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Freitag, den 15. Januar 1932
«Steigerung der -Kiste« -er GvrbevsevmSvvev
Budapest, 14. Jan. 24 Kisten und Koffer die die wegen Ermordung Erzbergers nach Ungarn geflüchteten Förster-Schultze und Tillessen einem hiesigen Lagerhaus in Verwahrung gegeben hatten, wurden nach einer Meldung des Blattes „Az. Est" fetzt versteigert, da die Lagergebühren nicht bezahlt worden waren. Eine der Kisten war vollgestopft mit Milliardenbanknoten aus der Inflationszeit; zwei weitere waren mit Zigaretten und Tabak gefüllt, andere Kisten enchielten Lebensmittel und Hausrat. Irgendwelche aufschlußreiche Papiere wurden nicht gefunden.
Der Inhalt der Kisten wurde von einem Transportunternehmen um 400 Pengö erworben. Er wird zum Dell eingestampft, zum Teil auf dem Trödelmarkt verkauft werden.
Das Rätsel des Todes von Lüdevitz
Wie der Begründer der deutschen Kolonialmacht starb — Ein Hottentollenhäuptling entschleiert das Geheimnis — Lüderitz ist im Oranje ertrunken
In einer Gerichtsverhandlung zu Johannesburg, die vor kurzer Zeit stattfand,' wurde nach einer ZöitungsmeDung aus Südafrika das Geheimnis entschleiert, das bis heute über den Tod von Adolf Lüderitz ausgebreitet war. Man weiß, daß dieser hervorragende Bremer Kaufmann der eigentliche Begründer der deutschen Kolonialmacht war. Schon zu einer Zeit, als man an amtlichen Stellen noch reine Kolonialpolitik trieb und vor der Bedeutung der Kolonien nur eine geringe Achtung hatte, war es Lüderitz, der weitblickend die Erfordernisse einer künftigen Zeit voraussah und durch Erwerb von Angra Pequena und seinem Hinterlands den Grundstock für eine deutsche Kolonialmacht begründete. Angra Pequena bildete den Ausgangspunkt der Kolonie Deutsch-Südwestafrika. Im Jahre 1884 wurde es unter den Schutz des deutschen Reiches gestellt und 1885 an ein Konsortium „Deutsche Kolonialgesellschaft für Südwestafrika" abgetreten. Nach dem Begründer des deutschen Kolonialreiches wurde Angra Pequena Lüd.'ritzbucht und der angrenzende Küstenstrich Lüderitzland genannt. Seit 1921 heißt das Gebiet Lüderitz. Das Schicksal dieses bedeutenden Pioniers einer deutschen Weltpolitik und Weltwirtschaft war tragisch und geheimnisvoll. Lüderitz begab sich nämlich im Jahre 1886 mit wenigen Bgleitern nach dem Nordufer des Oranje- flufses, um festzustollen, ob sich hier Gold und Diamanten befänden, und ob der Fluß schiffbar sei. Er wollte die wirtschaftliche Erschließung des von ihm erworbenen Landes mit größter Energie durchführen. Er stellte f-st, daß die zahlreichen Strom- schnellen der Schiffahrt hinderlich seien. Er konnte die Barre vor der Mündung nicht überwinden und wollte vorderhand seine Expedition abbrechen und nach Angra Pequena zurückkehren. Er hatte nur ein kleines offenes Boot zur Verfügung, das dem gefahrvollen Wasserwege nicht gewachsen war. Am 20. Oktober 1886 trat er trotz aller Bedenken und Warnungen die Rückfahrt an, auf der er verschollen ist. Man weiß, daß er in der Küstenbrandung verunglückte. Einwandfreie Zeugnisse waren über das Ende dieses bedeutenden Kaufmannes nicht zu er= langen. Jetzt erst scheint es, als ob man von Augenzeugen — fast 50 Jahre nach der Katastrophe — einen Tatsachenbericht erhalten hat. In Johannesburg in Transval war nämlich ein alter HottentottenhäuptUng angeklagt, sich gegen das Diamantengefetz vergangen zu haben. Dabei erzählte i’r, daß er von einigen Hottentotten schon vor vielen Jahren einige 'genaue Einzelheiten über den Tod von Lüderitz erfahren habe. Mehrere weiße Leute seien damals mit einem kleinen Boot durch die Brandung gefahren, dabei sei das Boot umgeschlagen und die Männer seien ertrunken. Diese Augenzeugen des tragischen Schicksals von Lüderitz konnten nur den Tod des deutschen Kolonialpiowers 'meinen, da Zeit und Umstände mit dem geheimnisvollen Verschwinden von Lüderitz und seiner Begleitung übereinstimmen. Die Aussagen des Hotten« totten wurden genau protokolliert, um auf Grund dieser Mitteilungen die schon vorhandenen Kenntnisse zu überprüfen, die man von dem Tode von Lüderitz, hat. Man wird noch die genauen Meldungen dieser seltsamen Gerichtsverhandlung ab-
wenn der »binnse Dans die Deiche rerdeitzi ...
