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1932

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Phot.; ßöhm-Willot

GUTE

6. Februar

Illustrierte Beilage zum Hanauer Anzeiger

Nun, wie gefalle ich Ihnen? °"T"

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Von Lluom.

asching, ja, wo denken Sie denn hin? Ihre Sorgen möchte ich haben, nein, bei diesen schweren Zeiten. . .

Aber lieber Freund, aber liebe Freundin, seien Sie doch nicht so schrecklich streng mit ihn! Erinnern Sie sich noch, vor Weih­nachten, da habe ich Ihnen auch geraten, die Sorgen mal in irgendeinen Schrank zu schließen und den Schlüs­sel zu verlegen, na, und habe ich nicht recht gehabt, war es nicht schön, sich so ein paar Tage lang zu freuen, sich zu beschenken, an nichts Schlimmes zu denken und ein bißchen festlich vergnügt zu sein? Hat Ihnen das nicht gut getan, haben Sie es nicht hinterher gespürt an einem neuen Arbeitseifer, an einer bedeutend besseren Laune?

Ja, sehen Sie, mit dem sching ist das gar nicht viel anders. Wer noch ein Dach über dem Kopf hat, wer seinen gedeckten Tisch und seine Arbeit hat, der hat auch Grund genug, ab und zu ein wenig los­gelöst vom Alltag und den Sorgen sich zu amüsieren. Kein Mensch wird Ihnen das verübeln, wenn Sie für ein paar Stunden die Zivilkleidung abstreifen und sich irgendeine bunte Hülle überziehen, ein anderes Ich sozusagen, das Ihnen, wer weiß, gar nicht so schlecht steht. Was möchten Sie denn gern werden, wenn Sie noch einmal auf die Welt kommen? Irgend einen geheimen Traum werden Sie doch haben! Nehmen Sie ihn sich zum Vorbild für Ihr Kostüm, und tun Sie ein paar Stunden so, als ob dieser Traum Wahrheit gewor­den wäre.

Gehen Sie zum Fa­schingsfest, gehen Sie mit Ihrer Gattin, mit Ihrem Herrn Gemahl, mit Ihrem Bruder oder Ihrer Freun­din, gehen Sie meinet­wegen allein, aber gehen Sie unbeschwert und lassen Sie den Alltag draußen!

Geld brauchen Sie nicht viel mitzunehmen, dafür

aber alle Taschen voll guter Laune! Ach, stellen Sie sich das doch einmal vor: Einen ganzen Abend lang befreit zu sein von allem Zwang! Vom Zwang, die Würden und Titel der anderen anzuerkennen, vom Zwang des steifen Kragens, vom Zwang zu lügen und vom Zwang, die Wahrheit zu sagen.

Alles ist erlaubt, was ge­schmackvoll bleibt. Nur zwei Dinge sind streng verpönt Humor­losigkeit und Eifersucht.

Wer keinen Scherz ver­stehen kann, wer ängstlich aus Haltung bedacht ist, auf Wahrung der Zeremo­nien des täglichen Lebens, der gehört nicht unter die Faschingsschar. Freiheit re­giert diesen Abend.

Ihr Eheleute, klammert euch nicht aneinander! Laßt

jeden einmal seiner Wege gehen und seid nicht ängstlich, daß der andere seineFreiheit" mißbrau­chen wird. Wer freilich den gemein­samen Weg am schönsten findet und ganz sicher ist, daß der Part­ner ebenso denkt, der soll sich um Himmels willen nicht zumVaga­bundieren" zwingen. Wie gesagt, Zwanglosigkeit ist das Motto.

Auch eure Kinder nehmt nicht ängstlich ans Gängel­band! Wenn ihr ihnen schon das Fest erlaubt habt, dann laßt sie ruhig dieses schöne erste Erlebnis haben, ohne sie allzu streng an eure Seite zu binden! Ihr müßt sie ja selbst kennen und wißen, daß sie Hal­tung genug haben, um keine Dummheiten zu ma­chen.

