Einzelbild herunterladen
 

Hanauer K Anzeiger

«ezugsprek»»

«lerkekjShrkkch 1.80 DL, monatlich 60 Pfg.. für an«, wärtige Abonnenten mit dem betreff. Postauffchka^ Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Note^onsdruck und Verlag der Buchdruckerei de» oeretn. ev. Waisenhauses tu Hamm,

Gmcwl-Anzeigcr

Amiiiâts Organ für Stabt- uni Fârtis fanan.

Einr8ckungsgeb8hrl

Lie Sgespaltene Petttzeik« oder der« Nau» A â Xeuooutueu ra oem « vkA

Erscheint tSgltch mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. Verantwort. Redakteur: & Schrecker te Hanau.

$L 190 Fernsprechanschluss Nr. 230.

Mittwoch den 16. August

Ferttsprechanschlich Nr. 230 1911

Amtliches.

Landkreis Rana«,

Wegen Vornahme von Dampfwalz-Arbeiten ist die HanauFriedbergerstraße von Nummerstein 8,0 bis 10,6, d. i. ein Kilometer hinter Roßdorf bis Windecken, für die Zeit vom 17. d. M. bis einschließlich 2. September d. J. für Fuhrwerke von mehr als 20 Zentner Ladegewicht, sowie für Kraftfahrzeuge aller Art polizeilich gesperrt.

Die Lastfuhrwerke und Kraftfahrzeuge können während dieser Zeit von Windecken nach Rotzdorf und umgekehrt über Ostheim fahren.

Hanau den 15. August 1911. V. 5289

Der Königliche Landrat.

I. V.: Karbe.

Die Maul- und Klauenseuche im Schlacht- und Viehhof in Frankfurt a. M. ist erloschen.

Hanau den 15. August 1911. M. 5288

Der Königl. Landrat.

I. V.: Karbe.

Stadtkreis Ran an.

In Ergänzung meiner Bekanntmachung vom 7. d. M. P. 8169 mache ich darauf aufmerksam, daß die Unter­suchungen für das auf dem Landwege aus dem Großherzog- tum Hessen (Mainbrücke), sowie für das aus Bayern ein- geführte, für den hiesigen Schlachthof bestimmte Schlacht­vieh, endlich für die aus dem Schlachtviehhof in Frank­furt a. M. unmittelbar mittels Wagens auf dem Lanowege nach dem hiesigen Schlachthofe gehenden Schweine- und Kleinviehtransporte in der für den Stadtkreis Hanau in dem hiesigen Schlachtviehhof errichteten Untersuchungsstelle nur für die Dauer der Beurlaubung des Kreistierarztes Wittlinger durch den diensttuenden Schlachthoftierarzt aus- geführt werden.

Hanau den 14. August 1911. P. 8169

Königliche Polizeidirektion.

______________I. V.: Karbe.

Bekanntmachung.

Die öffentlichen Arbeitsnachweise des jetzt 3 Jahre be­stehenden Mitteldeutschen Arbeitsnachweisverbandes, der das Großh. Hesien, die Provinz Hessen-Nassau, das Fürsten­tum Waldeck und die Kreise Kreuznach und Wetzlar umfaßt, werden in steigendem Matze von den Interessentenkreisen, besonders der Landwirtschaft und des Handwerks, in An­spruch genommen und erfreuen sich dank der Mitwirkung und Unterstützung staatlicher und kommunaler Behörden, sowie öffentlicher Körperschaften, insbesondere der Land­wirtschaftskammern, immermehr des Vertrauens der Jn- teresienten. Insonderheit ist es, wie die Tätigkeitsberichte des Verbandes und der einzelnen Arbeitsnachweise be­weisen. gelungen, den Arbeitsnachweis auf dem Lande zu organisieren und den besonderen Bedürfnisien des Landes schon jetzt in erheblichem Umfange gerecht zu werden. Wäh­rend im Jahre 1908/1909 von den Arbeitsnachweisen in Kleinstädten im Verbandsgebiet 2440 Stellen besetzt wur­den, wuchs die Zahl im Jahre 1909/10 bereits auf 10 572, das ist ein Zehntel aller besetzten Stellen im ganzen Ver­bandsgebiet. Diese Tatsache ist darauf zurückzuführen, daß die landwirtschaftliche Vermittlung immer mehr von den Großstädten auf die Kleinstädte übergeht.

