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Mkkwoch, den 3. Februar 1932
Die Lage des ÄvbettSmavkteS
im Bezirk des Arbeitsamtes Hanau für die Zeit vom 15.—31. Januar 1932
Der starke Zugang, welcher bis Mitte Januar anhielt, hat nachgelassen. Die Ziffern der in der Arbeitslosenversicherung Unterstützten, welche im Oktober und November 1931 unter diejenigen Ler Krisenfür- sorge gesunken waren, übersteigen nach der letzten Zählung diese wieder um 469. Es wurden 15 964 Arbeitsuchende gezählt, davon in der Arbeitslosenversicherung 4414 und in der Krisenfürsorge 3945.
Es wurden unterstützt:
am 15. 1. 32 <tm L 2. 32 m. w. insge). m. w. tnsg. Zud. Arbeitsl. Veri. 3208 1073 4281 3276 1138 4414 In d. Krisenfürsorge 3187 363 8852 3557 888 3945
zusammen 6695 1438 8133 6833 1526 8359
Auf die einzelnen Bezirke verteilen sich die Zahlen
der Arbeitsuchenden wie «folgt:
Hanau-Stadt ä B * 8 « 5032 Hanau-Land B e e e e 5300 Gelnhausen ,,,,,, 4240 Schlüchtern -,,-,» 1392
15964 f Die Lage in den einzelnen Berufsgruppen
Industrie der Steine und Erden. In den Dasaltbrüchen des Kreises Gelnhausen wurde die Arbeit zu einem Teil wieder ausgenommen. Rd. 70 Arbeiter wurden eingestellt. Die verschlechterte Lage in der Diamantindustrie brachte Zugang von Reibern und Schleifern.
In den sonstigen Berufsgruppen ist die Gesamtlage fast allgemein unverändert ungünstig geblieben. Ueber Bewegungen von bemerkenswertem Umfang kann nicht berichtet werden, mit Ausnahme einer leichten Besserung in der Gummi- und Gummischuh industrie, in welcher eine Anzahl von männ- Nchen und weiblichen Kräften unterkommen konnten.
MiM»«e«-EvfoIge her WinterbUf«
1 Million Zentner Lebensmittel. — 2 Millionen tägliche Speisungen.
Bereits in den ersten drei Monaten ihres Bestehens hat die Winterhilfe Erfolge gezeitigt, auf die das deutsche Volk stolz sein kann. Ihre Gesamtleistung ist vorläufig nicht zu übersehen, aber die Ziffern der Transporte, die von der Reichsbahn unentgeltlich übernommen wurden, ermöglichen einen Einblick über die Opferbereitschaft unserer Bevölkerung. Nicht weniger als 50 000 To. Lebensmittel, Heizungsmaterial und Bekleidungsstücke haben im Laufe der letzten drei Monate ihren Weg über die Schienen genommen und allein der unentgeltliche Transport derselben repräsentiert einen Wert von 370 000 Mark.
Ueber das Ausmaß der finanziellen Spenden erhält man aus folgenden Zahlen ein Bild: Nur um einige Städte anzuführen, seien hier Berlin mit 1,3 Millionen Mark, Bremen mit 130 000 Markt, Frankfurt a. M. mit 250 000 Mark, Hannover mit 110 000 Mark, Karlsruhe und Leipzig mit st 70 000 Mark, Köln mit 350 000 Mark, Magdeburg mit 180 000 Mark und München mit 600 000 Mark genannt.
Diese Zahlen zeigen, zu welchen Opfertaten sich das deutsche Volk versteht, wenn es gilt, zu helfen. Dabei darf man aber nicht vergessen, daß im flachen Lande in allen Teilen des Reiches ebenfalls ungeheuer viel geleistet worden ist.
136 000 Mark und etwa 2 Millionen Kilogramm Lebensmitteln hat z. B. die Innere Mission in Bayern aufgebracht. Der Regierungsbezirk Wiesbaden sammelte 100 000 Mark und stellte mehr als 1 Million Kilogramm Lebensmittel zur Verfügung. Ja, das wirtschaftlich so stark bedrängte
„Wallenstein"
im Frankfurter Schauspielhaus.
