General-Anzeiger
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Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des «rein. es. Waisenhauses in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Bonn» und Feiertage, mit belletristischer Beilage. Verantwort!. Redakteur: T. Schrecker ta Hauau,
Ml. 172 Fernsprechanschlich Nr. 230.
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SlmtNches.
Eandkrets F)anau«
Vertretung des Kreistierarztes.
Der Königliche Kreistierarzt Wittlinger hier ist für? die Zeit vom 24. d. Mts. bis vorläufig zum 21. August d. Is. beurlaubt.
Mit seiner Vertretung ist, soweit es sich um die Feststellung von Rotz, Milzbrand, Maul- und Klauenseuche, Lungenseuche des Rindviehs und Beschälseuche, sowie die Lei der Bekämpfung dieser Seuchen vorkommenden amtstierärztlichen Obliegenheiten handelt, der Königliche Kreistierarzt Schirmer in Gelnhausen, dagegen bezüglich aller übrigen Dienstgeschäfte, insbesondere Feststellung und Bekämpfung der Schweineseuchen, Untersuchung der Händlerschweine und des von außerhalb in den Regierungsbezirk eingeführten Viehs, der Vieh- und Wochenmarktkontrolle, Vorkörungen und Ergänzungs- fleischbeschau der praktische Tierarzt Hufnagel in Hanau (Telephon 465 Amt Hanau) beauftragt worden.
Hanau den 22. Juli 1911. V 7452
Der Königl. Landrat.
Frhr. Laur.
Stadtkreis Hanau.
Auf Grund der §§ 20 und 26 der Ordnung betr. die Deckung der Kosten der Entwässerungsanlage vom 9. September 1910 wird hiermit bekannt gemacht, daß der Einheitssatz der für das laufende Rechnungsjahr zur Erhebung gelangenden Ableitungsgebühr 6 Pfg. für das Kubikmeter beträgt.
Hanau den 24. Juli 1911. 18099
Der Magistrat. Dr. G e b e s ch u s.
Bekanntmachung.
Die öffentlichen Arbeitsnachweise des jetzt 3 Jahre bestehenden Mitteldeutschen Arbeitsnachweisverbandes, der das Großh. Hessen, die Provinz Hessen-Nassau, das Fürstentum Waldeck und die Kreise Kreuznach und Wetzlar umfaßt, werden in steigendem Maße von den Interessentenkreisen, besonders der Landwirtschaft und des Handwerks, in Anspruch genommen und erfreuen sich dank der Mitwirkung und Unterstützung staatlicher und kommunaler Behörden, sowie öffentlicher Körperschaften, insbesondere der Landwirtschaftskammern, immermehr des Vertrauens der Interessenten. Insonderheit ist es, wie die Tätigkeitsberichte des Verbandes und der einzelnen Arbeitsnachweise be-
Das Haltesignal.
Eine Reiseerinnerung von Käthe Lasker.
(Nachdruck verboten.)
Wir saßen auf der Mole, blinzelten so recht faul und unbehaglich in die Sonne, lauschten dem brausenden Gesang der Wellen und lästerten so ein bißchen — ganz harmlos, natürlich! — über die Verübergehenden!
Plötzlich rief mein Mann: „Herrgott, sieh doch nur mal!" und machte mich mit bedeutungsvollem Kopfnicken auf eine große, schlanke Frauengestalt aufmerksam. Es war unnötig, sie wäre mir auch ohne das aufgefallen. Ein hochrotes Kleid und hochroter Sonnenschirm, dazu das aschblonde Haar und der wahrhaft königliche Gang.
„Donnerwetter!" sagte da ein Herr neben mir im Tone ehrlichster Bewunderung — „das reinste Haltsignal!"
Die Dame ging langsam bis zum Kopfe der Mole, blieb hort wenige Sekunden stehen und kehrte wieder um. Ich ließ sie dicht an mir vorübergehen, und ein Etwas in ihrem verblühten Antlitz interessierte mich. „Die mußt Du kennen lernen", sagte ich mir.
