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Samstag, den 2. Januar 1932
Nr. 1
drohenden Sturm der Weltwirtschaftbkrisis zu bestehen. Unter dem Zwange der Notwendigkeit mußten dem deutschen Volke harte Lasten auferlegt und Eingriffe in die Rechtssphäre des Einzelnen vorgenommen werden. Die m ernsten Tagen immer bewährte hohe moralische Kraft des deutschen Volkes, sein stets bewiesener Wille zur Selbstbehauptung und sein stark ausgeprägter Ordnungssinn haben Deutschland befähigt, diese Opfer zu tragen und standzuhalten. Ich bin im Innersten überzeugt, daß Deutschland auch in Zukunft alle Gefahren überstehen wird, wenn es nur einig ist und treu. So begrüße ich es, daß die Reichsregierung, von dem festen Willen beseelt, dem deutschen Volk die notwendigen Erleichterungen zu schaffen, in das neue Jahr eintritt. Möge die Arbeit der Reichsregierung und möge Ihrer aller persönliches Wirken von Erfolg begleitet sein! Der Reichspräsident begrüßte darauf die einzelnen Reichsminister und Staatssekretäre. Um 12.50 Uhr empfing der Reichspräsident den Reichstagspräsidenten Loebe und den Reichstagsvizepräsidenten v. Kardorff zur Entgegennahme der Glückwünsche des Reichstags. Es folgte der Empfang einer Abordnung des Reichsrats, der preußischen Staatsregierung, der Wehrmacht, der Reichsbank und der Reichsbahn.
Fallotten beim SZeiBs- VvâKdente«
Berlin, 1. Jan. Vor den offiziellen Neujahrs- empfängen empfing der Reichspräsident eine Abordnung der „Halloren", der alten „Salzwirker- Brüderschaft im Thäte zu Halle", die zum ersten Male seit dem Weltkrieg wieder dem Reichsoberhaupt nach altem Brauch Salz, Soleier und Schlackwurst darbrachte und ihre Neujahrsglückwünsche aussprach.
Me Gesetzgebung 1633
Berlin, 1. Jan. Eine Vorschau auf die im neuen Jahr zu erwartende Gesetzgebung des Reichs wird zurzeit dadurch beeinträchtigt, daß niemand vorauszusagen vermag, ob und in welchem Maß es gelingen wird, den Reichstag als obersten Gesetzgeber wieder handlungsfähig zu machen, oder ob, wie bisher. Las Schwergewicht der Gesetzgebung beim Reichspräsidenten und im Reichs- Lablnett liegen wird. Infolgedessen läßt sich auch nicht genau übersehen, welche Gegenstände auf einem der beiden Gesetzgebungswege im neuen Jahr erledigt werden können. In den einzelnen Reichsministerien wird man sich zunächst wenigstens versuchsweise darauf einrichten, die geplanten Gesetzentwürfe für eine parlamentarische Erledigung vorzubereiten
Im Reichsfinanzministerium wird vor allem der
Haushaltsplan für das Jahr 1932/33 fertiggestellt werden. Nach der Verlängerung des Haushaltsjahrs bis zum 1. Juli werden die parlamentarischen Verhandlungen, die sonst tm allgemeinen die ersten Monate des Jahres ausfüllten, kaum vor dem Jahre beginnen. Zurzeit ist man im Reichsf'inanzministerium auch mit den Vorarbeiten für die Phafenbauschalierung bei der Umsatzsteuer beschäftigt. Das Reichsarbeitsministerium widmet seine bei'ondere Aufmerksamkeit der
Umgestaltung der Sozialversicherung unter dem Gesichtspunkt einer großen Verwaltungsvereinfachung. In Verb'ndung mit dem Reichsjustizministerium wird das Arbeitsministerium sich wohl auch mit den Fragen eines sozialen Mietrech's im neuen Jahr eingehender beschäftigen. Das Reichsverkehrsministerium hat den Gesetzentwurf zur Übernahme der Wasserstraßen auf das Reich fertiggestellt und wird darüber^in den ersten Tagen des neuen Jahres mit den Ländern verhandeln. Beim Reichsministerium des Innern werden die Arbeiten am
allgemeinen Reichsbeamlengesetz und an der Reichsdienststrafordnung fortgesetzt werden. Das Arzneimittelgesetz ist inzwischen fertiggestellt worden. Weiter rechnet man damit, daß das Ministerium en neues Pressegesetz sonne ein Gesetz zum Schutze des Pressenachrichtenwesens sertiastellen und schließlich auch seine besondere Aufmerksamkeit dem dringend notwendigen Gesetz zur Ausführung des Artikels 48 der Reichs- verfasiung widmen werde.