Zu dem großen Deichbruch an der friesischen Grenze
Der Bruch eines Seedeichs, wie er sich in Olden-", nik,
bürg ereignet hat, gehört heutzutage glücklicherweise zu den größten Seltenheiten. Es muß eine ungewöhnlich wilde Springflut und eine bisher nicht entdeckte Schadhaftigkeit des Deiches Vorgelegen haben, wodurch das Unglück hervorgerufen wurde. Der Kampf der Küstenbewohner mit den entfesselten Elementen geht durch Jahrtausende zurück bis ins graue Altertum. In alten Zeiten waren unsere Küstenländer deichlos und somit den Gewalten des Meeres ohne weiteres preisgegeben. Planmäßige Deich- und Sielbauten kamen erst verhältnismäßig spät auf. Sie waren zudem meist von primitiver Art, so daß sie keineswegs die Garantie eines auch nur annähernd sicheren Schutzes gaben. Hinzu kam eine kaum verständliche Lässigkeit im Wiederaufbauen zerstörter Deiche. In OstfrieslanÄ verhinderten die fortwährenden Fehden der einzelnen Stämme untereinander ein zielbewußtes Arbeiten nach dieser Richtung hin, und auch im Oldenburger Land mangelte es der Bevölkerung bis hoch ins 2Jt ittelalter hinein an dem rechten Verständnis für den Nutzen und Wert widerstandsfähiger Deichbauten. Wie die Chronisten zu melden wissen, sind besonders im vierten und fünften Jahrhundert n. Chr. gewaltige Sturmfluten über die Nordseeländer dahingegangen. Unter ihnen hatte besonders Holland furchtbar zu leiden. Auch das nächste halbe Jahrhundert brachte eine unübersehbare Kette vernichtender Ueberschwemmungen für die Küstenbevölkerung. Zu Anfang des 13. Jahrhunderts entstand in' einer furchtbaren Sturmflut
nacht (17. November 1219) der Jadebusen. Weite Landstriche mit unzähligen Gemeinden wurden damals von den Fluten verschlungen. In schier unabsehbarer Reihe folgte während des ganzen 13. und 14. Jahrhunderts eine Sturmflut der anderen. Die Jahre 1257, 1262, 1277 (in diesem Jahre entstand der Dollart) 1287, 1313, 1361, 1373,1203, 1421, 1439, wurden in dieser Beziehung verhängnisvoll für die Küstenländer von Flandern bis zur Elbe. Im Januar 1511 ereignete sich die sogenannte Antoniusflut. Der oldenburgische Chronist Hamelmann berichtet darüber in seiner 1590 erschienenen Chronik, daß der Flut ein eisreicher Winter vorangegangen sei. Am 10. Januar schlug das Frostwetter plötzlich in Tauwetter um und am 16. Januar brach ein Unwetter los, wie es seit Generationen nicht erlebt worden war. „Da isst", so heißt es in der genannten Chro-
warten müssen, bevor man zu ihnen Stellung nehmen kann.
