Nr. 10
Mttkwoch, den 13. Ianuar 1932
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beschlossen mit dem Koschalschen Walzer „Am Wörthersee", beide mit Orchesterbegleitung. Der instrumentale Teil lag in besten Händen bei dem hiesigen Muisikverein „Minerva". Chor und Orchester paßten sich einander vorzüglich an und bildeten einen ausgeglichenen Klangkörper. Prachtvolles Stimmenmaterial entfaltete der Verein in Dynamik und Chortechnik in den schmierigen Kunstchören „Die beiden Särge" von Hegar und „Tief ist die Mühle verschneit" von Podbertsky. Reizend zu Gehör gebracht wurden in gut natürlichem Vortrog die Volkslieder „Mein Heimattal" und „Kärntner Volkslied": ebenso die Tanzliedchen" von Lendvai und Döbert. Der stark besetzte Saal spendete dem Verein für seine hervorragenden Leistungen reichen Beifall. Der Ueberschuß des Abends soll der Winterhilfe zugeführt werden.
ÄuS Steinheim und Umgebung
ai hainstadt, 12. Jan Im Jahre 1931 waren in Hainstadt insgesamt 54 Geburten, 22 Eheschließungen und 34 Sterbefälle zu verzeichnen.
M«ers Gelnhausen
Somborn, 12. Jan. Der hiesige katholische Jünglings- und Jungmänner-Verein hielt am vergangenen Sonntag abend im geräumigen Saale von Gottfried Simon Witwe einen Theaterabend ab, welcher sehr starken Besuch aufwies. Es -gelangte das Saktige Volksschauspiel „Das Gift in der Jugend" zur Aufführung Die Leistungen sämtlicher Mitwirkenden waren gut. — Der heimische Radfahrer-Klub 02 hielt im Vereinslokal von Otto Gutmann seinen diesjährigen Famllienabend ab. Nach Begrüßungsworten durch den 1. Vorsitzenden Rudolf Kreis erfreute der Veranstalter mit einem guten und abwechslungsreichen Programm. Die zahlreich Erschienenen kargten nicht mit Beifall.
Meers Vüdinseu
5 Büdingen, 12. Jan. Dos Ortsstatut über die Wahl eines besoldeten Bürgermeisters — Berufsbürgermeisters — für die Stadt Büdingen, nach welchem auf Grund des § 45 der Gemeindeordnung für die Gemeinde Büdingen ein besoldeter Bürgermeister auf die Dauer von 9 Jahren in geheimer Abstimmung durch den Gemeinderat noch ben Grundsätzen der Mehrheitswahl mit Stimmzetteln zu wählen ist, ist am Montag, 11. Januar 1932 in Kraft getreten. Die Wahl dürfte zum
1. April 1932 zu erfolgen haben.
I Aus Frankfurt a. M
Lebensmittelschieber in der Berufungsinstanz.
: Dor der ersten Strafkammer wird gegenwärtig in mehrtägiger Sitzung der Fall Hertel und Genossen verhandelt, nachdem Angeklagte und Staatsanwalt gegen das im September gefällte Urteil Berufung eingelegt hatten. Die Firma Georg Hertel betrieb Großhandel mit Lebensmitteln, Weinen und Spirituosen. Wie der Gutachter in der ersten Instanz seststellte, wurden 61 Warenlieferanten um 40 484 Mk. geschädigt. Die Verhandlung vor dem Großen Schöffengericht endete mit der Verurteilung Hertels zu 2% Jahren Gefängnis, des Kellners Heinrich Schellberg zu zwei Jahren drei Monaten Gefängnis und des Vertreters Ludwig Draese wegen gewerbsmäßiger Hehlerei zu einem Jahr Zuchthaus. Ein vierter Angeklagter wurde freigesprochen. Hertel und Schellberg wurden des gemeinschaftlichen und fortgesetzten Betrugs und Betrugsversuchs schuldig befunden, ersterer auch wegen Konkursvergehens, letzterer wegen Beihilfe hierzu. Die neue Verhandlung wird voraussichtlich vier Tage dauern.
Die Krankheit der Königin-Mutter von Griechenland.
