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Rotationsdruck und Verla« der Buchdruckerei de« verein, eo. Waisenhauses in Hanau.
General-Anzeiger
Kwtl'ches Organ für Stob and Landkreis Kanan.
Erschein täglich mit Ausnahme Ler Sonn» und Feiertage» mit belletristischer Beilage.
Derantmortl. Redakteur: iS. 6<tt#tt ta Hana».
^L 174 Fernfprecha»schl«tz Nr. 230.
Freitag den 28. Juli
Fernsprechaitschlttß Nr. 230 1911
Amtliches.
Stadtkreis Hanau.
Steuererhebung.
Die Erhebung der Steuern und des Schulgeldes für die Monate Juli/September d. Js. hat begonnen.
Es «ird auf die auf der Rückseite der Steuerzettel aufgedruckten Bestimmungen, insbesondere auf das unter Nr. 3 derselben Gesagte aufmerksam gemacht.
Fristgesuche können nur Berücksichtigung finden, wenn sie bis zum Schluß des Fälligkeitstermins — 15. August — eingegangeu und gehörig begründet sind.
Die Steuerkaffe befindet sich im Rathaus (Neustadt), Zimmer Nr. 3, Erdgeschoß rechts, und ist für Einzahlungen täglich, vormittags von 8 bis 12'/- Uhr, geöffnet.
Hanau den 25. Juli 1911.
____________________Stadtkasse._______________18165
Gefundene nnd verlorene Gegenstände re.
Gefunden auf dem Kinzigweg: 1 Wagenrad. Abzuholen Annastratze 12.
Verloren: 1 altes Herrenfahrrad.
Zugelaufen: 1 junger gelber Dachshund.
Zugeslogen: 1 silbergraues Jtalienerhuhn.
Hanau den 28. Juli 1911.
Politische RundTcbatL
Der Kaiser bat den Sultan telegraphisch, eine Spende von 20 000 Mark für die Abgebrannten in Konstantinopel entgegenzunehmen.
Das Befinden des Prinzregenten von Bayern. Ueber das Befinden des Prinzregenten brachten ein pfälzisches Blatt und nach diesem auch andere Blätter in den letzten Tagen Nachrichten, die, wie das Wolffsche Telegraphen- Bureau ermächtigt ist festzustellen, nicht der Wahrheit entsprechen. (Wir hatten von diesen Meldungen keine Notiz genommen. D. Red.) Es ist wohl richtig, datz auch der Prinzregent unter den Einwirkungen der abnormen Hitze etwas zu leiden hat, doch sind alle anderen Einzelheiten, die von den Blättern über den Gesundheitszustand verbreitet worden sind, direkt erfunden. Es ist unrichtig, datz die Prinzen des königlichen Hauses München nicht verlassen dürfen! im
Pestalozzis Liebel
Dramatisches Idyll von Karl Engelhard.
