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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Sezugspreis: Für den halben Monat 95 R-Pfg., für den ganzen Monat RM. 1.90 ohne Trägerlohn / Einzelnummer 10 R-Pfg., Samstag 12 R-Pfg. / Anzeigenpreise: Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Äreite 8 R-Pfg., im Reklameteil von 68 mm Sreite 25 R-Pfg. ✓ Osfertengebühr 50 R-Pfg.
He. 104
Mittwoch, de«
Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. ' Sei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw.^hat der Äezleher keinen Anspruch auf Lieferung oder Rachliefemng oder aus Rückzahlung des Sezugspreises. / Fürplatzvorschn'ft u. Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet./Geschäftsstelle: Hammerstr. S / Feruspr. 3956,3951,3958
4. Mai
1932
Ltuftimmigsetten im Reichskabinett
Dev Rekchswkvtschaftsmknkftev gegen die vevküvrte SlebeitSrett - «Sektvitt des Reichswirtschakts- miniftevs — Als Nachfolger wird Dv. Goevdelev genannt - -Keine KüBwivLuns auf den Veftand des -Kabinetts
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* Das Wahlprüfungsgericht beim Reichstag hat die Wahl Hindenburgs für gültig erklärt.
Das anhaltifche Staatsmimsterium hat eine Ergänzung zur Reichssparnatverordnung erlassen, in der es bestimmt, daß die für Staatsbeamten getroffene Regelung der Bezüge auch für Beamten der Körperschaften des öffentlichen Rechts, die der Staatsaufsicht unterliegen, maßgebend sei. Die Verordnung sieht weiter die Aufhebung der Beför- derungssperre vor und führt eine Souderabgabe auf die Einnahmen der Notare ein. Diese Gebühr beginnt mit 5 Prozent bei 50 RM vereinnahmter Vergütung und endet mit 50 Prozent bei den Vergütungen, die 50 000 RM übersteigen.
Der ehemalige Reichsaußenminister Dr. Curtius wird Mitte Mai nach Moskau reisen, um in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Gesellschaft zum Studium Osteuropas die augenblickliche wirtschast- Ache und politische Lage der Sowjetunion zu prüfen.
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* Nach dem Ausweis der Reichsbank vom 30. ■ April haben sich die Goldbestände um 1,1 auf 858,9 Millionen RM verringert. Die Notendeckung ist von 25,5 in der Vorwoche auf 24,0 v. H. zurück- gegangen. , *
♦ Der Reichsstädtebund teilt mit, daß er sich unter Hinweis auf die Notlage der Kommunen mit einer Eingabe an das Reichsfinanzministerium gewandt habe, in der Anregungen für gesetzliche Maßnahmen enthalten seien, um die Städte lebensfähig zu erhalten. *
Im Prozeß gegen die Direktoren Dhode und Janssen von der zusammengebrochenen Zentralbank für Grundbesitz, Handwerk und Handel in Kiel wurden gestern wegen fortgesetzten gemeinschaftlichen Betruges und Untreue, Urkundenfälschung, Vergehen gegen das Depotgesetz und Bilanzverschleierung Thode zu zwei Jahren Gefängnis und 500 RM Geldstrafe, Janssen zu zwei Jahren neun Monaten Gefängnis und 1500 RM Geldstrafe verurteilt. x '
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Der Beginn des voraussichtlich mehrere Monate dauernden Prozesses gegen das Direktorium der Deutsch-Evangelischen Heimstätten - Gesellschaft, das wegen Untreue, Betruges, Urkundenfälschung und Bilanzverschleierung angeklagt ist, ist jetzt auf den 18. Mai vor der Großen Strafkammer des Landgerichts I anberaumt worden.
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* Der Dichter Anton Wildgans ist in Mödlingen bei Wien gestorben.
Die beunruhigenden Gerüchte, die von der Gefahr einer Erblindung Macdonalds zu berichten wissen, stimmen, wie man erklärt, mit den Tatsachen nicht überein. Es besteht kein Grund, daran zu zweifeln, daß ihm, natürlich bei Anwendung der notwendigen Sorgfalt und Achtsamkeit, seine Augen noch auf lange Jahre hinaus ihren Dienst leisten.
