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SamSkag

Jun

Drahtnachrichten

Berlin, 15. Juli. In dem Entwurf einer neuen Eisen­bahnzollordnung sind, derDossischen Zeitung" zufolge, Vereinfachungen, wie sie aus Handelskreisen gewünscht werden, in Aussicht genommen. Unter anderem bandelt es sich um Abstandnahme von den zollamtlichen Mictverschlüffen der zur einstweiligen Niederlage zollpflichtiger Güter dienenden Räume. Ferner wird die Gestattung der Zulassung von Gütern des freien Verkehrs zu Räumverschlußgütern und die Vereinigung der bisherigen LadungSverzeichnisse und Begleitzettel zu einem einzigen Papier in dem Entwurf enthalten sein.

Berlin, 15. Juli. Der in Konkurs geratene Hofpiano­fabrikant Hintze ist nicht, wie ein Gerücht behauptet, flüchtig, sondern hat ein Sanatorium ausgesucht.

Berlin, 15. Juli. Zur Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche wird in einem Ministerialerlaß besondere Vor­sicht beim Milchhandel empfohlen.

Bozen, 15. Juli. Die Alpenvereinssektion Bremen und ver irredcnlistischcAlpenklub in Triest bewarben sich um eine Quelle in der Breiila-Gruppc für einen Hüttenbau. Die Ver­waltungsbehörde hat jetzt zu Gunsten der Bremer Sektion entschieden.

London, 15. Juli. Nach derDirminghan-Post" würde die Königin von der in diesem Herbst erfolgenden Abreise des Königspaares nach Indien der mit dem KönigShause nahe verwandten Großherzogin - Mutter von Mecklenburg- Strelitz inkognito einen Besuch abstalten. Wahrscheinlich werde die Königin vor ihrer Rückkehr nach England auch einen oder zwei Tage bei dem Kaiser und der Kaiserin zu- bringen.

New-Pork, 15. Juli. Der Nachlaß Mark Twains be­trägt über 470 000 Dollars. Die einzige Erbin ist die Tochter, die Gattin des Komponisten Gawrilowitsch. Die eine Hälfte des Jnveniurs besteht in Grundbesitz und Inventar.

Jtri(ital. Prov. Caserta) 15. Juli. Zwischen den sardinischen Erdarbeitern an der neuen Bahnlinie RomNeapel und der Bevölkerung, welche die Sardinier glühend haßt, kam eS nach einer Meldung desBerl. Lokalanz." zu einem furchtbaren Zusammenstoß. Es wurde nicht nur mit Revolvern geschaffen, sondern auch das Messer geschwungen. Das Eingreifen der Polizei war vergeblich. Die Schlacht endete erst, als zahl­reiche Verwundete und mehrere Tote den Boden bedeckten. Zur Wiederherstellung der Ordnung wurde Militär nach Jtri entsandt.

Petersburg, 14. Juli. Die kaiserliche Jacht ist mit der kaiserlichen Familie an Bord heute abend auf der Standart Reede in den finnischen Schären angekommen, wo sie Anker warf.

Washington, 14. Juli. Dl« von Tarnegi« ins Lrben gerufene Friedensstiftung hat zur Förderung deS Welt­friedens einen hervorragenden japanischen Gelehrten, Dr.

Jnazo Mitobe ans Tokio, nach Amerika berufen. Dr. Mitobe soll im Oklober an den amerikanischen Universitäten Vorlesungen über japanische Geschichte und die schwebenden Fragen halten, um freundlichere Beziehungen zwischen Japan und Amerika herzustellen. Im nächsten Jahre soll ein her­vorragender Amerikaner mit dem gleichen Auftrag nach Japckr entsandt werden.

Prof. Begas.

Berlin, 15. Juli. DieVoss. Ztg," und dasBerl. Tgbl." melden, Professor Reinbold Begas werde an seinem 80. Geburtstag (heute) zum Wirklichen Geheimen Rat er­nannt werden und den Titel Exzellenz erhalten. Das Be­finden des Jubilars läßt viel zu wünschen übrig, hat sich aber im Laufe des gestrigen Tages gebessert.

Hitzschlâge.

Berlin, 15. Juli. Die große Schwüle des gestrigen Tages hatte zahlreiche OhnmachtSanfälle und verschiedene Hitzschläge zur Folge. Mehrfach wurden Personen bewußtlos aufgefunden.

Vertrag.

