Anzeiger für^
Hanau «Stadt
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10. Sedruar
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Das Echo der ^amler-Kede
Starker Eindruck in allen Greifen der Konferenz
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warme Sluevkennung in London und Rom
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Der Reichskanzler verließ gestern nachmittag um 5.37 Uhr Genf in Begleitung von Ministerialdirektor Dr. Zechlin und Oberregierungsrat Planck. Staatssekretär von Bülow bleibt wegen der Rats- verhandlungen noch einige Igae in Genf.
Der Botschafter von Hoesch hatte gestern vormittag eine Unterredung mit dem französischen Ministerpräsidenten. Die Besprechung bezog sich auf die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern.
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Ueber die bereits gemeldete Vereinfachung im Reichsverkehrsministerium erfahren wir, daß außer der Zusammenlegung der Abteilungen der Haushalt des Reichsverkehrsministeriums für 1932 34 Köpfe Personal weniger erfordern wird als der Haushalt 1931. Die daraus folgende Ersparnis im Haushalt des Reichsverkehrsministeriums beträgt pro Jahr fortdauernd 185 000 RM*
Die Derhandllungen zwischen dem Reichskommissar für Preisüberwachung und dem Reichsverband für das deutsche Kraftdroschkengewerbe ergaben, daß eine generelle Regelung für ganz Deutschland unmöglich ist. Der Reichskomnnssar hat deshalb die obersten Landesbehörden ermäch- «gi, in Den einzelnen Orten die Kraftürofchkentarife individuell neu zu regeln.
* Die Kapitalanlage der Reichsbank hat in der ersten Februarwoche eine Entlastung um 210 Millinen RM erfahren. Das ist mehr als zwei Drittel der Beanspruchung zum Monatsultimo. Das Deckungsverhältnis Hai sich leicht von 24,8 auf 25,1 v. H. gebessert. *
Das Plenum des Hessischen Landtags ist jetzt für den 16. Februar einberufen worden. Auf der Tagesordnung stehen große Anfragen der Nationalsozialisten und der Sozialdemokraten, außerdem die Anträge der Deutschnationalen und der Kommunisten auf Auslösung des Landtags.
* Der litauische Außenminister kann, weil angeblich erkrankt, nicht nach Genf kommen. Bülow fordert die Entsendung eines bevollmächtigten
Vertreters.
Der Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz, dem sämtliche Delegationsführer angehören, wählte Henderson zu seinem Vorsitzenden und den griechischen Delegierten Colitis zu seinem stellvertretenden Vorsitzenden.
Bei einem Empfang der Fastenprediger Roms sprach Papst Pius über die Erwartungen, die die bedrängte Welt von zwei internationalen Konferenzen, von denen die eine verschoben sei, während niemand wissen könne, was die andere bringen werde, erhoffe. Man müsse darauf vertrauen, daß die göttliche Vorsehung der . Welt zur Hilfe kommt. Es sei ein schmerzliches Schauspiel, wie Staatsmänner und führende Persönlichkeiten zu Verhandlungen zusammentreten und nie ihre Gedanken auf Gott richten.
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Im französischen Senat ist ein Gesetzentwurf eingebracht worden, der eine Gehaltskürzung für Zivil- und Militärbeamte vorsieht. Die kleineren Gehälter sollen um 1, 2 und 3 Prozent, die größeren Gehälter bis zu 10 Prozent gekürzt werden.
Der Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten des amerikanischen Repräsentantenhauses vertagte . bis auf weiteres die Prüfung eines Antrages, der das Verbot der Waffenausfuhr nach kriegführenden Ländern enthielt.
Die Verhandlungen mit den nun schon seit sechs Wochen streikenden Hafenarbeitern in London sind auf dem toten Punkt angelangt. Die Behinderung des Handels und der Industrie durch den Streik ist so groß, daß die Londoner Handelskammer die Regierung heute schriftlich um Maßnahmen ersucht hat, um den Lebensmittelverkehr zu sichern. U. a. würde eine große Zuckerfabrik gezwungen sein, ihren Betrieb am Samstag einzustellen.
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Der englische Romanschriftsteller Edgar Wallace ist an einer Lungenentzündung schwer erkrankt.