Um den verschiedenartigsten Bedürfnissen in den ver­schiedenen Teilen des Verbandsgebietes besser gerecht wer­den zu können, wurden fast in allen Kreisen Arbeitsnach­weise ins Leben gerufen. Diese haben sich durchweg sehr gut bewährt, wo der Arbeitsnachweis an verkehrsreiche Orte gelegt wurde und wo der ländliche Arbeitsnachweis die Unterstützung und die Benützung der interessierten Kreise gefunden hat. Nach den vorliegenden Erfahrungen konnten eine Reihe von Arbeitskräften der heimischen Produktion erhalten werden, während sonst der stellenlose Arbeiter bei dem Fehlen einer Organisation des Nachrichtenverkehrs über die offenen Stellen im Kreise, gezwungen worden wäre, den städtischen Arbeitsnachweis, in erster Linie den großstädtischen Arbeitsnachweis, aufzusuchen.

Bei der großen Bedeutung einer geordneten Arbeitsver­mittlung für die Stetigkeit der gesamten Produktionsver- Hältnisse, ist es notwendig, daß alle Interessenten am Ar­beitsmarkt sich eines zuverlässigen und unparteiischen Or­ganes bedienen und das ist der öffentliche Arbeitsnachweis.

Indem wir Vorstehendes zur Kenntnis bringen, ersuchen wir die Herren Arbeitgeber, sich bei Bedarf von Arbeits­

kräften jeder Art der hiesigen städtischen Arbeitsvermitte- lungsstelle Langstraße 41 bedienen zu wollen.

Besonders weisen wir noch darauf hin, daß die gedachte Stelle auch weibliches Personal, als Dienstmädchen, Putz- und Monatsfrauen, Fabrikarbeiterinnen, Taglöhnerinnen, Kochfrauen rc., für Haus-, Land- und Eastwirtschaftsbetrieb vermittelt und diesbezügliche Aufträge jederzeit gern ent­gegennimmt.

Die Vermittlung erfolgt kostenfrei.

Hanau den 14. Oktober 1910. 1657

Der Magistrat.

Hild.

Gefundene nnd verlorene Gegenstände rc.

Gefunden: 1 gelber Kinder-Schnürstiefel, 1 rotge­würfeltes Küchenhandtuch, 1 Kinderportemonnaie mit etwas über 2 Mk.

Verloren: 1 Scheere mittlerer Größe.

Zugeflogen: 1 junger Kanarienvogel.

Zugelaufen: 1 Rehpinscher (Bastard), 1 Wolfs­hund.

Hanau den 16. August 1911.

Politische Rundschau

Keine beunruhigenden Truppenschiebungen. An einigen Punkten Süddeutschlands haben militärische Anordnungen, die für die Manöverübungen im Elsaß getroffen wurden, zu ganz seltsamen Gerüchten Veranlasiung gegeben. Das hessi­sche Dragonerregiment Nr. 24 in Darmstadt erhielt am Sonntag ganz unerwartet den Befehl, sofort nach Hagenau im Elsaß per Bahn auszurücken und dort an den Manöver­übungen teilzunehmen. Das Regiment wurde noch am Sonntag übend per Bahn verladen. Als Grund wurde an­gegeben, daß unter den Pferden im Elsaß eine Seuche aus­gebrochen sei. Außerdem sind noch 10 Regimenter aus Bayern, Baden und Württemberg zu diesen Manöver- übungen beordert. Vielfach wird hier behauptet,'daß diese Truppen-Zusammenziehungen im Elsaß eine Antwort auf die Zusammenziehung französischer Truppen an der elsässi­schen Grenze bedeuteten. In den Bureaus des Kriegsmini­steriums in Berlin wird die absolute Grundlosigkeit jener Gerüchte durch folgende Erklärung dargelegt: In der Zeit vom 16. bis 19. August finden zwischen Metz und Straßburg Aufklärungsübungen statt, an denen die 29., 31., 33., 34. und 39. Brigade teilnehmen. Diese Anordnungen sind keineswegs erst jetzt, sondern schon vor längerer Zeit ge­troffen worden. Die Ansicht, es solle damit gegen eine Zu­sammenziehung französischer Truppen an der elsässischen Grenze protestiert werden, ist vollkommen sinnlos.

