Seite 4
Samstag, bett 2. Sammt 1632
Ar. 1
Dev Sannav
Der Januar, der erste Monat des Jahres, wird iaiuch „Erster", „Erslling" oder „Jahrmonat" genannt. Weil er für gewöhnlich schneereich und eiskalt durch das Land marschiert heißt er «n Kalender auch „Schnee- oder Eismonat". Der Januar hat 31 Tage, davon sind 5 Sonntag« und 2 Feiertage, nämlich der 3., 10., 17., 24. und 31. Januar, sowie der Neujahrstag und das Dreikönigsfest. An politischen Gedenktagen bringt uns der 18. Januar den Erinnerungstag an die Reichsgründung in Versailles im Jahre 1871. Nach dem Hundertjährigen Kalender soll der Januar trocken und nicht sehr kalt werden. Der Januar hat seinen Namen nach dem römischen Gotte Janus. Die alten Deutschen nannten den ersten Monat des Jahres Hart- oder Eismonat. Der Januar zeichnet sich gewöhnlich dadurch aus, daß er der strengste Wintenmanat zu sein Pflegt. Wenn der Januar keinen Schnee bringt, so ist auch nicht damit zu rechnen, daß der Februar- und Märzschnee von langer Dauer sein wird. Ein milder Januar ist im allgemeinen kein günstiges Zeichen, weil dann draußen in der Natur die Welt vom Winterschlaf erwacht und den Kälterückschlägen der beiden anderen Wintermonate keinen genügenden Widerstand entgegensetzen kann. Im Januar ruht die Feldarbeit in der Landwirtschaft im allgemeinen. Der Bauer bringt in diesem Monat seine Geräte in Ordnung und trifft die Vorbereitungen für die Frühjahrsfeldarbeit. Im Januar wünscht er sich einen strengen Frost, damit die Erdkruste ordentlich zersprengt und der Voden auf- ?«lockert wird. Die Bauern- und Wetterregeln be- agen: Januar kalt und klar bringt ein gutes Jahr". — „Im Januar muß die Straße einen Güterwagen tragen", also stark gefroren sein. — „Wenn die Tag« im Januar langen, kommt der Winter erst gegangen". — „Wenn di« Januartage längen, fangen sie an zu strengen". — Langen" und „längen" heißt so viel wie länger werden. — >,Januar soll vor Kälte knacken, wenn die Ernte gut soll sacken". — „Reichlich Schnee im Januar gibt den Dung fürs ganze Jahr". — Knarrt im Jänner Eis und Schnee, gibts zur Ernt viel Korn und Klee". — „Januar muß mit Strenge walten, sonst wird sich der Frühling nicht gut halten".
Die Bauern von Dettingen im Ehrnger Bezirk haben den letzten Wetterspruch geformt — verpönt und unbeliebt ist ein naßkalter Januar. „Wenn kalt und naß der Januar, verdirbt er wohl das ganze Jahr." — Noch übler wird ein warmer Januar beschrien. „Januar warm, daß Gott erbarm!" — „Was der Januar in die Samen treibt, in Halm und Aehren stecken bleibt". — Wächst die Frucht im Januar, kommt gewiß ein böses Jahr". — „Januarregen gibt ein Jahr ohne Segen". -r- „Diel Nebel im Januar bringen ein nasses Frühjahr".
Dev ftevvende Ehsistbaum
Der Christbaum blättert ab, Nadel um Nadel löst sich. Die Kehrichtschaufel sammelt das Ab- sterbende. Ein Mester, eine Säge wird noch einmal an den Baum gelegt, und die Aeste und Holz- teile werden dem Herdfeuer zugeführt. Der junge Baum, Bruder unter vielen Tannen im Walde, hat sich ein solches Schicksal nicht träumen lassen. Er war zunächst stolz auf seine Berufung und strahlte am Heiligen Abend im vollen Glanz. Nichts mehr wird aber nun von ihm bleiben als eine kleine Erinnerung, ein wehes Nachsinnen, daß er mit seiner kurzen Zeit so rasch verging. So ist das Schicksal vieler Auserwählter. Der Christbaum soll es nicht besser haben . ..