(Bin gamev Lndlanevstamm evsvoven
In den hohen Gebirgsketten von Truches Peak in New Mexiko ereignete sich nach amerikanischen Zeitungsmeldungen gegen Ende des vergangenen Jahres eine furchtbare Tragödie, von der ein ganzes Volk in Mitleidenschaft gezogen wurde. Ein ganzer Jndianerstamm ist in den Bergen erfroren. Um die Jahreswende wurde das Gebirgsland von New Mexiko von furchtbaren Schneestürmen und einer ganz plötzlich einsetzenden Kälte überrascht. Die Indianer waren auf den ungewöhnlichen Wetterumschwung nicht vorbereitet und befanden sich auf der Jagd in den Bergen, als das Wetter über sie hereinbrach. Es sollen dabei mehrere hundert Männer umgekommen sein. Zwar wurde auf die Nachricht von dieser Elementarkatastrophe sofort von der Regierung eine großzügige Rettungsexpedition ausgerüstet. Da aber die Indianer in ihrer letzten Sommerkleidung den Unbilden der Witterung ausgesetzt waren, so konnte man auch diese wetterharten Männer nicht mehr retten. Gegen Kälte sind die Indianer überhaupt recht empfindlich. Als man ihr Lager vorfand, das völlig verschneit war, und die Schneedecke entfernt hatte, lagen die erfrorenen Männer im Kreise um einen Aschenherd, der offenbar kurze Zell als Lagerfeuer gedient hatte. Es ist anzunehmen, daß der große Schneesturm in Verbindung mit der Källe dazu geführt hatte, daß das Feuer erlosch, denn weit und
.m, „das Eiss in der Jahde und Weser- mit einem großen erschrecklichen Sturmwindt aufsgedäwet, hat sich auch das Wasser dermaßen ergossen, daß es über alle Teiche (Deiche) gangen, dadurch die Heuser mit dem Eisse umbgeworfsen, die Beester ersoffen, auch viel Leute in Butjadingerlandt und Mohrime umb- gekommen sein. Das Rüstringerland hat es am aller- schweresten getroffen, alldieweil diese nachfolgende Kirchen und Carspel (Kirchspiele) Overahme, Do- wens, Bandt, Seediek, Bordum, Oldebrügge und das Kloster Havermonnicken im Wasser untergegangen sein. Nach glaubwürdigen Berichten haben Hunderte von Menschen ihr Leben verloren. Auf den Trümmern ihrer von den Eisschollen vernichteten Behausungen kauernd, versuchten die Unglücklichen, sich über Wasser zu halten, bis sie erstarrt in die Fluten hinabsanken oder rettungslos in die offene See hinausgepeitscht wurden. Kinder sah man in den Wiegen auf dem Wasser herumtroiben und auf den Friedhöfen wurden die Särge aus den Gräbern gerissen ... Im Jahre 1570 holte der Riese Ocean zu einem neuen gewaltigen Schlag gegen das olden- burger Land aus. Es ereignete sich eine Katastrophe, die unter dem Namen Allerheiligenflut von 1570 in der Geschichte fortlebt. Damals brachen gleichzeitig vom Westen (also von der Nordsee her) und vom Osten (aus dem Weserfluß) die reißenden Wogen über Oldenburg herein. Auch die Nachbarländer hatten unermeßlich unter dieser Sturmflut zu leiden, der an der gesamten Küste insgesamt etwa 30 000 Menschen zum Opfer fielen. Wie fast immer, wurden die Bewohner meist in ihren Betten von dem
verheerenden Element überrascht, das diesmal zweimal 24 Stunden mit größter Gewalt tobte und „die Wasser des Ozeans zu nie gekannter Höhe trieb". Von der Wucht der Katastrophe kann man sich einen Begriff machen wenn man in den Berichten der Zeitgenossen liest, daß beispielsweise bei dem Orte Jever in Oldenburg eine riesige Fläche Moorland, das an der holländisch-ostfriefischen Grenze vom Wasser losgerissen worden war, angetrieben wurde, so daß dort noch lange Zeit nach dem Ereignis Torf gegraben werden konnte. Massive Bauten wurden vielfach vcm den herandonnernden Wogen wie Kartenhäuser zusammengeschlagen, ganze Wälder Baum für Baum entwurzelt So brachte jedes Jahrhundert der Nordseeküste ungezählte Sturmfluten.
breit fand man kein Holz mehr, das den Indianern hätte nutzen können. Sie haben jedenfalls alles zusammengetragen, was sie finden konnten. Flugzeuge wurden ausgeschickt, um noch etwa versprengte Reste des Jndianerstammes zu suchen. Aber eine sehr hohe Schneedecke hatte das ganze Land wie ein Leichentuch verhüllt, so daß sich nirgends Kennzeichen von Menschen, die darunter lagen, vorfanden. Der Schnee bedeckte die Tragödie eines ganzen Stammes der Nawajo-Jndianer, die zu den kriegerischsten „roten Männern" zählten, als sie noch den Kriegspfad beschritten. Jetzt lebten sie friedlich in der Reservation.
