Nr. 27
Dienskag, den 2. Februar 1932
SeNe 3
Stadt Sana«
Siettevkalendev -üv Sebvuav Preußen
I. Januar: Einreichung der Gewerbekapitalsteuer- Erklärung für das Rechnungsjahr 1931.
V Februar: Ablieferung des Lohnabzuges eintet Ledigenzuschläge und Krisensteuer.
I. Februar: Hauszinssteuer usw.
Reich
). Februar: Umsatzsteuer-Voranmeldung und Zahlung für Januar seitens der Unternehmer mit über 20 000 Mk. Jahresumsatz im letzten vorausgegangenen Steuerabschnitt.
). Februar: Börsenumsatzsteuer für Januar.
>. Februar: Aufbringung 2. Rate für das Rechnungsjahr 1931. Zahlung wie per 15. 8. 1931. i. Februar- Einkommensteuervorauszahluno der Landwirte für K Jahr.
>. Februar: Vermögenssteuer-Vorauszahlung für das 1. Vierteljahr 1932 nach dem letzten Bescheid.
Preußen
> . Februar: Gewerbeertragssteuer für 4. Quartal 1931.
> . Februar: Gewerbekapitalsteuer für 4. Quartal 1931.
). Februar: Kirchensteuer.
Hessen
> . Februar: Grund-, Gewerbe- und Sondergebäudesteuer, Schonfrist bis 5. März.
Reich
> . Februar: Einreichung der Einkommen- und Körperschaftssteuererklärungen für 1931 bzw. für 1930/31.
). Februar: Einreichung der Umsatzsteuererklä- rungen für 1931 bzw. 1930/31.
Stwensftoffanichlas auf einen âftev
heute nacht gegen 1 Uhr explodierte auf der lraße zwischen dem Riederrodenbachex Weg und Zolfgang ein an einem Raume aufgehängter prengsloffkörper in dem Augenblick, als ein För- er des dortigen Reviers auf seinem Rad vorbei- chr. Der Förster wurde durch den Luftdruck zur eite geschleudert, aber nur ganz leicht verletzt. An- heinend handelt es sich um einen Einschüchterungs- 'rsuch, da der Sprengkörper nicht an der Straßen- ite, sondern an der Waldseite angebracht war. Die olizeilichen Ermittlungen sind im Gange, doch fehlt orläufig von den Tätern noch jegliche Spur.
Steifte Mocken r
„Die weiße Front" stellt sich uns in diesen Tagen itgegen, wenn wir uns aus den Straßen sehen issen. Die Frauen sind bereits zum Angriff über- egangen und sie „zerstückeln". Wir Männer aber shen vorläufig still beiseite und harren der Dinge, ie da kommen sollen Es ist eine alte Weisheit: Ilies, was man im Leben mit Geld abmachen MN, ist nicht so schlimm." Also, auch die Weißen Wochen nicht! Wenn wir Männer unseren Bestand i Hemden und Nachthemden, an Unterzeugen, ragen und Schnupftüchern einmal zu Hause richtig ater die Lupe nehmen würden, dann dürfte es sich ich bei fünfundsiebenzig Prozent Männern heraus- ellen, daß es an der Zeit ist, einmal dies und nes zu erneuern, zu ersetzen, weil der Zahn der eit, der sonst alle Wunden heilt, die weiße Wäsche rg verwundet. Jeder Waschtag geht auf Kosten des toffes — besonders bei der Herrenwäsche; das issen die Junggesellen am besten.