... ®$on am nächsten Vormittag ging mein Wunsch in Er- fullung. Pitt, mein schwarzes Teckelhündchen, vermittelte me Bekanntschaft. Er lag zu meinen Füßen am Strande und sonnte sich, als das Haltesignal, rot und leuchtend, wie M das gebührte, des Weges kam. Und Pitt glaubte natür- ny, daß die roten Quasten nur zu seinem Vergnügen an ^m roten Sonnenschirm hingen und sprang freudig an der ame empor, und da war es ja weiter nicht verwunderlich, . .V l ""ch als die glückliche Besitzerin des kleinen „Frech- dachsts" zu erkennen gab.
l"!" c,5’ baß das Haltesignal wenige Minuten später im^L rL^ Strandkorb saß — und sprach mit einer L J 11 schüchternen Stimme und hatte so traurige Augen
Mittwoch den 26. Juli
weisen, gelungen, den Arbeitsnachweis auf dem Lande zu organisieren und den besonderen Bedürfnissen des Landes schon jetzt in erheblichem Umfange gerecht zu werden. Während im Jahre 1908/1909 von den Arbeitsnachweisen in Kleinstädten im Verbandsgebiet 2440 Stellen besetzt wurden, wuchs die Zahl im Jahre 1909/10 bereits auf 10 572, das ist ein Zehntel aller besetzten Stellen im ganzen Verbandsgebiet. Diese Tatsache ist darauf zurückzuführen, daß die landwirtschaftliche Vermittlung immer mehr von den Erotzstädten auf die Kleinstädte übergeht.
Um den verschiedenartigsten Bedürfnissen in den verschiedenen Teilen des Verbandsgebietes besser gerecht werden zu können, wurden fast in allen Kreisen Arbeitsnachweise ins Leben gerufen. Diese haben sich durchweg sehr gut bewährt, wo der Arbeitsnachweis an verkehrsreiche Orte gelegt wurde und wo der ländliche Arbeitsnachweis die Unterstützung und die Benützung der interessierten Kreise gefunden hat. Nach den vorliegenden Erfahrungen konnten eine Reihe von Arbeitskräften der heimischen Produktion erhalten werden, während sonst der stellenlose Arbeiter bei dem Fehlen einer Organisation des Nachrichtenverkehrs über die offenen Stellen im Kreise, gezwungen worden wäre, den städtischen Arbeitsnachweis, in erster Linie den großstädtischen Arbeitsnachweis, aufzusuchen.
Bei der großen Bedeutung einer geordneten Arbeitsvermittlung für die Stetigkeit der gesamten Produktionsverhältnisse, ist es notwendig, daß alle Interessenten am Arbeitsmarkt sich eines zuverlässigen und unparteiischen Organes bedienen und das ist der öffentliche Arbeitsnachweis.
Indem wir Vorstehendes zur Kenntnis bringen, ersuchen wir die Herren Arbeitgeber, sich bei Bedarf von Arbeitskräften jeder Art der hiesigen städtischen Arbeitsvermitte- lungsftelle — Langstratze 41 — bedienen zu wollen.
Besonders weisen wir noch darauf hin, daß die gedachte Stelle auch weibliches Personal, als Dienstmädchen, Putz- und Monatsfrauen, Fabrikarbeiterinnen, Taglöhnerinnen, Kochfrauen rc., für Haus-, Land- und Eastwirtschaftsbetrieb vermittelt und diesbezügliche Aufträge jederzeit gern entgegennimmt.
Die Vermittlung erfolgt kostenftei.
Hanau den 14. Oktober 1910. 1657
Der Magistrat.
Hild.
Gefundene und verlorene Gegenstände
Gefunden: 1 silberne Uhr mit Kette, 1 kleines Portemonnaie mit 1.85 Mark.