Der Aellestenrat des Reichstags tritt am 11. oder 12. Januar kusammen, um darüber zu entscheiden, ob der Reichstag, wie ursprünglich beabsichtigt erst am 23. Februar oder bereits vorher zusammentreten soll. Man nimmt an, daß der kommende Tagungsabschnitt von längerer Dauer sein wird Die Ausschußarbeiten werden im Reichstag bereits in der ersten Januar- hälfte wieder ausgenommen. Am 12. Januar tritt der Strafrechtsausschuß zu einer mehr- wöcbigen Tagung zusammen, um die Vorberatung der Strakrechisre'orm abmschlieben. Auch der Haushaltsausschuß. der Volkswirtschaftliche Ausschuß, der Wohnungsausschuß und andere Reichstagsausschüsse haben für die nächsten Wochen neue Tagun- gen anberaumt.
„Matt muß das Geschwür „ auSbvennsn"
Italienische Stimmen zum Reparationsproblem
Rom, 1. Jan. Maßgebende italienische Blätter nehmen in ihren Neujahrsbetrachtungen zum Reparationsproblem und zu der bevorstehenden Repa- rationskouferenz Stellung, deren Parole, wie „C o r r i e r e della Sera" sagt, wenn man alle Völker frage, nicht anders lauten könne als: Kurswechsel. Das Blatt unterstreicht die außergewöhnliche Bedeutung der neuen Reparationskonferenz und meint, es scheine kauen möglich, daß die verantwortlichen Reg'ierungskreise nicht fühlen, daß hinter dem amtlichen Gegenstand dieser Konferenz ein Gesamtkomplex stehe, der beschleunigte Maßnahmen das heißt eine wahre und einheitliche internationale Zusammenarbeit erheische, die nichts mit einer haarscharfen Dosierung des Soll und Habens der ein zelnen Staaten zu tun habe.
„S t a ni p a" nimmt zunächst zu dem Basler Bericht Stellung und unterstreicht die Bedeutung der Feststellung, daß Deutschland den ungeschützten Teil der Reparationen nicht leisten könne. Trotzdem bestehe zwischen dieser Feststellung und der tatsächlichen wirtschaftlichen Lage des
OindsnSurg an das deutsche Pelt „Sand in Sand dev Zukunft entgegen" - W-vte an das Ausland - âsmmnnkftssche Sitdeung
Berlin, 1. Jan. Der Reichspräsident von Hindenburg hielt am Donnerstag um 21.30 Uhr im deutschen Rundfunk folgende Neujahrsansprache:
Deutsche Männer und deutsche Frauen! Aus meinem Amt als Reichspräsident und aus der Tatsache, daß ich als hochbetagter Mann einen verhältnismäßig großen Abschnitt deutscher Geschichte miterlebt habe, folgere ich die Berechtigung, heute am Abschluß eines schicksalsschweren Jahres, wenige, aber treu gemeinte Worte an Sie zu richten, um Ihnen zu helfen, die Not der Zeit zu tragen.
Ich bin mir voll bewußt, welche gewaltigen Opfer von jedem von uns verlangt werden, damit wir es versuchen können, durch eigene Kraft die gegenwärtige Notzeit zu überwinden. Dem deutschen Volke gebührt a u f r i ch t i g st e r Dank und hohe Anerkennung für die bisher be= wiesene Opferbereitschaft und für die Geduld, mit der es in Erkenntnis der harten Notwendigkeit alle Leiden und alle Lasten getragen hat. Das fei hier zuerst gesagt.
Aber die Größe dieser Opfer, die wir bringen, berechtigt uns dem Auslande gegenüber gleichzeitig zu der Forderung, sich unserer Gesundung nicht durch Zumutung unmöglicher Leistun - g e n e n t g e g e n z u st e l l e n. Auch in der Abrüstungsfrage darf Deutschland sein gutes Recht nicht vorenthalten werden. Unser Anspruch auf gleiche Sicherheit ist so klar, daß er nicht be» stritten werden kann.
