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General-Anzeiger
Amllilhtâ OM« fit SW uni fonikttis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
verantwort!. Redakteur: S, Schrecke, ta Hana».
Mk. 49 ^etnh'tedwtfdHitft Nv. 230
Montag den 27. Februar Aemirvedhttn'dlhtf; Nr. 230 1911
Rm«Nch«s.
Hanauer Ortskrankenkasse (Stof).
Gesucht Krankenbesuche! gesund nicht unter 25 Jahren. Gehaltsklasse 1300—1900 Mk. Anfangsgehalt nach
Leistung. ’
Der Vorstand.
A. Kiefer, Vorsitzender.
Schriftliche Anerbieten sind verschlossen mit der Aufschrift Krankenbesucher nur an den Vorstand der Hanauer Ortskrankenkasse, Franz. Allee 18, zu richten. 4957
Liegen geblieben auf der Stadtkasse: 1 grauer Glacehandschuh. Abzuholen auf dem Geschäftszimmer der Armenverwaltung.
Hanau den 27. Februar 1911.
Gefundene und verlorene Gegenstände :c Gefunden: 2 bunte seidene Tücher.
Zugelaufen: 1 grauer Wolfsspitz m. Geschl. mit Halsband und abgerissener Kette.
Hanau den 27. Februar 1911.
Politische Run dichaa.
Der Kronprinz hat an Bord der „Arabia" von Bombay aus seine Rückreise aus Indien angetreten.
Die Annahme der Heeresvorlage durch den Reichstag, die mit der stattlichen Mehrheit von 247 gegen 63 Stimmen bei 11 Enthaltungen erfolgte, veranlaßt die „Rordd. Allg. Ztg", auf die erfreuliche Geschlossenheit der bürgerlichen I Parteien mit Ausnahme der Polen und der wenigen Eigen- örödler hinzuweisen; sie sagt dann weiter: Nach eingehender Vorbereitung in der Kommission hat die zweite Lesung nur einen Tag in Anspruch genommen. Denkt man an die schweren Kämpfe um frühere Heeresvorlagen zurück, so wird man gern den Ilmschwung anerkennen, der sich unter den Parteien in der Behandlung der Wehrfragen vollzogen hat. Die Prinzipien, nach denen die Heeresverwaltung den ruhigen und sicheren Ausbau der Armee regelt, haben sich durchgesetzt und bilden nicht mehr den Gegenstand heftiger parlamentarischer Kontroversen. Der feste Wille der Ration die Schlagfertigkeit des Heeres unbedingt gewahrt zu sehen, hat diese Grundfragen der nationalen Selbstbehauptung dem Parteistreite mehr und mehr entrückt. Selbst von sozial- demokratisechr Seite wird es für nützlich gehalten, gelegentlich eine kleine theoretische Verbeugung vor den vaterländischen Empfindungen zu machen. In der Praxis der Abstimmungen versagte die Sozialdemokratie freilich auch diesmal und brachte damit den bürgerlichen Parteien die Scheidelinie zum Bewußtsein, die durch keine Wahlabmachung zu verwischen ist. Die ungeschmälerte Annahme der Vorlage wurde einmal durch die Darlegungen der Heeresverwaltungen erleichtert, die keinen Zweifel darüber ließen, daß nur das unbedingt Notwendige gefordert worden ist, sodann durch die befriedigenden Erklärungen, die von der Reichsfinanzverwaltung über die Deckungsfrage abgegeben werden konnten.
