Mr. 110
Dö»nerslsg, den 12. Mai 1932
Deiir I
Mac Donalds Äugen- kvaukheit
Der Grüne Star
Von unserem ärztlichen Mitarbeiter
Das Augenleiden, das jetzt zum zweiten Mal , dem englischen Premierminister einen operativen griff erfordert hat, gehört zu den ernsten Er- t rkungen des Sehorgans, dessen Vernachlässigung < Laufe der Zeit unrettbar zur Erblindung rt. Macdonald leidet an Glaukom, dem sog. inen Star, der seinen Namen von einem bei er Erkrankung gelegentlich auftretenden Symp- i hat. Es zeigt sich _ bei Glaukom nämlich . achmal ein grünlicher Schein über der schwarzen Pille. Die Krankheit entsteht durch eine Steige- g des Drucks der Augenflüssigkeit auf die Netzet, in die die feinen Verästelungen des Sehnen eingebettet sind. Dieser Druck kann so k werden, daß das Auge sich steinhart anfühlt, j daß schwere Schädigungen des Allgemeinbe- aens, wie außerordentlich heftige Kopf- und genfchmerzen auftreten, die Erbrechen ouslösen ) auch äußerlich das Auge stark verändern. Durch Hemmung des Blutumlaufs füllen sich die .ltgefäße des Auges in unnatürlicher Weise; die rnhaut wird trübe, die Pupille erweitert sich b wird lichtstarr.
Solche akuten Anfälle sind aber deshalb weniger ährlich, weil sie von dem Erkrankten durch die mit verbundenen schmerzhaften Erscheinungen möglich vernachlähigt werden können und zum tenden Eingriff des Augenarztes Anlaß geben, vor es dazu zu spät ist. Weit bedrohlicher ist s einfache chronische Glaukom, das ganz langsam ijb schleichend auftritt, sich weder durch Schmerzen er andere Belästigungen ^u erkennen gibt und her meist erst dann zu ärztlicher Behandlung hrt, wenn der Erkrankte eine merkliche Beein- jchtigung seiner Sehkraft wahvnimmt. Auch dann es für die Behandlung noch nicht zu spät; aber sind in diesem Stadium schon Zerstörungen des ehnervs vor sich gegangen, die nicht mehr zu beben sind. Der vom Grünen Star Befallene wird if sein Leiden erst aufmerksam, wenn er gelegent- h einen Schleier vor den Augen zu bemerken aubt, oder wenn er Lichter von Regenbogenfar- n umgeben sieht. Da das Glaukom zwar meist ide Augen, aber gewöhnlich zuerst das eine stär- r als das andere befällt, so kommt es ost vor, iß der Patient die durch die Erkrankung erfolgte ehschädigung des einen Augen erst sehr spät und Jr zufällig wahr nimmt, wenn er das bessere Auge udeckt oder schließt und nur durch das bereits irker in Mitleidenschaft gezogene sieht. Er be- erkt dann, daß das Gesichtsfeld stark eingeengt t, und daß - die Sehstärke des erkrankten Auges cheblich abgenommen hat.
In solchen Fällen ist keine Zeit zu verlieren; es uß unverzüglich der Augenarzt zu Rate gezogen werben; denn nur durch sofortige operative Be- andlung kann dem gefährlichen Leiden Einhalt etan werden. Es ist eines der größten Verdienste kbrecht van Graefe, des berühmten Berliner ugenarztes und Vaters der modernen Augenheilande, daß er einen operativen Eingriff gezeigt at, durch den der Grüne Star rechtzeitig In seinem sörtschrciten mstgehalten wird. Diese Operation esteht in der sog. Iridektomie, der Ausscheidung mes kleinen dreieckigen Stückchens aus der Regen- ogenhaut. Dadurch werden der Augenflüssigkeit einstigere Abflußbedingungen verschafft, wodurch ich der Druck ihn Innern^ des Auges verringert. Ins diese Weise werden die lichtempfindlichen Dr= ane des Augenhintergrundes, Netzhaut und Seh- derv, vor weiterer Zerstörung bewahrt, wogegen eitler das Glaukom stets zu unrettbarer Erblin- hUing geführt hat.
