Erstes Blatt.
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Geilercl-Anzriger
AMD« Grgm fit Stabt- and Fandkreis Kanaa.
Erscheint tägNch mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
EktrrLckungsgebllhrt
Vie bgespavene Petitzeile oder deren Nau« 20 M im NeklamenteU bte Zeile 45 Pfg.
Verantwortl. Redakteur: ®. Schrecker tu Hana»
Nl'. 169 ^ernsprechattschlits; Nr. 230.
Die KMeNMmer msüßi ansjer -.WechslissBltv
14 Seiten.
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Amtliches.
Stadtkreis Fjan au.
Oeffentliche Sitzung der Stadt- Verordneten-Bersummlung am Donnerstag den 27. Juli 1911, nachmittags 5 Uhr.
1. Abänderung des Fluchtlinienplans für einen Teil der Altstadt.
2. Straßenneu- bezw. Umpflasterungen.
3. Errichtung eines Hallenmeisterhauses.
4. Bericht über die Baukontrolle im Jahre 1910.
5. Vertrag zwischen der Stadt Hanau und dem Reichsmilitärfiskus betreffend Ausbau des Holzabfuhrweges.
6. Vertrag zwischen der Stadt Hanau und dem Reichsmilitärfiskus betreffend Verlegung eines zweiten Eisenbahnregiments nach Hanau.
7. Geländeaustausch in der Rühlstratze.
8. Straßenbaukosten für das Grundstück des neuen Ee- richtsgebäudes.
9. Erhebung von Baupolizeigebühren für die Kaserne des .Eisenbahnregiments und für städtische Gebäude.
10. Jnyentarbeschaffung für die Steuerverwaltung.
11. Nachbewilligung von Kosten für die Ausbaggerung des Mainkanals.
12. Ueberwachung und Instandhaltung der Pedro Jung- schen Villa.
13. Einstellung von weiteren zwei Friedhofsarbeitern.
14. Einbau des Stratzensiels vor dem Kolbe'schen Neubau in der Aepfelallee.
15. Wahl von Vertrauensmännern für den Ausschuß zur Wahl der Geschworenen und Schöffen.
16. Nachbewilligung von Etatsüberschreitungen der Waffer- werkskasse für das Rechnungsjahr 1910.
17. Nachbewilligung von Etatsüberschreitungen der Elektri- zitätswerkskasse für das Rechnungsjahr 1910.
18. Niederschlagung unbeitreiblicher Rückstände an Easgeld, Koks, Miete und Installationen.
19. Niederschlagung unbeitreiblicher Rückstände an Elektrizitätsgeld, Miete und Installation.
20. Nachbewilligung von Etatsüberschreitungen der Eas- werkskasse im Rechnungsjahre 1910.
21. Bericht über Verwendung der aufgenommenen Anleihen und über den Geldbedarf der nächsten Zeit.
Fjan^us Crwacken.
(Nachdruck verboten.)
Lieblich sind die Juninächte, Wenn des Abendrots Verglimmen Und des Morgens frühe Lichter, Dämmernd ineinander schwimmen. —
So Weber in seinem „Dreizehnlinden". Ziemlich gleich ist die Julinacht. —
2 Uhr nachts. Nachtdunkel zwar — aber ein anderes wie im Herbst und Winter. Sichtig, zwielichtartig. Scheint doch der Mond klar vom südlichen Himmel. Nachtlaternen überflüssig. Feierliche Stille. Kein Lüftchen regt sich. Wie die Steinsäulen stehen diealtenLindenanderStraße. Die leichte Wolkendecke am Himmel wie aus Straußenfedern. —
Da — ein Wagen, um diese Zeit? In der Tat und sogar drei. Alle hoch mit Heu beladen. Anscheinend aus dem Kinzigtal kommend, fahren sie Frankfurt zu. Ganz vernünftig für diese Fahrt die kühle Nacht zu wählen. Knarrend ziehen sie vorüber, einen offenbar kleinen, nervösen Köter weckend, der die Fahrt mit lautem Bellen begleitet und dem nach und nach ein weit entfernt befindlicher Geselle mürrisch und Diderwillig mit trägem Geblaffe sekundiert. Das Wagen- geräusch verhallt, die Hunde schweigen. Die Stille der Nacht gewinnt wieder die Oberhand.
2% Uhr. Heller färbt sich der Horizont im Osten, aber der Mond hat noch die Herrschaft. Ich kann bei seinem Lichte schreiben. Ein Hahn krähtz bald schläft anscheinend aber auch er, wie die ganze Umgebung.
3 Uhr. Deutlich erreichen mich die Schläge der Kirchenuhr. Mit einiger Verspätung meldet in der Nachbarschaft eine Kuckucksuhr die gleiche Zeit. — Da — ein Radfahrer.
