General Anzeiger für
Vanan Stadt und Land
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13. AmtMW
1932
Vorbereitung der VoNswaht
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• Nachdem die Bemühungen Brünings um eine parlamentarische Verlängerung der Amtszeit des
Reichspräsidenten gescheitert sind, ist die Bildung eines Ausschusses unter Führung Dr. Geßlers geplant, der die Wiederaufstellung Hindenburgs als Gemeinschafts-Kandidat betreiben soll.
* Der Aeltestenrat des Reichstages lehnte gestern die von den Kommunisten beantragt« vorzeitige Einberufung des Reichstages ab.
Nach mehrmonatiger Paus« ist gestern der Straf- rechtsausschuß des Reichstages wieder zusammengetreten. Es sollen zunächst weniger wichtige Fragen behandelt werden.
Adolf Hitler hat Berlin verlaßen und ist nach München abgereist.
* Bei den Deutschen Diererbobmeisters-haften in Schreiberhau ereigneten sich schwere Unfälle. Eine Frau wurde getötet.
* Das französische Kabinett hat dem Staatspräsidenten feine Demission überreicht, di« von diesem angenommen wurde. Wie verlautet, wird sich Priand auf ärztlichen Rat hin auf sein Landgut begeben, und sich vorläufig allen politischen Ge- fchäften fernhalten. *
Der sozialistische Abgeordnete Fernand BoNisson ist mit 425 Stimmen zum Kammerpräsidenten wledergew'ählt worden. *
Das Völkerbundssekretariat bestätigt, daß die Tagung der europäischen Studienkommission, deren Vorsitzender Briand ist, ohne Anberaumung eines neuen Termins verschoben worden ist.
Der Papst hat dem italienischen Minister des Aeußeren Grandi und dem italienischen Botschafter beim Vatikan, de Decchi, das Gwßkreuz des Pius- ordens verliehen.
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Der amerikanische Senat hat mit 63 gegen 8 Stimmen die von Präsident Hoover befürwortete Vorlage auf Schaffung einer Gesellschaft für den finanziellen Aufbau mit einem Kapital von 2 000 000 000 Dollars angenommen. Das Repräsentantenhaus wird am Donnerstag über die Vorlage abstimmen. Man rechnet damit, daß die neue Einrichtung innerhalb von acht Tagen in Tätigkeit treten werde.
Japans Antwort auf die amerikanische Note wird wahrscheinlich am Freitag abgehalten und. wie man annimmt, in zufriedenstellendem Tone gehalten sein.
Nach einer amtlichen russischen Meldung aus Nanking haben die Truppenteile der chinesischen Roten Armee im Kampf gegen die Kantoner Re- gierungstruppen mehrere Städte erobert und Befehl erhalten, auf Kanton zu marschieren. Die Kantonregierung hat sofort Truppenzusammenziehungen angeordnet, um den Roten Vormarsch zum Stillstand zu führen.
Nach einer Meldung aus Mexiko ist das Moratorium für die auswärtige Schuld durch eine Vereinbarung mit dem internationalen Bankierausschuß in Newyork bis zum 1. Januar 1934 verlängert worden.
In maßgebenden Kreisen in Bombay wird erklärt, es bestehe nicht die geringste Wahrscheinlichkeit, daß die Regierung bereit sein werde, Gandhi gegen Ehrenwort freizulassen, wie es in den letzten Tagen gerüchtweise hieß.
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Ueber das Anwachsen der Arbeitslosigkeit in Spanien äußerte der Minister für öffentliche Arbeiten große Besorgnis. Er erklärte, daß nunmehr über eine hcllbe Million Erwerbsloser' im Lande vorhanden sei und die Bekämpfung dieses Zustandes die ernsteste Frage darstelle, der die Republik zurzeit gegenüberstehe.
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In Guatemala Stadt haben Verhandlungen zwischen den Vertretern von Guatemala; Nikaragua, Honduras, Costarika und Salvador begonnen, die die Schaffung einer mittelamerikanischen Republik auf der Grundlage der gemeinsamen Rasse, Geschichte und Religion zum Ziele haben.