Der ehemalig; japanische Finanzminister Inouye wurde gestern, als er fiA zu einer Versammlung begab, das Opfer eine; Anschlages. Drei Schüsse, die man auf ihn abgab, verletzten ihn tödlich und er starb noch auf dem Weg ins Krankenhaus. Der Täter konnte verhaftet werden.
•) Näheres siebe im politischen leit.
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Genf. g. Febr. Die Rede des Reichskanzlers auf der Abrüstungskonferenz ist das Ereignis des heutigen Tages. Sie hat einen außerordntlich starken Eindruck in allen Greifen der Konferenz gemacht. Allgemein wurde bemerkt, daß bis jetzt keinem Redner von der Versammlung eine solche Ovation dargebracht wurde wie dem deutschen Kanzler. Wiederholt wurden die Ausführungen Dr. Brünings von der Versammlung mit starkem Beifall unterbrochen, insbesondere an den Stellen, wo er mit würde und Entschlossenheit die Au fgabe der Abrüstungskonferenz umriß und sich gegen die Verfälschung des Abrüstungsgedankens wandte. Der allgemein günstige Eindruck der Rede löste sich am Schluß in überaus
herzlichen Beifall aus.
Die Aufnahme in SeeHn
Berlin, 9. Febr. Die Genfer Rede des Reichskanzlers wird in den meisten Blättern sehr eingehend besprochen. Der „Aden d" nennt die Erklärungen Brüning „stark pazifistisch". Sie seien so richtig gewesen, daß selbst Groener sie aud) nicht anders hätte halten können. — Das „B. T. unterstreicht, daß der Kanzler mit keinem Wort von der Alternative der Wehrfreiheit gesprochen habe. Es sei anzunehmen, daß es ihm gelungen sei, wenigstens zur psychologischen Vorbereitung der notwendigen Atmosphäre des Vertrauens beizutragen. — Die „V ofj. Ztg spricht von einem großen moralischen und sachlichen Erfolg Brünings. Stelle man die deutsche Grundforderung nach wirklicher Abrüstung aus den Boden der Gleichberechtigung und der gleichen Sicherheit mit den ernsten Warnungen vor einem Mißerfolg zu. sammen, so könne ein Zweifel nicht aufkommen, daß Deutschland auch vor ernsten Konsequenzen nicht zurückschrecken würde, wenn der Gang der Konferenz von dieser Basis fortführt. — Der „B. B. C." nennt es bemerkenswert, daß der Kanzler auch diesmal auf die Notwendigkeit der Abschaffung der Reparationen und auf die Notwendigkeit großzügiger und entschlossener Liquidation der wirtschaftlichen und finanziellen Restbestände des Krieges hingewiesen hat. — Die „D. A. Z." betont die hohe Qualität der Ausführungen des Kanzlers, vermißt aber eine schärfere Zurückweisung des französischen Projektes. Man hätte eine direkte Antwort auf die produzierende Rede Tar- dieus erwarten und hoffen müssen, daß der eigen» deutsche Abkommensentwurf auf den Tisch des Hauses niedergelegt oder als unmittelbar bevorstehend angekündigt werde. — Auch der „Lokal- Anzeiger" bemängelt, daß Verschiedenes in der Rede gefehlt habe. Der Eindruck sei zu akademisch gewesen Wo sei das Wort von der Kriegsschuldlüge nach den gestrigen unerhörten neuen Anschuldigungen Tardieus? Wo fei der deutsch; Vorschlag? Ein Vorschlag, der jetzt schon bestimmend auf die Diskussion ein mitte und verhindere, daß sie endgültig in das französische Fahrwasser gerate. — Aehnlich äußert sich die „Börsenzeitung".
DeutMtands ehrlicher Friedenswille
EvklSvnnse« Vvünlnss vor der ausländlsÄsu UveKe
Genf, 9. Febr. Bevor der Reichskanzler heule um 18 Uhr abreiste, empfing er noch die Vertreter der ausländischen Presse, die sehr zahlreich erschienen waren und Dr. Brüning herzlich begrüßten. Der Kanzler, über dessen Auftreten man auch nach diesem Presse- empfang nur sympathische Urteile hörte, sagte u.a.»er habe die Absicht, im weiteren Verlauf der Abrüstungskonferenz noch einmal nach hier zu kommen.
