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Vkerkeffährffch 1.80 DL, monatlich 60 Psg., Mr «m» wârtige Abonnenten mit dem betreff. Postauffchlag.

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Motationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hamm.

General-Anzeiger

AwMes Organ für Steil- and ZMdKreis Simo.

Erscheint tSgltch mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Die bgespalten« Vetttzeile oder der«, «E »M du Neklameuteil bh Zeil« 46 Pfg.

verantroortl. Redakteur: S, ertötet tu $ow*

Nr. 176 Fer,»ft»rech<ii»schl«fr Nr. 230

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Amtliches.

Eandkreis Banats»

Wegen Vornahme von Dampfwalzarbeiten wird der Landweg Nr. 2, von Bruchköbel nach Niederissigheim, von Nummerstein 0,8 bis 1,7 für die Zeit vom 31. Juli bis einschl. 2. August d. J. und von Nummerstein 2,7 bis 3,4 vom 3. bis einschl. 5. August d. J. für den sämtlichen Fuhr- verkehr polizeilich gesperrt. Die Fuhrwerke zum Bahnhof können den Feldweg nordöstlich von Bruchköbel fahren.

Hanau den 30. Juli 1911.

Der Königliche Landrat.

F r h r. L a u r.

Proviantamt Hanan

kauft fortgesetzt Heu und Roggenstroh (Flegel- und Langpretz-Stroh). 17861

Gefundene nnd verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 Brille mit Futteral.

Verloren: 1 20 Mk.-Schein, 3 Bücher der Nationalen Krankenkasse für Karl Roth.

Hanau den 31. Juli 1911.

Politische Rundschau.

Preußisch-süddeutsche Klassenlotterie. Die Korrespondenz Hoffmann meldet: Die bayerische Staatsregierung schloß nach vorausgegangenen Besprechungen mit Württemberg und Baden vorbehaltlich der landesherrlichen Genehmigung mit der preußischen Staatsregierung betreffend die geimeinsame Durchführung einer Klassenlotterie ab. Danach soll die preußische Klassenlotterie künftig unter der Bezeichnung preußisch-süddeutsche Klassenlotterie fortgeführt werden. In die Generallotteriedirektion sollen die drei süddeutschen Staaten ein gemeinschaftliches Mitglied stellen, das von der bayerischen Regierung vorgeschlaen wird. Der Gewinnan­teil des bayerischen Staates soll für die ersten fünf Jahre der zunächst auf 15 Jahre berechneten Vertragsdauer Mk. 2 215 000 und vom 6. Jahre an 42 Mk. für jedes im voraus­gegangenen Jahre im Durschnitt der beiden Ziehungen ab­gesetzte Los betragen. Auf Grund dieses Vertrages könne Bayern ohne eigenes Risiko auf erhebliche Einnahmen rech­nen, ohne daß bei der Art des Betriebes eine durch künstliche Erweckung der Spiellust veranlaßte unwirtschaftliche Stei­gerung des Spiels zu befürchten sei.

Für einen Ausbau der Wasserstraßen ist der bayerische Thronfolger Prinz Ludwig in einer Rede einge- treten, die er auf der Sitzung des Großen Ausschusses des Zentralvereins für deutsche Binnenschiffahrt in Koburg aus­gesprochen. Es wird hierzu aus Koburg vom 29. Juli ge­meldet : In Gegenwart des Prinzen Ludwig von Bayern und des Herzogs von Sachsen-Koburg-Gotha fand heute hier im Rathause eine Sitzung des Großen Ausschusses des Zentralvereins für deutsche Binnenschiffahrt statt. Es ge­langte eine Resolution zur Annahme, nach der ein Stichkanal von Bamberg nach Koburg in das Gesamtprojekt des WerraMain-Kanals ausgenommen werden soll. In der Diskussion sprach Prinz Ludwig von Bayern in längeren Ausführungen über die deutschen Wasserstraßen und ihre segensreiche Wirkung auf die Bevölkerung der Lande und redete großzügigen Kanalprojekten das Wort. Wenn man Kanäle baue, solle man nicht mittlere, sondern große Flüsse dazu benützen. Es gelte, für große Ideale zu kämpfen, und darin müsse sich die Bevölkerung des Deutschen Reiches einig sein. Jeder Teil des Reiches solle durch die Binnenschiffahrts- wege gewinnen und keiner ausgeschlossen werden.

