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Erstes Matt.

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Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei der «rein. eo. Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger

Awll'cher Organ fit Stahl- and Landkreis Hasan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Verantwort!. Redakteur: & Schrecker te Sanaa,

Mf. 47 ^erttsprechanschlnst Nr. 230.

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14 Seiten.

Amtliches.

Königl. Gymnasium.

Anmeldungen zum Eintritt in die Sexta nehme ich Mittwoch den 22. und Donnerstag den 23. d. M jedesmal zwischen 11 und 1214 Uhr, in meinem Amtszimmer im Gym­nasium entgegen. Ich bitte um Vorlage der Geburtsurkunde und des Impfscheines.

Die Aufnahmeprüfung findet Donnerstag den 20. April, vormittags von 8 Uhr an, im Gymnasium statt.

Der Kgl. Eymnasialdirektor.

Dr. Braun. 4399

Gefundene und verlorene Genenstände rc.

Gefunden: 1 Arbeiter-Wochenfahrkarte Nieder­rodenbachHanau-West.

Hanau den 24. Februar 1911.

Politische Rundschau.

Die Ankunft des Kaisers in Wilhelmshaven erfolgt am Samstag den 4. März, an welchem Tage auch die Vereidi­gung der Marinerekruten erfolgt. Der Kaiser wird bis zum 7. März in Wilhelmshaven bleiben.

Parlamentarisches. Der Zentralvorstand der national­liberalen Partei wird am 19. März zu seiner üblichen Früh­jahrssitzung in Berlin zusammentreten. Der Reichstags- abgeordnete Prof. Dr. Paasche vollendet am 24. Februar sein 60. Lebensjahr. Die Christlich-Sozialen haben für den Wahlkreis Mülheim-Duisburg, der jetzt durch den So­zialdemokraten Hengstbach vertreten wird, den Pfarrer Keudel aufgestellt. In Saarbrücken hat die entscheidende nationalliberale Vertreterversammlung einstimmig die Auf­stellung Basiermanns beschlosien.

In Pariser Kreisen herrscht die Ansicht vor, daß der Nachfolger des verstorbenen Kriegsministers General Brun, gleichfalls ein aktiver General sein werde. Unter anderen wird General Manoury, welcher seit kurzer Zeit den Posten eines Generalgouverneurs von Paris einnimmt, genannt.

Die Tagung des Hansabundes.

Berlin, 23. Febr. Die heutige Sitzung deS HanfabundS- Direktoriums war aus allen Teilen des Reichs zahlreich besucht. Der Vorsitzende im Präsidium deS Bundes Geh. Justizrat Prof. Dr. Rießer, referierte über die bisherige

Der Ring.

Eine Erinnerung an den Einzug der deutschen Truppen irt Paris, 1. März 1871.

, Von Otto Elster.

(Nachdruck verboten.)

Auf dem Blachfelde von Longchamps sammelten sich die Truppen zur großen Parade vor dem greisen Führer der deutschen Heere, dem neuen Deutschen Kaiser, dem alle deut­schen Herzen jubelnd zuflogen. Eine gehobene Stimmung machte sich trotz des kalten nebligen Vorfrühlingswetters in den Truppen bemerkbar, sollten doch hier auf dem Blach­feld, auf dem der französische Imperator noch vor kurzer Zeit seine glänzenden Legionen der staunenden Welt vor- geführt, zum ersten Male die kriegsgewohnten, wetterfesten Regimenter des deutschen Heeres vor dem greisen Kaiser paradieren, und sollte nachher der Taktschritt der deutschen Bataillone auf dem Pflaster der französischen Hauptstadt, I demHerzen der Welt", widerhallen. Es war ein großer historischer Moment, wo statt des brausendenVive l'empe- reur" das ehrliche deutscheGuten Morgen, Majestät!" über den Platz von Truppe zu Truppe, von Bataillon zu Vatail- ; Ion, von Regiment zu Regiment schallte wo die französische Hauptstadt nach monatelanger Belagerung gebändigt zu den Füßen des Siegers lag und auf dem gewaltigen Mont Va­lerien, von dessen Wällen so oft der tödliche Blitz aus den Riesengeschützen hinabgezuckt hatte auf den Ring der tapfe­ren Belagerer, nunmehr die Trikolore des neugeeinigten, in harten Kämpfen zusammengeschweißten Deutschen Reiches siegreich flatterte.