Verloren: 1 silbernes Kettenarmband mit Anhänger (Kopf).
Hanau den 26. Juli 1911.
in dem welken Gesicht, und das grelle Kleid und der grelle Schirm wollten so gar nicht dazu passen.
Und wenn man nun einmal eine richtige Evas-Tochter ist und Schriftstellerin von Beruf dazu, so läßt man eben nicht eher nach, bis man die „Geschichte" erfährt, die hinter dieser Dissonanz verborgen ist!
Und hier ist diese Geschichte — ich gebe sie genau so wieder, wie das Haltesignal sie mir erzählte — nur etwas vermag ich nicht wiederzugeben, das ist der rührende Kontrast zwischen der billigen, roten Eleganz und dem verblühten Mädchenantlitz mit den Spuren ehemaliger Schönheit.
„Meine Mutter war ein ganz, ganz armes Mädchen, aber sie war sehr schön und mein Vater, ein adliger Kavallerieoffizier, verliebte sich sterblich in sie. Nach jahrelangem Kämpfen nahm er seinen Abschied und heiratete sie gegen den Willen seiner Familie. Als ich geboren wurde, beneidete mein Vater irgend einen untergeordneten Posten in einem kaufmännischen Unternehmen, aber als ich zehn Jahre alt war, hatte er sich durch nimmermüden Fleiß zu einer angesehenen Stellung emporgearbeitet, und seine Chefs schickten ihn für ein Jahr nach Kanton. Es war eine Auszeichnung und ein großer pekuniärer Vorteil für ihn, und Mutter und ich mußten uns fügen.
Mein Vater kehrte nicht zurück, ein tückisches Fieber raffte ihp in wenigen Tagen hinweg. Mutter und ich zogen nach Berlin in eine billige Wohnung, und dort wurde ich erzogen. Ich besuchte die höhere Töchterschule, ich hatte Freundinnen, Lese- und Tanzkrünzchen, wie die anderen Mädchen, und doch war ich anders. Das kam, weil ich die Vertraute meiner Mutter war. Den ganzen häßlichen Streit, den Mutter nach Vaters Tode mit seinen vornehmen Verwandten führte, durchlebte ich in allen Stadien mit. Jahrelang verging kein Tag ohne Aufregung und Tränen. Kam ich aus der Schule nach Hause, so fuhren wir zu dem und jenem Anwalt, nachts träumte ich von Schriftsätzen.
Fernsprechanschlits; Nr. 230 1911
Proviantamt Hanan
kauft fortgesetzt Heu und Roggenstroh (Flegel- und
Langpreß-Stroh). 17861
Politische Rundschau.
Des Kaisers Rückkehr. Der Kaiser wird programmätzig am 28. Juli in Swinemünde eintreffen und dort mehrere Tage verweilen. Während des Aufenthaltes wird der Monarch, wie in ftüheren Jahren, eine Reihe von Vorträgen entgegennehmen, darunter wahrscheinlich auch den des Reichskanzlers. Von Swinemünde wird sich der Kaiser zum Truppen-Uebungsplatz Alten-Erambow begeben, um dort Besichtigungen vorzunehmen.