Da kommen die Weißen Wochen alljährlich zur ichten Zeit, just in die Zeit der Festlichkeiten, der läster oben und Vereinsbälle, wovon jede und der natürlich ein reines Hemd kostet, denn Frauen aben das gern — wenn die Männer saubere Zäsche tragen Sie brauchen ja nicht gleich wie ans Albers zum „Draufgänger" werden. Deshalb
Errichtung eines Avbeits- fchutzamtes
Bildung eines LandesarbeltSsckutzamtes Zattel für den Begieenngsberiek Kassel
Der Reichsrat hat vor einiger Zeit den Entwurf eines Reichsarbeitsschutzgesetzes verabschiedet. Wie aus den Bestimmungen dieses Gesetzentwurfes hervorgeht, wird bei der Neuordnung der Gewerbeaufsicht Hanau Sitz eines Arbeitsschutzamtes.
Die Frage der Neugestaltung der Arbeitsaufsicht ist in den beteiligten Kreisen seit langem ausführlich erörtert worden. Das neue Arbeitsschutzgesetz beläßt grundsätzlich den Ländern di« Arbeitsaufsicht und beschränkt sich darauf, dem Reich einen maßgeblichen Einfluß auf eine möglichst zweckentsprechende Organisation und eine" möglichst einheitliche Betätigung der Arbeitsschutzbehörden zu geben. Auf dem Gebiete der Organisation übernimmt das Gesetz die Einführung von Arbeitsschutzämtern und Landesarbeitsschutzämtern. Während der Reichsrat nur die Möglichkeit der Einführung von Landesarbeitsschutzämtern geben wollte, schreibt sie das Gesetz im Interesse der Einheitlichkeit des gesamten Aufbaues und zur Ermöglichung eines einheitlichen Instanzenzuges allgemein vor. Um auch in der Größe und Abgrenzung der Bezirke allzu große Verschiedenheiten möglichst zu vermeiden, ist die Regel aufgestellt, daß die Landesarbeitsschutzämter die Bezirke von mindestens vier Arbeitsschutz- ämtern umfassen sollen. Ihre Spitze soll die Ar- beitsaufsicht in den Ländern in der obersten Landesbehörde finden. Diese, soll nicht nur die Dien staufsicht über die Arbeitsschutzbehörden ihres Landes führen, sondern auch in weitem Umfange sachliche Aufgaben auf dem Gebiete des Arbeitsschutzes erfüllen, also eine ähnliche Stellung einnehmen wie bisher. Zur Erzielung einer einheitlichen Anwendung des Arbeitsschutzgesetzes wird für gewisse Fälle von Beschwerden ein Verfahren bis zu einer im Reichsarbeitsministerium zu bildenden Beschwerdestelle durchgeführt. Die Arbeitsschutzbehörden der Länder sollen wie bisher selbständige Behörden sein. Der Aufgabenkreis der Arbeitsschutz- behörden wird nach dem neuen Gesetz im wesentlichen der gleiche sein, wie ihn bisher die Gewerbeordnung in Verbindung mit den Bestimmungen der Demobilmachungsverordnungen über die Arbeitszeit, mit der Bäckereiverordnung und dem Kinderschutzgesetz für die Gewerbeaufsichtsbeamten
werden die meisten Frauen auch zwischen Nacht und Morgen sagen: „Laß das verfl .... Geld, geh auf die große Fahrt, denn wenn euer Kongreß tanzt, stehst du da „in blankes Hemd" mit'n zerrissenen Kragen!" Die Frauen sind in dieser Ve- ziehung weit vernünftiger als die Männer.
Wette, daß schon tausende Frauen ihren Wäschebestand geprüft haben und genau wissen, was sie in den Weißen Wochen kaufen wollen. Wetten, daß Hunderte Frauen auch schon etwas gespart haben auf diese Wochen! Man kennt doch die Frauen. Blutet ihnen nicht das Herz, wenn sie in den Schaufenstern für wenige Pfennige und Groschen Sachen liegen sehen, die sie dringend benötigen? Gewiß, viele,' sehr viele können heute nichts mehr kaufen, die wirtschaftliche Lage hat auch sie zur Strecke gebracht, aber es gibt auch noch viele Frauen, viele Familien, die noch kaufen können, di« noch nichts oder weniger von dem Elend unserer Tage empfunden haben. Diese werden auch jetzt wieder ihren Bedarf kaufen, wie einst, als unsere Zukunft noch auf dem Wasser schwamm.