— Der frühere Kaiser kommt nicht nach Frankfurt
: Ueber das Befinden der Königin-Mutter von Griechenland, die bekanntlich vor mehreren Wochen in Frankfurt operiert wurde und seitdem in der C. von Noorden-Klinik behandelt wird, teilt uns der behandelnde Arzt mit: Der Kräfte- zustand der Königin-Mutter hat in der letzten ' Zeit deutlich nachgelassen Subjektive Schmerzen sind nicht vorhanden. Man tut alles, um jedes Leiden zu verhindern. Die Nahrungsaufnahme ist außerordentlich gering. — Die Londoner „Daily Mail" hatte vor einigen Tagen gemeldet, daß der Exkaiser seiner kranken Schwester in Frankfurt einen Besuch abstatten würde. Wie uns mitgeteilt wird, ist weder dem behandelnden Arzt noch den in Frankfurt weilenden Mitgliedern der griechischen Königssamilie von dieser Absicht des ehemaligen Kaisers etwas bekannt.
Son bett deutschen Vobmelstevschaften itt Schveibevhau
Oben links: Der siegreiche Zweierbob Nr. 13 während der Fahrt. Am Steuer Newlinski, an der Bremse Frick
Unten links: Bob „Weibtreu" (Düsedau und Heimann), der als Zweiter durchs Ziel ging.
Schwere Unfälle bei bee
Deutschen Nobmeistevschast
Schreiberhau, 13. Jan. Die Deutschen Vierer- Bob Meisterschaften in Schreiberhau stehen unter einem unglücklichen Stern. Schon am Dienstag vormittag gab es einen Unfall. Der H. D. W.-Bob „Lawine" stürzte in der 8-Kurve, wobei der Führer einen schweren Schädelbruch erlitt und ins Krankenhaus geschafft werden mußte. Im ersten Entscheidungslauf am Dienstag nachmittag waren acht Fahrzeuge ohne Unfall glücklich über die Bahn gekommen, als der vorletzte Bob, „Pritz"- Schreiberhau, mit ungeheuerer Geschwindigkeit und ohne abzubremsen von der Wald-Kurve in die 8-Kurve raste. Der Führer, Adolph-Schreiberhau vermochte den seilgesteuerten Bob nicht mehr zu meistern, der Bob wurde über die Kurve und die schützende Bretterwand hinausgetragen und stürzte
Jur Senkung der Frankfurter Straßenbahn-Tarife
: Der Magistrat befaßte sich in seiner heutigen Sitzung mit der Senkung der Straßenbahn-Tarife, die unter der Voraussetzung des völligen , Erlasses der Beförderungssteuer für die Straßenbahn durch- geführt werden soll. Es steht für eine Senkung der Straßenbahntarife bei dem völligen Erlaß der Beförderungssteuer aus diesem Erlaß, ferner aus den durch die vierte Reichsnotverordnung bewirkten Ermäßigungen an Gehältern, Löhnen, Zinslasten. Strom- und Materialproisen usw. nach Anrechnung der Mehraufwendungen für die erhöhte Umsatzsteuer usw. ein Betrag von rund 1 800 000 RM zur Verfügung. Der Magistrat beschloß, nach Vorberatung durch die Magistrats-Finanzkommission, den von der Verkehrsdeputation gemachten, über diesen Betrag hinausgehenden Vorschlägen zunächst im einzelnen nicht beizutreten. Zur Vermeidung weiterer Verzögerungen in der Tarifsenkungsfrage sollen vielmehr in unmittelbarer Verhandlung mit dem Herrn Reichs-Preiskommissar die Einzelheiten der Senkung der Straßenbahntarife erörtert werden. Sobald das Ergebnis dieser Verhandlungen vorliegt, wird der Magistrat unverzüglich Beschluß fassen, so daß nach Möglichkeit die Tarifsenkung zum 1. Februar in Kraft gesetzt werden kann.
Der neue Frankfurter Stadtkämmerer kommt am 1. Februar
: In der Stadtverordnetenversammlung am Dienstag wurde in einem nationalsozialistischen Antrag angefragt, wann der neugewählte Frankfurter Stadtkämmerer Dr. Lohmann (Königsberg), der nach Zeitungsberichten in der heutigen Stadtverordnetensitzung in sein Amt eingeführt werden sollte, nach Frankfurt komme. Der Stadtverord- netenvorsteher erklärte hierzu, daß Dr. Lehmann mitgeteilt habe, daß er erst am 1. Februar in der Lage sei, sein Amt anzutreten, da er noch laufende Geschäfte in Königsberg erledigen müsse. Dr. Lohmann wird nunmehr in der nächsten Stadtverordnetensitzung am 1. Februar in sein Amt eingeführt werden.
Blick auf die große Kurve der Schreiberhauer Bobbahn, auf der am 10. Januar die deutschen Meisterschaften im Zweierbob ausgetragen wurden.
in eine dichtgedrängte Zuschauermasse, wo das Fahrzeug vollkommen zerschellte. Alle vier Fahrer und 12 Zuschauer wurden schwer verletzt, sie fanden im Krankenhaus zu Schreiberhau Aufnahme. Die Rennen wurden sofort abgebrochen.