Es liegt ein Zauber in dem Namen Pestalozzi, aus einer wunderbar harmonischen Zusammenwirkung der Persönlichkeit und des Lebenswerkes des grohen Schweizers gebildet. Ein Rousseau der Tat, ein Gottgesandter, der mit dem tiefschauenden Auge der Menschenliebe eine der gewaltigsten Fragen aller Zeiten: dem Kinde eine gesunde Seele in die Lebenswirren mitzugeben, leuchtend durchdrang, und in Theorie wie in praktischem Vorbild eine unerschütterte Grundlage schuf, auf der die Pädagogik aller Zeiten am großen Ziele weiterbauen konnte. Uns, die ein Jahrhundert von seiner Zeit trennt, erscheinen Gestalt und Wesen dieses einzigen Menschen in reiner Abgeklärtheit, wir verstehen und sehen mit ungetrübtem Auge die unendliche Liebe, die aus seinem reichen Herzen quoll und ihn durch alle Prüfungen, Anfeindungen und schwere Schickungen sein Ziel unbeirrbar verfolgen und verwirklichen ließ. Wir kennen die mächtigen Wirkungen, die sein Beispiel erzeugte, und wissen, was aus seinen Anfängen wuchs; und fühlen uns von einer warmen Flutwelle innigster Güte berührt, wenn sein schönes Wort wieder in uns aufklingt: „Ich rufe euch auf zur Kraft in der Liebe". Wie anders aber ist das Bild, wenn wir das Verhältnis Pestalozzis zu innen Zeitgenossen betrachten, wie es wehvoll und er- ichutternd aus feinen Briefen und Aufzeichnungen spricht, ldiemel Gehässigkeit, kleinliche Verständnislosigkeit, wieviel Geringschätzung und boshafte Opposition dem Menschen wie dem Erzieher in den Weg; aus die heute kaum noch verständlichen Verhältniße in der Schwerz zu jener Zeit erschwerten ihm unsäglich die Förde- rung seiner Ideale. So mußte auch vielfach der Mens ch
Mik I*^t.duchayrgabe: Kaufungen-Vcrlag, Rostock. 110 S. Geh.
Gegenteil, sie haben von dem Prinzregneten Reiseerlaubnis erhalten und es sind fast sämtliche von München fort. Es entspricht ferner nicht den Tatsachen, datz die hohen Hofchargen und die Generalität aufgefordert worden sind, einen etwaigen Wechsel des Aufenthaltes sofort dem Hofmarschallamt resp, dem Kriegsministerium bekannt zu geben. Auch die Mitteilungen sind in das Gebiet der Erfindung zu verweisen, datz der deutsche Kaiser, der Kaiser von Oesterreich und andere Fürstlichkeiten wegen des Befindens des Regenten Veranlassung hätten nehmen müßen, wiederholt Erkundigungen im Hoflager zu Hohenschwangau einzuziehen.
Der Fall Richter. Laut heute in Konstantinopel eingetroffenen Meldungen ist im Falle des Ingenieurs Richter eine Wendung eingetreten, die zu ernsthafteren Befürchtungen Anlatz gibt. Den mit den nötigen Geldmitteln ausgestatteten Vertrauensmännern ist es unmöglich, die Verbindung mit den Räubern herzustellen, ein Umstand, der den Schluß, daß es den Räubern gelungen ist, auf griechisches Gebiet Lberzutreten, oder noch beunruhigendere Vermutungen aufkommen läßt.
Menschenfresserei auf Neu-Euinea. Vom Leiter der deutschen Station Kieta (Bismarck-Archipel) mutzte im Februar dieses Jahres infolge eines Falles von Menschenfreßerei, wie die „Nordd. Allg. Ztg." jetzt mitteilt, eine Expedition nach den Salomoinseln unternommen werden. Die Täter, vier Mann vom Stamm der Halali, waren allgemein bekannt; aber jeder scheute sich, darüber zu sprechen, da man die Rache der Uebeltäter unb' ihrer Sippe fürchtete. Der Bezirksamtmann erreichte am 9. Februar ihr Dorf und berief die sämtlichen Bewohner zur Volkszählung zusammen; nachdem diese vorgenommen worden war, forderte er die sofortige Auslieferung der Beschuldigten. Nach einigem Zögern wurden drei Leute als Schuldige bezeichnet, Männer im Alter von etwa 50 Jahren, die gefangen mitgeführt wurden. Auf dem Rückweg wurden in verschiedenen Dörfern Streitigkeiten zwischen den Eingeborenen zu deren Zufriedenheit geschlichtet. Die Menschenfresser sehen ihrer Aburteilung in Kieta oder in Rabaul entgegen.