Die Untersuchung im Falle des Pastors Kraatz von der Luisenkirche in Charlottenburg begann vorgestern mit einer Vernehmung des Pastors Kraatz durch einen Vertreter des Berliner Konsistoriums.

52. Allgemeiner Genossenschaftstag zu Stettin. Vom 9. Bis 11. August d. J. hält der Allgemeine Verband der auf Selbsthilfe beruhenden deutschen Erwerbs- und Wirtschafts­genossenschaften (Schulze-Delitzsch'sche Organisation) Sitz Charlottenburg, seine 52. Tagung in Stettin ab, wo bereits zweimal in den Jahren 1865 und 1893 sich die deut- schen Genossenschafter versammelten. Auch diesmal gilt cs wreder Stellung zu nehmen zu Fragen des Genossenschafts­wesens und des gesamten Wirtschaftslebens. Im Vorder­grund der Beratungen steht, wie alljährlich, der das größte Interesse erweckende Bericht des Anwalts, ferner ein An­rag, der sich mit den Beschlüssen des internationalen Par- siowf5 ^ sozialdemokratischen Partei in Kopenhagen 1 und des sozialdemokratischen Parteitages in Magde-

Montag den 31. Juli

bürg (1910) über die Stellung der sozialdemokratischen Partei zu den Genossenschaften beschäftigen wird. Der All­gemeine Genossenschaftstag wird eine Erklärung dahin ab­geben, daß die Verwendung der Genossenschaften als Mittel im Klassenkampf gegen ihre wirtschaftlichen und sozialen Aufgaben verstößt und daß den Genossenschaften den poli­tischen Parteien gegenüber strengste Neutralität zur Pflicht gemacht ist. Die Vorlage betr. die Versicherung der Pri­vatangestellten wird eine Stellungnahme im Interesse der Fürsorgekassen des Allgemeinen Verbandes herbeiführen; Protest wird der Genossenschaftstag einlegen gegen den Versuch, die Durchführung der Verbandsrevision durch die Behörden kontrollieren zu lassen. Beschäftigen wird sich der Allgemeine Genossenschaftstag auch wieder mit den Be­strebungen, den Genossenschaften den Sparkassenverkehr zu erschweren. In den Verhandlungen der Kreditgenossen­schaften wird über eine wirksame Bekämpfung der Borg- wirtschaft verhandelt werden. Ferner steht hier auf der Tagesordnung dieRevisionstätigkeit des Aufsichtsrats" dieKreditversicherung": auch dieAufstellung der Bilanz" wird zur Sprache gebracht werden und zwar im Anschluß an das von den Großbanken vereinbarte Schema. In den Verhandlungen der Konsumvereine werden eine Reihe Or- ganisationsfragen zur Sprache kommen. Von allgemeinem Interesse wird vor allem das Referat sein über die fort­schreitende Steigerung der Lebensmittelpreise und die Kon­sumvereine. In den Baugenossenschaftsverhandlungen kom­men u. a. zur Sprache dieLiquidität der Baugenossen­schaften" dieErrichtung von Kolonien kleiner Wohn­häuser". Mit den Handwerkergenossenschaften wird sich ein Referat über Revisionserfahrungen bei diesen Genossen­schaften befassen.

Nachdem die italienische Negierung zur Sicherung der sanitären Ueberwachung der Auswanderer alle Sicher­heitsmatzregeln zur Anwendung gebracht hatte, die von der Wissenschaft und der Erfahrung empfohlen schienen, mit dem Erfolg, datz bisher kein einziger Fall von Choleraver­dacht auf den nach Südamerika auslaufenden Dampfern festgesteit wurde, hatte sie Grund, zu glauben, daß die ar­gentinische Regierung ihr Vertrauen in die Oorganisation des Sanitätsdienstes dadurch zeigen würde, datz sie darauf verzichtete, ihre Sanitätsinspektoren auf den transatlanti­schen Dampfern einzuschiffen, die sich unter der lleber- wachung des Marinearztes befinden, und alle Dampfer ohne Unterschied in den Ankunftshäfen der Quarantäne unterwerfe. Da aber die argentinische Regierung auf die­sen Matznahmen besteht, erlietz die italienische Regierung zur Wahrung der nationalen Würde gstern ein Dekret, durch das die Auswanderung nach Argentinien verboten wird.

