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Ge^ual-Anzeiger
Amtliche« GlW fit Liadt. uni FeMrei« Kmr.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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fc 242 Dern sprechn« sch li: ft Nr. 230.
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Gefundene und verlorene Gegenstände re.
Gefunden: 1 graugrüner Herrenfilzhut, 1 Schlüssel mit der Nr. 72, 1 weißes wollenes Hütchen (Kappe), 1 weißer wollener Kinderhandschuh (rechter). Verloren: 1 goldener Trauring (gez. E. F.). Zugelaufen: 1 schwarzer Hund, dachsartig.
Hanau den 16. Oktober 1911.
Hus Ban au Stadt und Cand«
Hanau, 16. Oktober.
Einweihung der neuen Turnhalle des Turn- und Fecht-Clubs Hanan.
Die am Grünen Weg erbaute schmucke Turnhalle des Turn- und Fecht-Clubs ist am gestrigen Sonntag ihrer Bestimmung übergeben worden. Zu diesem Zwecke fand um W/i Uhr in dem neuen Vereinshause ein stimmungsvoller Festakt statt, dem u. a. anwohnten die Herren Landrat und Polizeidirektor Frhr. L a u r, Oberbürgermeister Dr, Eebefchus, Stadtältester Bode, mehrere Stadträte und Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung, Vertreter der Militär-, Kirchen- und Schulbehörden, sowie des Mittelrheinturnkreises und des Maingaues. Außerdem hatten sich eingefunden Mitglieder und Freunde des Klubs in großer Zahl, sodaß sich ein glänzendes gesellschaftliches Bild dem Auge des Beschauers darbot. Mit Festfanfaren und C. M. v. Webers Jude l-Ouvertüre, dargeboten von der gesamten Kapelle des thür. Ulanen- Regts. Nr. 6 (Leitung Kgl. Obermusikmeister Urbach), wurde der Festakt eröffnet, worauf der erste Vorsitzende des Turn- und Fecht-Clubs Herr Lehrer H- Willamowitz die Begrüßungsansprache hielt, die wie folgt lantete:
Hochansehnliche Festversammlung! Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Turnerinnen und Turner! Im Namen und Auftrag des Turn- und Fecht-Klubs heiße ich Sie zur Weihe unserer Turnhalle auf das herzlichste willkommen. Ich habe die Ehre, zu begrüßen und willkommen zu heißen die Herren Vertreter der Staats-, Militär-, Stadt-, Kirchen- und Schulbehörden, die Herren Leiter der staatlichen und städtischen Lehranstalten, die Vorstände der hiesigen Vereine, sowie alle hochgeehrten und lieben Eäste, die unserer Einladung so zahlreich Folge geleistet haben. Auch den Vertretern unserer Kreis- und (Bauleitung, sowie Euch, Ihr Turner, die Ihr aus nah und fern herbeigeeilt seid, um diesen festlichen Tag mit uns zu begehen, sei ein herzlicher Tur- nergrutz entgegengebracht. Heller Sonnenschein lag über oer im Frühlingsschmuck prangenden Erde, als wir am 2. Osterfeiertag in diesem für die deutsche Turnsache so denkwürdigen Jahre den Grundstein zu diesem Hause legten. Wie der Landmann auf eine reiche Ernte hoffend im Frühjahr den Samen der Erde übergibt, so standen auch wir damals hoffnungsfreudig an dieser Stelle, als die ersten Spatenstiche ausgeführt und die Urkunde in schützender Hülle in den Grundpfeiler eingemauert wurde. Sechs Monate find seit jenem für uns so bedeutungsvollen Tag vergangen und wiederum stehen wir an derselben Stelle. Freilich nicht mehr wie damals unter freiem Himmel, sondern wohlgeborgen hinter den festgefügten Mauern und unter dem schützenden Dache des vollendeten Baues. Als sich vor ungefähr 3 Jahren für uns die Notwendigkeit herausstellte, eine Turnhalle zu bauen, waren wir uns der Schwierigkeit dieses Unternehmens namentlich