Eine Festaufführung wurde dieser Wallenstein, fünf Stunden lang dauerte die Aufführung und ein ausverkauftes Haus folgte mit Spannung und dankte mit brausendem Beifall für das Erlebnis des Wallenstein. Alwin Kronacher hat das gewaltige Gedicht Schillers, das man bisher auf zwei ja sogar drei Abende verteilt hat, zu einem abendfüllenden Werk zusammengeschweißt. Der Bearbeiter hat viel beiseite gelassen, manches, was uns lieb und teuer ist, was uns Jugend und Poesie bedeutet, aber er hat dafür viel gewonnen, der Wallenstein ist vorgerückt, seine Gestalt ist nun erst recht Mittelpunkt der Tragödie. Wir sehen keinen Zwiespalt mehr zwischen „Piccolominis" und Wallensteins Tod, wir erleben ein Ganzes, das Schicksal dieses Wallenstein wird jetzt erst zwingend und klar, seine „Schuld" erklärlich. Die Zusammenziehung ist auch nicht gegen den Dichter gerichtet, hat er doch selbst anfangs nur ein fünfaktiges Drama schreiben wollen, und es ist besser, ein einziges, wuchtiges, rauschendes Drama als zwei Teile mit problematischer Wirkung.
Die glanzvolle Aufführung, die Alwin Kronacher leitete, hatte an Farbigkeit und Lebendigkeit nicht gespart. Der Aufzug der Pappenheimer war schon beinahe opernhaft, aber solche starten Effekte und lärmende Aeußerlichkeit liegen im Zeitgeschmack. Der Wallenstein Robert Taubes hielt sich dagegen frei von Aeußerlichkeiten. Er war der Grandseigneur, der Denker und Rechner, fast zu vornehm für diesen Kriegsmann. Der Oktavia Lothar Re walts, mit überlegener Kälte angelegt, war die schauspielerische Glanzleistung des Abends. Eugen W a l l r a t h gab den Max sympathisch, aber zu jugendhaft wild. Gut gezeichnet der Jllo Kurt Katschs, der Jsolani Impekovens und der Questenberg Be - neckendorffs. Gerhard Ritter als Butler in erdrückendem Format. Kitty Stengel blumenhaft zart und Ellen Daub von edlem Schnitt.
Dies Schillerdrama wurde zum Erlebnis. Kommen im Goethejahr die Klassiker zu neuen Ehren?
Rü.
Dev »Gvfkndev" des V»v»ella«s
Zum 250. ©eburfsfag von Johann Friedrich Böttger am 4. Februar.
Es war eine Zeit, in der das Gold ebenso heiß begehrt und ebenso selten war wie heute. Nur
Ostpreußen ließ es sich nicht nehmen, 100 000 Mk. äur Verfügung zu stellen. Diese Spenden haben es u. a. ermöglicht, daß im ganzen Deutschen Reiche 10 000 Volksküchen in Betrieb gehalten werden, aus denen Tag für Tag 2 Millionen der Aermsten chr Mittagessen erhalten.
Um Ne Elnb-ttSküekovse
Wie von unterrichteter Seite gemeldet wird, liegen den jetzt laufenden Verhandlungen über die Bildung einer Einheitsfürsorge «für die Arbeitslosen verschiedene Berechnungen zugrunde, unter denen am interessantesten die Schätzungen sind, deren sich das Reichsarbeitsministerium bedient. Danach wird angenommen, daß im kommenden Jahr der Gesamtdurchschnitt der Unterstützungsempfänger 5,75 Millionen beträgt, und daß der Gesamtaufwand des Jahres 1932 3,67 Milliarden RM betragen dürfte. Auf die Arbeitslosenversicherung entfallen davon 1,5 Millionen Unterstützte mit einem Aufwand von rund 1,3 Milliarden, auf die Krisenfürsorge 1,8 Millionen mit ebenfalls rund 1,3 Milliarden Mark und aus die Wohlfahrtsfürsorge 1,9 Milllionen mit 1,14 Milliarden Mark Durchschnittsaufwand.
Allerdings sehen die Spitzenverbände der Städte die Entwicklung der Wohlfghrtslasten sehr viel ungünstiger, da in diesen Kreisen ein Gesamtdurchschnitt für 1932 von rund 2,2 Millionen gegen 1,9 angenommen wird.
