268. Sab«ga«8
General-Anzeiger für
Kan au Gladt und Land
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Samstag, bett
22. Sebvuar
1932
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ke LNihtvauensantvcige mit 289 gegen 264 Stimmen abgelehnt - rteichspvSttdenienwah! am IS. LNiivr - «ach Auszug dev Nationalsozialisten Aushebung des Keichswehvevlasses beschlossen
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* Die Eidesleistung des Regierungsrats Adolf Hitler hat gestern nachmittag in der braunschweigischen Gesandtschaft vor dem braunschweigischen Gesandten Exzellenz Dr. Boden stattgefunden. Herr Hitler hat anschließend daran seine Dienstgeschäfte übernommen.
Unter Würdigung der schwierigen Gesamtver- hältnisse haben die Tarifvertragsparteien im Ver- , sicherungsgewerbe sich dahin verständigt, den Manteltarifvertrag bis zum 31 September 1932 und die geldlichen Leistungen bis zum 30. Juni 1932 zu verlängern. Damit sind die im Versicherungsgewerbe vorliegenden Streitigkeiten erledigt.
Die Vorbereitungen für die am nächsten Donnerstag zusammentretende außerordentliche Völ- , kerbundsversammlung sind im vollen Gange. Im Augenblick wird über die Wahl des Präsidenten verhandelt, für die der belgische Außenminister Hymans anscheinend die größten Aussichten hat, und über die Beteiligung der Nichtmitalieder des Völkerbundes, also insbesondere der Vereinigten Staaten und Rußlands. Wahrscheinlich werden diese Staaten in einen von der Versammlung em- zusetzenden Ausschuß Beobachter entsenden.
Die Zahl her amtlich HröBSTO ht Frankreich ist um 13 2ÖO auf 283 000 onge- stiegen. Sm gleichen Zeitraum des letzten Jahres wurden 36 000 Arbeitslose gezählt.
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Die Kardinäle und Erzbischöfe Frankreichs haben sine Erklärung beschlossen, in der sie unter Hinweis auf die Abrüstungskonferenz betonen, daß sich die Gläubigen vom Charakter des wirklichen Friedens, durchdringen lassen sollen. Die Gläubigen sollten sich daher in gleicher Weise von einem übertriebenen Nationalismus wie von einem übertrie- • denen Pazifismus fernholten.
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Der französische Senat hat gestern mit sämtlichen Stimmen die von der Kammer angenommene Wahlreform.abgelehnt. Der Berichterstatter Senator Chèron bezeichnete es als notwendig, die zweiten Wahlgänge, die. sich bewährt hätten, beizubehaltest.
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Die Große Oper in Paris hat gestern abend „Elektra" von Richard Strauß, die seit 1914 nicht mehr gespielt worden ist/mit großem Erfolg aufgeführt. *
Der vom Präsidenten Hoover gemeinsam mit den Führern beider Parteien im Kongreß unterbreitete Gesetzentwurf, der auf eine grundlegende Aenderung der Währungspolitik der Federal Reserve-Bank hinzielt, wurde gestern vom Senat angenommen und sofort vom Präsidenten unterschrieben. Damit ist der neue Finanzplan einer Kreditausweitung in Kraft getreten.
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Der Unterausschuß des amerikanischen Reprâ- ' sentantenhauses hat sich mit dem Silber-Problem befaßt und soeben ein Memorandum veröffentlicht, in dem die Einstellung der gegenwärtigen Bewegungen verlangt wird. Der Unterausschuß, der in kurzem eine Konferenz abhalten wird, erklärt: Wir sehen die Notwendigkeit ein, das richtige Verhältnis zwischen den beiden Weltmaßstäben Silber und Gold wieder herzustellen.
Der Vorsitzende des demokratischen Nationalausschusses Raskob erklärte, es sei durchaus möglich daß Präsident Hoover sich wieder als Kandidat für die nächsten Präsidentschaftswahlen aufstellen lasse. Er würde in seinem Programm u. a. eine Volksabstimmung über die Prohibitionsfrage vorschlagen.
Der französische, der britische und der amerikanische Botschafter haben den Minister des Auswärtigen ersucht, dafür Sorge zu tragen, daß die militärischen Operationen der Japaner in Schanghai sich nur außerhalb der Grenzen der internationalen Konzession abspielen. Sie verlangten weiter, daß die Landung, der neuen japanischen Truppen, die nach Schanghai entsandt werden sollten, außerhalb der Konzession erfolge.