Unwillkürlich denke ich zurück an Tannenberg. Unsere Lage war damals gleichfalls schwierig. Sehr gewagte Entschlüsse mußten gefaßt und hohe Anforderungen an die Truppe gestellt werden, um des Erfolges nach Möglichkeit gewiß zu sein. Da mag mancher innerlich Bedenken gehegt haben, aber das Band gegenseitigen Vertrauens' treuer Kameradschaft, inniger Vaterlandsliebe und der Glaube an uns selbst hielten uns fest zusammen, so daß die Entscheidung nach mehrtägigem heißen Ringen zu unseren Gunsten ausfiel.
Auch heure rufe ich, abermals in ernster Zett, und zwar ganz Deutschland, auf zu gleicher treuer schicksalsverbundsner Einigkeit. Lassen Sie uns Hand in Hand unverzagt der Zukunft mit ihren sorgenschweren Entscheidungen entgegengehen. Möge keiner dem Kleinmut unterliegen, sondern jeder unerschütterlichen Glauben an des Vaterlandes Zukunft behalten. Gott hat Deutschland schon oft aus tiefer Not errettet; er wird uns auch jetzt nicht verlassen!
Und nun wünsche ich dem deutschen Volke in seiner Gesamtheit und jedem einzelnen Deutschen aus vollen, treuem Herzen ein gesegnetes neues Jal;r!
Nachdem Hindenburg seine Rede beendet hatte, spielte die Musik das Deutschlandlied.
SiSonns dev Rnndknnkvsde
Berlin, 1. Jan. Die Rundfunkrede Hindenburgs war von allen deutschen Sendern und auch, wie berichtet wird, von den ausländischen ausgezeichnet zu hören und hat, wie besonders aus Dänemark und England gemeldet wird, einen tiefen Eindruck hinterlassen. Soweit diese Rode über den Deutschlandsender gehört wurde, vernahm man, gerade als Hindenburg von der Schlacht bei Tannenberg sprach, eine böswillige Störung deren Ursache bisher noch nicht aufgeklärt werden konnte. Die an Königswusterhausen angeschlossenen Hörer vernahmen neben der Stimme des Reichspräsidenten eine andere Stimme, die die Worte Hindenburgs überschrie, zu kommunistischen Demonstrationen aufrief und „Rot-Front"- Rufe ausbrachte. Zur Erklärung dieser Störung wurden zunächst drei Möglichkeiten in Betracht gezogen: die unwahrscheinlichste ist, daß einer der großen russischen Sender die Übertragung gestört hat, eine andere, daß ein geheimer kommunistischer Privatsender dazwischen gefunkt hat; am meisten Wahrscheinlichkeit kommt der dritten Möglichkeit zu, nämlich, daß das 15 bis 20 Kilometer lange Uebertragungskabel in Berlin-Königswusterhaufèn angezapft worden ist, was kürzlich schon in einigen anderen europäischen Ländern versucht worden ist.
Die sofort eingeleiteten polizeilichen Nachforschungen haben nach weiterer eingehender Absuchung der Leitung zwischen den Sendestationen Witzleben und Königswusterhausen ergeben, daß
auf Neuköllner Gebiet das Kabel angezapfl worden ist; die Störungsquelle wird zurzeit einer genauen Prüfung unterzogen.
Mit der Ermittlung der Störungsstelle dürfte die Polizei auch bereits die Spur der Täter ausgenommen haben: denn die Ausführung der Störung läßt keinen Zweifel darüber, daß die Täter mit den technischen Betriebsverhältnissen vertraut sind.
Interessant, doch nicht ganz klar ist die Frage, welches Deliktes sich die Rundfunkstörer schuldig gemacht haben. Zweifellos liegt schwere Sachbeschädigung im Sinne des § 304 des Strafgesetzbuches vor; denn es handelt sich bei dem angezapften Kabel um einen Gegenstand, der dein öffentlichen Nutzen dient. Zweifellos ist auch der Tatbestand des groben Unfugs gegeben. Die Staatsanwaltschaft wird aber ferner' noch zu Drüsen haben, ob nicht in der Störung eine Beleidigung des Reichspräsidenten liegt und ob die Angelegenheit nicht auch unter die' Bestimmungen der Notverordnungen fällt, die zur Aufrechterhal
Reiches noch ein schreiender Gegen- s a tz, wie auch das Problem der internationalen Kriegsschulden noch unberücksichtigt geblieben sei. Das Blatt weist darauf hin, daß der ungeschützte Teil der Reparationszahlungen von einer Verständigung mit Washington abhängig gemacht sei und vertritt die Forderung, daß angesichts der Schwierigkeiten in Amerika zunächst die europäischen Gläubiger Deutschlands und damit in erster Linie Frankreichs in bezug auf den geschützten Teil der Reparationszahlungen zu einer vollständigen und endgültigen Lösung kommen. Man sollte nicht von einem Moratorium sprechen, wenn man einen entscheidenden Beitrag für die Rückkehr des Vertrauens erreichen wolle. Würden die europäischen Gläubiger
tung der öffentlichen Ruhe, Ordnung imb Sicherheit besonders verschärfte Bestimmungen vorsehen.