Wir wir weiter hören, wird nun erwartet, daß bei einer Zusammenlegung von Wohlfahrts- und Krisenfürsorge mit der Arbeitslosenversicherung, die dann ihren Versicherungscharakter verlöre, etwa 5 Prozent ihrer Unterstützungsempfänger, das sind 75 000 im Jahresdurchschnitt — keine Unterstützung mehr erhalten würden. Bei einem Durchschnittssatz reiner Unterstützung von 51 Mark monatlich könnten dann die Ausgäben insgesamt auf 3,14 Milliarden Mark reduzierte werden gegenüber bisher von rund 3.36 Milliarden Mark. So ließe sich eine Ersparnis von etwa 220 Millionen durch die Zusammenlegung erreichen, während man auf Arbeitgeberseite sehr viele höhere Zahlen nennen hört, von annähernd 1 Milliarde Mark, wobei allerdings die Unterstützungen sehr empfindlich gekürzt würden.
Aber selbst eine Ersparnis von 200 Millionen Mark, die dann den Städten in der Hauptsache zugeleitet würden, ist bedeutend genug, um den alten und von der Brauns-Kommission abgelehnten Gedanken einer Einheitsfürsorge jetzt ernsthaft zu besprechen. Gerade die finanziellen Aussichten der Städte sind für 1932 so ungünstig, daß 200 Millionen doch manche sonst drohende Katastrophe verhindern könnten.
* Fresgesprochen wurde gestern vom hiesigen Schöffengericht nach mehr als vierstündiger Sitzung der bisherige Geschäftsführer der hiesigen DHV.- Geschäftsstelle, der in den beiden letzten Jahren über 2000 Mark Verbandsgelder unterschlagen haben sollte. Die Unregelmäßigkeiten in der Kassenführung kamen gelegentlich einer im Oktober v. I. vorgenömnjenen Kassenkontrolle ans Tageslicht. Noch ehe der mit dieser Kontrolle betraute Leiter der Hauptrechnungsstelle des DHV.-Gaues Main- Wefer richtigen Einblick in die KassenoerhäUnisse gewonnen hatte, war der Angeklagte spurlos aus Hanau verschwunden. Hinterher wurde dann durch den Verband «in Fehlbetrag in Höhe von ca. 2500 Mark errechnet, den der Angeklagte annahmemäßig unterschlagen haben mußte, umsomehr als, seine ganze Buchführung deutlich auf eine Verschleierung von Fehlbeträgen hinauslief. Der ehemalige Geschäftsführer, der nach Aufdeckung der Unregel- inäßigkeiten sofort entlassen wurde, bestritt demgegenüber ganz entschieden, auch nur einen Pfennig unterschlagen zu haben. Den großen Fehlbetrag glaubte er auf Irrtümer beim Wechseln, doppelt Bsitragsbuchung und Verbuchung überhaupt nicht gezahlter Beiträge zurückführen zu
bemühten sich nicht Nolenbankpräsidenten, es zu blitzen, sondern Kaiser, Könige und Fürsten. Nicht nur zum Kriegführen gehörte Geld; selbst der kleinste deutsche Potentat lebte ja auf größtem Fuße, hatte den Ehrgeiz, es dem großen Vorbild in Versailles, dem Sonnenkönig, gleichzutun. Ein aufgeblähter Hofstaat, kostspielige Maitressen und pompöse Bauten verschlangen weit mehr Mittel, als die Steuerkraft des bis zum Letzten ausgepreßten Volkes jemals herzugeben vermochte. Und da Gold auf natürlichem Wege nicht zu beschaffen war, hofften die Fürsten auf das Wunder, das von jeher die Menschheit erträumt hatte; auf den Stein der Weisen, das „AroanumZ mit dessen Hilfe es ■gelingen müsse, soviel Gold in den Schmelztiegeln der Alchimisten herzustellen, wie nur verlangt werde.
