General Anzeiger fwM
Vaua« Stadt und Land
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Vorbereitung der Abrüstungskonferenz
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Reichskanzler Dr. Brüning hat Briand zu seinem Ausscheiden aus dem Außenministerium ein Tele- tt!gvamm gesandt, in dem er der Zusammenarbeit während des letzten Jahres gedachte und die besten Wünsche für die vollkommene Wiederherstellung der Arbeitskraft Briands übermittelte. BriianL erwiderte die Wünsche des Reichskanzlers in einem freundlich I gehaltenen Antworttelegramm.
Der französische Botschafter Franeois-Poncet ist gestern von seiner Pariser Reise wieder nach Berlin zurückgekehrt. In politischen Kreisen nimmt man an, daß der Botschafter unmittelbar nach seiner Ankunft dem Reichskanzler einen Besuch ab gestattet hat, bei dem die mit dem Reparationsproblem und der' bevorstehenden Konferenz zusammenhängenden Fragen besprochen worden sein sollen.
Im Reistag tagt am Montag die Fraktion des Christlich-Sozialen Volksdienstes, um über die außenpolitische Lage und die Vorbereitung der Volkswahl Hindenburgs zu beraten. Am 21. Januar tritt die Fraktion der Staatspartei zusammen. Für den 6. Februar haben die Deutschnationalen eine Sitzung anberaumt.
Der Reichspräsident hat aus Vorschlag des Reichsverkehrsministers anstelle des in den ernst- c welligen Ruhestand getretenen Staatssekretär Dr. Ing. Gutbrod den Staatssekretär des Reichsver- kohrsministeriums Königs 3111m Vorsitzenden des Reichswasserstraßenbeirats ernannt. Zum stellvertretenden Vorsitzenden ist der Ministerialdirektor im Reichsverkehrsministerium Dr. Stapenhorst bestellt worden. *
Pon zuständiger Stelle wird die Meldung, daß der Führer der NSDAP. Adolf Ritter in der Frage der Präsidentenwahl einen neuen Besuch beim Reichskanzler abstatten werde, als unzutreffend bezeichnet. Die in dem Schreiben Hitlers an den Reichskanzler angekündigte Denkschrift über die verfassungsrechtlichen Gründe für die Ablehnung einer parlamentarischen Verlängerung der Amtsdauer des Reichspräsidenten ist bisher in der Reichskanzlei noch nicht eingegangen.
Der Reichspostminister hat nachstehende Verfügung erlassen: „Wenn in Fällen, in denen verheirateten weiblichen Beamten das Dienstverhältnis gekündigt worden ist, sich herausstellt, daß die wirtschaftliche Versorgung nicht mehr gesichert erscheint, so ist die Kündigung zurückzunehmen. Es entspricht nicht der Absicht des Reichspostministeriums, daß die Kündigung in der Schwebe gehalten und die Beamtin über den Ablauf der Kündigungsfrist hinaus auf Widerruf beschäftigt wird. Gegebenenfalls würde die Kündigung später von neuem auszusprechen sein. *
Ein Gesuch des Kapitäns Pflugk-Hartung um Aufhebung des Ausweisungsbefehls wurde von der schwedischen Regierung abgelöhnt. Die Regierung hat beschlossen, Pflugk-Hartung nach dem Lande abzuschieben, das er selbst wählt, andernfalls wird er nach Deutschland ausgewiesen.
Der französische Produktionsverband teilt mit: Das Sachverständigenkomitee des deutsch-französischen Wirtschaftsausschusses für die Holzindustrie hat seine Arbeiten beendet. Die Pariser Sitzungen standen unter dem Vorsitz des französischen Delegierten Barbier. Nach längeren Beratungen und unter beiderseitigen Vorbehalten wurde ein Einigungsprotokoll unterzeichnet, das den Regierungen zur Billigung unterbreitet wird.
Die Agentur Havas glaubt zu wissen, daß Briand wahrscheinlich heute Paris verlassen und sich auf seinen Landsitz Cocherel zurückziehen wird.
Die Bank von England hat einer weiteren Verlängerung des der Oesterreichischen Nationalbank in Höhe von 100 Millionen Schilling gewährten Kredites zugestimmt.
Das Befinden Hendersons hat sich nunmehr soweit gebessert, daß er in einigen Tagen seine Tätigkeit im Hauptquartier der Arbeiterpartei auf- zunehmen hofft. Er wird sich in der Hauptsache der Vorbereitung der Abrüstungskonferenz widmen.
