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General-Anzeiger ._=:„„
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Montag dcn 18. Dezember
^ernsprechanschlittz Jit. 230 1911
Amtliches.
Eandkreis Hanau. Bekanntmachung.
Unter dem Viehbestände des Johann' Lapp 10er zu Dörnigheim ist die Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt worden.
Zur Verhütung der Weiterverbreitung der Seuche ordne ich hiermit folgende Schutzmatzregeln an:
Die Gemeinde Dörnigheim bildet einen Sperrbezirk.
Innerhalb des Sperrbezirks gelten folgende Bestimmungen:
1, Sämtliche Wiederkäuer und Schweine unterliegen der Stallsperre.
2. Die Plätze vor den Stalltüren und den Gehöftein- gangen der verseuchten Gehöfte, sowie die gepflasterten Wege an den Ställen und auf dem Hofe sind mehrmals täglich durch Uebergießen mit Kalkwasser zu desinfizieren.
3. Das Geflügel ist so einzusperren, daß es den Hof nicht verlasien kann.
4. Die Hunde sind festzulegen.
5. Das Betreten der verseuchten Ställe ist nur den Besitzern, den mit der Wartung und Pflege beauftragten Personen und den Tierärzten gestattet.
6. Händlern, Schlächtern, Viehkastrierern und andern in Ställen gewerbsmäßig verkehrenden Personen ist das Betreten der verseuchten Gehöfte strengstens untersagt.
7. Die Abgabe roher Milch und von Molkereirückständen aus den verseuchten Gehöften ist verboten. Dieses Verbot erstreckt sich nicht auf Butter und Käse.
8. Das Verladen von Vieh auf der Bahnstation innerhalb des verseuchten Ortes ist verboten.
S. Die Einfuhr von Klauenvieh in den Sperrbezirk ohne meine Erlaubnis ist verboten. Die Einfuhr von Klauenvieh zur sofortigen Abschlachtung kann nur unter der Bedingung gestattet werden, daß die Einführung auf Wagen oder mit der Eisenbahn geschieht. Die Ausfuhr von Klauenvieh aus dem Sperrbezirk und der Durchtrieb von Klauenvieh durch den Sperrbezirk sind verboten.
Die Ausfuhr von schlachtreifem Bieh zu Schlachtzwecken kann ausnahmsweise und nur in dringenden Fällen mit Genehmigung des Herrn Regierungspräsidenten, welche bei mir zu beantragen ist, erfolgen.
10. Das Treiben von Wiederkäuern und Schweinen auf öffentlichen Stratzen ist verboten.
Hanau den 18. Dezember 1911. V- 8502
Der Königliche Landrat.
Frhr. Laur.
Stadtkreis Hanau.
Verdingung.
Die zum Neubau eines Schuldienerwohnhauses Röder- strahe erforderlichen Glaserarbeiten sollen unter Zugrundelegung der Bedingungen für die Ausführung von Arbeiten und Lieferungen für die Stadt Hanau öffentlich verdungen werden.
Die Verdingungsunterlagen liegen im Rathaus, Zimmer 17, aus und können von dort zum Preise von 50 Pfg. bezogen werden.
Verschloßene und mit entsprechender Aufschrift versehene Angebote sind bis zum Eröffnungstermin am 23. d. M., vormittags 11 Uhr, im vorgenannten Dienstzimmer einzureichen.
Die Eröffnung der Angebote erfolgt im Beisein etwa erschienener Anbieter.
Zuschlagsfrist 4 Wochen.
Hanau den 16. Dezember 1911. 30157 Der Magistrat.
Dr. E e b e s ch u s.
Berichtigung.
In der Handelsregister-Bekanntmachung betreffend die Firma:
„Löwenapotheke Dr. J. Thiel" in Hanau muß es richtig heißen:
Das unter dieser Firma bestehende Handelsgeschäft ist auf die Witwe des Apothekers Dr. Julius Thiel Marie geb. Becker (nicht Letzter) in Hanau übergegangen.