Oeffnung eines Postsackes für den KreuzerBerlin". In Paris und in Berlin hatte sich dieser Tage das Ge­rücht von einem ernsteren Zwischenfall verbreitet, der Gegenstand von Verhandlungen zwischen beiden Regie­rungen bilden sollte. Es handelte sich um eine angeb­liche Verletzung des Briefgeheimnisses durch die fran­zösische Post. Der Postsack, der die deutsche Regierungs- korrespondenz für den KreuzerBerlin" enthielt, sollte auf französischen Gebieten erbrochen worden sein, was deutscherseits als ein wenig freundlicher Akt erklärt worden sei. Tatsächlich liegt dem Gerücht ein Vorfall, der sich vor etwa einem Monat ereignete, zu Grunde. Die Untersuchung hat jedoch ergeben, daß. das bloße Un­verständnis eines Beamten die Schuld trägt. Einer der für den KreuzerBerlin" bestimmten versiegelten Post­säcke, die gewöhnlich in einem besonderen Abteil geführt werden, war aus Versehen in die dem Sortierraum des Postwagens zugewiesene Korrespondenz geraten, und ein Angestellter hatte, ohne näher hinzusehen, den Verschluß wie bei allen anderen Säcken durchschnitten. Dies ge­schah auf der Paris-Mittelmeerbahn, von wo die Post auf ein nach Las Palmas bestimmtes Schiff in Marseille übergeführt werden sollte. Sobald der Beamte seinen Mißgriff gewahrte, verschloß er den Sack wieder sorg­fältig, versiegelte ihn mit dem französischen Postsiegel und fügte eine erklärende Bemerkung bei, daß der Sack irrtümlich geöffnet worden sei. Die über den Tatbe­stand unterrichtete deutsche Regierung erklärte sich durch die gegebenen Erklärungen vollständig befriedigt.

Der Rückgang des Deutschtums in Prag. Die Entwick­lung in Prag zeigt in erschreckender Deutlichkeit, wohin in der Vergangenheit gleichgültige Weltbürgerlichkeit und na­tionale Duldsamkeit das früher berrschende Deutschtum ge­bracht haben. Im Jahre 1855 hatte die alte deutsche Kaiser­stadt neben 73 000 Deutschen 55 000 Tschechen, war also zu

57 Prozent deutsch. Im Jahre 1880 wurden noch 31071 Deutsche gezählt, die 14,69 Proz. der Eesamtbevölkerunz ausmachten; im Jahre 1890 waren noch 27 284 oder 11,54 Proz., im Jahre 1900 noch 17 928 oder 9,34 Proz. und im Jahre 1910 noch 17 602 oder 8,15 Proz. der Eesamtbevölke- rung vorhanden, allerdings ohne das zahlreiche Deutschtum in den Prager Vorstädten. Um diesem Deutschtum in den Vorstädten die Lebenslust zu nehmen, beschloß der fanatisch deutschfeindliche Prager Stadtrat im Jahre 1908, daß die außerhalb der Stadt wohnenden deutschen Schulkinder in die Prager Volks- und Bürgerschulen nicht mehr ausge­nommen werden sollten. Dagegen beschloß der deutsche Be­zirksschulrat in Prag, daß 197 in den Vorstädten wohnende deutsche Schulkinder auch weiter in die deutschen Schulen der Stadt aufzunehmen seien. In dem Streite darüber ent­schieden der Landesschulrat an das Unterrichtsministerium zu Gunsten der deutschen Schulbehörde. Nun hat die oberste Instanz, der Verwaltungsgerichtshof, der Beschwerde des Prager Stadtrats nachgegeben und damit 200 deutsche Kin­der den tschechischen Volksschulen der Vororte ausgeliefert.

