4. Sarmae
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Bezugspreis: Für den halben Monat 95 R-Pfg., für den ganzen Monat NM. 1.90 ohne Trägerlohn / Einzelnummer 10 N-Pfg., Samstag 12 N-Pfg. / Anzeigenpreise: Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Breite 8 R-Pfg.» im Neklameteil von 68 mm Breite 25 N-Pfg. / Offertengebühr 50 N-Pfg.
^— ——■■—■————1^^—— M— ^MM^MM
Ms. 2 Montas den
«zeige«
Kanau Stadt und Land
Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. ' Bei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung oder Nachlieferung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. / Fürplahvorschrift u. Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet./Geschäftsstelle: Hammerstr.S / Fernspr. 3956,3957,3958
1932
Gandhi ist wieder verhaftet worden
SevsibSvfnns des Lage kn Andren - Kuch des kubische -KonsveSvEbent Datei verhaftet
KE)»- ^knyn^f^ow
Dem Reichspräsidenten ist eine Unzahl von Glückwünschen zum neuen Jahr aus dem In- und Ausland zugsgangen. Obwohl alle Staatsoberhäupter durch ihre diplomatischen Vertreter beim Neujahrsempfang ihre Glückwünsche zum Ausdruck gebracht haben, haben viele von ihnen auch telegraphisch dem Reichspräsidenten ihre Neu- jahrswünsche übermittelt.
♦
Reichskanzler Dr. Brüning ist im Laufe des gestrigen Abend von seinem kurzen Weihnachtsurlaub wieder nach Berlin ^urüifgefefjrL
Der Reichstagsabgeordnete Heinrich Ströbel, der sich seinerzeit der von Seydewitz und Rosenfeld gegründeten SAP. angeschlossen hatte, ist nunmehr aus dieser wieder ausgetreten.
Der ehemalige deutsche Kaiser hat sich eine schwere Erkältung zugezogen und mußte daher das Bett hüten.
Der Reichswirtschaftsminister erklärte mit Wirkung vom 20. Januar den Syndikatsvertrag des Mitteldeutschen Braunkohlensyndikates von 1927 in der Fassung vom 1. April 1929 für nichtig.
Der Generalsekretär des französischen Auswärtigen Amtes, Philippe Berthelot, ist zu kurzem Besuch in London eingetroffen. Er wohnt in der fran- MfchH Botschaft.
•
Die belgische Regierung hat bei der Fairey Avitation Company Militärflugzeuge im Gesamtwert von 300 000 Pfund Sterling bestellt. Das ist der größte Auftrag, den eine ausländische Regierung bisher der britischen Flugzeugindustrie erteilt hat,
*
Die Volksabstimmung über die Abschaffung der Trockenlegung Finnlands hat eine riesige Mehrheit hie für erbracht. Für vollständige Aufhebung der Prohibition wurden 520 800, für Zulassung leichter Weine 10 300 und für Beibehaltung 206 800 Stimmen abgegeben. Es fehlen nur noch einige tausend Stimmen, die das Gesamtergebnis nicht mehr beeinträchtigen.
•
Iw ganz Jugoslawien wurden am gestrigen Sonntag die Senatswahlen nach der neuen Verfassung durchgeführt. Es waren 46 Senatoren, Sie Hälfte des Senats zu wählen, während die andere Hälfte vom König ernannt wird. Nach den bis jetzt vorliegenden Wahlergebnissen sind die von den Regierungsparteien aufgestellten Kandidaten gewählt.
. > Der Newyorker Bankier James Speyer erklärt ftn einem Ueberblick über die politische und wirtschaftliche Lage, der Basler Bericht, der dem Hoover- Vorschlag folge, sei ein weiterer Schritt in der notwendigen Richtung. Es sei in erster Linie Pflicht der Siegerstaaten Europas, einen Weg zu finden, um die wirtschaftlichen Folgen der „Friedeusver- trage" zu verbessern, die Mitteleuropa in durch Zollmauern eingeschlossene kleine Einheiten zerrissen und Deutschland für ein halbes Jahrhundert unmögliche Zahlungsverpflichtungen auferlegt hätten. Unter den Folgen dieser Mißgriffe litten Sieger und Besiegte in gleicher Weise. Es müsse ein Ausweg gefunden werden.
Ein zweiter „Hungermarsch" nach Washington wird für die nächste Woche erwartet. 5000 Arbeitslose unter Führung eines katholischen Priesters namens Cox werden in die Bundesstadt einziehen. Die Arbeitslosen sind, wie betont wird, Antikommunisten. Sie wollen in Washington eintreffen, wenn die Senatskommission über die Erweiterung der staatlichen Hilfe für die Arbeitslosen berät.
