederlege. Er begründet feinen Ent­schluß mit ' der Nichtübereinstimmung mit der Hal­tung der Bundesleitung. *

Das Flugboot Do X unternahm vorgestern einen Probeflug nach Boston und zurück, der völlig glatt verlief. Gestern wurde ein weiterer Probeflug unternommen. Für heute ist der Start nach Neu- Fundland beabsichtigt, von wo am Freitag der Ozeanflug beginnen soll. *

,Journal de Dëbats" läßt sich aus Riga melden, daß der rumänische Gesandte in Lettland, Sturdza, der im Januar mit einem russischen Delegierten über den Abschluß eines russisch-rumänischen Nicht­angriffspaktes verhandelte, nach Bukarest gereist sei, da die rumänische Regierung die Verhandlungen mit den Sowjets wieder aufzunehmen wünsche.

Der Russe Gorguloff wird sich höchstwahrschein­lich im Monat Juli vor dem Pariser Geschworenen­gericht zu verantworten haben.

Die diplomatischen Beziehungen zwischen Mexiko und Peru sind wegen der peruanischen Behaup­tung, daß die diplomatische Vertretung Mexikos in Lima sich durch Unterstützung der Kommunisten in die innerpolitischen Verhältnisse Perus eingemischt habe, abgebrochen worden.

Owen Houng erklärte in einem Schreiben an den Herausgeber der Zei^mg Little falls Times, der ein persönlicher Freund ^-wenMungs ist, endgül­tig, er könne feine Ernennung zum demokratischen Präsidentschaftskandidaten nicht annehmen, falls eine solche erfolge.

Am 30. April wurden in Italien 1 000 025 Ar­beitslose gezählt, do denen rund 282 000 Arbeits- .losenunterftützung bezogen. Damit ist ein Rückgang um 52 951 Arbeitslose im Monat April sestzustellen.

k *1 Näheres siehe im politischen Teil.

Die Tokioter-Attentate

Tokio, 16. Mai. Ministerpräsidenk Inukai ist am Pfingstsonntag abend durch Re­volverschüsse von Marineoffizieren ermordet worden. Gleichzeitig wurden in verschiedenen öffentlichen Gebäuden wüste Terrorakte verübt. Automobile, in denen sich auch unifor­mierte Miiltärs befanden, rasten durch die Haupt- und Rebenstraßen und warfen Bomben auf das Gebäude der Bank von Japan, der konservativen Seidukai-Parlei, das Hauptbüro der Mitsu-Dischi-Bank, die Wohnung des Ad-mirals Suzuhi, des Außenministers Poshizawa und des Barons Makino, des Oberhofzeremonienmeisters. Auch wurden Revolverschüsse auf das Polizeipräsidium abgegeben, wobei ein Polizist und ein Journalist verwundet

wurben.

Der Anschlag auf Jnukai wurde von zehn jungen Leuten in Osfiziersuniform verübt, die in das Haus des Ministerpräsidenten eindrangen und alles niederschossen, was sich ihnen in den Weg stellte. Jnukai selbst hatte gerade eine Unterredung mit einem Besucher, als die Türe aufgerissen wurde und die zehn Leute mit erhobenem Revolver ins Zimmer stürmten. Jnukai erhielt zwei Schüsse, einen in die Stirn und einen in die Rase. Jnukai erlag bald seinen erlittenen Verletzungen. Auch auf den Gast des Ministerpräsidenten wurden mehrere Schüsse abgegeben. Außer Jnukai selbst und seinem Besucher sind noch vier Polizeibeamte und eine Hausangestellte verwundet worden.

Zur selben Zeit wurden gleichfalls von jungen Leuten, die Offiziersuniform trugen, Bomben- anjchläg e gegen die Bank von Japan, das Polizeipräsidium, das Büro der Seijukai-Partei und das Haus des Hausministers des kaiserlichen Hauses und Großsiegelbewahrers, Grafen Markino, verübt. Das Polizeipräsidium wurde von einer Anzahl Personen angegriffen, die die Unifor­men eines Infanterie-Regiments trugen. Die gleiche Szene wie im Ministerpräsidium wiederholte sich hier. Die Angreifer drangen mit vorgehalkener Waffe in das Polizeipräsidium ein, wandten sich dem Büro des Polizeipräsekten zu, rissen die Tür zu diesem Zimmer aus und gaben ein wahres Schnellfeuer auf die darin anwesenden Beamten ab. Vier Personen, darunter ein Journalist, wurden schwer verletzt. Der Polizeipräfekt war in diesem Augenblick nicht im Zimmer. Ein Polizeibeamter erlag später seinen Verletzungen.