Der Kreuzer „Bremen" vor Haiti. Die Unruhen in Mexiko und die Revolution auf Haiti gaben kürzlich Anlaß zu der Klage, daß die Flottenvertretung Deutschlands in den mittelamerikanischen Gewässern ungenügend sei. In der Tat ist dort zurzeit kein einziges deutsches Kriegsschiff für den Fall der Bedrohung deutscher Interessen zur Verfügung. Die Reichsregierung wird diesem Mangel jetzt abhelfen, wie folgende Meldung aus Berlin zeigt: Der zurzeit in Montreal in Canada, befindliche Kreuzer „Bremen" erhielt Befehl, zur Wahrung der deutschen Interessen in Haiti nach Port-au-Prince in See zu gehen. Die Reichsregierung hat damit dem Gesuch des deutschen Gesandten in Haiti um Entsendung eines Kriegsschiffes nach Port-au-Prince Folge gegeben. Der Präsident Simon der Negerrepublik Haiti, der von Rechts wegen noch bis zum Jahre 1915 hätte regieren sollen, ist von den Rebellen nach Port-au-Prince zurückgedrängt worden und soll von ihnen eingeschlossen werden. Die Revolutionäre sind auf dem Anmarsch und für die nächste Zeit erwartet man Kämpfe um die Hauptstadt. Bei dieser Gelegenheit wird das Eigentum und Leben fremder Staatsangehöriger um so mehr zu schützen sein, als auf die schwarzen Bürger von Haiti wenig Verlaß ist, einerlei, ob. sie der Regierungspartei oder den Rebellen angehören.
Einmischung Englands? Die Rede, die der englische Schatzkanzler Lloyd George am letzten Freitag bei einem Bankett in London gehalten hat, spricht nicht von Marokko, nicht von den Beziehungen zu Frankreich oder zu Deutschland, sondern hebt nur mit Nachdruck hervor, daß England unter allen Umständen seinen Platz und sein Ansehen unter den Großmächten aufrechterhalten müsse. Gleichwohl ist die Rede von der Londoner Presse fast allgemein als eine Warnung an Deutschland wegen seiner an Frankreich gestellten Forderung aufgefaßt worden. Nach dem „Daily News" soll die Absicht Lloyd Georges gewesen sein, zu verhindern, daß die konservative Opposition den Vorwurf gegen
vollstreckbaren Titeln und einstweiligen Verfügungen. Einmal im Sommer — ich war damals vielleicht fünfzehn Jahre alt — gingen wir im Tiergarten an einer elegant gekleideten Dame vorüber. Die Dame streifte Mutter und mich mit einem ironisch lächelnden Blick, raffte ihre Schleppe zusammen und rauschte weiter. Hernach erfuhr ich. daß es die Frau von Vaters jüngstem Bruder gewesen war. Diese Begegnung wirkte furchtbar auf meine arme Mutter Stundenlanges Weinen wechselte mit dumpfem Vorsichhin- brüten ab.
Nach einigen Tagen hatte sie sich in eine so sinnlose Wut hineingearbeitet, daß sie sich Hinreißen ließ und einen beleidigenden Brief an Vaters Bruder schrieb. Nun kam irgendein entfernter Vetter von Vater ins Haus, ein zugeknöpfter, korrekter Herr. Er verhandelte mit Mutter, bei verschlossenen Türen und so viel ich damals davon verstand, erriet ich, daß er irgendeine Erklärung und Bitte um Entschuldigung von Mutter verlangte. Am Abend ging er mit undurchdringlichem Gesicht fort und nahm ein Schreiben von Mutter mit sich.
Von diesr Stunde an gelobte Mutter Rache. „Du sollst und wirst mich rächen, mein Liebling", sagte sie immer und immer wieder. „Du bist so schön, viel schöner noch, als ich einst war. Du wirst einen Grafen heiraten und die ganze hochmütige Sippe mit Verachtung strafen."
Nach und nach wurde diese Vorstellung bei der Aermsten zu einer fixen Idee.
Sie lebte nur noch in diesem einen Gedanken. Ueberall wo die vornehme Welt sich versammelte, mußte ich mich zeigen: jede, noch so dreiste Huldigung, die mir galt, bei reitete meiner Mutter unbeschreibliches Entzücken.
Am liebsten sah sie mich in helles Rot gekleidet, weil es Vaters Lieblingsfarbe gewesen war. In hochrotem dekolletiertem Kleide besuchte ich die öffentlichen Bälle und die Herrenwelt umringte mich —aber an Heiraten dachte keiner der glänzenden Kavaliere. Und doch kannte auch ich damals