Sm allgemeinen tritt der Grüne Star erst in vorgerücktem Lebensalter, und zwar bei Personen Mischen dem 50. und dem 70. Jahr auf. Gelegentich werden aber auch jüngere Personen vom Glau- om befallen, namentlich dann, wenn andere vor- lusgegangene Erkrankungen, z. B. das Trachom, üe gefürchtete ägyptische Augsnkrankheit, zu einer Drucksteigerung im Auge Anlaß gegeben haben. Auch die Regenbogenhautentzündung, die Verwachsungen des Pupillenrandes auf der Linse hinterlassen kann, schafft nicht selten die Vorbedingungen für die Drucksteigerung im Auge.
Neuerdings ist man geneigt, im Glaukom nicht lediglich eine lokale Erkrankung des Auges zu sehen, sondern in allgemeinen Störungen des Kreislaufes und der Hormonbildung die eigentliche Ursache der Dvucksteigevung im Innern des Auges zu suchen. Es wäre aber verfehlt, über der Bekämpfung dieser noch keineswegs ausreichend geklärten Kreislaufstörungen die das Augenlicht rettende Iridektomie zu verzögern.
Neben dem operativen Eingriff ist eine dauernde medikamentöse! Behandlung angebracht, die in der Einträufelung von Pilokarpien in die Augen besteht. Sie muß ständig und täglich, auch mehrmals am Tage, fortgesetzt werden, da sich die Wirkung des Mittels stets nur auf einige Stunden beschränkt. Bei schon in jüngeren Jahren operiertem Glaukom wird meist nach längerer Zeit, etwa ■ nach einem Jahrzehnt, die wiederholte Vornahme der Iridektomie erforderlich; jedenfalls müssen Personen, die einmal am Grünen Star gelitten haben oder operiert worden sind, dauernd in augenärzt- licher Beobachtung bleiben.
ICiäbtiset als Kachsolgev LU Savones
Kaum ist der berüchtigte Gangster-Führer Al Eapone unschädlich gemacht, schon hat er einen Nachfolger bekommen. Jimmy Brown, ganze 16 Jahre alt, hat ganz nach dem Vorbild der berüch- tigsten Gangster eine Räuberbande von Halbwüchsigen organisiert. Er ist zwar noch ein schwächlicher «kleiner Kerl, aber trotzdem schon ein „schwerer" Bursche, der in der Unterwelt seinen Mann stellt und von der Polizei durchaus ernst genommen imirib. Die Raubüberfälle, die von ihm inszeniert wurden, bisher schon 18 an der Zahl, sind mit einer seltenen Verwegenheit ausgeführt worden. Er ist stets schwer bewaffnet und als er kürzlich einmal verhaftet wurde, fand man sechs geladene Revolver bei ihm. Zweimal schon wurde er in einer Zwangsarbeitsanstalt auf Welfare Island interniert. Beide Male sägte er die Riegel an seiner Zelle durch, schwamm über den East River und enttarn nach Manhattan. Wenn dann am selben Mond noch ein tollkühner Raubüberfall geschah, so
Das „vevbvethevsllM" im Hafen von Gdingen
Warschau, 11. Mai. Das vielgenannte Deportiertenschiff Chaco lief gestern den polnischen Hafen Gdingen an. Mit den polnischen Hafenbehörden begaben sich auch der argentinische Honorarkonsul und der Gdinger Hafenarzt an Bord. Die ärztliche Untersuchung ergab, das sämtliche Insassen des von sensationslustiger Phantasie mit Schauerromantik umgebenen Schiffs sich ausgezeichneter Gesundheit erfreuen. Im ganzen befinden sich noch 14 Verschickte an Bord. Neun von ihnen wurden als polnische Staatsangehörige anerkannt und in das Gdinger Untersuchungsgefängnis übergeführt. Sofern sie wegen in Polen begangener Verbrechen
Die „alückbaNe" und die
„gwEioie"