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Die vorübergehende Einstellung des Tilgungs- unb Zinsendienstes für die uruguayischen Ausländsanleihen ist vor der uruguayischen Kammer mit beträchtlicher Stimmenmehrheit genehmigt worden. Nach diesem Gesetz soll der Anleihedienst später wieder ausgenommen werden, und zwar wird die Staatsbank der Regierung zu diesem Zweck Gold im Wert von 900 000 Goldpesos zur Verfügung stellen und dafür die entsprechende Summe in Papierpesos »halten.
Sin Ausruf
Berlin, 16. Ian. Zur Vorbereitung der Abrüstungskonferenz hat sich in Deutschland ein Ehrenausschuh für die deutsche Kundgebung zur Abrüstungskonferenz gebildet. Dieser Ausschuß, dem Persönlichkeiten aller Parteien angehören, erläßt einen Aufruf, zu dessen Unterzeichnung alle deutschen Männer und Frauen aufgefordert werden.
In dem Aufruf wird weiterhin von der internationalen Abrüstungskonferenz verlangt, daß sie sofort und ohne Zögern den Verpflichtungen nachkommt, die hinsichtlich der Verminderung der nationalen Rüstungen eingegangèn worden sind. Die ehemalige Alliierten hätten im Versailler Vertrag ihr Wort verpfändet, daß die Abrüstung bestimmter Rationen nur die Einleitung einer allgemeinen Entwaffnung sein soll. Die Satzungen des Völkerbundes sicherten die allgemeine Abrüstung zu. Ohne Zweifel müsse der nächste Schritt eine durchgreifende Herabsetzung der Rüstun- gen fein. Dieses Ziel könne nur erreicht werden, wenn alle Arten und Gattungen der Rüstungen gleichmäßig herangezogen würde«.
Dem Ausschuß gehören u. a. an: Oberpräsident v. Balocki; Frau Dr. Bäumer; Dr. Adolf Deißmann, 2IL d. R.; Prof. Hinderer; Prof. Dr. Otto yoetsch; Geh.-Rat Dr. Sahl; Sarkh. v. Sardorff; Ernst Lemmer, BL d. R.; Elisabeth Lüders; Dr. Elsa Weh, HL d. L.; Klara Wenders; Walter von Molo; Prof. Rernst; Geh.-Rat Röchling; Prof. Seeberg; Reichs- Gerichtspräsident L R. Dr. Simon und Dr. Zahn Harnack.
Vevatungen des KoichSkablneitS
Berlin, 15. Jan. Das Reichskabinett beschäftigte sich in seiner Sitzung am Freitag mit der bevorstehenden Abrüstungskonferenz in Genf. Der ständige Vertreter des Reichskanzlers bei der Führung der deutschen Delegation, Botschafter Nadolny, erstattete ausführlichen Bericht über den Stand der Vorarbeiten der deutschen Abordnung für die Abrüstungskonferenz. Hieran schloß sich eine längere Aussprache. An der Kabinettsitzung nahm auch der Untergeneralsekretär des Völkerbundes Dufour- F e r 0 n c e teil, der gegenwärtig in Berlin weilt, um mit der Reichsregierung über die Vorbereitung und Durchführung der Abrüstungskonferenz Fühlung zu nehmen.
Die Völkerbundsbürokratie ist während der letzten Zeit in der technischen Vorbereitung der Ab-
Deutschlands Ablehnung bleibt
wir kSnueu und werden nicht zahlen
Berlin, 15. Ian. Das Reichskabinekt ist, wie bereits gemeldet, heute nachmittag zusammengetreten, um sich mit den bevorstehenden Konferenzen in Lausanne und Genf zu beschäftigen. Die einzelnen Ressorts der Reichsregierung halten in den letzten Wochen die vorbereitenden Arbeiten geleistet, Statistiken ausgestellt, wirtschaftliche Denkschriften entworfen und alle Unterlagen zusammengelragen, die sowohl für die Abrüstungskonferenz in Genf, als auch für die Tributkonferenz in Lausanne notwendig sind. Das Reichskabinett prüfte in dieser Sitzung das gesamte Material und beriet dann im einzelnen über die taktischen Wege, die für die Durchführung der Konferenzen einzuschlagen sind.