• Die Sporkzüge in den Vogelsberg verkehren am morgigen Sonntag.
♦ von den Apotheken bgt Sonntags, bzw. Nachtdienst von heute abend 7 Uhr bis nächsten Samstag abend 7 Uhr die Hofapotheke.
* Freiwillige Sanitâlskolonne vom Roten Kreuz Telephon an ruf Nr. 2020. — Arbeiter-Samariter. Kolonne Telephonanrui Nr. 4030.
* Das Hahnenkammhaus ist bis März nur Sonntags, das Buchberghaus Samstags und Sonntags geöffnet. Ein Besuch an Wochentagen bedarf der vorherigen Anmeldung beim Bahnhofswirt Schmidt, Langenselbold (Tel. 82).
■Miilllllllil IM IBM*——f—SM—
Musik und Sprache
Don Unio.-Professor Dr. Sof. TIL THÜtter-Btattau, Direktor des Institutes für Kirchenmusik-Königsberg.
o „Das Geheimnis des Wortes und des Tones ist ein und dasselbe", schrieb einst E. T. A. Hoffmann. In der Tat: Die Frage nach den Anfängen der Musik ist zugleich die nach dem Ursprung der Sprache. Unsere größten Sprachdenker haben sich mit diesem Problem beschäftigt. Sie alle fanden nur die eine Antwort, die Hamann, der große Jdeen- träger der Goethezeit, am frühesten gegeben: „Poesie ist die Muttersprache des menschlichen Geschlechtes." Im rhythinisch bewegten, klingenden. Wort also ist die gemeinsame Wurzel von Musik und Sprache. Hamann wendet sich in seinen weiteren Gedanken über die Sprache dann mehr dem rhythmischen Element zu. „Die älteste Sprache war Musik, und nebst dem fühlbaren Rhythmus des Pulsschlages und des Odems das leibhaftige Urbild allen Zeitmaßes und aller Zahlenverhältnisse." Sein Schüler Herder aber stößt in seinem Nachdenken über Musik in den klanglichen Mittelpunkt vor. Woher stammt die Musik? so fragt er. Nicht dem Gesang der Vögel kann sie abgelauscht sein. Es^gibt eine weit natürlichere Quelle: die singende Sprache. „Was wars, das man mit der ersten Musik ausdrücken wollte? Leidenschaft, Empfindung! und diese fand sich nicht in dem für den Menschen toten Dogelgesängen, sondern in den singenden Tönen seiner Zunge." Der singende Ton, der klingende Laut also ist das Urelement der Musik wie der Sprache.
Wo könnten mir zunächst besser anknüpfen als an dem Klangelement unserer eigenen Sprache! Freilich, wir wissen, daß unser« Alltagssprache einfache, klanglose Prosa geworden ist. Und doch bewahren noch die geläufigen Bezeichnungen der Sprachlehre einen Rest des alten Ursprungsgeheimnisses. Selbstlauter nennen wir den klingenden Teil der Lautwelt, Mitlauter diejenigen, die nicht klingen. Unübertrefflich hat diesen GrundunterschieD Jakob Grimm in seiner deutschen Gramatik gekennzeichnet: „Man darf die Konsonanten Knochen und Muskeln der Sprache nennen; die Vokale sind das, was diese festen Teile durchströmt, Blut und Atem. Die Konsonannten scheinen gleichsam den Leib, die Vokale die Seele herzugeben; auf den Konsonanten beruht di« Gestalt, aus 'den Vokalen die Färbung.'
Mittete Seiet verlasen MV.. ♦*)
10prozenltger Abbau
Man sagt im allgemeinen, daß Ausnahmen die Regel bestätigen, ob dies auch bei der lOprozentigen Abbauaktion zutrifft, muß die Zukunft lehren. Jedenfalls ist es Zeit, auf ganz besonders große Mißstände Hinzuwelsen.