Nach Blättermeldungen aus Madrid hat der Chef der Gendarmerie, General San Jurjo, an den Innenminister eine Art Ultimatum gerichtet. General San Jurjo sei wegen der gemeldeten Verluste der Gendarmerie in Badajoz und Castilblanco, wo fünf Gendarmen ums Leben gekommen seien, vorstellig geworden und habe den Innenminister in Kenntnis gesetzt, daß, wenn die Regierung keine energischen schleunigen Maßnahmen zyx Behebung des Anarchiezustandes ergreife, er persönlich diese Maßnahmen ergreifen werde, um dem Versagen einer Regierung bestehend aus Radikalen und Sozialisten, zu begegnen, die sich von radikalen Elementen Vorschriften machen lasse.
In der Provinz Entre Rios im Nordosten Argentiniens ist ein Aufstand ausgebrochen. Die Aufrührer haben La Paz und andere Orte der Provinz eingenommen und die Verbindungen unterbrochen. In Regierungskreifsn schiebt man W Revolte Anhängern Irigoyens zu.
Bevor obige Meldung einlief, lagen folgende Telegramme vor:
Reu-Delhi, 2. Jan. Der Vize k ö n i g erwiderte auf das Telegramm Gandhis vom 1. Januar, er und die Regierung bedauerten daß der Ausschuß des Nationalkongresses die Beschlüsse gefaßt habe, die für den Fall, daß gewisse Bedingungen nicht erfüllt würden, die Wiederaufnahme des Feldzuges des zivilen Ungehorsams vorsehen. Sie bedauerten dies umsomehr, als die englische Regierung erklärt habe, daß sie die in der Erklärung des Premierministers angskündigte Derfassungsraform beschleunigt durchführen wolle. Keine Regierung könne zulassen, daß man ihr Bedingungen durch eine Drohung aufzwingen wolle. Er und die Regierung müßten Gandhi und den Nationalkongreß für alle Folgen verantwortlich machen, die sich aus der vom Nationalkon- greß beabsichtigten Aktion ergeben könnten. Die Regierung werde alle Maßnahmen ergreifen, um diese Aktion zu bekämpfen,
»SG hab« mein Mög^ehfies geian^
Bombay, 3. Jan. Gandhi hat heute abend folgendes Antworttelegramm an den Dizekönig gerichtet: „Ich habe mein M ög l i chst e s getan, aber vergeben s." Er erklärte kurz darauf den ihn befragenden Pressevertretern:
Er übernehme die volle Verantwortung für alle Folgen des erneuten Gehorsamsverweigerungsfeldzugs und werde sich nach Kräften bemühen, den Kampf ohne Böswilligkeit und unter strengster Vermeidung jeder Gewalt zu führen. Dieser Kampf könne jahrelang dauern, und man könne die schärfsten Unterdrückungsmaßnahmen von Seiten der Regierung erwarten, die sicherlich mit Knüppeln und Feuerwaffen vorgehen werde. Er habe jedoch das feste Vertrauen, daß Indien aus dem „Schmelzofen des Leidens" siegreich hervorgehen werde.
Gandhi sollte heute nacht eine Reise nach Ahmedabad antreten. Nachdem seine Umgebung von verläßlicher Seite jedoch davon benachrichtigt worden war, daß die Behörden in diesem Falle die sofortige Verhaftung des Mahatma beabsichtigten, entschloß sich Gandhi auf die wiederholten Bitten des Führers des gemäßigten Parteiflügels, Sir P. Sethna, seine Reise in letzter Minute aufzuschieben.
»Nie svoge «Seite*
Paris, 3. Jan. Unter der Ueberschrift „Die große Geste" veröffentlicht die bedeutendste Provinzzeitung Frankreichs, die „D è p è ch e de Toulouse" einen Leitartikel über die Kriegsschulden und Reparationen, in dem unseres Wissens zum ersten Male in einem maßgebenden französischen Blatte, das zudem der größten fränzösischen Partei, der Radikalsozialistischen Partei, nahesteht, der Verzicht Frankreichs auf die Reparationen gefordert wird. In dem Artikel wird festgestellt, daß die deutsche Oeffentlichkeit die weitere Zahlung von Reparationen ablehne und daraus folgender Schluß gezogen:
„Frankreich wird keine Reparationen mehr erhallen. Darum also so viele Ausreden gebrauchen? Darum so falsch angebrachte Geschicklichkeit? Mr ziehen eine größere Geste vor.