Gespenstisch kommt er angehuscht. An jeder Laterne bält er — sie zu löschen. Der Mond verblaßt, sich mO »"-»«
Samstag den 22. Juli
22. Deckung der Kosten der Entwässerungsanlage (Nachtragsordnung).
23. Überschreitungen der Begräbniskasse im Jahre 1910.
24. Ueberschreitungen der Schlachthoflasse im Jahre 1910.
25. Einstellung eines Bureaugehilfen für die Gas- usw. Werke.
26. Boehm'sches Vermächtnis für die Kgl. Zeichenakademie.
27. Einführung des Herrn Stadtrats Kehl.
Hieran anschließend geheime Sitzung.
Hanau den 21. Juli 1911. 17943
Der Stadtverordneten-Vorsteher.
J. D.: Schroeter.
Bekanntmachung.
Die Lieferung von 700 Mtr. wilden Randsteinen und 283 Kbm. Mosaiksteinen soll unter Zugrundelegung der Bedingungen für die Ausführung von Arbeiten und die Lieferung von Materialien für die Stadt Hanau öffentlich.verdungen werden.
Die Verdingungsunterlagen liegen im Rathaus, Zimmer 22, zur Einsicht aus und können von dort gegen Einsendung von 2 Mk. bezogen werden.
Verschlossene mit entsprechender Aufschrift versehene Angebote sind bis zum Eröffnungstermin am Mittwoch den 9. August 1911, vormittags 11% Uhr, einzureichen.
Die Eröffnung der Angebote erfolgt im Beisein etwa erschienener Anbieter.
Zuschlagsftist vier Wochen.
Hanau den 19. Juli 1911. 17939
Der Magistrat.
Dr. E e b e s ch u s.
Bekanntmachung.
Die Badeanstalt in der Bangertstraße 2 ist vom
2. Juli d. J. ab an Sonntag Bormittagen in der Zeit von 8—12 Uhr für Herren geöffnet. 16081
Der Oberbürgermeister.
Dr. EebeschuS.
Bekanntmachung.
In der Badeanstalt am Steinheimertor können täglich — auch für Damen — medizinische Bäder (Heilbäder) verabfolgt werden. Römisch-irische Bäder werden an Damen nur Mittwochs, für Herren an den übrigen Wochentagen, abgegeben.
Hanau den 20. Juni 1911. 15803
Der Magistrat.
Dr. Eebeschus.
rosigen Hofe umgebend. Der Himmel im Osten wird hellgelb — rosig und allmählig rot. — 3% Uhr. — Zwei Hunde tauchen plötzlich auf und einen festen Mannestritt vernehme ich. Polizeihunde sinds, die lautlos unb schnell wie große Fledermäuse über die Straße huschen, alle Ecken und Winkel durchsuchend. Ein ausgezeichneter Helfer ist der Hund doch dem Nachtschutzmann. Man siehts. Verhaltenen Tones ruft dieser seine weitabschweifenden Begleiter zu sich und geht weiter. Taktmäßig ist das Schlagen des Säbelringes noch lange vernehmbar.
3% Uhr. Von dèr Eisenbahn her Pfeifen und Wagengeräusch. Verstärktes Geschrei der Hähne. — Ein leiser Luftzug führt mir vom nahen Felde einen Heugeruch zu, der aber fade, wie nach Dürre, Staub und Jauche schmeckt.
3% Uhr. Die Vogelwelt erwacht. Erst verschlafen und schüchtern klingts. Dann wird das Konzert immer stärker, das sie zu Ehren der nahenden Königin anstimmen, aber es sind die alten Sänger nicht, man hörts. Mit der Liebesleidenschaft, dem Feuer des Mai, die ihre Stimmen zu schmetternden Fanfaren anschwellen ließen, ist es vorbei. — Ein Geschäftswagen fährt Frankfurt zu. Es ist hell. Ein Radfahrer von auswärts naht. Die Oefen in den Fabriken werden angezündet. Langsam ziehen die Rauchschwaden aus den hohen Schloten westwärts über die Stadt. Der Hahnenkamm wird deutlich am Horizont sichtbar. Und da — doch jetzt tritt alles andere in den Hintergrund. —
Die Sonn erwacht, Mit ihrer Pracht, Erfüllt sie die Berge, Das Tal.
4 Uhr. Gemütlich, an einer Zigarre sich erlabend, fährt ein Radfahrer zur Stadt hinaus. Und da von den Frühaufstehern der zuerst Aufgestandene — der erste Bäckerbursche. Es schmeckt ihm selbst schon. Aus der Hosentasche zieht er eine Semmel, an der er herumreißt, als hätte er drei Fastentaae hinter sich.
Fernsprechanschlits; Nr. 230 1911
Bekanntmachung.