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Der bekannte Newyorker Krebsforfcher Professor Dr Willi Meyer wurde während eine; Vortrages in der Newyorker Chirurgischen Gesellschaft plötzlich vom Herzschlag getroffen. Er wirkte früher als Chirurg beim Deutschen Hospital in Newyork und hat ein sehr bekanntes wissenschaftliches Buch geschrieben.
•) Näheres siehe im politischen Tell. _
Bit Abstimmungen
Berlin, 26. Febr. Kurz nach 17 Uhr schritt der Reichstag nach beendeter Debatte zu den Abstimmungen über die eingegangenen Anträge. Die Mißtrauensanträge der Nationalsozialisten, der Deutschnationalen, der Deutschen Volkspartei und der Kommunisten gegen die Reichsregierung wurde in einer gemeinsamen Abstimmung mit 2 89 gegen 164 Stimmen abgelehnt. Mit den Antragstellern stimmten auch das Landvolk und die Sozialistische Arbeiterpartei, von der Deutschen Volkspartei nahmen an der Abstimmung außer den beurlaubten Mitgliedern die Abgeordneten Dr. Curtius und von Kardorsf nicht teil. , . .
Die Mißtrauensanträge dr Deutschnationalen und der Kommunisten gegen Relchsmim- ster Groener wurden mit 305 gegen 250 Stimmen bei einer Enthaltung abgelehnt. Für die Anträge stimmten auch die Nationalsozialisten. Der deutschnationale Mißtrauensantrag gegen den Reichsfinanzminister Dietrich verfiel mit 291 ggen 250 Stimmen bei 11 Enthaltungen der Ablehnung. .
Dein Vorschläge des Reichsinnenminisleriums, als Wahltage für die Rerchspra- sitenwahl den 13. März und den 10. April seslzusehen, wurde einmütig zugestimmt.
Die kommunistischen, deutschnationalen und nationalsozialistischen Anträge auf Reichs- tagsauflösung werden mit 299 gegen 228 Stimmen abgelehnt.
Es sollte dann über den national, ozialrftischen Antrag, der dem Reichstagspräsidenten das Vertrauen entziehen will und den deutschnationalen Antrag, der Löbe um Niederlegung seines Amtes ersucht, abgestimmt werden. Bei der Geschäftsordnungsaüssprache hierüber erklärte der Kommunist Koenen, den national» sostalistifchen Antrag müsse seine frasst an ab- m^v "VMM 'M ihren Antrag damit begründeten, daß Löbe in einer Kundgebung der Eisernen Front in Kiel zum Bürgerkrieg gehetzt habe. Darauf wurden auf der Rechten und namentlich bei den Nationalsozialisten stürmische Entrüstungskundgebungen laut. Es entstand ein allgemeiner Tumult. Als die Kommunisten die Internationale zu fingen begannen, hob der Vizepräsident die Sitzung wieder aus. Bei Wiedereröffnung nach wenigen Minuten erklärte er, es habe am Schlüsse der Tagung keinen Zweck, mit Zwangsmaßnahmen vorzugehen/ Koenen, der dann das Wort erhielt, konnte sich in dem Lärm nicht durchsetzen und verließ die Tribüne. Die Zulässigkeit der beiden Anträge wurde mit 95 Stimmen Mehrheit verneint.
Abgelehnt wurde dann auch mit 368 gegen 75 Stimmen bei 108 Enthaltungen ein kommunistischer Antrag, der die sofortige Einstellung aller Tributleistungen und die Annullierung aller privater Schuldenverpflichtungen an das Ausland forderte. Die Nationalsozialisten, die Deutschnationalen und das Landvolk hatten erklären lassen, daß sie für den ersten Teil des kommunistischen Antrages ein-
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ausivrache
Berlin, 26. Febr. Zu Beginn der heutigen Reichstagssitzung protestierte Abgeordneter Gott- Hein (Dn.) dagegen, daß die Rede des Reichskanzlers gegen die Beschlüsse des Ael- testenrates vom Rundfunk verbreitet worden sei Präsident Loebe erwiderte, daß alle Verhandlungen des Reichstages vom Rundfunk a u f Platten ausgenommen würden, daß er, als er gestern aufgefordert wurde, die Erlaubnis zur Verbreitung der Rede des Reichskanzlers zu geben, diese Genehmigung erteilt habe.
