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wmt Stadt und Land
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Dienstag, den
8. «tön
1932
Der ^srnoft-Gtreitfall
eine SrrklSvtms des deutschen Vevivetevs in Gens - Die Vemühunsen nm den tVassenftMftand
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Sava« tritt aus dem SSlkevbund?
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Die Hauptgeschäftsstelle der Hindenburgausschüsse 4silt mit: Aus dem Westen des Reiches wird gemeldet, daß dort eine neue Wahllüge verbreitet wird. Danach soll die Reichsregierung planen, unmittelbar nach der Wahl eine neue Notverordnung zu erfassen des Inhaltes, daß der ländliche Grundbesitz mit einer Zwangshypothek von 5 Prozent belastet werden soll. Wir stellen nach Anfrage bei Abständiger Stelle fest, daß diese Meldung frei erfunden ist.
Der jetzt festgelegte Arbeitsplan der Abrüstungskonferenz sieht vor, daß die grundsätzlichen deutschen Forderungen auf allgemeine Abrüstung gleich zu Beginn der großen Aussprache zur Behandlung gelangen, und zwar vor Behandlung der französischen Sicherheitsvorschläge. Die deutschen Abrüstungsvorschläge kommen in den Punkten 1 und 5 der Tagesordnung zum Ausdruck. Somit wird der Hauptausschuß zwangsläufig die von Deutschland geforderte Klärung über die Frage der allgemeinen vollständigen Abrüstung und der Gleichberechtigung aller Staaten gleich zu Ansang vornehmen müssen.
* Judas Stern erklärte, daß er durch den Anschlag auf Twardowski die deutsch-russischen Beziehungen stören wollte. w -. * .
Der Hauptvorstand des Gewerkschaftsringes Deutscher Arbeiter-, Angestellten- und Beamtenverbände faßte den Mehrheitsbeschluß, die Volkskandidatur Hindenburgs zu unterstützen.
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Die Steuerbehörde Berlin hat gegen eine Reihe von Steuerdefraudanten Haftbefehle erlassen. Wie wir erfahren, soll es sich um insgesamt 5 Personen und um einen Betrag von etwa 8 Millionen RM handeln, der ins Ausland verschoben worden sein soll. *
Auf Antrag der NSDAP, wurde gestern in der Stadtratssitzung Adolf Hitler mit 14:7 Stimmen zum Ehrenbürger der Stadt Neustadt a. d. Aisch ernannt.
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Nach kurzer Krankheit entschlief in Paderborn gestern früh Pater Dr. Beda-Kleinschmidt, eine in ganz Deutschland bekannte Persönlichkeit. Kleinschmidt wurde im Jahre 1867 in Brakel i. W. geboren.
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Aus Coburg wird gemeldet: Am Samstag wurden in der Küche ihrer Wohnung der Chauffeur Waldinger und seine Ehefrau tot aufgefunden; es liegt Gasvergiftung vor. Waldinger hatte wegen einer Verfehlung feine Kündigung erhalten, so daß das Ehepaar aus Furcht vor Arbeitslofigkoit den Doppelselbstmord begangen haben dürfte.
Die russische Delegation hat beim Völkerbundssekretariat die Fortsetzung der Arbeiten des vom Europa-Ausschuß eingesetzten Komitees zur Behandlung des russischen Vorschlags eines Nichtangriffspaktes beantragt und die Zusage erhalten, daß dieses Komitee Anfang April wieder zusam- -mentreten wird. Ob der Europa-Ausschuß selbst in absehbarer Zeit eine neue Tagung abhalten wird, ist noch ganz unbestimmt; es gilt jedoch nicht als ausgeschlossen, daß er durch die jetzt erörterten mitteleuropäischen Pläne neuen Arbeitsstoff erhalten wird.