Von de« ckronkesen» ins Gefängnis
Bombay, 3. Jan. Die letzten Verhandlungen zwischen Gandhi und dem Vizekönig von Indien sind gescheitert. Daraufhin ist Gandhi verhaftet worden. Der Präsident des Kongresses Vallabhai Patel ist gleichfalls verhaftet worden. Gandhi und Patel wurden in das Zerwada-Gefängnis in Puna gebracht. .
Sethna hoffte, daß der Bizekönig sich durch ein heute abend abgesandtes telegraphisches Gesuch seiner Parteigenossen dazu bewegen lassen werde, mit dem Führer der gemäßigten Richtung Rücksprache zu nehmen, bevor er endgültige Schritte gegen den Allindischen Kongreß unternehmen würde.
*
Die politische Geschichte der Welt hat uns zwar wiederholt die Unabhängigkeit des persönlichen Schicksals hervorragender Männer der Politik vor Augen geführt, und doch bildet die Laufbahn Gandhis ein einzig dastehendes Beispiel dafür. Eben noch hat der Mahatma während der Londoner Rundtisch-Konsereng als anerkannter Führer des indischen Volkes mit der britischen Regierung verhandlt, eben noch wurde er von König Georg in Audienz empfangen, und schon hat er abermals den Leidensweg, den Gang ins Gefängnis antreten müssen „Freiheit oder Gefängnis!" Unter dieser Parole hatte Gandhi feinen eigenartigen Kampf gegen die britische Vorherrschaft in Indien sofort nach seiner Rückkehr in seine indische Heimat wieder ausgenommen. Am 9. Januar soll die Kampagne des bürgerlichen Ungehorsams, der Steuerverweigerung, des Boykotts britischer Waren in Indien aufs neue entflammen. Die letzten Erklärungen, die Gandhi in bezug auf seine Pläne abgegeben hat und die daraufhin erfolgte Verhaftung seiner Person, wie des indischen Kongreßpräsidenten, beweisen deutlich, daß es jetzt in Indien auf Biegen oder Brechen ankommt, und daß der von Gandhi geführte Friheitskamps in eine neue, für die Zukunft Indiens entscheidende Periode eingetreten ist. Die Verhaftung Gandhis durch die britischen Behörden bedeutet nicht nur in den Augen seiner Anhänger und der breiten Schichten des indischen Volkes, sondern auch für die gesamte öffentliche Meinung der Welt nichts anderes, als die Anerkennung, daß die englische Regierung keine Eimgungsmöglich- keit mehr sieht, keine Hoffnung auf friedliche Beilegung des Kampfes in Indien mehr hegt.
Stimmungsumschwung in SeanseeiO?
Schwenkung de« kvanrSMGe« Me in de« Segge de« KevavatisnSzahinngen
Paris, 3. Jan. Bekanntlich hat die französische Presse noch vor kurzem unb immer wieder erklärt, die Verhandlungen über die eingefrorenen Kredite hätten nichts zu tun mit den Verhandlungen über die Reparationszahlungen. Auch Ministerpräsident Laval hat ähnliche Erklärungen abgegeben. Es überraschtedaher einigermaßen, daß man gestern lesen konnte, die französische Regierung könnte sich über den Zeitpunkt der Konferenz in Lausanne erst dann besprechen, wenn die in Berlin tagenden Bankiers einig geworden seien. Demnach erkennt die französische Presfte also doch eine Beziehung zwischen den kurzfristigen deutschen Verpflichtungen und den Reparationszahlungen an und muß, wenn auch stillschweigend, zugeben, daß sie bei der Behänd- lung des Reparationsproblems einen Standpunkt vertreten hat, den sie jetzt aufgeben muß.
denn da alle Reparationen in der Tat verloren sind, riskieren wir nichts mehr, wenn wir den Deutschen ihre Schuld endgültig und ganz erlassen. Dir werden nicht nur nichts dabei riskieren, sondern ohne Zweifel dabei gewinnen: nämlich die Anschuldigungen der deutschen Oeffentlichkeit gegen Frankreich zunichte machen und die Anziehungskraft Hitlers auf die deutsche Dählerschaft neutralisieren. Denn Deutschland durchläuft zweifellos gegenwärtig eine Periode unbestreitbarer Not. Deutschland hat nicht seine Zahlungsunfähigkeit organisiert, wie man dies oft sagt.