Gerade in einer Zeit wie der jetzigen muß ein jeder dafür sorgen, daß das wenige Geld, das noch im Lande ist, flüssig bleibt; der Taler muß rollen, mit jedem einzelnen Taler müssen Dutzende Menschen arbeiten; nie darf er monatelang nutzlos liegen. Früher hieß es: Zeit ist Geld! Heute muß es heißen: Geld schafft bessere Zeiten! Billiger denn je ist die Ware geworden. Und warum? Well jeder
umgrenzte. Er soll den gesamten sachlichen und persönlichen Geltungsbereich des Arbeitsschutz- gesetzes umfassen. Die Befugnisse der Arbeitsaufsichtspersonen sind ebenfalls im wesentlichen die gleichen wie bisher den Gewerbeaufsichtspersonen nach der Gewerbeordnung zustehenden. Von den neben der Gewerbeaufsicht auf dem Gebiet der Arbeitsaufsicht tätigen sonstigen Aufsichtsorganen sollten die Polizeibehörden in Zukunft nicht mehr selbständig neben der Arbeitsaufsicht tätig sein, sondern ihr Hilfsorgan bilden. Reu ist die Schaf- fung einer formellen Beschwerde gegen die Anordnungen der Arbeitsschutzämter.
In Kassel wird das für Hanau zuständige Landesarbeitsschutzamt für den Regierungsbezirk Kassel gebildet. Ueber die Beschwerde gegen eine Entscheidung des Arbeitsschutzamtes Hanau entscheidet das Landesarbeitsschutzamt Kassel in der Besetzung mit einem Beamten und je einem Arbeitnehmerund Arbeitgebervertreter des Bezirks. Gegen seine Entscheidung soll in wirtschaftlich wichtigen und grundsätzlich bedeutsamen Fällen eine weitere Beschwerdestelle an die Beschwerdestelle des Reichsarbeitsministeriums zulässig sein. Eine angemessene Mitwirkung der Beteiligten an der Ar- beitsaufstcht ist nach Auffassung des Reichsarbeitsministeriums zu begrüßen. Das Arbeitsschutzgesetz sieht in dieser Hinsicht die Bildung von Beiräten bei den Landesarbeitsschutzämtern vor, die diese in allgemeinen Fragen des Arbeitsschutzes beraten sollen. Außerdem soll bei den Landesarbeitsschutzämtern, soweit sie als kollegiale Spruchstellen über Beschwerden gegen wichtige Anordnungen der Arbeitsschutzämter entscheiden, Vertreter der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer mitwirken. In ähnlicher Weise wird der Reichsarbeitsminister in allgemeinen Fragen des Arbeitsschutzes vom Reichsausschuß für Arbeitsschutz beraten.
Das Arbeitsschutzamt Hanau wird eine Behörde sein, deren Wirkungskreis die Aufsicht über die Durchführung der Gesetze, Anordnungen oder Verordnungen umfaßt, die zum Schutz der gewerblichen Arbeiter und Angestellten zur Sicherung von Leben, Gesundheit, Sittlichkeit und wirtschaftlicher Lage bestimmt sind.
Geschäftsmann verkaufen, seine Ware umsetzen muß. Die Läger sind gefüllt; man gehe in die Geschäfte und überzeuge sich.
