Erstes Blatt
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verantwort!. SteSattent: L. SHreLe» in Kanae»
Nr. 142 Aernfprechanschlits; Nr. 230.
Mittwoch den 21. Juni
Fernsprechanschlits; Nr. 230 1911
Die keMeNllmmr nmsllßl * d.WMtUOW
14 Seiten.
Amtliches.
Dienstnachrichten aus dem Kreise.
In der Gemarkung Marköbel ist die Schweineseuche erloschen.
Hanau den 21. Juni 1911. V 3943
Gefundene nnd verlorene Gegenstände re.
Gefunden: 1 Herrenuhr mit Kette, 1 Paar graue Damenhandschuhe, 1 Jnvalidenkarte (Quittungskarte Nr. 2) für den Fabrikarbeiter Konrad Eckert aus Waldensberg.
Verloren: 1 Taschenmesser mit weißer Schale'mit Gravierungen, 1 kleines schwarzes Damenportemonnaie mit 80 Pfg.
Zugelaufen: 1 junger graubrauner Jagdhund w. Eeschl.
Hanau den 21. Juni 1911.
politische Run dich an.
Die Stichwahlen in Oesterreich haben am gestrigen Dienstag in Oesterreich stattgefunden. Die Wahlbeteiligung war sehr rege. Aus mehreren Städten Böhmens und Galiziens, sowie aus Wien kommen Nachrichten, daß die Bevölkerung sehr erregt und vielfach Militär bersitgestellt sei. Die Wahlen in Galizien haben bereits am Montag stätt- gefunden. In Lemberg kam es nach Verkündigung der Wahl »es Sozialisten Breiter infolge von Ausschreitungen der Anhänger Breiters vor der Statthalterei zu Zusammenstößen mit Militär und Polizei, wobei von der Waffe Gebrauch gemacht und 13 Personen verletzt wurden. Aus Sambor wird gemeldet, daß nach Veröffentlichung des Wahlresultats die christliche und jüdische Bevölkerung ein- rnder angriffen. Das einschreitende Militär ging mit gefälltem Bajonett vor. Zehn Personen wurden verletzt. In Den 70 Wahlkreisen West- und Ostgaliziens mit insgesamt 106 Mandaten sind bisher 38 Abgeordnete endgültig gewählt, und zwar 30 Mitglieder des Polenklubs, 5 Sozialdemokraten, darunter Daszynski zweimal, der unabhängige Sozialist Breiter und zwei Ruthenen. Der Polenklub gewinnt bisher drei und verliert zwei Mandate, die Sozialdemokraten gewinnen zwei, die Zionisten verlieren zwei, die Ruthenen ein Mandat. Auf das Gerücht, daß für den
Die Ronneburg.
n
Graf Ferdinand Maximilian von Psenburg-Wächters- bach überließ die Burg im ersten Drittel des vorigen Jahrhunderts seinem Bruder, dem Grafen Wilhelm, welcher einige Jahre mit seiner Gemahlin hier wohnte, dann aber nach Gelnhausen zog und die leeren Räume der Burg an allerlei Leute vermietete. Daher kam es, daß die alte Burg von da an der Sammelplatz von Separatisten, Juden und allerhand fahrendem Volk aus aller Herren Länder wurde. Schon von 1614 an war sie zeitweise ein Sammelplatz aller heimatlosen und in ihrer Gewissensfreiheit Bedrängten gewesen. Den ersten Anlaß dazu gaben die Judenverfolgungen in Frankfurt. Dazu gesellten sich Zigeuner, Alchimisten, Astrologen und Menschen aller Art, die Ursache hatten, sich den Augen ihrer Verfolger zu entziehen. Von 1712 an gab Graf Kasimir von Büdingen den verschiedensten Sekten daselbst Aufnahme, allen Gewissensbedrängten Duldung und Freistätte. Von 1736 wohnte Graf Zinzendorf mit seiner Brüdergemeinde, aus Herrenhut vertrieben, auf der Burg, später auf dem Herrnhag, woselbst ein Sohn Zinzen- Dorfs begraben liegt, und in Marienborn, beides damals blühende Herrnhuterkolonien.. Differenzen mit der ysen- burgischen Regierung veranlaßten die Herrnhuter, Burg und ihre Kolonien zu verlasien, Separatisten hielten noch bis 1840 auf der Burg aus, wo dieselben infolge gewisser Maßnahmen der hessischen Regierung auswanderten. Zuletzt wohnten noch Judenfamilien aus der Burg, ihr letzter einsam hausender Bewohner starb um 1885.
