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Sette 6

Montag, den 1. Februar 1932

«r. 26

in reicher Auswahl

Theodor Escher

Krämerstraße 7

I Neue Frankfurter D

M Allgemeine Versicherungs-Aktlen-Ges. W

GE«««s dev »Grüne« Woche"

Berlin, 30. Jan. DieGrüne Woche Berlin" wurde heute vormittag in Anwesenheit von mehr als 1500 Ehrengästen feierlich eröffnet. Reichs­minister für Ernährung und Landwirtschaft Dr. h. c. Schiele überbrachte die Grüße und Wünsche des Reichspräsidenten und der Reichsregierung. Ein Ausweg aus der heutigen Notzeit, so erklärte er, könne nur gefunden werden, wenn alles daran ge­fetzt wird, die heimischen produktiven Kräfte wieder zu beleben Mehr und mehr werde es Gemeingut, daß um der Zukunft der Wirtschaft willen zu aller­erst Agrarpolitik betrieben werden müsse. Die in der Ausstellung gezeigten Schaubilder beweisen, daß Deutschland in seiner Nahrungsmittelversorgung nicht mehr aus das Ausland angewiesen sei, daß sich nicht die Macht der Gläubiger in einen gewollten Druck harter Entbehrungen wie in den Kriegs- und Nachkriegsjahren umsetzen könne:

Gerade in diesen Zeiten, wo wir um die Befrei­ung der politischen Zahlungen kämpfen, kämpfen müssen und kämpfen werden, wäre es unerträglich, wenn nicht unser tägliches Brot in genügender Menge auf eigener Scholle wüchse. Deshalb hat die Reichsregierung besondere Maßnahmen ergriffen, damit uns ein Brotkartenwinter 1933 oder Schlim­meres erspart bleibt."

Der preußische Landwirtschaftsminister Dr. Steiger sagte, dieGrüne Woche" habe sich die Aufgabe gestellt, Mittel und Wege zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit und zur Abwehr der Wirtschafts­krise aufzuzeigen. Er sprach über die wirtschaftlich und sozial gleich wichtige ländliche Siedlung, die Landesmelioration, über den freiwilligen Arbeits­dienst und über die Probleme der Forstwirtschaft.

Oberbürgermeister Dr. Sahm hieß im Namen der Reichshauptstadt alle an dieser großen landwirt­schaftlichen Ausstellung Beteiligten willkommen.

aacc Studienassessoren warte«

Berlin, 30. Jan. Der preußische Kultusminister hat dem Landtag eine Uebersicht über die Zahl der infolge der preußischen Sparmaßnahmen vom 1. Oktober an im Hähern Schuldienst nicht mehr vollbeschäftigten (nur stundenweise und unentgelt­lich beschäftigten) Studienassessoren und Studien- assessorinnen nach dem Stande vom 15. November zugeleitet. Danach waren in Preußen 1479 Studien­assessoren und 754 Studienassessorinnen nicht voll beschäftigt. Stundenweise waren beschäftigt 740, un­entgeltlich 914 Studienassessoren (innen). Im ein­zelnen betrugen die Zahlen der nicht vollbeschäftig­ten Studienassessoren (innen) in Ostpreußen 99, in der Grenzmark Posen-Westpreußen 9, in Berlin und Brandenburg 616, in Pommern 77, in Nieder­schlesien 184, in Oberschlesien 65, in Sachsen 152, in Schleswig-Holstein 101, in Hannover 90, in Westfalen 4Ö3, in Hessen-Nassau 212 und in der Rheinprovinz 638. Von den 740 stundenweise be­schäftigten Studienassessoren (innen) erhalten 468 80 v. H. ihre bisherigen Dienstbezüge weiter.

Bummel duech Bomba« 1932

Europäer, die eine Revolution sehen wollen vor­nehme und weniger vornehme Hotels Die schönen Pariserinnen Arbeitslose Akademiker undmin­derbemittelte" Europäer Gehaltskürzung von Songreßwegen Englands treueste Freunde helfen nicht Was können die Inder kaufen?