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. Vertreter der Royal Dutch-Shell, der Anglo Persian und der Burmah Oil sowie der Standard Oll-Gesellschaft befinden sich auf dem Wege nach Newyork, um hier über die Stabilisierung des Petroleummarktes zu verhandeln. Außerdem treffen heute die Vertreter der sowjetrussischen Petroleum- industrie in Newyork ein, deren Anwesenheit man als von besonders großer Bedeutung für das Gelingen der Verhandlungen bezeichnet.
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100 chinesische Studenten, die mit den Bestimmungen des chinesisch-japanischen Abkommens nicht einverstanden sind, drangen in das Haus des chinesischen Hauptdelegierten Ouotaichi ein und überfielen ihn. Ouotaichi wurde verletzt.
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Ministerpräsident Tardieu wird "vermutlich heute abend im Rundfunk feine letzte Wahlansprache halten. Wie Havas meldet, beabsichtigt er, etwa cm 12. Mai nach Genf zu reifen.
Wie „Daily Telegraph" aus Manchester meldet, hat die Vereinigung der Baumwollindustriellen gestern beschlossen, alle mit den Genossenschaften abgeschlossenen Verträge zu kündigen.
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Wie die Agentur Jndo Pacifique aus Schanghai berichtet, soll die Wasfenstillftandskonferenz verschoben worden sein, da die japanische Delegation auf Weisungen ihrer Regierung über den Vergleichsvorschlag wegen der südlich des Sutschauslusses liegenden chinesischen Truppen warte.
Gegensätze
Warmbold-G<egerwa>d
Berlin, 4. Mai. Die Elakberakungen des Kabinetts haben für die breitere Oeffent- lichkeit etwas überraschend zu einer Teilkrise im Kabinett geführt. 3n eingeweihten politischen und wirtschaftlichen Kreisen war man über die Gegensätze, die im Kabinett über verschiedene wirtschaftspolitische Pläne bestehen, allerdings schon seit einiger Zeit unterrichtet. Diese Differenzen innerhalb der Regierung werden zu dem Rücktritt des Reichswirtschaftsministers Dr. Warmbold führen.
Zwischen dem Reiichswirtschaftsminister Dr. Warmbold und dem Reichsarbeitsminister Stegerwald haben bereits früher wiederholt Gegen
sätze bestanden, die im Kabinett zu ernsten Meinungsverschiedenheiten über die wirtschafts- uüd sozialpolitischen Maßnahmen der nächsten Zeit geführt haben. Reichswirtschaftsminister Dr. Warmbold steht im Gegensatz zu dem Plan eines umfassenden Arbeitsbeschaffungs-Programms, da er durch die überflüssige Inanspruchnahme der flüssigen Geldmittel ungünstige Rückwirkungen auf die jetzt bestehende Flüssigkeit des Geldmarktes befürchtet. Außerdem lehnt er eine schematische Regelung der der Arbeitszeitfrage durch Einführung der 40-Stun- den-Woche ab, west er hiervon eine Schädigung der Betriebe befürchtet, die zurzeit mit dringenden Aufträgen beschäftigt sind. Roichswirtschaftsminister Warmbold hat bereits am Montag dem Reichskanzler seine Absicht mitgeteilt, sein Amt nieder- zulegen, und er hat sich auch an den Kabinettsberatungen am Montag und Dienstag nicht mehr beteiligt.
Der Rücktritt des Reichswirtschaftsministers muß, wenn auch die formelle Demission im Augenblick noch nicht vorliegt, als eine feststehende Tatsache angesehen werden. Die Entscheidung wird am Mittwoch fallen. Als Nachfolger kommen der Leipziger Oberbürgermeister Dr. G o e r d e l e r, der einige Zeit als Reichskommissar für Preisüberwachung tätig war und der Staatssekretär im ReichswirtschaftsministoNium, Dr. Trendelenburg, in Frage. Im Laufe des Dienstag schien es, als ob die Teilkrise innerhalb der Regieruung den Bestand des Kabinetts Brüning überhaupt gefährden könne. Die Gefahr einer allgemeinen Regierungskrise darf aber als 6 e s e i t i g t g e l - t e n. Der Reichskanzler wurde vom Reichspräsidenten von Hindenburg zum Vortrag über die innerpolitische Lage empfangen. Die Aussprache, die etwa eine Stunde dauerte führte zu einer vollen Uebereinstimmung zwischen dem Reichspräsidenten und .Reichskanzler. In der Wilhelmstraße wird versichert, daß der Reichskanzler nach wie vor das uneingeschränkte Vertrauen des Reichspräsidenten genießt. Der Rücktritt des Reichsmirtschaftsmini- sters wird also keine Rllckwirukngen auf die innerpolitische Lage und die Stellung des Kabinetts Brüning häben.