So hielt sich jeder Fürst seinen Goldmacher und Tausendkünstler, und er ließ sich die Experimente dieser „Laboranten" schweres Geld kosten. So oft die hochgespannten Erwartungen auch enttäuscht wurden, der Glaube an die Möglichkeit des Goldmachens blieb unerschüttert. Gelang nicht mancher. Versuch, in den Retorten wirkliches Gold sichtbar zu machen? Wie das Wunder gelungen war, verrieten seine Urheber nicht, denn es wäre ihnen übel bekommen. Die Fürsten waren zwar schr geduldig und ließen ihren Alchimisten Zeit genug, ■aber wenn sie gewiß waren, betrogen worden zu sein, wurde dem Tausendkünstler ohne Gnade der Kopf vor die Füße gelegt. Goldmacher waren viel begehrte Leute; sobald sich der Ruf eines neuen verbreitete, versuchte sich ein Fürst, seiner zu bemächtigen, und er schreckte dabei vor keiner Gewalttat zurück.
Auch Johann Friedrich Böttger, den das Denkmal in Meißen als den Erfinder des Porzellans und den Begründer der weltberühmten Manufaktur feiert, ist diesem Schicksal nicht entgangen. Fast sein ganzes Leben hat er, der Freiheit beraubt, im goldenen Kerker verbracht, und er ist als Siebenunddreißiger, der aussah wie ein Mann von sechzig, seiner ungesunden Lebensweise erlegen. Am 4. Februar 1682 hatte er in Schleiz als Sohn eines Münzkassiers das Licht der Welt erblickt, dann in Magdeburg die Schule besucht und war als Vierzehnjähriger vom Apotheker Zorn in Berlin in die Lehre genommen worden. Die Apotheker waren damals meist auch Alchimisten, die in ihren Laboratorien die Scheidekunst betrieben. So kam auch der junge Böttger frühzeitig zur Alchimie. Als seine Lehrzeit fast abgelaufen war, überraschte er seinen Lehrherrn mit dem Beweis, daß er Gold machen könne. Das Gold, das er in seinem Tiegel hervorgezaubert hatte, erwies sich bei sachverständiger Prüfung tatsächlich als das reinste gelbe Edelmetall. Es dauerte nicht lange, und ganz Ber
müssen, die ihm im Drange der Geschäfte unterlaufen seien. Bereits früher habe er im Laufe der Zeit auf diese Weise einen Fehlbetrag von 2200 Mark zu verzeichnen gehabt, den er nach und nach mit Hilfe eines bis heute noch nicht zurückerstatteten Darlehens aus eigener Tasche gedeckt habe. Um die Fehlbeträge zu verdecken, habe er dann zu der , beanstandeten unrichtigen Buchführung gegriffen und sich damit immer mehr hereingerissen. Arbeitsüberbürdung sei die Quelle des Uebels gewesen, wie er von jeher die eigentliche Verbonds- und Werbetätigkeit als seine Hauptaufgabe betrachtet und darüber die Kassenführung vielleicht etwas vernachlässigt habe. Sein größter Fehler sei jedenfalls der gewesen, daß er nicht gleich den ersten von ihm festgestellten Fehlbetrag der Gau- geschäftsleitung gemeldet habe, woran er durch die Angst um den evtl. Verlust seines Postens gehindert worden sei. Der Vertreter der Anklagebehörde beantragte schließlich nach höchst ausführlicher Beweisaufnahme 9 Monate Gefängnis. Das Gericht konnte sich demgegenüber trotz Vorliegens einer ganzen Anzahl schwer belastender Momente für den Angeklagten zu emer Verurteilung nicht entschließen, da die Revision nach Art ihrer Durchführung und Feststellung der Höhe der unterschlagenen Summe nicht als letzter Beweis dienen konnte. Der Angeklagte mußte mithin mangels ausreichender Beweise freigesprochen werden.