Die politischen Ereignisse in Indien haben das gesellschaftliche Bild in Bombay fast gar nicht be­rührt. Den Mittelpunkt des mondänen Treibend bildet das Taj-Mahal-Hotel, das zwar das erste Haus am Platze ist, sich aber im Laufe der letzten zwanzig Jahre fast überhaupt nicht geändert hat. Wie fast alle wichtigeren Bauten der indischen Me­tropole, ist das Hotel im gotischen Stil erbaut. Da strömen die Europäer zusammen, die aus den ver­schiedensten Gründe nach Indien kommen, nicht zuletzt in dem Wunsch, dieRevolution" aus näch­ster Nähe zu sehen. Das Milieu des vornehmen Taj-Mahal-Hotel" und seiner bescheideneren De- pendence, des sogenanntenGreen", wo auch Inder zweiter Klasse Aufnahme finden, ist nicht ohne Reiz. Da kann man durchreisende Maharadschas bewundern, die in fabelhaften, an den unmöglich­sten Stellen mit Silber beschlagenen Autos und mit einer märchenhaften Eskorte ankommen. Daneben sieht man die schönsten Parsendamen von Bombay, die im Schnitt der Nase an Armenierinnen er­innern, und bei deren Anblick man unwillkürlich an denTurm des Schweigens" denkt, den Mala­bar Hill, wo die Parsen die Leichen ihrer Ange­hörigen den Geiern zum Fraße hinwerfen.

Alle Inder, die imTaj-Mahal" verkehren, sind Nationalisten. Diese eleganten Kavaliere sind ge­wöhnlich junge Leute, die, meist unter schweren Opfern ihrer Familie, in Europa studiert und dort «inen akademischen Grad erworben haben, und die,

r« de« sümpfe« im Semen Osten

Die Führer des chinesischen Widerstandes

Eugen Tschen, der frühere Außenminister der Kantonregierung und bis vor wenigen Tagen Außenminister der Zentralregierung, hat in Schanghai den Ab­wehrkampf gegen die japanische Invasions- Armee organisiert.

Prinz Ehichibu,

Der Kaiser von Japan Hirohito, dessen Name, (auf deutschLeuchtender Friede") in der Politik Japans gegen China leider nicht zur Geltung gekommen ist.

(links) der Bruder des Mikado, ist als Haupt­mann in den Krieg gegen China gezogen.

nach Hause zurückgekehrt, infolge der trostlosen wirtschaftlichen Verhältnisse keine Anstellung finden können.Zu diesen eingeborenen Akademikern", so schreibt Arnaldo Cipolla in derStampa", treten imGreen" Mischlinge beiderlei Geschlechts, weiße Jockeys, die in Bombay, dem Mekka der Wett­rennen, eine große Rolle spielen, die Züchter edler Araberpferde, die weißen Direktoren der Textil­fabriken von Parell, dem Jndüstrievorort Bom­bays, und endlich dieminderbemittelten" Euro­päer, die im Monat weniger als 1000 Rupien, das sind nominell 2000 Mark, verdienen und sich in nie gestillter Sehnsucht nach weißen Frauen verzehren, weshalb auch in Indien alle europäischen Mädchen im Handumdrehen einen Mann finden. Die Frage der Gehälter, vor allem aber das Mißverhältnis, das zwischen der Entlohnung der Weißen und jeder der Inder besteht, ist in Indien heute das Tagesgespräch. Der Kongreß hatte bereits festge­setzt, daß im unabhängigen Indien der Zukunft niemand mehr als 500 Rupien im Monat ver­dienen dürfe, und es kann als ausgemacht gelten, daß ein zur Selbstregierung gelangtes Indien empfindliche Abstriche an den Gehältern der Euro­päer vornehmen wird. Diese Gehälter sind nämlich im allgemeinen recht hoch und gestatten den Weißen eine Lebensführung, die in diesem Lande, wo der Lebensunterhalt so gut wie nichts kostet, geradezu verschwenderisch genannt werden muß und das Ihrige zur Verschärfung der bestehenden Span­nungen beiträgt.

Die Besucher desTaj-Mahal", die sich nicht zum Gandhismus bekennen, sind die Großindu­striellen aus der Gemeinschaft der Parsen. Sie ver­meiden es grundsätzlich, über Politik zu reden, und ihre Unterhaltung dreht sich um nichts anderes als um die Kaufkraft der Inder im Verhältnis zu jener der Europäer. Auf fast allen Gebieten inustrieller Betätigung erreicht die Kaufkraft der indischen Be­völkerung nicht einmal den zwanzigsten Teil der europäischen. Wenn die Parsen, diese reichsten In­dustriellen Bombays, auch heute noch Englands Freunde geblieben sind, die sie immer waren, so sind sie doch nicht gesonnen, den Engländern in ihren augenblicklichen Schwierigkeiten beizustehen. Das geht schon zur Genüge daraus hervor, daß sie ihre Gelder von den Banken abziehen und immer mehr dazu übergehen, ihre Betriebe stillzulegen. Die industrielle Entwicklung Indiens beruht nach der Versicherung von Sachverständigen, auf den Textil­fabriken in Bombay und Amehabad, der Stadt Gandhis. Alle anderen Industrien des Landes, wie Stahlwerke, Eisengießereien und Werften liegen arg darnieder, denn der Absatz ist zurückgegangen und teilweise ganz ins Stocken geraten. Trotz den Hungerlöhnen der eingeborenen Arbeiter und trotz dem Zollschutz stellt sich das indische Erzeugnis we­sentlich teurer als das europäische, mit dem es sich an Qualität nicht einmal vergleichen kann.

