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General-Anzeiger
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Die KMeAmer vmfaßt anB« r.VMllttmSM
14 Seiten.
Slrntliches.
Candkreis l^anau.
Gemäß des Beschlusses der letzten Unterkommissions- Sitzung findet die zweite diesjährige Verwalterkonferenz für den Regierungsbezirk Cassel, die Provinz Oberhessen, das Fürstentum Waldeck und den Kreis Wetzlar am 2. Dezember d. Z., vormittags 10^ Uhr, in Gießen im Regie- rungsgebäude statt. Da nach den zur Zeit in Geltung stehenden Bestimmungen denVerwaltern der kleinerenArbeitsnach- weise (Bürgermeistern rc.) die Reisekosten (Fahrt 3. Kläffe) und 6 Mark Tagegelder für den ganzen, 3 Mark für den halben Tag auf Antrag vom Verbände vergütet werden, wäre es im Interesse der Förderung des ländlichen Arbeitsnachweises erwünscht, daß die Tagung besonders von Bürgermeistern der größeren Landgemeinden zahlreich besucht würde.
Indem ich auf die Tagung besonders aufmerksam mache, ersuche ich, falls Sie oder Ihr Vertreter an der Tagung teilzunehmen gedenken, dies dem Mitteldeutschen Arbeitsnachweisverband zu Frankfurt a. M., Saalhof — Saalgasse 31/33 — rechtzeitig mitzuteilen.
Hanau den 27. November 1911. V. 7860
Der Königliche Landrat.
Frhr. Laur.
PolitiTcbt RundTebaa.
Der Reichstag erledigte gestern die noch ausstehenden Paragraphen der zweiten Lesung des Schiffahrtsabgaben- gesetzes, die in der Kommissionsfassung angenommen wurden. Dann folgte die zweite Lesung des Heimarbeitergesetzes. (Den Bericht siehe in der Beilage.)
Ein Berliner Landtagsmandat erledigt. Der Fortschrittliche Landtagsabgeordnete Dr. Hugo Eerschel, Vertreter des zweiten Berliner Wahlbezirks, ist in Berlin gestorben.
Die französische Kammer beriet gestern das Kriegsbudget. Der Berichterstatter Clemente! sprach über seinen Besuch der Forts im Osten und bemerkte, wenn das französische Volk in schwierigen Verhältnissen eine ruhige aber entschlossene Haltung bewahrte, so sei das auf das Gefühl der Sicherheit zurückzllführen, das ihm der Schild, den es seit vierzig Jahren trage, verleihe. Kriegsminister Meffimy erörterte die Maßnahmen, die zur Verbesserung der Landesverteidigung getroffen worden seien, und sagte, wenn je das Schicksal wolle, daß Frankreich zu den Waffen greifen müsse, um seine Grenzen, seine Sprache und seine freiheitlichen ehrenvollen Traditionen zu verteidigen, könne es der Stärke seines Heeres vertrauen.
Sparsamkeit im japanischen Budget. Wie aus Tokio gemeldet wird, setzte das Ministerium die Budgetvorlage für Armee und Marine fest. Die Erweiterung der Hafenbauten wurde verschoben und die Weltausstellung aufgegeben. Für 1913 wird eine Steuer- und Verwaltungsreform geplant. Die Forderung von 45 Millionen für neue Unternehmungen wurde auf 4% Millionen herabgesetzt, die für Telephon- und Schulbauten, Wasserwerke und zur Unterstützung der Industrie bestimmt sind.
Die chinesischen Regierungstruppen haben Haynan und Wutschang zurückerobert.
Der Krieg zwischen Italien und der Türkei.
Die italienische Flottenaktion.
Konstantinopel, 28. Novbr. „Jkdam" erfährt: Der russische Botschafter überreichte gestern dem Eroßwesir die Antwort Italiens, aus der hervorgehe, Italien wolle auf die ganze Aktion gegen die Dardanellen verzichten. Der Botschafter erklärte freundschaftlich, die Türkei sollte die Verhandlungen zur Lösung der Tripolisfrage einleiten.