Ein jedes deutsche Herz pochte lebhafter! Jede deutsche Brust hob sich im stolzeren Atemzuge.

Die Parade über die drei ersten Armeekorps, die zum Einzuge in Paris bestimmt waren, war vorüber. Mit glänzendem Gefolge, in dem die deutschen Fürsten oder ihre

Freitag den 24. Februar

Tätigkeit und die Entwicklung des Hansabundes. Es folgte der Geschäftsbericht. Zu diesem berichtete Oberbürgermeister Knoblauch u. a. über die innere Einrichtung der Bundes- zenirale und einige den Bund betreffende wirtschaftliche Fragen. Im Anschluß daran referierte Assessor Dr. Klee­feld u. a. über die Organisation und die laufenden volks­wirtschaftlichen Arbeiten des Bundes, wobei festgestellt wurde, daß der Hansabund im Berichtsjahr 1910 rund 47 000 neue Mitglieder gewonnen hat, daß die Ausländsabteilung des Bundes sich in stetiger Entwicklung befinde und dem Bunde gegenwärtig 687 wirtschaftliche Verbände angeschlossen seien. Hernach wurden Satzungsangelegenheiten und ver­schiedene andere den Blind betreffenden Fragen behandelt.

Berlin, 23. Febr. Im Anschluß an die heutige Sitzung des Direktorium? deS Hansabundes fand heute abend im Bankettsaal desRheingold" ein zwangloser Bierabend für die Mitglieder deS Direktoriums und des für morgen rin- berufenen GesamtauSschuffes statt. Im Laufe deS sehr stark besuchten und überaus stimmungsvollen Abends ergriff der Präsident Geheimrat Dr. Rießer daS Wort, um in zündender Ansprache mit Stolz und Freude die auS allen Teilen deS Reiches von Norden und Süden, von Westen und Osten zusammengeströmte Versammlung zu begrüßen als ein glänzendes Zeichen der Lebensfähigkeit des großen Gedankens, der sich im Hansabunde verkörpert.

Englisches Unterhaus.

London, 23. Febr. Auf die Frage deS Liberalen Mason, ob Aussicht vorhanden wäre, daß die zu verschiedenen Zeitpunkten während der letzten Jahre sowohl mit Deutsch­land. als mit der Türkei stattgesundenen Unterredungen über die Bagdadbahnsrage zu einem baldigen Ergebnis führen würden, antwortete Grey, daß der Regierung gegenwärtig feine bestimmten Vorschläge vorlägen. Da in dieser Frag« die Anregung einer oder beiden der genannten Mächte über­lasten bleiben müsse, so sei er nicht in der Lage, eine Ansicht zu äußern. Ant eine weitere Anfrage deS Mitgliedes des Unterhauses Pirie betreffend die von Amerika angeregte Ein­setzung einer Friedenskommission erwidert« Sir Edward Grey, der amerikanische Botschafter habe ihn im Dezember vorigen Jahres von den Beschlüssen des von Amerika einberufenen Kongresses zur Förderung deS Gedankens eines internationalen FriedenSgerichtshoseS in Kenntnis gesetzt und ihn gefragt, ob auf eine Mitwirkung der englischen Regierung gerechnet werden könne. Er habe geantwortet, daß die englische Re­gierung diesen Bestrebungen das größte Interesse entgegen­gebracht habe und mit größter Bereitwilligkeit mit der ameri­kanischen Regierung in einen Meinungsaustausch über diese Frage eintreten werde. Einem von der amerikanischen Re­gierung vorgelegten wohldurchdachten Entwurf würde die Re­gierung ihr« Unterstützung angedeihen lassen.