Ein Kraftwagen, in dem sich drei Männer be- fanden, fuhr am Sonntag abend 5% Uhr mit gro­ßer Geschwindgikeit an der Rationalbank von Japan vorüber. Die Männer warfen drei Bomben gegen das Gebäude, von denen zwei im Hauptoingang explodierten und einen Pförtner schwer verletzten. Aehnliche Attentate wurden auch aus das Gebäude des Außenministe­riums, auf das Hauptquartier der Konservativen Partei und auf den Sitz der Privatbank Mitsubishi verübt. Durch die Bombenwürfe wurden insgesamt 7 Polizisten, ein Offizier und drei Zivilpersonen verletzt. Gegen einen der Führer des Geheim- bund esBlutsbrüderschasl", Maserda, wurde ebenfalls ein Revolveranschlag verübt. Ma- seida wurde dabei schwer verletzt. Ebenso ging es einem Unterführer dieses Geheimbundes, dem ehe­maligen Leutnant Rishida.

In Tokio mürben nach dem Anschlag Flugblätter verbreitet, in denen eineVereinigung junger Offi­zieres des Heeres und der Flotte" Einspruch gegen die japanischen Regierungs­und Verwaltungsmelhoden erhebt. In den Flugblättern werden insbesondere die japanische Diplomatie und die leitenden Behörden des Heeres und der Flotte aufs heftigste angegriffen, aber auch die Erziehungs- und Wirtschaflsmelhoden in Japan einer Kritik unterzogen.

Auch der Kriegsminister General Araki war das Ziel eines Mordanschlags. Eine Gruppe be- wafsneter Männer drang um Mitternacht in seine Wohnung ein und bedrohte feine Diener. Araki war jedoch schon weggegangen, um an der außer- ordentlichen Sitzung des Kabinetts leilzunehmen.

Während man auf Grund der ersten kurzen Meldung über den feigen Mordanschlag gegen Jnukai annehmen konnte, er sei der Ausdruck der Unzufriedenheit einer Militärkamarilla mit der nachgiebigen Haltung des Ministerpräsidenten in dem Schanghaier Streit und er habe mithin einen vornehmlich außenpolitischen Charakter, entziehen die neuen Nachrichten dieser Bèslirchkrng etwas den Boden. Die Täter sind jüngere Offizierer-Md mag der Keil der Verschwörer auch mehr als die 18 um= fassen, die sich den Behörden gestellt haben, so wird man von einer eigentlichen Militärkamarilla doch so lange nicht sprechen können, als nicht erwiesen ist, daß höhere und maßgebendere Offiziere als Drahtzieher im Hintergrund standen. Die Mörder begründen ihre Untat mit einer angeblichen Unzu­

länglichkeit der Verwaltungsbehörden und der Diplomatie. Was die Verwaltungsbehörden angeht, so wird man nähere Angaben abwarten müssen; was aber die Diplomatie betrifft, so darf man ver­muten, daß' die Schüsse einWarnungssignal" für sie sein sollten, in dem Zwist mit China, mit den Großmächten und mit dem Völkerbund nicht weiter nachzugeben. Der Anschlag gegen die beiden Banken entbehrt bis zum Augenblick vollends der Deu­tungsmöglichkeit. Auf den innerpolitischen Kurs scheint die Mordtat ohne Einwirkung bleiben zu sollen, und außenpolitisch werden sich die Groß­mächte und der Völkerbund durch.die Schüsse sicher­lich nicht von ihrer Linie abbringen lassen. Somit hat der ??iährige Jnukai für nichts, für einen jugendlichen politischen Wahn der Mordbuben sein Leben lassen müssen.

Die Sätet stellen sich der «sitzet

Tokio, 16. Mai. Im Laufe des Tages haben sich 18 junge Leute als Urheber des Anschlags auf den Ministerpräsidenten freiwillig der Polizei gestellt.

Siv SOM in Klammen

Dev fvanzdsisOe Uassagievdampfev »Georges phillipar" verbrannt - 260 lettenen ertrunken?

Aden, 16. Mai. Der französische Passagier- dampferGeorges P h i l l i p a r ist aus der Rückreise von Oslasien nach Marseille in der Rähe von Kap Guardafui in Brand geraten. An Bord befanden sich rund 600 Passagiere und eine starke Besatzungs-Mannschast. Rach den letzten Reibun­gen werden 200 Personen vermißt.

Aden. 16. Mai. Wie verlautet, soll das Feuer auf dem französischen PassagierdampferGeorges Phillipar" aus Brandstiftung zurückzufüh­ren sein. Die Lage des Schiffes und die heftigen Flammen verhinderten ein Niederlassen der Ret­tungsboote und die Rettung der Schiffsbrüchigen.