Wenn man Hitler das Argument nimmt, daß die Reparationszahlungen die alleinige Ursache an dem deutschen Elend sind, dann wird man ihm drei Viertel seiner Kundschaft nehmen. Man wird damit
(Fortsetzung auf Seite 3) -
Dev WidevKnn des âovvtdovs
Axel Schmidt, einer der besten Kenner der Ostverhältnisse, hat soeben im Edwin Runge- Verlag, Berlin ein kleines Büchlein unter dem Titel „Gegen den Korridor" erscheinen lassen, das eine Reihe überaus beachtenswerter pol- nischer Zeugnisse und Tatsachen zu der Korri- dorfrage enthält.
Das Wort vom „W idersinn des Korridors" stammt nicht, wie man an» nehmen sollte, als Protest gegen die Abschnürung Ostpreußens vom Deutschen Reich ausdeutschem Munde. Es ist polnischen Ursprungs. Noch mehr. Richt etwa ein polnischer Pazifist, sondern Roman Dmowski, der Vorkämpfer des großpolnischen Gedankens hat es geprägt. Zusammen mit dem Pianisten Paderewski, dem persönlichen Freunde des amerikanischen Präsidenten Wilson, arbeitete Dmowski während des Krieges in Paris und Washington für dbs polnische Sache, bis sich die Pläne beider realisierten. Während der Versailler Verhandlungen waren beide die offiziellen Vertreter des polnischen Volkes bei der Entente, und auf ihren Einfluß ist es zurückzuführen, daß der polnische Staat, obgleich Pilsudski und seine Legionäre an der Seite der Mittelmächte gefochten hatten, in seinem gegenwärtigen Umfange geschaffen wurde. Wäre es nach Clemenceau gegangen, so wären soggr Dmowskis und Paderewskis noch weitergehende Wünsche bewilligt worden. Erst das Eingreifen Lloyd Georges hat diesen Wünschen ein Ziel gesetzt. Dmowski hatte nämlich im Verlaufe der damaligen Verhandlungen um die Annektion Ostpreußens durch Polen zu begründen, den bereits von den Alliierten konzedierten Korridor einen „W idersinn" genannt. Ohne das Eingreifen des englischen Ministerpräsidenten wäre möglicherweise m der Tat der Widersinn des Polnischen Korridors verschwunden und nach dem Rezepte Dmonroskis auch Ostpreußen dem polnischen Expansionsdrang zum Opfer gefallen.
Die Annektion Ostpreußens konnte, wie bereits erwähnt, selbst Dmowskis leidenschaftliche Beredtsamkeit und Paderewskis Einfluß auf Wilson nicht durchsetzen. In seinen Memoiren schildert Dmowski seine Unterredung mit Wilson folgendermaßen:
„Die deutsch-polnische Frage an der Ostsee hat sich in der Geschichte so verwickelt, daß man sie heute nicht lösen kann, ohne einem Unrecht zu tun. Entweder wird die 2 Millionen Men- 'chen umfassende deutsche Insel in Ostpreußen von ihrem Vaterlande getrennt, was natürlich als Unrecht empfunden wird; oder die längs dem Meere wohnende Bevölkerung in Westpreußen wird der Vernichtung preisgegeben, und damit steht das ganze 25-Millionen Volk der Polen vor der Unmöglichkeit der Schaffung eines wirk.ch unabhängigen Staates und wird der heun eben Ueberflutung ausgesetzt. Das würde ein Unrecht bedeuten, mit dem das erste sich nicht messen kann."
Dmowskis Behauptung von der „polnischen Bevölkerung" längs dem Meere in Westpreußen wird durch das Polnische Handbuch für die polnische Propaganda von Piltz Lügen bestraft. Nach dessen Angaben lebten vor dem Kriege in Westpreußen 1700 860 Menschen, von denen 604 600 Polen waren. (Demnach lebten damals nach polnischer Berechnung nur 35,5 Prozent Polen und 64,5 Prozent Deutsche in diesem Gebiete. Es gab also selbst nach polnischer Feststellung vor dem Kriege in Westpreußen keine polnische Mehrheit, wie Dmowski es Wilson gegenüber behauptet. So kam es zu der unmöglichen Bildung des Polnischen Korridors (such Danziger oder Weichsel-Korridor genannt). Es bleibt trotz aller polnischen Schriften und Reden ein Geheimnis, warum Polen durchaus einen territorialen Zugang zum Meere erhalten mußte, während Staaten mit größerem industriellen Export, wie die Schweiz und die Tschechoslowakei, aber
Btt heutige Hummer ums »hi
18 teilest