Am Montag den 24. d. M., vormittags 10 Uhr, findet im unteren Saal des Neustädter Rathauses, Zimmer 1, öffentliche Sitzung des Gewerbegerichts statt.
Hanau den 21. Juli 1911. 17937
Der Vorsitzende des Gewerbegerichts.
Dr. Eebeschus.
Bekanntmachung.
Arbeitsuchende in der Zeit vom 14. bis 21. Juli 1911:
1 Ausläufer, 1 Hausbursche, 1 Haushälterin,
1 Strickerin, 7 Taglöhner.
Hanau den 22. Juli 1911. 17941
Städtische Arbeitsvermittelungsstelle.
Dienstnachrichten ans dem Kreise.
Infolge Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche in Hitzkirchen, Kreis Büdingen, sind die Orte Illnhausen, Vös- gesäß, Burgbracht, Wenings, Bindsachsen, Kefenrod und Hof-Allenrod, Kreis Büdingen, und die Gemeinden Helfersdorf und Hettersroth, Kreis Gelnhausen, unter Beobachtung gestellt worden.
Zwangsversteigerung.
Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die in der Gemarkung Kesielstadt belegenen, im Erundbuche von Kesielstadt Band XI Blatt Nr. 559 im Grundstücks- Verzeichnisse unter Nr. 1 und 2 zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen des East, wirts Matthieas Derichs in Hanau-Kesselstadt ringe, tragenen Grundstücke:
Krtbl. 10 Nr. 111 = 2 ar 56 qm Landstraße 4,
a) Wohnhaus mit Hofraum,
b) Seitenbau (A) zwischen Haus Nr. 1 und 2,
— Erundsteuermutterrolle Art. 81 —
— Gebäudesteuerrolle Art. 175 —
— Nutzungswert 360 Mark —
Krtbl. 10 Nr. 164/110 = 2 ar 63 gw Bienengasse Nr. 7, a) Wohnhaus mit Hofraum,
b) Scheuer mit Stallung,
c) Holzhalle,
— Gebäudesteuerrolle Art. 36 —
— Nutzungswert 420 Mark —
am 29. September 1911, vormittags 9 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht — an der Gerichtsstelle — versteigert werden.
Hanau den 18. Juli 1911. 17891
Königliches Amtsgericht, Abt. 2.
4% Uhr. Ein Landmann spaziert der Stadt zu, gefolgt von einem Radfahrer. Ein solcher kommt ihnen entgegen. Ein Beamter der Wach- und Schließgesellschaft ists, der dir Pfeife schmauchend, per Rad seine Runde macht. — In das Pogelkonzert stimmen endlich auch die faulen Spatzen ein.
4% Uhr. „Habt ihr noch nicht lange genug g e s ch l a f e n?" so tönt von der Jnfanteriekaserne der militärische Weckruf an mein Ohr. — Dadurch werden auch die Schwalben wach, die bisher schliefen. — Siehe da, auch eine Hummel. Sie sucht brummend umher. Scheint ein Nacht, schwärmer und ohne Hausschlüssel zu sein. Von Frankfurt raffelt ein Eüterzug heran. Träge und verdrießlich schleicht eine Katze über die Straße. — Ein Personenzug eilt Frankfurt zu. — Bereits sauber gewaschen und geputzt eilt ein Ulanenbursche, das Kopfzeug eines Pferdes in der Hand, vorüber, der Wohnung feines Herrn zu, dabei fast einen Mann anrempelnd, der verschlafen einen Karren zur Stadt hinausschiebt.
5 Uhr. Ist das Wasserwerk auch auf dem Posten? — Aber sehr. Aus dem geöffneten Krahn strömt mir das jetzt so geschätzte Element und zwar ganz rein entgegen. Höre eine Jalousie in die Höe und gewahre ein Mädchen zur Feldarbeit gehen. Auch die Jugend ist schon auf. 6 Kinder, meistens Mädchen, Körbe und Kannen in den Händen, ziehen sie dem Walde zu. zur Beerenernte. — Ein Ulanenoffizier reitet zum Hofe hinaus. Sein Diener folgt zu Fuß. Wie eine besorgte Mutter an ihrem Kinde, so zupft, klopft und streicht er an Reiter und Pferd herum, schaut dem Abreitenden noch prüfenden Blickes nach, um dann im Hause zu verschwinden.
8K Uhr. Die Vögel verstummen wieder. Nur die Spatzen zwitschern weiter, begleitet von dem Pfeifen der Schwalben, die jetzt in Scharen durch die Luft schießen. Ich höre das Schärfen einer Sense, sehe die Bäcker sich mehren und vernehme von allen Seiten die Brödchen trommelnd in die Blechkasten fallen. Ein Feldhüter mit seine» Hunde wirf»