Die Reichstagsersatzwahl in Jmmenstadt. Bei der Reichstagsersatzwahl im Wahlkreise Jmmenstadt erhielten Rechtsanwalt Dr. Thoma (lib.) 10 588, Emminger (Ztr.) z 11856 und Schneidermeister Gölzer (Soz.) 8807 Stimmen. Es findet Stichwahl zwischen Thoma und Emminger statt. Eine Ostmarken-Resolutkon. Der Hauptvorstand des Deutschen Ostmarken-Vereins trat am 25. Februar cr. im Künstlerhause zu Berlin zu einer Vollversammlung zusammen und nahm nach längeren Verhandlungen in der Enteignungsfrage folgende Entschließung an: „Der Hauptvorstand des Deutschen Ostmarkenvereins spricht seine volle Zustimmung zu der Erklärung des geschäftsführenden Ausschusses vom 20. Januar ds. Js. betreffend die Frage der Anwendung des Enteignungsrechtes in den Ostmarken aus. Er teilt die dort ausgesprochene Auffassung, daß durch die von der königlichen Staatsregierung beobachtete völlige Zurückhaltung das große Werk der Ansiedelungskommission in seiner Fortführung gefährdet und das Vertrauen der deutschen Bevölkerung im Osten schwer erschüttert wird. Der Hauptvorstand hält es für die Aufgabe der nationalen Parteien des Abgeordnetenhauses, Aufklärung über die von der Regierung in dieser anerkannt wichtigsten Frage des preußischen Staatslebens beobachtete Haltung in nächster Zeit herbeizuführen." Im übrigen erledigte der Hauptvorstand innere Vereinsangelegenheiten, wie die Aufstellung des Jahreshaushaltes für 1911 und dergleichen mehr. Das nordamerikanische Repräsentantenhaus nahm den Gesetzentwurf für die Erbauung des Panamakanals mit 45 560 000 Dollars an, indem es für die Befestigung AV 000 000 Dollars bewilligte.
Neue Diamantenfunde in Südwest. Auf der Farm „Amalia", vierzig Kilometer von Gibeon, ist ein drei- karätiger Diamant in Vlaugrund gefunden worden. Dreißig Felder sind bereits abgesteckt.
Ein Denkmal für die Südwestafrika-Krieger. Auf dem Kasernenhofe des Telegraphenbataillans in Treptow fand Samstag vormittag die feierliche Uebergabe des Denkmals für die während des Eingeborenenaufstandes in Südwestafrika gefallenen Offiziere und Mannschaften statt. Das Denkmal ist aus Mitteln des aktiven und des Reserveoffizierkorps hergestellt worden.
Ein Besuch amerikanischer Kriegsschiffe in Kiel. Das Marinedepartement in Washington teilte mit, daß die Marinekadetten bei der diesjährigen Sommerkreuzfahrt, die sie auf den Schlachtschiffen „Indiana", „Iowa" und „Massachusetts" unternehmen, vom 3. bis 12. Juli in Kiel weilen werden.
Zur finländischen Frage. Die offiziöse „Rossija" veröffentlicht über die finländische Frage einen Artikel, in dem sie, auf die vom finländischen Landtag beschlossene Ueberweisung der Preß- und Vereinsgesetze an die Kommission bezugnehmend, darauf hinweist, daß diese Gesetze, da sie das gesamte Reich betreffen, nur von Reichs- institlltionen und nicht vom Landtag votiert werden könnten und meint, es fei abzuwarten, wie sich der Landtag selbst zu dieser Frage stelle. Sollte der Landtag wirklich die Fragen der allgemeinen staatlichen Gesetzgebung als innerhalb seiner Kompetenz liegend betrachten, so werde die Regierung genötigt sein, entsprechende Maßregeln zu ergreifen. Die „Rossija" schließt: Es ist keine Drohung, sondern eine notwendige Warnung; im finischen Landtag sitzen erwachsene ernste Leute, welche wissen, was sie wollen, und es ist für sie auch wichtig zu wissen, worauf sie rechnen können.