Vertreter nicht fehlten, hatte der Kaiser die Front der jubelnden Truppen abgeritten, dann war das Gefolge wie eine schimmernde Wolke in der Ferne verschwunden, und die Truppen rüsteten sich zum Einzuge in das bezwungene Paris.

Durch die Porte Dauphine, die Avenue de l'imperatrice (jetzt Avenue du bois de Boulogne), über die Place de l'Etoile geradewegs auf die Champs-Elysees und die Place de la Concorde ging der Weg der deutschen Truppen dieselbe Straße, die der entthronte Imperator mit seiner eleganten Gemahlin zur Seite gefahren war, umjubelt von einer tausendköpfigen Menge, umgeben von den blinkenden Kürassen seiner Leibgarde!

Das Bois de Boulogne durchstreiften zahlreiche deutsche Kavalleriepatrouillen, um das Gehölz von feindseligem Ge­sindel zu säubern, das die Sicherheit des Einzuges gefährden konnte.

Eine dieser Patrouillen führte Oberleutnant Albert von Mensingen. Gedankenvoll und doch aufmerksam umhcr- spähend, ritt er an der Spitze seiner Dragoner durch das verwüstete und teilweise ganz niedergeschlagene Gehölz da­hin, das er in seinen glanzvollen Tagen gekannt, als er vor dem Kriege als junger, der preußischen Gesandtschaft atta- chierter Offizier in Paris fröhliche, glänzende Tage verlebt. Wie ganz anders sah das Bois heute aus! Kahle Baum­stümpfe ragten melancholisch aus dem Gestrüpp hervor. das überall emporwucherte. Die eleganten Villen und Restau­rants lagen geschlossen, verwüstet, teils in Trümmern da, und öde und verlassen war derSee", auf dessen blauen Wellen sich früher zierliche Gondeln getummelt und die Schwäne ihre ruhigen, anmutigen Kreise gezogen hatten.

Alles verwüstet, alles tot und öde! Kein Mensch war zu sehen in den breiten leeren Alleen, die sonst von einer fröh­lichen, glänzenden Gesellschaft erfüllt gewesen waren!

Oberleutnant v. Mensingen hatte den Befehl, als Spitze der einmarschierenden Truppe zuerst in die Hauptstadt ein»

Ferusprechanschlits; Nr. 230 1911

Hus Hanau Stadt und Cand.

Sana«, 24. Februar.

Dkffcntliche Atzung her gMtorlinto^ vom 23. Februar 1911.

Anwesend die Herren: Vorsteher Justizrat Uth, Bern- ges, Beyer, Birkner, Craß, Daßbach, Deines, Döring, Fischer, Förster, Dr. Hoffmann, Hansen, Kämmerer, Kehl, Kempf, Äoburger, Loßberger, Lückhardt, Müller, Ohl, Sommer, Schreiber, Schroeter, Stübing, Schwabe, Spatz, Stephan, Voltz, Dr. Wagner, Wolff.

Vom Magistrat: Oberbürgermeister Dr. Esbeschus und Bürgermeistn Hild.

Erhebung von Baupolizei. und Bau ton- trollgebühren.