in finanzieller Beziehung wohl bewußt. Aber Dank der Opferfreudigkeit unserer Mitglieder und der bekannten Freigiebigkeit unserer Bürgerschaft, die sich auch hier wieder auf das glänzendste bewährt hat, war es möglich, in verhältnismäßig kurzer Zeit die finanzielle Garantie zu erhalten, daß mit dem Bau begonnen werden konnte. Nicht imponierende äußere Größe und prunkender Schmuck sind es, die den Bau vor andern auszeichnen. Wir haben vielmehr, da dieses Haus vornehmlich dem Turnbeirieb dienen soll, nach dem Grundsätze, einfach im Aeußeren, zweckentsprechend im Innern, unser Hauptaugenmerk darauf gerichtet, einen geräumigen, den Anforderungen der Neuzeit entsprechenden Turnsaal mit den erforderlichen Nebenräumen zu schaffen, denen sich dann in bescheidener Weise die für die Beratung Und Erholung anschließen. llnd ich glaube, daß wir, nach diesen Gesichtspunkten unseren Bau betrachtend, das richtige auch wohl getroffen haben. Ich möchte die heutige Feier nicht vorübergehen lassen, ohne allen, die uns durch Beiträge, Stiftungen uneigennützige Mitarveit oder sonst in einer Weise unterstützt haben, auch von dieser Stelle aus noch einmal Dank, herzlichen Dank zu sagen. Ihrer wirb, so lange der Turn- und Fechtklub besteht, in Dankbarkeit stets gedacht werden. Mit dem Wunsche, daß die heutige Feier, getragen von echt
Montag den 16. Oktober
vaterländisch-turnerischem Geiste, einen würdigen Verlauf nehmen möge, heiße ich Sie nochmals herlich willkommen.
Der aus Vereinsmitgliedern gebildete gemischte Chor (Leiter Herr Willamowitz) brachte hierauf den von dem Mitglieds des Vereins, Herrn W. Breidenbach, komponierten Weihechor zum Vortrag, der in seiner Anlage wie Ausführung den besten Eindruck hinterließ. — Herr Prokurist Hch. H e u s o h n hielt darauffolgend die F e st- r e d e, die wir gleichfalls im Wortlaute wiedergeben können:
Hochansehnliche Festversammlung!
Wir hatten gebaut Ein stattliches Haus!
So lautet der Anfang eines alten Turnerliedes uno oiese Worte dürfen wir auch ohne Ueberhebung auf das Vereinshaus unseres Turn- und Fechtklubs anwenden, zu dessen Weihe wir heule hier festlich versammelt sind. Einfach und schlicht, aber würdig, geräumig und zweckentsprechend ragt sein Bau empor, der gewidmet sein soll
Unserer Jugend zur Lehr, Unserem Vaterland zur Wehr, Unserer deutschen Turnerei zur Ehr!
Möge es eine günstige Vorbedeutung für dieses Haus, das wir jetzt vollendet sehen, sein, daß seine Grundsteinlegung mit dem Zeitpunkte zusammensiel, in dem man die 100jährige Erinnerung an die Begründung der deutschen Turnkunst festlich beging. Hundert Jahre sind es, daß der Altmeister der Turnerei Friedrich Ludwig Jahn seinen ersten Turnplatz in der Hasenheide in Berlin eröffnete und damit ein Werk ins Leben rief, von dem er später sagte: „Das Turnen aus kleiner Quelle entsprungen, wallt jetzt als ein freudiger Strom durch Deutschlands Gaue. Es wird künftig eine verbindende See werden, ein gewaltiges Meer, das schirmend die heilige Grenzmark des Vaterlandes um= wogt." Ich darf mir daher wohl gestatten, auf diese Gründung etwas näher einzugehen, schon weil sich daraus ergibt, daß die Turnerei nach dem Sinne Jahns stets eine deutsch- vaterländische und volkstümliche sein muß. Es ist ja allgemein bekannt, daß schon das alte Kulturvolk, die Griechen einen hohen Wert auf die Pflege körperlicher Uebungen bei der Erziehung der Jugend legten und daß ihre Wettkämpfe nationale