Für junge Damen ist es jetzt auch Zeit, für ihren Hamsterkasten einzukaufen, denn dem fleißigen Hamster schadet kein Winter. „Schmücke dich, liebe, lachende Kleine, — trage das schönste, weißeste Band, — seidene Spitzen von zitternder Feine, — tändelnden Flitter und flatternden Tand! — Lebst ja nicht immer die köstlichen Jahre — frohen Schwelgens, lieblich und hold, — weiße Nelken steck in die Haare, — und dein Gürtel sei güldenes Gold! — Schmücke dich, liebe, lachende Kleine, — Jugend will ich in Schönheit sehn!" — Und was den jungen Damen recht ist, das ist den dann kommenden heute billig, weil eben just die Weißen Wochen beginnen und der Pfennig im Beutel heute schon als guter Kumpan beim Einkauf gilt, weil er wieder ernst genommen wird, zumal wenn sein großer Bruder, der neue „Vierer", Anfang Februat kommt. Dann wird alle Not ein Ende haben und wir werden bald in der vierten Dimension schweben.
Also, greift nur hinein ins volle--Ausverkaufsleben der beginnenden Woche, denn wo ihrs packt, da lohnt es sich. Der Pulsschlag des Lebens hat heute Tempo, da hilft kein abseits und träge am Wege stehen, nein, zufassen ist heute Trumpf! Sehe jeder, daß er das Richtige gut und billig findet, dann hat er in „Weiß" wieder ein Jahr Ruhe.
Svwettevtev Schutz sese« IwaussvoMtveckuus
Zu den in der Vierten Notverordnung getroffen nen Maßnahmen auf dem Gebiete der Zwangsvoll« streckung, verordnet die Reichsregierung unter dem 30. Januar 1932, folgendes:
§ 1. Hat der Scyuldner unterlassen, die einstweilige Einstellung >er Zwangsversteigerung gemäß 8 5 des dritten Teiles der Verordnung vom 8. Dezember 1931, innerhalb der in den § 6, § 22, Abf. 3 Satz 1 bestimmten Fristen zu beantragen, so ist ihm auf Antrag, auch ohne daß die Voraussetzungen des § 253 der Zivilprozeßordnung vorliegen, die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand zu gewähren. Der Antrag auf Wiedereinsetzung gemäß Abs. 1 ist nur bis zum 29. Februar 1932 zulässig. Der Gewährung der Wiedereinsetzung steht nicht entgegen, daß ein Antrag gemäß § 5 des dritten Teiles der Verordnung vom 8. Dezember 1931 bereits als verspätet zurückgewiesen, oder die Wiedereinsetzung auf Grund der bisherigen Vorschriften bereits abgelehnt war.
§ 2. Ist in einem Falle der im § 1 bezeichneten Art später, jedoch vor dem 1. März 1932, der Zuschlag erteilt worden, so kann der Schuldner die einstweilige Einstellung der Zwangsversteigerung noch nachträglich im Wege der Beschwerde gegen den Zuschlag beantragen. War die Frist für diese Beschwerde bet Inkrafttreten dieser Verordnung noch nicht abgelaufen, so endet sie nicht vor dem 29. Februar 1932. War die Beschwerdefrist bei Inkrafttreten dieser Verordnung bereits abgelaufen, so kann der Schuldner bis zum 29. Februar 1932 in entsprechender Anwendung des § 1 die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand beantragen.
§ 3. Hat der Schuldner im Falle des § 22 Abs. 3 Satz 2 des dritten Teils der Verordnung vom 8. Dezember 1931 unterlassen, die einstweilige Einstellung der Zwangsversteigerung im Wege der Beschwerde rechtzeitig zu beantragen, so kann er bis zum 29. Februar 1932 in entsprechender Anwendung des § 1 die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand beantragen.
§ 4. In den Fällen der § 2 Abs. 2, § 3 ist die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand zu versagen, wenn die Verteilung des Versteigerungserlöses bereits stattgefunden hat.
* Daten für 3. Februar. 1721: Der Reitergeneral Dr. W. v. Seydlitz in Kalkar geboren. 1809: Der Komponist Felix Mendelssohn-Bartholdy in Hamburg geboren. 1813: Aufruf Friedrich Wilhelm III. zur Bildung eines freiwilligen Jägerkorps.
* Ihren 82. Geburtstag feiert morgen, 3. Febr., in geistiger und körperlicher Frische Frau Gertrude Rauch geb. Matscheck, Große Dechaneistraße 33.