46 Maschinen machen 32600 Äebeitee übevfwssis
In Anwesenheit des Vizekönigs von Indien wurde dieser Tage bei Suk kur in der britisch indischen Präsidentschaft Bombay das gewaltige Stauwerk am Indus eröffnet, das zu den gewaltigsten Leistungen moderner Jngenieurkunst zählt und in seinen Ausmaßen den berühmten Damm von Assuan in Aegypten noch weiter übertrifft. Das indische Stauwerk soll Oedland von 3,2 Millionen Hektar Oberfläche bewässern und zu einem fruchtbaren Lande machen, dessen Ertrag man auf 2,5 Mill. To. Baumwolle u. Getreide schätzt. Das neue Stauwerk am Indus führt nach Lord Lloyd, der im Jahre 1923 als Gouverneur von Bombay die Anregung zu dem Bau gab, den Namen Lloyd-Staudamm. In einem Interview erklärte Lord Lloyd: „Nur wer die Tücken des Indus und das heiße Wetter in diesem Tal kennt, weiß sich einen Be-
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griff von der mühseligen Arbeit zu machen, den letzten acht Jahren von unseren Ingeni i geleistet worden ist. Das Stauwerk soll bet Wässerung eines Geländes dienen, das größer , das gesamte Kulturland Aegyptens. Zennzeic für das geleistete Werk ist der Anteil der Mas an den Schachtarbeiten. 46 Baggermaschinen k in der Minute rund 74 Tonnen Erdmasse aus Boden, eine Leistung, die der von 32 000 Mei gleichkommt. Mehr als die Hälfte der geh Schachtarbeit wurde von der Maschine geleistet bei ein Drittel der Kosten gespart wurden, d forderlich gewesen wären, wenn man der I arbeit alles überlassen hätte.
BettplöUosev Tkevkveve
Einen beispiellosen Tierfrevel hat sich der ' ter des Hohlener Teiches in Leipzig geleistet ließ aus unbekannten Gründen eine große 2 ungelöschten Kalkes in den Teich schütten. Da wurde der gesamte Fischbestand — Tausende Karpfen, Hechten und Aalen — vernichtet. Tieren wurden die Augen ausgebrannt, die Fl und ganze Stücke aus dem Leibe ausgeätzt. Körper der toten Fische stauten sich am Teichai und verpesteten weithin die Luft. Die Untat unter der Bevölkerung großen Unwillen hei gerufen, umsomehr, als sich der Leipziger s zuchtverein erb ölig gemacht hatte, den Teich c fischen. Der Tierschutzverein hat gegen den 2 Pächter die erforderlichen Schritte eingeleitet.
KötbMâung eines âasse'ev Stenosvaphee
Der aus Kassel stammende zurzeit in HaM tätige Heinrich Kettler errang bei einem $ schreiben des Hamburger Stenographenver „Stolze-Schrey" mit einer vollkommen fehler! Arbeit in der Geschwindigkeit von 440 Silben der Minute einen ersten Preis. Im Wettlesen st Kettler mit einer Geschindigkeit von 810 Silber der Minute einen neuen deutschen Rekord auf. 1 tüchtigen Stenographen wurde die Max-Bäk Münze, die höchste stenographische Auszeichn des Verbandes. überreicht.
Rewsovs gegen geschmacklose Reklame
„Kiki" Roberts, die Geliebte des berüchtig Jack Diamond, der kürzlich unter den Kugeln sei Feinde fiel, ist der neue Stern am Himmel Newyorker Varieteebühnen. Die junge Tänze mit dem rotblonden Haar gehörte schon früher ei Tanztruppe an, die in Newyorker Varietees a trat. Auf Wunsch ihres Freundes verließ sie Bühne, um ein luxuriöses Leben zu führen, des Kosten aus den dunklen Einkünften Diamonds stritten wurden. Nach seinem Tode sah sie sich al Mittel beraubt und wohl oder übel darauf an wiesen. ihren Lebensunterhalt selbst zu verdien denn Diamond starb als armer Mann. So hat s „Kiki" entschlossen, zur Bühne zurückzukehren, u ihr Impresario hat durch eine gewaltige Rekla vorgearbeitet, wobei er selbstverständlich «nicht unt ließ, aus den Beziehungen „Kikis" zu Diamond b ihrer intimen Kenntnis der Geheimnisse der Ne yorker Unterwelt Kapital zu schlagen. Es soll 1 bei nicht verschwiegen werden, daß viele Bläti und Bühnenleiter Newyorks lebhaft gegen i Rückkehr „Kikis" Mr Bühne protestiert und st vor die vollendete Tatsache gestellt, noch keineswe beruhigt haben. Vor allem haben sie die geschma lose Reklame gegeißelt, mit der Kiki Roberts lai eiert werden soll.
Curtius nicht Senetalbi reffet beim Pleß-Konzern.
Berlin. 14. Jan. Die in einens Teil der Press umlaufende Nachricht, der frühere Reichsaußer minister Dr. Curtius werde als Generaldirektor r den Pleßkonzern eintreten, ist, wie wir von züstâv diger Seite erfahren, unzutreffend. Dr. Curtin wird lediglich als Nachfolger des Generaldirektor von der Porten Vorsitzender des Gläubigerrates best Pleß-Konzern.
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