Anzeiger für^
Hanau Stadt und Land
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1632
Die Sammlungsversuche in Preußen
Gesenvvvschlas Dinseldeps a« Sugenbevs - Neutschnationale Absage an Dingeldev
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I Wie wir erfahren, wird von den vom Kanzler m dieser Woche gehaltenen Reden die Königsbergei Rede am 9. April auf alle deutschen Sender übertragen werden. Die übrigen Reden werden jeweils von den lokalen Sendern übertragen werden.
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Die Mitglieder der deutschen Delegation auf der . Londoner Konferenz, Staatssekretär v. Bülow, Ml> nisteviMirektor Dr. Posse und Gehaimrat Wiehl «werden heute vormittag in Karlsruhe eine Zusammenkunft mit Reich-kanzler Brüning haben, in 1 der die deutsche Haltung auf der Londoner Konferenz erörtert werden soll. Von Karlsruhe aus werden die deutschen Delegierten sofort die Weiterreise nach London' anfreten.
Im 79. Lebensjahr ist in der 9lad)t zum Mdntag Geheimrat Professor Dr. Willi Ostwald, der berühmte Begründer der energetischen Weltanschauung, gestorben.
Das Oberlandesgericht in Rostock hat die Beschwerde der Verteidigung wie die der Staatsanwaltschaft gegen den die Wiederaufnahme des Ia- tubowski-Prozesses ablehnenden Beschluß der Strafkammer in Neustrelitz ohne weitere Begründung F âbgelehnt. Damit sind die Wiederaufnahmeanträge, ; die die Verteidigung zugunsten des am 15. Februar 1926 wegen Ermordung des Ewald Nogens Hin- gerichteren Josef Jakubowski stellte, erledigt.
Plü einer Schlägerei, die sich gestern früh in Berlin zwischen Kommunisten und Nationalsozia- ( Listen entwickelte, wurden von der Polizei fünf Nationalsozialisten und ein Kommunist zwangsgestellt . Die Zahl der vom Samstag bis gestern von der politischen Polizei zwangsgestellten Personen hat sich damit auf 56 erhöht, darunter 32 Kommu- ' nisten und 22 Nationalsozialisten.
Der Hindenburg-Ausschuß in Koburg teilt mit, daß in Koburg auch für den zweiten Wahlgang die , städtischen Anschlagstafeln nicht zur Verfügung gestellt würden, weil nach einer Mitteilung des k städtischen Verkshrsbüros die Tafeln bereits bis x zum 10. April besetzt seien.
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* Das Luftschiff „Graf Zeppelin" ist heute früh zur zweiten Amerikafahrt gestartet.
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Bei den Abbrucharbeiten des Frühling-festes in Hannover, riß sich der Bär eines Schaustellers los. Ein Knabe wurde von dem wütenden Tier durch Prankenhiebe am Kopf schwer verletzt. Ein «chupobeamter tötete den Bären durch einen Schuß.
* Elly Beinhorn ist in Sidney eingetroffen und hat damit ihr Ziel endgültig erreicht.
Die einzelnen litauischen Parteien haben beschlossen, zu den bevorstehenden Memel-Landtagswahlen eine einheitliche Liste auszustellen. Dagegen scheint die bei den letzten Memel-Laudtags- wahlen durchgefallene litauisch eingestellte Wirt- fchastspartei sich in zwei Lager zu spalten, und zwar in die landwirtschaftlichen und gswerkschaftlichen Kreise.
Die Mehrheitsparteien des aufgelösten memel- ländischen Landtages haben beim Staatspräsidenten der Republik Litauen Beschwerde und Protest gegen die Verordnungen des Präsidenten des me- melländischen Direktoriums, Simaitis, erhoben. Bekanntlich hat das Direktorium.Simaitis mit überwältigender Mehrheit gegen die 5 Stimmen der litauischen Fraktion das Mißtrauensvotum erhalten. Infolgedessen betrachten die bisherigen Mehrheits- Parteien die Verordnungen, die nur durch ein ordentlich durch den Memellandtag anerkanntes Direktorium erlaßen werden können, als mit dem Memelstatut nicht vereinbar.
Der französische Ministerpräsident Tardieu hat gestern um 22.30 Uhr die Rückreise nach Paris cm- getreten. *
Die Pariser Theater und Kinos schließen heute abend zum Zeichen des Protestes gegen die Re- gierungsbeschlüjse auf 24 Stunden. Die Tanz- und Nachtlokale haben sich dem Vorgehen angeschlossen.
Das. amerikanische Repräsentantenhaus nahm die Gesetzesvorlage an, daß den Philippinen „nach acht Jahren die politische Unabhängigkeit gewährt werden soll. *
Wie aus Schanghai gemeldet wird, ist die chinesisch-japanische Konferenz gestern nachmittag zusammengetreten. Eine Verständigung wurde bis jetzt nicht erzielt.
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Gegenvorschlag DingeideyS
Berlin, 4. April. Der Führer der Deulschnationalen Volksparkei Halle öffentlich den Vorschlag gemacht, daß bei den Preußenwahlen die Deutsche Volkspartei, das Landvolk und die Wirtschaftsparkei mit den Deutfchnalionalen ein Wahlbündnis eingehen sollten, und zwar in der Form, daß die Reststimmen der anderen Parteien auf die deutschnationale Landesliste verrechnet werden und auf dieser Liste als Gegenleistung eine Anzahl Vertreter der anderen Parteien sichere Plätze erhalten sollten. Rach dem die Deutsche Volkspartei bereits in einer öffentlichen Erklärung unmittelbar nach dem Angebot Hugenbergs festgestellt hatte, daß für sie keine Veranlassung vorliege, auf dieses Angebot einzugehen, veröffentlicht nunmehr der Führer der Deutschen Volkspartei, Reichstags abgeordneter Dingeldey, in einem Offenen Brief feine persönliche Antwort an den deutfchnalionalen Parteiführer.
In dem „Offenen Brief" Dingeldeys an Hugenberg heißt es u. a.:
Sie haben unterm 30. März eine öffentliche Aufforderung an die bürgerlichen Parteien rechts vom Zentrum gerichtet, bei den kommenden preußischen Wahlen ihre Reststimmen der Deutschnationalen
Partei zuzuführen für die Gegenleistung, auf der Landesliste der Deutschnationalen Partei einige Sitze zu erlangen, deren Inhaber dann yls Hospitanten der deutschnationalen Fraktion beitreten sollen.
Ich will auf die begeitenden Bemerkungen, mit denen Sie Ihren Vorschlag begründet haben, im Interesse der Sache heute nicht mehr eingehen. Ich entnehme aber zu meiner Genugtuung der Tatsache Ihres Vorschlages, daß auch Sie entgegen der bisherigen Taktik ersannt haben, daß eine Zusam- menfasfung der nationalen Kräfte des Bürgertums im Kampfe um Preußen und das Reich angesichts der drängenden Gefahren sozialistischer Bewegungen die Forderung des Tages ist.
Es geht ein starkes Sehnen durch das nationale Bürgertum in allen feinen Teilen, die großen staats- politischen Gesichtspunkte in diesem Augenblick in den Vordergrund zu stellen. Dabei muß das historische Recht und die politische Grundanschauung aller an dieser Zusammenarbeit beteiligten Parteien geachtet werden. Zur Erreichung des' Gesamtzieles aller bürgerlichen Kreise aber kann nicht die Rücksicht auf die eigenen Parteiinteressen entscheidend sein, sorchern die Ueberlegung: Welcher Weg kann unter Wahrung völliger Gleichberechtigung und unter Verzicht auf jedes verletzende Prestigebedürfnis die Erfassung aller nationaen bürgerlichen Stimmen sicherstellen?
Im mache folgenden Vorschlag:
1. Die DNVP. und die DVP. erklären sich bereit. an folgender Abmachung leilzunehmen:
Die in Betracht kommenden Parteien stellen in den Wahlkreisen eigene Listen auf. Die Wahlkreislisten werden in den Wahlkreisen untereinander verbunden, die Rest- stimmen gehen auf eine gemeinschaftliche preu- sische Landesliste.
2. Für die Aufstellung der gemeinschaftlichen Landesliste kann unter Verzicht auf kleinliche Parteivorteile kein anderer Ausgangspunkt ge- funden werdet,, als das Stäckevechällnis wie es sich nach dem Ergebnis der Reichstagswahlen vom September 1930 darfiellt.
Aussprache LNacdonald-Tardieu
keinerlei feste Abmachungen - Das Werk der Skev- mSchtekopfesem erleichtert?
London, 4. April Der französische Ministerpräsident Tardieu erschien um 9.30 Uhr im Auswärtigen Amt, wo er eine halbstündige Unterhaltung mit dem britischen Minister des Auswärtigen Sir John Simon führte. Beide Minister gingen dann um 10 Uhr zur Wohnung des Ersten Ministers. Die dort sofort begonnenen Besprechungen dauerten bis gegen 17 Uhr. Kurz darauf wurde folgende amtliche Erklärung heraüsgegeben:
„Die französischen und die britischen Minister trafen sich heute in Downingsstreel 10. Die Besprechungen dauerten von 10 Uhr morgens bis 1 Uhr mittags und von 2,30 Uhr bis 5 Uhr , nachmittags. Anwesend waren der Premierminister Tardieu, Flandin, der Staatssekretär des Aeußern. der Schatzkanzler und der Präsident des Handels- 1 amtes.
Bei den Erörterungen handele es sich in der Hauptsache um die wirtschaftlichen und finanziellen Schwierigkeiten, denen sich die Donaustaaten gegenüberfehen. Die Minister der beiden Länder waren der Ansicht, daß die Probleme, die sie untersuchten, nurdurch eine allgemeine Uebereinkunft internationalen Charakters gelöst werden könnten, und daß zu diesem Zweck enge und herzliche Zusammenarbeit zwischen den vier Mächten, die Mittwoch zusammentrelen, erfor- derlich sei. Angesichts des bevorstehenden Zufam- msntritts dieser Ksnfsrrnz versuchten sie mchß zu
3. Für den Fall Ihres Einverständnisses, das mir mit Rücksicht aus die drängende Zeit auch telephonisch übermittelt werden könnte, erkläre ich mich bereit, sofort eine Zusammenkunft bet Führer aller in Frage kommenden bürgerlichen Gruppen einzuberufen.
Meine Freunde würden sich für ein solches Zusammenwirken auf breiter Front unter Verzicht auf parteipolitische Geltungsbedürfnisse gern bereitstellen. Dagegen sind wir der Meinung, daß Wahlabmachungen auf anderer Grundlage, die nur einen Teil des nationalen Bürgertums erfassen, einen Erfolg in dem erstrebten Sinne nicht verbürgen können.
Deuisürnationâ Absage
Berlin, 4. April. Der von dem Reichstagsabgeordneten Dr. Dingeldey in seinem offenen Brief an Hugenberg gemachte Vorschlag, bei den Preußenwahlen eine Verbindung der Listen der DVP. und der DNVP. eintreten und die Reststimmen auf eine gemeinschaftliche preußische Landesliste gehen zu lassen, hat von d e u t s ch n a t i o n a l e r Seite eine glatte Absage erfahren. Zwar hat nicht Dr. Hugenberg, der gegenwärtig in Süddeut- schland wellt, persönlich diese Absage erteilt, sondern der Reichstagsabgeordnete Schmidt- Hannover, doch betont dieser ausdrücklich ist seinem Schreiben an Dr. Hugenberg, daß die seiner persönlichen Verantwortung entspringende' Stellungnahme als Erwiderung auf den offenen Bvief Dr/ Dingeldeys angesehen werden möchte.
Schmidt-Hannover weist in seiner Antworr darauf hin, daß es mit Rücksicht auf die kurze noch zur Verfügung stehende Zeit technisch unmöglich sei, „die etwa in Betracht kommenden, zu einer Rechts. Umstellung bereiten Gruppen für ernsthafte Bei» Handlungen zusammenzufassen". Da die DNVP. den Wahlkampf bereits begonnen und ihre Wahllisten veröffentlicht habe, so werde der „Offene Brief" Dr. Dingcldeys, der nach der bisherigen Haltung des Parteiführers der DVP. Überrascht habe, „von vielen nur _als ein Versuch ausgefaßt werden» sich in letzter Stunde der Veraytwor- t u n g für die Ablehnung des üeustchnationalen Sammlungsoorschlags zu enterehen."
irgendwelchen Schlußfolgerungen zu kommen, sie sind jedoch überzeugt, daß dieser Meinungsaustausch die Arbeiten der Konferenz erleichtern wird. Die englische und die französische Regierung teilen die Hoffnung, daß es sich als möglich erweisen möge, eilige gemeinsame Maßnahmen zu verabreden, die ferner eine wirtschaftliche Annäherung zwischen den Donaustaalen ermöglichen und die schließlich die Schaffung von Bedingungen erleichtern werden, die dazu angetan sind, das Gleichgewicht und - die Stabilität dieses Teiles Europas wiederherzustellen."
Au Seiner Entscheidung gekommen
London, 4. April, lieber die heutige Konferenz zwischen Macdonald und Tardieu verlautet von offizieller Seite, daß es zu keiner Entschei-
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Die Gespräche von London
Rückblickend muß man sich fragen: wozu eigentlich ist Herr Tardieu nach London gekommen? Nach seinen Erklärungen zu urteilen, die im übrigen von seinem englischen Kollegen bestätigt werden, soll die Unterhaltung in London nicht nur zu keinem Ergebnis geführt haben, sondern es war auch kein Ergebnis beabsichtigt. Weder wurden Beschlüsse gefaßt, noch irgendwelche Richtlinien entworfen. Man müßte sich also die Sache so oorstellen, daß Herr Tardieu vom unbezwingbaren Wunsch beseelt war, den lieben Mr. Macdonald zu sehen und ihm die Hand zu drücken. Dies getan, kehrts Tardieu nach Paris zurück.
Die unschuldsvolle Miene, die der französische und englische Ministerpräsident anläßlich ihrer Verhandlungen zur Schau trugen, kann niemanden über die Bedeutung dieser Zusammenkunft täuschen. Man glaubt den beiden Politikern gern, daß streng umriffene positive Ergebnisse nicht beabsichtigt waren und nicht erzielt wurden. Aus bitterer Erfahrung weiß man, daß großangelegte Konferenzen, die auf solche Ergebnisse hinarbeiteten, doch nichts erreicht haben. Es ist nicht einzusehen» aus welchem plötzlichen Grund die Hilflosigkeit der frührenden Politiker bei dem Herangehen einiger Schicksalsfragen der Gegenwart von heute auf morgen schwinden sollte. Auch diesmal dürften Tardieu und Macdonald nicht besser daran gewesen sein. Wichtig ist jedoch die Absicht, die die Londoner Vorbesprechung leitete.
Diese Absicht konnte nicht geheim bleiben* Andre Tardieu war bestrebt, eine französische englische Einheitsfront herzustellen, um die Beschlüsse sowohl der Donau-Konferenz wie der Lausanner Reparationskonferenz vom Juni vorwegzunehmen. Die Entente Cordiale, eine Schicksalsgemeinschaft zwischen Paris und London, das war der Traum des führenden französischen Politikers. England hat weder Ja noch Nein gesagt. London suchte auszuweichen, ohne allerdings den Franzosen ein Zusammengehen in vielen praktischen Fragen abzuschlagen. Es ist keine bedingungslose Unterwerfung, unter den Willen Frankreichs, aber es ist eine Uebereinstimmung, die Deutschland bald recht schmerzlich zu spüren bekommen wird.
Das englisch-französische Zusammengehen soll sich in der Donaufrage auswirken. In welcher Form? Zunächst einmal allein dadurch, daß die Donau-Union überhaupt verwirklicht werden könnte. Noch ist darüber nichts Genaues bekannt. Noch sind die Gegensätze auch innerhalb der Donau-Staaten größer als die einigenden Elemente. Aber es wäre für Frankreich schon viel gewonnen, wenn England sich in der Donau-Frage den französischen Standpunkt aneignen oder zumindest sich diesem Standpunkt nähern könnte.
Ist die englisch-französische Zusammenarbeit auf diese Weise erprobt, dann kann Frankreich hoffen, daß sie sich auch in Lausanne bewähren würde. Die Repurationsfrage harrt ihrer Endlösung. Das Hoover-Jahr ist bald zu Ende. An seine Erneuerung will Amerika nicht denken. Frankreich seinerseits betrachtet die Reparationsfrage und die Kriegschuldenfrags als ein Ganzes: solange Amerika auf die Erstattung der Kriegsschulden nicht verzichtet, kann Frankreich laut Ankündigung seiner Politiker auf Reparationen nicht verzichten. Es handelt sich dabei augenblicklich nur um eine Prinzipienfrage, denn Frankreich weiß sehr gut, daß Deutschland heute nicht in der Lage ist, die Houng-Zahlungen zu leisten. Aber das Prinzip der Tribute hält Frankreich aufrecht, solange Amerika auf die Kriegsschulden nicht verzichtet.
Es unterliegt keinem Zweifel, daß Tardieu, während seines Londoner Aufenthalts den Versuch unternommen hat, eine Kampffront
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