Feste waren, die noch heute vorbildlich für uns sein können. Auch bei den Römern wurden Leibesübungen systematisch betrieben, die aber, da sich hier bald ein besonderer Kriegerstand heraus- bildete, vorwiegend militärischen Zwecken dienten oder für öffentliche Schaustellungen in der Arena berechnet waren. Unsere Vorfahren, die alten Germanen, bedurften, solange sie sich der Jagd in den Urwäldern ihres Landes widmeten, als noch jeder Freie waffenfähig und zur Heeresfolge verpflichtet war, keiner besonderen sonstigen Uebungen, um körperlich gewandt und abgehärtet zu sein. Als sich aber dann im Mittelalter durch die Lehensverfassung in dem Rittertum ein besonderer Wehrstand beraus- bildete und sich auf der anderen Seite die mönchische Erziehung in den Klosterschulen die Abtötung des Fleisches als Ziel setzte, da änderte sich die Sache. Wohl standen bei dem Ritterstande jahrhundertelang die Turnierspiele und andere Wettkämpfe in Blüte und auch das erstarkende Bürgertum in den Städten, das auf die eigene Wehrkraft angewiesen war, übte sich im Gebrauch der Waffen. Es entstanden die Fechter-Bruderschaften und die Gilden der Armbrustschützen. Auch Ringerkämpfe, Wettläufe usw. wurden veranstaltet, Ball- und andere Spiele betrieben, für die man öffentliche Spielplätze einrichtete und Ballhäuser erbaute. Die Errichtung der stehenden Heere aus geworbenen Söldnern trug mit dazu bei, daß auch diese Reste der früheren Wehrhaftigkeit im Volke immer mehr und mehr verloren gingen. Schon im Zeitalter des an das klassische Altertum anknüpfenden Humanismus hatten Männer wie Luther, Zwingli, Eomenius und viele andere auf den Nutzen der körperlichen Uebungen und ihren erzieherischen Ein- ftuß hingewiesen, aber erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts führten sie einsichtige, hervorragende Schulmänner und Erzieher der Jugend in planmäßig geregelter Weife in den Unterricht der von ihnen geleiteten Anstalten ein, so Joh. Bernh. Basedow 1774 am Philantropin zu Destau und Christian Gotthilf Salzmann an seiner berühmten Erziehungsanstalt zu Schnepfenthal in Thüringen. An diese wurde 1785 IoH. Christ. Friedr. Guts Muths berufen, der dann 1793 eine .Gymnastik für die Jugend", 1796 ein Buch „Spiele für die Jugend" und 1798 ein „Lehrbuch der Schwimmkunst" verfaßte und sich überhaupt um die Einführung und Ausbildung systematisch geregelter Leibesübungen die größten Verdienste erworben hat, so, daß ihn Adolf Spieß, der Begründer unseres Schulturnens, mit Recht den „Groß- und Erzvater der Turnkunst" nennt. „Was aber damals unmöglich war, das gelang später dem kräftigen Jahn. Er trug 1810 die wiedererwachte Gymnastik nach Berlin. Dem Wackeren fügte sich die glückliche Stunde, ihm gebührt das große Verdienst der unmittelbaren Einführung der gymnastischen Uebungen, denen
Dernsprechanschltth Nr. 230 1911
er den Namen „Turnkunst" gab, in die größten Städte des deutschen Landes und dadurch an viele andere Orte." So schreibt Guts Muths selbst 1817 in der Vorrede zu seinem „Turnbuch für die Söhne des Vaterlandes": Das große Verdienst des ächt deutschen Volksmannes Jahn ist und bleibt es, diese von seinen Vorgängern begründete Gymnastik als de u t s ch e T u r n- k u n st in volkstümlicher, dem deutschen Wesen angepaßter Weise ausgestaltet, erweitert und vervollkommnet zu haben und zwar mit dem ausgesprochenen Zwecke, das deutsche Volk dadurch zur Einheit und zur Wehrhaftigkeit zu erziehen.