An seine Rede vom Vormittag anknüpfend, betonte er dann, die Welt solle überzeugt sein, daß drr Friedenswille des deutschen Volkes ernsthaft und wahrhaftig sei. Die Forderung nach gleichem Recht werde von jeder deutschen Regierung vertreten werden. Deutschland sei abgerüstet, und die Tatsache dieser Abrüstung sei von den Mächten feierlich anerkannt worden. Infolgedessen sei es ein Gebot der Gerechtigkeit, daß Deutschland die Forderung erhebe, daß die übrigen Mächte diesem deutschen Beispiel folgen. Das deutsche Volk werde an dieser Forderung festhalten, und es sei sich in diesem Verlangen in seiner Gesamtheit einig; niemand solle glauben, daß es in dieser Beziehung verschiedene Auffassungen in Deutschland gebe. Er, der Kanzler, glaube, ■ den deutschen Standpunkt heute in seiner Rede in einer Form vertreten zu haben, die für andere Anschauungen nicht verletzend gewesen sei. Wenn
Deutschland habe mit der heutigen Red; des Reichskanzlers nicht versucht, den Angriff Frankreichs unmittelbar abzuwehren und mit einem ebenso stürmischen Gegenangriff zu beantworten. Brüning habe zwar auch eine Art von Orfensioe getätigt, aber in der Arena, in der um Theorien und Ideal; gerungen wird. — Die „Deutsche Z e i tun g" spricht sogar „von einer verpaßten Gelegenheit". — Die „Kreuzzeitung" nennt die Rede einen „Versager" und bezeichnet sie als „verhängnisvolle Weichheit*.
„Enttäuschung" kn vavs
Paris. 9. Febr. Die Pressebehandlung der Rede, die heute der Reichskanzler Brüning in Genf gehalten hat, war in gewissem Sinne durch die Mitteilungen aus Genf über die gestrige Besprechung zwischen Tardieu und Brüning vorbereitet worden. Mitteilungen, die in ihrem ziemlich gleichlautenden Inhalt zweifellos an den französischen Kriegsminister selbst zurückgehen: Die Unterredung zwischen den beiden war wenig interessant. Der Reichskanzler scheint das Abrüstungsproblem nicht besonders gründlich zu beherrschen, dessen Bearbeitung er dem Staatssekretär von Abilow anvertraut hat. Deshalb drehte sich die Unterhaltung in der Hauptsache um Reparationsfragen Das Ergebnis der Unterhaltung über diesen Gegenstand war völlig negativ. Herr Brüning sieht keinen Ausweg aus Der Sackgasse, in die man geraten ist. Er ist der Gefangene seiner eigenen Erklärungen und dem sehr starken Druck der öffentlichen Meinung in Deutschland ausgesetzt. Der französische Kriegsminister hat deshalb aus dieser Unterredung den sehr klaren Eindruck mitgenommen, daß man von Herrn Brüning nichts zu erwarten hat.
Auch die Pressestimmen zu der Abrüstungsrede sprechen von einer „enttäuschenden" Wirkung. Man scheint auf französischer Seite den Theatereffekt des französischn Vorschlags als eine Herausforderung zu einer entsprechenden Erwiderung angelegt zu haben. Run ist sowohl aus den Meinungskundgebungen des Engländers und des (Fortsetzung auf Seite 2)
überall guter Wilke herrsche, werde die Abrüstungskonferenz zu einem guten Ende führen. Daß abgrrüstet werde, sei das Verlangen der Menschheit. Der Kanzler erinnerte an die eindrucksvolle Kundgebung am Samstag und sagte, kein Volk würde sich innerlich tatsächlich mehr über die Abrüstung freuen als das deutsche.
Dann kam der Kanzler auf die politischen Z a hl u n g e n zu sprechen. Jetzt, so sagte er, sei die Zeit getommen, die Folgerungen zu ziehen. Alle Welt leide unter der Wirtschaftskrise; in Deutschland sei die wirtschaftliche Lage, nicht durch Deutschlands Schuld, besonders schwer, und wenn die Dinge so weiter gingen wie in den letzten zwei Jahren, könne man für die ganze Menschheit nur trübe in die Zukunft blicken. Er bäte die Pressevertreter, mit dafür zu kämpfen, daß auf diesem Gebiet klare Bahn in der ganzen Welt geschafft werde.