Ein starker Uebergang deutschen Grundbesitzes in pol­nische Hände ist in den letzten Wochen im Regierungsbezirk Allenstein erfolgt. Das 290 Morgen große Vorwerk in Langschin (Kr. Osterode) hat der Pole Albert Poskiewicz aus Marianowkow (Kr. Czarnikau) und das 207 Morgen große Gut in Tomaschin (Kreis Osterode) hat der Pole Vinzent Przydrozny aus Biskupitz bei Posen erworben. Das 600 Morgen große Gut Annenhorst (Kr. Osterode) hat der deutsche Besitzer Otto Krüger für 252 000 Mk. an den Polen Stanislaus Maromski aus Westpreußen verkauft. Schließlich hat der Gutsverwalter Duwalski aus Newra (Westpr.) das Gut Tengutten (Kr. Allenstein), welches sich seit undenklichen Zeiten in deutschen Händen befand, für 275 000 Mk. erworben. Somit sind in 14 Tagen etwa 2000 Morgen dem Deutschtum wiederum verloren gegangen, und zwar in einem Bezirk, wo in letzter Zeit das Polentum mit Gewalt vorzudringen sucht.

Auch in Deutschland entstehen jetzt hin und her, wenn auch noch als bescheidene Anfänge, Missions-Studienkränz- chen, in denen sich- Studenten, Schüler höherer Lehranstal­ten, Mitglieder von Jünglingsvereinen oder christlicher Ver­eine junger Männer und dergl. zusammenfinden, um sich eine systematische Kenntnis der heutigen Mission, der Arbeit einzelner Missionsgesellschaften und der großen Misstons­probleme unsrer Tage zu erwerben. Das Auftommen dieser Bewegung ist mit großer Freude zu begrüßen und ein fröh­liches Aufblühen ihr dringend zu wünschen, damit die Mission immer mehr eine Sache des ganzen Volkes und ganz besonders seiner gebildeten Kreise werde. In Amerika und England ist man bekanntlich darin schon erheblich weiter; in Amerika z. V. waren im letzten Jahre 175 000 junge Leute in Missions-Studienkränzchen vereinigt und studier­ten an der Hand eines Textbuches alle ein Missionsgebiet. Nach dem Vorgänge von Berlin ist man jetzt dabei u. a. auch in Halle, Breslau und Stettin derartige Kränzchen ins Leben zu rufen.

Die Marokko-Verhandlungen. Der dem Quai d'Orsay nahestehende Petit Parisien erklärt auf Grund von Infor­mationen aus bester Quelle als unzutreffend, daß die deutsch-französischen Verhandlungen bereits dem Abschluß nahe seien und nur noch Einzelpunkte zu regeln seien, die durch Kolonialfachleute erledigt werden könnten. In Wirk­lichkeit hätten die Besprechungen zwischen Cambon und Kiderlen-Waechter seit drei Wochen keinen wesentlichen Fortschritt gezeitigt, sodaß die Erwartung, das Abkommen könne bereits nächsten Donnerstag zustande kommen, wohl verfrüht sei. Voraussichtlich wären noch häufige Konfe­renzen bis zur endgültigen Verständigung erforderlich. Uebrigens bestände selbst für den wenig wahrscheinlichen Fall, daß die beiden Regierungen keine befriedigende For. mel fänden, keinerlei Anlaß zur Beunruhigung. Wenn zwei Parteien sich nicht direkt verständigen können, wendeten sie sich an einen Gerichtshof. Dasselbe kann zwischen zwei Völkern geschehen. Im vorliegenden Falle wäre der zu- ständige Gerichtshof die Versammlung der Signatarmächte von Algeciras. Berliner Meldungen tragen im Gegensatz zu dieser skeptischen Auffassung der Lage eine eher opti­mistische Färbung. Wie der Figaro-Korrespondent betont, legt der Kaiser bei den Abmachungen den Hauptakzent auf den Schutz der deutschen Wirtschaftsinteressen in Marokko, bedeutend mehr als auf die Gebietentschädigungen außer­halb des Scherifenreiches, und er werde keine Mühe haben, den Et ;u^, Tretür von seiner Auffassung zu überzeugen und die Verhandlungen in gerechter und freundschaftlicher Weise zu Ende zu leiten, wie das in beider Absicht liege.