Ein höherer Rat für die ftanzöfische Landesverteidigung. Im Ministerrat unterzeichnete Präsident Fallitzres die De­krete, durch die ein höherer Rat für die Landesverteidigung eingesetzt wird. Dieser setzt sich zusammen aus den Ministern des Krieges, des Aeutzern, der Finanzen, der Marine und der. Kolonien und steht unter dem Vorsitz des Minister­präsidenten. Dem Rat wird eine höhere Studienabteilung beigegeben, die aus drei höheren Offizieren gebildet wird, nämlich aus den Chefs der militärischen Operationsbureaus in den Ministerien des Krieges, der Marine und der Kolo­nien. Der Generalstab der Armee und der technische Aus­schuß des Eeneralstabs werden künftig von einem General abhängen, der den Titel Chef des allgemeinen Eeneralstabs und in Kriegszeiten den Oberbefehl über die Hauptarmes führt. Der oberste Kriegsrat bleibt bestehen und setzt sich aus den kommandierenden Generälen der Armee zusammen. Der Posten eines Vizepräsidenten des Kriegsrates wird durch die Schaffung der Stelle eines Chefs des allgemeinen Eeneralstabs unnötig und wird abgeschafft. Den Posten des Chefs des allgemeinen Eeneralstabs wird General Joffre einnehmen. Der Eeneralstab der Armee bleibt unter der unmittelbaren Leitung des Generals Dubail. Jeder Armeekommandant hat ständig zu seiner Verfügung seinen Keneralstabschef und einen Vertreter des Eeneralstabs der Armee.

Internationale Opiumkonferenz. Deutschland willigte ein, an der Internationalen Opiumkonfèrenz teilzunehmen, die vom 1. Oktober 1911 ab im Haag abgehalten werden soll. Damit nahmen alle Großmächte die Einladung an.

Die portugiesische Nationalversammlung nahm den Pa­ragraphen des Verfassungsentwurfs an, der die Todesstrafe abschafft. Dieser Paragraph wurde noch dahin erweitert, daß ebenfalls die körperlichen Strafen für immer abge­schafft werden.

Kanjemme in Südwest gefangen. Der 'avüân Kanjemme, einer der gefährlichen Gegner der d,...,..a Herr-

Aernsprechattschlittz Nr. 230 1911

schaff in Südwestafrika, der 1904 in Otjituo drei Polizei- sergeanten ermordete, ist mit 70 Begleitern gefangen und nach Windhuk eingeliefert worden. Die Festnahme Kan- jemmes erfolgte nicht ohne Blutvergießen. Die Patrouille war bis zu der Werft vorgedrungen, wo Kanjemme bisher geiessen hatte. Man traf indes nicht ihn, sondern seinen Bruder dort an, den man zwang, den Aufenthaltsort Kan- jemmes zu verraten. Dorthin, nach Ombu Omonde, etwa 150 Kilometer südöstlich enn Waterberg, begab sich di« Patrouille in vielstündigem, fast ununterbrochenem Ritt. SM die Werft in Sicht kam, ritten Hauptmann Holländer, Ober­leutnant Frhr. von Hirschberg, Wachtmeister EcharpS und ein Wachtmeister aus Grootfontein in gestrecktem Galopp darauf los, während die Polizersergeanten seitlich auS- schwärmten. Beim Herannahen der Offiziere an die Werst schoß Kanjemme aus seinem Pontok mit einem 88er Gewehr auf Hauptmann Holländer, glücklicherweise ohne ihn zu treffen. Ehe der Herero das Schloß des ziemlich verrosteten Gewehrs für den zweiten Schuß öffnen konnte, hatte ihn Wachtmeister Scharps an der Kehle gepackt, konnte aber Kanjemme der sich auch unter dem Griff des Wacht­meisters weiter abmühte, das Schloß zu öffnen, und dem Wachtmeister naiv genug zurief: Kurama, Äurama (Wart* noch!) nicht überwältigen. Erst ein Schlag des Haupt­mannes auf den Arm Kanjemmes macht« diesen wehrlos. Die Polizeisergeanten hatten inzwischen das Feuer auf ein« Anzahl sich zur Wehr setzender oder fliehender HereroS er­öffnet, vier Hereros fielen, die anderen ergaben sich. Beim Weiterreiten traf die Patrouille noch eine eben verlassrn« Hererowerft an, der Bewohner konnte sie nicht habhaft werden. Uebrigens konnte die Patrouille auch das Vor­handensein einer Anzahl Wasserstellen im Sandftlde fest- stellen.