Hanau den 13. Dezember 1911. 30089 Königliches Amtsgericht Abt. 5.
gez. Prausnitz.
Es wird um Aufenthaltsangabe des Reisenden Fritz Schmidt, geboren am 29. August 1885 zu Leipzig, zu den Akten 1 E. 250 11 ersucht.
Frankfurt (Oder) den 13. Dezember 1911.
Königliches Amtsgericht.
Gefundene nnd verlorene Gegenstände re.
Gefunden: 1 goldenes Kettenarmband, I schwarze gehäkelte Damentasche mit weißem Taschentuch (gez. M), 1 noch fast neues gelbliches Portemonnaie mit 1,04 Mk. 1 Cranatbrosche, 1 Photographie (2 Kinder, Zwillinge). Verloren: 1 Zwanzigmarkstück, 1 große Winde (auf dem Wege Marköbel—Mittelbuchen).
Eingefangen: 1 Eans.
Entlaufen: 1 schwarze Schäferhündin.
Hanau den 18. Dezember 1911.
Politische Rundschau.
Der Hauptvorstand des Ostmarkenoereins veröffentlicht einen Aufruf an die Deutschen in der Ostmark, bei der Reichstagswahl geschloffen gegen die Polen aufzutreten. Es heißt darin: „Schon hat sich, wie die letzte Volkszählung ' erwiesen hat, im Posener Lande dank dem Ansiedlungswerke die Verhältniszahl der Rationalitäten zu Gunsten der Deutschen erfreulich gebessert .Wenn unser Volk, das in Waffen so stark und in der Arbeit so tüchtig ist, die gleiche Kraft und denselben Eifer auch bei den Wahlen in unseren gefährdeten Ostmarken zeigt, dann wird es nicht nur gelingen, alle bisher deutsch vertretenen Wahlkreise im deutschen Besitz zu bewahren, sondern auch jetzt schon den einen oder den anderen zu erobern."
Aus dem theologischen Konvikt in Breslau ist ein polnischer Student ausgeschlossen worden. Die Maßregelung steht mit der vor einigen Wochen erfolgten Entlassung von acht polnischen Gymnasiasten aus dem Kgl. Gymnasium in Gleiwitz in Verbindung. Die von den Schülern gemachten Aussagen führten zu einer Untersuchung im Breslauer Konvikt. Diese ergab, datz trotz des vom Direktor Steinmann erlassenen Verbotes mehrere polnische dem Konvikt angehörige Studenten in öffentlichen Lokalen polnische Lieder gesungen, zu politischen Zwecken Reisen ins Ausland unternommen, mit Führern der großpolnischen Bewegung Beziehungen unterhalten und polnische Stipendien bezogen haben.
Ein schöner deutscher Wahlsieg in Südungarn wird aus Budapest gemeldet. Bei den Gemeinderatswahlen in der großen und reichen deutschen Gemeinde Czerw'enka in der Bacska unterlagen die offiziellen Regierungskandidaten'bis auf einen, und es wurden nur deutschbewutzte Männer gewählt, welche sich verpflichtet hatten, der deutschen Sprache in Gemeinde und Schule wieder die ihr gebührende Geltung zu verschaffen. Das Beispiel dürfte in der ganzen Bacska, wo es viele und reiche deutsche Dörfer gibt, die deutsche Bewegung in rascheren Fluß bringen.
Die Budgetkommission der Reichsduma nahm mit 17 gegen 7 Stimmen die Vorlage betreffend die Verstaatlichung der Warschau-Wiener Bahn an, die am 14. Januar 1913 in Kraft treten soll. Die Polen protestierten gegen die Verstaatlichung, die für die Krone vorteilhaft und politisch unannehmbar sei, weil sie ein Ausdruck des Mißtrauens gegen die Polen sei. Die Mehrheit stimmte dem Berichterstatter, dem Oktobristen Karkow, zu, welcher ausführte, die Verstaatlichung bringe der Krone einen sicheren Gewinn und sei unbedingt notwendig, weil die Bahn jetzt vollständig in Händen der Polen sei und bei gleicher Spurweite mit der ausländischen Eisenbahn im Falle eines Krieges dem Feind eine ausgezeichnete Verbindungslinie bieten könnte.