Lom Hauptausschuß für die staatliche Pensionsverfiche- rang der Privatangestellten erhalten wir mit der Bitte um Veröffentlichung, folgende Zuschrift: „In einem Teile der Presse ist von interessierter Seite unter der Ueberschrist „Zwiespalt unter den Privatbeamten" und ähnlich, die Nachricht verbreitet worden, der Magdeburger Privat- beamten-Verein sei unter Protest aus dem Hauptausschutz ausgeschieden. Das Ausscheiden eines Vereins hat für den Hauptausschuß, der weit über 700 000 Mitglieder umfaßt, nicht viel zu bedeuten, und von einem Zwiespalt kann ganz und gar nicht die Rede sein, denn der Magdeburger Verein ist nur deshalb ausgeschieden, weil ihm vom Hauptausschutzvorsitzenden mitgeteilt worden war, daß auf der bevorstehenden Tagung ein Antrag gestellt werden würde, auf seine weitere Mitgliedschaft zu verzichten. Der Magdeburger Verein ist keine Standesvertretung der Privatangestellten, wie die bekannten großen Organisationen, sondern er ist ein Versicherungsverein, der im Gegensatze zum Hauptausschusse den Gesetzentwurf in der heftigsten Weise bekämpft, weil dieser private Kasseneinrichtungen nicht als gleichberechtigte Versicherungsträger zulätzt. Auch früher schon und fortgesetzt hat sich der Verein mit seinen Pflichten als Mitglied des Hauptausschusses in Widerspruch gesetzt und ist vergeblich verwarnt worden. Aus diesen Gründen war die Mitgliedschaft des Magdeburger Vereins beim Hauptausschusse schon längst unhaltbar geworden. Die Ver- tretertagung des Hauptausschusses vom 18. d. M. hat sich der hier wiedergegebenen Auffassung ihres Vorsitzenden einstimmig angeschlossen und der Hauptausschuß steht jetzt vor dem Ziele seiner Arbeit geschlossener da als je."
In den Anklagezustand. Die Sobranje beschloß, die früheren stambulistischen Minister mit Ausnahme von Schick- manoff in den Anklagezustand zu versetzen.
Chinesische Anleihe. Wegen der Bedingungen der Huku- ang-Eisenbahn-Anleihe haben sich neue Schwierigkeiten ergeben. Die Verhandlungen über eine Anleihe von 10 Mill. Pfund Sterling zu einer Münzreform und zur Entwicklung der Mandschurei schreiten schnell fort.
Das Kabinett Briand hat demissioniert?
Paris, 25. Februar. Die Beratung des heutigen Ministerrates war kurz. Ministerpräsident Briand, dem sich die Minister Pichou, Dupuy und Gerard entschieden anschlossen, erklärte dem Präsidenten Fallitzres, daß die Abbröcklung der Mehrheit ihm angesichts der Schwierigkeit der dem Parlament gegenwärtig gestellten Probleme nicht erlaube, im Amte zu bleiben. Er gab weiter der Vermutung Ausdruck, daß ein Teil der Mehrheit nur einen Teil seines Programms annehmen würde. Der Präsident war demgegenüber lebhaft bemüht, die Demission des Kabinetts zu verhindern. Jedoch schlossen sich die meisten Minister der Ansicht Briands an. Es wurde beschlossen, die Demission amtlich erst nach dem Leichenbegängnis des Generals Brun am Montag bekannt zu geben. — Mehrere Mitarbeiter Briands haben die Absicht geäußert, mit ihm zurückzutreten, wie auch das künftige Ministerium zusammengesetzt lei.
Insbesondere der bisherige Minister des Aeußern, Pichon, scheint fest entschlossen zu sein, seinen Abschied zu nehmen.
— In den Wandelgängen der Kammer nennt man al« Kandidaten für den Ministerpräsidentenposten PoincarS, Monis, Vallä oder Leon Bourgeois. Obgleich man nicht annimmt, daß Präsident Fälliges Delcassö mit der Bildung des neuen Ministeriums beauftragen wird, so scheint man doch überzeugt zu sein, daß Delcasse gute Aussicht habe, dem neuen Ministerium anzugehören.
Paris, 25. Februar. Ministerpräsident Briand empfing gestern zahlreiche Parlamentarier, die ihm ihr Bedauern über den gefaßten Entschluß ausdrückten. In voller Würdigung der Anschauungen, die für das Verhalten Briands maßgebend gewesen seien, erkannten sie an, daß die parlamentarische Lage unhaltbar geworden sei. Man habe im Palais Bourbon gegen Briand eine Bewegung eingeleitet, die das Ergebnis habe, die gesetzgeberischen Arbeiten lahm zu legen. Die Gesetzentwürfe über die Sicherheit der sozialen Ordnung, die die Regierung der Kammer unterbreitet habe, seien in den großen Kommissionen festgefahren, deren Leiter das Kabinett systematisch bekämpften; da« Programm der Regierung sei unerfüllbar geworden. Unter diesen Umständen sahen die Parlamentarier davon ab, Briand von seinem Entschlusse abzubringen.