; Einen Anfängerkursus in Einheitskurzschrift eröffnet die hiesige Kurzschriftvereinigung Gabels- berger am nächsten Freitag, 5. Februar, abends ^8 Uhr, in ihren Unterrichtsräumen in der Eberhardschule. Anmeldungen werden dort vor Beginn des Unterrichts entgegengenommen. (Siehe Inserat)
* Ein herrlicher Sommer! Englische Meteorologen prophezeien einen ganz wundervollen Sommer für dieses Jahr. Sie begründen diese Ankündigung mit dem sogenannten Elfjahres-Sonnenzyklus, der alle elf Jahre einen wahren Wundersommer mit sich bringen soll. 1921 und 1910 hätten dieselben Witterungsverhältnisse geherrscht wie 1932 und in beiden, um je elf Jahre zurückliegenden Jahren habe es einen herrlichen Sommer gegeben. Ebenso 1899 und 1888. Die Meteorologen prophezeien mildes und trockenes Wetter für die Zeit vom Februar bis zum August. Im August werde das Wetter freilich etwas unbeständig fein, aber dafür könne man auf einen warmen und schönen September rechnen. Auch der übrige Teil Les Jahres werde sich durch mildes und schönes Wetter auszeichnen. Es wäre nur zu wünschen, daß diese Prophezeiungen Wahrheit werden mögen!
* Stahlhelm-Konzert. Der Stahlhelm weist auf das Konzert der Bundeskapelle Halle am Freitag, 5. Februar, in der Stadthalle hin. Beginn 8)4 Uhr abends. Nach Schluß der Veranstaltung Autobusverkehr Richtung Beethovenplatz, Bahnhof Wilhelmsbad, Kesselstadt und Richtung Porkstraße. Siehe auch Inserat.
* Der Hanauer Orchesterverein wird am Sonntag, 7. Februar, 19 Uhr, in den festlich geschmückten Sälen der Turngemeinde Jahnstraße, einen Maskenball unter dem Motto: „Immer lustig und fidel" abhalten. Eintrittskarten sind im Vorverkauf in den Wirtschaftsräumen der Turngemeinde Jahnstraße erhältlich. Näheres siehe Inserat in der Freitagsnummer.
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Anhaltender langsamer Druckfall baut das Hochdruckgebiet mehr und mehr ab und drängt es nach Westen hin zurück Mitteleuropa steht bereits unter dem Einfluß einer fluchten und ziemlich milden ozeanischen Luftströmung, mit der von Nordwesten nach dem Osten hin Ausläufer der über Nordost- europa liegenden Tiefdruckgebiete wandern. Die Witterung wird daher unbeständiger und zeitweise auch schon zu leichtem Niederschlag geneigt. — Vorhersage bis Mittwoch abend: Meist bewölkt, vereinzelt auch leichter Niederschlag, zunächst ziemlich mild, späterhin vorübergehende Abkühlung und wie-
lin sprach von dem neuen Goldmacher in Zorns Apotheke. Schließlich erfuhr auch der König davon. Friedrich I. befahl augenblicklich, sich des „Kerls" zu versichern, denn der prachtliebende erste König von Preußen war besonders geldbedürftig, und ihm schien dieser Mann wie vom Himmel gesandt. Zunächst verbarg sich Böttger, bei einem Freund, hielt sich aber doch nicht für sicher und «entfloh eines Abends aus Berlin, um in Wittenberg zu studieren. Er war kaum dort angelangt, als ein preußisches Pikett erschien und seine Auslieferung verlangte. Böttger war geschickt genug, sich «darauf zu berufen, daß er ja kein preußischer Staatsangehöriger sei; aber dieser Hinweis hätte den kurfürstlich sächsischen Kreisamtmann kaum bewogen, ihn dem gefürchteten König von Preußen vorzuenthalten, «wenn der Studiosus nicht auf seine Goldmacherkunst angespielt hätte. Der Kurfürst von Sachsen, August der Starke, auf dem die Krone Polens, die Feindschaft des Schwedenkönigs und die Liebe vieler kostspieligen Frauen lastete, konnte einen Goldmacher wohl ebenso gut 'gebrauchen, und so wurde denn das preußische Pikett unverrichteter Dinge wieder nach Hause geschickt, Böttger selbst aber nicht etwa auf freien Fuß gesetzt, sondern nach Dresden gebracht. Statt in die Gewalt des Preuhenkönigs, war er in die Augusts des Starken geraten. Groß war der Unterschied nicht, wenn auch gesagt werden muß, daß der Kurfürst-König sehr geduldig und freigebig auf die goldenen Berge wartete, die ihm Böttger versprochen hatte, und die Au«g«ust für seine kriegerischen Unternehmungen und seine vielseitigen Luxusbedürfnisfl auch dringend brauchte. Von Dresden kam Böttger nach der Albrechtsburg zu Meißen, und als die Schweden ins Land einfielen, brachte man ihn, der größeren Sicherheit wegen, auf die Feistung Königstein. Aber seine Tiegel blieben leer; er lieferte wohl hie und da einmal selbst- hergestellte kleine Goldproben, aber damit scheint es ebenso gewesen zu sein wie mit jener ersten Goldmacherei in Berlin. Das „Arcanum", mit dem alle diese Tausendkünstler operierten, war zweifellos Goldsalz oder Goldamalgam, das durch irgendeinen Trick in die Schmelzmasse hineinge- schmuggelt wurde. Fest steht jedenfalls, daß andere Scheidekünstler, die genau nach Böttgers Vorschriften verfuhren, nicht einmal das kleinste Klümpchen Gold herzustellen vermochten.