Fünf Gebäude durch Feuer vernichtet

Wittenberge, 30. Ian. Die Ortschaft Vielank bei Doemitz, in der im letzten Jahre bereits rund 30 Gebäude durch Brandstiftung vernichtet wurden, ist

Marschall Tschiangkaischek, der Oberbefehlshaber aller chinesischen Truppen, die jetzt in Schanghai zum Widerstand gegen Japan gesammelt werden.

gestern nacht wieder von einem großen Brande heimgesucht worden. Es wurden insgesamt 5 Ge­bäude ein geäschert. Man vermutet wieder Brand­stiftung.

Fünf verletzte bei einem schweren Fahrstuhlunfall

Berlin, 30. Jan. Bei der Reparatur eines Fahr­stuhles in der Ackerstraße ereignete sich heute ein sonderbarer und folgenschwerer Unfall. Vier Arbei­ter, die im Erdgeschoß auf dem Fahrstuhl standen, lösten das Halteseil und wollten es solange fest­halten, bis das Ersatzteil angebracht war. Durch das schwere Gegengewicht wurden sie aber mit plötzlichem Ruck bis etwa in die Höhe der dritten Etage gezogen, während gleichzeitig das Gegen- gewicht jäh herabsauste. Dann stürzten die vier Arbeiter aus der dritten Etage ab. Das Gegen­gewicht hatte beim Herabstürzen einen fünften Mann getroffen. Drei der Verunglückten sind schwer, zwei leicht verletzt worden.

Postagentin nach Unterschlagung von 200 000 RRl geflohen

München-Wasserburg, 30. Jan. Die 40jährige Postagentin Steubl ist gestern nach Unterschlagung von 200 000 RM amtlicher Gelder geflohen. Sie fuhr mit dem Auto nach Plattling, wo sie einen Postbeamten traf, der vorher telegraphisch verstän­digt worden war. Die Steubl und der Postbeamte fuhren dann nach Eisenstein weiter. Es ist noch nicht bekannt, ob sie die tschechoslowakische Grenze überschritten haben.

Freispruch statt beantragter Todesstrafe

Leipzig, 30. Jan. Das Schwurgericht sprach heute den 54 Jahre alten Malermeister Junghans von der Anklage des Gattenmordes frei. Junghans war beschuldigt, am 13. April vorigen Jahres seine Frau getötet zu haben. Der Angeklagte behauptet, daß seine Frau Selbstmord verübt habe. Das Ge­richt sah die Schuld des Angeklagten als nicht er­wiesen an. Der Staatsanwalt hatte die Todesstrafe beantragt.

Hauptmann von Köpenick" in Ungarn verboten

Budapest, 31. Jan. Die Filmzensur hat den deutschen TonfilmDer Hauptmann von Köpenick" mit der Begründung für Ungarn verboten, daß der Filmine deutsche Bürokratie lächerlich mache". Einige Blätter fragen, warum Ungarn päpstlicher als der Papst sein wolle, und weisen darauf hin, daß in Deutschland der Film überall größte Heiter­keitserfolge erzielte, ohne daß die Behörden wegen Verletzung der Amtswürde einschritten.

In Berlin nehmen sich täglich 45 Menschen das Leben.

*

Der Neptun braucht 164 Erdens ähre und 280 Tage um einmal die Sonne zu umkreisen.

Königskronen und Ute SchiMal

Seltsame Abenteuer der englischen Königskrone. - Zur Krönung geliehen. wieviel deutsche Kaiser krönen gibt es? Dutzende von Kronen a. D.

