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18. Sunt_____________________________________

Danzer in Langenselbold nahm am 22. April abends in ihrer Wohnung einen starken Gasgeruch wahr. Sie wandte sich, da sie ihres Kindes wegen nicht fort konnte, an ihre Nachbarin, die Ehefrau Kath. Leißner, mit der Bitte, zu dem Hauswirt, dem im selben Hause wohnenden Zimmermann Wilhelm Koch, zu gehen, um ihn zur Abstellung des Uebel- standes durch Revision der Gashähne zu veranlassen. Diese sagte, sie habe vor den Eheleuten Koch Angst und ging nicht. Der Ehemann Danzer hatte Nachtdienst und ob des Lamen­tos der Frau Danzer ging Frau Koch, der dies nicht ent­gehen konnte, ihren im Wirtshause befindlichen Mann holen. Als dieser kam und sich durch einen flüchtigen Blick im llnterhause von dem Geschlossensein der Eashähne über­zeugt hatte, sprang er die Treppe hinaus, schlug und stieß zuerst die Ehefrau Danzer und dann auch die Ehefrau Leißner, wobei letztere die Treppe hinabflog. Auch bedrohte er berde Frauen mit Umbringen. Die Beweisaufnahme ließ an der Schuld des Angeklagten keinen Zweifel, wenngleich sie nach der Auffassung des Gerichts nicht in ganz solch un­günstigem Lichte erschien, als die Anklage dies angenom­men hatte. Der Angeklagte hatte auch die Frau Leißner getreten. Der Tritt hatte aber der Frau Danzer gelten sollen.^ Auch hatte der Angeklagte nicht Stiefeln, sondern nur Pantoffeln angehabt. Es lag mithin nicht gefährliche, sondern nur einfache fahrlässige Körperverletzung vor. In dem Hinabstoßen der Frau Leißner, die damals schwanger war, von der Treppe, hatte die Staatsanwaltschaft Miß­handlung^ mittels einer das Leben gefährdenden Behand­lung erblickt. Das Gericht nahm aber nur einfache Körper­verletzung als erwiesen an. Koch wurde sonach wegen Miß­handlung und Bedrohung in je 2 Fällen zu insgesamt 100 Mark oder 20 Tagen Gefängnis verurteilt. Sodann hatte das Gericht einmal wieder Veranlassung, sich mit dem Schießunfug der männlichen Jugend zu befassen. Am Nach­mittage des 18. Mai kamen die jugendlichen Arbeiter Kon­rad Häfner, Heinrich Röder und Heinrich Klingenstein aus Langendiebach von der Arbeit zurück. Kurz vor Langen­selbold, auf der Ehaussee, schossen sie aus einem Terzerol, das dem Röder gehörte, und zwar scharf. Plötzlich erhielt der auf seinem Rade von Hanau gleichfalls von der Arbeit heimkehrsnde Pflasterer Wilhelm Fuhr von Langenselbold einen Schuß in den Rücken. Der Schütze hatte sich in dem Augenblicke etwa 79 Meter von ihm befunden; dennoch hatte das Geschoß den Rucksack, sowie die ziemlich dicke Klei­dung durchschlagen und war noch etwa 1 Eentimeter in das Fleisch gedrungen. Nach Auskunft des Arztes war die Kugel glücklicherweise an einer Nippe abgeprallt, sonst wäre sie in die Lunge gedrungen. Häfner war dieser leichtfertige Schütze gewesen; er wurde wegen unbefugten Schießens in einheit­lichem Zusammentreffen mit fahrlässiger Körperverletzung m't 30 Mk. oder 6 Tagen, seine beiden Genossen wegen un­befugten Schießens mit je 15 Mk. oder je 3 Tagen Haft bestraft. Eine Sache verfiel der Vertagung

Ritter von der traurigen Gestalt auf der Ronneburg.