Friedrich Ludwig Jahn war am 11. August 1778 in dem Dorfe Lanz in der Priegnitz als Sohn eines Predigers geboren. Nach Beendigung feiner teilweise sehr bewegten und regellosen Studien- und Wanderjahre hatte er, der sich schon in seiner 1800 erschienenen Jugendschrift „Ueber die Beförderung des Patriotismus im Preußischen Reiche" als ein glühender Daterlands- freund bekundet hatte, in der Zeit der tiefsten Erniedrigung Deutschlands an zwei größeren Schriften „Denkbuch für Deutsche" und „Deutsches Volkstum" gearbeitet. Bei Ausbruch des Krieges von 1806 wollte er als Freiwilliger in das preußische Heer eintreten, erreichte dieses aber erst nach der unglücklichen Schlacht bei Jena und machte besten Rückzug nach Lübeck mit, wobei ihm, dem erst Achtundzwanzigjährigen, in einer Nacht das Haar ergraute. Die genannten beiden ziemlich fertigen Schriften gingen während des Krieges verloren. Jahn schrieb nun sein „Deutsches Volkstum" aufs neue, meist nach dem Gedächtnis nieder. Die Vorrede schließt: „Geschrieben zu Lanz bei Lenzen am 14. des Oktober 1808“ und es wurde 1810 zu Lübeck gedruckt, weil sich in Preußen kein Verleger dafür finden wollte. Die Herausgabe dieses Werkes war eine vaterländische Tat! Wort und Begriff „Volkstum" sind damals von dem sprachschöpferischen Jahn erst geprägt worden. Es ist eines der deutschesten Bücher, die je geschrieben wurden und es ist auffallend, daß das Buch mit Genehmigung der Zensurbehörde, die allerdings vieles gestrichen und den Zusammenhang dadurch verstümmelt hat, in einer französischen Stadt — wie Lübeck damals war — überhaupt erscheinen konnte. Jahn verlangt darin vor allem Einheit des Staates und des Volkes, sowie gleichmäßige innere Staatsverwaltung und es war später ein Hauptanklagepunkt gegen ihn, daß er die höchst gefährliche Lehre von der Einheit Deutschlands aufgebracht habe. Ferner wünscht Jahn ein auserlesenes stehendes Heer und neben diesem allgemeine Waffenfertigkeit aller wehrbaren Mannschaft wofür die Leibesübungen in der Kindheit und im Knabenalter die Vorbereitungen sein sollen. „In der ILnglingszeit dient jede Manns- person drei Jahre im stehenden Heere: ein Jahr als Dienstlerner, das folgende als Diensttuer, das letzte als Dienstlehrer." Die wehrbare Mannschaft will er in Landwehr bis zum 45. Jahre und Landsturm eingeteilt sehen. Ferner verlangt erVolkserzieh- u n g, wozu er auch die von ihm vorgeschlagenen Leibesübungen zählt, eine Volksverfastung, deutsches Volksgefühl mit Verbannung der Ausländerei, volkstümliches Bücherwesen, Achtung vor der Muttersprache, Herausgabe der alten deutschen Heldengedichte, die Feier vaterländischer Gedenktage, volkstümliche Schäu- spiele und vaterländische Wanderungen zur Beförderung 6« Deutschheit. Die „fremden Nebenländer in Deutschland", Schwedisch-Pommern und das dänische Holstein nennt er Einschnitte und offene Wunden im alten Reichskörper, Türen ins Nachbargebiet, die der Inhaber beliebig öffnen, der rechtmäßige Hausherr aber nicht verriegeln kann, Hannover zu England gehörig, besten Landungsbrücke und Werbeplatz. (Von Elsaß-Lothringen und dem linken Rheinufer durfte Jahn natürlich nichts schreiben.) Oesterreich ist ihm ein „zu großer Völkermang", um Deutschland führend sein zu können, dagegen „ahnte er in und durch Preußen eine zeitgemäße Verjüngung des alten ehrwürdigen deutschen Reiches und in dem Reiche ein Eroßvolk, das zur Unsterblichkeit in der Weltgeschichte menschlich die hehre Bahn wandeln würde."
Hochverehrte Festgäste! Ich hoffe Ihre Aufmerksamkeit nicht über Gebühr in Anspruch genommen zu haben, wenn ich auf den Inhalt des Jahnschen Volkstums hier etwas näher eingegangen bin. Wie prophetisch hat der Mann in die Zukunft geschaut, der es wagte, von einem Deutschen Volkstum zu reden zu einer Zeit, die ein deutsches Volk überhaupt nicht kannte. Gab es doch damals nur ein kleines Preußen östlich der Elbe mit noch nicht 5 Millionen Einwohnern und alle übrigen deutschen Lande — ausgenommen Oesterreich — gehörten entweder unmittelbar zum französischen Kaiserreich — so z. B. Stadt und Fürstentum Hanau, das ganze linke Rheinufer, die Nordküste Deutschlands bis Lübeck und vieles andere oder sie standen als Rheinbundesstaten in schmählichster Abhängigkeit von Napoleon. — Wir ersehen ferner aus w c l ch e m G ei st e h e r a u s die deutsche Turnkunst entstand und daß es nur im Sinne Jahns ist, wenn die deutsche Turner- schaft die Pflege deutschen Volksbewußtseins und vaterländischer Gesinnung in ihren Satzungen fordert. ^>m 5. Hauptstück des Volkstums — Volkserziehung — empfiehlt ^a^n alle Arten von Leibesübungen und schreibt darüber an» knüpfend an die Worte Schillers im Teil: