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WM Stadt und Land

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Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. ' Sei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Sezieher keinen Anspruch aus Lieferung oder Nachlieferung oder au, Rückzahlung des Sezugspreises. / Für Platzvorschrift u.Erschemungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet, , Geschäftsstelle: Hammerstr. 9 / Fernspr. 3956,3952,3958

11. Sebruae

1932

Mm Hindenburgs Wiederwahl

Klndenbrurg lehnt lebe Vedln-unsen ab - Anlage des âlkbSulev-NnndeS an Klndenbnvg?

Dev Stahlhelm wavtet noch av

1 KE)«- ^wyw^^ow

* Der italienische Außenminister Grandi be­tonte in Genf in Uebereinstimmung mit Amerika, England und Deutschland die allgemeine Derpflich- tung zur Abrüstung. Der japanische Delegierte Matsudeira und der polnische Außenminister Zaleski geigten in ihren Reden deutlich eine Annäherung an Frankreich.

Die kommunalen Spitzenorganisaticmen haben sich an den Reichsmirtschaftsminister gewandt und ihn gebeten, in diesem Jahre eine Volkszählung aus Anlaß des Finanzausgleichs und des staat­lichen Lastenausgleiches vornehmen zu lassen. Der Reichswirtschaftsminister hat aber mitgeteilt, daß mit Rücksicht auf die schwierige Finanzlage bei Reich, Ländern und Gemeinden eine Volkszählung im Jahre 1932 nicht statt finden kann.

Der Reichskommissar für Preisüberwachung Dr. Goerdeler führt gegenwärtig mit einer Reihe von Spitzenorganisationen der verschiedensten Bran­chen Verhandlungen über die weitere Durchführung der Vrsissenkung, so u. a. mit den Mineralwasser- Fabrikanten, den Zündholz- und den Düngemittel­fabriken. Weiter sind Besprechungen imgange über die Preissenkung für Schokolade und Süßwaren, für Kohlen, Fische, Milch und Petroleum und eine Lrmüßi.qung der Gebühren im Speditionsgewerbe ferner für Prioattelefone und Bersichevungen.

Der Oldenburgische Landtag ist zum 16. Februar Unberufen worden Die Einberufung ist erfolgt, damit der Landtag gemäß den gesetzlichen Bestim­mungen zu dem durch das Volksbegehren bestätigten Antrag der Nationalsozialisten auf Auflösung des Landtags Stellung nimmt. Die Entscheidung über W den Antrag im Landtag hängt vom Zentrum ab, dessen Stimmen für die Erzielung einer Zweidrittel­mehrheit erforderlich sind. Bisher hat sich das Zentrum offiziell noch nicht entschieden. Für das Volksbegehren waren 80 374 Eingeichnungen er­folgt, während nur 20 000 Einzeichnungen notwen­dig waren.

Der vom Dolkerbundsrat zum Vorsitzenden der Regierungskommission des Saargebiets gewählte englische Botschaftsrat in Madrid Knox hat den Generalsekretär des Völkerbundes benachrichtigt, daß er die Wahl annimmt.

Die Antwort der litauischen Regierung in der Memelfrage wird dem deutschen Vertreter im Völ­kerbundsrat veranlassen, darauf zu bestehen, daß noch in dieser Woche der Völkerüundsrat zusam­mentritt, um zu der Angelegenheit Stellung zu neh­men. Diesbezügliche Schritte sind bereits eingelei­tet. Es kommt selbstverständlich nicht in Frage, daß der Völkerbundsrat mit der Behandlung bis zu dem von dem litauischen Außenminister genannten Termin, dem 23. Februar, wartet.

Das französische Finanzministerium veröffentlicht eine längere Erklärung zum deutschen Reparations­memorandum. D e Zahlen der Franzosen stehen in krassem Gegensatz zu den deutschen Ziffern. Die französischen Einnahmen beliefen sich nur auf 8199,7 Mill. RM während Deutschland 10 651,1 Milliarden RM angebe

Ein Mitarbeiter desEcho de Paris" erklärte heute, daß die zwischen London und Paris geführ­ten Verhandlungen noch zu keiner Verständigung über die Reparationsfrage geführt hätten. Die Ver­handlungen erstrecken sich übrigens nicht nur auf das Reparationsproblem, sondern auch auf die Zoll­fragen.