Das Echo im Ausland
Die Aufnahme in Amerika
Newyork, 1 Jan. Die hiesigen Morgenblätter bringen die Rede Hindenburgs zum Jahreswechsel in großer Aufmachung. In den Ueberschriften werden besonders die Stellen der Rede hervorgehoben, die sich auf eine Zumutung unmöglicher Leistungen und auf den Anspruch gleicher Sicherheit beziehen.
Nach einer Meldung, die die »Köln. Ztg." aus Washington übermittelt, wird an maßgeblichen Stellen die Bemerkung dos Reichspräsidenten hinsichtlich der Abrüstungsfrage als Ankündigung einer energischen deutsch e n O f f e n s i v e auf der bevorsteherchen Genfer Konferenz aufgefaßt, die als Ziel, wie man glaubt, entweder die Vermehrung der deutschen Verteidigungsmittel oder aber die Verminderung der Rüstungen der Nachbarländer, besonders Frankreichs haben dürfte. Man erwartet daher, daß die dahingehende Forderung Deutschlands das wichtigste Problem auf der Genfer Konferenz bilden dürfte. Die wirtschaftlichen Ausführungen Hindenburgs werden dahin gedeutet, daß das Deutsche Reich entflossen sei, weitere Verringerung der Reparationen zu erreichen.
Der Andruck in England
London, 1. Jan. „Evening Standard" bezeichnet die gestrige Rundfunkrede des Reichspräsidenten als eine hervorragende Leistung und begrüßt, daß die Uebermittlung nach England nicht durch die kommunistischen Unterbrechungen gestört wurde. Die tiefe Stimme Hindenburgs, so bemerkt das Blatt, war eher die eines Soldaten als die eines Redners, aber jedes Wort, klar und langsam ausgesprochen, war verständlich auch für die, die im Deutschen nicht ganz zu Hause sind. Hindenburgs ©Iamben an sein Land nennt „Evening Standard" höchst eindrucksvoll.
Das liberale „New Cronicle" nennt die Ansprache Hindenburgs die Rede eines mutigen Patrioten. Während aller Nachkriegswirren in Deutschland sei der alte Hindenburg sowohl für die Ausländer wie für seine eigenen Landsleute das Symbol der Festigkoit und Entschlossenheit und des Geistes der Beständigkeit in einer Welt voller Schwierigkeiten gewesen. An seinem Appell, Deutschland bei seinen Bemühungen nach dem Wiederaufbau keine untragbaren Lasten aufzubürden, könne die Welt nicht achtlos vorübergehen. Das Selbstinteresse verlange, daß Deutschland sich selbst rette, und die einzigartige Figur des Präsidenten verkörpere die Kraft, die allein diese Rettung bewerkstelligen könnte.
And SvarBveiH?
Paris, 1. Jan. Die Rundfunkansprache Hindenburgs an das deutsche Volk wird in allen Zeitungen f o st ohne Kommentar aus Berlin im Auszug wiedergegeben. In der royalistischen Action F r a n c a i s e kann man in Sperrdruck neben dem Zeitungskopf folgendes lesen:
Gott mit uns. Der Marschall-Präsident Hinden- bra erklärt zu Beginn des neuen Jahres die Reparationslasten für unerträglich, beansprucht das Recht des Reichs auf Aufrüstungn und verweist, nachdem er so den Versailler Vertrag mit Füßen getreten hat, auf den Sieg von Tannenberg. Er schließt mit dem Schrei von 1914: Gott, der schon oft Deutschland in höchster Not gerettet hat, wird uns auch diesmal nicht verlassen.