Mit Hangen und Bangen mußte der Alchimist dem Tag entgegensehen, an dem die Geduld seines Führers erschöpft sein würde. Da hatte er bas große Glück, in dem bedeutenden Staturwissenschaftler Ehrenfried Walther von Tschirnhaus, der dreißig Jahre älter war, einen uneigennützigen Freund zu finden. Tschirnhaus wurde zur Beaufsichtigung Böttgers herangezogen, und er war es,
Ar. rr
..... ............... ......... !■—■—— ■■■■ ...........■" ■—W I der etwas aufklärend, nordwestliche Winde. Witterungsoussichten für Donnerstag: Bei m lichen Winden und verhältnismäßig milden Tem raturen zunehmend unbeständig aber noch nicht r nerische Witterung.
Lau-kvekS Sana«
h Mittelbuchen, 3. Febr. Verlegung d Landjägerpo stens. Der Landjägerpos Mittelbuchen ist nach Wachenbuchen verlegt werd
ö Roßdorf, 31. Januar. Geräteman schastskampf. Am Sonntag hatten sich ' gut besetzten Saale „Zum Löwen* die Vere Tv. Großkrotzenburg, Tv. Hainstadt und Tgs. Rr darf zum Gerätemannschaftskampf zusammengest den. Nach dem Eingangsmarsch trug der Gescu verein „Eintracht" unter Leitung seines Vizedi genten, Bürgermeister Jung, einen Begrüßung chor vor. Nun begrüßte Herr Referendar Heinr Demuth die zahlreich Erschienenen. Dann folgt die von Turnwart Heinrich Demuth recht gut ei geübten Freiübungen der Schüler und Schüleri nen. Ehe der eigentliche Wettkampf seinen A fang nahm, sprach noch Herr Holzschuh eini Worte über den Wert solcher Wettkämpfe und d Ziel der Deutschen Turnerschaft. Dann traten $ einzelnen Vereine zuerst zum Barrenturnen , und erreichten folgende Punktzahlen: Roßdorf 1k Großkrotzenburg 192, Hainstadt 180 Punkte. 2 nach zeigten die Kleinsten des Gastgebers, daß auch am Barren schon manches gelernt hatten. D Abschluß des 1. Teiles bildete eine Sonde rvorfij rung von Oroßkrotzenburg in Form von Fv Übungen, die mit großem Beifall aufgenoinm, wurden. Nach der Pause zeigten die Kampsma»: schäften ihr Können am Pferd und erzielten f gende Ergebnisse: Roßdorf 171, Großkrotzenbn "185, Hainstadt 185 Punkte. Die im Anschluß hier« vorgeführten Reigen der Schülerinnen des Ga gebers fanden ungeteilten Beifall. Die nun f genden Freiübungen der Kampsmannschaften my den wie folgt bewertet: Roßdorf 30, Großkrotze bürg 38, Hainstadt 36 Punkte. Nach Beendign, der Wettkämpfe sprach Herr Holzschuh das Schlu wort und schritt dann zur Siegerehrung. Er tonr Großkrotzenburg mit 605 Punkten den 1. Prei Hainstadt mit 588 Punkten den 2. Preis und Ro darf mit 525 Punkten den 3. Preis zuerkennen. ',.