Seit gestern herrscht in Frankreich starke Kälte. Starke Schneefälle werden gemeldet. In Paris wurden gestern8 Grad gemessen. Man rechnet noch mit einer Zunahme der Kälte.

Die österreichische Bundesregierung veranstaltet am Vormittag von Goethes Todestag einen Festakt. In der Sterbestunde wird eine Trauerminute einge­schaltet werden, die in ganz Oestereich eingehalten werden soll.

* Der bekannte englische Kriminalromanschrift­steller Edgar Wallace ist am Mittwoch früh in Kali­fornien gestorben.

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Bei der Bank von England rechnet man mit einem vollständigen Auslandsmoratorium in Oester­reich und Ungarn.

u) Näheres siehe im politischen Teil.

Lim die G«tkcheid«ns Gindenbuegs

Berlin, 10. Febr. Heute vormittag hat ein Empfang der Stahthelmführer Seihte und Düsterberg durch den Reichspräsidenten stattgefunden. Am Rachmittag hat der Vorsitzende des Kyffhäuferbundes, General v.h o r n, dem Reichspräsidenten einen Besuch

abgestaltet.

Wie ziemlich bestimmt verlautet, ist General von Horn bereit und soll auch schon eine dahin­gehende Zusage gegeben haben, sich in einem öffentlichen Aufruf für die Kandidatur Hindenburgs auszusprechen. Dagegen hat sich die Stimmung innerhalb des Stahlhelms nicht ent­scheidend zugunsten der Kandidatur Hindenburgs gewandelt; im Gegenteil scheint hier eher eine ge­wisse Versteifung eingetreten zu sein. Bisher hat man einer für die Stimmung im Stahlhelm be­zeichnenden Nachricht noch nicht widersprochen, wo­nach Seldte und Düsterber» dem Reichspräsidenten heute nahegelegt haben, auf eine Kandidatur im ersten Wahlgang zu verzichten, sich jedoch für den zweiten Wahlgang bereitzuhalten and dann die Kandidatur aus den Hände» verschiedener Gruppen der Harzburger Front entgegenzunehmen. Der Reichspräsident hat abgelehnt, diese Rolle zu übernehmen, und sich ohne 3 weife! dahin ausge­sprochen, daß, wenn überhaupt seine Kandidatur in Ftage kommen solle, sie bereits für den ersten Wahlgang Geltung haben müsse. Beim Reichs­präsidenten hat dabei wohl auch die Erwägung mil­gewirkt, daß er nicht an den Stimmen achtlos vor­übergehen könne, die der überparteiische Ausschuß Sahms aus freier Entschließung und dank einer eignen Werbearbeit zugunsten der Kandidatur Hindenburgs, und Zwar nicht erst für einen etwaigen zweiten Wahlgang, zusammengetragen habe.

Wenn man die heute beobachteten Anzeichen der kommenden Entwicklung richtig deutet, und nicht noch, wie so häufig in der letzten Zeit, eine neue

Srontenbüduns in Gens

Dit Rede Grandis ein Schlag gegen die fvanzSstsche Abvüfttmsstheoeke

Die Rede des italienischen Außenministers auf der Abrüstungskonferenz (siehe Seife 2) Hak bereits deutlich gezeigt, daß Italien der offenste und stärkste Gegenspieler Frankreichs in Genf sein wird. Während Frankreich durch seinen Vorschlag die echte und ehrliche Ab­rüstung zu hintertreiben versucht, hat Grandi offen bekannt, daß eine solche Abrüstung das alleinige Ziel der italienischen Delegation ist. 3n der Pariser Presse kommt bereits der Unwille über Grandis Rede zum Ausdruck.

