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Mittwoch, de«
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Y. März
1932
Der deutsch-russische WirtschastSverdehr
Ueue Russengavantie des Steichss in ASHe von 129 Mwtonen AM
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» Die Reichsregierung hat sich bereit erklärt, der Qnbujtrie weitere Garantiehilfe für neue russische Aufträge zu gewähren.
Reichspräsident von Hindenburg empfing gestern den Segelflieger Groenhoff, dem als erfolgreichsten Piloten für motorlosen Flug für das Jahr 1931 vom Preisgericht der Hindenburg-Pokal und der Höchstpreis für motorlosen Flug zu erkannt war.
Die unter starker Beteiligung der christlichen Gewerkschaften gebildete „Volksfront" erklärt: Der Aufruf zur Bildung einer geschlossenen Abwehr- sront hat im ganzen Lande stärksten Widerhall gefunden. In allen Bezirken von Rheinland und Westfalen ist die Formierung der Bereitschaften bereits erfolgt. Tatkräftige Männer stehen bereit, alle illegalen, verfassungswidrigen Angriffe aus Volk und Staat abzuwehren.
Die Massenversammlung im Berliner Lustgarten, zu der die KPD. gestern nachmittag ihre Anhänger aufgefordert hatte, nahm bei starker Beteiligung einen ungestörten Verlauf. Auch beim An- und Abmarsch ist es nirgends zu Zwischenfällen gekommen.
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Der Reichstagsabgeordnete Petzold, der bisher der Wirtschaftspartei angehörte, ist zur Zentrumspartei üb er getreten,
* Im ethnographischen Institut der Universität Göttingen wurden m der Nacht zum Dienstag ein Federmantel und eine Federhaube aus Hawai gestohlen, die beide etwa einen Wert von zwei Millionen RM haben sollen.
Staaitsminister Dr. Schlesinger erklärte im Hauptausschuß des Landtages von Mecklenburg- Schwerin, er werde dem Staatsniinisterium Vorschlägen, den Termin für die Landtagswchlen auf den 5. Juni festzusetzen. *
Eine Versammlung des Hamburger Gastwirte- gewerbes beschloß, den Bierstreik aibzubrechen.
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In der Münchener Druckerei des „Illustrierten Beobachters" erschien Kriminalpolizei und beschlagnahmte laut „Völk. Beobachter" die gesamte bereits fertiggestellte Auflage der Wahlpropagandanummer des „Illustrierten Beobachters".
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Der deutsche Botschafter v. Hoesch hat sich gestern nachmittag in die Wohnung Briands begeben und am Totenbett ein Bukett Parma-Veilchen nioder- gelegt. Der deutsche Botschafter hielt sich einige Minuten im Totenzimmer auf und verneigte sich vor der Leiche des französischen Staatsmannes. Im Laufe des gestrigen Tages defilierten 9000 Personen vor der Leiche Briands.
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Der 71 Jahre alte österreichische General der Infanterie Frhr. Karl v. Lukas, der frühere Kommandeur des 24. Armeekorps, wurde gestern abend gegen ^11 Uhr in seiner Wohnung in Zehlendorf, Burggrafenstraße 23, tot aufgefunden. Es liegt anscheinend ein Unglücksfall vor; der Tod ist auf Leuchtgasvergistung Mrückkuführen.
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Gerhart Hauptmann wurde gestern vom deutschen Botschafter von Prittwitz dem Präsidenten Hoover vorgestellt, der sich mit ihm durch Vermittlung des Botschafters längere Zeit angeregt unterhielt. *
Die ungarische und die italienische Regierung haben in Rom ein Abkommen unterfertigt, das, wie auch das bereits abgeschlossene italiemsch-österrei-. chische Abkommen, den Zweck verfolgt, den Waren-^ verkehr zwischen Ungarn und Italien zu fördern.
Der Proteststreik der Studenten der französischen rechtswissenschaftlichen Fakultät ist gestern in ganz Frankreich befolgt worden. Er wird heute abend zu Ende gehen.
Aus Nizza wird gemeldet, daß gestern die von Beauloleil nach La Turbie führende Drahtseilbahn entgleiste. Der Lokomotivführer und ein Reisender wurden getötet. $
Wie Reuter aus Tokio meldet, bestreitet die sa- panische Regierung, Truppen an der Grenze zwischen Korea und der Sowjet-Union konzentriert zu haben. Dagegen ist der japanische Botschafter in Moskau beauftragt worden, die russische Regierung um Aufklärung wegen der Konzentrierung russischer Truppen an der Possit-Bai zu ersuchen.
•) Näheres siehe im politischen Tell.
Avedttruiage der ReiGsbank
Berlin, 8. März. 3m Interesse der Förderung des deutsch-russischen Wirtschaftsverkehrs und insbesondere der deutschen Ausfuhr nach Rußland hat die Reichsregierung der Industrie weitere Garantiehilfe für neue russische Aufträge zur Verfügung zu stellen sich bereit erklärt.
Diese Garantiehilfe soll in der Form erfolgen, daß die zur Finanzierung der im vergangenen Jahre erteilten und teilweise bereits durchgeführten Aufträge ausgestellten Wechsel, die bisher noch nicht rediskontiert waren, jetzt von der Reichsbank rediskontiert werden. Es handelt sich dabei um 120 Millionen Reichsmark aus dem vergangenen Jahre und einen weiteren kleineren Betrag aus dem Anfang dieses Jahres. Wenn auch darüber hinausgehende Wünsche angesichts der Höchstgrenze des Garantiefonds von insgesamt einer Milliarde Reichsmark nicht berücksichtigt werden können, so kann doch angenommen werden, daß auf Grund der in Form von Rediskontkrediten an eine Reihe von Firmen zurückfließenden Mittel diese auf eigenes Risiko russische Aufträge hereinnehmen können.
3m laufenden Jahre ist damit zu rechnen, daß durch Rückzahlungen etwa 400 Millionen RM für Rediskontkredite frei werden. Die russischen Zahlungsverpflichtungen sehen folgende Rückzahlungen vor: 3m ersten Vierteljahr 50 Millionen, im zweiten Vierteljahr 78 Millionen, im dritten Vierteljahr 82 Millionen und im
vierten Vierteljahr 165 Millionen Mark.
In unterrichteten Kreisen ist man der Auffassung, daß eine wesentliche Voraussetzung für die ordnungsmäßige Durchführung der ruffifd)en Zahlungen eine Steigerung des russischen Exports nach Deutschland ist. Man verhehlt sich keineswegs die Schwierigkeiten, die diese Exportsteigerung für wesentliche Teile der deutschen Wirtschaft, insbesondere für die Wald- und Fortwirschaft, die Oel- industrie und die Landwirtschaft bedeutet, andererseits darf aber die Tatsache nicht außer acht gelassen werden, daß eine ganze Reihe deutscher Industriezweige zum Erliegen kommen müssen, wenn die russischen Aufträge aufhören.
Siu Ablenkungsmanöver
Den Moskauer Berichten, wonach zu dem Anschlag auf den Botschaftsrat von Twardowski ein Geständnis des Attentäters abgelegt worden fern soll mißt man in Berliner unterrichteten Kreisen keine große Bedeutung zu. Man steht den Meldungen über das Geständnis des Attentäters nicht zuletzt deshalb skeptisch gegenüber, weil behauptet wird, daß Judas Stern als Mitglied einer Terroristengruppe „aus Befehl gewisser Ausländer gehandelt habe.
Man hält es hier für durchaus unwahrscheinlich. daß hinter dem Anschläge auf Twardowski ausländische Kreise stehen, ist vielmehr der Reber- Zeugung, daß es sich dabei um Auswirkungen der
Starkes Anziehen des
Diundkuries
„Ksffevtllch wird diese Sewesuus nicht m schvell"
Bertin S. März. Bereits in den kitten Zagen jeigte das englische Kund eine be- merkenswert feite Haltung und tonnte fast täglid) an Baben gewinnen Diese langsamen, steigerte Bewegung des Kundes ging aber h-nle in eine ausgesprochene Hanssebe- wegung über.
Als Gründe hierfür werden zunächst die starken Rückflüsse englischer Kapitalien aus dem Ausland angeführt, aber auch ausländische Kapitalien suchen in verstärktem Maße Anlage am englischen Markt. Man führt ferner an, daß die vorzeitige Rückzahlung des größten Teils des 80 Millionen Pfund- ArMtes der erst im September fällig war, die Stärke der englischen Finanzlage zeigt, und daß hierdurch das Vertrauen des Auslandes in Englands Währung erneut gefestigt wurde. Die heutige außerordenclich starke Aufwärtsbewegung des Pfundes soll aber, wie aus London berichtet wird, auch darauf zurückzuführen fein, daß die Bank von England heute keine Jnterventionskäufe in Dollars und französischen Franken oorgeno-mmen hat. Die Schwäche des französischen Franken dem Pfund gegenüber ist jedenfalls ein Zeichen dafür, daß umfangreiche englische Kapitalien heute aus Paris ab= .gezogen worden sind. Das englische Pfund hat seinen Stand von Ende November wieder erreicht und stellte sich heute auf 3.61 gegen den Dollar, nachdem es gestern noch 3.53 notiert hatte; es hat also in .einem Tage 8 Dollarcents aufholen können. Gegen die Reichsmark notierte das Pfund 15.15, also 27
innerpolitischen Spannungen innerhalb der Sowjetunion selbst handelt. Man nimmt an, daß der Attentäter zu der Gruppe innerhalb des Bolschewismus gehört, die den Kurs Stalins bekämpft. Da das russische Regierungssyslem aber nicht offen zugeben kann, daß eine solche innerpolitische Opposition besteht, sucht man eben mit Hilfe eines „ausrangierten Geständnisses" die Verantwortung auf nicht vorhandene „ausländische Kreise" zu schieben.
Stillstand
der Sürbettsloseurabl
Berlin, 8. März. Nach dem Bericht der Reichs- anstalt für die Zeit vom 16. bis 29. Februar ist die Aufwärtsbewsgung der Arbeitslosenzahl in der zweiten Februarhälfte zum Stillstand gekommen. Ende Februar waren bei den Arbeitsämtern rund 6128000 Arbeitslose gemeldet, annähernd ebenso viel wie Mitte Februar. In der Belastung der Arbeitslosenversicherung ist ein Rückgang um etwa 30 000, in der Krisenfürsorge eine Erhöhung um rund 31000 Hauptunterstützungsempfänger
In beiden Unterstützungseinrichtungen zusammen wurden Ende Februar rund 3 326 000 Hauptunterstützungsempfänger gezählt, wovon rund 1852 000 auf die Arbeitslosenversicherung und 1 674 000 auf die Krisenfürsorge entfielen. Von den Arbeitsämtern anerkannte Wohlfahrtserwerbslose wurden rund 1833 000 gezählt.
In den einzelnen Bezirken war bie Bewegung der Arbeitslosenzahl verschieden: Während die Landesarbeitsämter Ostpreußen, Schlesien, Niedersachsen, Westfalen, Rheinland, Hessen, Sachsen, Bayern und Südwestdeutschland noch eine Zunahme melden, trat in den Bezirken Brandenburg, Pommern, Nordmark und Mitteldeutschland ein Rückgang ein.
Bievsteuev-Senkung ab 15. MS«r
Berlin, 8. März. Am Dienstag fand unter dem Vorsitz des Vizekanzlers Dietrich eine Kabl- netissitzung statt, in der der Gesetzentwurf über das Zuqabcwesen zur Beratung stand. Außerdem ist die Frage des Obertarifs und der Biersteuersenkung besprochen worden. Rach der Vorlage des Reuhs- finanzministers im Kabinett soll die Reichsblersteuer um 3 Mark, die Gemeindebiersteuer um 40 Prozent gesenkt werden. Der Bierpreis soll für das Hektoliter um 15 Mark herabgesetzt werden. Für den Ausfall sollen die Gemeinden vom Reich 28 MN- lionen Mark erhalten. Das neue Gesetz soll am 15. März in Kraft treten.
Reichspfennmg höher “als gestern, gegen den französischen Franken zog es auf 92.56 nach gestern
90.15 an.
Runciman: »mir beherrschen setzt die Lass'"
London, 9. März. Der Präsident des Handelamtes, Walter Runciman, sagte gestern abend in einer Rede, wir beherrschen jetzt die Lage. Wir haben der Welt ein Beispiel besonderer Behandlung der Währungsfragen gegeben, indem wir den Gedanken aufgegeben haben, daß durch ein Goldmonopol Wohlfahrt monopolisiert werden könne. Die zwei Länder, denen es gelungen ist, gewaltige Berge an Gold anzusammeln, haben jetzt die Strafe für die Exklusivität zu bezahlen. Wir sind imstande, ihnen zu zeigen, daß wir ohne Goldbasis auskommen können. Bezüglich der gestrigen Verbesserung des Sterling-Kurses sagte der Redner, er hoffe, daß diese Bewegung nicht zu schnell werde, denn zu schnelle Entwicklung sei schädlich.