Lonvon, 14. Juli. Der revidierte Vertrag zwischen England und Japan ist gestern in London unterzeichnet worden. Er enthält einen Zusatzartikel, der besagt, wenn eine der beiden Parteien einen allgemeinen Schiedsgerichts­vertrag mit einer dritten Macht abschließt, so soll der revi­dierte Vertrag dieser Partei nicht die Verpflichtung aufer­legen, einen Krieg mit der Macht zu beginnen, mit der für sie ein solcher Schiedsgerichtsvertrag in Kraft ist. Die Ein­leitung des revidierten Vertrages sagt, die englische und die japanische Regierung glaubt im Hinblick auf die wichtigen Veränderungen der Lage seit dem Abschluß des Vertrags von 1905, daß eine diesen Veränderungen entsprechende Revision zur allgemeinen Stabilität und Ruhe beitragen würde. Der Vertrag tritt sofort in Kraft und bleibt 10 Jahre in Gül­tigkeit. Es sind sonst keine Abänderungen des ursprünglichen Vertrages vorgenommen worden, mit Ausnahme der Fort- lassung des Artikels, der Japans Stellung in Korea betrifft.

Aufruhr in Persien;

Loudon, 15. Juli. DerStandard" meldet auS Teheran: DaS Kabinett ist zurückgetreten, in ganz Persien herrscht Anarchie. Die Straßen sind unsicher. Aus Schiras und Krrmanschah werden Straßenunruhen gemeldet.

Unruhen in Pern.

Lima, 15. Juli. Die hier abgebrochenen Unruhen lassen eine Revolution befürchten. Die Kammermehrheit er­klärt« sich gegen die Politik der Regierung.

Die Pest auf Java.

Haag, 14. Juli. In der vergangenen Woche sind 40 Erkrankungen und 96 Todesfälle an der Pest in Malana auf Java zu verzeichnen gewesen.

Bedenkliche Ausschreitungen.

Paris, 14. Juli. Bei Saint Quentin, Choisy-le-Rop, Gagny und St. Denis wurden zahlreiche Telegraphendrähte

und Signalleiinngen der Eisenbahn zerschnitten. Bei Gurret wurde versucht, einen Zug zur Entgleisung zu bringen.

Ein Konflikt mit Haiti?

New-Pork, 14. Juli. Wie derNew-Dork Herold" auS Port au Prince meldet, hat die Regierung den Vertretern Großbritanniens, Frankreichs, Deutschlands, Italiens und der Vereinigten Staaten mitgeteilt, daß sie es ablehnt, der Forderung, die Schulden in einem Zeitraum von drei Monaten zu bezahlen, nachzukommen. Ein ausländisches Komitee, das sich mit der Angelegenheit befaßte, hat ange­kündigt, daß nach Ablauf der drei Monate Schritte getan würden, um mit oder ohne Beteiligung der Regierung die Angelegenheit auf diplomatischem Wege zu ordnen.

New-Pork, 14. Juli. Angesichts der drohenden Revolution auf Haiti ist das Kanonenboot Petrel nach Cap Haitien beordert worden.

Waldbrände.

Ottawa, 14. Juli. Wie die einlaufenden Berichte zeigen, sind die Schrecken der Waldbrände in keiner Weise übertrieben worden. Sie liefern im Gegenteil noch mehr herzzerreißende Einzelheiten. Hunderte standen stundenlang in dem Wasser des Sees bei Percupinr und mußten sich wegen der Tiefe des WafferS hart am Ufer halten. Viele ertranken und viele andere wurden durch die Hitze blind oder schrecklich verbrannt. Man fand Körper, die vollständig verkohlt waren. Soldaten wurden mit Zelten und Decken für die Ueberlebenden ent­sandt, von denen viele obdachlos sind. Es ist bisher un­möglich, die Zahl der Umgekommenen festzustellen.

Parlamentarische Nachrichten.

Berlin, 14. Juli. Herr von Heyl telegraphiert derTag» Uchen Rundschau", es sei völlig unzutreffend, daß er sich vom politischen Leben zurückgezogen habe, und statt feister Dr. Stephan für den Reichstag kandidieren wolle. Herr Stephan sei lediglich der Wormser Kandidat für den hessi­schen Landtag. Wir hatten die Meldung von vornherein nicht für glaubwürdig gehalten. Herr von Heyl macht eben nicht den Eindruck, als ob er schon aktionsmüde sei. Im Zu­sammenhang damit sei noch mitgeteilt, daß Freiherr von Heyl in einer Zuschrift an dasBerliner Tageblatt" die von diesem Blatt verbreitete Nachricht für völlig unwahr erklärt, daß er infolge einer Versammlung, die Dr. Strese­mann in Mainz abgehalten, die Verbindung mit seinem Rechtsanwalt Dr. Pagenstecher in Mainz gelöst habe, und Volksschullehrer als Dirigenten seiner Arbeitergesangver­eine angestellt hätte, weil sie Vortragskurse des Reichsver- Landes gegen die Sozialdemokratie besucht hätten.

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