VaviS umukerede«

Paris, 11. Febr. Mit der Rede Grandis ist man in Paris nicht zufrieden. Das bringt am schärfsten der Außenpolitiker desEcho de Paris" zum Ausdruck, der erklärt, Grandi habe die Rede gehal­ten, die Brüning nicht zu halten wagte. Das Schwarzhemd habe wie ein Braun­hemd gesprochen. Grandi werde nicht nur den Beifall der italienischen Faschisten, sondern auch Zu­stimmung des Hitler-Deutschlands erhalten. Die Spitzen der italienischen Rede seien andauernd gegen Frankreich gerichtet gewesen. Der Außen­politiker desPetit P a r i s i e n" urteilt, der Er­folg des italienischen Außenministers ist groß und verdient gewesen. Vom realistischen Standpunkt ist die Beweisführung fast' unangreifbar. Wenn man ihre Voraussetzung zuläßt, greift alles wunderbar ineinander, leider sind diese Voraussetzungen stets von Frankreich als unannehmbar erklärt worden. Wir können nicht einsehen, daß in einer Stadt ohne Gendarmen, in der niemand sich gegenseitig hilft, das beste Mittel gegen Gefahr darin bestehen soll, seinen Revolver fortzuwerfen. Bei derartigen Mei­nungsverschiedenheiten schon bei Beginn des ge­meinsamen Werkes werde man nicht lange zu­sammen arbeiten könnnen. Der P o p u l a i r e" begrüßt trotz seiner Abneigung gegen den Faschismus Grandis Vorschläge, weil sie eine allgemeine Abrüstung forderten.

wavme A«eeken«m»s in London

London. 11. Febr. Die gestrige Rede Grandis wird von der Morgenpresse mit Wärme begrüßt,

Wendung eintritt, so ist für den morgigen lag da­mit zu rechnen, daß zunächst

der Vorsitzende des Kyffhäuserbundes feine Er­klärung für Hindenburg veröffentlicht und daß der Reichspräsident, gestützt auf diese Kund­gebung und auf die von dem Sahm-Ausschuß gesammelten Stimmen, sich bereiterklären wird, die ihm angebotene Kandidatur schon für den ersten wahlgang zu übernehmen.

Damit wird die erste Entscheidung in den an Verwirrungen und Wechselfällen reichen Dorwcrhl- kämpfen gefallen sein. Den politischen Gruppen des deutschen Volkes ist dann die Aufgabe gestellt, sich zustimmend oder ablehnend zu dieser Tatsache zu äußern. Nach allen bisher vorliegenden Nachrich­ten ist damit zu rechnen, daß die National­sozia li st i s ch e Partei den Wahlkampf in schärfster Form gegen Hindenburg führen wird, zu­nächst für Dr. Frick als Zählkandidat und später, sofern dann Hitler deutscher Staatsbürger ge­worden ist, für den Führer der Partei selbst. Was Hugenberg tun wird, ist noch nicht klar zu erkennen. In einer anscheinend parteioffiziösen Notiz wird so­gar versichert, daß zwischen Hugenberg und Hitler Einmütigkeit darüber bestehe, einen gemeinsamen Kandidaten gegen Hindenburg aufzustellen, sofern dieser seine Kandidatur aus den Händen des Sahm- Ausschusses annehmen sollte. Der Stahlhelm wird wohl auch gegenüber einer Zustimmung

(Fortsetzung auf Seite 2)

während die Ausführungen der Wortführer Japans und Polens wenig Beachtung finden.Daily Telegraph" sagt, Grandis Rede sei die kon­kreteste, die bisher geholte» wurde. Kein Wort­führer habe das Gebiet der quantitativen Rüstungs­beschränkung so umfassend gezeichnet wie er. Die bestimmte, aber nicht herausfordernde Art mit der die Frage der Gleichheit der Rüstungen behandelt wurde, hat Bewunderung erregt.Times" sagt in einem Leitartikel, das Programm Grandis ist drastisch aber er gründet sich auf die allgemein anerkannten Voraussetzungen. In einer Welt, die sich gegen Angriffskrieg ausgesprochen hat, seien Angriffswafsen ein Anachronismus. Der italienische Vorschlag geht weit, aber er enthält nichts was eine Behandlung der Abrüstungsfrage einberufene Versammlung als phantastisch beiseite schieben könnte. Grandi habe, wie bereits Brüning, Gleichberechtigung aller Nationen und Herabsetzung der Rüstungen auf das niedrigste Niveau gefordert. Daily Mail" hebt hervor, daß Frankreich und Japan die ein­zigen Großmächte seien, die für Beibehaltung der O-Boote eintreten. Der Genfer Korrespondent des Blattes sagt, die Rede Grandis wäre e i n Schlag gegen die französischeTheorie, daß die Sicherheit der Abrüstung vorausgehen müsse. Seine Aeußerung über die Militärklauseln der Friedensverträge habe eine weitere ernste Meinungsverschiedenheit zwischen den französischen und dem italienischen Standpunkt gezeigt.

