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Erstes Blatt.

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Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei der verein. es. Waffenhauses in Hana«.

General-Anzeiger

AMD» GMN fit Stabt- and Landkreis Kama.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- «nd Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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verantwortl. Revaktèur: S. Sattlet in Hana«.

Nr. 163 D-rnsprechanschlitsr Str. 230.

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Samstag den 15. Juli

Fernsprechauschlutz Nr. 230 1911

Die wütige NllMN Et * U.NMsltmZRsv 16 Seiten.

Anttliches.

Stadtkreis F)an au. Polizei-Bevoednung

als Nachtrag zur Droschkenordnung für den Stadtkreis Hanau vom 6. Dezember 1895/17. Juli 1906.

Auf Grund der §§ 37 und 76 der Reichsgewerbeordnung, der §§ 5 und 6 der Allerhöchsten Verordnung über die Poli­zeiverwaltung in den neu erworbenen Landesteilen vom 20. September 1867 und der §§ 143 und 144 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 wird mit Zustimmung des Magistrats der Stadt Hanau folgende Polizeiverordnung als weiterer Nachtrag zur Droschkenordnung für den Stadtkreis Hanau vom 6. Dezem­ber 1895/17. Juli 1906 erlassen:

§ 1.

Die Vorschriften der Droschkenordnung für den Stadt­kreis Hanau vom 6. Dezember 1895/17. Juli 1906 gelten, abgesehen von nachstehenden Abänderungen, auch sinnge­mäß für die als Droschken zugelassenen Kraftfahrzeuge (Kraftdroschken).

§2.

Die §§ 5, 6, 7, 8, 21 und 33 finden auf den Verkehr mit Kraftdroschken keine Anwendung.

§3.

3« 8 3: Außer den zu beiden Seiten des Führersitzes angebrachten Nummern ist dieselbe Nummer mit der da­rüber befindlichen AufschriftHanau" an der Rückseite des Wagens nach außen hin an leicht sichtbarer Stelle anzu­bringen und während der Dunkelheit zu beleuchten.

§4.

Zu 8 8: Für Kraftdroschkenführer gilt folgende Vorschrift:

Die Führer der Kraftdroschken haben im Dienste eine Joppe aus dunkelgrauem Lodenstoff mit Umlegekragen und zwei Reihen weißer Metallknöpfe, sowie Hose von gleichem Stoff zu tragen.

An den Joppenkragen ist vorne beiderseits die Nummer der Droschke in Metallziffern anzubringen. Als Kopfbe­deckung dient eine sogenannte Automobilmütze aus dem­selben Stoff, welche mit einem Rand von weißem Wachs­tuch versehen ist. An der Mütze ist vorne die Wagen­nummer, ebenfalls in Metallziffern, zu führen.

Im Winter und bei schlechtem Wetter ist entweder ein Lodenmantel in der Farbe des Anzugstoffes mit zwei Rei-

Der 80jährme Reinhold Begas.

(Zum 15. Juli.)

Von Ernst Voerschel.

Plastik und Architektur haben auf deutschem Boden immer nur spärlich geblüht. Sie sind Früchte des Südens, die an der strengen Luft des Nordens nicht üppig reifen wollen. Schlüter, Schadow und Rauch, das sind die drei norddeutschen Meister der Plastik während dreier Jahr­hunderte. Bescheidener kann man kaum sein.

Ihnen reiht sich als vierte Persönlichkeit Reinhold Vegas an. Der nunmehr Achzigjährige ist heute ein stiller Mann, der den Meißel, so er ihn erhoben hat, in Gedanken der Erinnerung bald sinken läßt und in seinem in den Schatten des Tiergartens zu Berlin vergrabenen Hause in der Stülerstraße ein beschauliches Patriarchendasein lebt. Die Vergangenheit hält mehr Einkehr bei ihm als die Gegenwart, und er kommt sich einsam in ihr vor, denn seine Jugend bringt sie ihm nicht wieder; seine Jugend, die in dem Berlin der guten alten Zeit und auch in dem Italien der guten alten Zeit lag. Damals hatte Berlin am Pots­damer Tor ein Ende, und das Geburtshaus von Reinhold Begas amKarlsbad" stand für die Berliner so weit draußen wie heute die Villen von Westend. Aber Begas, sich selber vielleicht zum Mythus geworden, gehört zu unsern lebendigsten Berliner Namen. Sein Neptunsbrunnen auf dem Schloßplatz, das Nationaldenkmal Kaiser Wilhelms I. an der Schloßfreiheit, das Schillerdenkmal auf dem Gen- darmenmarkt vor dem Königl. Schauspielhause, das Vis- marckdenkmal vor dem Reichstagsgebäude auf dem Königs- Platz: sie sind nächst dem Friedrichsdenkmal Rauchs und dem Reiterstandbild des Großen Kurfürsten von Schlüter die populärsten Denkmäler Berlins, populärer und dem Volksbewußtsein nähergerückt als die Marmorreihe der Sie- gesallee. Das macht, weil die Persönlichkeit ihres Schöpfers

hen weißer Metallknöpfe und weißem Kragenbesatz, oder ein schwarzer Ledermantel in derselben Ausstattung zu tragen.