So z. B. stellen die Strompreise in Hanau einen Rekord dar. Es ist vielleicht in diesem Falle nicht ganz richtig, deutsche Waren- und Produktionspreise mit denen des Auslandes zu vergleichen; aber es wird niemand bezweifeln, daß gerade Deutschland Gründe genug hat, feine Industrie mit billiger Kraft zu beliefern, um die Konkurrenz deutscher Erzeugnisse auf dem Weltmarkt unter Beweis zu stellen und die Ausfuhr zu heben.
Mit ganz besonderen Schwierigkeiten hat die Diamantindustrie in Hanau zu kämpfen. Als größte ausländische Konkurrenz wäre hier Antwerpen zu nennen, das neben geringeren sozialen Lasten nur den sechsten Teil des hiesigen Strompreises zu bezahlen hat. Obwohl in Hanau zur Zeit genügend Schleifarbeit vorhanden ist, sind die Mehrzahl der Hanauer Schleifereien des Stadtbezirkes geschlossen, weil das zu erwartende Unkostenkonto, deren Hauptfaktor der Strompreis, schon lange nicht mehr gewährleistet ist. Ein bei der ausländischen Konkurrenz eintretender Abbau, welcher durch die schlechte Marktfähigkeit des Brillanten täglich bedingt ist, bedeutet das Ende der Hanauer Diamantindustrie. •
Aber auch in anderen Gewerben schöpft man nicht sehr aus dem Vollen und wirkt sich die monatliche Strom- und Gasrechnung als Alpdruck aus, sofern man auf den laufenden Bezug von Strom und Gas angewiesen ist. Manche Betriebseinschränkung als Folge dieser unerträglichen Belastung hat sein Scherflein zur Verschlimmerung der Wirtschaftskrise beigetragen. * G M, W.
Kauf- Song
Klagen und sich einschränken, gehört heute schon zum guten Ton. Bekanntlich geht es den Erwerbslosen nebst Angehörigen wirklich schlecht, während der weitaus größte Teil der Deutschen ihren Erwerb haben. Gerade die Menschen, die ihr Auskommen haben, jammern aber am meisten über die schlechten Zeiten und rufen fast stündlich: Sparen, sparen!
„In dieser schweren Zeit kann ich doch unmöglich mein Haus anstreichen lassen!" sagt der Hausbesitzer und bringt das Geld hierfür zur Bank. „In dieser schlechten Zeit kann ich mir doch unmöglich einen Anzug machen lassen", sagt sich der junge Mann und steckt das Geld hierfür in den Sparstrumpf.
„So kann es nicht weitergehen!" jammert der Geschäftsmann, wenn er am Abend seine spärliche Kasse zählt. Wie will auch sein Geschäft gehen, wenn er jeden Kunden griesgrämig empfängt und ihm die Ohren über die schlechten Zeiten volljammert? Muß diese Griesgrämigkeit nicht auch die Kunden beeinflussen, so daß sie immer mehr im Kaufen zurückhalten? Diese Griesgrämigkett hat mit beigetragen, daß heute Riesensummen als Spargelder unproduktiv im Sparstrumpf stecken.
Diese gehamsterten Gelder macht man nun nicht mobil, indem man die Hände tatenlos in den Schoß legt und auf die Kunden wartet, die da kommen sollen, sondern dies erreicht man nur dadurch, daß man durch eine überzeugende Reklame die Kunden zum Kaufen zwingt. Eine derartige Reklame muß dem Volke auf Schritt und Tritt etnlämmern: Kaufen schafft Arbeit — Arbeit gibt Brot.
„Nur Kaufen bannt die deutsche Not, Kaufen schafft Arbeit und Kaufen schafft Brot." „Auch dein Einkauf, Gibt Maschinenlauf."
Nur das rollende Geld
Erweitert das Arbeitsfeld." M. S.
Einsendungen, die unter dieser Rubrik veröfsem licht werden sollen, müssen Ms Freitag mittag In der Händen der Redaktion sein. Die Verantwortung sm Sie Eingänge trägt der Einsender. Die Redaktion.
Die Selbstlauter also tragen den eigentlichen Klang der Sprache. In ihm sind Musikalisches und Sprachliches noch ungeschieden. Das kleine Kind waltet in diesem Klang, der zugleich Wesensausdruck ist. Mit einem lauten „A" des Staunens öffnet es sich der Welt, mit dem „O" des Schmerzes oder Bedauerns zieht es sich in sich zurück. Uns Erwachsenen aber ist die Klanglichkett der Laute verloren gegangen.