Türkische Skandalsttzung. Die türkische Kammer begann mit der Beratung des dringlichen Gesetzentwurfs, wodurch dem Sultan das Recht eingeräumt wird, die Kammer im Falle eines Konflikes mit der Regierung aufzulösen, ohn« den Senat zu befragen, sowie die Kammer bei Kriegszeiten zu vertagen. Der Großwesir erklärte, von der Opposition lärmend unterbrochen, das Hauptmotiv des Entwurfes sei die Eventualität von Friedensverhandlungen mit Italien, denn in diesem Falle bedürfe es einer starken Regierung. Der Großwesir wies die Anklagen der Oppositionspreffe zurück, daß mit der Auflösung der Kammer ein Staatsstreich oder die Aushebung der Verfassung beabsichtigt sei. „ Mehrere Abgeordnete bekämpften die Dringlichkeit, während der Großwesir sie zu rechtfertigen suchte. Lutfi Fikri (Lib. Vgg.) griff den Großwestr und das jungkürkische Komitee heftig an und warf ihnen vor, sie setzten das Ansehen des Sultans herab und ließen diesen seine Informationen nur aus dem „Tanin" und der „Sabah" schöpfen. Diese Worte riefen einen Sturm im jungtürkischen Zentrum hervor, dessen Führer lärmend protestierten. Nachdem wieder Ruhe eingetreten war, beendete Lutfi Fikri seine Ausführungen, indem er sagte: Daß die Jungtürken ihre Ruhe verloren haben, ist dem Wahlerfolg der liberalen Vereinigung in Konstantinopel zu verdanken. Auch der Marineminister wies die Behauptung zurück, daß der Sultan nur den „Tanin" und die „Sabah" lese. Der Großwesir erklärte, daß er, wenn die Beleidigungen fort» dauern, gezwungen wäre, den Saal zu verlassen. Schließlich zogen sich die Mitglieder des Kabinetts tatsächlich zurück
Die Opposition protestierte mit der Erklärung, daß st« nicht in Abwesenheit der Regierung verhandeln wolle. Der Vorsitzende sah sich gezwungen, die Sitzung zu unterbrechen. Nach der Wiederaufnahme erschienen die Mitglieder des Kabinetts wieder im Saal. Nach einer weiteren kurzen Debatte stimmte die Mehrheit der Kammer der Verweisung des Entwurfes an die Kommission und der Dringlichkeit zu.
Der Krieg zwischen Italien und derTürkei.
Tripolis, 17. Dezbr. In Tripolis, Tadjura und Ain Zara ist nichts nues vorgekommen. Morgens marschierte ein Bataillon Grenadiere mit einer Abteilung Gebirgsartillerie zur Erkundung bis 12 Kilometer südlich von Ain Zara, ohne auf den Feind zu stoßen. Auf dem langen Wege lagen einige Leichen türkischer Soldaten und verschiedene Geschosse. Die Arbeiten zur Befestigung Ain Zaras gehen flott von statten. — Gestern ist Marconi in Tripolis angekommen. In Gegenwart der Generale Ca- neva und Frugoni unternahm er sogleich erfolgreiche Versuche mit seinem Feldtelegraphenapparat. In der Oase sowohl als in der Stadt werden noch immer Waffen und Munition in bedeutender Menge gefunden. — In Homs unternahmen gestern 1% Bataillone Alpini einen Erkun- dungszug nach Westen, dem einige Trupps bewaffneter Araber heftigen Widerstand entgegensetzten. Erst nach einem lebhaften Feuergefecht zog sich der Feind mit ernsten Verlusten zurück. Jtalienischerseits wurden vier Mann getötet, elf verwundet. — In Benghasi ist ebenfalls nichts Neues zu verzeichnen. Beträchtliche feindliche Abteilungen halten in fünfzehn bis zwanzig Kilometer (Entfernung von der italienischen Linie.