§5 .

Zu § 1 der Nachtrags-Polizeiverordnung vom 17. Juli 1906:

Für Kraftdroschken gilt folgende Vorschrift:

Die Dienstzeit der Kraftdroschken ist für mindestens zwei Kraftdroschken, die am Ostbahnhof aufzustellen sind, von 6 Uhr vormittags bis 11% Uhr abends.

Für besondere Gelegenheiten bleiben abweichende Be­stimmungen vorbehalten.

§6 .

Die Bezahlung der Droschkenfahrten erfolgt auf Grun­des dieser Verordnung beigefügten Tarifs nach dem Fahr­preisanzeiger und dem Zeigerstand der Zuschlagsvorrich­tung. Die Berechnung des Fahrpreises für Fahrten außer­halb des Stadtkreises Hanau unterliegt der freien Verein­barung.

§7 .

Der Droschkenführer darf vom Fahrgaste nur den durch die Fahrpreisscheibe bezw. die Zuschlagsvorrichtung ange­zeigten Fahrpreis für geleistete Fahrten oder Wartezeit (§ 6) fordern. Trinkgelder zu fordern ist den Droschken­führern verboten.

§8 .

Der Kraftdroschkenführer hat für die Zeit der durch die Reparaturbedürftigkeit herbeigeführten Außerdienststellung einer Kraftdroschke eine Ersatz-Kraftdroschke zu stellen.

§9 .

Für Kraftdroschken werden besondere Halteplätze (§ 5) errichtet. Nach beendeter Fahrt müssen die Kraftwagen auf dem kürzesten Wege nach dem thuen zugewiesenen Halteplatz zurückkehren.

§ 10.

Kraftdroschken unterliegen namentlich auch hinsichtlich ihrer Beschaffenheit und Ausrüstung außer den Bestimmun­gen dieser Verordnung auch den für den Verkehr und Be­trieb von Kraftfahrzeugen erlaßenen allgemeinen Vor­schriften.

§ 11.

Zuwiderhandlungen gegen diese Verordnung werden sofern nicht nach den allgemeinen. Strafgesetzen höhere Strafen verwirkt sind, mit Geldstrafe bis zu 30 Mark, an deren Stelle im Falle des Unvermögens eine Haststrafe bis zu 3 Tagen tritt, bestraft.

§ 12.

Diese Polizeiverordnung tritt mit dem Tage ihrer Ver­kündigung imHanauer Anzeiger" in Kraft.

Hanau den 28. Juni 1911. P. 6929

Königliche Polizeidirektion.

Frhr. L a u r.

ihnen Wesen und Gestalt von unmittelbarem und charakte­ristischem Eindruck gegeben hat. Die Komposition des Nep­tunsbrunnens, die massige Kraft des Bismarckdenkmals, die edle Linie des Schillerstandbildes und die reiche Pracht des Nationaldenkmals mit der von der Siegesgöttin geführten Gestalt des großen Kaisers geht jedem sofort ein. Ohne Künstelei, aus schöpferischer Seele, find hier im Innern schlummernde Begriffe zu natürlichem künstlerischen Aus­druck gebracht worden.

Und das ist in der Plastik das Wesentliche wie in jeder Kunst. Reinhold Vegas ist gewiß nicht der deutsche Michel­angelo, als den ihn zu Zeiten seines höchsten Ruhmes über­eifrige Enthusiasten hinstellen wollten. Michelangelo hat die Menschheit überragende Typen geschaffen; dem nord­deutschen modernen Meister Vegas war dieses Gigantische des Genies nicht gegeben. Die germanische Objektivität hat auch Vegas in den Grenzen seiner Kunst gehalten, aber diese Grenzen mit der bestne Kraft und den lautersten Mitteln ausgefüllt und nicht ins Uferlose überschritten zu haben, war Begas Bedeutung und Verdienst. Dadurch be­wahrte er sich vor dem Verschwimmen und gelangte zu der Festigkeit, welche die Vorbedingung des großen Kunstwerkes ist. Das Werk von Reinhold Vegas ist außerordentlich groß, und die Sicherheit des Wurfes setzte schon in seiner römi­schen Jugendzeit seine Kunstgenoßen in Erstaunen. Alle Segnungen der klassischen Kunst machte er sich zu eigen, ohne sich von ihnen zur Unpersönlichkeit verführen zu laßen. Er modellierte einen Pan mit Psyche, einen Bacchusknaben, eine Venus mit Amor, eine Phryne, einen Merkur mit Psyche, einen Raub der Sabinerin, eine Centaurengruppe und verfiel nicht in die monotone Linie klassischer Nach­bildnerei, sondern gab allem schon in der frühen römischen Zeit den persönlichen Schwung, die eigene geistige Auf­fassung und eine weitab von dem üblichen Klassischen stehende herbe innere Struktur. Des Meisters Entwicklungs- aang läßt sich nach dieser Richtung hin Schritt vor Schritt

Tarif für Fahrpreisanzeiger - Kraftdroschken.