Jn den letzten Stunden haben sich die Anzeichen noch vermehrt, die darauf hindeuten, daß die Lausanner Konferenz nicht am 25. Januar beginnt, sondern bis nach den französischey Kammerwahlen vertagt werden wird. Nach den hier vorliegenden Berichten -aus London scheint ü i e englische Regierung mehr und mehr bereit zu sein, dieser Anregung des Quai d' Orsay zu entsprechen. In Berliner diplomatischen Streifen erörtert man bereits, ob die Verschiebung der Konferenz auf den Mai oder sogar bis zum Herbst beschlossen werden wird. Kommt es tatsächlich zu einer Vertagung der Tributverhandlungen, so würde das vielleicht auch auf die innen- politische Entwicklung in Deutschland nicht ohne Rückwirkung bleiben.'
Die Folgen lassen sich im Augenblick natürlich noch nicht übersehen, aber es besteht die Möglichkeit, daß die Opposition auf eine vorzeitige Einberufung des Reichstags drängen wird mit der Begründung, daß die Regierung bei einem Ausfall der Konferenz dem Parlament Erklärungen abgeben müßte, wie sie sich unter solcher Veränderung der Dinge die weitere Gestaltung der Außenpolitik denke. Ob sich für diese Argumentation freilich eine Mehrheit im Aeltestenrat finden würde erscheint zweifelhaft, und in parlamentarischen Kreisen überwiegt die Auffassung, daß es bei dem
rüstungskonferenz sehr rege gewesen und bemüht sich, die Abrüstungskonferenz im großen Stile der Völkerbundsdiplomatie zu eröffnen. Vor allem soll der Auftakt der ersten Konferenztage ein Brillantfeuerwerk von programmatischen Reden der führenden Staatsmänner bringen. Infolgedessen bemühen sich sämtliche Völkerbundskreise, den Reichskanzler Dr. Brüning zu bewegen, unter allen Umständen zu der Eröffnung der Völkerbundskonferenz nach Genf zu kommen. Man rechnet in der Wilhelmstraße auch damit, daß der Kanzler sich zur Abrüstungskonferenz nach Genf begibt. Das dürfte vor allem für den Fall gelten, daß auch der franjösifche Ministerpräsident Laval und der englische Premierminister Macdonald nach Genf gehen sollten. Man weist in der Wilhelmstraße darauf hin, daß eine Teilnahme des Reichskanzlers an der Konferenz notwendig sei, falls eine neue Verschiebung der Konferenz von Lausanne eintritt. Man hofft, daß sich dann in Genf Gelegenheit zu einer Fühlungnahme des Reichskanzler-, mit den führenden Staatsmännern über die Reparationsfrage gibt, ohne daß etwa ein festes Verhandlungsprogramm vorgelegt würde.
Oie AbvüNungS- bLkveeGvvsen geben weiter
Berlin, 15. Jan. Wie wir zu der heutigen Kabinettssitzung noch erfahren, hat der Vortrag des Botschafters Nadolny über den Stand der Abrüstungsfrage über eine Stunde in Anspruch genommen, und auch die anschließende Aussprache dauerte so lange, daß andere Fragen wie die neuen Agrarpläne noch nicht zur Behandlung kommen konnten. Selbst die Erörterung der Abrüstungsfrage konnte noch nicht zum Abschluß gebracht werden, was ja angesichts des großen Umfangs dieses Problems beinahe selbstverständlich ist. Die Beratungen hierüber werden wohl ebenso laufend weitergehen, wie die Vorberatungen für die Konferenz von Lausanne, die schon längere Zeit in Anfpruch nehmen, ohne daß darüber im einzelnen jedesmal eine Berichterstattung möglich ist.
Termin des 23. Februar bleiben wird. Auf den Standpunkt der Regierung würde eine Verschiebung der Konferenz, die Deutschland gegen den Willen der anderen ja nicht erzwingen kann, keinerlei Einfluß ausüben.
Wie aus der Kabineltssihung verlautet, steht der grundsätzliche Standpunkt der Reichsregierung unerschütterlich fest: Dr. Brüning wird in Lausanne die Erklärung wiederholen, die er in seinem Interview abgab, daß Deutschland künftighin Reparationszahlungen nicht mehr leisten könne und werde.
Es bleibt bei den Erklärungen des Kanzlers, nach denen sich die deutsche Negierung auf ein Moratorium von zwei oder drei Jahren nicht einlassen kann. Deutschland lehnt auch nach wie vor eine Verlängerung des am 1. Juli zu Ende gehenden Provisoriums ab. Wenn die Gläubiger von sich aus eine solche Regelung beschließen sollten, so würde das ohne aktive Beteiligung der Reichsregierung geschehen, die eine entsprechende Erklärung nur unter Protest zur Kenntnis nehmen könnte.