*) Näheres siehe im politischen Teil.
3M Wese
Berlin, 12. Ian. Nachdem die Bemühungen des Reichskanzlers um die Verlängerung der Amtszeit des Reichspräsidenten zum Abschluß gekommen sind, beschäftigt man sich in politischen Kreisen stark mit der Frage der weiteren Entwicklung. Nirgends besteht eigentlich ein Zweifel darüber, daß jetzt der Weg zu der Volkswahl auf breiter Basis frei ist. Es ist als das Verdienst des Reichskanzlers anzu sehen, daß er durch feine Bemühungen die Klärung der ganzen Frage vorbereitet hat.
Für die Einleitung der Volkswahl gibt es nach Ansicht politischer Kreise zwei Möglichkeiten: 1. eine Initiative der Parteiführer. In dieser Richtung sind auch bereits Bemühungen im Gange, und zwar hat sich unseres Dissens Graf Westarp mit den Führern der anderen Gruppen der gemäßigten Rechten und der Mitte in Verbindung gefetzt, nm entsprechende Schritte einzuleiten. Dabei ist es selbstverständlich, daß die ganze Frage jetzt mit dem größten Takt behandelt werden muß, um in geeigneter Form vorwärts gebracht zu werden. Als eine der ersten Voraussetzungen für das Gelingen betrachtet man es deshalb auch, daß die Bemühungen von vornherein auf eine möglichst breite Grundlage gestellt werden, d. h., daß der Block, der di« Kandidatru des Reichspräsidenten für die Volkswahl vorfchlägt, soweit wie möglich von rechts bis links reicht.
Ein zweiter Gedanke, den man heute abend erörtert, geht in der Richtung, daß die Wiederaufstellung Hindenburgs durch ein Gremium führender Persönlichkeiten des deutschen Volkes als dessen Leiter etwa der frühere Reichswehrminister Geßler in Betracht käme, behandelt wird, die nicht in erster Linie und ausschließlich Politiker sind. Es kämen also die Spitzen der Wissenschaft, der Wirtschaft, der verschiedenen Berufsstände usw. in Frage, um den Eharakter der Volkswahl und des Eintretens ohne Unterschied der Parteien und der Stämme besonders deutlich zu dokumentieren. In unterrichteten Kreisen rechnet man darauf, daß der Reichspräsident sich einem solchen Ruf nicht entziehen würde. Es ist aber nicht anzunehmen, daß die Entwicklung sich überstürzt vollzieht.
Hitlers Absage
Berlin, 12. Jan. Der Führer der Nationalsozialistischen Partei Adolf Hitler hat heute folgendes Schreiben an Reichskanzler D r. Brüning gerichtet: __v________,____
„Sehr geehrter Herr Reichskanzler! Am 6. Januar | parlamentarische Ausgabe und als einen Bestandteil 1932 teilte mir Reichsirmenminister General des in ihrem Programm festgelegten Klassenkampfes Groener mit, es bestünde die Absicht, die Präsident-1 ansieht.
Das Kabinett Laval zurüN- sâeien
Die «a-WMorkaMe» lehnte» de« ©mW in die Kesisvuns ab
p a r i s, 12. Ian. Das französische Kabinett, das am Dienstag mittag zusammenkrat, hat auf Vorschlag des Ministerpräsidenten Laval beschlossen, dem Staatspräsidenten das Rücktrittsgesuch zu unterbreiten. Die Ueberreichung der Demission erfolgte um 10 Uhr abends. Der Staatspräsident hat die Demission angenommen und den Mitgliedern des Kabinetts für ihre Tätigkeit gedankt und sie gebeten, die Erledigung der laufenden Angelegen- heilen zu übernehmen. Der Präsident der Republik wird morgen vormittag seine Besprechungen zur Behebung der Ministerkrise beginnen.