Seitdem steht sie einsam und verlasien, der Burgwart, dessen Obhut sie anvertraut ist, wohnt in dem nahegelegenen Dorfe Altwiedermus.
Auf Nimmerwiederkehr ist die Glanzzeit der Ronneburg
Kandidaten Löwenstein eine große Anzahl gefäschter Stimmzettel abgegeben worden seien, erfolgte am Montag nachmittag in Drohobycy von zionistischer Seite ein Sturm auf desien Agitationslokal. Polizei, Gendarmerie und Kavallerie waren ohnmächtig gegen die aufgeregte Menge, welche Steine, Stühle, Biergläser und andere Gegenstände auf sie schleuderten. Ein im Laufschritt mit gefälltem Bajonett herbeieilender Trupp Infanterie wurde ebenfalls mit einem Hagel von Steinen empfangen. Als die Menge trotz der Aufforderung des befehligenden Oberleutnants, sich zu zerstreuen, weiterhin mit Steinwürfen antwortete, erscholl das Kommando: „Schießen!" Fünf Salven wurden auf eine Entfernung von 15 bis 20 Schritt abgegeben. Im ganzen wurden 18 Personen getötet und 37 schwer verletzt, darunter mehrere Frauen. Nach der Flucht der Exzedenten wurde der Platz militärisch abgesperrt. Der Zustand vieler Verletzten ist besorgniserregend. Einige der Projektile muffen durch mehrere Körper hindurchgegangen sein, da sonst die große Zahl der Opfer nicht zu erklären wäre. Da die meisten der Verletzten an der Brust und am Oberarm verwundet sind, ist erwiesen, daß die Salven nicht auf Fliehende abgegeben wurden. Zwei Personen sind im Hospital ihren Verletzungen erlegen. Lemberger Blätter geben die Zahl der Toten und Verletzten auf 18 bezw. 30 an. Außer durch Schußwunden sollen viele Personen auch dadurch verletzt worden sein, daß sie bei der panikartigen Flucht auf den Boden geworfen und getreten wurden. Nachts herrschte in Drohobycz Ruhe, am Dienstag dagegen wieder ungeheure Aufregung. Es wird befürchtet, daß es bei dem Leichenbegängnis der Opfer zu großen Demonstrationen kommt. Von den 28 Stichwahlen in Deutschböhmen sind bisher 25 Resultate bekannt. Nach denselben sind 24 Bezirksmitglièder des Dentfchnati analen Verbandes gewählt worden. Die Sozialdemokraten, welche in 26 Stichwahlen standen, haben bisher keinen Kandidaten durchgebracht, dagegen ist diesmal zum ersten Male 1 Chriftttch- sozialer aus Böhmen in den Reichsrat gewählt worden, welcher gegen einen Sozialdemokraten in Stichwahl ftanb. Die Wahlbeteiligung betrug fast 100 Prozent. Der Kampf der Sozialdemokraten war verzweifelt. In Asch kam es bereits zu Zusammenstößen. Anderwärts werden für den Abend Ausschreitungen befürchtet.
Portugal. Die Botschaft der provisorischen Regierung besagt: Die Revolution war die Folge einer langen Krise, in der die Braganza ihre unheilvolle Tätigkeit verschlimmerten durch die Zerstückelung des Landes und die Unterdrückung aller Freiheiten. Die einmüttge Zustimmung zur Republik ist ein wahres Volksurteil. Die Botschaft hebt den Feldzug hervor, der in der öffentlichen Meinung des Auslandes gegen die Republik geführt worden ist und erinnert versunken, versunken aber auch die Zeit, wo sie so manchen fragwürdigen Persönlichkeiten Herberge bot.