In dem linksstehenden Paris S o i r der sich mit den Ansprachen des Reichspräsidenten an das deutsche Volk und an das Diplomatische Korps befaßt, heißt es:
Noch nie hat Deutschland mit solcher Bestimmtheit erklärt, daß es ein für allemal von den verschiedenen Verpflichtungen, die seit 1919 auf ihm lasten, befreit werden möchte. Noch nie haben seine Einsprüche im Ausland so viel Widerhall gefunden. Selbst der päpstliche Nunzius verhehlte die Sympathie des Vatikans für die von der Reichsreglerung seit einigen Monaten gemachten Anstrengungen nicht und sprach sich zugunsten einer allgemeinen Abrüstung aus. Die Festigkeit der Stellung Deutschlands und die Ermutigungen, die es im Ausland findet, find zwei Elemente, die man — wie man auch darüber denken mag — in Frankreich vor den beiden Konferenzen von Lausanne und Genf ganz und gar in Betracht ziehen muß.
Der linksstehende „2 u o t i d i e n" sagt, der Sieger von Tannenberg habe als guter Deutscher gesprochen, wenn die Deutschen jedoch mit dem Reichspräsidenten erklärten genug der Opfer, genug mit den Tributen, so erkläre Frankreich, daß es auf seinen Gläubigeranspruch der freiwilligen Verträge bestehen müsse. b
„I o u r n a l" behauptet, daß der Rede des Reichspräsidenten Mäßigung fehlte, weil in ihr Beseitigung der Reparationen und Revision der militärischen Klauseln des Versailler Vertrages gefordert werden.
Deutschlands auf den ungeschützten Teil von 600 Millionen Mark verzichten, so wäre es vor aller Augen klar, daß die Vereinigten Staaten für die Endlösung die alleinige Verantwortung zu tragen hätten. Eine derartige versöhnliche Haltung zwischen den Gläubigern und Schuldnern in Europa wäre sehr wahrscheinlich von solcher Ueber- zeugungskraft, daß die Leiter der amerikanischen Politik,' die eine klare Erkenntnis der gegenwärtigen Schwierigkeiten wie auch der allein zur Ueberwindung der Krise führenden Methode der internationalen Zusammenarbeit hätten, eine stärkere Position in ihrem Lande erhielten. Damit würde nicht nur wegen der engen Zusammenhänge zwischen den Kontinenten und ihren Völkern dem
Interesse der Vereinigten Staaten gedient, sondert auch im Hinblick auf die Abzahlung der gewaltige» kommerziellen Kredite, die hauptsächlich Amerist Deutschland gewährt habe. Man müssedaher wie das Blatt schließt, das Geschwur aus brennen, das heißt nicht einen neuen Repa rattonsplan aufstellen, dessen Wert ohnehin gleici Null wäre, sondern binnen kurzer Frist 31 einer Streichung der europäischer Schuldenzahlungen gelangen.
„R e st 0 del Carlino" bewegt sich in einem ähnlichen Gedankengang und erklärt, die Widerstände in Amerika seien durchaus verständlich. Unverständlich dagegen sei, warum sich Frankreich dem moralischen Druck der ganzen Welt und der Stimme des Gewissens widersetze und bei seiner hartnäckigen Verteidigung von Vertragstexten weiterhin in -er Illusion leben wolle, daß Deutschland nach Ablauf eines Moratoriums, ob es nun von zwei oder fünf Jahren Dauer wäre, seine Zahlungen wieder aufnehmen könnte. Keine Macht der Welt könne die Einhaltung eines Vertrages garantieren, mit dem über zwei Generationen das Urteil gesprochen werd« und der für 60 Jahre die Beziehungen aller europäischen Staaten, ja der ganzen Welt stören müsse. Die Reparationen seien in der Han- Frankreichs nicht mehr der Tribut des Besiegten an den Sieger, sondern ein Instrument, durch das ein ga n< 3es Volk endlos unterdrückt werden soll. Das aber fei unmöglich, weil Europa und die übrige Welt die schwere Schäden nicht widerstandslos hinnehmen könne. Das französischdeutsche Duell gehe die Interessen der ganzen Welt und nicht bloß diese beiden Staaten an.