Dem Beschluß Lavals, dem Staatspräsidenten den Rücktritt des gesamten Kabinetts anzuzeigen, ist eine längere Unterredung zwischen Laval und Briand vorausgegangen. Wie verlautet, hatte sich Briand geweigert, allein aus dem Kabinett auszuscheiden, obwohl er dem Ministerpräsidenten vor einigen Tagen erklärt hatte, daß fein Gesundheitszustand ihm kaum gestatten werde, das Außenministerium beizubehalten. Laval machte dann den Versuch, die Regierungsgrundlage im Sinne eines „Kabinetts der nationalen Einigung" zu erweitern. Die Radikalsozialisten lehnten es aber ab, sich wenige Monate vor den Neuwahlen zur Kammer an einem solchen Kabinett zu beteiligen. Daraufhin erfolgte der Gesamtrücktritt des Kabinetts.
Die Ablebnnns dNsG die RadiValen
Paris, 12. Jan. Ministerpräsident Laval hatte heute gegen abend eine einstündige Unterredung mit
schäft des Goneralfoldmarschalls v. Hindenburg auf parlamentarischem Wege zu verlängern, bezw. den Reichspräsidenten durch eine Zweidrittelmehrheit des Reichstags neu wählen zu lassen. Reichsinnenminister Groener bat mich um Stellungnahme der Partei zu diesem Vorhaben. Ich beehre mich, Ihnen, sehr geehrter Herr Reichskanzler, mitzuteilen, daß die NSDAP, bei aller Verehrung für die Person des Herrn Reichspräsidenten nicht in der Lage ist, diesen Vorschlag z u u n t e r st ü tz e n. Ich lehne daher namens der nationalsozialistischen Bewegung unsere Zustimmung ab. Die verfassungsrechtlichen, außen- und innenpolitischen, sowie moralischen Gründe, die uns zu dieser Stellungnahme bewegen, werde ich Ihnen, sehr geehrter Herr Reichskanzler, in einer eingehenden Darlegung umgehend zustellen. Mit der Versicherung vorzüglicher Hochachtung bin ich, sehr geehrter Herr Roichs- kanzler, Ihr sehr ergebener Adolf Hitler."
Dieser Brief wurde im Auftrag Hitle-s heute abend dem Herrn Reichskanzler durch Hauptmann Göring persönlich überreicht.
Hauptmann Göring hatte im Laufe des gestrigen und heutigen Tages, wie von nationalsozia
listischer Solle mitgeteilt wird, wiederholt sprechungen mit Staatssekretär Meißner, die feiten der NSDAP, den Zweck hatten, Klärung der Lage herbeizuführen.
Devon eine
Nie KommuniMsKe Navtel und die ReithsNvasidenten- wahl
Berlin, 12. Jan. Das Zentralkomitee der Kom-
munistischen Partei hat beschlossen, bei den Reichspräsidentenwahlen in jedem Falle als eigenen Kandidaten den Vorsitzenden der Partei Ernst Thälmann aufzustellen. Begründet wird dieser Entschluß damit, daß die Partei die Präftdentschasts- «ahlen nicht als parlamentarische, sondern als'außer-
dem radikalen Abg. Herriot. Er hat ihm den Eintritt in sein Kabinett als Minister für auswärtige Angelegenheiten und eine Vertretung der Radikalen Partei innerhalb des Kabinetts, entsprechend der ziffernmäßigen Stärke dieser Partei im Parlament angeboten. Der Abg. Herriot hat sich darauf in die Kammer begeben, wo eine Sitzung der radikalen Kammerfraktion stattfand. Die radiale Kammerfraktion beschloß, dem Angebot Lavals nicht stattzugeben.