Schreiberhau, 12. Jan. Das Unglück, welches sich heute nachmittag bei den deutschen Viererbob-Meisterschaften auf der Zackelfallbahn ereignete, hat viel schwerere folgen gehabt, als ur- sprünglich angenommen wurde. Eine etwa 30jäh- rige Frau, deren Personalien noch nicht ermittelt werden konnten, wurde sofort getötet, die 54jährige Frau Amtsgerichlsrat Theissinger aus Breslau so schwer verletzt, daß sie kaum noch mit dem Leben davonkommen dürfte. Weitere fünf Zuschauer liegen mit schweren Verletzungen in dem Schreiberhauer Krankenhaus. Die übrigen 10 Leichtverletzten haben inzwischen ihre Wohnungen auffuchen können und auch die Fahrer des gestürzten Bobs „Poitz" konnten in häusliche Pflege entlassen werden.
Aus Nah und Seen
— Steinau a. d. Str. (Kr. Schlüchtern), 11. Jan. Am Samstag hat der Kreisausschuß Schlüchtern die vorläufige Konzession mit Bauerlaubnis zum Bau eines Zementwerkes in Steinau der Hessischen Portland-Zementfabrik Steinau A.-G. erteilt. Mit dem Bau wird nunmehr in den nächsten Monaten begonnen worden.
vier Bergleute durch eine einstürzende Wand abgeschnitten
— Kassel, 12. Jan. Auf der Zeche „Roter Stollen" im Habichtswald bei Kassel wurden heute früh um 6.30 Uhr drei Bergleute durch den Einsturz einer Wand abgeschnitton. Die Bergungsarbeiten wurden sofort eingeleitet, jedoch ist es bisher noch nicht gelungen, die drei omgeschlossenen Bergleute zu befreien. Das Revieramt hofft binnen kurzem die Hindernisse beseitigen und die abgeschlossenen Bergleute unverletzt bergen zu können.
Kassel, 12. Jan. Wie die Verwaltung der Zeche „Roter Stollen" mitteilt, konnten die durch einen Streckenbruch heute morgen von der Außenwelt abgeschnittenen Bergleute durch die sofort vorge- nommene Umfahrung des Bruches nach achtstündiger angestrengter Tätigkeit unversehrt geborgen werden. Wie jetzt nachträglich bekannt wird, handelte es sich nicht um drei, sondern um vier Bergleute.
Wichtige Theaterkonferenz in Kassel.
— Kassel, 12. Jan. Im Oberpräsidium wurden gestern und House die Verhandlungen über die Kasseler und Wiesbadener Theaterfrage fortgesetzt. An den Beratungen, die unter dem Vorsitz des Oberpräsidenten stattfanden, nahmen u. a. teil der Generalintendant der preußischen Staatstheater, Vertreter der Landesverwaltungen, die Oberbürgermeister und Vertreter der in Frage kommenden Berufsorganisationen. Wenn die Verhandlungen naturgemäß auch noch nicht zu einem abschließenden Ergebnis führen konnten, so kann doch festgestellt werden, daß
begründete Aussicht besteht, die Fortführung der Theater unter Berücksichtigung der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage zu sichern. Voraussetzung hierfür ist, daß die Bevölkerung durch regen Theaterbesuch die Bestrebungen der Behörden und der Dheaterleitungen nach Kräften unterstützt.
Eine mysteriöse Angelegenheit
— Michelstadt (Odenwald), 12. Jan. Michelstadt wurde heute vormittag durch eine noch reichlich mysteriöse Sache in Aufregung versetzt. Ein etwa 21 Jahre alter Handwerk-bursche wurde über und über mit Wut besudelt aufgefunden und der Polizei zugeführt. Auf der Straße nach Erbach wurden an einigen Stellen größere Blutlachen entdeckt und in einem dort gelegenen Acker fand man eine mit Blut gedrängte Weste, die von der Polizei sichergestellt wurde. Der junge Handwerksbursche, der im Gesicht Kratzwunden trägt, behauptet, in der Nacht betrunken gewesen zu sein und von nichts zu wissen. Die Landeskriminalpolizei ist zurzeit um die Aufklärung bemüht. Bisher liegt eine Vor- mißtenanzeige aus der Umgebung nicht vor. Ob überhaupt ein Verbrechen vorliegt, ist zurzeit noch nicht zu sagen.
Glücksspieler-Affäre in Gießen
— Gießen, 12. Jan. In wochenlangen Ermittlungen ist es der Gießener Kriminalpolizei gelungen, hier eine größere Gesellschaft von Glücksspielern festzustellen, die das verbotene Glücksspiel „Wutz" spielte, bei dem Karten von 50 Pfennige bis 3 Mark und manchmal bis zu 10 Mark verkauft wurden. Die Umsätze bei diesem verbotenen Spiel waren zum Teil sehr erheblich. Gespielt wurde in einem Kaffee, zum Teil aber auch in der Wohnung eines Mitspielers, ferner auf einer Studentenbude, wobei sich der Student als Entschädigung einen gewissen Teil des Einsatzgeldes bezahlen ließ. In die Affäre sind 17 Personen aus den verschiedensten Bürgerschichten verwickelt. Nunmehr werden sich die Gerichte mit dem Betrieb zu befassen haben.
Vom Reichswehrsoldalen zum Fremdenlegionür
— Warburg, 12. Jan. Im Jahre 1923 fuhr ein junger Soldat des hiesigen Ausbildungsbataillons auf Urlaub in feinen Heimatsort im Taunus. Bei der Rückfahrt über Frankfurt lernte er dort ein Mädchen kennen und ließ sich verleiten, über die festgesetzte Urlaubszeit hinaus bei dieser zu verweilen. Angeblich aus Furcht vor Strafe begab et sich dann ins besetzte Gebiet, wurde von den Franzosen verhaftet und meldete sich schließlich bei der französischen Fremdenlegion, bei der er die Kämpfe gegen die Rnftabylen mit Auszeichnung mitmachte. In Marokko wurde er auch am Fuß verwundet. Nach beendigter fünfjähriger Dienstzeit ging der junge Mann nicht etwa ab, sondern verpflichtete sich zu weiterer Dienstleistung bei der Legion in Syrien. Während des ganzen Aufenthalts bei der Legion hat er seinen Angehörigen keinerlei Nachricht zukommen lassen. Als er im Herbst vorigen Jahres nach Deutschland zurückkehrte, fühlte er Reue und stellte sich freiwillig den deutschen Behörden. Wegen Fahnenflucht verurteilte ihn gestern das hiesige Schöffengericht zu sechs Monaten Gefängnis und Ausstoßung aus dem Heere.
Unfall bei der Generalprobe
— Wannheim, 12 Jan. Während der Generalprobe zu „Carmen" im Nationatheater ereignete sich ein leichter Unfall. Eine in der Mitte der Bühne errichtete Brückenkonstruktion brach aus unbekannter Ursache zusammen. Nur dem Umstand, daß der Einsturz langsam erfolgte, ist es zuzuschreiben, daß von den vielen Personen, die sich gerade auf der Bühne befanden, nur wenige leicht verletzt wurden.
Wieder dingfest gemacht.
— Sobernfjeim (Nahe), 12. Jan. Nicht lange hat sich der 23jährige Ein- und Ausbrecher Fritz Nürnberger, der im Kirner Gefängnis den Wachtmeister beim Ueberbringen der Abendmahlzeit niedergeschlagen hatte und flüchtig gegangen war, der Freiheit erfreut. Er hielt sich im Stall seines Elternhauses in Staudernheim verborgen. Dort wurde er ausfindig gemacht und festgenommen. Jetzt befindet er sich im Amtsgerichtsgefängnis Sobernheim.
Deutkchnatkonale Lebeev- tagung
Don der Kreisgruppe Hanau der Deutsch- nationalen Volkspartei wird uns geschrieben: Die diesjährige Tagung des deutschnationalen Lehrerbundes des Bezirks Hessen-Nassau führte seine Mitglieder und die Freunde seiner Bestrebungen zu ernster Arbeit im Hotel „Fürstenhof" in Kassel zusammen.
Der Vorsitzende, Herr Rektor Waldschmidt, schloß aus der großen Zahl der Anwesenden, daß weite Kreise in der Leherschaft aller Schulgattun- aen heute die Wende tief empfänden, an der Deutschland, „politisch, wirtschaftlich und kulturell gesehen", stehe. In seiner Begrüßungsansprache wies er darauf hin, daß es falsch sei, ohne Hoffnung zu leben oder sich gar dem Bolschewismus in die Arme zu werfen und damit die Kultur von Jahrhunderten zu vernichten, sondern daß der gegenwärtige Zustand neue Weae erheische, Umkehr, Klarheit und Wahrheit. Leider gewöhnten
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