Vom Kriegsschauplatz.
Konstantinopel, 28. Novbr. „Jkdam" meldet: Die Kämpfe bei Tripolis dauern an. Die Italiener sind in der Stadt eingeschlossen: ihr Versuch, Henni zurückzuerobern, ist gescheitert. Die Italiener zogen sich mit einem Verlust von mehreren Toten und 80 Gefangenen, darunter 4 Offiziere, zurück.
Vom, 28. Novbr. Die Zahl der italienischerseits seit dem 26. d. M. außer Gefecht gesetzten Mannschaften beläuft sich auf 120 Mann, von denen 16 gefallen unh *>i«iac schwer
Mittwoch den 29. November
verwundet sind. — Während des gestrigen Tages kam es zu einigen Scharmützeln zwischen den Vorposten. Die Flieger meldeten, daß zwei ungefähr 2000 Mann starke Kolonnen mit Wagen von Ain Zara in der Richtung auf Tarhone sich zurückzogen. In Ain Zara stehen noch ungefähr 20 Zelte. Es war unmöglich, die Oase gründlich zu erkunden. Zwei große Baracken sind fast fertiggestellt, um Eingeborene aufzunehmen, die obdachlos sind. Aus Derna wird berichtet, daß am 25. November eine neue Rekognoszierung auf dem Plateau unternommen, Feinde aber nicht angetroffen wurden. Am 26. November wurden einige Gewehrschüsse zwischen den Vorposten und arabischen Banden gewechselt. Die Araber wurden sofort zerstreut. Die Verluste der italienischen Truppen bei dem Zusammentreffen am 24. November belaufen sich auf 19 Mann. 23 Matrosen wurden außer Kampf gesetzt.
Die türkische Verwaltung von Tripolis.
Konstantinopel, 28. Novbr. Da außer einigen Punkten an der Küste von Tripolis, die von den Italienern besetzt sind, das ganze Wilajet Tripolis unter der tatsächlichen Verwaltung der Türkei steht, beschloß die Pforte, bis die Italiener die Stadt Tripolis zu verlassen gezwungen seien, den Sitz des Wilajets nach Sian oder einem andern Punkt zu verlegen und die Mächte aufzufordern, auch den Sitz der Konsulate provisorisch zu verlegen. Der Beschluß soll demnächst durchgeführt werden.
Deutsch-englische Beziehungen.
Die Debatte im englischen Oberhaus.
London, 28. Novbr. Lord Courtney lenkte die Auf- merksamkeck des Oberhauses auf die kürzlichen Verhandlungen zwischen Frankreich und Deutschland bezüglich Marokkos und das Verhalten der britischen Regierung in Verbindung mit diesen Verhandlungen. 'Die Debatte im Unterhause am gestrigen Tage hatte das Interesse an der Frage ziemlich gemindert und es hatte sich daher nur eine kleine Versammlung von Peers eingefunden. Lord Courtney berührte die allmähliche Verbesserung der Beziehungen Englands zu Frankreich und Rußland und fragte, warum das, was im Falle dieser Länder geschehen fei, nicht auch im Falle Deutschlands geschehen könne, und wa um nicht ein dem englisch-französischen Abkommen ähnlicher Vertrag mit Deutschland geschlossen werden könne. Das britische Auswärtige Amt habe von der Algccirasakte, die eingehender hätte studiert werden sollen, nur gering gedacht, während sie die Vertragsverpflichtungen mit Frankreich hoch eingeschätzt habe. Man habe die Bedeutung dieser Verpflichtungen übertrieben und versäumt, sich mit der Algecirasakte eingehend zu beschäftigen. Wenn man die Algecirasakte sich ständig vor Augen gehalten hätte, würden wir fast alle unsere Schwierigkeiten vermieden haben. Wir würden vieles erspart haben, wenn wir Frankreich auseinandergesetzt hätten, daß Schritte Frankreichs, welche die Unabhängigkeit Marokkos bedrohten, Kommentare bei anderen Mächten Hervorrufen müßten, die an der Algccirasakte beteiligt sind, und daß, wenn Frankreich die Unabhängigkeit und Integrität Marokkos verletzen würde zu deren Sicherung die Algecirasakte entworfen worden war, es außer unserer Macht sein würde, eine Beschwerde zurückzuweisen. Aber wir taten nichts und gestatteten, daß die Angelegenheit sich selbst überlassen blieb und weiter entwickelte. Wir wachten nicht eher auf, als der „Panther" entsandt wurde.