Verklungen ist der Schall erzbewehrter Tritte, der Rosie Traben, kein eifriger Turmwächter späht mehr in die Lande, um vor drohender Gefahr zu warnen, und der letzte Ton des Hifthorns bei frohem Jagen ist längst verhallt. Die Menschen verließen die gastliche Stätte, aber eine nahm davon Besitz, um sich ihr liebevoll zu erbarmen: unsere Allmutter Natur. Sie tilgte an den Bauten die Spuren von Richtscheit und Senkblei, nahm ihnen viel von ihrer Schärfe und schmückte sie statt dessen mit ihren, in Efeu, Moosen, Flechten, kleinen Kräutern und Gesträuchen bestehenden lebendigen Verzierungen aus. Ruinen zeigen dadurch, daß Leben der Hauptcharakter der Natur ist und daß diese aus jedem Tod, selbst aus dem tot geschaffenen Produkt der Menschenhand, neues Leben erweckt. Neues Leben soll auch auf der Ronneburg erstehen, aber anstatt Kriegsvolk werden frohe Wanderer die Räume beleben, und sie wird, den historischen Charakter unserer Gegend bezeichnend, ein mehr und mehr beliebtes Wanderziel werden, nachdem auch den Anforderungen der Jetztzeit an ein solches Rechnung getragen ist. Augenblicklich steht sie im Vordergründe des Jn- teresies und zurzeit macht sich auf der Ronneburg ein ganz besonderes Leben bemerkbar. Werkleute schaffen angestrengt, zu außergewöhnlichen Zeiten wird sie besucht, und reges Leben herrscht in den sonst so stillen Räumen. Es gilt die Ronneburg in die Reihe der deutschen Festspielburgen mit einzubeziehen. Vom V. H. C. ging der Gedanke aus, Episoden aus dem Hause Psenburg zu einem Festspiel zu gestalten, und dieses auf der Ronneburg zur Aufführung zu bringen. Dieser Gedanke fand allseitig Beifall, und konnte der Verwirklichung näher gebracht werden, nachdem er von Seiten des Psenburgischen Hauses gebilligt und der Besitzer der Ronneburg, Se. Durchlaucht Fürst zu Psenburg- Wächtersbach, dieselbe als Schauplatz des geplanten Fest- fviels zur Verfügung gestellt hatte. Die treibende Kraft
an die Versuche einer Gegenrevolution. Es war notwendig, so führt die Botschaft aus, die Dittatur zu verlängern, um die Republik zu befestigen. Diese mußte gegen den Kle- rikalismus kämpfen, desien Tätigkeit sich in Briefen von wahrhaft hochverräterischer Natur enthüllte. Gegenüber den religiösen Orden beschränkte sich die provisorische Regierung darauf, die bestehenden Gesetze wieder in Kraft zu setzen. Die neue Regierung ist von den großen Nationen anerkannt und die Oeffentlichkeit verfolgt mit Vertrauen ihre Reformen. Die provisorische Regierung ist glücklich, daß sie im Stande war, ohne eine Anleihe die Verbrauchssteuern zu vermindern. Die auswärtigen Beziehungen wurden mit Würde aufrechterhalten, die das monarchische Regiment nicht immer gewahrt habe. Die Botschaft betont schließlich, daß die provisorische Regierung gewünscht habe, der konstituierenden Versammlung die Initiative zu überlassen, gleichfalls die Republik zu erklären.
Hus aller Hielt
Kampf zwischen Gendarm und Einbrecher. AuS Berlin wird gemeldet: Als ein Gendarm am Dienstag früh auf Steglitzer Gebiet einen Mann, qer in der Kolonie Dahlen einen Einbruch verübt hatte, festnehmen wollte und von dem Verbrecher tätlich angegriffen wurde, mußte er von der Waffe Gebrauch machen, so daß der Spitzbube von einem Schuß in den Oberschenkel getroffen zusammenbrach.