Das Dvama am Gelben Msee
Don Gesandten a. D. L. Raschdau
Die Weltgeschichte kennt nicht viele Beispiele eines ähnlichen Aufstiegs, wie ihn die Mitwelt seit einem halben Jahrhundert im Fernen Osten zu beobachten Gelegenheit hat. Glück und eigenes Verdienst haben hier einträchtig zusammengewirkt. Glück insofern, als die diesem Aufschwung widerstrebenden Mächte durch näher liegende Gefahren zum Zuschauen und Stillhalten genötigt waren —< eigenes Verdienst aber, indem hier ein tapferes Volk einem wohlüberlegten Ziele zustrebt und es mit Hingebung und Entschlossenheit zu erreichen sucht.
In dieser Entwicklung erinnere ich mich eines Wortes des großen deutschen Staatsmannes, mit der er die tatsächliche Lage einst kennzeichnete. Es war im Sommer 1888, als Fürst Bismarck mich als Bearbeiter unserer Beziehungen zu Asien kommen ließ, um mich über verschiedene Vorgänge am Gelben Meer zu hören. Der Fürst erteilte mir kurz die Weisung, ich solle bei der Behandlung der vorliegenden Fragen beobachten, wie es die Engländer in China machten, und unser Verhalten entsprechend einrichten. Es war in der Tat kaum eine andere Vorschrift für unser nur wirtschaftlich interessiertes Land zu erwarten. Englands Machtstellung war zu jener Zeit ganz unbestritten, und auch in dem schon damals aufstrebenden Reich der aufgehenden Sonne war sie nicht weniger anerkannt.
Mit diesem Zustande vergleiche man die heutige Lage der Dinge. Noch immer steht England in Handel und Schiffahrt in Ostasien an erster Stelle, und auch das englische Kapital dürfte noch immer selbst dem japanischen Mitbewerber am Jangtse und in den offenen Häfen Chinas erheblich überlegen sein, aber die politische Vormachtstellung Englands ist geschwunden und zwar so vollständig, daß sich eigentlich nur noch von seiner Vorsicht, seiner Bescheidung und Zurückhaltung reden läßt. In diesem halben Jahrhundert hat Japan einen Siegeszug vollbracht, dem das Ausland mit Bewunderung, aber nicht ohne Sorge folgte.
Es ist hier nicht der Raum, die einzelnen Meilensteine aufzuzählen, die diesen Werdegang bezeichnen. Eines Vorganges aber fei Erwähnung getan, weil er wie kaum ein anderer den Wandel der Zeiten kennzeichnet und er der Mitwelt, die damals sich vor eigenen Gefahren zu schützen hatte, fast unbekannt geblieben ist.
Als 1918 unsere Gegner im Weltkriege auch das bis dahin neutrale China zum Anschluß nötigten, und in erster Linie England in Peking mit Nachdruck dafür eintrat, kam es zu einem Notenwechsel zwischen Tokio und London, der die Machtstellung der beiden Reiche am Gelben Meer entschied. Japan stellt das Verlangen, daß die britische Diplomatie in Peking sich vor solchen politischen Maßnahmen und Einwirkungen auf die chinesische Politik zunächst mit Japan ins Einvernehmen setzen müsse. Seitdem hat England, das unter dem Zwang der damaligen Verhältnisse keinen Widerspruch erhob, die erste Rolle, die es bis dahin gespielt hatte, an Nordamerika abgegeben, dessen weltpolitische Stellung durch die Entscheidung im Weltkrieg auch im Osten mächtig gewachsen war.
Diese Veränderung offenbarte sich sofort durch den Eingriff, mit dem das Kabinett von Washington die Abmachung des Versailler Friedenskongresses in einem Hauptpunkt zu Gunsten Chinas und zum Nachteil Japans entschied. Japan hat das ihm versprochene und bereits abgetretene Gebiet von Schantung an China zurückgeben müssen. Aber noch mehrt Amerika hat bei zahlreichen Anlässen sich zu dem Grundsatz der Unversehrtheit Chinas bekannt, und es ist nicht zum wenigsten diesem
Oie heutige Stammet? umfaßt 12 Seiten