Der Präsident teilte weiter mit, daß ein A n - trag der Deutsch nationalen eingegngen sei, der ihn auffordert, sein Amt ni ede rzul eg e n.
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Die politische Aussprache wurde dann fortgesetzt. Abg. Rosenberg (Natsoz:) betonte gegenüber den gestrigen Ausführungen des Reichskanzlers das Deutschtum der Balten. Der Reichskanzler sei mit einer Partei verbunden, deren Führer kein Vaterland kenne, das Deutschland heiße. Mit seiner Bemerkung, Rosenberg habe 1918 noch nicht gewußt, welches sein Vaterland sei, habe Dr. Brüning das tragische Schicksal von zehn Millionen Ausländsdeutschen verspottet. Man müsse abwarten, ob der Kanzler nicht demnächst vielleicht auch von sogenannten Sudetendeutschen und sogenannten Memel- deutschen sprechen werde. Auch der augenblickliche Reichspräsident sei ja in einer Stadt geboren, die heute zu Polen gehöre.
Für den Christlich-Sozialen Volks- dienst sprach Abgeordneter Bausch Er erklärte die Bildung einer anderen Regierung fürnnmög-
treten würden, den zweiten Teil aber ablehnen müßten.
Sämtliche Anträge auf A u f h e b ung der Notverordnungen wurden dem Haushaltsausschuß überwiesen. Gegen Nationalsozi-allften, Deutschnationale und Kommunisten wurde ein nationalsozialistischer Antrag, die Redeverbote gegen Abgeordnete aufzUhs-ben und die freie Meinungsäußerung für die Zeit des Wahlkampfes wiederherzustellen, abgelehnt.
Unser neuer großer Unruhe des Hauses erklärte dann der Abg. Straffer (Natsoz.): Seine Frak- fion lehne es ab, sich an diesem „Affentheater" weiter zu beteiligen. Die nationalsozialistische Fraktion verlieh den Saal, während die Kommunisten im Chor riefen: „Tribulknechtel Die Hitler-Partei für Lohnsklaverei!"
Aufhebung des Reithswehv- Evtasfes
Nach dem Auszug der Nationalsozialisten nahm das Haus dann u. a auch den kommunistischen An- trag, den Erlaß des Reichswehrministers über Einstellungen in die Reichswehr un- v e r z ü g l i ch aufzuheben, mit 226 gegen 173 Stimmen bei 38 Enthaltungen am
In der elften Abendstunde vertagte sich das Haus, nachdem vorher beschlossen war, dem Präsidenten Lie Festsetzung des Termins der nächsten Sitzung zu überlassen.
lich und setzte sich insbesondere für eine Verstärkung der landwirtschaftlichen Hilfe ein. Frau Juchacz (Soz.) ries die Frauen zum Kampfe gegen Len Faschismus auf.
Dr. Weber (Staatspartei) begründete seinen Angriff gegen die Nationalsozialisten vom Mittwoch mit der Verlesung von Zeitungsstimmen, Dersamm- lungsreden, Dienstvorschriften und Sturmliedern der SA Die Nationalsozialisten hatten zu Beginn seiner Ausführungen den Saal verlassen.
Der deutschnat. Abgeordnete Schulze- 'S t a a p e n nahm sich vor allem der Landwirtschaft an. Die reichsten Böden Deutschlands seien produktionsunfähig geworden. Vorbedingung für jede Siedlung sei die Herstellung der Rentabilität der Landwirtschaft. Das Kabinett Brüning müsse zurücktreten
Der Sozialdemokrat Crisp ien wandte sich gegen den nationalsozialistischen Angriff wegen seiner angeblichen .Aeußerung, er kenne keine Vaterland, das Deutschland heiße. So, wie heute keine deutschen Kleinstaaten mehr Krieg gegeneinander führen werden, werde es einmal ein einiges Europa geben.