Die gestern von dem japanischen Botschafter übermittelte Antwortnote versichert, nach einer amtlichen Mitteilung, daß Japan nicht den Ehrgeiz habe, mandschurisches Land zu erobern und daß es beabsichtige, den Grundsatz der offenen Tür und den Neunmächtevertrag zu achten.
Die Woche
Die Frage der Reichspräsidentenwahl, die am Ausgang der vergangenen Woche ganz überraschend zur Diskussion gestellt worden war, stand auch in den ersten Tagen dieser Woche noch im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses und ist erst am Wochenschluß wieder etwas in den Hintergrund getreten. Als wir vor acht Tagen an dieser Stelle den Wunsch äußerten, und der Hoffnung Ausdruck gaben, daß die vom Reichskanzler eingeleitete, auf eine parlamentarische Verlängerung der Amtsdauer des Reichspräsidenten von Hindenburg abzielende Aktion gelingen möge, hatten wir nur das Wohl der Gesamtheit, der deutschen Nation im Auge, dachten wir nur daran, daß es für die gegenwärtige innere und äußere Lage besser wäre, die leidenschaftliche Erregung eines Wahlkampfes um den Posten des Reichspräsidenten zu vermeiden und daß die Stellung Deutschlands namentlich in den internationalen Verhandlungen viel günstiger und gefestigter wäre, wenn es gelänge, trotz starker und heftiger innerpolitischer Auseinandersetzungen, trotz der schweren Wunden, die sie unserem Volkskörper schlagen, eine Einheitsfront herzustellen, dem Inhaber der höchsten Gewalt im Reiche, seiner makellosen Persönlichkeit und seiner vorbildlichen Amtsführung Achtung und Vertrauen auszusprechen, bzw. wenn wir die Autorität und die internationale Geltung Hindenburgs auch für die kommenden Jahre in die Wagschals legen könnten. Andere Gedanken, etwa solche, wie sie ein Leser unseres Blattes uns unterschieben zu müssen glaubt, wir wünschten mit unserm warmen Eintritt für das Gelingen der Aktion Brünings die Festlegung der Rechten auf die Politik des jetzigen Reichskabinetts und die Vermeidung aller Wahlen, insbesondere auch der Preußenwahl, spielten für uns keine Rolle. Es ging uns dabei, wie gesagt, um Höheres und wir nehmen als selbstverständlich an, daß auch der Reichskanzler mit seinem Vorschlag nur diese höheren Ziele im Auge hatte. Dies zur Richtigstellung»
Die beiden Rechtsparteien unter Führung von Hitler und Hugenberg haben sich gegen die parlamentarische Verlängerung der Amtsdauer des Reichspräsidenten erklärt. Damit ist die Aktion des Reichskanzlers gescheitert. Bedauerlich, aber nicht mehr zu ändern. Jetzt wird das Volk selber sprechen müssen und diesen Wahlgang gilt es vorzubereiten, und zwar so vorzubereiten, daß es, obwohl das Volk zu wählen hat, zu einem Wahlkampf nicht kommt. Da sich die Absage der Harzburger Front an den Reichskanzler nur auf Einwendungen gegen das Verfahren stützt, nicht aber gegen die Person des jetzigen Reichspräsidenten, der sie im Gegenteil Ehrerbietung und Achtung zollt, so ist die Bahn für eine Wiederwahl Hindenburgs durch das Volk durchaus frei. Wer die Initiative ergreifen soll, ist zurzeit noch eine offene Frage. Am besten wäre es, wenn dieselbe Parteifront, auf die der Reichskanzler seine Aktion einzustellen bemüht war, ihre Aufgabe jetzt als Einheitsfront für die Wiederwahl Hindenburgs erfüllte. Der nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete Frick hat zwar dieser Tage in einer Rede in Kempten zu verstehen gegeben, daß die Nationalsozialisten eine Kandidatur Hindenburgs bei der Volkswahl nicht unterstützen würden, wenn Brüning weiter im Amt bleibe, doch es ist anzunehmen, daß es Hitler, der sich, wie wir hören, in den Berliner Besprechungen stets für die Persönlichkeit Hindenburgs eingesetzt haben soll, gelingt, etwaige Meinungsverschiedenheiten zu beseitigen, und die Partei für eine Einheitskandidatur Hindenburgs zu gewinnen. Was die Frage anlangt, ob Reichspräsident v. Hindenburg sich überhaupt noch zu einer Neuwahl zur Verfügung stellen wird, nachdem die Brüning-Aktion negativ verlaufen ist, so erfahren wir, daß Hindenburg bereit ist, die Kandidatur zu über«
Oie heutige Stammst? umfaßt 24 (Seiten