Mit dem Lautklang ist uns auch der Wesens- fiang des einzelnen Wortes verschollen. Höchstens, daß wir noch (etwa bei „ich treffe, traf, getroffen") die Begriffsverschiedenheit von Worten mit gleichem Konsonantengerüst an der Tonhöheneinstimmung durch verschiedene Vokale erleben Am bewußtesten leben wir Heutigen in Satz und Satzzusammenhang. Von dort sind die Begriffe Vordersatz und Nachsatz, in die Musiklehre übergegangen. Für das dabei geforderte Heben und Senken der Stimme haben wir in den Satzzeichen sogar noch melodische Symbole. In der Satzmelodie also ist am ehesten noch das Klangliche der Sprach« zu fassen.
Doch wissen mir auch, daß die Spraße der althochdeutschen und der mittelhochdeutschen Zeit noch weit klangvoller war. Auch heute ist die Sprache des Kindes, der Tonfall der Mundarten „singender" als di« Redeweise des Gebildeten. Denn das Hervortreten des abgezogenen Begrifflichen hat das alte Klangelement der Sprach« eingeebnet. ^Unter den nordischen Sprachen hat besonders das Schwedische, selbst in der Umganssprache, den melodischen Fall des Satzes bewahrt. Und im Gottesdienst der katholischen Kirche leben in den Psalmtönen des gregorianischen Chorals noch heute alte Satzmelo- dien rvetter.
Diese Satzmelodien sind alle im Grunde nichts weiter als eine deutlichere melodische Ausprägung des Hebens und Senkens der Stimme. Die geht von einem Grundton aus, erhebt sich in den beherrschenden Hauptton (Rezlitationston) bleibt dort in der Schwebe oder senkt sich in den Grundton zurück. Mit der Zeile ist sie zu Ende, mit jeder neuen beginnt sie von vorn. Dabei können freilich zwei Kurzzeilen als Vorder- und Nachsatz auf einander zugepaßt sein.
Vergeblich suchen wir in der Vorzeit nach Aufzeichnungen solcher Weisen. Wohl ist uns verstreutes Wortgut der alten Zauber- und Heldenlieder be
wofür die Reichspost Geld hat ...
In einer Verfügung des Reichspostministeriums vom 28. Oktober wird den Oberpostdirektionen die Anschaffung eines .Heißdampf-Auftaugerätes" empfohlen, womit ein festgefrorener Kabelschachtdeckel in durchschnittlich 5 Minuten, wie die Verfügung besagt, gelöst werden könne. Das Freilegen der Entlüftungsöffnungen erfordere eine noch kürzere Zeit.
Die Kosten für ein Auftaugerät betragen 1230 RM. — Jedes Gerät kostet soviel, wie ein Tele- graplenarbeiter im ganzen Jahre an Lohn erhält.
Die Anschaffung wird aber trotzdem empfohlen.
In einer zweiten Verfügung vom 19. November werden die Oberpostdirektionen ermächtigt und beauftragt, Telegraphenarbeiter zu entlassen, wegen der schwierigen Lage, in der sich die Reichspost befinde. Auftmlgeräte müssen beschafft werden, hierfür sind die Mittel vorhanden. Aber zum Lohn der Arbeiter langt es nicht mehr, Einsparungen verursachen auch jetzt wieder zahlreiche Entlassungen. Ford hat sich umgestellt und ist zur Handarbeit zurückgekehrt. Das Reichspostministerium schaltet und waltet in Deutschland mit einer Kuriosität sondergleichen.
Jokr.
•
Festlichkeiten!
Man muß das Kind nicht mit dem Bade ausschütten! Ob einer Fastnacht feiern will, soll man ihm ruhig überlasten. Er muß es letzten Endes am besten wissen, ob er zum Feiern Stimmung genug aufbringt und sich über die Grundfrage klar sein, ob sein Geldbeutel derartiges verträgt. Vielen steht der Kopf nicht nach Spässen; sie werden nicht mittun. Andere sagen, gerade deshalb, weil es uns schlecht geht, wollen wir fröhlich sein. Wer wollte rechten? Es hat jeder in seiner Art recht.