In der Debatte über die Flottenvoranschläge hn englischen Unterhaus verwies Konteradmiral Taylor (Konservativ) auf das Unterseeboot-Bauprogramm Frankreichs, das 65 Unterseeboote gebaut hat und weitere 45 baue, daunter 24 Ozeanschiffe mit einem sehr weiten Aktionsradius. Er sprach die Hoffnung aus, daß die britische Regierung, wenn Frankreich auf dieser ungeheueren Unterseebootstonnage bestehe, nicht zögern werde, auch seinerseits aus einer Erhöhung der Tonnage für Zerstörer zu bestehen, um dieser Drohung zu
begegnen..
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Fünf japanische Banken, die zusammen über ein Aktienkapital von 30 Millionen Yen verfügen, haben ihre Schalter geschlossen. Diese Maßnahme ist durch die zahlreichen runartigen Abhebungen verursacht worden, denen sie und andere Institute in den letzten Tagen ausgesetzt waren. Die Bank von Japan ist mit einem Stützungskredit von 100 Millionen Yen eingesprungen. ,
Die durch den Tod des norwegischen Minister- präsidentsn erforderlich gewordene GesamtLemission des Kabinetts ist gestern erfolgt.
, *) Näheres stehe im politischen Teil.
Die Aussprache in Gens
Genf, 7. März- Der deutsche Vertreter, Weizsäcker, gab in der Aussprache der Völkerbundsversammlung am Montag eine Erklärung über die Stellungnahme Deutschlands zu den Verhandlungen zur Beilegung des Fernost- Streitfalls ab.
Der Völkerbund habe jetzt die große Aufgabe, über die Durchführung der Bestimmungen des Völkerbundsvertrages im Interesse des Friedens zu wachen. Der Völk erbund verliere feine Daseinsberechtigung, wenn er diese große Aufgabe nicht erfülle. Deutschland, das als erste Macht den Kelloggvertrag unterzeichnet habe, der den Weg für eine allgemeine Abrüstung eröffne, habe das größte Interesse daran, daß der Grundsatz einer gerechten Regelung aller internationalen Streitigkeiten durch den Völkerbund uneingeschränkt Achtung finde. Er schloß sich dann dem Vorschlag des englischen Außenministeriums an, die Haupt- aussprache mit der Annahme einer feierlichen Erklärung über die Aufrechterhaltung der Grundsätze des Völkerbunds Nind des Kelloggoertrages abzuschließen.
Wenn die Schwierigkeiten nicht überwunden werden könnten, sei es- besser, den Mißerfolg offen anzuerkennen, als sich wiederum mit einer rein formellen Regelung zu begnügen.
Der deutsche Vertreter wurde mit langanhal
tendem Beifall begrüßt. Auch seine Ausführungen alle Versuche, einen von beiden Teilen angenommenen waren wiederholt von Beifallskundgebun- Waffenstillstand herbeizuführen, s'
gen- begleitet, insbesondere als er sich dem Vorschläge von Sir John Simon anschloß und sich außerdem für die Einsetzung eines Zwischenaus- schusses bis zur nächsten Völkerbundstagung aussprach.
Frankreichs Vertreter, P a u l - B o n c o u r, betonte, daß die französische Regierung sich jedem Vorgehen zur friedlichen Regelung des Streitfalls und zur Aufrechterhaltung der internationalen Verträge, sowie des Völkerbundsvertrages, anschließe. Die Achtung der internationalen Verträge bilde die Grundlage her französischen Außenpolitik und der Abrüstungskonferenz. Endgültige Beschlüsse könnten jedoch e r st gefaßt werden, wenn der vom Rat entsandte Untersuchungsausschuß seinen Bericht eingereicht habe.
Paul-Boncour unterstützte sodann den Vorschlag des griechischen Gesandten Politis, einen Sonderausschuß ginzusetzen, in dessen Hände die weitere
Arbeit für
6<5<5<5<5<5 Arbeitslose?
Ein Avbettsbeschaffunsspvosvamm der Reichsveglevuns
Berlin, 7. März. Wie die „DAZ." meldet, wird die Reichsregierung nach dem 13. März ihre Beratungen über die Arbeitsbeschasfungspläne wieder aufnehmen, die schon seit längerer Zeit Gegenstand eingehender Ressortbesprechungen gewesen find.
wie das Blatt erfährt, handelt es sich um folgende Objekte: Reichsbahn 300 Millionen, Reichspost 100 Millionen, Straßenbau 300 bis 400 Millionen, landwirtschaftliche Meliorationen 200 bis 300 Millionen, Wasserbauten 50 Millionen Mark.
Der Reichsarbeilsminister hat eine Verkürzung der Arbeitszeit im Bergbau und eine Erweiterung des freiwilligen Arbeitsdienstes vorgeschlagen. Er empfiehlt ferner, den Bau von Kleinwohnungen mit etwa 200 Millionen Mark zu fördern. Schließlich sollen der Gesellschaft für öffentliche Arbeiten 50 Millionen Mark zur Verfügung gestellt werden.
An unterrichteter Stelle rechnet man mit einem Programm an zusätzlichen Arbeiten in einem finanziellen Umfang von etwa 1,2 bis 1,4 Milliar-
Meine neue Seoul
Hindenburg auch im etwaigen zweiten Wahlgang Kandidat
Berlin, 7. März. Das politisch interessanteste Moment das am Montag im Reichspräsioenten- Wahlkampf zu verzeichnen ist, dürste die offiziöse Erklärung sein,daß Reichspräsident von Hindenburg auch in einem etwa notwendig werdenden zweiten Wahlgang kandidieren wird.
Der Berliner Korrespondent des „Daily Expreß" hatte gemeldet, daß Reichspräsident von Hindenburg in einem Brief an einen alten Freund, der der Deutschnationalen Volkspartei angehört, erklärt habe, er werde in einem zweiten Wahlgang nicht mehr kandidieren, wenn er nicht im ersten
Behandlung des Streitfalls gelegt worden müsse. Der Völkerbundsrat müsse jetzt ein grundsätzliche Entschließung annehmon, in der Achtung des Artikels 10 des Völkerbundsvertrages über die Aner- kennung der territorialen Unversehrtheit der Mitgliedstaaten von neuem bestätigt werde.
Der italienische Gesandte Rosso unterstützte gleichfalls den Vorschlag des englischen Außenministers und den Politis.
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Genf, 7. März. Das Völkerbunds- fekretarial veröffentlicht einen vom 5. März, 2.41 Uhr Schanghaier Zeit, datierten Bericht des Konsularkomitees, der die Antwort auf die am Freitag vom Generalsekretär gestellten Fragen enthält. Der Bericht verzeichnet die am Donnerstag veröffentlichten Kundgebungen der japanischen Befehlshaber über die Einstellung des Feuers und fügt hinzu: Die wesentlichste Feststellung ist, daß
W a f f e n st i l l st a n d herbeizuführen, bis jetzt gescheitert sind. Die chinesische Delegation gibt ferner einen Bericht heraus, demzufolge der ja-
panische Vormarsch noch immer andauerk.
Lava« tritt aus dem Söwevbuud?
Tokio, 7. März. Japan beabsichtige, wie Ün halbamtlichen Kreisen verlautet, nach Beilegung des japanisch-chinesischen Konflikts, sich aus dem Völkerbund zurückzuziehen. Diesen Schritt werde man ergreifen, ohne Rücksicht darauf, wie die Entscheidung des Völkerbundes ausfallen werde. Die Seyukai-partei, die Regierungspartei, unternimmt bereits unter dem Schlagwort „Zurück zu Asien" einen Propagandafeldzug für den Abbruch der Be- Ziehungen zum Völkerbund.
den Mark. Ueber die Finanzierung sind noch Er- Wägungen im Gange.
Gelingt es. Mittel für ein Programm von etwa 1,2 Milliarden Mark bereitzustellen, so können etwa 200 000 Arbeitslose für die Dauer eines Jahres unmittelbar und noch etwa 400 000 weitere Arbeitslose mittelbar beschäftigt werden. Um den Nutzeffekt recht groß zu machen, sind auch lohn- politische Reformmaßnahmen ins Auge gefaßt.
Von unterrichteter Seite erfahren wir hierzu, daß es sich zunächst nur um Vorbesprechungen und Referentenentwürse handelt, an denen vier verschiedene Ressorts beteiligt sind. Erst im Laufe dec nächsten Woche werde man positivere Einzelheiten eines Arbeitsbeschafsungsprogramms festlegen können.
Wahlgang gewählt wird. In der engeren Umgebung des Reichspräsidenten wird festgestellt, daß diese Meldung frei erfunden ist. Der Herr Reichspräsident hat niemals eine solche Absicht geäußert, sondern wird selbstverständlich auch im zweiten Wahlgang an seiner Kandidatur festhalten, wenn ein zweiter Wahlgang notwendig werden sollte. Diese Feststellung ist insofern von großer inner- politischer Bedeutung, als damit gleichzeitig dem Gerücht entgegengetreten wird, daß Hindenburg in einem zweiten Wahlgang zu Gunsten irgend einer bürgerlichen Sammelkanüidätur von der äußersten Rechten bis zury Zentrum unter gleichzeitiger Umbildung der Regierung geopfert werde. Der zweite Wahlgang wird infolgedessen, wenn er notwendig werden sollte, zu einem Duell Hindenburg— Hitler werden - - i „
Briand t
Paris, 7. März. Aristide Briand ist heute mittag um 13.30 Uhr französischer Zeit in seiner Wohnung in der Avenue Llebèr gestorben.
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Aristide Briand hat seinen politischen Tod nicht lange überlebt. Anfang Januar mußte er als Außenminister das Feld räumen, und kaum zwei Monate später ist er tot. Noch vor wenigen Wochen glaubten seine Feinde befürchten zu müssen, daß Briand wieder an
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die Macht gelangen würde. Ja mehr noch? als Pierre Laval sein erstes Ministerium, das er ohne Briand gebildet hat, der Kammer vor-- stellte, spürte man plötzlich, daß das Schicksal dieses Ministeriums in den Händen Briands lag. Hätte er es nur gewollt, so hätte er ßa= val stürzen können. Er hat es nicht getan« Er zog sich zurück auf sein Landgut Cocherel, um Ruhe zu genießen. Glaubte er noch, daß seine Zeit wiederkommen würde?
Die großen Schläge, die Briand im vergangenen Jahr versetzt wurden — die Niederlage bei der Präsidentschaftswahl am 13. Mai, die Kaltstellung als Außenminister, die allmählich und schließlich geglückte Ausschiffung — haben ihn gealtert und der früheren Lebensenergie beraubt. Als ihn nun in diesen Tagen eine Grippe befiel, leistete er der Krankheit keinen Widerstand mehr.
Briand hatte eine Laufbahn hinter sich, wie sie nur in Frankreich denkbar ist. Es war die typische Karriere des politischen Advokaten, der bei der sozialistischen Linken beginnt und langsam zur bürgerlichen Linken hinüberwechselt. 36mal war er Minister gewesen, 11mal Ministerpräsident. 25 Jahre lang hat er im Mittelpunkt des innenpolitischen Lebens Frankreichs gestanden. Oft gestürzt, fand er mit einer unerhörten Wendigkeit und Anpassungsfähigkeit regelmäßig den Anschluß wieder. Bei jeder neuen Kombination tauchte er erneut auf. Er war eine Art politischer Bariton, ein Wortkünstler, der seine Gegner mit der Modulationsfähigkeit seiner Stimme entwaffnete und dem Instrument menschlichen Empfindens jeden Ton zu entlocken verstand. Er konnte auf das Gefühl, auf die Tränendrüsen, aber auch auf den Verstand wirken. Gerade, wie er wollte. Und der Eindruck war gerade deshalb so groß, weil der Zweck stets hinter seiner scheinbaren Natürlichkeit verborgen blieb. Nur wer selbst Briand einmal reden gehört hat, wird den Einfluß ganz verstehen, der von ihm ausströmte.
Das hat am schmerzlichsten Austen Chamberlain erfahren müssen, der in den ganzen Jahren, in denen er Englands Außenpolitik leitete, von Briand völlig eingewickelt wurde,
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