Paris, 16. Mai. Die Agentur Hamas veröffent­licht verschiedene Meldungen aus Aden über den Brand des französischen DampfersGe­orges Philippar". Danach teilt der russische Damp­ferSovietka" mit, er habe Passagiere und Mann­schaft des französischen Dampfers an Bord, der vollständig in Flammen stehe und aufgegeben sei. Der englische DampferMahsud" hat 134 Ueber- l eben de ausgenommen und gibt bekannt, daß er Leichen ins Meer versenke. Der englische Passagier- dampferKaisar I Hind" dagegen verbreitet die Meldung, daß die gesamte Besatzung und sämtliche Passagiere des brennenden französischen Schiffes nach Aden unterwegs seien. Bei den Schiffahrts-

Schwere LLnwetter-

-Kataftrovbe bei -Koblenz

Sechs Tote - Liusslügler in einer Kapelle eingeschlosse«

Koblenz, 16. Mai. Heute abend ging über ganz Vestdeutfchland ein schweres Un­wetter nieder. Besonders schwer heimgesucht wurden das Gebiet der unteren Mosel und die Höhenlagen der Lisel. Wolkenbrüche mit hagelschlag ließen in einigen Ortschaften das Wasser in den Straßen bis zu einem Meter ansteigen. Das Wasser ritz alles mit sich, was im Wege Itanb.

Aus der Straße Koblenz-weißenlurm standen die Fundamente zweier Häuser, die schließlich ein- die Fluten so hoch, daß der Verkehr umgeleilet wer- '------r" s- ^"'"

den mußte. Auch die Schienen der Reichsbahn waren vorübergehend stark überflutet. In Güls an der Mosel ergoß sich eine Sturzflut von über einem Meter in das Dorf, füllte Keller und tiefer liegende Wohnungen; die Wassermassen unterspülten

Es sind fünf Marineleutnants und 13 Offizerschüler.

Inzwischen konnte auch der At t e n t â t e r des Leutnants Nishida identifiziert werden. Es soll sich um ein Mitglied des Geheimbundes B l u t s b r ü d e r s ch a f t" mit Namen Kawasaki handeln, desselebn Geheimbundes, dem der Ange­griffene selbst angehört habe. Dieser Geheimbund hatte, wie die Zeitungen berichten, eine Liste von bedeutenden Persönlichkeiten aufgestellt, die ermor­det werden sollten. Darunter befinden sich der Fürst Saionyi, Baron Wakatsuki, Baron Shide- Hara und zahlreiche Industrielle sowie Finanzleute^

Das iapaMOe -Kabinett $ntiiteseteeien

Tokio, 16. Mai. Das japanische Kabinett hat traditionsgemäß seinen Gesamtrücktritt erklärt. Der Kaiser hat den Rücktritt jedoch nicht angenommen. Er will sich zunächst mit dem Geheimen Staatsrat und den alten Staatsmännern beraten. Die Wert­papier und Produktenbörse in Tokio, Osaka, Kcbs und Nagoya sind wegen der politischen Lage einft- w e i l e n geschl o j j e n.

VolMOev Lttovd in Sofia

Sofia, 16. Rai. Der Vorsitzende der maze­donischen Emigrantenverbände, Professor Dimitri R ich a i I o f f ist heute abend in Soffia meuchlings erschossen worden. Die Täter sind noch nicht be­kannt. Der einzige Zeuge der Mordtat war ritt sechsjähriges Kind. Professor Michails der im 50. Lebensjahre stand, hat sich stets um die Einigung der verschiedenen sich bis aufs Blut befehdenden mazedonischen Parteien be« müht. Sein Tod erregt in allen Kreisen der maze­donischen Bevölkerung größte Bestürzung.

Büros hat man noch keine Anhalte dafür, wie viele Passagiere sich an Bord desGeorges Phillipar" befanden, doch rechnet man 500 bis 600.

Paris, 17. Mai. Havas meldet aus Aden, daß den letzten Nachrichten zufolge sich 34 Passagiere des in Brand geratenen französischen DampfersGe­orges Philippar", an Bord des englischen Dampfers Mahsud" befinden, 129 an Bord des Dampfers Contracter" und 400 an Bord des russischen DampfersSovietka". Der Kapitän des Dampfers Contracter" teilt mit, daß eine Frau den Verlet­zungen, die sie erlitten habe, erlegen sei. Ma» nimmt an, daß der Brand in den unteren Teilen des Schiffes ausbrach und sich so schnell verbreitete, daß dis Benutzung der Rettungsboote unmöglich

war.

Aden, 17. Mai. Die zu dem Branb französischen DampfersGeorges Phillippar" meldet wird, werden von den Passagieren und Besetzung 200 Mann vermißt.

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des ge/ bet

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Das UnglllcksschiffGeorges Philippar" ist ganz neues Schiff, das erst im November 1930 vom Stapel lief. Es kehrte von seiner ersten großen Ueberseereise zurück. Seine Länge betrug 172, die Breite 21 Meter. Die Maschinenstärke be»

lief sich auf 11600 PS. Im ganzen konnte es 1000 Passagiere befördern.

stürzten. Riesengroß ist der Schaden in den Wein- bergen, auf den Aeckern und an den Obstbäumcn.

Oie heutige Kummer umfaßt Id Gelten

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