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Deutschland wünscht endlich befreiende Laten'*
Aus Berlin wird gemeldet: In den heutigen Morgenstulchen setzte starker Eisregen ein, der die Straßen so vereiste, daß große Kolonnen eingesetzt werden mußten, um durch Streuen mit Sand die Bürgersteige und Fahrbahnen begehbar zu machen. Durch Vereisung der Schienen der Hochbahn ent» standen erhebliche Verkehrs-Verzögerungen.
* Die Neujahrsansprache Hindenburgs im Rund- funt wurde zu stören versucht. Die Urheber sind noch nicht ermittelt. *
Dom Reichsarbeitsministerium wird bestätigt, daß für Ende Februar eine grundlegende Nsuord» nung des Versicherungswesens zu erwarten ist.
Die Reichsregierung hat den neuen Derwal- tungsrat der Reichsbahn ernannt. Anstelle der ausscheidenden Herren Grund, Ieidels und v. Miller treten Staatssekretär Guibrod und Ministerialdirektor Schulze vom Preußischen Handelsministerium.
An dem Portal der Beiner japanischen Botschaft wurde Mittwoch abend eine Fenster- mr zwei ’n rote Tücher eingewickelten Steinen von zwei unbekannt gebliebenen Burschen «ingeschlage Die Täter konnten unerkannt ent kommen.
Die aus Paris stammenden Zeitungsmeldungen, daß Schweden Kanonen für geheime deutsche Rüstungszwecke liefere, entbehren, wie die Schwedische Telegraphenagentur von maßgebender schwedischer Seite erfährt, jeder Begründung. Schweden habe niemals derartige Lieferungen nach Deutschland ausgeführt. *
Die Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit veranstaltet vor Beginn der Abrüstungskonferenz, am 28. und 29. Januar, in Genf eine internationale Sachverständigenkonferenz, die die neuesten Erfindungen der Wissenschaft und Technik im Dienst des Krieges behandeln wird. Es werden bei dieser Gelegenheit von Sachverständigen der Physik, Bakteriologie und Luftschiffahrt aus Deutschland, England, Frankreich, der Schweiz und Schweden Berichte erstattet werden.
Sämtliche Staaten, an die sich England wegen fcer Einberufung der Tributkonferenz gewandt hat. haben nunmehr Lausanne als Tagungsort zugestimmt. Mit Ausnahme von Frankreich haben sich alle Staaten mit dem 18. Januar als Eröffnungs- termin einverstanden erklärt. Man glaubt in diplomatischen Kreisen Londons, daß man sich auf den 20. oder 21. Januar einigen wird.
Der französische Korrespondent des „Daily Telegraph" meldet aus Paris, der Generalsekretär des französischen Außenministeriums Berthelot wird am Sonntag nach London reisen um die Ausstellung französischer Kunst zu besuchen. Er wird die Gelegenheit benutzen, um mit Sir Simon, dem britischen Staatssekrteär des Aeußeren, die politischen Fragen zu besprechen.
Der italienische Finanzminister wird durch ein Gesetzdekret ermächtigt, weitere Einfuhrbeschränkungen uitb Einfuhrverbote zu erlassen und bestehende und neue Einfuhrverbote aus Wareneinfuhr mit Postpakete auszudehnen. Der Erlaß wird mit dem Hinweis auf bestehende und befürchtete Einfuhrbeschränkungen anderer Länder gerechtfertigt. Auf solche Länder, welche der Einfuhr italienischer Waren keine Schwierigkeiten bereiten, soll Rücksicht genommen werden.
• Die Volksabstimmung in Finnland fiel für Aufhebung der Trockenlegungsbestimmungen aus.
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Der holländische Minister für Landesverteidigung Dr. Deckers wird sich in den nächsten Tagen nach Niederländifch-Jndien begeben, um die dortigen holländischen Marinestreitkräfte zu inspizieren.
• Der Allindische Kongreß hat beschlossen, den gerüttelt durch die Größe haben endlich alh Völker
Ungehorsamkeitsfeldzug und den Boukott wieder
aufzunehmen.
Am Donnerstag ist das nett gebildet worden Die wie folgt besetzt worden: Finanzminister: Lyons,
neue australische Kabi- wichtigsten Posten sind Ministerpräsident und Generalstaatsanwalt:
Latham, Verteidigung- Pearce, Zollwesen: Gulleot, Generalpostmeister: Fenton. Gesundheitsminister: Marx, Inneres: Park Hill, Marktwesen: Hawker.
*) Näheres siehe im politischen Teil
Reichspräsident von Hindenburg bei seiner Rundfunkansprache am Silvesterabend.