Nach der Unterredung, in der Herriot die ablehnende Haltung der Radikalen gegenüber dem Angebot eines Eintritts in das Kabinett Laval dem Ministerpräsidenten mitteilte, erklärte Herriot, die radikale Fraktion habe sich an die Beschlüsse ihrer früheren Parteitage halten müssen, er, Herriot, selbst könne sagen, daß Laval in den nationalen Fragen, die chn gegenwärtig beschäftigen, auf seine Unterstützung als Abgeordneter zählen könne. — Ministerpräsident Laval seinerseits erklärte, er be-
(Fortsetzung auf Seite 2)
Ein KnamielleS OrmS- mittel SvankveiOS
Sofort nach der Tributabfage des Reichs« kanzlers hat die Pariser Presse gedroht, di« Bank von Frankreich werde ihren Anteil an dem Rediskontkredit von 100 Millionen Dollars für die Reichsbank nicht verlängern. Wie erinnerlich, ist der Kredit im vorigen Jahre gegeben worden, als die ständigen Devifenabzüge von der Reichsbank dem deutschen Devisenmarkt Verlegenheiten bereiteten. Mit einem späteren Versuch, einen weiteren Rediskontkredit zu erlangen, hat der Reichsbankpräsident keinen Erfolg gehabt, so daß Deutschland dann gezwungen war, zur Zwangsbewirtschaftung der Devisen überzugehen. In den Rediskontkredit von hundert Millionen Dollars teilten sich die Notenbanken von Frankreich, England, der Vereinigten Staaten, und die Internationale Zahlungsbank in Basel. Der Kredit läuft am 4. Februar ab. Er ist schon wiederholt verlängert worden und die Reichsbank hat angesichts ihres geringen Vorrates an Gold und Devisen den Antrag gestellt, den Kredit abermals um ein Vierteljahr, also bis zum 4. Mai d. J. zu verlängern.
Der Verwaltungsrat der Internationalen Zahlungsbanl in Basel hat als erster „u dem deutschen Antrag Stellung genommen. Er hat dem Antrag einstimmig zugestimmt und hat dabei den Vorhalt gemacht, der auch bei allen früheren Verlängerungen gemacht worden ist: vorausgesetzt, daß die anderen Anteile ebenfalls verlängert werden. Bei dieser Gelegenheit hat indessen der Gouverneur der Bank von Frankreich, Moret, dem Reichsbankpräsidenten mitgeteilt, die Bank von Frankreich werde nur imstande sein, ihren Kreditanteil um einen Monat, also bis zum 4. März, zu verlängern. Es handelt sich also nicht um die Ablehnung einer Verlängerung überhaupt, von der in der Pariser Presse die Rede war, sondern um eine Einschränkung der Kreditverlängerung auf einen Monat. Daß damit ein Druck auf Deutschland aus» geübt werden soll, ist selbstverständlich. Es wird von französischer Seite bereits offiziös angedeutet, daß die Bank von Frankreich An- fang März mit sich reden lassen werde, wenn man das Ergebnis und den ganzen Verlauf der Lausanner Konferenz überschauen könne. Mit anderen Worten: erkennt Deutschland in Lausanne die französischen Ansprüche auf dem Gebiet der Tributleistungen an, so verlängert die Bank von Frankreich ihren Kreditanteil von 25 Millionen Dollars. Im anderen Falle muß die Reichsbank den Kredit an die Bank von Frankreich zurückzahlen.
Mit Recht lehnt es die Regierung ebenso wie die Reichsbankleitung ab, sich durch diese Drohung beeinflussen zu lassen. Sicher ist bisher nur die Absicht Frankreichs, Deutschland durch die Entziehung des Kredits unter Druck zu setzen. Ob der Verwaltungsrat der Internationalen Zahlungsbank in Basel sich dem Vorgehen der Bank von Frankreich anschließen würde, ist noch sehr zweifelhaft. In dem Verwaltungsrat ist sicher eine Mehrheit vorhanden, die nicht die Absicht hat, Deutschland jetzt irgendwelche Schwierigkeiten zu machen. Von England und den Vereinigten Staaten kann man mit Sicherheit erwarten, daß sie auf die finanzielle Lage Deutschlands Rücksicht nehmen. Wenn in einzelnen Blättern mit der Wahrscheinlichkeit gerechnet wird, daß England und die Vereinigten Staaten den Anteil Frankreichs im Falle einer Kündigung auf ihren eigenen Anteil mit übernehmen, so begeben sie sich damit auf ein heute noch recht unsicheres Gebiet. Man kann heute noch keineswegs sagen, wie sich die Bank von England und die Bundesreservebank in Newyork in einem solchen Falle verhalten werden. Dem Reichsbankpräsidenten sind auch bei seinem
Die heutige Nummer unikal 12 Seiten
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