Redner bezweifelte, ob Englands Interessen tatsächlich in die Frage verwickelt seien, ob das Protektorat einer oder der anderen Macht übertragen wurde. Redner fuhr fort: Unsere Pflicht war es, darauf zu bestehen, daß bei allen Veränderungen, die vielleicht Platz griffen, die Handelsangelegenheiten für alle Länder die gleichen sein sollten. » Aber alles, was wir taten, bestand darin, Frankreich zu unterstützen und alles durch französische Gläser zu betrachten. Courtney bedauerte, daß Deutschland keine klare Darlegung seiner Absichten gegeben habe, als der „Panther" entsandt wurde. Er erklärte unter Bezugnahme auf die Rede von Lloyd George, daß der cingeschlagene Weg völlig verblüfft habe. Die Hilfsquellen der Diplomatie seien nicht erschöpft gewesen und die Angelegenheit hätte noch diplomatisch behandelt werden können. Lloyd George habe seinen Auftrag nicht gut erfüllt. Seine Rede sei ein schriller Mißklang gewesen und in keiner Weise würdig. Glücklicherweise seien die kürzlichen Schwierigkeiten überwunden, aber eS scheine, als ob Grey nicht im Stande sei zu glauben, daß es möglich sei, mit Deutschland ein solches Verhältnis herzlicher Freundschaft, gekennzeichnet durch wechselseitige Toleranz und Wohlwollen, zu schaffen, wie es mit Frankreich hergestellt worden sei. Die tatsächliche Lehre der letzten Monate sei, daß Grey und die auswärtige Politik Großbritanniens eine neue Auffassung von der internationalen Verständigung annebmen sollten. J
Kerttfprechanfchlich Nr. 230 1911
Viscount of Morley, oft unverständlich, drückt sein tiefe? Bedauern aus über Lord Courtneys Angriff auf Grey, der im März die Pulse schneller schlagen gemacht und die Hoffnungen des Friedens in den Gemütern der Bevölkerung Europas und Amerikas angefacht habe durch den Geist seiner Rede im Unterhause über die Möglichkeiten für schiedsgerichtliche Erledigungen. Morley sprach seine Genugtuung über den Ton der gestrigen Rede Laws aus, insbesondere über den Teil, der sich auf die Expansion Deutschlands bezog, und fügte hinzu: Ich bin völlig gewiß, daß alle Teile der Rede die von freundlicher Natur für Deutschland waren, die Zustimmung der ganzen Nation gefunden haben. Morley wendete sich zu dem englisch-französischen Abkommen vom Jahr« 1904 und bestritt, daß dieses eine antideutsche Allianz sei. Kein Staatssekretär des Auswärtigen sei je mehr darauf bedacht gewesen, gute Beziehungen und ein gutes Einverständnis mit Deutschland zu sichern, als Lord Lansdowne. Es sei lächerlich zu sagen, daß die Urheber der Entente von 1904 an irgendwelche Feindseligkeiten gegenüber Deutschland gedacht hätten. (Beifall.) Die Algecirasakte bedeute zweifellos eine Entwickelung von großer Wichtigkeit, aber er könne nicht zugeben, daß die Regierung seit dem Jahre 1905 sich irgend eines Vergehens schuldig gemacht habe in der Richtung der Vernachlässigung der vollen Tragweite der durch die Mgeciras- akte erreichten Verständigung. Ich bin gewiß, daß Lord Courtney, der in so verurteilender Kritik bezüglich der Entent« sich ausgesprochen hat, nicht wünscht, daß wir das Abkommen kündigen. Dies würde natürlich nicht möglich sein. Der ganze Kern des Abkommens bestand darin, daß England freie Hand in Aegypten und Frankreich in Marokko haben sollte. Wir hatten unseren Anteil an dem Nutzen dieser Transaktion — wenn ein Nutzen vorhanden war — und es würde unerträglich sein, daß wir, nachdem wir Anteil genommen hatten, uns in irgend einer Weise weigern sollten, Frankreich ebenfalls seinen vollen Anteil zu geben. In allen diesen internationalen Verpflichtungen gibt es gewiß solch ein Ding, wie die Ehre; das hindert uns nicht im geringsten, den Vertrag auszudehnen, wie Lord Lansdowne hoffte, daß dies geschehen würde, als er abgeschlossen wurde.