Reichspräsident v. Hindenburg hat mit seiner Rundfunkansprache am Silvesterabend und mit seinen Antworten an das diplomatische Korps wie an die Reichsregierung am gestrigen Neujahrtstage erneut bewiesen, wie sehr er der Sprecher und Führer des deutschen Volkes ist. Die Rundfunkrede (Siehe Seite 2) war eine ernste weihevolle Einleitung des Silvesters. Wir empfanden die Schwere der Stunde, die Not der Zeit. Zugleich aber brachte uns die Ansprache eine Aufrichtung, denn Hindenburg ist ein leuchtendes Symbol treuer Pflichterfüllung. Wenn auch das Staatsschiff von tosenden Wogen umbrandet wird, die es in den Abgrund zu reißen drohen, mit fester Hand hält der Führer das Steuer. Er wankt nicht auf seinem Posten, und wir schöpften neues Vertrauen, neue Hoffnung, daß es gelingen wird, auch diese Prüfung zu bestehen.
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Berlin, 1. Ian. Anläßlich des Reujahrstages fanden beim Reichspräsidenten die üblichen Empfänge statt, die um 10.45 Uhr durch das Aufziehen der Wache eingeleitet wurden, deren Meldung der Reichspräsident an der Tür seines Hauses entgegennahm. Die Chefs der beim Reich beglaubigten fremden diplomatischen Vertretungen versammelten sich im Großen Saal des Reichspräsidenlenhauses. Um 12 Uhr trat der Reichspräsident mit seiner Begleitung ein.
Dev S>Nosis?lkche Stettins Monstsnose Svienß?» brachte als Doyen des diplomatischen Korps dessen Glückwünsche in einer Ansprache zum Ausdruck, in der er u. a. sagte:
Das Jahr, das soeben abgelaufen ist, war zwsi- fellos eines der schwierigsten und härtesten für alle Völker, aber in ganz besonderem Maße für Ihr deutsches Volk. Die Vorsehung hat der Welt mit tragischer Eindringlichkeit geoffenbart, wie eng und unlösbar die wirtschaftlichen Bande sind, welche die Volk er miteinander verknüpfen. Belehrt und auf
die Notwendigkeit einer aufrichtigen und allseitigen Verständigung zu ^greifen begonnen und rufen nach ihr mit lauter Stimme Mit einer aufs Höchste
gesteigerten Sehnsucht schauen alle diesem neuen Satyr entgegen und manch einer sieht darin bereits den Anbruch einer neuer Kulturära, in der der Fortschritt der Volkersitten alle kriegerischen Rüstungen entbehrlich macht. Sollen alle schönen Erwartungen nochmal enttäuscht werden? Herr Reichspräsident! Unseren Wünschen, die der Wohlfahrt aller Nationen gelten, fügen wir freudig einen betonteren Wunsch für Ihre geliebte Nation hinzu.
Mögen die mahnenden Worte des greisen Führers des deutschen Volkes zur nationalen Einigkeit dazu beigetragen haben, in jedem die Erkenntnis wachzurufen und zu stärken, daß über jedem Parteihader und Parteizwist das uns teure Vaterland, Deutschland, steht, und daß Jeder im Andern, wenn sie auch politische Gegensätze trennen, zuerst den Deutschen sieht. Mögen aber auch die sowohl in der Rundfunkrede wie bei dem gestrigen Neujahrsempfang an das Ausland gerichteten Worte gehört und gewürdigt werden als Mahnung in zwölfter Stunde. Nach den bis jetzt vorliegenden Meldungen aus Amerika, England und Holland hat dort Hindenburgs Rundfunkrede einen starken Eindruck hinterlassen — hoffentlich hält dieser Eindruck auch an und zeitigt günstige Wirkungen.
Deutschland wurde schwer von der großen Weltkrise getroffen. Aber all das hat nicht vermocht. ihm seine Willensstärke zu rauben, noch seinen Mut zu lähmen. Wir wünschen ihm, daß seine harten Anstrengungen bald von Erfolg gekrönt werden.
Zugleich mit diesen unseren Wünschen wollen Sie, Herr Reichspräsident, auch die innigsten Segenswünsche entgegennehmen, die wir an diesem Tage — auch im Namen unserer Staatsoberhäupter — Ihrer verehrungswürdigen Person widmen.
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antwortete hierauf u. a.:
Es ist auch mir eine große Freude, heute zu Beginn des neuen Jahres aus Ihrem Munde wieder die Wünsche des diplomatischen Korps für die Zukunft des deutschen Volkes entgegennehmen zu können. Für diese in so warmherziger Form ausgesprochenen Wünsche und auch für die meiner Person gewidmeten freundlichen Worte danke ich Ihnen auf das aufrichtigste
Eine beispiellose Krise hat die gesamte Weltwirtschaft erschüttert und hat Deutschland auf das schwerst- getroffen. Alle Zweige unserer Wirtschaft liegen darnieder. Millionen arbeitstüchtiger und arbeitswilliger Volksgenossen sehen sich ihrer Da-
feinsgrundlage beraubt. Aber auch die nicht der Arbeitslosigkeit verfallenen Teile der Bevölkerung stehen unter stärkstem materiellen und seelischen Druck Mit bantbarer Genugtuung kann ich Ihre Worte bestätigen, in denen Sie davon sprachen, daß 'Ne bittere Noi nicht vermocht hat, dem deutschen èlke seine Willensstärke und seinen Mut zu nehmen.