Aus Steinheim und
Ämgeduus
= Klein-Krotzenburg, 3. Febr. In der Nm zum Sonntag wurde in einer Jagdhütte bei Klei Krotzenburg eingebrochen. Es wurde ein Schrcm Grammophon mit 50 Platten und 3 Deckbetten g stöhlen.
Ksers Vüvruseu
Handmerkertagung in Büdingen
e Büdingen. 31. San, Der BezirksverbanÄ 4 Ortsgewerbeverein« und Innungen des Kreis Büdingen hatte, um eine Aussprache in den Kn sen der Handwerker des Bezirkes über die gege wärtigen Verhältnisse in der Handwerkerorgar« sation herbeizuführen, zu einer öffentlichen Kun gebung in das Hotel „Fürstenhof" zu Büdingi eingeladen, die am Sonntagnachmittag unter de Vorsitz des Bezirksverbandsleiters Zahn-Ortenbei bei stattlichem Besuche stattfand. In der B grüßungsansprache wurde auf die besonders « dem Lande Zu verzeichnende außerordentliche Nü läge des Handwerkes hingewiesen, «sodann ergri
der «den Alchimisten mit seinen eigenen Versuche der Porzellanherstellung vertraut machte. Poi zellan war damals ebenso wertvoll wie Gold, b< sonders das reine weiße chinesische, von dem nw «glaubte, daß nur das Reich der Mitte das dazu er forderliche Material in seinem Boden berge. Un wie ein Cabral, statt das bekannte Ostasien zu ei reichen, an der westafrikanischen Küste abgetriebe wurde und an der Küste des unbekannten Bros lien landete, so gelang Böttger, der ausgezoge- war Gold zu machen, eine andere epochemachend Entdeckung. Im ^Jahr 1707 erfand er das rot braune, harte Steinzeug, das in Anlehnung a ähnliche chinesische Waren und im deutschen Bo rockstil zu Geschirren und Figuren geformt un auf verschiedene Weise dekoriert wurde. Im Jah darauf gelang ihm die Nacherfindung Les chin« fischen weißen Porzellans, womit er seinem Fürste! in der Tat einen großen Dienst geleistet hatte Denn der Porzellanhandel war damals in Europ ein ergiebiges Geschäft, und namentlich die Hollän der verdienten am Zwischenhandel große Summe«» Auf der Albrechtsburg zu Meißen entstand Li Manufaktur. Sie hielt sich streng nach außen ab geschlossen und war eifersüchtig darauf bedacht, ih^ Fabrikationsgeheimnis zu wahren. Aber da infolg« der harten Arbestsbedingungen meist nur entgleist« Existenzen dort ihren Dienst nahmen, blieb es nich aus, «daß «das Geheimnis doch verraten und in all«! Ländern praktisch ausgewertet wurde.
Böttgers Name hat den Ruhm des Mannes verdunkelt, dem die ErfiUdung des Porzellans wirk« lich zu danken ist: Tschirnhaus. Denn Liefer Ge lehrte, der in der wissenschaftlichen Welt größtes Ansehen genoß, hatte alle Grundlagen geschaffen die Zusammensetzung der Porzellanerde ermittelt die Oefen zum Brennen des Porzellans konstruiert den ganzen Prozeß ausgebildet und schließlich Au« gust den Starken für die Porzellanherstellung gewonnen und Böttger von seinen alchimistischer Spielereien abgelenkt. Immerhin hat Böttger narf dem Tode von Tschirnhaus als erster größere Mengen Porzellangeschirr fabrikmäßig hergestellt uni die neue Masse verändert und verbessert.
_ o Karl Schreiber, der junge Hanauer Schauspieler, hat, nachdem er am Staatstheater in Nieb er galls „Datterich" erfolgreich mitgewirkt hatte, an der Pommerproduktion für den nächsten Ufa-Ton film ein Engagement erhalten. Die Aufnahme» haben bereits begonnen.
o Rauhnacht. Das Schauspiel „Rauhnacht" voU Richard Billinger (siehe Besprechung in Nr. 26 des Hanauer Anzeigers ist als Buch im Insel-Verlag. Leipzig, erschienen.