Serbien und Deutschland.
Belgrad, 26. Februar. Da ein Passus, mit dem vor einigen Tagen der Kriegsminister in der Skuptschtina- Sitzung seine Rede über die Lieferung für die Gebirgsbatterien beendete, mißverstanden wurde, gab der Minister in der vorgestrigen Skupschtina-Sitzung folgende Erklärung ab: Ich erwähnte am Schlüsse meiner früheren Rede, der deutsche Gesandte intervenierte für die Vergebung der Lieferungen. Ich beabsichtigte damit nicht, die Haltung in der Handlung des deutschen Gesandten als inkorrekt M bezeichnen, sondern wollte lediglich die Wißbegierde der Opposition befriedigen. Der deutsche Gesandte hätte die Pflicht und das Recht, sich für die Unternehmungen und Lieferungen seiner Staatsangehörigen zu interessieren und der Sache seine volle Aufmerksamkeit zuzuwenden, ebenso wie' die übrigen diplomatischen Vertreter, deren Industrien an den Lieferungen interessiert sind. Die Haltung des deutschen Gesandten war dabei vollkommen korreft, und weder von privatpersönlichen noch irgend anderen Rücksichten geleitet. Ich bedauere, daß der hierauf bezügliche Passus meiner Rede mißverstanden und bezüglich des deutschen Gesandten ungünstig aufgefaßt worden ist und protestiere gegen derartige böswillige Auffassungen und Deutungen meiner Worte. — Die Erklärung des serbischen Kriegsministers soll von der deutschen Vertretung als ungenügend bezeichnet sein.
Kunst und Leben.
Friedrich Spielhagen f. Aus Berlin, 25. Febr., wird gemeldet: Ohne jeden Todeskampf ist Spielhagen heut« früh sanft knischlafen. Gegen 7 Uhr merkte seine Umgebung, daß die Auflösung sich bereits vollziehe. Die Verwandten wurden schnell herbrigeholt und in ihrem Beisein starb der Dichter 9'/« Uhr, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben. Schon im Laufe deS gestrigen Tage« kam er nur hin und wieder für kurze Augenblicke zur Besinnung. Ein leises Ja oder Nein ließ erkennen, daß noch Leben in dem greifen Dichter war. Er hatte seit Anfang November seine Wohnung nicht mehr verlassen. Besuche von Bekannten und Freunden empfing er seit dem Tode seiner Tochter gar nicht mehr. Die Stimmung der letzten Zeit kennzeichnet am besten sein immer häufiger werdender Ausspruch: „Wozu leb ich noch ?* — Im Trauerhause liefen im Laufe deS Tages zahlreiche Brilkidsknudgebungen von hoben Persönlichkeiten ein.
Demonstrationen gegen den Hosenrock. Immer skandalöser wird das Benehmen des Madrider Publikums gegenüber wirklichen oder vermeintlichen Hosenrocklrâgerinnen. Gestern abend fanden Tumulte auf der Puerta del Sol und in mehreren zentralen Straßen statt. Damen wurden auf alle mögliche Weise belästigt, und dir Schaufenster der Läden, in die sie flüchteten eingeschlagen. Die Polizei mußte vielfach mit flacher Klinge rinschrrilen, um die Ruhestörer auseinander zu treiben.
Türkische Studienreise durch Deutschland. Don jungtürkischer Seite in Konstantinopel ist die Anregung gegeben worden, für leitende türkische Persönlichkeiten eine Studienreise nach Deutschland zu veranstalten nach dem Vorgänge von Oesterreich, Italien und Frankreich. Der be» lannie Orientpolitiker, Chefredakteur Dr. E. Jaeckh in Heilbronn, ist, wie daS „B. T." hört, beauftragt worden, eine solche türkische Stndienkommission zu organisieren. Er hat dies getan mit dem Erfolge, daß ein vorbereitendes Komitee in Berlin sich konstituierte, das unter dem Ebrenvorsitze von Feldmarschall von der Goltz bekannte Persönlichkeiten der deutschen Hochfinanz und Iudustri«, des Handels und bei