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Der „Deutsche Zeitungsdienst" meldet hierzu noch ergänzend: Die wirtschaftlichen Differenzen innerhalb des Reichskabinetts haben sich, wie es scheint, besonders scharf zwischen dem Wirtschaftsminister Warmbold und dem Arbeitsminister
Stegerwald zugespitzt. Man weiß, daß das Reichskabinett in dieser Woche ein Arbeitsbeschaffungs- Programm aufstellen will, das zum Teil durch eine steuerfreie Prämienanleihe finanziert werden soll. Für dieses Programm setzt sich vor allen Dingen der Arbeitsminister Stegerwald ein, der ja schon wiederholt dem Verlangen der Gewerkschaften nach Beschaffung „zusätzlicher Arbeit" zur Beschäftigung von Erwerbslosen und nach einer allgemeinen Verkürzung der Arbeitszeit seine Unterstützung zugesagt hat. Der Reich swirtschastsminister vertritt eine weniger entgegenkommende Auffassung. Man kann annehmen', daß er in diesen Plänen kein' wirklich brauchbares Mittel zur Belebung der Wirtschaft ÄS zur Behebung der Arbeitslosigkeit erblickt. Auch der Reichsfinanzminister Dietrich scheint Bedenken zu haben. Ihm macht wahrscheinlich die Frage einiges Kopfzerbrechen, wie die steuerfreie Anleihe verzinst Und zurückgezahlt werden soll. Warmbold hat den letzten Kabinettssitzungen nicht mehr beigewohnt. Er scheint sich also mit seiner Auffassung im Kabinett in der Minderheit zu fühlen. Es wird behauptet, Warmbold sei auch an den politischen Differenzen innerhalb des Kabinettes beteiligt. Hier dreht es sich vor allen Dingen um die Stellung des Reichsinnenministers Groener, der die Initiative zum Verbot der nationalsozialistischen Sturmabteilungen ergriffen hat und der sich jetzt weigert, gegen das Reichsbanner als die militärisch gegliederte Schutztruppe der Sozialdemokratie vorzugehen. Es wird versichert, Warmbold weiche in seinem Urteil über die Behandlung dieser ganzen Angelegenheit von der Auffassung Groeners ab.
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Die heutigen Berliner Morgenblätter beschäftigten sich sehr ausführlich mit dem bevorstehenden Rücktritt des Reichswirtschaftsministers Warmbold und erörtern die Frage, ob sich aus diesem Rücktritt irgend welche politische Auswirkungen für die Erhaltung des Gesamtkabinetts ergeben werden. Hinsichtlich der Nachfolge für Dr. Warmbold wird fast allgemein der Name des Leipziger Oberbürgermeisters Dr. G ö r d e l e r genannt. Die Gründe für den Rücktritt des Wirt- fchaftsminlsters sehen die meisten Blätter darin, daß zwischen Dr. Warmbold und den übrigen Ministern, insbesondere dem Arbeitsminister Dr. Stegerwald, Meinungsverschiedenheiten über die Pläne zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und zur Arbeitsbeschaffung bestehen.
Der „Berliner Lokalanzeiger" will wissen, daß außerdem auch noch Differenzen zwischen Dr. Warmbold und dem Finanzminister Dr. Dietrich über die Auswirkungen der letzten Notverordnungen auf die Wirtschaft Anlaß für den Rücktritt des Wirtschaftsministers gewesen sei.
„V o s s i s ch e Zeitung", „Berliner Tageblatt" und „Börsen - Cour-er" be tonen, ebenso wie die „Germania", daß das Ausscheiden Warmbolds keine Aenderung der politischen Linien des Reichskabinetts bedeutet. Darüber hinaus unterstreichen die genannten Blätter unter Hinweis auf den gestrigen Besuch des Reichskanzlers beim Reichspräsidenten erneut die Tatsache, daß alle Krisengerüchte, die in den letzten Tagen im Zusammenhang mit dem Namen des Ministers Groener aufgetaucht sind, völlig gegenstandslos sind.