Drum braucht die Obrigkeit an sich nichts zu verbieten. Das reguliert sich schon von selber. Sie braucht die Fünklein Lebensfreude, die sich regen, nicht gar noch erfticfen. Es kann nichts schaden, wenn wir einander wieder einmal fröhlich sehen. Im ganzen sind wir viel zu pessimistisch und verbittert geworden. Miese Stimmung steckt an; aber auch fröhliche Gesinnung wirkt um sich und wirbt. Wir müssen nicht von Obrigkeitswegen zu Miesepetern werden.
Man kann übrigens Auswege finden, um allen gerecht zu fein. Manche Feste haben ihre Tradition, manche sind sogar ein Stück Heimattultur. Man braucht sie nicht zu unterdrücken. Beschränkt sie, meinetwegen; führt die überflüssigen Einnahmen für die Allgemeinheit ab! Aber bedenkt, daß diese Feste auch eine wirtschaftliche Seite haben. Siebringen Geld in Umlauf; die Produktion, der Verzehr und der Verkauf und all das, was dahinter steht und dazu gehört, will auch leben, Musiker wollen leben wovon leben sie denn sonst anders als von unseren Festen, Kellner wollen verdienen; Gaststätten wollen existieren, es hängt eins am andern. Macht nicht zu den vielen Notverordnungen noch eine neue. Man muß das Kind nicht mit dem Bade ausschütten.
Civil.
•
Mangelhafte Beleuchtung!
Den schon wiederholt laut gewordenen Klagen wegen der schlechten Beleuchtung der Straßen müssen sich nunmehr auch die Anwohner der Bruchköbeler Landstraße anschließen und die Bewohner der in der Nähe gelegenen Straßen, so daß sich ein kleines Stadtviertel herausgebildet hat, welches über äußerst unzureichende Straßenbeleuchtung zu klagen hat. Die gesamte Gegend ist abends vollkommen im Dunkel, da die wenigen brennenden Laternen dieser Finsternis fast ohnmächtig gegenüberstehen. Dies ist geeignet, die Sicherheit des Publikums in starkem Maße zu gefährden, zumal bei vor kommender Glätte oder Tauwetter. Der Mangel an Beleuchtung hat auch für die dort ansässigen Geschäftsleute — welche doch Steuerzahler sind — nachteilige Folgen gezeitigt. Es ist zu hoffen, daß bald Abhilfe geschaffen wird. Einer für Viele.
wahrt. Ihre Weisen aber, von diesem Wort noch nicht geschieden, konnten gar nicht gesondert ausgeschrieben werden. Zürn Wesen der alten Worttonmelodie gehört Schriftlosigkeit! Aber aus, dem Kinderreich klingen Lieder herauf, die Spuren hohen Alters tragen. Noch heute singen wir in seiner eintönigen Melodie den Wundsegen: Heil«, heile Segen, oder den alten Regenzauber: Ri ra rutsch, wir fahren in der Kutsch, oder das Wiegenlied: Schlaf, Kindlein, schlaf. Sie alle bekunden die eine uralte Tatsache, die wir aus den Mythen und Sagen wissen: Das klingende Wort, in dem die Sprache noch Weltorgan, nicht Versdandeswerkzeug ist, besitzt wirkende Kraft. Es hat tatsächlich noch „Hand und Fuß". Die Wunde heilt, wenn man sie besingt; das Kind schläft über dem Liede ein.
Musikalisch sind alle diese Lieder Zeilenmelodien. Die Weisen gleichen alle einander, in unendlichen Abwandlungen, bis zu jener letzten, in Auf- und Abstieg geformtesten Weise, die wir heute noch zu „Fuchs du hast die Gans gestohlen" singen. Die aber ist zugleich die alte Jubelmelodie der Echter- nacher-Springprozefsion, die auf einen altheidnischen Sommer-Umgang zurückgeht.