* 50jähriges Geschâftsjubiläum. Das Kleider« geschäift von Andreas Becker vorm. Wilhelm Deuster, Nordstraße 1—3, kann in diesem Monat auf ein 50jähriges Bestehen zurückblicken. Die seit 1882 beliebende Firma wurde bis 1899 von Wilhelm Deuster geführt. Von da ab ist Herr Andreas Becker Inhaber der Firma.
* Preuß. Klassenlolterie. Nochmals sei darauf hingewiesen, daß heute — Dienstag — der letzte Erneuerungstag für die 5. Klasse ist.
* Die Anmeldungen für die Handelsschule und höhere Handelsschule werden in der Eberhardschuls Zimmer 22 von 10—12 Uhr entgegengenommen. Näheres siehe amtliche Bekanntmachung.
* Die höhere Mädchenschule in Großauheim verfolgt ein doppeltes Ziel: sie führt zur mittleren Reife und bahnt somit ihren Schülerinnen den Weg in praktische Berufe. Ferner können Schülermnen mit entsprechender Begabung nach erfolgreichem Abschluß der 1. Klasse die Prüfung für Obersekunda ablegen. Siehe auch Inserat.
* Einbruch. In der Nacht zum 1. Februar wurde in einer Kantine in der Ruhrstraße eingebrochen. Aus einem Billard entwendete der Täter 15—20 RM Bargeld. Sachdienliche Mitteilungen erbittet das Kriminalkommissariat, Zimmer 248b.
UöE 44 IM# 4^ jw!
Don Hans von Hülsen.
!5 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Erlaube" sagte Hans, der die ganze Zeit über iö an seinem Entenschnabel gesogen hatte, „ich luß dich aus meuter Kenntnis der Literatur be= hren: solche Fälle sind nicht ganz selten, daß ein ächter in seinen Büchern Erlebnisse vorwegnimmt, ie andere Leute sehr viel später wirklich haben. Zenn nus em solcher Beweis droht, sollten wir 'nen Sachverständigen ausfindig machen, der das or Gerich' mit durchschlagenden Beispielen erhöret Man müßte Leitz fragen, der würde sicher sofort mand nennen können."
„Versuch's", sagte Gunhilde, ungläubig den Kopf hüttelnd „vielleicht bekommst du eine Antwort von NN. — Aber es sind auch noch andere Momente 3 . . /
Werner fuhr in die Höhe. Gunhilde hatte wohl eschen, daß er schon während der ganzen Unteraltung mit einer starken Erregung gekämpft hatte - jetzt explodiert« er: „So? Ach so? — Wirklich? )u glaubst also . . . sage es doch rund heraus, daß u an diesen erbärmlichen Kerl als Verfasser laubst. Sage es doch offen! Es macht mir gar nnen Eindruck. Du ergehst dich da ganz einfach 1 Phantasien. Aber wir andern müssen auf dem Zoden der Wirklichkeit bleiben. Auf dem realen Zoden! Es geht um ein großes Objekt, es steht olosial viel dabei auf dem Sniel! Ich rede gar acht von den Tantiemen obwohl das ja auch eine tanz hübsche Summe ausmacht! Aber wir haben Hein bis jetzt schon an die hunderttausend Mark n den Film hineingesteckt — das sage ich dir in ■einer Eigenschaft als Syndikus der „Lux". Du last einfach die verdammte Pflicht und Schüldigkeit, tiefe Sache für uns durchzukämpfen, für uns Ge- chwister ebenso wie für dis Gesellschaft! Und nenn du tausendmal anderer Meinung bist, du Host ânfach die Pflicht! Dafür bist du engagiert, dafür virst du bezahlt! . . Ich habe ja immer gewußt", uhr er nach einer Atempause fort, „daß die grauen nicht geeignet sind für solche Berufe! Dazu jebären Nerven, Nerven und noch mal Nerven, •mb die habt ihr nicht! Ihr laßt euch von jedem Raffern ms Bockshorn jagen, ihr klappt zusammen,
ihr macht schlapp dicht vor dem Ziel! — So was kann ich nicht brauchen!"