Bandenbewegung. Trotz griechischer Dementis nimmt die Bandenbewegung in der Nähe der griechischen Grenze zu. Zwei neue 46 und 40 Mann starke Banden überschritten die Grenze in der Gegend von Siatista und Erebena und drangen in der Richtung von Serdfidsche vor. Auch diesen Banden waren zwei griechische Offiziere zugeteilt. Die türkischen Behörden erbitten dringend Verstärkung der für Streifungen bestimmten Truppen. Eine fünfzig Mann starke bulgarische Bande zog über Köprülü gegen Perlepe.
entgelten, was seinen Widersachern am Pädagogen mißliebig war, und es gehörte der ganze festgegründete, lichtstarke Optimismus Pestalozzis dazu, um ungebeugt und obsiegend aus allen den Kämpfen hervorzugehen. Und wie er gläubig beharrend seinen hohen Zielen Anerkennung und Sieg erzwang, so ertrotzte und erkämpfte er sich auch seine Lebensgefährtin, die prächtige Züricher Bürgerstochter Anna Schulthetz, die ihm auf seinen schweren Wegen in hartem Leben als Kameradin in höchstem Sinne unbeirrbar und treu zur Seite stand und an der Durchführung seines großen Lebenswerkes nicht geringen Anteil hatte.
Karl Engelhard hat sich in seiner dramatischen Idylle den Stoff geschickt zu eigen gemacht, und gerade er ist nach der ganzen Art seiner Begabung und der besonderen Kraft seiner Intuition wie kein Zweiter berufen, das an und für sich dramatisch spröde Thema zu meistern. Das Zeitkolorit ist durchweg ausgezeichnet getroffen, die einzelnen Gestalten unter Verzicht auf alle Silhouetteneffekts klar und plastisch herausgearbeitet, die Sprache edel und bei aller Knappheit des Ausdrucks immer eindringlich und wirkungsvoll. Die Exposition im ersten Akt, am Sterbelager Bluntschlis, ist ganz vortrefflich; und der schlichte Ton, in dem diese einfachen und doch so herzensvornehmen Menschen reden, die Resignationsstimmung im Kontrast zu der ungebändigten Willensglut der starkgeistigen Männer, das unbedingt Glaubhafte und Lebenswahre bei allen Vorgängen — das alles nimmt sofort gefangen. Wie sich dann in den folgenden Akten die Gestalt Pestalozzis, des reichen Einsamen, loslöst, wie er bei allen äußeren Widrigkeiten seine Bestimmung immer klarer erkennt und mit ruhiger, kraftbewutzter Seele, immer warm und eifrig, und so unendlich gütig seinem leuchtenden Ziele zuschreitet, das ist voll schöner'Kraft und mitfühlender Liebe gezeichnet. — Wir wünschen dem Dichter, bessert Sinn so wenig auf „Popularität" gerichtet ist, alle den tiefen inneren Erfolg, den sein schönes Werk verdient. C. K.
Marokko.
Das kritische Stadium der Marokkoverhandlungen?
Die deutsch-französischen Marokkoverhandlungen sind durch Englands Einmischung in ein kritisches Stadium geraten. Soweit sich die Lage bei der Geheimhaltung der diplomatischen Verhandlungen überblicken läßt, hat man in London den Auseinandersetzungen über die Wahrung der deutschen wirtschaftlichen Interessen in Marokko selbst ruhig zugesehen. Den Stein des Anstotzes bildeten erst die Forderungen, die Deutschland als Gegenleistung dafür erhob, datz Frankreich freie Hand in Marokko verlangte. Die Art und der Umfang dieser Gegenleistung entziehen sich der öffentlichen Kenntnis. Sie scheinen aber den Herren in London den Anlaß geboten zu haben, etwas wie Einspruch zu erheben. Darauf ist dann Herr von Kiderlen-Wächter die Antwort nicht schuldig geblieben. Es ist wohl als ein Echo dieser Antwort zu betrachten, wenn die manchmal offiziöse „Köln. Ztg." schreibt:
„. . . Das letzte Vorgehen Deutschlands, die Entsendung der Kriegsschiffe nach Agadir, ist von der öffentlichen Meinung in Deutschland, soweit sie nicht von politischem Haß gegen unsere Staats- und Gesellschaftsordnung völlig verblendet ist, mit rückhaltloser Zustimmung begrüßt worden. Abgeordnete aller Parteien, wie Zeitungen haben diesen Schritt als durchaus gerechtfertigt, als Erlösung von einem Bann sogar, verteidigt, und um so peinlicher wird das plötzliche Hervortreten Englands empfunden. Man erinnert sich an das berüchtigte hands off, das Gladstone 1878 gegen Oesterreich- Ungarn schleuderte, als es Bosnien und die Herzegowina besetzte, und meint, die Zeiten seien vorüber, wo ein britischer Staatsmann einem anderen Lande dergleichen sagen durste. Jedenfalls ist das deutsche Volk nicht gewillt, sich von fremden Mächten vergewaltigen zu laßen, deren Geschichte uns ja gelehrt hat, daß ein Staat nur bestehen kann, wenn er auch gewillt ist, seine Rechte und Ansprüche nachdrücklichst zu verteidigen. Fürst Bismarck hat mehr als einmal von „Imponderabilien in der Politik" gesprochen, „die oft viel mächtiger wirken, als die Fragen des materiellen und direkten Jntereßes, und die man nicht mißachten soll in ihrer Bedeutung." In London und Paris möge man sich hüten, an die Imponderabilien zu rühren, die jetzt Deutschland bewegen."
Wie es scheint, hat die Zurückweisung der englischen Einmischung ihren Zweck erreicht. In London ist man ruhiger und zurückhaltender geworden. Man gibt dort jetzt die Losung aus, daß
keine englische Intervention beabsitigt gewesen sei..
Auch die
Alarmmeldungen über englische Flottenmanöver werden von englischer Seite jetzt widerrufen. So heißt es in einer Londoner Meldung:
Nach einem Bericht der „Daily News" aus Portsmouth scheint es, daß die Bewegungen der atlantischen Flotte mit denen des vierten Kreuzergeschwaders, das in den norwegischen Gewäßern kreuzen soll, verwechselt find. Nach einer Meldung des „Standard" gab Admiral Moore, der Kommandant von Portsmouth, bekannt, daß die Schlachtschiffe „Prince of Wales" und „Venerable" sowie die Kreuzer „Good Hope" und „Venus" von der atlantischen Flotte am 30. Juli nach Portsmouth gehen, um die Mann, schäften wachweise zu beurlauben, und zwar soll jede Wache 14 Tage Urlaub erhalten. Das Schlachtschiff „London", das zweite Flaggschiff des atlantischne Geschwaders, erteilte der Besatzung bereits Urlaub und ist nach Derehaven gegangen. Das Schlachtschiff „Queen" wird sich einer Reparatur in Devonport unterziehen.
Zu demselben Thema führt „Daily Telegraph" aus, jede sensationelle Auslegung und Aenderung in den Bestimmungen für die atlantische Flotte stehe in direktem Widerspruch mit dem anderen Ereignisse auf maritimem Gebiete, das an dem nämlichen Tage vor sich ging, an dem die Admiralität in einem Telegramm an den Admiral Jellicoe den Besuch in Norwegen absagte. Die ganze dritte Division der Heimatflotte, die ein Dutzend Kriegsschiffe umfatzt, habe nämlich am Dienstag abgerüstet. Die dritte Division, die normal und bloß mit der Seemannschast be« mannt war, wurde am Abend vor der Krönung auf den vollen Stand gebracht und nahm an der Flottenschau und daran anschließend an den Uebungen in der Nordsee teil, die in der letzten Woche beendet wurden. Die Mannschaft der dritten Division geht jetzt in der üblichen Weise abwechselnd auf vierzehn Tage in Urlaub. Die gesamte atlantische Flotte sei also nach den südlichen Gewässern zurück- berufen. Gleichzeitig sei die dritte Division die Heimatflotte vom Krieos- auf den Friedensstand aebrackt worden.