In einem Zuchthaus des Staates Tennessee wurde vor einigen Tagen ein weiblicher Sträfling eingeliefert, der wegen Totschlages eine zehnjährige Haftstrafe abzubüßen hat. Die oberste Beamtin dieses Frauengefängnisses, der die Papiere der neuen Insassin pflichtgemäß übergeben wurden, las sie mit der Anteilnahme, die sie den Schicksalen aller ihrer Obhut unterstellten Frauen entgegenbringt. Sie hatte den neuen Sträfling noch nicht gesehen. Als die Zuchthäuslerin der Gouverneurin am nächsten Tage bei dem Jnspektionsgang vorgeführt wurde, sah sie sie zuerst in der Reihe der übrigen weiblichen Sträflinge nicht. Aber bald fiel ihr auf, daß eine Frau sie gehässig betrachtete. Sie sah sie näher an und erkannte zu ihrem Entsetzen, daß es ihre eigene Schwester war, von der sie sich vor zehn Jahren in Feindschaft getrennt hatte. Damals liebten sie beide denselben Mann, aber Bessie, die jetzige Gefangene, war die schönere und sie hatte das Glück, dem Manne zu gefallen und von ihm geheiratet zu werden. Die Schwestern trennten sich als Feindinnen, denn beide waren aufeinander eifersüchtig, wenn auch Bessie dazu wenig Ursache hatte. Ruch, die ältere, widmete sich, um ihren Liebesschmerz zu vergessen, der sozialen und politischen Arbeit und gelangte nach erfolgreichem Wirken zu der Stellung einer Direktorin des Frauenzuchthauses. Sie wâr die glücklose Frau — wie sie sich stets nannte — und beneidete ihre jüngere Schwester um das große Liebesglück, das ihr selbst unerreichbar geblieben mar.- Seit jener Zeit hatte sie weder von ihrer Schwester noch von dem Mann etwas gehört. In tiefer Betrübnis ging sie jetzt nach der Inspektion in ihr Amtszimmer, um noch einmal die Papiere des neuen Sträflings durchzulesen. Hier fand sie die Aufklärung über das große „Glück", das ihre „glückliche"' Schwester erlangt hatte.
Schon nach wenigen Monaten wurde die Ehe geschieden, nachdem der Gatte das Vermögen seiner Frau verschwendet hatte. Er war ihr nicht nur un
wußte man, Jimmy Brown ist wieder frei! Er führte über feine Bande ein sehr strenges Regiment unb das war die Ursache, daß eine Meuterei gegen ihn ausbrach, die ihm fast das Leben gekostet hatte. Kurtz entschlossen sagte er sich von seiner Gesellschaft los und arbeitete auf eigene Faust. Ein ganzes Dete'ktivkorps ist ihm nun schon seit Tagen auf den Fersen und man erwartet, daß es bei seiner eventuellen Verhaftung zu einem erbitterten Kampf zwischen dem 16jährigen und der Polizei kommen wird.
Gin #t»$eß um 1 Million «fund
Nach 43 Sitzungstagen hat das Britische Oberhaus als höchste Gerichtsinstanz Englands unter dem Vorsitz des Lordschatzkanzlers soeben ein Urteil
Ssi^ MMa dritte in Deutschland gerauchte 316 Zigarette (mit 60^) âmââe CLUB
strafrechtlich zu verfolgen sind, bleiben sie in Haft, andernfalls erfolgt ihre Abschiebung in die Heimat- gemeinden. Zum Teil handelt es sich nämlich nicht um Leute, die eines kriminellen Verbrechens angeklagt werden, sondern um Handwerker und Arbeiter, die bei den letzten politischen Unruhen in Argentinien als Mitglieder radikaler Gewerkschaften an regierungsfeindlichen Kundgebungen teilgenommen hatten, daher dort aus die Schwarze Liste gesetzt und aus Argentinien verwiesen wurden. Wie der Kapitän des Schiffs erklärte, gedenkt er den Rest seiner „Fracht" teils in Memel, teils in englisches Häfen abzusetzen.