Der âvMSuksvbund gegen 1 Sie Geelennot des dentschen
Solkes
Der Vorstand des Deutschen Reichskriegebbundes „Kyffhäuser" hat eine Neujahrstundgebung erlassen, in der es heißt:
„Der Versailler Vertrag hat im zwölften Jahre' seines Bestehens alle Länder und Kulturvölker in eine unabsehbare Katastrophe hineingeführt. Deutschland durch den Machtspruch der Ungerechtigkeit zerstückelt, in seinen besten Kräften gehemmt und geknebelt und durch die Nöte der anderen Länder ganz auf sich selbst angewiesen, macht die äußersten Anstrengungen, das Unheil des restlosen Zusammenbruchs zu bannen. Unerträgliche Lasten mußten jedem einzelnen aufgebürdet werden, um noch einmal zu versuchen, Volk, Vaterland und Reich zu retten Das Jahr 1932 wird das entscheidungsvollste und vielleicht schwerste aller Notjahre des deutschen Volkes sein. Wenn die Opfer, die wir brachten und die noch gebracht werden müssen, um das Todeskreuz von Deutschland zu nehmen, nicht umsonst fein sollen, dann muß das deutsche Volt in allen feinen Gliedern, Teilen und Schichten untrennbar im Gsiste des Kämpfertums und der Kameradschaft verbunden werden. Der Deutsche Reichskriegerbund „Kyffhäuser* ruft deshalb seine drei Millionen Mitglieder, die in Stadt und Land die starken Träger solchen Geistes sind, auf, mit allen Kräften in dieser Gesinnung zu wirken. Das deutsche Volk darf nicht mutlos werden, und die Hoffnung verlieren. Der Deutsche Reichskriegerbund .Kyffhäuser", der im vergangenen Jahre seine Kräfte Millionenfach gegen die Lüge der Kriegsschuld und den Betrug der Ab. rüstung eingesetzt hat, wird in dem kommenden Notjahr alle so vereinten Kräfte auch einsetzen für den Kamvf gegen die Seelennot des deutchen Volkes. Unkultur und Gottentfremdung haben nie Raum im deutschen Volke gehabt; sie sind aber in dieser Zeit unserer schwersten seelischen Belastung ein Verbrechen. Wir kämvfen für das Deutschtum und für die Ebre der Nation; wir kämvfen geoen die Lüoe von Versailles und gegen den Bolschewismus. Wir kämpfen mit Gott für Volk und Reich!"
voMMsv SttkammettfioS in Ssvvot
Danzig, 1. Jan. Zu einem schweren Zusammenstoß tarn es in der vergangenen Nacht in Zoppot Zwischen Anhängern der Nationalsozialisten und Mitgliedern des Vereins „Freunde der Sowjetunion". Eine etwa 20 Mann starke Gruppe von Na- tonalsozialisten drang in ein Lokal ein, in dem die Kommunisten eine Siloesterfeier abhielten, und gab mehrere Schüsse ab, durch die eine Person tödlich verletzt wurde. Boi der darauf folgenden Schlägerei wurden mehrere Personen verletzt. Die Polizei nahm 13 Personen fest. Die Nationalsozialisten er- klärten, in das Lokal einaedrungen zu sein, weil sie angeblich von dort beschossen worden wären.
Letzte Leleseamme
Bevsttvbettevfitverk im 3tn beaebtei
Eschweiler, L Jan. Die „Ienlralslreiklei- lung" der Bergleute im Wurmgebiet, eine vor kurzem neu ins Leben gerufene Organisation, die sich aus Bergarbeitern aller Richtungen zusammenseht, hat beschlossen, morgen auf allen Gruben des Vurmreviers den Streik auszurufen. Als Grund wird die ivprozenkige Lohnkürzung angegeben. Die Gewerkschaften werden an dem Streif offiziell nicht leilnehmen.
Essen, 2. Jan. Die heute in Kraft tretende lOprozenfige Lohnkürzung für die Bergarbeiter des Ruhrbergbaues wurde von radikaler Seite dazu benutzt, einen wilden Streik anzuzetteln, der aber nur in 2 Schächten befolgt wurde und zwar der Schachlanlage „Bergmannsglück" und in Gelsen- kirchen-Bühr im Schacht „Rheinpreußen". Auf der Zeche Dergmannsglück streiken von 630 374 Bergleute. Auf der Zeche Brassats wurden 2 Kommunisten verhaftet, die zum Streik aufforderten.
Die Japanet! in Tichruischa« einseeiirSt
Tokio, 2. Jan. wie verlautet, ist die Vorhut des japanischen Heeres heute früh 6 Uhr in Tfchiutfchau eingerückt. Das Gros wird voraussichtlich morgen eintreffen.
Frühere Meldungen über den japanischen Vormarsch siehe Seite 6.