Deutschland hat zu ungewöhnlichen, lief einschneidenden Maßnahmen greifen müssen, die jedem Deutschen die schwersten Opfer auferlegen. In unerschütterlichem vaterländischen Bewußtsein hat das ganze Volk diese Opfer aus sich genommen.
Auch die höchsten Anstrengungen des einzelnen Volkes reichen jedoch nicht aus, um der kritischen Lage Herr zu werden. In verständnisvollem Zusammenwirken müssen von den Regierungen Lösum gen gefunden werden, die der unerbittlichen Wirklichkeit Rechnung tragen und so die Gesundung von Wirtschaft und Finanzen in der Welt ermögliche'
Sein Volk kann das Ende der kriegerische« Rüstungen aufrichtiger und stärker herbeiwünschen als das deutsche Volk Es wäre für dis Welt verhängnisvoll, und es darf deshalb n'cht sein, daß Die Erwartungen in der Frage der Abrüstung nochmal scht werden Auch auf diesem Gehl ? â u Zukunft kein ver 'chieden^ Esi - :^ ch t nen Völker gelten, wenn biß Vertraun < n Grundlage aller Vö
It erbet iehüngeüi korhrèg'stciu werden ian
Möchte das neue Jahr in allen diesen Schir^ salsfragen endlich befreiende Taten bringen»
Möchte es den Regierungen gelingen, sich tn vertrauensvoller und gerechter Solidarität zusammenfinden, um die Vöb ker aus dem Dunkel der Gegenwart einer lichteren Zukunft entgegenzuführen und der Welt die endgültige Befriedigung zu geben.
Nach dem Austausch der Ansprachen begrüßte der Reichspräsident die einzelnen Botschafter, Gesandten und Geschäftsträger und wechselte mit ihnen Neujahrswünsche.
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Um 12.30 Uhr fand der Empfang der Reichsregierung statt Als Vertreter des beurlaubten Reichskanzlers begrüßte
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namens der Reichsminister und Staatssekretäre des Reiches den Reichspräsiücnetn mit einer Ansprache, in der er die Glückwünsche der Reichsregierung übermittelte Auf ein schweres Jahr, so fuhr, er fort, voll ernster Sorgen und Gefahren blickt das deutsche Volk zurück. Die Worte, die Sie, Herr Reichspräsident, gestern am Abschiedstage des alten Jahres mahnend und aufrichtend dem deutschen Volke zuriefen, werden neue Zuversicht und Hoffnung in jedes deutsche Herz tragen. Das neue Jahr soll nun die entscheidenden Verhandlungen bringen, und die Reichsregrerung hofft, aß es der Einsicht aller gel ngr, zu einer Regelung zu kommen, welche die Wirtschaft w eder heilt und den schwergeprüften, von der Geißel der Arbeitslosigkeit gepeinigten Völkern neuen Lebensmut emhaucht. An diese schwere Arbeit des neuen Jahres geht die Reichsregierung von dem festen Willen beseelt, unserem Volk und Vaterland die notwendigen Erleichterungen zu schaffen. Sie findet hierbei Stütze und Stärke in dem leuchtenden Vorbild, das Sie, Herr Reichspräsident, in einem an Arbeit und Erfolgen reich gesegneten und langen Leben uns allen geben. Ihre Pflichttreue, Ihr Gerecht akeitssinn, Ihre unterfchütterliche Zuversicht und Ihr Glaube an Deutschland bilden in unserem politsichen Leben ein unersetzliches Gut, das Gottes Gnade unserem Vaterland« noch lange erhalten möchte
D e Arstwovt ^kndsnbztvsS
Der Reichspräsident erwiderte darauf u. a.: Für die Glückwünsche, die Sie mir namens der Reichsregierung auszusprechen die Freundlichkeit hatten, sage ich Ihnen vielen aufrichtigen Dank. Ein an Arbeit und schweren Entschlüssen reiches Jahr liegt hinter Ihnen. Ich erkenne dankbar an, daß bèr Reichskanzler und Sie mit hingebender und pflichttreuester Arbeit alles getan haben, um Deutschlands Finanzen und Wirtschaft den veränderten Verhältnissen anzupassen und den uns ganz besonders be-
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