In einem gewissen Gegensatz dazu steht die „Deutsche Allgemeine Zeitung", die meint, daß man dem Rücktritt des Reichswirtschaftsministers keinesfalls mehr als einen einfachen Personenwechsel betrachten und behandeln könne. Die Frage, vor die die gesamte deutsche Politik heute gestellt sei, sei die F r a g e d e r Loslösung von der Sozialdemokratie. Nachdem die Weimarer Koalition durch die Niederlage Brauns erledigt sei, sei auch im Reich die Lage gänzlich verändert.
Spannung km Offen
„Die Landtagswahl hat das rein deutsche Gesicht des Memelgebietes gezeigt und bedeutet den moralischen Verlust des Memellandes für Litauen" — so schrieb der frühere litauische Diktator Woldemaras über die Memellandwahl von 1925. Aber jene sieben Jahre alte Feststellung eines litauischen Politikers gilt auch für jede seitdem abgehaltene Memelwahl trotz aller Bemühungen der litauischen Behörden, die Wahlergebnisse zu beeinflussen, das deutsche Element durch Wahlkreisgeometrie, durch ungesetzliche Einbürgerungen, durch militärische Zwangsmaßnahmen zurückzudrängen. Von Wahl zu Wahl haben diese litauischen Anstrengungen den natürlichen nationalen Charakter des Memellandes zu verfälschen zugenommen, bis man bei der jetzigen Landtagswahl, die am heutigen Mittwoch stattfindet, zu offenen Ungesetzlichkeiten geschritten ist. Die Auflösung des alten memel- ländischen Landtages, die Ausschreibung von Neuwahlen waren bereits ungesetzliche Akte, die als rechtsungültig betrachtet werden konnten. ehe noch die Bestrebungen der litauischen Militärbehörden einsetzten unter Umgehung der Wahlgesetze das Resultat der Wahlen im großlitauischen Sinne zu verändern. Zunächst sind dabei ganz ähnliche Mittel angewandt worden wie schon bei der vorigen Landtagswahl vom 10. Oktober 1930. Damals wurde erst durch eine Uebereinkunst zwischen Dr, Curtius und dem litauischen Außenminister Zaunius eine Sicherheit dagegen geschaffen, daß Masseneinbürgerungen von Litauern im Memelgebiet das Wahlresultat verändern konnten. Und es bedurfte erst dieser Ueber- einkunft, um eine paritätische Zusammensetzung der Wahlkreiskommissionen und der anderen Wahlbehörden herbeizuführen. Diesmal hat man die im Jahre 1930 schon angewandten Methoden in größtem Maßstabe durchgeführt. Masseneinbürgerungen von Litauern sind vorgenommen worden, ohne daß irgend ein Stichtag für die Erwerbung des memelländischen Bürgerrechts und damit auch des Wahlrechts aufgestellt wurden. Die Demarche der Unterzeichner des Memelstatuts haben zwar dazu geführt, daß wenigstens dis planmäßigen Störungen deutscher Wahlversammlungen vorübergehend aufhörten, aber noch im letzten Augenblick hat man eine offiziell natürlich schwer nachweisbare Aktion zur Veränderung des Wahlresultats unternommen, indem man für die memelländische Volkspartei, d. h. die wichtigste deutsche Partei des Memelgebietes, 50 000 doppelseitig bedruckte und deshalb ungültige Wahlzettel verschickte. Bei dem memelländischen Wahlverfahren, das bei der Stimmabgabe für jede Partei einen besonderen Wahlzettel vorschreibt, konnte das zur Ungültigkeitserklärung zahlreicher deutscher Stimmen beitragen. Man darf sich in den maßgebenden litauischen Kreisen nicht darüber täuschen, daß die Wahlvorgänge im Memelgebiet diesmal gründlicher beobachtet worden sind als in früheren Jahren. Seit sich das Interesse am Memelgebiet gesteigert hat, befin- det sich eine große Zahl ausländischer Pressevertreter im Memelgebiet und sie werden besonders auch die kleineren Orte und die ländlichen Gemeinden auf Wahlbeeinflussungen und Wahlterror genau überprüft haben, so daß ganz abgesehen von der Ungesetzlichkeit, die schon in der Landtagsauflösung lag, ausreichendes Material über das Vorgehen der litauischen Behörden zur Verfügung stehen wird. Man muß hoffen, daß der Internationale Haager Schiedsgerichtshof, dem ja die Verstöße Litauens gegen das Memelstatut jetzt zur Entscheidung vorliegen, möglichst bald zum Beschluß kommen wird.
Es hat sich in einem anderen Fall der deutschen Minderheitenpolitik im Osten gezeigt,
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