Zur Marokko-Frage.

DKG. Der Reichstagsabgeordnete Dr. Arning, der so­eben von einer mehrwöchentlichen Studienreise aus Ma-, rokko heimgekehrt ist, schreibt derDeutschen Kolonialge­sellschaft":

Wer nicht in Marokko selbst gewesen ist, kann sich gut keinen Begriff von diesem Lande machen. Man steht unter dem Banne des Gedankens, daß es ein Stück von Afrika ist und fällt danach ein Urteil. Und nicht gar viele Leute sind es, die dieses den Eingangspforten Europas so nahe liegende Gebiet besucht haben. Man kann sich, wie der Schreiber dieses, jahrelang mit marokkanischen Fragen aus das allereingehendste beschäftigt, die Entwicklungsmöglich- keiten noch so hoch eingeschätzt haben, es ist ganz unendlich viel anders beschaffen als man geglaubt, wenn man den ersten Ausblick über das Gelände selbst tun kann. Unend­lich viel ist seit sieben Jahren über Marokko geschrieben worden; aber leider sind die Arbeiten wirklich guter Kenner des Landes weiteren Kreisen nicht bekannt geworden, fast ausschließlich beschränkt sich die Kenntnis auf dasjenige, was in politischer Beziehung von den Tageszeitungen ge­bracht worden ist. Außerdem hat die größere Anzahl auch jener wenigen, die überhaupt um die Bereicherung des Wissens in dieser Beziehung sich bemüht haben, nur eine dunkle Ahnung von Minenschätzen, welche die Nordwestecke Afrikas bergen soll. Nichts aber weiß man vom Klima, nichts von dem landwirtschaftlichen Werte, nichts, rein gar nichts von der politischen Bedeutung des Scherifenreiches,

Man ist überrascht, selbst in den Monaten des hohen Sommers klimatische Daseinsbedingungen anzutreffen, die denen Süd-Frankreichs mindestens gleichkommen, die der großen südlichen Halbinseln Europas übertreffen, wenig­stens über weite Flächen des marokkanischen Landes hin.

Von Malaria habe ich nichts wahrgenommen; nach meinen Erkundigungen soll auf der atlantischen Seite nur Rabat, das von den Franzosen besetzte, diese Plage der Tropen aufweisen. Auch von anderen tropisch-afrikanischen Belästigungen hört man nichts. Die Art des Reisens ist denn auch auf diese Voraussetzungen bestimmt; besondere Vorsichtsmaßregeln werden kaum beobachtet.

Hier liegt also ein grunglegender Unterschied gegen­über den Landgebieten, die wir zu unseren Kolonien rech­nen, Südwestafrika vielleicht ausgeschlossen.

Südwest aber ist doch wieder nicht vergleichbar. Denn Marokko hat zwar eine ganz außerordentlich ausgedehnte Viehzucht Rinder, Wollschafe, Ziegen, Kamele, Pferde aber daneben, oder man kann fast sagen in der Haupt­sache, ist es ein ausgesprochenes Land des Ackerbaues.

In der Kaiserzeit Kornkammer für Roms hungrige Be­völkerung, ist Marokko noch heute überzogen von Ackerflur. Ausgebeutet seit mindestens zwei Jahrtausenden, nie ge«