Taxe 1

Taxe 2

Taxe 3

bis 600 m

Wegestrecke 60 Pfg. je weitere300m

Wegestrecke 10 Pfg.

12 Personen

bis 500 m

Wegestrecke 60 Pfg. je weitere 250m

Wegestrecke 10 Pfg.

85 Personen

bis 300 m

Wegestrecke 60 Pfg.

je weitere 150 m Wegestrecke 10 Pfg.

15 Personen bei Nacht (11 Uhr abends bis 6 Uhr morgens)

bei Sage

Wartezeit' bei Tag und bei Nacht je 2 Minuten 10 Pfg.

Kinder: Für ein Kind unter 10 Jahren in Begleitung Erwachsener ist kein Fahrgeld zu entrichten. Zwei Kinder unter 10 Jahren gelten einer, drei oder vier Kinder unter 10 Jahren gelten zwei erwachsenen Personen gleich.

Gepäck: Für jedes über 10 kg schwere Gepäckstück 25 Pfg^ Handgepäck ist frei.

Hunde: Die Mitnahme eines Hundes 25 Pfg.

Hanau den 28. Juni 1911. P 6929

Königliche Polizei-Direktion.

Frhr. Laur.

Nachdem nunmehr auch das letzte Stück der Hainstraße zwischen Ramsaystraße und Vorstadt mit Kleinpflaster ver­sehen ist, werden die Anlieger der ganzen Straßenstrecke aus die Vorschriften der Polizeiordnung vom 3. Juli 1790 in Verbindung mit der Straßenpolizeiverordnung vom,28. Mai 1909 aufmerksam gemacht. Danach müßen die Straßen einschließlich der Rinnen und Bürgersteige Mittwochs- und Samstagsnachmittags längs der ganzen Frontlänge eines Grundstückes bis zur Mittellinie des Straßendammes gründ­lich gereinigt werden. Verantwortlich hierfür sind die Eigentümer oder Mieter ganzer Häuser.

Die Verpflichtung zur Straßenreinigung beginnt mit der Veröffentlichung dieser Bekanntmachung imHanauer Anzeiger".

Hanau den 11. Juli 1911. P. 7251

Königliche Polizei-Direktion.

J. V.: Karbe.

Bekanntmachung.

Arbeitsuchende in der Zeit vom 7. bis 14. Juli 1911:

1 Former, 1 Knecht, 7 Tagelöhner.

Hanau den 15. Juli 1911. 17519

Städtische Arbeitsvermittelungsstelle.

verfolgen, und wer ihn zum ersten Male aus dem römi­schen Einfluß heraus in seiner selbständigen Kraft betrach­ten will, der sehe sich die Frontalgruppe auf dem Gebäude der Berliner Börse an, die, so ungelenk sie künstlerisch noch sein mag, die starke realistische Gebärde an sich trägt, nach der in feiner Vollendung Vegas' Schaffen drängte. Er er­reichte sie in den beiden wundervollen Büsten Moltkes und Adolf Menzels, die heute zum kostbarsten Bestände der Ber­liner Nationalgalerie gehören. Er fand sie in allegorischen Gestalten in den Darstellungen desDramas" und der Philosophie" am Schillerdenkmal und in den Verkörpe­rungen der Borussia und der Krieger im Hofe des Berliner Zeughauses und erreichte sie monumental in den Figuren am Bismarckdenkmal. Er ist da der ganze Reinhold Begas. Seine Stärke find Einzelfiguren, nicht Gruppen. Er ist im Denkmalsaufbau nicht Architett genug, wenigstens beim Nationaldenkmal fällt das auf. Das Bismarckdenkmal ist sein genialster Wurf. Bismarcks Gestalt, mächtig, unge­schmeidig bis auf die Kleidung, ragt wie eine zu Kraft und Tat gewordene Persönlichkeit hervor. Da ist nrchts Pathos und Pose, da ist alles Leben und Stein.

Reinhold Begas wurde am 15. Juli 1831 in Berlin ge- geboren als der dritte Sohn des Malers Profeßor Karl Vegas, der damals mit Wilhelm Wach als das Haupt der Berliner Malerschule galt. Die Familie wohnte amKarls­bad" vor dem Potsdamer Tor in einem eigenen Landhaus, und bei ihr verkehrte, was es in Berlin an hellen Köpfen auf geistigem und künstlerischem Gebiete gab. Der junge Vegas lernte hier vor allem Rauch fetyten, und wohl noch unbewußt bildeten sich in früher Jugend die Beziehungen zu dem schon ziemlich bewußt angeschlagenen Realismus der Rauch'schen Kunst. Eigentlicher Schüler war Vegas bei Rauch nicht. In den fündiger Jahren nahm Rauch keine Schüler mehr an. 1852 stellte Begas sein erstes selbständi­ges Werk in der Akademischen Berliner Kunstausstellung aus. Es war die EipsgruppeHagar und Ismael". die