Stecht fite Memel

Heidekrug, 9. Febr. Die litauischen Gewalt- Politiker gehen jetzt aufs Ganze im deutschen Memelland. Trotz alter Ableugnungsversuchs ist der Putsch zur Tatsache geworden. Die rechtmäßige Landesregierung ist abgesetzt und der neue, vom Gouverneur Merkys eingesetzte litauische Landespräsident hat bereits den gro­ßen Vertreibungsfeldzug gegen die Memel- landdeutschen eingeleitet. Im Memelgebiet hat man keinen Augenblick daran gezweifelt, daß die Drahtzieher im Memeler Gouvernements­gebäude ihre Pläne nicht aufgeben würden. Die Welt und auch das Berliner Auswärtige Amt aber haben sich wieder einmal durch li­tauische Versprechungen täuschen lassen. Aller­dings sind die Litauer bei der Durchführung ihrer Gewaltpläne mit echt östlicher Ver­schlagenheit vorgegangen. Noch am 30. Januar hat der litauische Gesandte in Berlin, Herr Schaulys im Auswärtigen Amt offiziell ver­sichert, daß alle Nachrichten über litauische Putschabsichten erfunden seien, und daß die li­tauische Regierung nicht daran denke, das Memelabkommen zu verletzen. Acht Tage spä­ter, am 6. Februar, war der Putsch bereits zur Tatsache geworden! Mit Recht wird man in Deutschland über so viel Unverfrorenheit und Hinterlist empört sein. In Memel aber kennt man die Litauer schon seit mehr als einem Jahrzehnt nicht anders.

Mit Falschheit und Hinterlistigkeit haben sie sich das deutsche Land an der Memel er- chlichen. Mit gefälschten Statistiken und Do­kumenten wurde die Abtrennung vom deut- 'chen Mutterlande in Versailles durchgesetzt. Als die Litauer dann im Jahre 1923 in das Gebiet einfielen, spielten sie sich als die Be­freier vom französischen Joch auf. In Wirk­lichkeit aber handelte es sich bei denKämp­fen", die damals zwischen den litauischen Ein­dringlingen und den französischen Besatzungs­truppen geführt wurden, um Gefechte mit Platzpatronen, um einen gut inszenierten The­atercoup, denn Litauen hatte sich schon längst des Einverständnisses der Allierten versichert, wie dies ja auch die stillschweigende Sanktionie­rung des Memelraubs durch die Pariser Bot­schafterkonferenz einige Wochen später bewies.

Litauen hat sich zwar tn dem Pariser Me­melabkommen vom 8. Mai 1924 verpflichtet, dem Memelgebiet Autonomie zuzugestehen, um die Kultur und die überlieferten Rechte seiner Bewohner zu sichern, aber man hat in Kowno dieses Versprechen niemals ernst genommen. Im Gegenteil: Ein Rechtsbruch folgte dem anderen, Schikanen und Demütigungen waren an der Tagesordnung. Die Litauisierung, die sich in fortgesetzten Ausweisungen Vertreibun­gen der Lehrer und Beamten, Besetzung lei­tender Posten mit Litauern usw. äußerte, konnte den Litauern gar nicht schnell genug gehen. Selbst vor den deutschen Denkmälern der alten Ordensstadt Memel machte der li­tauische Pöbel nicht Halt. Die ehrwürdigen Zeugen deutscher Vergangenheit wurden ein­fach von ihren Sockeln herabgerissen, und heute rosten sie irgendwo auf einem verlas- senen Memeler Schuttabladeplatz. Die jewei­ligen Leiter der deutschen Außenpolitik zogen es vor, sich mit mehr oder weniger scharfen papierenen Protesten zu begnügen. Auch die mehrfachen Völkerbundsbeschwerden haben nicht viel genützt. Herr Woldemaras, der ehemalige Diktator Litaunes, versprach vor dem Hohen Rat alles, was man von ihm ver­langte, und als im Jahre 1930 die letzte große Memelbeschwerde anhängig war. wartete der litauische Außenminister Zaunius mit dem Versprechen auf, das Memelabkommen getreu­lich einzuhalten. Aber weder damals noch heute hat Litauen sein Wort gehalten, und da auch der Genfer Bund der Nationen nichts ge­gen das kleine Litauen zu unternehmen wagte, blieb alles beim allen. So bestehen Kriegs-

Die beuttse Nummer umEaèt 12 Seite«