„Bitte", sagte Gunhilde ruhig, „ich gebe meinen Auftrag zurück. Ich lege die Verteidigung nieder. Das war ohnehin meine Absicht, seit ich meine Entdeckungen gemacht habe."
„Welche — welche Entdeckungen?" rief Werner.
„Drei oder vier kleine, aber gewichtige Entdeckungen, mein Lieber, die mir jedenfalls beweisen, daß Papa das Buch nicht geschrieben hat."
Er polterte von neuem los: „Was hast du solche Entdeckungen zu machen? Was hast du überhaupt herumzuschnüffeln und die Geschäfte der Gegner zu besorgen? Deine Aufgabe ist einzig und allein, dich auf unsere Verteidigung zu konzentrieren — lächerlich, daß ich dir das sagen muß! Auf die Verteidigung unserer Sache! Statt dessen wirst du schwachmütig und machst „Entdeckungen"! — Gut, mache sie meinetwegen, wenn dir das Privatvergnügen macht, aber habe deine Aufgabe im Auge, mit pupillarischer Sicherheit, und behalte deine sogenannten Entdeckungen für dich!"
Gunhilde schwieg. Fest und ein wenig spöttisch blickte sie dem Bruder in die unruhig hin und her gehenden Augen.
„Hast du nicht selbst gesagt, vorhin, Werner, daß du nur einen Anwalt brauchen kannst, der an deine Sache glaubt?"
„Ja, ja, ja!" schrie Werner, aufs höchste erbost durch ihren unverhohlenen Spott. „Und ich hatte wohl ein Recht, zu glauben, daß ich den in dir besäße! Wo es doch auch um deinen Vorteil geht! Und um Papas Namen, den du doch auch trägst, genau wir wir! Soll denn Papa ... der gute Papa", sänftigte er plötzlich melodramatisch seine Stimme, „als ein Dieb und Betrüger dastehen?"
„Nein", fiel ihm Gunhilde in die Rede, „das soll er nicht. Das soll er bestimmt nicht."
„Na also! Na also!" ereiferte sich Werner. „Was ist also zu tun? Du mußt ihn verteidigen, du mußt seinen Namen verteidigen, du mußt die Schande abwehren, die man ihm anhängen will. Das ist deine einfache Tochterflicht! Statt dessen machst du Entdeckungen . . . nein, nein, ich will gar nicht wissen, was du dir einbildest, entdeckt zu haben. Nochmals, entdecke soviel du willst, aber vor Gericht steh stramm! Das kann ich verlangen, das kann Hans verlangen; wenn du das nicht willst, bist du ein elender Schlappschwanz!"
Gunhilde stand auf; sie sah, wie auf dem Grunde von Hansens Träumerauge ein Lächeln spielte, sie sah hinüber zu dem andern, der vor Aufregung den untersten Westenknopf auf- und zuknöpfte.
„Wie sprichst du zu mir?" fragte sie ruhigen Tones. „Ich verbitte mir das. So kannst du mit deiner Geliebten reden, aber nicht mit mir."
Sie sah, daß er wie unter einem Peitschenhieb aufschnellen wollte, sie erhob die Stimme und sagte: „Genug. Ich habe die Verteidigung niedergelegt. Suche dir einen andern Anwalt."
Nun war auch Werner aufgestanden, erregt packte er den Stuhl bei der Lehne und stieß ihn hart auf den Fußboden.
„Das will ich. Gott sei Dank gibt's noch andere Verteidiger in Berlin. Und bessere, das kannst du mir glauben. — Aber das sage ich dir, Gunhilde", rief er laut, „deinen Posten bei der „Lux" biste los, mein Kind. Ich setze dich raus, das verspreche ich dir!"