Gießen, 14. Juni. Gestern verhandelte das Schwurgericht gegen den 21 Jahre alten, wegen Körperverletzung vorbe­straften Arbeiter Friedrich Jakob Weitzel von Breitenborn bei Gelnhausen und den 16 Jahre alten Richard Scherer, der noch unbestraft ist und in Pirmasens geboren wurde. Die Angeklagten sind geständig, in den Tagen vom 16. bis 18. März d. I., nachdem sie in die dem Fürsten von Isen­burg-Wächtersbach gehörige Ronneburg eingedrungen waren, schweren Bandendiebstahl, bei dem sie bewaffnet waren, sowie gemeinsam Sachbeschädigung und Hausfrie­densbruch verübt zu haben. Ferner gestehen sie zu, gemein­sam in dem Dorfe Altwiedermus einen Einbruchsdiebstahl begangen und auf der Ronneburg nach Menschen geschossen zu haben, doch sei es nicht ihre Absicht gewesen, jemand zu töten, wie die Anklage ihnen vorwirft. Sie hätten geschossen, um die Angreifer oder Verfolger zu schrecken. Die Beweis­aufnahme ergibt den nachstehenden Tatbestand, wie ihn die Anklage enthält. Die beiden Angeklagten haben sich in Fechenheim, wo sie eine gemeinsame Schlafstelle hatten, an= gefreundet. Der junge Scherer hat, wohl durch Lesen von Schundliteratur dazu hingeleitet, einen gewissen Hang zu Abenteuern. Er machte dem Weitzel Vorschläge zu Dieb­stählen bei reichen Leuten in Pirmasens, insbesondere bei einer reichen Witwe. Weitzel erzählte dem Genossen von der Ronneburg, die er sehr genau kenne; er fabelte von unter­irdischen Gängen, in der reiche Schätze zu holen seien, und machte schließlich den Vorschlag, dorthin zu gehen, um zu sehen, was zu machen sei. Man wollte dort Quartier nehmen und in der Gegend Diebstähle ausführen. Am 16. März d. I., beide Leute hatten keine Arbeit, schritten sie zur Aus­führung des Planes. Sie kauften in Offenbach zwei Re­volver und Munition, wie Weitzel in der Verhandlung an­gibt, um sich in der Not damit zu wehren. Weitzel trug noch ein Dolchmesser bei sich und eine Diebslaterne. Am selben Abend zwischen 7 und 8 Uhr kamen die Spießgesellen vor der Burg an, kletterten in ein Fenster und drangen in das Ritterhaus ein, wo sie übernachteten. Am andern Morgen gings an die Arbeit. Sie brachen zuerst in den Marstall ein, der im Sommer als Wirtschaft dient, und machten sich über die Vorräte. Aus dem Keller stahlen sie 60 Flaschen Wein. Um sich ein bequemeres Nachtlager zu bereiten, stahlen sie in Altwiedermus eine große Wagendecke. Um sich in dem Burgverließ einen sicheren Unterschlupf zu ver­schaffen, brachen sie ein Loch in die Mauer. Am Nachmittag kauften sie in Hüttengesätz und Altwiedermus Lebensmittel ein, wobei sie zwei Lehrern begegneten, die die Ronneburg besucht und erbrochen gefunden hatten. Diese benachrichtigten den in Altwiedermus wohnenden Burgbeschließer Link, der sich mit mehreren Männern auf die Burg begab. Die beiden Strolche versteckten sich in einem Turm, dessen Fußboden morsch und brüchig war. Als die Verfolger die Turmtreppc hinauf polterten erklärte Weitzel dem Scherer: Es gelte jetzt das Leben so teuer als möglich zu verkaufen, mit seiner

Donnerstag

letzten Kugel werde er sich selbst erschiessen. Als der Burg­beschlietzer in den dunklen Raum gelangte, rief Scherer: Feuer! Eine Kugel streifte den Rock des Beschlietzers. Sie schossen noch zweimal auf die zurückweichenden Verfolger, wobei Link an der Ferse gestreift wurde. Der Veschlietzer verständigte telephonisch die Büdinger Gendarmerie, die auch die Burg durchsuchte ohne die Einbrecher zu finden, die sich inzwischen auf einem Dache versteckt hatten. Der junge Scherer stellte sich am andern Tag in Hanau der Po­lizei, sein Spießgeselle Weitzel wurde kurz darauf festge­nommen. Die Geschworenen bejahten die Schuldftagen in dem Sinne, daß beide Angeklagten auf der Ronneburg, indem sie bewaffnet waren, schweren Bandendiebstahl be­gangen, daß ihnen aber für diese Tat mildernde Umstände zuzubilligen seien; sie seien auch schuldig der Sachbeschädi­gung, des Hausfriedensbruchs unter Mitführung von Waffen, eines weiteren schweren Bandendiebstahls unter Zubilligung mildernder Umstände in Altwiedermus und des Todschlagsversuchs. Wegen des Angeklagten Scherer wurde die Frage, ob er die erforderliche Einsicht besessen, wegen der Strafbarkeit seiner Handlungen ebenfalls bejaht. Das Urteil lautete gegen Weitzel auf drei Jahre Zuchthaus, gegen Scherer auf zwei Jahre Gefängnis, unter Anrechnung der .Untersuchungshaft. Beide nahmen das Urteil an. (Gieß. Anz.)

Sport.

* Futzballwettspiel der Fußballmannschaft 8/88 gegen Homburg-Spielvereinigung zu Wohltâtigkeits- zivecke«. Am Sonntag den 18. Juni spielen oben ange­führte Mannschaften in Homburg auf dem Platz der Hom­burger Spielvereinigung. Der Erlös dient zur Unterstützung der Mutter des bei dem letzten Armeegepäckmarsch verun­glückten Gardisten Nollermann aus Darmstadt. Schon aus diesem Grunde ist ein zahlreicher Besuch des Wettspiels er­wünscht, wie auch sonst das neue Spiel der durch ihre wieder­holten Siege schon rühmlichst bekannten Mannschaft 8/88 gegen die berühmte Homburger Spielvereinigung, Sportlieb­habern empfohlen ist.

Zum Wettspiel Ostkreis-Rordkreis.

Für das am nächsten Sonntag den 18. Juni anläßlich der Tagung des Vorstandes des Verbandes süddeutscher Fußball-Vereine in Hanau auf dem 93er Plätze an der Schönen Aussicht" stattfindende Wettspiel OstkreisNord­kreis sind von den beiden Kreisen folgend« repräsentative Mannschaften aufgestellt worden:

O st k r «i s:

Pekarna (Bayern-München) Stadelbauer I AIdeberl

(M.-T.-V. München) (1. F.-Kl. Nürnberg)

Burger Bark Baumann

(Spielverein Fürth) (1. F.-Kl. Nürnberg) (Bayern-München) Hermann Kalbskopf Steinmetz Stadelbauer IV. Hauck (1. F.-Kl. (München) (1. F.-Kl. (M.-T.-V. (M.-T.-D. Nürnberg) Nürnberg) München) München).

Möller Keller Weißenbach Hirsch van Dasthuysen !Hanau 93) (Kickers- (Germania- (Germania (Sportverein Offenbach) Bieber) Bockenheim) Frankfurt) Hofmann Lehnhardt Jockel (Hanau 93) (Sportv. Wiesbaden) (Kickers-Viktoria-Frankf.) Fiedler Heck

(Mktoria-Hanau) (Hanau 93) Schenk

(Germania-Bockenheim). Nordkreis.

Wenn wir einen Blick auf die Mannschaftsaufstellunq des Ostkreises werfen, so sehen wir, daß der Ostkreis eine über­aus starke Mannschaft schicken wird. Im Tore spielt Pekarna, der bestbekannte, hocherstklassige Torwächter des Ostkreis- meistersBayern"-München, der zweifellos der beste Torwächter SuddeutschlandZ ist und dem die Baysrmannschast wohl in erster Linie ihr vorzügliches Abschneiden in den vergangenen Verbandsspielen zu verdanken hat. Unter den beiden Ver­teidigern ragt Aldebert durch seine blendende Ballbehandlung und seinen weiten Schlag hervor, während sich sein Partner Stadelbauer I durch große Schnelligkeit und Geschicklichkeit auszerchnet. Der beste Teil der Mannschaft ist unstreitig die Läuferreihe mit dem Internationalen Burger, dem früheren schweizer internationalen Bark und dem sehr guten linken Laufer Baumann vonBayern"-München, die dem Sturm der Nordkreismannschaft als ein schwer zu überwindendes Hindernis gegenüberstehen werden. Dieser Läuferreihe schließt sich die sehr flinke Stürmerreihe mit dem altbewährten Stein­metz als Mittelstiirmer und zwei schnellen Flügelfpielern würdig an. Unsere Nordkreismannschaft wird daher alles hergeben müssen, um gegen diesen starken Gegner ehrenvoll abschneiden zu können. Die Mannschaft besitzt ebenfalls hervorragend erstklassige Kräfte, besonders in der Läuferreihe und in der Verteidigung, und es ist zu hoffen, daß sie in diesem Jahre besser abschneidet, wie im Vorjahre, wo sie mit einer Niederlage von 6 : 4 Toren nach Hause zurück­kehren mußte. Das Spiel beginnt um 4 Uhr. Das Schieds­richteramt wird Herr Zachmann aus Durlach versehen.

-Spr.-

* Mainzer Regatta. Die große, zweitägige Regatta des Mainzer Rudervereins nimmt am nächsten Samstag den 17. d. M., um halb 5 Uhr nachmittags, ihren Anfang. Da dre Breite der Bahn nur das gleichzeitige Fahren von fünf Booten gestattet, so müssen am Samstag vormittag bereits Vorrennen stattfinden, deren Beginn auf 10 Uhr festgesetzt st. Am Nachmittag werden dann neun Hauptrennen ge­kartet, bei denen außergewöhnlich scharfe Kämpfe in allen Bootsgattungen zu erwarten sind, da die schwächeren Kon­kurrenten bei den Vorläufen ausscheiden. Den Abend Des ersten Regattatages beschließt ein großes Nachtfest auf den Terrassen und im Garten der Stadthalle. Am Sonntag den 18. beginnen die Hauptrennen um halb 4 Uhr nach­mittags, an diesem Tage werden die Ausscheidungsrennen vormittags von halb 9 Uhr an abgehalten. Von den zehn Hauptrennen am Sonntag interessieren am meisten der Ausgang des Großherzogs-Vierers, des Großen Einers, des Kaiser-Vierers und des Großen Achters. aber auch die

anderen Rennen werden einen hochinteressanten Verlauf nehmen. An beiden Tagen konzertieren auf dem Festplatz die Kapellen des 2. Nassauischen Pionier-Bataillons Nr. 25 und des Leib-Jnfanterie-Regiments Großherzogin Nr. 117. Da der Festplatz von Wiesbaden fast gerade so schnell erreicht werden kann, wie von Mainz, so ist selbstverständlich auch ein sehr starker Besuch seitens der Bäderstadt zu erwarten, und das Leben und Treiben auf den Tribünen und den ü& rigen Plätzen wird sich noch viel interessanter als bei Den früheren Mainzer Regatten gestalten.

Verlosungen. (Ohne Gew.)

Credit Foneier Egyptien. Ziehung vom 15. Mai 1911. Obligationen vom Jahre 1886. Hauptpreise: Nr. 183515 zu 50 000 Fr. Nr. 10240 46042 88880 89408 90589 95918 108293 130867 133198 139323 175741 178198 188667 201021 210581 220869 222965 228457 238321 311565 358592 366998 370822 377832 388578 je 1000 Fres. Obligationen vom Jahre 1903. Haupt­preise: Nr. 538786 zu 50 000 Fr. Nr. 408138 425793 432738 458149 462094 464956 471751 476155 477523 481438 487166 489959 510963 524724 580042 620135 646521 655078 659492 683582 720961 739839 760392 763507 je 1000 Fr. Auszahlung ab 1. Juni 1911.

Serbische Prämien-Lose vom Jahre 1881. Ziehung vom 3./16. Mai 1911. Auszahlung ab 2./15. Juni 1911. Gezogene Serien: 185 188 230 301 327 653 819 1142 1342 1401 1404 1437 1621 1638 1912 1946 2006 2257 2374 2571 2745 2802 8131 3232 3255 3305 3378 3586 3682 3953 4045 4155 4419 4847 4893 5038 5045 5463 5514 5602 5666 5847 6241 6374. Hauptpreise: Serie 1142 Nr. 6 zu 80 000 Fr. Serie 6241 Nr. 33 zu 8000 Frcâ. Serie 14 01 Nr. 19 zu 4500 Fr. Serie 16 21 Nr. 7, Serie 3378 Nr. 22 je 1000 FreS. Serie 653 Nr. 49, Serie 1912 Nr. 24, Serie 5847 Nr. 28 je 500 Fr. Serie 327 Nr. 9, Serie 1437 Nr. 17 je 275 Fres.

Auszüge aus dem Amtsblatt der Söniglichet» Regierung zu Cassel.

Somborn. Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die in der Gemarkung Somborn belegenen, im Grundbuch« von Somborn zur Zeit der Eintragung des Versteigerungs- Vermerkes auf den Namen des Zieglers Lorenz Trageser 3. in Somborn eingetragenen Grundstücke am 23. Juni 1911, vormittags 9 Uhr, durch das Königliche Amtsgericht zu Meerholz an der GerichtSstelle, Zimmer Nr. 1 ver­steigert werden.

EpracheSe des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins.

Zwetgoerein S an cm.

Punkt.

Wie manche Tiere plötzlich in ganz ungewöhnlichen Mengen austreten, sich an die Stelle anderer drängen uns diese für kürzere oder längere Zeit, ja zuweilen für immer besetzt halten, so tauchen auch oft Wörter aus einem beschei­denen Dasein auf und überwuchern die andern in unerhör­ter Weise. Meist ist diese Erscheinung auf gewisse Leute oder auf gewisse Kreise beschränkt. Viele Menschen haben solche Leibwörter, und von Goethe ist es ja allgemein be­kannt, wie ost erbedeutend" sagt, wo ebenso gut oder besser ein anderes Wort stünde. Vor einigen Jahren konnte bei Studentendie Kiste" so ziemlich für jedes andere Haupt­wort gebraucht werden. Man legte sich in die Kiste statt ins. Bett, fragte, was die Kiste (die Sache, die Ware) koste, warf die Kiste (den Krempel) zum Fenster hinaus usw. Wie diese Wörter örtlich beschränkt bleiben, so sinken sie auch gewöhnlich bald wieder auf die ihnen gebührende Stufe hinab. Andere dagegen breiten sich überall hin aus in Schrift und Rede, und auch die Zeit scheint ihnen keine Schranke zu setzen. Zu diesen Wuchergewächsen gehört Punkt", sowohl für sich als in seinen zahllosen Zusammen­setzungen. In Versammlungen werden die verschiedenen Punkte (Gegenstände, Anträge, Fragen, Abschnitte, Sachen) der Tagung behandelt, oder die Tagesordnung wird Punkt für Punkt (Stück für Stück) durchgenommen. Dabei ergeben sich viele Streitpunkte (Streifigkeiten), weil im Punkte des Rechthabens keiner zurückstehen will (weil jeder recht haben will). Ost schweift die Erörterung vom springenden Punkt (von der Hauptsache) ab und verliert sich in Nebenpunkten (Nebendingen). Zu den Glanzpunkten (glänzendsten Lei­stungen) gehören gewöhnlich die Reden, in denen wunde Punkte (bedenkliche Zustände) zur Sprache kommen; doch wird in diesem Punkt (in dieser Beziehung, Hinsicht) des Guten leicht zuviel getan, besonders wenn der Redner einen extremen Standpunkt einnimmt (eine überspannte Ansicht vertritt) oder von einem verkehrten Gesichtspunkt (einer verkehrten Ansicht) ausgeht. Man steht Punkt (Schlag) sechs auf, ist auf dem Punkt (im Begriff) etwas zu tun und begibt sich nach einem Aussichtspunkt (einer Aussicht). Man sagt: der Schmelzpunkt des Eises liegt bei 0 Grad, ohne zu bedenken, daß hier eigentlich Punkt und Grad dasselbe be- deuten. Man will aber gar nicht sagen, daß die Schmelzstelle des Eises bei der Nullstelle (oder -stufe des Thermometers) liegt, sondern daß das Eis schmilzt, wenn ein in ihm stecken­des Thermometer auf 0 zeigt. Dies wird richtiger dadurch ausgedrückt, daß man sagt: Eis schmilzt bei Null; ebenso: Wasser siedet bei Hundert. Es wäre leicht, die Zahl der Beispiele zu häufen. Allein dies würde ermüden, und es 'ann ja auch jeder bei einiger Aufmerksamkeit genug Davon inden. Besonders aber sollte er darauf achten, daß sich ihm derPunkt" nicht überall hineindränge. Wenn dieser Wunsch erfüllt würde, dann wäre der Zweck dieser Zeilen erreicht. Und damit: Punktum (Schluß)! Bender (München),