So etwa mögen die alten Heldenlieder gesungen worden sein. Wir haben nur spärlich« und späte Ueberreste ihrer Weisen. Aber immer ist es bloß eine einfache oder Doppelzeilenmelodie für den ganzen vielzelligen Umfang des Gedichtes. Jede Zeile wurde also âuf die gleiche Melodie gesungen. So ist es heute noch bei den Finnen in Uebung, die Ael- teftes am längsten bewahrt haben. Ihr Kalewala- Epos wird zeilenwese auf folgenden Tonfall gesungen: e fis g fis, a g fis e.
Damit ist nicht etwa gemeint, daß diese Melodien nun die alten „sprachsingenden" Weifen selbst wären. Aber wir ergreifen an ihnen die Eigenart einer Melodie, die bei starkem Gleichmaß des Rhythmus noch nichts rein Musikalisches, sondern die Klangfolge nur als Element des Sprachlichen hat. Alle diese Weisen, die nur den Sprachklang nachbilden, werden, wie das Kinderlieb zeigt, nicht eigentlch gesungen, sondern „hergeleiert". Das ist die einzig entsprechende Art des Absingens für diese Zeilenmelodien, die .wohl gleich und doch in ihrer Verwandlungsfähigkeit unerschöpflich sind.
Haben wir so unser Ohr auf die uralte „Melodie der Sprache" und ihre Zellenmelodien eingestellt,
NolizeMche Anmeldescheine fite Reisende
(Fremdenblocks) sind ab heute zu haben in der tVarsenha«K-Nttchdvu<kever Sana«
Dev Lasdithutz kn VvenSen
Die preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, sowie für Landwirtschaft, Domänen und Forsten haben am 8. Dezember eine Ergänzungsverordnung zur Tier- und Pflanzenschutzverordnung vom 16. Dezember 1929 erlassen, die für das ganze preußische Staatsgebiet gilt und am 1. Januar 1932 in Kraft tritt. Ihre wichtigsten Bestimmungen sind für die Pächter preußischer Jagden von größter Bedeutung.
Zum Schutz gegen Wilddiebstähle und gewerbsmäßiges Wildern wird angeordnet, daß jedes Stück Elch-, Rot-, Dam-, Reh- oder Schwarzwild, das unzerlegt feilgeboten wird, mit einem Ursprungsschein versehen sein muß (Ausnahme Wiederverkauf durch berufsmäßigen Wildhändler). Ferner müssen alle Gewerbetreibenden, die Wild verarbeiten, ein Wild- Handelsbuch führen, aus dem sich ersehen läßt, von wem das verwertete Wild bezogen wurde (Ausnahme beim Bezug vom Händler).
Es wird ferner verordnet, daß jedes Stück Wild oder jedes Tier, das entgegen den Bestimmungen der Tier- und Pflanzenschutzverordnung oder des Jagdgesetzes erbeutet worden ist, beschlagnahmt werden muß (nicht mehr „kann"). Es ist zur Verwertung je nach Art entweder einer wissenschaftlichen Sammlung oder bei genießbarem Wild einem Krankenhaus, kurz einem gemeinnützigen Zwecke, zu überweisen. Dies trifft auch für alles Schalenwild, das mit Schrot- oder Postenschuß beim Erleger, Jagdpächter oder Wildhändler festgestellt wird.
Schließlich wird errfeulicherweis« die Schonzeft für männliches Rot- und Damwild geändert, und zwar wie folgt: Damwild: männliches, Schußzett 16. August bis 31. Dezember; weibliches und Kälber, Schußzeit 16. Oktober bis 31. Januar. Rotwild: wie oben.
Es endigt also bereits in diesem Jahr die Schußzeit für Hirsche am 31. Dezember, und zwar im ganzen preußischen Staatsgebiet, d. h. die in den früheren kurhessischen Gebieten geltenden Sonderbestimmungen, gegen die eine weidgerechte Jägerei schon lange Sturm lief, haben aufgehört. Da ein Teil der Rotwildreviere unseres engeren Gebietes zum Bezirk Kassel gehört, seien ihre Inhaber auf den Inhalt der Verordnung besonders aufmerksam gemacht.