Die englische Königskrone, die, wie gemeldet! jetzt repariert wird, kann aus seltsame Abenteuc zurückblicken. Sie stammt aus der Zeit Georgs de IV., der ein sehr verschwenderischer Fürst war. 6 hatte sie sehr prächtig anfertigen lassen. Die schär sten Brillanten und Rubine, sowie hunderte de kostbarsten Perlen mußten auf sie angebracht tret den. Der Goldarbeiter Rondel, der sie im Auftrag Des Königs hergestellt hatte, verlangte für sie de schönen Preis von 250 000 Pfund oder run 5 Millionen Mark. In anbetracht der zahlreiche kostbaren Edelsteine war der Preis nicht zu hock Aber der König war verschuldet und konnte sie nid; abnehmen, als sie fertiggestellt war. Eine Krönun ohne Krone läßt sich aber nicht gut durchsührer und so kam er auf den Ausweg, die Krone einen Tag zu leihen. Der König mußte dafü 10 000 Pfund bezahlen. Aber die Tatsache, daß e die Krone zur Krönung hatte, war chm die Summ- wert. Später wurde sie bezahlt und seitdem ruh sie in der Schatzkammer der englischen Könige. Si ist die am häufigsten gebrauchte Krone der Jetzt zeit, denn bei allen feierlichen Gelegenheiten zeigt sich der englische König in seinem vollen Krönungs ornat, während die anderen Herrscher die Kron nur am Tage der Krönung tragen. Zahlreich Kronen sind jetzt außer Dienst. Die meisten deut schen Kaiserkronen ruhen in der bayerischen Schatz kammer zu München. Die alte deutsche Kaiserkron. des heftigen römischen Reiches deutscher Natim kam im Jahre 1424 in die Heilige Geistkirche nad Nürnberg. Als die Franzosen im Jahre 1796 di Stadt bedrohten, wurde sie nach Wien geschafft, wi sie die Hauptzierde der damaligen kaiserlichen Schatz kammer bildete. Hierher kamen auch die sogenannter Reichskleinodien des deutschen Kaisers, das Zepte der Reichsapfel, der Krönungsmantel, die Krönung» schuhe und Handschuhe und der Säbel Karls de« Großen. Für das neue deutsche Reich, das im Jahri 1871 begründet wurde, hat eine Kaiserkrone nur in Modell bestanden. 8 goldene, oben halbkreisförmig, senkrecht gestellte Schildchen sind mit Brillanten eint gefaßt. Die größeren zeigen ein Edelsteinkren; nebst zwei kleineren Edelsteinkreuzen rechts und links un­terhalb der Kreuzarme. In der Form ähnelt sie bei alten Reichskrone. Die deutschen Herrscher würd er im Mittelalter dreimal gekrönt, nämlich zum erster Male in Aachen mit der deutschen Königskrone Neben der Kaiserkrone gibt es nämlich noch eint Königskrone, die wahrscheinlich von König Richar! von Cornwales stammt. Sie ruht im Schatze der Münsters zu Aachen. Das zweite Mal wurden bis deutschen Herrscher in Mailand oder Monza mit bet Eisernen Krone" gekrönt, mit der sich auch Napoleon als König von Italien krönen ließ. Sie liegt im Kloster Monza und ist zum letzten Male bei der Krönung Kaiser Ferdinands I. von Oesterreich zum König der Lombardei im Jahre 1838 verwendet worden. Ihr NameEiserne Krone" hat sie von einem eisernen Reifen, der sich innerhalb der Krone befindet und angeblich aus einem Nagel des Kreuzes Christi hergestellt ist. Schließlich wurden die deut­schen Herrscher zum dritten Male in der PeterskirchS zu Rom gefront. Die alte römisch-deutsche Kaiser­krone stammt angeblich von Karl dem Großen, fié ist aber im 11. Jahrhundert in Sizilien angefertigt worden. Die Krone, die 1804 zur österreichisches Kaiserkrone erklärt wurde, stammte vom Kaisers Rudolf II., für den sie im Jahre 1602 in Augsburg angefertigt wurde. Die böhmische Wenzelskrons stammt aus dem 14. Jahrhundert und ruht im Kron­schatze von Sankt Veit zu Prag. Abenteuerlich sind auch die Schicksale der ungarischenSte^hanskrone"< Sie besteht aus einem Stirnreifen und einer Gold­blechhaube Im Jahre 1848 flüchtete mit ihr Kossuty bei der Revolution und vergrub sie in der Nähe von! Orzova. 5 Jahre später wurde sie durch den Verrat eines Bauern gefunden. Außerdem gibt es noch zahl­reiche Kronen in Petersburg, die von Polen, Finn­land, Kiew, Kasan, Astrachan, Sibirien und bet Krim.

GestbSMches

Der Preis für das altberühmteKöstritzer, Schwarzbier" wurde mit Wirkung vom 1. 2. 1932 herabgesetzt, obwohl die beabsichtigte Senkung der Reichsbiersteuer leider nicht eingetreten ist. Sie Kleinverkaufspreise für den altbewährten Nähr­und Kräftigungstrunk haben demzufolge eine Er­mäßigung erfahren (siehe die Anzeige in der heu­tigen Ausgabe).

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