Dr Rosenfeld (Sozialdemokratische Arb»i- terpartei) polemisierte gegen das Kabinett Brüning und gegen die Sozialdemokratische Partei und trat für die Wahl des kommunistischen Reichspräsiden- tenkanbidaten ein.-
Dr. Föhr (Zentrum) polemisiert gegen die Nationalsozialisten, die Südtirol preisgegeben hätten und versichert, für das Zentrum komme ein Ostlocarno niemals in Frage. Auf die Revision der Ostgrenze könne nicht verzichtet werden. Seine
- (Fortsetzung .auf Seite. 2)
Die Woche
Mit der kurzen Tagung des Reichstags wurde die öffentliche Aufmerksamkeit wieder einmal auf das Parlament gelenkt, das seit einem Jahre nur noch ein Schattendasein führte und das dieses Dasein auch weiter führen wird, da es dem Reichstag auch jetzt nicht gelungen ist, sich als ein mitbestimmender Faktor der politischen Geschehnisse wieder Geltung zu verschaffen. Entsprechend dem Willen der Regierung hat sich das Reichsparlament nach vier Sitzungstagen wieder in die Stille zurückgezogen, hat es dem Reichskabinett von neuem^allein das Feld überlassen. Dem Reichskanzler ist es gelungen, seine bisherige knappe Mehrheit wieder zu sichern. Die verschiedenen Mißtrauensanträge sind mit 25 Simmen Mehrheit abgelehnt worden, mit der gleichen Mehrheit, die die Regierung bei der Abstimmung am 16. Oktober o. J. erzielen konnte. Damals endete die Abstimmung mit 295 gegen 270 und gestern mit 289 gegen 264 — auf jeder Seite haben sich also diesmal sechs Abgeordnete weniger beteiligt als im Oktober. Das Ab- • stimmungsergebnis entspricht den gehegten Erwartungen, wenn auch keine Ursache besteht, besondere Siegestöne anzuschlagen, denn die zielte Mehrheit ist knapp genug und gebietet, ernstlich darauf bedacht zu sein, eine Verbreiterung der Regierungsbasis herbeizuführen.
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Aufgabe der Reichstagstagung war es, den Termin für die Wahl des Reichspräsidenten festzusetzen und anschließend eine allgemeine politische Aussprache vom Stapel zu lassen. Es war vorauszusehen, daß diese Aussprache zu heftigen Kämpfen führen würde. Die Kämpfe sind eingetreten. Die politischen Spannungen, die in den letzten Monaten keine Entladung finden konnten, hatten sich so zusammengeballt, daß schon die geringste Kleinigkeit genügte, um eine Explosion herbeizuführen. Mehr als einmal bestand die Gefahr, daß die ganze Volksvertretung durch das andauernde Auseinanderprallen von rechts und links in die Luft gesprengt würde- Doch der Blitz blieb aus; der Sturm legte sich, der hohe Wellengang ebbte ab — und heute herrscht wieder Ruhe. Aber diese Ruhe ist nur eine scheinbare. Die kurze Reichstagstagung hat einen anschaulichen Begriff geliefert von der Leidenschaftlichkeit, mit der der bevorstehende Wahlkampf geführt werden wird. Die Ruhe wird gar bald abgelöst werden von neuem Sturm. Die Parteileidenschaften werden die Gegensätze im deutschen Volke auf das schärfste zuspitzen — mit welchem Ausgang kann heute noch kein Mensch sagen. Um wieviel besser wäre es schon von diesem Gesichtspunkt aus gewesen, hätte sich die Neuwahl des Reichspräsidenten auf parlamentarischem Wege erledigen und auf diese Weise dem Parteikampf entziehen lassen. Doch man wollte diese Regelung nicht — nun heißt es, diesen Sturm über uns ergehen lassen. Der Reichstag hat die Wahltermine für die Reichspräsidentenwahl entsprechend der Regierungsvorlage festgesetzt, nämlich für den ersten Wahlgang auf den 13. März und für den eventuell notwendig werdenden zweiten Wahlgang auf den 10.. April.
Schon vor dem Zusammentritt des Reichstages hatte die Rechtsopposition bekannt gegeben, daß es ihr bei der Reichspräsidentenwahl, bzw. in diesem Wahlkampfe zugleich, ja sogar in erster Linien um die Person des Reichskanzlers Brüning und um das ganze „System Brüning" gehe. Mit besonderem Interesse wurde deshalb der Rede des Kanzlers entgegengesehen, in der sich dieser seinen Gegnern stellen wollte. Er hat sich gestellt und er hat sein „System" verteidigt in einer Rede, die inhaltich und der äußeren Form nach zu den besten gehört, die dem Reichstag in der
Die heut se Kummes umfaßt 28 Seiten