Schwester
treu, sondern er brachte die Frauen in ihr Haus. Auch jetzt noch nach der Scheidung kam sie nicht von ihm los. Er verstand es immer wieder, sich ihr zu nähern und ihr das Geld abzunehmen, das sie verdiente. Vor einigen Monaten machte er ihr den Vorschlag, aufs neue mit ihr eine Ehe einzugehen, und sie war töricht genug, seinen Versicherungen Glauben zu schenken, daß er ein neues Leben beginnen wolle. Tatsächlich heirateten sie zum zweiten Male. Aber jetzt wurde die Ehe ein wahre Hölle. Der Mann arbeitete nicht, sondern ließ sich von seiner Frau ernähren. Er hatte jetzt ein Heim, aus dem er nicht wieder vertrieben werden konnte. Er trank und mißhandelte seine Frau, daß sie ihn bat, sie wieder scheiden zu lassen. Aber er lachte nur und erklärte, daß er doch nicht so dumm sein und seine Ernährerin „entlassen" werde. Die Mißhandlungen wurden von diesem Tage immer schlimmer. So faßte die Frau den Entschluß, sich des Mannes zu entledigen. Sie erklärte ihm, daß sie ihn töten werde, wenn er nicht ihr Haus verlassen wollte. Aber er lachte nur und trank weiter. Eines Tages, als er wieder betrunken nach Haus kam, begoß sie ihn mit heißem Wasser. Er starb an den Brandwunden. Die Gouverneurin ließ ihre „glückliche" Schwester rufen und bot ihr die Hand zur Versöhnung. Sie beauftragte einen Anwalt alle gesetzlichen Schritte zu ergreifen, um eine Wiederaufnahme des Verfahrens durchzusetzen, da ihre Schwester offenbar in einer Art von Notwehr gehandelt hatte. Es war ein seltsames Wiedersehen, das die beiden Schwestern hier im Zuchthausamtszimmer hatten. Die jüngere erinnerte sich daran, daß sie stets die glückliche hieß, und man kann es ihr nachfühlen, wenn sie von der Sicherheit des Glückes nicht sehr viel hält. Sie erklärte, daß. sie ihre Tat nicht bedauern könne, denn sie habe die Hölle auf Erden gehabt und jetzt erst könne sie sich erlöst fühlen. Es ist zu hoffen, daß das Wiederaufnahmeverfahren ihr die Freiheit oder eine Minderung der Strafe bringen wird.
gefällt, das den Sensationsprozeß der Bank von Portugal gegen die Londoner Finna Waterlow, die den Druck von Wertpapieren als Spezialität betreibt, endlich zum Abschluß bringt. Der Prozeß ist eine der kostspieligsten und umfangreichsten Streitsachen, die die britische Gerichtschronik zu vermelden weiß. Im Jahre 1925 hatte die Bank von Portugal der Londoner Druckerei Waterlow den Auftrag erteilt, Banknoten im Nennbetrag von mehr als eine Million Pfund Sterling für ihre Rechnung herzustellen. Nicht lange darauf erhielt der Inhaber der Firma Waterlow den Besuch eines gewissen Marang, der unter Vorlegung einwandfreier Urkunden im Auftrag der Bank von Portugal einen Zusatzaustrag für den Druck weiterer Banknoten im Werte von 700 000 Pfund Sterling erteilte. Der Auftrag wurde auch ausgeführt, und die Firma übergab Marang die Banknoten, hatte es aber unterlassen,
vor der Ausführung des Auftrages eine schriftliche Bestätigung bei der Bank von Portugal einzuholcn. Im Besitz der Banknoten eröffnete Marang ein eigenes Bankgeschäft und brachte die Banknoten, die ihm die Druckfirmt leichtsinnigerweise ausgeham digt hatte, in Verkehr. Die Entdeckung des Schwindels erregte in ganz Europa ungeheures Aufsehen. Gleichwohl erklärte sich die Bank von Portugal, um eine Beunruhigung des Börsenmarktes, die ihrer Finanzlage schweren Schaden hätte bringen müssen, zu verhüten bereit, die ungültigen Noten anzuerkennen und gegen echte einzutauschen. So wurde der größte Teil der im Besitz Marangs befindlichen Banknoten aus dem Verkehr zurückgezogen. Für die Bank von Portugal bedeutete das einen Verlust, der auf eine runde Million Pfund Sterling geschätzt wurde. Angesichts dieses Verlustabschlusses machte sie die Firma Waterlow für den entstandenen Schaden verantwortlich und erzielte auch ein Urteil zu ihren Gunsten, das ihr einen Schadenersatz von 569 000 Pfund Sterling zusprach. Aber Waterlow gab sich mit diesem Spruch nicht zufrieden, verpflichtete vielmehr die besten Advokaten zur Vertretung seiner Sache und legte gegen das Urteil Berufung ein. Die Berufungsinstanz wies den Antrag auf Aufhebung des ersten Urteils zurück, ermäßigte aber die Schadenssumme von einer halben Million auf 300 000 Pfund Sterling, toie begründete die Milderung damit, daß auch die Bank von Portugal sich der Fahrlässigkeit schuldig gemacht hatte und deshalb einen Teil des Schadens zu tragen habe Statt sich bei diesem Urteil zu beruhigen, appellierte Waterlow in letzter Instanz an den Obersten Gerichtshof. Auch die Bank von Portugal legte bei der Lordkammer Berufung ein. Von den fünf Lords, die als Mitglieder des Obersten Gerichtshofes das Endurteil fällten, sprachen sich drei zugunsten der Bank von Portugal und zwei 311' qunften der Firma Waterlow aus. Das Urteil erkennt nicht nur die volle Verantwortung der Druckfirma an, sondern erhöht auch die Summe, die diese der Bank schuldet, auf 610 392 Pfund Sterling und legt der schuldigen Firma gleichzeitig dre Tragung der Prozeßkosten auf. Diese sind naturgemäß nicht gering Sie werden insgesamt, unter Einrechnung der Honorare für die Rechtsvertreter, auf 150 000 Pfund Sterling geschätzt, wovon 100 000 aus Die eigentlichen Gerichtskosten entfallen, die zu Lasten der verurteilten Firma Waterlow gehen.