Nachdem Morley auf die wichtige Tatsache' der gewaltigen Fortschritte der deutschen Flotte während der letzten zehn Jahre hingewiesen hatte, erklärte er: Wir können unsere Augen dagegen nicht verschließen wegen der Steuern, welche wir dafür bezahlen. Es liegt aber nicht in der stufenweisen Erweiterung von Deutschlands Macht zur See, was das Allgemeinempfinden herzlicher Freundschaft, das Lord Courtney wünscht, beeinträchtigen möchte. Sie müssen alle Umstände in Erwägung ziehen. Wie spekulativer Art auch die Fragen sein mögen, ob Frankreich, Deutschland, Italien oder England das meiste zur Geschichte der modernen Zivilisation beigetragen haben, das wenigstens ist gewiß; Diejenigen haben nicht unrecht, welche dabei beharren, daß Deutschland- Leistungsfähigkeit, die Reinheit und Energie seiner Bildung, seine glänzenden Anstrengungen und großen Erfolge in allen Zweigen der Wissenschaft, sein Ruhm in Kunst und Literatur, seine Stärke des Charakters, daß seine nationalen Ideal« den höchsten Platz unter den gißten Idealen einnehmen, die jetzt die Welt beseelen. Lassen Sie uns dies alles nicht vergessen. Der deutsche Ehrgeiz ist ein vollständig verständlicher und sogar erhabener Ehrgeiz. Wer kann sich daher wundern, daß ein Staatswesen, das so enorme Fortschritte auf jedem Gebiete gemacht hat, den Wunsch hegt, Gebiete zu finden, damit sich seine überschüssige Bevölkerung eine Listen; gründen kann, ohne ihre Nationalität oder ihre Ideale zu verlieren? Es ist Raum für Deutschland unter der Sonne. Wenn die gegenwärtige Spannung andauern sollte, so würde ein ernsthaftes, ständiges Anwachsen der Rüstungen stattfinden. Die verwickelten Vorgänge des SommerS sind natürlich ernster Kritik auSgesetzt, die alle beteiligten Regierungen angeht. Aber sie sind millionenmal weniger der Kritik ausgesetzt heute, als dies gestern der Fall war, und das ist die Wirkung von Greys Rede gewesen. Großbritannien, Deutschland und Frankreich haben das Ende der Schwierigkeiten erreicht, die beiseite zu schaffen, die drei Regierungen jetzt jede Veranlassung haben, und ich unterfange mich zu lagen, daß kein britisches Kabinett je mehr darauf bedacht gewesen ist als wir, nicht in einen unbedeutenden und unpolitischen Antagonismus zu treten. Diese Verpflichtung ist von uns entschlossen, beharrlich und entschieden aufrecht erhalten und erfolgreich durchgeführt worden. (Beifall.)
Darauf ergriff Lord LandSdowne das Wort und erklärte, die Rede Sir E. Greys sei eine der bemerkenswertesten, welche je von einem Staatssekretär der auswärtigen Angelegenheiten gehalten worden sei. Die Rede Courtney's tu erbe schwerlich vielen Mitgliedern des Hause» gefallen. Er verteidige bau «nglssch-französische Abkommen, das für eine lauge Zeit die