Rom, 17. Dezbr. Die Zeitungen „Jkdam" und „Tanin" schreiben: „Der ottomanische Kriegsminister erhielt von Enver Bey eine Depesche, daß die türkischen Truppen den Italienern bei Benghasi eine schwere Niederlage beigebracht hätten. Die arabischen Truppen seien fast bis zur Stadt vorgedrungen und hätten italienische Geschütze und Munition erbeutet." Die Nachricht von diesem angeblichen türkischen Siege, dessen Zeitpunkt au ch nicht angegeben wird, ist ganz und gar unrichtig. Seit dem 10. Dezember, an welchem Tage unsere Truppen einen sehr heftigen Angriff der Türken und Araber zurückgeschlagen haben, kam in Benghasi keine bemerkenswerte Aktion vor.
Paris, 17. Dezbr. Dem „Temps" wird von seinem Kriegsberichterstater aus Azizia etwa 60 Kilometer südlich von Tripolis vom 15. Dezember gemeldet: Tausende von wohlbewaffneten Arabern versammeln sich seit drei Tagen in Azizia. Die wegen ihrer Kriegstüchtigkeit bekannten Araber von Faizan sind nach einem 48stündigen Marsch in Azizia eingetroffen.
Haifa, 17. Dezbr. Alle hier ankommenden Waren müssen ein vom türkischen Konsul bestätigtes Ursprungszeugnis haben, sonst müssen sie hundert Prozent Zoll bezahlen.
Das erste deutsche alpine Museum.
8. & H. München, 17. Dezbr. Die Eröffnung und Einweihung des ersten deutschen alpinen Museums hat heute hier in feierlicher Weise stattgefunden. Damit hat die Kunst- und Museumsstadt München ein neues eigenartiges Institut erhalten, das berufen scheint, sich zu einer wichtigen Pflegestätte für alle Arten des alpinen Sports und der Hochtouristik zu entwickeln. Es war ursprünglich zweifelhaft, ob das Museum nach München oder Innsbruck kommen sollte. Die Frage wurde schließlich zu Gunsten Münchens entschieden, nachdem die Stadtgemeinde sich entschlossen hatte, das nötige Terrain gratis herzugeben. Das Museum erhebt sich auf dem ehemaligen Restaurationsgelände der Ausstellung von 1888, der sogenannten Jsarlust. In wohltuendem Gegensätze zu anderen Eröffnungs- und Einweihungsfeierlichkeiten steht die Tatsache, daß das neue Museum in allen seinen Teilen bereits fertig ist. Dem Hauptraum ist ein Vestibül vorgelagert, das in seiner dekorativen Ausschmückung auf das Kommende vorbereiten soll. An den Wänden hängen Bilder, die Alpenanfichten zeigen. Den Hauptschmuck bilden zwei mächtige Statuen von Prof. Geiger, die einen Skiläufer und einen Hochtouristen vor- stellen. Durch das Vestibül gelangt man in den eigentlichen Ausstellungsraum, eine längliche Halle, die ihr Licht von den Schmalseiten empfängt. Dem Eintretenden präsentiert sich hier gleich das Hauptstück der ganzen Sammlung nämlich eine Reliefdarstellung der Jungfraugruppe, die nicht weniger als 22 Qmtr. mißt. Die Darstellung ist im Maßstabe von 1:250 gehalten und äußerst naturgetreu. Jeder Weg und jeder Steg, jedes Gehöft, jede Tannenschonung, zede noch so kleine Erhebung sind sorgfältig markiert. Deutlich laßt sich die allmählich verkümmernde Vegetation erkennen, bis auf den höchsten Spitzen Eis und Schnee an ihre Stelle tritt. Das Reliefbild, das einen Wert von ca. Mk, 50 000 revräsentiert. ist dem Muleum von der nackbarLLe«