Es sei auch noch darauf hingewiesen, daß am 15. Dezember eine Polizeiverordnung betreffend Sonntagsjagden in Preußen in Kraft getreten ist. Danach sind während des ganzen Tages Treibjagden verboten, bei denen mehr als vier Schützen oder sechs Treiber beteiligt sind, oder bei denen Getreidefelder abgeklingelt werden. Die damit erlaubten Treibjagden sind aber während der Hauptzeit des Gottesdienstes auch verboten. Darunter ist zu verstehen: von 9 bis 11.30 Uhr.
• Briefe nach Amerika im Sammt. Briefe urtb eilige Drucksachen nach den Vereinigten Staaten von Amerika gehen im Januar mit 8 Dampfern, am 6. von Souchampton, 7. Bremerhaven, 13. Southampton, 15. Bremerhaven, 20 Southampton, 21. Cuxhaven, 26. Bremerhaven, 28. Cuxhaven. Sie erhalten aller Nachversande in Cherbourg die aus Bremerhaven und Cuxhaven am nächsten, die aus Souchampton am gleichen Tage. Schlußzeit für Bremerhaven ist am Tage selbst in Bremen 5,00, Hamburg tags zuvor 19,00; für Cuxhaven am Tage selbst in Hamburg 6 00, Bremen 4,00; für Southampton 2 Tage vorher in Hamburg 19,00, Bremen 23,00, Köln 21,00; für Cherbourg tags zuvor in Köln 17,00, Frankfurt a. M. 15,00. Die Ueberfahrt nach Newyork dauert von Bremerhaven sechs Tage, Cuxhaven acht, Southampton am 13. sieben, sonst sechs Tage.
dann wird es leicht, sie auch weiterhin an charakteristischen Beispielen später zu verfolgen. Das alte Weihnachtslied „Es ist ein Rof' entsprungen" ist ganz aus Zeilenmelodien zusammengebaut. Wie eng sind hier Wortklang und Weise verbunden! So einfach unb urtümlich meinte auch Herder den Liedton des echten älteren oder neuen Volksliedes. Das „Heideröslein" ist ganz aus diesem Sington heraus gedichtet. So wurde es denn auch von Reichardt „kunstlos" vertont. Schubert aber setzte es ganz in Musik, die sich vom Sprachlichen getrennt hat und selbständige Kunst geworden ist.
Als letzt« Ueberreste seien schließlich noch di« Weisen unserer Schnadahüpfl genannt. Sie zeigen wenigstens das eine Merkmal noch deutlich, daß solche Melodien zugleich unerschöpfliche Quellen für die Improvisation neuer Texte sind. — An diesen letzten Nachklängen der alten Urverbundenheit von Wort und Ton vorbei drängt unsere eigene Zeit zu einem neuen Erlebnis der Kraft und Tiefe des Wortes. Sud wir darin weiter, dann kommt auch der Augenblick für neue geistlich« und weltliche Lieder, in denen Wort und Weise neu und untrennbar verbunden sind. An ihnen, an ihrem Entstehen und ihrem Gebrauch wird sich dann entscheiden, ob wir ein singendes Volk sein und bleiben werden. Das Schicksal unserer Sprach« ist auch das unserer Musik!
o Sladllheater Hanau. Aus dem Theatevbüra wird uns geschrieben: Heute Samstag, abends 8 Uhr, wird die Revueoperstte „Im weißen Röß'l" von Ralph Benatzky wiederholt. — Morgen Sonntag, abends 7.30 Uhr. gelangt „Die Dollarprinzessin", Operette in 3 Akten von Leo Fall zur Aufführung. Diese herrliche Operette mit ihrer wunderbaren Musik und ihrer originellen Handlung zieht das Publikum vollkommen in seinen Bann. Die Erstaufführung am hiesigen Stadttheater war ein ganz großer Erfolg. Wir können den Besuch deshalb nur allerbestens empfehlen. — Am Montaa. abends 8 Uhr, geht zum vorletzten Male der köstliche Schwank „Potasch und Lerlmutter" von Glas und Klein in Szene.