Mussâl übet die Halienütbe Lluswandevuns
Dem Problem der Auswanderung widmet Mussolini ständig seine Aufmerksamkeit. Erst kürzlich hat er sich wieder über diese, »ürade in Italien brennende Frage ausführlich geäußert. „In der Lamwirtschaft",führte er aus, „hat man das Fundament der Zivilsation zu suchen.- Wenn ein Volksstamm die Weidebestände eines Geländes erschöpft hatte, so brach er auf und zog weiter. Das war der Beginn der Auswanderung. Lange -deck gehörte sie weiterhin regelmäßig zum Leben der Dot- ker- aber sie ist heute nur noch eine Ausnahme und nicht mehr die Regel. Seit der Entdeckung Ameri- kaz hat sich das Phänomen der Auswanderung kompliziert. Amerika war das Sammelbecken für den Uebersluß an Menschen geworden unb bildet das Ziel friedlicher Invasion von Einzeleinwan- berern. Heute schließen die fruchtbaren überseeischen Gebiete, besonders Australien und die Vereinigten Staaten, ihre Tür und rufen den Einwanderern aus der alten Welt, die ungeduldig an die verschlossenen Tore hämmern, ohne Erbarmen zu: „Hier kommt niemand hinein!" In Italien betrug im Jahre 1870 die Zahl der Einwohner etwa 26 Millionen; die Regierung wies schon damals darauf hin, daß Italien übervölkert und deshalb eine systematische Auswanderungspolitik erforderlich fei, die für den wachsenden Ueberschuß an Menschen einen Abfluß finden müsse. Die Auswanderung erfolgte denn auch in übergroßem Maße. Nichtsdestoweniger erhielt sich der Menschen-Ueberschuß, und heute zählt Italien 43 Millionen Einwohner, deren Lebenshaltung die des Jahres 1870 um das Doppelte übertrifft. Die große Gefahr droht von der 'industriellen Entwicklung, während der einzig wahrhafte und zuverlässige Reichtum derjenige ist, der uns von der Erde, vom Boden- gespendet wird. Hier ist die Quelle der wahren Kapitalbildung. Unser Ideal ist eine ausreichende Produktion, die es jedem Italiener ermöglicht, das Brot zu essen, das fein Vaterland hervorgebracht hat. Die Italiener sind bereis auf zahlreichen Gebieten, die anderen gehören, die Pioniere; sie werden es erst recht in einem Territorium sein, das als Kolonie unter der Oberhohheit des Mutterlandes steht. Der Wunsch der großen Nationen unserer Zeit nach Kolonien ist nichts anderes als eine neue Form des alten, ewigen Bedürfnisses nach Raum, das schon die Völker der Vergangenheit auf den Weg der Auswanderung gedrängt hat".
Äffen als Münrvvüfev
Wie ein verspäteter Aprilscherz mutet die Nachricht aus Siam an, nach der in den großen Banken des Landes Affen in Dienst genommen werden! Jede Bank hat einen Affen oder zwei, die in dor Nähe des Schalters fitzen und den Kassierern wertvolle Dienste leisten. Die eingezahlten Münzen nämlich gibt der Beamte dem Affen weiter. Dieser nimmt die Geldstücke zwischen die Zähne und beißt an ihnen kräftig herum. Ist die Münze echt, so geht sie aus der Probe unversehrt hervor; ist sie falsch, so weist das Metall Schäden auf. Da gerade in Siam große Mengen gefälschter Geldstücke umlaufen, haben die „Bankaffen", täglich viel zu tun. Als ,Gehalt" empfangen sie gute Behandlung, natürlich trägt die Bank die Kosten für Nahrung und Pflege, und die früheren Beisitzer erhalten alle Auslagen für die Aufzucht der Tiere zurück.
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