Vvüninss Genfer Debüt
Als vierte Großmacht ist Deutschland in der politischen Debatte aufgetreten — erst als vierte, weil die deutsche Politik keinen Wert darauf legte, aus der Reihenfolge der Redner eine Prestigefrage zu machen, weil es ihr auf tatsächliche Ergebnisse der Genfer Beratungen ankommt, nicht auf dekorative Wirkungen. Genfer Tagungen sind freilich ein günstiger Boden für solche dekorativen Wirkungen, ein günstiger Boden für großes Pathos. Was dis Diplomaten in Genf entscheiden, fällt meist so vorsichtig, so nüchtern, so abgewogen aus, daß es keinen Widerhall in den Völkern findet. Aber zwischen den Entscheidungen und den Re- den in Genf ist ein gewaltiger Unterschied, Was den Entscheidungen an Volkstümlichkeit, an Wirkung auf die Außenwelt fehlt, soll das große Pathos der Reden ersetzen — der Reden, die vor Hunderten von Völkern öffentlich gehalten werden und denen Entscheidungen im kleinen Kreis, im abgeschlossenen Zimmer, in der sèance privée folgen. Das Genfer Versammlungspublikum — Diplomaten, wie Journalisten, wie politische Schlachtenbummler aller Art — erlebten Briands große Redekunst mit ihrer wohl abgewogenen Modulation jedes einzelnen Satzes. Das Genfer Publikum erlebte Macdonals Proklamationen, die stets auf einen leidenschaftlichen, ja fast fanatischen Ton gestimmt sind, trotz aller Nüchternheit des Inhalts. Das Genfer Publikum erlebte jene großen, an Volksversammlungen erinnernden Szenen, in denen grauhaarige Delegierte, berauscht von irgend einer Phrase aufsprangen, in Zurufe ausbrachen, sich in minutenlangem Beifall nicht genugtun konnten. Vor diesem Publikum ist zum ersten Mal Reichskanzler Dr. Brüning aufgetreten, vor dem Publikum, das die große Phrase, den schwungvollen Ton gewohnt ist, der nüchterne, selbst für deutsche Parlamentsverhältnisse ruhige, unpathetische Staatsmann. Das Genfer Publikum, vor dem er sprach, hieß freilich Abrüstungskonferenz, nicht Völkerbund. Aber ob die Genfer Tagungen sich Völkerbund, ob sie sich Europakomitee, ob sie sich Abrüstungskonferenz nennen — sie setzen sich doch immer aus den gleichen Teilnehmern im Saal und auf den Tribünen zusammen.
Der Reichskanzler ist bei seinem Auftreten von einem Beifall empfangen worden, wie ihn selbst Genf selten gehört hat, und auch während er das Rednerpult verließ, setzte dieser spontane Beifall wieder ein. Der Eindruck, den Brüning mit seiner Rede auf die Dele- gationSn und auf die Zuhörer gemacht hat, war also offenbar sehr günstig. Nur wird man daraus nicht schließen dürfen, daß Deutschland in Genf gewonnenes Spiel habe.
Der Kanzler hat gesagt, was über die Abrüstung vom deutschen Standpunkt aus zu sagen war. Wir fordern allgemeine ehrliche Abrüstung, aus die wir einen rechtlichen und moralischen Anspruch haben und lehnen Vor- fchläge ab, die das Konferenzziel zu umgehen versuchen. Damit war Frankreichs Vorschlag richtig gekennzeichnet. Allerdings hätte man gern gehört, daß der Kanzler auch noch in einem anderen Punkte Tardieu entgegengetreten wäre. Die von dem französischen Hauptdelegierten aufgestellte Behauptung von drei Invasionen, die Frankreich erlitten habe, hätte als Wiederholung der Kriegsschuldlüge eine Entgegnung sicher verdient. Wenn Brüning darauf verzichtete, so hat er sich offenbar von dem Bestreben leiten lassen, die Atmosphäre der Konferenz von deutsch-französischen Spannungen nach Möglichkeit freizuhalten. Soll die Arbeitsfähigkeit der Konferenz nicht sofort unterbunden werden, so ist dies Bestreben gewiß gerechtfertigt. Es hilft aber nichts, wenn es nur einseitig ist und man kann darin
Die benffae stammte umtobt 10 Sette«