Freiheit, gute Laune und bei allem doch nicht Rücksichtslosigkeit: das sind die schönsten Eigenschaf­ten, die man auf den Fasching mitbringen kann. Vielleicht hat man sich zu einem kleinen Privat­bummel getrennt, das soll aber nicht hindern, daß man sich doch ab und zu ein bißchen um ein­ander kümmert. Wie reizend kann es sein, den für eine Stun­

de sich selbst überlassenen

Gefährten um eine bestimm­te Zeit an der linken Säule

im kleinen

Saal zu tref­fen, und sich

NUN gegenseitig einen Schlacht« bericht zu liefern!

Noch eins, wenn ich bescheiden raten darf: Bringt ein schlechtes Gedächtnis auf diese Feste mit! Das alles war ein bunter Traum, er hat jedem gut getan, er hat die Reihe der Tage mit ihren Sorgen und Pflichten hübsch unterbrochen . . . aber das mutz auch alles sein. Versprechen, im Fasching gegeben, zählen nicht, die schönsten Schwüre sind nur Luftgebilde und sollten nicht schwe­rer wiegen als Konfetti. Wenn das Maskenkostüm wieder zu unterst in der Komode liegt, dann müssen auch Faschingswünsche und Träume dazugepackt werden . . . bis zum nächsten Jahr. Bis dahin aber: viel Vergnügen!

>niger Bur- Schädel und starkem Nacken, mit vergrö­ßerter Gehirnmasse und spär­lichem Haarwuchs, so zeichnen Fachgelehrte auf Grund eingehen­der Studien das Bild des Men­schen, der 10 000 Jahre nach uns die Erde bewohnen wird.

Er wird seinen hochgewölbten Schädel, der im Knochenbau dün­ner als der heutige ist, auf einem stämmigen Nacken tragen, der nicht nur befähigt ist, das Ge­wicht der vergrößerten Gehirn- masse zu beherbergen, sondern auch Raum für die großen Blutgefäße bietet, die das Gehirn zu ver­sorgen haben. Die Frauen werden gleichfalls schlanker, aber kräftiger im Körperbau und Knochenbau sein. Die Stimmen werden weicher und ausdrucksvoller sein, baß­singende Männer werden zu den großen Seltenheiten gehören.

Der Hauptunterschied dem der­zeitigen Zustand gegenüber dürfte jedoch in der Veränderung des Gehirns bestehen. Es wird an Umfang erheblich gewinnen und bringt eine Erhöhung der Orga­nisationsgabe mit sich. Die Ge­hirnzellen werden enger und fester miteinander verbunden sein und so eine überlegende Denktätigkeit zei­tigen, die heute nur wenigen Genies eigen ist.

Die prophezeiten Veränderun­gen kann man tatsächlich zu einem Teil schon heute in ihren An­fängen beobachten. In allen Ländern, in denen es reichlich Lebensmittel gibt, konnte man ein Anwachsen der Körpergröße fest­stellen. Die Verengung des Mun­des und der Kinnbacken ist bereits offenkundig. Die Schädel der frü­heren Rassen zeigen nur äußerst selten enge Kinnbacken und zu- fammengedrängte Zähne. Die Menschheit ist eben nach Ansicht namhafter Gelehrterkaninchen- mäulig" geworden. Zweifellos kann das zu einem großen Teil auf die Eigenart unserer Nahrung zurückgeführt werden. Die Spei­sen sind heute leichter zu ver­dauen. Eine übermäßige Ent­wicklung der Kaumuskeln' wäre ja in diesem Falle auch nicht zweck­mäßig und tatsächlich führen die Sachverständigen zur Er­klärung der zunehmenden Ver­feinerung der Gesichtszüge an, daß sie nur durch die langsame Rück­entwicklung der Kauwerkzeuge und Muskeln ltattkinden tniuii*