Mafsenvergiflungeu durch Milch werden aus Edin» bürg (Schottland) gemeldet: Dort liegen jetzt über 200 Personen infolge Genusses von roher Milch, die von einem Händler geliefert worden, krank darnieder. Eine Menge anderer Konsumenten der Milch kamen mit leichterem Unwohlsein davon. In einem Krankenhaus ist bereits ein Knabe unter Bergistungserscheinungen gestorben. Bisher ist es der Edinburger Sanitätsbehörde nicht gelungen, die Erreger der Masienerkrankungen festzustellen.
Schweres Unglück in einer Tongrube. In Heilen» leidelheim (Pfalz) wurde in einer Tongrube durch einen vorzeitig los gegangenen Sprengschuß ein 27jähriger Erdarbeiter in Stücke gerissen ; zwei andere Arbeiter wurden schwer verletzt.
Eine 100 000-Mark-Stiftnng. Die Witwe des Geheimen Kommerzienrat Gustav Pönsken in Düsseldorf schenkls der Pönsgen-Stiftung für Hinterbliebene von Beamten weitere 100000 Mk.
Unwetter.
München, 20. Juni. Die Unwetter der letzten Tagd haben im bayerischen Alpengebiet große Verheerungen ange- richtet, besonders am Plansee und im Ammerwaldgebiet. Wiesen und Felder sind vom Hagel deratt verwüstet, daß sie wie gewalzt aussehen. Die Hagelkörner waren bis 100 Gramm schwer. Der Neuschnee in den Bergen geht fast bis in die Täler hinunter. Auf dem Wege zum Schröckenpaß dieses Planes ist der rührige Vorsitzende des Hanauer V. H. C., er stellte sein reichhaltiges geschichtliches Material, feine Kenntnisie in den Dienst der projettierten Festspiel- Aufführung und Dank seiner Bemühungen ist das Werk soweit gediehen, daß Sonntag den 25. Juni die erste Aufführung erfolgen kann.
Das Festspiel selbst hat historischen Hintergrund und im Mittelpunkte der Handlung steht Graf Wolfgang Ernst L, ein frommer Herr, welcher auch unter den schwierigsten Verhältnissen, welche schließlich zur Acht über das Haus Bfenburg führten, dem Kaiser den einmal gegebenen Treueid hält. Im Gegensatz zu ihm steht sein Sohn Wolfgang Heinrich, ein heißblütiger Psenburger, als Freund des tollen Christian, und in seinem Heere dienend, später sich Gustav Adolf anschließend, des Kaisers Widersacher, was die Acht über das Isenburger Haus verschuldete. Verwebt in das Festspiel sind die religiösen Wirren der damaligen Zeit, die gewaltsame Einführung des reformierten Bekenntnisses im Isenburger Lande durch Graf Wolfgang Ernst, der Protest der lutherischen und katholischen Patronats- Herren und ihrer Geistlichkeit, sowie der mißlungene Versuch Ramsays, sich der Burg zu bemächttgen. Das Stück spielt zu Anfang des 30jährigen Krieges, und ist von einem Mitglieds des Frankfurter V. H. C., Herrn Steiniger, verfaßt. Die Aufführung erfolgt unter dem Ehrenvorsitz Sr. Durchlaucht des Fürsten FriedrichWilhelmvon Pfenburg und Büdingen zu Wächtersbach, und 115 Mitglieder der benachbarten V. H. C.-Vereine haben die Rollen der Darsteller übernommen.
Geschichtliche Treue ist in dem Festspiel, das den Titel: „Im Glauben stark, in T r eu e f est" führt, nach Möglichkeit gewahrt, die handelnden Personen sind sämtlich historisch, nur in Bezug auf Zeit und Ort mußte dem Dich, ter Freiheit gelaßen werden. Mit dem Gelingen des besprochenen Festspieles dürfte' eine neue Periode in der Geschichte der Ronneburg angebrochen sein. Wenn es sich