Er rannte wie ein gereizter Stter durch das schon dämmernde Zimmer.
„Antworte!" rief er endlich, da die Schwester beharrlich schwieg, und blieb dicht vor ihr stehen, wie ein Lchrer vor seiner Schülerin.
„Antworten?" Gunhilde trat einen Schritt beiseite, als müsse sie seinem Atem ausweichen. „Du hast mich nichts gefragt, soviel ich weiß. Die Akten stehen dir jederzest zur Verfügung. Ich habe Klienten genug, auch ohne euch. — Und wer sagt dir denn, daß ich Lust habe, tn diesem Büro mein Leben zu verbringen?"
Er gab eine Weile keine Antwort, ging im Zimmer auf und nieder. Als sie sich endlich nach chm umwandte, hatte er den Hut in der Hand und den Mantel üb ernt Arm.
„Gut. Du willst es so. Du wirst von mir hören. — Hans, fährst du mit?"
Und da der Bruder den Kopf schüttelte, ging er mit schnellen Schritten hinaus. —
Die Geschwister blieben allein zurück. Hans saß, wie immer, schweigend in seinem Stuhl, ein kleines spöttisches Lächeln um den bartlosen Mund; Gunhilde ging ein wenig umher, ehe sie sich ihm gegenübersetzte.
„Was sagst du nun?" fragte sie.
Er nahm die Pfeife nicht aus den Zähnen. „Wird sich beruhigen. Er ist immer wie billiger
Sekt. Viel Schaum und nichts dahinter. — Morgen denkt er ganz anders."
„Ja", antwortete sie und zog die geraden Brauen in dis Höhe. „Er vielleicht — aber ich nicht. Mein Entschluß steht fest: ich lege nieder — und mehr als das, ich mache es wie Leitz, ich trenne mich von der Klage. Es ist das Klügste, was wir tun können."
Und sie erzählte ihm in ruhigen Worten, ohne auch jetzt von ihrem Besuch bei Lobedanz zu sprechen, was sie in den letzten Wochen durch Zufall und durch Findigkeit entdeckt hatte, sprach von den vielen Wegen in der Stadt und ihrem Resultat, und von den Bemerkungen, die sich ihr aufgedrängt hatten, als sie Lobedanz' Briefe und das Manuskript des Romans nebeneinander auf des Vaters Schreibtisch gelegt. Sie kannte den Bruder, sie wußte, daß er seine Betroffenheit nicht äußern würde, aber sie las sie deutlich in seinem Gesicht.
«Ist es da nicht der helle Wahnsinn, vors Gericht zu gehen?" schloß sie
Er blickte eine lange Weile an ihr vorbei durchs Fenster, vor dem die Bäume schon zartbelaubt im schrägen Abendlichte standen; und an den kleinen blauen Wölkchen di« er von Zeit zu Zeit zwischen den trockenen Lippen entweichen ließ, sah sie, daß er unablässig nachdachte.
„Ich finde doch, man muß klagen", sagte er und lächelte vergnügt, als er in ihren Augen ein Befremden bemerkte. „Ihr habt den guten Lobedanz in aller Oeffentlichkeit verknacken lassen, ihr seid ihm nun wohl schuldig, daß er in derselben Oeffentlichkeit rehabilitirt wird. Also, ich ziehe mich von der Klage nicht zurück."
(Fortsetzung folgt)
Stadt Theater Aanau
Dienstag. 2 Febr. 8—11 Uhr, 19. Dorstell. im Dienstag-Abonn., der größte Schaufpielerfolg der Spielzsit:
„Rauhnacht"
Mittwoch, 3. Febr.. nachm. 3 Uhr, Fafchingskindsr- vorftellung zu kleinen Preisen 30 Pfg. bis 1.60 RM: ..Max und Moritz", abends 8 Uhrr w3ft das nicht nett von Colette?"