Der Beschluß des Magistrats lautet: Die gemäß der Ordnung betr. die Erhebung'von Baupolizei- und Daulsn- trollgebühren für die Stadt Hanau zu zahlenden Gebühren sollen allgemein nur zur Hälfte zur Erhebung gelangen, wenn der Bau nicht zur Ausführung gelangt. In der Be­gründung wird ausgeführt: Es kommt hier und da vor, daß Gebäude oder Gebäudeteile, Neu- wie Umbauten, nicht zur Ausführung gelangen, entweder überhaupt nicht, oder weil vollständig neue Projekte aufgestellt werden. In'dielen» Falle werden die Baupolizei- und Baukontrollgebühren trotzdem ganz erhoben, weil die Ordnung keine Bestimmung enthält, welche Prozentsätze auf die baupolizeiliche Prüfung des Vaugesuches, auf die Kontrolle durch die Baupolizei während des Baues, auf die Rohbau- und Schlußabnahm« und auf die Sautontrolle entfallen. Besonders in den Fällen, daß ein Bau nach dem ursprünglichen Projekt aufgr- stellt wird, die Baugebühren also zweimal zu bezahlen sind, erscheinen die Vorschriften der Gebührenordnung hatt, wes­wegen vorgeschlagen wird, ganz allgemein nur die Hälfte der Gebühren zu erheben, wenn ein Bau nicht zur Aus­führung gelangt. Es würde also, wenn ein anderes Projekt an die Stelle eines zurückgezogenen treten würde, die Hälfte der für das erste Projekt gezahlten Baupolizei- und Kon­trollgebühren auf die für das zweite voll zu berechnenden Gebühren in Anrechnung gebracht werden. Wird ein Bau­projekt vollständig aufgegeben, so müßte die Hälfte der be­reits gezahlten Gebühren an den Bauherrn zurückbezahlt werden, sobald er entweder auf die Errichtung des Ge­bäudes ausdrücklich verzichtet oder der Daubescheid durch Ablauf der Zeit seine Gültigkeit verloren hat. Die Stadt- verordneten-Versammlung trat dem Beschluß des Magi- strats bei.

zureiten. Durch die Porte Dauphine, deren Verteidigungs- Maßregeln notdürftig fortgeräumt waren, an den Wacht­posten der französischen Nationalgarde vorüber, ritt der junge Offizier in die breite Avenue des Dois de Boulogne ein, gefolgt von den sich neugierig umschauenden Dragonern.

Albert von Mensingen glaubte sich in einem bösen Traum zu befinden. Die ganze ungeheure Straße, deren prächtige Allee der Axt zum Opfer gefallen war, still und leer, die Häuser, die Paläste geschlossen, die Jalousien herabge- lassen, außer einer armseligen Chiffonniere (Lumpensamm­lerin), die mit ihrem Haken in den auf der Straße liegen­den Kehrichthaufen herumstocherte, keine Menschenseele zu sehen aber aus der Ferne dröhnte dumpf der Lärm des Verkehrs der großen Stadt, wie das drohende Murre» eines aus dem Schlummer geweckten Ungeheuers. Und am Ende der Straße war eine große Barrikade errichtet, hinter der das Pariser Publikum sich sammelte, um die einziehen­den Prussiens zu verhöhnen.

Als aber die Dragoner mit schußfertigem Karabiner näher kamen, und aus der Ferne die kriegerische Musik der einziehenden Bataillone erscholl, als die Sonne auf den Pickelhauben und den Bajonetten blitzte, als die Fähnchen der Ulanen im Winde flatterten, da verstummte der Lärm, die Barrikade wurde geöffnet, und das Gesindel zerstreute sich rasch. Auf den Champs-Elysees wiederholte sich der Lärm; dort bildeten die Pariser ein dicht gedrängtes Spa­lier. Als aber die Räder einiger Batterien das Pflaster der breiten Avenue erschütterten, daß die Fenster der Pa­läste leis erzitterten, da schwieg auch hier das Getöse, und in angstvoller Spannung stierten die Pariser auf die deut­schen Truppen, die es sich auf den Champs-Elisses und der Place de la Concorde bequem machten.

Albert von Mensingen war dienstftei. Er ging di« Avenue hinunter und durchstreifte die anliegenden Straften mit ihren eleganten, palastartigen Villen und Hotels. Alt« Erinnerungen erwachten, wie er vor noch nicht allzulang«»